III.

[546] Winnetou stand wie vorher am vorderen Steuer und lenkte das Floß nach dem rechten Ufer, denn wir waren in der Nähe der Stelle angekommen, wohin wir Fletcher und unsere Pferde geschafft hatten. Die acht Befreiten glaubten, hier aussteigen zu dürfen, doch Winnetou bedeutete sie:

»Bleibt sitzen! Wir fahren weiter.«

»Warum legt ihr denn hier an, wenn wir nicht an das Land sollen?« fragte einer in vorwitzigem Tone.

»Weil wir hier unsere Pferde haben.«

»Und wir haben keine! Donnerwetter! Hattet ihr denn keine Zeit oder keine Lust, unsere Pferde auch loszumachen? Auch fehlen uns unsere Waffen. Wie können wir hier im wilden Westen fortkommen, wenn wir keine Gewehre und keine Messer haben! Das hättet ihr euch doch beim Teufel sagen sollen!«

Es trat eine kurze Pause ein, dann fragte der Apatsche:

»Heißt der junge, weiße Mann, welcher jetzt gesprochen hat, vielleicht Fletcher?«

Ich kannte den Ton, in welchem er diese Frage aussprach, sehr genau. Man konnte ihn stets dann bei ihm hören, wenn er mit einem verächtlichen Menschen sprechen mußte und sich Mühe gab, seinen Zorn zu unterdrücken.

»Ja,« antwortete der Gefragte.

»So ist er also der Sohn des alten Bleichgesichtes, welches man Old Cursing-Dry nennt?«[546]

»Alle tausend Teufel! Wer erlaubt es Euch, diesen Namen auszusprechen?«

»Winnetou erlaubt es sich selbst und möchte den Menschen sehen, der es wagt, ihn darüber zur Rede zu stellen!«

»Ich wage es! Dieser Name ist ein Schimpfname, den ich nicht dulde! Wo ist überhaupt mein Vater? Er war fort, als wir überfallen wurden, und kann nicht mit gefangen worden sein. Ich will nicht annehmen, Mesch'schurs, daß ihr uns von hier entführt und meinen Vater in der Tinte stecken laßt. In diesem Falle würde euch ein ... in die Knochen fahren, und ich schwöre euch bei ...«

»Halt!« unterbrach ihn Winnetou. »Keinen Schwur und keinen Fluch; das dulden wir nicht! Der alte Fletcher ist in sicherer Hut und wird morgen mit euch zusammentreffen. Euch jetzt gleich eure Pferde und Waffen zu verschaffen, diesen Gedanken hätten wir nur dann hegen können, wenn sich in unserm Hirn keine Spur von Verstand mehr befände. Winnetou wird euch aber sagen, was geschehen soll: Die Pa-Utes werden uns verfolgen, und wir locken sie in eine Falle, aus welcher keiner von ihnen zu entkommen vermag. Dann müssen sie alles herausgeben, was sie euch abgenommen haben. Die Krieger der Navajos warten schon auf sie, um sie gefangen zu nehmen. Wer kein Pferd hat, muß auf dem Floße bleiben, bis wir an Ort und Stelle sind. Der Fluß macht von hier aus einen großen Bogen, welcher nach der Stelle führt, die von den roten Männern Sitsu-to5 genannt wird. Erinnert sich mein Bruder Shatterhand dieser Stelle noch genau?«[547]

»Ja,« antwortete ich. »Wenn wir jetzt von hier fortreiten, sind wir bei Tagesanbruch dort.«

»Das ist richtig. Wir, die wir auf dem Floße fahren, werden etwas später dort ankommen. Mein Bruder Shatterhand hat vier Pferde. Er mag mit Dick Hammerdull, Pitt Holbers und einem von ihren vier Gefährten aussteigen und mit ihnen nach dem Sitsu-to reiten, um dort auf uns zu warten. Was nachher zu thun ist, wird sich dann ergeben.«

Wir hatten acht Gefangene befreit, vier Gefährten von Hammerdull und Holbers und vier Kumpane des alten Fletcher. Winnetou gab mir nicht ohne Absicht einen der ersteren mit und nicht einen der letzteren. Fletcher war ja unser Gefangener. Hammerdull wählte sich einen seiner Freunde aus; dann stiegen wir an das Ufer, von welchem das Floß sogleich wieder abstieß. Es war immerhin ein Wagnis für Winnetou, mit vier solchen Menschen zu fahren, wie der junge Fletcher einer war. Nach seinen unverschämten Forderungen und seiner Ausdrucksweise zu urteilen, war auch hier der Apfel nicht weit vom Stamme gefallen.

Wir vier Männer verließen das Ufer und fanden trotz der Dunkelheit die Schlucht, in welcher wir unsere Pferde angebunden hatten. Es war nichts Störendes hier eingetreten. Old Cursing-Dry hatte zwar, wie ich bemerkte, gewaltig an seinen Fesseln herumgezerrt, doch waren seine Anstrengungen ohne den geringsten Erfolg gewesen. Er wurde wieder auf sein Pferd gesetzt und dort festgebunden.

