Das funffzehende Capitel.

D. Faustus verschafft durch seine Kunst einem Freyherrn eine schöne Lust von vielerley Vögeln.

[461] D. Faustus war seiner Kunst wegen bey einem Freyherrn in grossem Ansehen, der seinen [444] Sitz hatte zu Helpede, bey Eisleben gelegen; und als auf einen Tag D. Faustus bey diesem Herrn auf dem Schloß Helpede alleine war, und bey sich betrachtete, was für Gutthat ihm dieser Freyherr jederzeit erwiesen und erzeigt hätte, darneben aber zugleich an sein Ende gedachte, wie er noch gar eine kurtze Zeit zu leben hätte, sprach er den Freyherrn mit diesen Worten an: Gnädiger Herr, ich besorge, daß wir bald werden von einander scheiden müssen, denn ich habe in meiner Astrologia und hohen Wissenschafften so viel ergründet, daß ich bald werde sterben; Nun ich aber betrachte und zu Gemüte ziehe die offtmalige Gutthat, die Eurer Gnad mir überflüssig erzeiget hat, solte und wolte ich nicht gerne gegen dieselbe undanckbar seyn, wenn ich nur wüste in welchem Stück ich zu willen seyn könnte: Gold und Silber zwar hab ich nicht, kan ich aber sonsten mit meiner Kunst etwas Beliebiges verschaffen und zuwege bringen, will ich gantz willfährig darzu seyn.

Dieser Anerbietung halber bedanckte sich der Baron. D. Faustus fuhr fort und sagte: Gnädiger Herr, E. G. hat allda in diesem Schloß einen schönen Prospect und lustiges Aussehen, sonderlich weil der Wald auf dieser Seiten nahe darbey ist, aber daß weiß ich, daß sich die singenden Vögelein, von wegen der rauhen Lufft, scheuen: darum will ich bey den nechsten Bäumen gegen dem Schloß her etwas eingraben, und versichern, daß alsdenn kein Vogel von der Ferne wird herfliegen, er wird in diesem Wald einkehren, und dieses Orts seine Stimme erschallen lassen. Solche Erbietung D. Fausti hat sich der Freyherr sehr wol gefallen lassen.

[445] Als nun der Frühling herbey kommen, da kam auch die lieblich singende Nachtigall, die doch zuvor nie allda gehöret worden; nach und nach liessen sich auch andere singende Vögel vernemen, Distelfincken, Zeißlein: ingleichen sahe man [462] auch mit der Zeit die Trosseln, Krammeter, ja so gar Haselhüner, Auerhanen und Fasanen; die allda nesteten und sich vermehreten, daß freylich der Freyherr für solchen Lust nicht ein grosses genommen hätte. Weßwegen er sich auch gegen dem D. Fausto nachgehends mit einer stattlichen Verehrung danckbar erwiesen, ihn noch einmal zu sich auf sein Schloß Helpede geladen, etliche Tage herrlich tractiret, und denn, wie gemeldt, ansehnlich beschencket.

Ehe aber gar D. Faustus von dar abgereiset, hat er den Freyherrn, und zwey seiner Vogelsteller gelehret und unterrichtet, wie sie Acht haben solten auf diesen und jenen Vogel, was er nemlich Zukünfftiges verkündige mit dem Schreyen, Fliegen, Schnattern, Pfeiffen, oder mit dem Stillsitzen; ja was es für ein Jahr, für einen Sommer oder Winter abgeben werde, wie es werde wittern, item was sie für Glück oder Unglück würden anzeigen, u.s.w. Und sonderlich solten sie auf der Eulen, die anjetzo in der Nähe genestet hätten, Heulen und Schreyen, wie etwan noch anderer Vögel und Thiere, gute Achtung geben; denn dieses gewiß einen Todesfall bedeuten würde.

Welches alles denn der Freyherr fleissig aufgemercket, und sich dieses gegebenen Unterrichts wegen bedancket. Man schreibt aber, als D. Faustus sein erbärmliches Lebens-Ende nicht über zwey Jahr hernach erreichet, sollen diese Vögel alle nach und nach verflogen seyn.


