Das eilffte Capitel.

Von einem schönen Saal, den D. Faustus durch Zauberey dem Käiser Maximiliano zubereitet hat.

[437] ALs ihm der Käiser Maximilianus obbemeldte Vorstellung Alex. M. und seiner Gemahlin sehr wolgefallen lassen, hat er solches mit Käiserlicher Gnade erkenmen wollen, und verehrte D. Fausto eine ansehnliche Verehrung. Dieses nun wolte D. Faustus mit Danckbarkeit erwiedern, und ihrer Majestät noch eine sonderbare Ergötzlichkeit und Lust verschaffen; denn also schreibt hiervon Christoff Wagner: Nachdem kurtz hierauf auf einen Abend der Käiser Maximilianus zur Ruhe gangen, und sich in sein gewöhnliches Schlaffgemach verfüget, kunte er sich Früh Morgens, da er erwachet, nicht besinnen, wo er doch wäre: denn das Schlaffzimmer war durch D. Fausti Kunst zugerichtet als ein schöner Saal, allda viel schöne lustige Bäume von grünen Mayen zu beeden Seiten stunden, nebens andern, die behänget waren mit zeitigen Kirschen, und anderm Obst; der Boden deß Saals [419] war anzusehen als eine grüne Wiesen, von allerley bunten Blümlein; um deß Käisers Bettstatt aber stunden noch edlere Bäume, als Pomerantzen, Granaten, Feigen und Limonien, mit ihren Früchten: auf dem Gesims waren zu sehen die allerwolriechenste Blumen und an den Wänden hiengen bereits zeitige reiffe Trauben.

Leicht ist zu glauben, daß solche unverhoffte unversehene Veränderung seines Schlaffzimmers, und sonderlich die Zierde und Lustbarkeit deß zugerichteten Saals, den löblichen Käiser werde haben recht verwundern gemacht, welches denn auch verursachet, daß er etwas länger als sonsten allda in dem Bette verharret. Er stunde aber hernach auf, thäte seinen Nachtbeltz um sich, und satzte sich nahe bey dem Bett auf einen Sessel: indem höret er das lieblichste Gesang der Nachtigall, die herrliche anmutige Zusammenstimmung anderer singenden Vögelein, die denn immer von einem Baum auf den andern hupfften; auch sahe er von fernen zu Ende deß Saals lauffen schneeweise Künchlein, und junge Hasen; und [438] bald darauf überzoge das obere Tafelwerck ein Gewülck. Als nun der Käiser diesem allen begierlich zusahe und solcher Gestalt im Saal sich verweilete, gedachten die Kämmerling, wie es doch kommen müste, daß ihr allergnädigster Herr und Käiser vom Bett nicht aufstünde, es müste ihm etwan eine Unpäßlichkeit zu handen gestossen seyn; erkühneten sich derwegen, und eröffneten sittiglich die Thür deß Schlaffgemachs, allwo sie denn nicht allein ihren Herrn den Käiser bey guter Gesundheit antraffen, sondern aus der herrlichen Lust allda abnemen musten, was die Ursach deß Verweilens gewesen: der Käiser aber ließ sobald die Vornemsten am Hof zu [420] sich beruffen, die sich denn ebenmässig ob der Zierlichkeit und Lustbarkeit deß Saals nicht genugsam verwundern können. Allein nach etwan einer Stund, und eher sie sich dessen versehen, fiengen an die Blätter an den Bäumen welck zu werden und zu verdorren, wie auch die Früchte und Blumen; bald aber kam ein Wind zum Gemach hinein, der wehete alles ab, so gar, daß alles, gleich in einen Augenblick vor ihren Augen verschwunden, und ihnen nicht anderst ware, als hätte es ihnen getraumet.

Dem Käiser hatte die Lustbarkeit dieses zugerichteten Saals so wol gefallen, daß er eine gute Weile in Gedancken gesessen, und nachgedacht, wer doch solche zugerichtet haben müste, und als er den D. Faustum billich in Verdacht hatte, ließ er ihn zu sich beruffen, und fragte ihn, ob er der Meister dieses Wercks gewesen? D. Faustus demütigte sich, und sprach: ja allergnädigster Herr, Euer Käis. Majestät hat mich kürtzlich wegen eines erwiesenen Kunststück, mit einer ansehnlichen Verehrung begnadiget, dargegen ich mich denn auch, wiewol schlecht genug, habe müssen danckbar erweisen. Darob der Käiser ein gnädiges Wolgefallen hat getragen.


Anmerckung.

I. Es pflegen die Zauberer und Schwartzkünstler mit Hülff und Mitwürckung deß Tausendkünstlers, deß leidigen Teuffels, die Leute also zu verblenden und zu verzaubern an den Augen und Sinnen, daß sie entweder das was etwas ist, nicht sehen, oder das was nichts ist, [439] für etwas ansehen, oder ein Ding in einer andern Gestalt sehen, als es in Warheit darmit beschaffen ist. Daher werden sie genennet Præstigiatores, Verblender, die durch ihre Verblendung das zu wegen bringen, daß die Zuschauer meinen, es sey oder geschehe dieses oder jenes also, da es doch weder ist, noch geschihet.

[421] Hievon ist bereits oben genugsam gedacht, und auch solches mit Exempeln bekräfftiget worden; sonderlich da von eben diesem D. Fausto (oder ob es ein anderer gewesen) etliche Scribenten melden, daß, als einsmals seine bekandte gute Freunde ein Stücklein von ihm sehen wollen, und mitten im Winter begehrten, er wolte einen Weinstock voll zeitiger Trauben machen, er solches zur Stund ins Werck zu stellen ihnen zugesaget habe; jedoch mit diesem Beding, sie solten still sitzen, und keiner unter ihnen einen Trauben abschneiden, bis er sie es würde heissen.