Der Gefährte Hammerdulls wunderte sich nicht wenig darüber, daß Fletcher sich bei uns in einer solchen Behandlung befand; er wurde mit kurzen Worten darüber aufgeklärt; dann stiegen wir auf und ritten fort, indem[548] wir den Fluß verließen und die freie Ebene aufsuchten, um dort in einer schnurgeraden Linie den Bogen des Rio San Juan abzuschneiden. Hier gab es kein Laubdach über uns, und wir sahen die Sterne leuchten, bei deren Schein wir in keine falsche Richtung geraten konnten.

Ich ritt, Fletchers Pferd neben mir am Zügel führend, die ganze Zeit voran, und kümmerte mich nicht um das Gespräch, welches die drei andern hinter mir nicht ausgehen ließen. Das Ereignis des letzten Abends gab ihnen Stoff genug dazu.

Als der Tag graute, sahen wir von weitem den grünen Streifen, welcher den Fluß besäumte, und erreichten bald darauf das Wasser, an welchem wir abstiegen, um auf Winnetou zu warten. Fletcher wurde natürlich wieder angebunden. Er hatte während des ganzen Rittes den Knebel im Munde gehabt; ich befreite ihn aus Mitleid von demselben; kaum aber hatte er die Zunge frei, so ließ er einen solchen Schwall von Flüchen und Verwünschungen über uns los, daß ich ihn nur durch die Drohung, ihm den Knebel sofort wieder zu geben und ihn dann noch extra durchpeitschen zu lassen, zum Schweigen bringen konnte.

Wir hatten gestern aus Sicherheitsrücksichten die zweite Hälfte der Fische nicht gebraten; darum brannten wir uns jetzt ein Feuer an, um aus dem versäumten Abendmahle ein Frühstück zu machen. Fletcher bekam auch seinen Teil. Während des Essens wollte Hammerdull die Fragen aussprechen, welche er bis jetzt still auf dem Herzen gehabt hatte. Ich winkte ihm, zu schweigen, denn Fletcher durfte nichts hören. Als dieser dann gegessen hatte, bekam er den Knebel wieder und wurde samt seinem Pferde eine genügende Strecke fortgeschafft und dort wieder festgebunden. Dann ließ sich aber der[549] Dicke nicht länger halten, denn seine Neugierde war zu groß, und er erkundigte sich:

»Warum soll der Alte nicht hier bleiben, Mr. Shatterhand? Warum steckt Ihr ihn dort in die Büsche?«

»Weil sein Sohn, wenn er hier vielleicht aussteigt, ihn nicht sehen darf, denn er würde gegen uns rebellieren, während er wahrscheinlich so lange ruhig bleibt, als er nicht weiß, was wir mit seinem Vater vorhaben.«

»Well, das ist klug; ich begreife es. Aber ich habe noch hundert Fragen, die – – –«

»Die Ihr viel besser für Euch behaltet,« unterbrach ich ihn. »Nehmt Eure Angeln und versucht, ob es hier Fische giebt. Wenn Winnetou kommt, werden er und seine Begleiter Hunger haben. Ich will Euch währenddessen kurz folgendes sagen: Die Pa-Utes werden uns natürlich verfolgen, zu Lande und zu Wasser. Da sie in der Dunkelheit unsere Spuren nicht sehen konnten, mußten sie bis Tagesanbruch warten, und haben die Nacht dazu benutzt, auch Flöße zu bauen. Auch sind während dieser Zeit die beiden Toten begraben worden, damit beim ersten Morgenscheine ihrem Aufbruche nichts im Wege stand. Ihr könnt Euch also leicht berechnen, welchen Vorsprung wir vor ihnen haben.«

»Den werden sie nicht einholen!«

»Nein, aber um sie zu reizen, werden wir sie möglichst nahe an uns herankommen lassen, damit sie die Unvorsichtigkeit begehen, uns in den Cañon zu folgen.«

»Werden die Navajos schon dort sein?«

»Jetzt noch nicht; auch wir können ihn erst heut gegen Abend erreichen, und bis dahin ist Nitsas-Kar mit seinen Kriegern sicher dort. Das ist alles, was uns für jetzt zu wissen nötig ist.«

»Aber Ihr habt doch nicht mit Winnetou darüber[550] gesprochen. Vielleicht hat er einen ganz andern Plan als Ihr?«

»Nein. Ich kenne ihn, und er kennt mich. Und nun seht, daß wir Fleisch bekommen!«

Hammerdull und Holbers waren heute wieder glücklich. Sie machten in kurzer Zeit einen guten Fang und hörten eben auf, als wir von weitem das Floß kommen sahen. Die Fische kamen sofort über das Feuer, damit die Hungrigen nicht lange auf das Essen zu warten brauchten. Winnetou stand hochaufgerichtet vorn auf dem Floße und blickte mit Spannung zu uns her. Als er den alten Fletcher nicht sah, nickte er mir befriedigt zu und lenkte das Fahrzeug an das Ufer, wo es angebunden wurde. Der Duft der gebratenen Fische zog die acht Männer so an, daß sie einige Augenblicke später kauend am Feuer saßen.