[446] Anmerckung.

I. Hierbey wollen wir erstlich etwas melden von den Augurationibus, oder Weissagungen und Deutungen, die von Vögeln her genommen werden, davon D. Faustus allhier Unterricht ertheilet: welche Zauberey und Phantasey vorzeiten die Heyden sehr getrieben, auch ihr Leben, Glück und Wolfart darnach gerichtet, und wie sie geglaubt haben, also ist es ihnen auch widerfahren.

Tarquinius Priscus ist wunderbarlich durch ein böses Augurium erschrecket worden. Denn ein gewaltig grosser Adler ist in einem starcken Fluge zu ihm geflogen, und hat ihm den Hut vom Haupt genommen, und in die Höhe geführt, und wieder nieder fallen lassen: wordurch ihme der Verlust seines Reichs ist angezeiget worden.

[463] Also widerfuhre auch dem Tarquinio Superbo, daß die Geyer den Adlern haben ihr Nest genommen und zerstöret; aus welchem ebenmässig ihm die Verlierung seines Reichs ist gedeutet worden.

Ein Adler hat deß Syracusani Knechten mit seinem Schnabel die Spieß aus ihren Händen gerissen, und auf die Erden geworffen; dadurch ist ihm alles Unglück, auch der mächtige Widerstand seiner Feinde angezeiget worden.

Als Marcus Brutus wider den Cæsarem Augustum und Antonium kriegete, seynd zween Adler von beederseits Heeren geflogen kommen, die haben mit einander gestritten, der Adler aber, der von deß Bruti Heer gekommen, ward überwunden und gab die Flucht: dieses bedeutete dem Bruto die erfolgte Niederlag und Untergang.

Tyberius Gracchus als er vor seine Thür hat wollen heraus gehen, seynd ihm drey Raben entgegen gestanden, die haben wider ihn geschrien nach ihrer Art, und ein Stück von einem Ziegeldach für ihm hinunter geworffen; welches ihm unglücklich ist gedeutet worden, denn er ward von Scipione Nasica erschlagen und umgebracht.

Es waren aber solche Auguria vornehmlich zweyerley, etliche waren oblativa und solche Weissagungen, die von sich selbsten ungefordert kamen; als wenn die Heyden etwas vorhatten, und es kam ein Vogel unversehens und unverhofft daher geflogen, oder ward sonsten eines Vogelsstimm gehöret, oder trug sich sonsten etwas Ungewöhnliches damit zu, so [447] gaben sie darauf fleissige Achtung, und musten alsdenn die Augures und solche Wahrsager anzeigen, was es bedeutete. Etliche aber waren imperativa und solche Weissagungen, die von ihnen gefordert wurden, da die Augures und Wahrsager bey vorhabenden Geschäfften mit gewissen Beschwörungen und Worten etliche Vögel herbey brachten, aus derer Flug. Gesang oder Zahl sie forschten, was zu thun wäre.

Dergleichen zwischen den beeden Brüdern Remo und Romulo, nach Anzeigung T. Livii, vorgangen, die kunten sich wegen der Regierung nicht vergleichen, ein jeder wäre gern König gewesen, sie wurden aber eins, daß das Augurium, der Vogel-Flug und Weissagung die Sach solte entscheiden. Romulus stieg auf der Palatiner, und Remus auf der Aventiner Berg, und da kamen dem Remo zum ersten sechs Geyer, darauf aber dem Romulo zwölff, und also noch so viel zugeflogen. Ein jeder aber hatte seinen Anhang, und meineten die auf Remi Seiten, ihm gebührete die Regirung deßwegen, dieweil ihm die Vögel zu erst der Zeit nach zu geflogen wären: die aber auf Romuli Seite meineten, sie gebührete ihm, deßwegen, weil ihm noch so viel als dem Remo zugeflogen wären, darüber kamen sie zum Streit, und ward Remus erschlagen,[464] Romulus aber blieb König; und hat also die Berherrschung der Stadt Rom durch einen blutigen Brudermord ihren Anfang genommen.