Da er nun einen herrlichen Weinstock voll Trauben durch seine Zauberkunst vorgestellet, und ein jeder begierig nach den Trauben griffen, das Messer angesetzet und nur erwartet, bis er sie abschneiden hieß: Sihe da verschwand der Stock zu samt den Trauben, und hielt ein jeder seine eigene Nasen mit der Hand, und sein Messer daran; und wenn er sie hätte heissen schneiden, so hätte ihm ein jeder selbst die Nasen abgeschnitten.

Hieraus wird verstanden, daß der Satan nicht allein die Augen kan verhindern und verstricken, sondern auch das Fühlen und Tasten kan irre und krafftlos machen. Denn diese Gäste weder gesehen noch gefühlet haben, daß sie sich bey der Nasen hielten, meineten, sie hielten die Trauben.

Da Anno 1260 Käiser Wilhelmus von seiner Crönung von Aach nach Cölln kam, und daselbst vielen Fürsten und Herren ein stattliches Panquet zurichtete, ließ Albertus von Laugingen, der berühmte Prediger-Münch, der von wegen seines Verstands und Geschicklichkeit Magnus, der Grosse, genennet worden, auch ein Stuck seiner zauberischen Schwartzkunst sehen: denn er machte, daß der Saal, darinnen das Panquet gehalten ward, mitten im Winter um Weihnachten, mit Bäumen, Kräutern, Laub und Gras grünete; der Guckguck schrye, die Lerche und Nachtigall darunter sungen, nicht anderst als wenn es zur Frühlings-Zeit gewesen wäre. Welches denn dem Käiser so wol gefallen, daß er ihm und seinen Closterbrüdern ein stattliches Land verehrete.

Wie es aber denen und vielen andern, welche mit dergleichen teufflischer Verblendungs-Kunst umgangen, endlich ergangen, weiset ihr allerseits erbärmliches Ende, also mag und kan es auch den jenigen [440] nicht anderst ergehen, die noch heut zu Tage ein Belieben daran tragen, mit solcher Kunst umzugehen, andere Leute [422] mit allerley Gauckel-Zauberey zu verblenden und zu bezaubern. Man findet bisweilen manchen rohen, gottlosen und leichtfertigen Menschen, der nach GOtt, nach seinem Wort und nach seiner Seelen Seligkeit nicht viel fraget, sondern nur auf das Zeitliche sihet, und darnach trachtet, wie er vor andern auf dieser Welt etwas sonderbares seyn, und mehr wissen, mehr vollbringen und thun möge als andere, vor ihnen einen grossen Namen und Ruhm, auch Geld und Gut zu erlangen. Darum damit er dazu kommen und gelangen möge, lernet er das Teuffels Blend-Werck; begibt sich auf die schwartze Kunst, und will durch dieselbe aufkommen, und ist hierinnen gleich Simoni dem Zauberer, von welchem in der Apostel Geschichte im 8. v. 10. gesagt wird, er hab Zauberey getrieben, und das Samaritische Volck bezaubert, und vorgeben, er sey etwas Grosses, und haben alle auf ihn gesehen beyde Klein und Grosse, und gesprochen, der ist die Krafft GOttes, die da groß ist. Sie haben aber darum auf ihn gesehen, weil er sie lange Zeit mit seiner Zauberey geäffet hat.

Für solcher Leichtfertigkeit hüte sich nun ein jeder; denn diese schwartzkünstlerische Verblendungs-Kunst hat dieses hinter sich, daß wenn sich einer einmal darauf begibt, so kann er nicht nachlassen, der Teuffel lässet ihm keine Ruhe, führet ihn immer weiter hinein, bis er sich gar darinn vertieffet, und sich, und sich ihm gar ergibt: da fasset er ihn denn, daß er ihm nicht entgehet, und wenn er seine teuffelische Lust, Freud und Kurtzweil mit zauberischer Verblendung anderer Leute, und allerley Gauckelspiel getrieben, gibt er ihnen endlich eitel Unlust, Leiden und Trübsal zum Lohn darfür; und findet man gar wenig Exempel derer die sich bekehret haben.

A. Lercheimer meldet von einem Schwartzkünstler, welcher, als die Stund seines Untergangs, darinnen er sich mit dem Teuffel verglichen, herbey kommen, hab er seine Sünde erkennet, und etlichen Geistlichen gebeichtet, und sich zu GOtt bekehret: er sey aber doch gleichwol in der bestimmten Nacht von dem Teuffel und seinem Geist erwürget worden, daß er deß andern Morgens vor seinem Bett gelegen auf dem Rücken, und ihm der Hals abwerts auf dem Boden gestanden.

O es ist schwer, wenn einer diese Kunst einmal gelernet, daß er deß Teuffels wieder solte los werden können; und wie die Kunst ist, so ist auch der Lohn, der Meister ist schwartz, der Schuler ist schwartz, die Kunst ist schwartz; darum ist auch des Lohn [423] schwartz; und wer mit solcher zauberischer Verblendung allhier umgegangen, der wird [441] dorten ewiglich also verblendet werden, daß er das Liecht nimmermehr sehen wird, Besage deß 49 Psalms v. 20. sondern die ewige Nacht und Finsterniß wird für seinen Augen schweben, er wird fallen in die Finsterniß, da Heulen und Zänklappern ist, Matth. 8. v. 12.

Quelle:
Pfitzer, Nikolaus: Das ärgerliche Leben und schreckliche Ende deß viel-berüchtigten Ertz- Schwartzkünstlers Johannis Fausti [...]. Tübingen 1880 [Nachdruck: Hildesheim, New York 1976], S. 437-442.
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