Jetzt am Tage konnte ich die Gesichter sehen. Die vier Kerls, welche zu Old Cursing-Dry gehörten, hatten keine vertrauenerweckenden Gesichter, und die Art und Weise, wie sie sprachen und sich benahmen, legte kein gutes Zeugnis für sie ab. Winnetou führte mich abseits, um das Nötige mit mir zu besprechen. Wir machten es kurz und waren eben damit fertig, als der junge Fletcher uns zurief:

»Was giebt's für Heimlichkeiten dort? Habt ihr etwa ein böses Gewissen, daß wir nicht hören dürfen, was ihr redet?«

Da antwortete Dick Hammerdull:

»Ihr scheint nicht zu wissen, mit wem Ihr sprecht, Mr. Fletcher. Old Shatterhand und Winnetou sind nicht gewöhnt, in einem solchen Tone angeschossen zu werden!«

»So? Soll ich mich etwa mit schönen Komplimenten[551] dafür bei ihnen bedanken, daß sie mir das Maul nicht vergönnen?«

»Ob Maul oder ob nicht Maul, das bleibt sich vollständig gleich; aber Ihr riskiert sehr stark, daß Ihr auf das Eurige geschlagen werdet!«

»Möchte den sehen, der den Mut hätte, dies zu wagen! Daß ihr uns befreit habt, ist ganz Nebensache, denn das war eure ... Pflicht und Schuldigkeit, und wir sind euch keinen Dank dafür schuldig. Ich will jetzt unbedingt wissen, wo mein ... ist!«

Es war geradezu empörend, das Wort zu hören, welches er anstatt »Vater« gebrauchte. Dick antwortete:

»Wenn Ihr mit diesem schönen Ausdrucke Euren Vater meint, so will ich Euch sagen, daß dieser schon vor uns auf dem Wege zu den Navajos ist. Nicht wahr, Pitt Holbers, altes Coon?«

»Ja, lieber Dick,« nickte dieser, »wenn er vor uns ist, kann er nicht hinter uns sein.«

»Well, wenn das so ist, so bin ich einstweilen zufriedengestellt,« erklärte Fletcher. »Hoffentlich gehen uns die ... Utes in die Falle; dann aber sollen sie ...«

Es folgte wieder eine Flut von Verwünschungen, die nicht wiederzugeben ist, und er knüpfte daran die Erzählung einiger Erlebnisse, aus denen mehr als zur Genüge hervorging, daß die beiden Fletchers gewohnt waren, jeden Indianer als ein Wesen zu betrachten, welches »ausgelöscht« werden müsse. Wie viele rote Männer mochten sie auf ihrem Gewissen haben!

Weil wir den Vorsprung, den wir vor unsern Verfolgern hatten, möglichst verringern wollten, blieben wir volle vier Stunden am Sitsu-to beisammen; dann fuhr Winnetou mit seinen sieben Männern wieder ab. Wir andere sorgten dafür, daß die Pa-Utes bei ihrer Ankunft[552] schon von weitem sehen konnten, daß das Floß hier angelegt hatte und auch von uns Reitern da Rast gehalten worden war; dann verließen auch wir den Ort, nachdem wir selbstverständlich Old Cursing-Dry aus seinem Verstecke geholt hatten. Wir nahmen ihm unterwegs den Knebel wieder ab, und wenn er es auch nicht wagte, uns selbst zu verlästern, so bekamen wir doch fast unausgesetzt Ausdrücke von ihm zu hören, wie ich sie noch aus keinem Munde vernommen hatte. Besonders beschwor er wieder und immer wieder, daß er nicht Mörder der beiden Pa-Utes sei.

Unsere Richtung führte uns oft an den Fluß und wieder von ihm ab, bis wir am Spätnachmittage seinem Ufer endgültig zu folgen hatten. Hinter uns lag eine weite, felsige Ebene, links der Strom, und vor uns stiegen allmählich Höhen auf, welche weit vorn senkrechte Wände bildeten, zwischen denen der Rio San Juan verschwand. Das war der Cañon, in dem wir die Pa-Utes fangen wollten. Ob sie aber hineingehen würden, das war die Frage.

Um sie dazu zu bewegen, hatte ich mich mit dem Apatschen verabredet, hier halten zu bleiben, bis sie uns sehen konnten; er wollte auf dem Floße dasselbe thun. Wir stiegen also ab und warteten. Es war kaum eine Viertelstunde vergangen, als wir einen Reiter am Flusse aufwärts kommen sahen. Es war ein Navajo, welcher uns meldete, daß seine Krieger angekommen seien und sich so aufgestellt hätten, wie es von Winnetou befohlen worden war. Dann entfernte er sich wieder, um Nitsas-Kar zu sagen, daß er uns getroffen habe.