Bey solchen Weissagungen hatten die Augures und solche Wahrsager ihre erwehlete Vögel, entweder die Oscines, die Sing-Vögel, oder die Alites, die fliegende Vögel, und unter diesen die Præpetes, die schnellfliegende Vögel, auch die Supervaganeas, die hoch im Flug schreyende Vögel, und dergleichen. Sie hatten auch die Pullos tripudiantes, die junge hüpffende Vögel, die sie in besondern Käfigen aufzogen, und wenn sie in wichtichen Sachen wolten wahrsagen, thater sie sie auf, und gaben Achtung darauf, ob sie drinnen blieben, oder heraus kämen: kamen sie heraus, so sahen sie, ob sie heraus giengen oder flogen; giengen sie, so merckten sie, ob sie sehr oder langsam giengen, flogen sie, so hatten sie Acht auf den Flug, wie und wohin sie flogen, ob sie wieder kämen oder nicht: thäten sie es freudig, so bedeutete es etwas Guts und Glückliches, wo nicht, so bedeutete es das Widerspiel.

Es haben aber diese Wahrsager nicht an allen, sondern an gewissen Orten, die sie darzu bestimmt und abgemessen, solch [448] ihre Weissagungen geholet, welchen Ort sie in drey Theil abgetheilet, der erste hieß Antica oder der Vorhof, der hinderste Postica, der Hinderhof, der mittelste Templum, die Kirch und der heilige Ort. Auch war ein besonderer Ort, der hieß Effatus der Beschließ-Ort, an welchem die Weissagung gründlich betrachtet, und der Schluß gemacht, was zukünfftig war. Auch hatten sie darbey ihre sonderbare Gebärden, zu stehen, zu sitzen, und dergleichen, wie solches Peucerus weitläufftig in seinem Buch de præcipuis divinationum generibus beschreibet.

Und haben sonderlich die Griechen und Römer solche Kunst in grossem Wehrt gehalten, so gar, daß auch zu Rom ein Publicum Augurum Collegium, eine sonderbare Zunfft solcher Wahrsager und Propheten, die damit umgegangen, ist angeordnet worden, in welchem Romulus selbsten ein vornemer Augur und Wahrsager mit gewesen, und welche sich darauf gelegt, die seynd mit grosser Solennität und Herrlichkeit zu Priestern geweihet worden, gleichwie man heutiges Tags Doctores macht.

Also ist der edle Römer Marcellus zu einem solchen Augure und Priester offentlich von andern geweihet worden, wie Plutarchus berichtet, welcher auch solche Wahrsagerey ein genus Sacerdotii, ein Geschlecht der Priesterschafft nennet. Da Plinius der Jünger begehrte ein Augur zu werden, schrieb er erstlich dem Käiser Trajano darum zu, und erlangte es mit Bitt von ihm; und da er die Einweihung bekommen, [465] erfreuete er sich hoch darüber, daß er in einen so alten heiligen und herrlichen Orden der Priesterschafft kommen. Und sollen auch die alte Teutschen, nach Cornel. Taciti Bericht, damit umgangen seyn.

Wir Christen aber gehen billich dieses Wahrsagens müssig, also lehret gar recht und wol M. B. Waldschm. Pyth. End. p. 126. und zwar 1. wegen deß außdrücklichen Verbots, da GOtt sagt Deuteron. 18. v. 10. Es soll unter dir (Israel) nicht funden werden, der auf Vogelgeschrey achte. Dieses Verbot gehet die Kinder Israel allein nicht an, sondern auch uns, denn GOtt sagt auch dabey, er hab einen Greuel an dem, der es thue. Und wiederum. daß er um solcher Greuel willen die heidnische Völcker aus dem Lande Canaan vertreibe.

