394. Wildes Feuer.

[263] Am 28. Januar im Jahre 1598 in der Nachmitternacht zwischen Freitag und Sonnabend ward ein großes Feuer, ungleich größer als ein Haus, gesehen, daß es aus Heide herauswandelte und darauf nach Norden zu den Weg nach Lunden vor sich hinfuhr. Dreien Leuten, einem bei Heide, darnach gegen Stelle, endlich bei den Bergen, ist es begegnet, die alle glaubwürdige, auch glaubwürdig erzählen, daß sie nicht allein in solchem Feuer gewesen, sondern auch seine Wärme empfanden.

In demselben Jahre auf Mariä Verkündigung erblickte man in Archsum auf Sylt ein Feuer, das wilde Feuer genannt. Es zeigte sich an jedem Tage, begann, wenn die Sonne im Osten war, und brannte fort, bis die Sonne unterging. Es blieb übrigens nicht an einem Fleck, sondern flackerte hin und her, und obgleich es oft zu verlöschen schien, so begann es doch bald wieder sich zu zeigen. Viele Menschen haben es gesehen, es dauerte bis Jakobi selbigen Jahrs. – Von Westerland und Wenningstede aus, ist südwestlich von Braderup auf dem Fröddenhoog noch heute das Braderuper Licht sichtbar. Es verliert sich, sobald man sich nähert. Was es aber bedeutet, weiß man nicht.


Neocorus II, 342. Herr Hansen auf Sylt.

Quelle:
Karl Müllenhoff: Sagen, Märchen und Lieder der Herzogthümer Schleswig, Holstein und Lauenburg. Kiel 1845, S. 263.
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