Kurze Zeit später sahen wir unser Floß kommen. Ich gab Winnetou den verabredeten Wink, worauf er am Ufer anlegte, um ebenso wie wir zu warten. Der[553] Fluß bildete aufwärts eine schnurgerade Linie, und Winnetou konnte also das Kommen seiner Verfolger fast ebensoweit bemerken, wie wir die Ankunft der unserigen. Dick Hammerdull warf die Frage auf, ob die Pa-Utes sich überhaupt auf unsere Verfolgung gemacht hätten, da deutete Pitt Holbers in die Ferne und sagte:

»Schau hinter dich, alter Dick; da wirst du sehen, daß Mr. Shatterhand jetzt wie gewöhnlich recht hat.«

Ja, sie kamen! Ein großer Reitertrupp, wohl zweihundert Mann stark! Wir blieben noch immer halten. Als wir von ihnen auch gesehen wurden, hielten sie an. Da wurden unsere Augen nach dem Flusse abgelenkt, denn auf diesem waren weit oben vier, fünf Flöße zu bemerken. Winnetou sah sie auch und ruderte vom Ufer ab, um sich ihnen zu zeigen. Sie entdeckten ihn und steigerten sofort ihre Schnelligkeit, während zu gleicher Zeit der Reitertrupp sich hinter uns in rasche Bewegung setzte. Es hatte allen Anschein, als ob unser Plan gelingen sollte.

Wir ritten weiter, und zwar so, daß wir mit Winnetou immer parallel blieben. Zuweilen hinter uns blickend, gewahrten wir nach einiger Zeit, daß die Reiter die Stelle erreichten, an welcher wir gehalten hatten, und von da aus ihre Flöße und auch das Floß Winnetous sahen. Hören konnten wir sie nicht, aber die hoch erhobenen Arme belehrten uns, daß sie ein Triumphgeheul ausstießen. Dann setzten sie ihre Pferde in Galopp; wir thaten dasselbe. Der Fluß trat hier zwischen engere Ufer, wodurch seine Schnelligkeit so vermehrt wurde, daß Winnetou uns auch jetzt parallel bleiben konnte.

Die Felsen stiegen höher und höher an und traten bald so nahe zusammen, daß zwischen ihnen und dem Wasser ein kaum fünf Meter breiter Weg blieb, der nach[554] und nach sogar noch schmäler wurde. Der Eingang zum Cañon war da. Ein scharf forschender Blick zur Seite empor zeigte mir, daß die eine Abteilung der Navajos ihren Posten besetzt hielt. Es ging im Galopp weiter, immer zwischen himmelhoch scheinenden Felsenwänden neben dem Wasser hin, über Risse und Steinbrocken hinweg, in Dreivierteldunkelheit, bis es plötzlich wieder hell vor uns wurde, weil die natürlichen Mauern sich jäh abwärts senkten.

Da legte sich uns ein Felsenwirrwarr in den Weg, hinter dessen Blöcken die Gestalten der andern Navajos-Abteilung auftauchten. Wir hielten an, um abzusteigen und unsere Pferde durch die engen Zwischenräume zu leiten. Der Häuptling selbst bewillkommnete uns, und ich übergab ihm den alten Fletcher mit der Weisung, ihn ja sehr scharf bewachen zu lassen. Gleich darauf ließ Winnetou sein Floß auf eine schiefe Ebene des Ufers treiben und kam mit seinen Leuten herbei zu uns. Das ging freilich viel schneller, als ich es erzählen kann, und da sahen wir auch schon hoch oben in der Röhre, welche der Cañon zu bilden schien, die Flöße und Reiter der Pa-Utes erscheinen; sie befanden sich in der Falle.

Ich legte den weittragenden Bärentöter an und schoß zwei Pferde nieder. Die Schüsse donnerten zwischen den Felsenwänden wie Kanonenschüsse. Die Navajos sprangen aus ihren Verstecken hervor; auf allen Kanten, Riffen und Vorsprüngen waren sie zu sehen, die ihre Gewehre schußfertig hielten. Als das die Reiter der Pa-Utes bemerkten, parierten sie ihre Pferde und winkten ihren Leuten auf den Flößen zu, schnell an das Ufer anzulegen, was sofort geschah, obgleich es nicht leicht auszuführen war. Nun fielen auf beiden Seiten Schüsse, die bei uns keinen Schaden anrichteten. Die Feinde sahen ein, daß[555] sie bei uns nicht durchkommen konnten, und wendeten sich zurück; als sie verschwunden waren, kamen die leeren Flöße an uns vorüber geschwommen. Nun warteten wir, doch nicht lange, da kamen die Utes wieder, doch ohne sich in die Schußweite an uns zu wagen. Sie waren von unserer obern Abteilung abgewiesen worden und mußten einsehen, daß sie sich in unserer Gewalt befanden, denn während wir Raum hatten, uns auszubreiten, so daß jeder von uns schießen konnte, waren sie auf einem so schmalen Wege eingeengt, daß nur die Vordersten sich ihrer Gewehre bedienen durften, wenn verhütet werden sollte, daß einer den andern verletze. Und lange in dieser gefährlichen Enge eingeschlossen bleiben, vielleicht gar über Nacht? Daran zu denken wäre Blödsinn gewesen. Wir waren also überzeugt, nicht lange auf den Erfolg warten zu müssen.

Dies zeigte sich als richtig, denn schon nach einiger Zeit kam einer von ihnen auf uns zugeschritten, der als Zeichen der Friedfertigkeit ein Tuch oder dergleichen in der Hand schwang. Wir ließen ihn herankommen und er sagte uns, daß sein Häuptling mit unserm Anführer sprechen wolle. Wir erteilten ihm den Bescheid, daß Pats avat zu uns kommen und volle Sicherheit seiner Person haben solle.