Woran nun Gott dazumal einen Greuel gehabt, und solches verbotten hat, daß kan ihm jetzund nicht wolgefallen, [449] und kan er das, was er an den Heiden gestrafft hat, auch an uns nicht gut heissen; denn er ist noch eben derselbige Gott heut zu Tag, der es dazumal gewesen, und der hierinnen sich und seinen Willen nicht geändert. Und ist auch dieses der Sünden und Greuel einer mit gewesen, um deß Willen Gott den König Manasse also gestrafft, daß er um Land und Leut kommen, und gen Babel geführt worden, dieweil er nemlich auf Vogelgeschrey geachtet, Wahrsager und Zeichendeuter gehalten, und damit Gott zum höchsten erzürnet hat, wie zu lesen im 2. Buch der Könige im 21. v. 6. 2. Wegen deß Aberglaubens, der sich darbey befindet. Denn dieses ist ein Aberglaub, wenn man glaubet, es werde durch die Vögel und deren Flug, Gang und Gesang, Glück und Unglück, Leben und Tod verkündiget, und wenn man solcher Gestalt sie für Ursachen und Zeichen deß Göttlichen Willens gegen die Menschen hierinnen allerdings halten will, so doch sie als Gottes Geschöpffe hiezu von Gott ihrem Schöpffer nicht geordnet worden.

3. Wegen deß Betrugs deß leidigen Teuffels. Es haben zwar die Heyden die Vögel pro internunciis Deorum, für der Götter Botten gehalten, die ihnen Glück oder Unglück verkündigen könnten, aber sie seynd unrecht daran gewesen, denn der Teuffel hat vielmehr seine Hand mit im Spiel, um deß Aberglaubens willen, in welchem er die Menschen suchet zu stärcken, und je mehr und mehr in seine Gewalt zu bringen. Es ist aber der Teuffel ein Lügner und Betrüger, der sich immer unterstehet die Menschen mit Lügen zu hintergehen, und kan wol geschehen, daß er selbsten die Gestalt eines Vogels an sich nemen, oder in einen Vogel fahren, und die Menschen betriegen kan, das ist ihm nicht unmüglich zu thun: hat er Adam und Evam durch die Schlang betrogen, wie solte er es auch nicht noch bey andern Menschen, auf [466] Gottes Zulassung, durch die Gestalt eines Vogels und dessen Stimm und Geschrey thun können?

4. Wegen der Erkenntniß der grossen Thorheit, die hiebey mit unterlaufft. Denn ists nicht grosse Thorheit, aus der Vögel Gesang, Gang und Flug, Weissagungen machen und nemen, so ihnen doch natürlich ist? ist daß nicht grosse Thorheit von den Vögeln also weis und klug werden wollen, daß man nach eingebildeter Weissagung ihres Fliegens, Singens und Schreyens. sein Thun und Vornehmen anstellen, und sich in Glück und Unglück schicken will, da es ihnen [450] doch selbsten an Weisheit mangelt; denn woher kommt Weisheit, und wo ist die Stätte deß Verstands? Sie ist verborgen den Vögeln unter dem Himmel, sagt Hiob im 28. Cap. v. 20. Ist das nicht grosse Thorheit, wenn man will glauben, daß die Vögel dieses oder jenes sollen verkündigen, ob es dem Menschen werde wol oder übel gehen, da sie doch selbsten nicht wissen, wie es ihnen ergehen werde, welches ihnen selbsten verborgen ist; es ist ihnen unbewust, wenn sie mit dem Strick sollen gefangen werden, Eccles. 9. v. 12. oder auch sonsten umkommen.

