3.

Neu-Jahrs-Wuntsch an Eine Fürstliche Person

[247] Treue Fürstin, unsrer Welt

Ist auffs neue zugestellt

Von der Sonn ein edler Ring,

Wie sie iedes Jahr empfing.

Ach! es wolle diesem Ringe

Seyn verpflichtet diß Gedinge:

Daß er steh zu sichrem Pfande

Eurem Glück und Segens-Stande,

So wie Ihr, Ihr Fürsten-Gold,

Haupt und Gliedern Heil und Hold

Gabt durch den Vermählungs-Ring,

Den mein Printz von Euch empfing!

Krieg, weich ab und neme Scheue

Für deß Friedens fromer Treue![247]

Böse Tück und Triegligkeiten

Lauffen für den Redligheiten!

Altes Arg sterb alles hin,

Neues Wol blieb immer grün!

Altes Unrecht, alter Drang,

Geh zur Hölle schnellsten Gang!

Heldin, Euren tapffren Sinnen

Fehle nimmer kein Beginnen!

Eurem Willen müsse lachen,

Was sich sonst pflegt ernst zu machen!

Eurem schaffen müsse stehn,

Was von dannen sonst wil gehn!

Eurem wincken kumme her,

Was sonst blieben sonst wo wär!

Ach, daß Eure reine Schöne

Keine Schwachheit nie verhöhne!

Daß stets Eure Liebligkeiten

Opffer nemen von den Zeiten!

Daß stets Eure Frömigkeit

Sey ein Gifft für Haß und Neid!

Daß der ungefälschte Mut

Sey für List und Vorthel gut!

Was Euch sonsten ist bescheiden

Von dem Himmel, müsse neiden

Ieder, der auß schwartzer Tücke

Nagt deß andren redlich Glücke.

Frölich mussen drüber seyn,

Die sich liessen schreiben ein

In den Biedermannes Bund,

Da kein Dupelman nie stund!

Lange, lange müssen laben

Meinen Herrscher Eure Gaben!

Lange, lange müst ihr leben,

Diese Gaben außzugeben,

So daß die gepaarte Treu

Immer bleibe frisch und neu!

Biß Piastus alter Baum

Wieder kumm in ersten Raum,[248]

Daß er mit gevielten Zweigen

Müge biß zun Sternen steigen,

Daß er unser Land bebreite

Mit deß Schatens grüner Weite,

Daß der lechzend Unterthan

Drunter sich erfrischen kan,

Daß er kan von seiner Frucht

Niessen, was er darff und sucht!

Ich, so ich mich darff vermessen,

Meiner selbst nicht zu vergessen,

Wüntsche mir zu meinem Theile:

Daß mir ietzt und alle weile

Meine Herrschafft traue zu,

Daß ich nimmer spar und ruh,

Ohne Ruhm und ohne Schein

Treuer Unterthan zu seyn.

Quelle:
Friedrich von Logau: Sämmtliche Sinngedichte, Tübingen 1872, S. 247-249.
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Die tapfere Wahrheit. Sinngedichte. Insel-Bücherei Nr. 614
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