Was wir erwartet hatten, das geschah: Der Häuptling der Pa-Utes schenkte unserm Versprechen Glauben und stellte sich bei uns ein. Die Verhandlung wurde in echt indianischer Langsamkeit geführt, so daß es darüber Abend wurde und ein Feuer angebrannt werden mußte. Der Häuptling der Navajos verlangte Frieden und fünfzig Gewehre; der Anführer der Pa-Utes wollte Frieden halten, aber keine Gewehre geben, denn es sei ihm sein Sohn und ein Krieger erschossen worden. Da legte sich[556] Winnetou ins Mittel, und die Folge seiner Vorstellung war, daß Pats avat die Gewehre gab und den Mörder seines Sohnes ausgeliefert erhielt. Als dieses Einvernehmen erzielt war, wurde es von beiden Seiten mit dem Kalumet beraucht, und der Pa-Ute kehrte zu seinen Leuten zu rück, um ihnen den Vertrag mitzuteilen. Daß er, der Angreifer, so gut weggekommen war, hatte er nur der Humanität Winnetous zu verdanken.

Nun wurde ein Bote zu unserer obern Abteilung gesandt, worauf alle Navajos sich vom Cañon nach dem hohen Ufer zogen; die Pa-Utes folgten ihnen. Dort wurde Lager gemacht, und es interessierte mich ganz besonders, daß von dem Augenblicke des Uebereinkommens an von keiner Seite ein Mißtrauen mehr vorhanden war.

Die beiden Parteien lagerten einander nahe gegenüber. Für Pats avat war es äußerst schwierig, diejenigen seiner Krieger zu bestimmen, welche ihre Gewehre herzugeben hatten, und es dauerte fast bis Mitternacht, ehe sie gebracht wurden und er auch kam, um den Mörder ausgeliefert zu erhalten. Es versteht sich ganz von selbst, daß er auch alles den acht Weißen abgenommene Eigentum zurückzugeben hatte. Er brachte diese Sachen, auch die Pferde, gleichzeitig mit den Gewehren, und es stellte sich heraus, daß keiner der Gegenstände fehlte. Mit ihm war auch der Pa-Ute gekommen, welcher mit den beiden Ermordeten vorangeritten war und den fliehenden Mörder gesehen hatte.

Natürlich mußte Old Cursing-Dry, ehe er ausgeliefert werden konnte, des Mordes überführt werden. Es wurde darum eine Jury zusammengesetzt, welche aus den beiden Häuptlingen, Winnetou, Dick Hammerdull und mir bestand.

Fletcher war so isoliert gehalten worden, daß ihn[557] sein Sohn bis jetzt noch nicht gesehen hatte; nun aber, als er gefesselt an unser Feuer gebracht wurde, sah der junge den alten und drängte sich wutschnaubend zu uns, um unter wilden Flüchen die Freiheit seines Vaters zu verlangen. Es gab einen Auftritt, den ich nicht beschreiben mag und dem man nur dadurch ein Ende bereiten konnte, daß Fletcher jun. auch gebunden wurde und einen Wächter bekam.

Nun bildete sich ein weiter Kreis von Zuhörern um uns. Ehe das Verhör begann, welches Winnetou leitete, wurden dem Angeklagten nach altem Savannenbrauche die Fesseln abgenommen; an eine Flucht war ja nicht zu denken. Der Zeuge erkannte in ihm sofort denjenigen, den er hatte fliehen sehen, und als ihm hierauf Fletchers Pferd vorgeführt wurde, erklärte er mit aller Bestimmtheit, daß es dasjenige sei, auf welchem der Mörder gesessen habe. Der Beweis war erbracht. Als nun Fletcher das Wort zu seiner Verteidigung erhielt, konnte er nichts vorbringen als Flüche und Verwünschungen, welche in den bereits zweimal ausgesprochenen Worten endeten, daß er erblinden und zerschmettert sein wolle, wenn er der Mörder sei. Da er das Wort vor der Jury hatte, mußten wir ihn aussprechen lassen; es war aber kaum anzuhören. Dazu sein Aussehen! Sein Gesicht glich eher dem eines wütenden Tieres als einem menschlichen!

Pats avat, der Vater des Ermordeten, saß mir gegenüber. Er hatte sein Gewehr neben sich liegen; ein Messer, der Tomahawk und eine alte, doppelläufige Pistole steckten in seinem Gürtel, an welchem auch der lederne Pulverbeutel hing. Wahrscheinlich nur um etwas zu thun, wobei er seinen Grimm, seine Aufregung verbergen könne, zog er die Pistole und begann sie zu laden; ich achtete nicht darauf, denn meine Aufmerksamkeit war auf[558] Old Cursing-Dry gerichtet, welcher grad jetzt seine letzte Lästerung hervorstieß. Hierauf wiederholte Winnetou die Punkte der Anklage; für die Verteidigung hat sich kein Punkt ergeben, und nun mußten wir das Urteil fällen. Als es einstimmig auf schuldig lautete, stand der Apatsche auf und sagte:

»So hat also dieses gerechte Savannengericht erkannt, daß Old Cursing-Dry die beiden Krieger der Pa-Utes ermordet hat, und da wir versprochen haben, den Mörder auszuliefern, so sei er hiermit dem Häuptlinge der Pa-Utes übergeben, der mit ihm thun mag, was ihm gefällt. Howgh!«

Da erhob sich auch Pats avat. Die Pistole in der linken Hand, streckte er die rechte nach dem Mörder aus und rief:

»Dieses weiße Raubtier gehört von jetzt an mir. Er wird gleich jetzt an den Pfahl gebunden und so gemartert werden, daß er drei Tage und drei Nächte lang vor Schmerz brüllen soll, ohne sterben zu können, denn er hat nicht nur den Doppelmord begangen, sondern ist der Quäler und Mörder noch vieler anderer roten Männer. Howgh!«

Fletcher stand kurze Zeit bewegungslos und starr; dann zischte er den Häuptling an:

»Ich sterben? Am Marterpfahle? Obgleich ich erblinden will, wenn ich es gewesen bin? Roter ... Hund! Giebt es keine Rettung mehr für mich, dann sollst du auch zum Teufel fahren! Paß auf!«

Er entriß dem Häuptling die Pistole, richtete sie auf ihn und drückte ab; im nächsten Augenblicke hielt er sie sich an die Schläfe und drückte wieder ab. Die beiden Schüsse ertönten fast wie einer so schnell hintereinander. Man sah kaum, daß der Häuptling beim ersten Schusse[559] zur Seite sprang und beim zweiten die Hand nach der Pistole ausstreckte. Wir fuhren alle von den Sitzen auf, glaubend, daß beide tot niederstürzen müßten; aber der Häuptling stand unverletzt und sagte hohnlachend:

»Er traf mich nicht, denn ich stieß seine Hand auf die Seite, und es war nur erst das Pulver, keine Kugeln in den Läufen. Aber schaut den bleichen Hund! Was ist mit ihm geschehen?«

Ja, was war mit Fletcher geschehen? Er hatte die Pistole fallen lassen und stand starr, die Hände auf die beiden Augen gedrückt; dann nahm er die Hände weg und hob den Kopf, als ob er gegen den Sternenhimmel sehen wolle, stieß einen schrillen, markdurchdringenden Schrei aus und warf sich auf die Erde nieder, in der er jammernd mit den Fäusten wühlte.

»Uff, uff, uff!« rief Winnetou. »Er wollte erblinden, wenn er schuldig sei, und hat sich jetzt das Pulver in die Augen geschossen. Das Prairiegericht hat ihn verurteilt; aber der große Manitou hat ihn noch viel gerechter gerichtet. Diesem Flucher und Lästerer ist genau so geschehen, wie er selbst vom großen Geist gefordert hat. Winnetou, der Häuptling der Apatschen, hat viel gesehen und erlebt, was andere nicht zu ersehen vermochten; vor diesem Gerichte aber will ihm grauen. Howgh!«

Er schüttelte sich wie vor Frost und wandte sich ab, um zu gehen. Es war so, wie er sagte: Fletcher hatte sich mit der Kugel in die Schläfe treffen wollen, aber weil Pats avat in demselben Augenblicke nach der Pistole gegriffen hatte, war der Pulverschuß abgelenkt worden und ihm in die beiden Augen gegangen. Es ging mir wie Winnetou: mir graute, und ich entfernte mich, und zwar so weit vom Lager weg, bis ich das Jammern des[560] von Gott Gestraften nicht mehr hörte. Als ich nach längerer Zeit zurückkam, war er inzwischen hinüber zu den Pa-Utes geschafft worden, deren Häuptling jetzt nicht mehr daran dachte, ihn schon heute an den Marterpfahl zu binden.

So nötig der Schlaf uns allen war, ich konnte ihn lange nicht finden und wälzte mich vergeblich von einer Seite auf die andere, denn mir tönte immer und immer das Wort des Apatschen in die Ohren: »Aber der große Manitou hat ihn noch viel gerechter gerichtet!« Und als ich endlich doch in Schlummer fiel, war es mir im Traume, als ob die beiden Pistolenschüsse wieder und immer wieder ertönten.

Aber war das wirklich im Traume? Oder wachte ich? Es waren wirkliche Schüsse gefallen, und ich vernahm ein hastiges Rennen und Rufen. Als ich aufsprang, sah ich das ganze Lager in Bewegung und erfuhr auf mein Befragen, daß Old Cursing-Dry entflohen sei.

War das möglich? Er, der Erblindete und zugleich Gefesselte entflohen? Das konnte ich doch kaum glauben! Oder sollte er nicht wirklich oder nicht ganz blind gewesen sein? Da kam Dick Hammerdull mit Pitt Holbers gelaufen und rief mir zu, indem sie mich noch nicht ganz erreicht hatten:

»Wißt Ihr es schon, daß der alte Fletcher fort ist, Sir?«

»Ich hörte es, kann es aber nicht glauben.«

»Ob Ihr es glaubt oder nicht, das bleibt sich vollständig gleich, aber es ist so, Mr. Shatterhand.«

»Ist er denn nicht gefesselt gewesen?«

»Gefesselt war er.«[561]

»So haben die Pa-Utes ihn nicht scharf genug bewacht?«

»Das wird es wohl sein! Aber blind und gefesselt, da denkt man doch, ihn ganz sicher zu haben!«