Welches denn Mosollamus, ein erfahrner Kriegsmann und trefflicher Schütz, wol gewust, von welchem der Jüdische Geschichtschreiber Josephus 1. I. contr. Appion. meldet, daß als ein Augur und Vogel-Wahrsager einsmals dem Kriegsvolck aus eines Vogels Flug viel weissagen und verkündigen wollen, und befohlen, man solte auf den Vogel Achtung haben: würde er still sitzen, so solte das gantze Heer still stehen, würde er sich aber aufschwingen, und weiter fliegen, so solten sie fort ziehen, würde er aber hinter sich und zuruck fliegen, so solten sie alle wieder umkehren. Da hab dieser Mosollamus stillschweigend seinen Bogen gespannet, und den Vogel mit dem Pfeil gefället, vor aller Augen. Und da der Wahrsager und andere über ihn deßwegen zornig worden, und ihme gefluchet, hab er also zu ihnen gesprochen: Seyd ihr nicht Thoren, daß ihr den Vogel zu einen Propheten eures Glücks oder Unglücks aufgeworffen, der doch von seinem eigenem Fato nichts gewust, wo sein Glück oder Unglück seyn würde, er wäre mir sonst in den Schuß nicht geflogen.

Es möchte aber jemand einwenden und sagen, hat doch der HErr Christus Matth. 6. v. 26. klärlich gesagt: Sehet die Vögel deß Himmels an, also ist ja das Acht haben auf die Vögel nicht verbotten? Ist wahr, nicht aber absolute und allerdings, sondern nur das aberglaubische, heydnische, und der Zauberey nahe verwandte Acht haben ist verboten.

Denn die Vögel deß Himmels zeugen theils von der Allmacht Gottes, welche zu erkennen ist aus ihrer Schöpffung, da sie Gott aus purlautern [467] nichts erschaffen hat, Genes. 1. v. 20. Theils zeugen sie von der Güte deß Höchsten Gottes, die er in ihrer Versorgung und Speisung gegen sie beweiset, uns dadurch gleicher massen seine Güte in unserer Versorgung und Speisung zu erkennen zu geben. Da[451]her der HErr Christus Math. 6. v. 26. also davon sagt: Sehet die Vögel unter dem Himmel an, sie säen nicht, sie erndten nicht, und samlen nicht in die Scheunen, und euer Himmlischer Vatter nehret sie doch: und darauf sagt Christus alsbald: Seyd ihr denn nicht viel mehr denn sie? anzudeuten, daß so Gott so gütig gegen die Vögel sey, daß Er sie speise und versorge, da sie doch nicht säen noch erndten, und weit geringere Creaturen als die vernünfftige Menschen seynd, ey so werde er nicht weniger, sondern viel mehr gütig seyn gegen die Menschen, und sie speisen und versorgen, die doch säen und erndten und weit edlere Creaturen seynd als die Vögel; oder wie beym Chrysostomo gesagt wird: alle Thier hat Gott um deß Menschen willen erschaffen, den Menschen aber um sein selbst willen. Dienet er nun den Thieren um deß Menschen willen, daß er nemlich dieselbe versorget, ey warum solte Er denn nicht den Menschen dienen und sie versorgen um seinet willen?

Theils zeugen auch die Vögel deß Himmels von Gottes Willen, nach welchem er geneigt ist, die Seinige ohn seinen Schutz in Noth und Gefahr nicht zu lassen. Das gibt uns nun der HErr Christus mit dem Exempel der gemeinesten Vögel, der Sperlinge, zu erkennen, wenn er Math. 10. v. 29. sagt: kaufft man nicht zween Sperling um einen Pfennig, noch fällt derselben keiner auf die Erde ohn euren Vatter. Nun aber seynd auch eure Haar auf dem Haupt alle gezehlet, darum fürchtet euch nicht, ihr seyd besser denn viel Sperlinge. Wormit Christus so viel sagen will: so den geringsten Vögeln, den Sperlingen, ohn den Willen Gottes nichts widerfahren kan, Er nimmt sich ihrer an, nun so wird viel weniger seinen lieben und frommen Kindern ohn seinen Willen etwas Böses widerfahren, Er wird sie beschützen und erhalten.

Theils zeugen sie auch von der wunderbaren Weisheit Gottes, nach welcher Er auch den Vögeln in ihre Natur eingepflantzt hat, daß etliche derselben die künfftige Änderung deß Wetters und dergleichen prognosticiren, und man sie vernünfftig an ihnen mercken kan. Wenn die See-Vögel häuffig ans Land fliegen, die Hahnen zur Unzeit kräen, die Enten viel schreyen, die Schwalben sich tieff herunter auf die Erden lassen, und dergleichen, so propheceyen sie gleichsam darmit nasses Wetter.