»Aber wie konnte er denn fort? Es muß ihm jemand geholfen haben!«

»Natürlich hat ihm einer geholfen, sein Sohn, denn der ist auch verschwunden. Einer der Außenposten hat zwei Männer gesehen, welche miteinander auf einem Pferde saßen.«

»So haben die beiden Fletchers nicht Zeit gefunden, ein zweites Pferd heimlich wegzustehlen. Ist denn der Sohn nicht mehr gefesselt gewesen?«

»Ob gefesselt oder nicht, das ist ganz und gar egal, aber man hat ihm die Riemen abgenommen, weil er darum gebeten und dazu versprochen hat, ruhig zu sein. Man hat nicht geglaubt, ihm mißtrauen zu müssen, denn sein Vater war den Pa-Utes ja abgeliefert worden und befand sich sicher in ihren Händen.«

»Welche Unvorsichtigkeit! – Nach welcher Richtung sind sie denn fort?«

»Es ist ein Südposten gewesen, an dem sie sich vorüberschleichen wollten; er hat sie angerufen und, als sie nicht antworteten, zweimal auf sie geschossen. Er hatte ein Doppelgewehr, denn es war einer von meinen Gefährten.«

»So kommt! Ich will hin, wo er gestanden hat. Vielleicht läßt sich trotz der Dunkelheit eine Spur entdecken.«

Wir gingen. Viele andere schlugen mit uns die gleiche Richtung ein; aber bald hörten wir weit vorn die laut befehlende Stimme Winnetous, welcher ein weiteres Vordringen untersagte, weil dadurch die Spuren[562] der Entflohenen verdorben würden. Man gehorchte ihm; ich aber ging weiter. Als ich ihn erreichte, sagte er:

»Mein Bruder wird gehört haben, was geschehen ist. Wir müssen – – –«

Er hielt inne und lauschte in die Nacht hinaus. Es war der Hufschlag eines Pferdes zu hören, welches sich uns langsam näherte. Wir gingen ihm mit gespannten Revolvern entgegen. Diese Vorsicht war unnötig, denn es saß niemand darauf. Es war das Pferd des jungen Fletcher. Als wir es an das wieder angefachte Lagerfeuer brachten, sahen wir, daß es hinten mit Blut bedeckt, aber doch unverletzt war. Es mußte einer der Reiter von einer Kugel des Postens getroffen worden sein. Das Pferd hatte beide abgeworfen und war dann zurückgekehrt. Nun war es gewiß, daß wir die Entflohenen finden würden. Wir konnten also bis zum Morgen warten.

Als der Tag zu grauen begann, machten wir uns auf die Suche. Wir brauchten gar nicht weit zu gehen. Von der Stelle aus, wo die beiden Fletcher gesehen worden waren, führte uns die Fährte zunächst nicht weiter als höchstens tausend Schritte. Dort lag der Sohn, tot und schon kalt. Die Kugel war ihm von hinten in die Brust gedrungen, und er hatte sich also kaum einige Sekunden auf dem Pferde halten können. Dieses war mit dem Alten weiter gelaufen. Infolge seiner erblindeten Augen hatte er es falsch gelenkt, nämlich nach einer Felsenwand, die wohl dreißig Meter tief nach dem Flusse abwärts fiel. Dort hatte das Pferd nicht weiter gewollt und ihn abgeworfen. Als wir über die Kante hinunterblickten, sahen wir ihn liegen. Er lebte noch, denn wir sahen, daß er sich bewegte, und hörten ein schwaches Wimmern.[563]

Ich bin nie schwindelig gewesen, aber jetzt schwindelte mir doch, nur infolge des Gedankens, daß der zweite Teil seiner Lästerung auch eingetroffen war. »Ich will erblinden und zerschmettert werden,« hatte er gesagt, und nun lag er da unten!

Wir holten den nötigen Beistand und stiegen seitwärts, wo es nicht gefährlich war, hinab. Als wir ihn erreichten, lag er da, noch immer wimmernd und die geschwollenen Augen halb geschlossen. Ich kniete bei ihm nieder und fragte:

»Mr. Fletcher, hört Ihr mich? – Versteht Ihr mich?«

Er öffnete langsam die Lider. Die von Pulverkörnern dicht betüpfelten Augäpfel glotzten mich starr an; aber eine Antwort bekam ich nicht.

Ich wiederholte meine Frage, doch mit demselben Mißerfolge. Nun untersuchten wir ihn. Der Kopf zeigte keine äußere Verletzung, aber beide Arme und beide Beine waren gebrochen.

»Zerschmettert, wie er wollte!« flüsterte mir Winnetou zu.