Und seynd daher auch die Vögel unterweilen Propheten, aus derer Thun man bisweilen eins und das ander mercken [452] kan, je nachdem [468] es ihnen der allweise Gott in die Natur gepflantzet hat. Es muß aber doch von solcher Merckung allezeit fern seyn der Aberglaub. Denn wenn dieser darzu kommt, und wir auf die Vögel deß Himmels der Gestalt mercken wollen, daß wir auf dieses oder jenes gantz aberglaubisch wollen Acht haben, auch nachgehends davon reden, und das, was sie etwan Zukünfftiges unserer aberglaubischen Meinung nach verkündigen, zuvor propheceyen und daraus weissagen wollen, so ist es eine art der Zauberey-Sünde mit, die Gott in seinem Wort verbotten hat, Levit. 19. v. 26. Devter. 18. v. 10.


II. Darnach und zum andern wird in der Histori gedacht der Eulen und anderer Thiere Geheul, daß wenn nemlich solches zu mancher Zeit gehört, und öffters vernommen werde, solches einen bevorstehenden Todsfall bedeuten werde; weßwegen allhier Anlaß genommen wird, was davon zu halten sey, daß Hunde, Katzen, Eulen, u. d. g. heulen oder schreyen, wenn jemand sterben soll?

Es ist aber ausser allem Zweiffel, schreibt Herr Freudius, in Gewiss. Frag. von Zaub. p. 187. daß offt und vielmals um das Haus oder Zimmer, darinn ein sterbender Mensch liget, bei Nacht-Zeit, oder auch wol bey Tage, entweder die Hunde ein greulich Geheul treiben, oder die Katzen verdrüsslich heulen und maunen, sich untereinander grimmig herum beissen und jagen, und sonderlich auch die Eulen sich zur Zeit vor dessen und dessen unglückseligen Todsfall haben sehen lassen. Von Eulen schreibt M. Joh. Rüdinger, Dec. 2. Conc. de Mag. illic also: Auf der Eulen stetiges Geschrey ist an manchem Ort einer und der andern Person Absterben bald erfolget. Denn ehe die Römer vor Numantia überfallen und geschlagen worden, hat sich zu Rom ein jämmerlich Eulen-Geschrey hören lassen.

Ehe Käiser Commodus Antoninus umkommen, soll sich ein solcher Vogel eine geraume Zeit zuvor über seinem Zimmer haben hören lassen, Æl. Lamprid. in Commod. Marcell. 1. 30.

Vor Valentiniani deß Käisers Ende hat sich eine solche Eule über der Käiserlichen Badstuben sehen und hören lassen, und gantz kläglich geschrien, ob man auch gleich mit Pfeilen nach ihr geschossen, und mit Steinen geworffen, hat sie doch nicht können getroffen, und von dem Ort weg gebracht werden. Bey dem jüdischen Geschichtschreiber Josepho wird vom König Herode Agrippa gelesen, dessen Actor. 12. gedacht wird, daß [453] als er von seinen Schmeichleren und Fuchsschwäntzern ein Gott genennet worden, als er in seinem Pracht aufs Theatrum kommen, und er solches geschehen lassen, und ihnen nicht widersprochen, da hab er, als er sich etwas umgekehret, über seinem Haupt, auf einer Seule eine Eule sehen sitzen, woraus er selbst [469] seinen bevorstehenden Tod geschlossen, welcher auch darauf erfolget, l. 19. Antiq. c. 8.

Ehe die Fränckischen Kriege um Würtzburg, und in derselben Gegend angegangen, hat ein solcher Vogel um den Stifft und Stadt Würtzburg sich grausam und kläglich hören lassen, darauf eine grosse Pestilentz, und die Marggräfische Kriege erfolget.