Jedenfalls war er auch innerlich schwer verletzt. Als wir den Versuch machten, ihn aufzuheben, stieß er ein Geschrei aus, welches wie das ununterbrochene Gebrüll eines Tigers klang und kein Ende nehmen wollte. Unter den furchtbaren Schmerzen, welche er litt, schien ihm die Besinnung zurückzukehren, denn als ich ihn jetzt wieder fragte, ob er mich höre und verstehe, hörte er auf zu brüllen und antwortete:

»Wer ist's? – Wer ist da?«

»Old Shatterhand und Winnetou.«

»Wo ist mein Sohn?«

»Er ist tot.«[564]

»Erschossen?«

»Ja.«

»Er – – schos – – sen,« stammelte er, »er – – schos – – sen! Daran – – bin – – ich – – schuld!«

»Ja, Ihr seid schuld an allem, an Euerm schrecklichen Tode und auch an dem traurigen Ende Euers Sohnes!«

Er ächzte tief, tief auf und schloß die zerschossenen Augen wieder. So lag er eine ganze Weile da, bewegungslos und ohne einen Laut. Da fragte ich ihn:

»Seid Ihr noch wach? – Hört Ihr mich noch?«

»Ja,« hauchte er.

»Ihr habt nur noch wenige Minuten zu leben, denkt an den Tod; denkt an Eure Sünden und an das ewige Gericht! Denkt aber auch an Gottes Barmherzigkeit, die ohne Ende ist!«

»Got – – tes Barm – – her – – zig – – keit!« klang es von seinen mit Blut unterlaufenen Lippen.

»Sagt endlich die Wahrheit! Habt Ihr die beiden Pa-Utes erschossen?«

»Ja,« gestand er.

»Sind Euch diese Sünde und alle frühern Sünden, welche Ihr begangen habt, leid?«

»Leid – – leid – – oh – – leid! Betet – – für – – mich – – ein – – Vater – – unser!«

»Hört vorher, was ich Euch noch sage! Wenn Euch Eure Missethaten leid sind, so dürft Ihr in der Ueberzeugung sterben, daß der Allbarmherzige Euch ein gnädiger Richter sein wird. Gehet mit dieser Hoffnung ein ins ewige Leben! Und nun wollen wir beten!«[565]

Er machte eine Bewegung, die kraftlos an seinen gebrochenen Armen hängenden Hände zu falten, doch vergeblich. Ich legte sie ihm zusammen und betete laut das heilige Vater unser und dann noch weiter, was ich fühlte und dachte. Auf sein Gesicht kam ein leises, fast frohes Lächeln – – eine langsame, müde Kopfbewegung wie einer, der einschlafen will, dann war es vollbracht; Old Cursing-Dry war tot. Möge keiner seiner Flüche ihm in das Jenseits gefolgt sein!

Winnetou zog mich aus den Knieen in die Höhe und sagte:

»Nun hat mein Bruder Charley doch noch seinen Willen gehabt: Die Seele dieses Mannes hat sich zum großen, guten Manitou gefunden. Sein Körper aber mag mit dem seines Sohnes in der Erde ruhen, bis am ewigen, lichten Tage die Seele wieder zu ihm kehrt. Howgh!« – – –[566]

[Fußnoten]

1 Großer Pfeil.


2 Dunkler Cañon.


3 Prairiefeuerzeug.


4 Großer Mokassin.


5 Gelbes Wasser.

Quelle:
Auf fremden Pfaden. Illustrierte Reiseerzählungen von Karl May, Band XVIII, Freiburg i.Br. 1910.
Lizenz:
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Auf fremden Pfaden
Auf fremden Pfaden. Reiseerzählung
Auf fremden Pfaden
Auf fremden Pfaden (Karl May, Reiseerzhlungen) [Taschenbuch] by May, Karl
Freiburger Erstausgaben, Sascha-Schneider-Ausgabe, 33 Bde., Bd.23, Auf fremden Pfaden
(May, Karl): Karl May Taschenbücher, Bd.23, Auf fremden Pfaden

Buchempfehlung

Schnitzler, Arthur

Der grüne Kakadu. Groteske in einem Akt

Der grüne Kakadu. Groteske in einem Akt

In Paris ergötzt sich am 14. Juli 1789 ein adeliges Publikum an einer primitiven Schaupielinszenierung, die ihm suggeriert, »unter dem gefährlichsten Gesindel von Paris zu sitzen«. Als der reale Aufruhr der Revolution die Straßen von Paris erfasst, verschwimmen die Grenzen zwischen Spiel und Wirklichkeit. Für Schnitzler ungewöhnlich montiert der Autor im »grünen Kakadu« die Ebenen von Illusion und Wiklichkeit vor einer historischen Kulisse.

38 Seiten, 3.80 Euro

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Geschichten aus dem Biedermeier II. Sieben Erzählungen

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Biedermeier - das klingt in heutigen Ohren nach langweiligem Spießertum, nach geschmacklosen rosa Teetässchen in Wohnzimmern, die aussehen wie Puppenstuben und in denen es irgendwie nach »Omma« riecht. Zu Recht. Aber nicht nur. Biedermeier ist auch die Zeit einer zarten Literatur der Flucht ins Idyll, des Rückzuges ins private Glück und der Tugenden. Die Menschen im Europa nach Napoleon hatten die Nase voll von großen neuen Ideen, das aufstrebende Bürgertum forderte und entwickelte eine eigene Kunst und Kultur für sich, die unabhängig von feudaler Großmannssucht bestehen sollte. Michael Holzinger hat für den zweiten Band sieben weitere Meistererzählungen ausgewählt.

432 Seiten, 19.80 Euro

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