Ehe der Hertzog zu Gülich und Cleve in Rom kranck worden und gestorben, hat sich eine Eule auf seinem Schloß sehen und hören lassen viel Tage, nicht nur in der Nacht, sondern auch bey Tage, hat weder mit Schiessen noch Werffen oder Schreyen von dannen können gebracht werden.

Ich muß allhier erzehlen, was neben andern ich im 1606. Jahr hab zu Havelberg in der Marck gesehen. Es flog bald nach angefangener früher Sonntags-Predigt eine Eule, und satzte sich auf das Gegitter, hinter welchem zween junge und gereiste Kauffmanns Söhne ihren Stand hatten, diese beyde begaben sich nach Mittage mit zweyen Pörsbüchsen auf einen Kahn, und schiessen zugleich aus demselben nach einer auf der Havel schwimmenden Enten, darüber der Kahn sich umgekehrt, beyde ertruncken, und durch der Fischer Fleiß und dero Geräthe folgendes Tages wieder heraus gezogen worden.

[Anno 1553. den 9. Januar. ist zu Berlin ein grosser Wind gewesen, der hat dem steinernen Bild Mauritii, so neben anderer Herren Bildern gestanden, den Kopff abgerissen, da die andern Bilder alle gantz geblieben. Den Tag aber vor der Schlacht, darinnen er erschossen worden, kam ein Wind, und risse zwey Gezelt Churfürst Mauritii um, eines darinnen er Mahlzeit gehalten, das ander darinnen seine Kuchen gewesen, welches ein Zeichen war, daß man ihm nichts mehr zu essen bereiten würde, und vortragen. Man hat auch an dem Ort da die Schlacht geschehen sollen (wie Camerarius in Oratione funebri Ducis Mauritii schreibet) etliche Nächte zuvor ein groß Getümmel, Geschrey von Pferden und Jammerlechzen der Menschen gehöret, ja man hat gehöret eine Stimme, die gar laut geruffen: O wehe, wehe!]

[454] Wie offt erfähret mans, daß die Pferde, wenn sie am Wagen gespannet, und der aufgesessen ist, nicht fort wollen, denn sie mercken etwas, daß es dem Herrn auf der Reise nicht möchte wolgehen, wenn man es nur allzeit verstehen könnte, und sich darnach richten. Ich habe einen vornemen Hauptmann gekandt, schreibet M. Strigenitius an einem Ort, der wolte mit seinem Weib ins Carls-Bad fahren, wie er aufsitzt, wolten die Pferd zum Schloß nicht hinaus, er muste absteigen, und sie mit Gewalt lassen forttreiben, saß darnach auf, und fuhr also darvon, kam aber im warmen Bad schändlich um sein Leben, und [470] wurde von einem Meuchelmörder in der Schlafkammer erstochen. Daher das gemeine Sprüchwort: Et equi et canes funera intelligunt.

Aber von solchen Ominibus wird eigentlich hie nicht geredet, sondern wenn es nunmehr mit einem Menschen so weit kommen, daß er bald sterben, und fast nun in Agone liget, bisweilen ein so ungeheures und ungewöhnliches Geschrey und Geheul von Hunden, Katzen, u. d. g. sich hören lässt.

Pferde und Hunde sollen gewahr werden, wenn eines im Hause stirbt, spricht Herr Matthesius in der 13. Predigt von der Sündflut p. 109. und Leid tragen nach ihrer Art; wie man von Alexandri M. Pferd Bucephalo, und von deß Pyrrhi Hund liset etc.

Ich weiß mich deß zu erinnern, schreibt D. Mengering, in Informat. p. 550. da in meiner Kindheit Jacob Spor, der Jubilirer von Franckfurt, in meinem Vatterland zu Hall in Sachsen, ermordet ward, sein Pferd (denn er bey meinem Vatter sel. zur Herberg lag) die Nacht durch, als der Mord geschehen war, den Kopff heraus stackte und schaumete, und immer herfür nach der Hausthür sahe, als wenn es hinaus wolte, welches denn denen im Haus ein groß Schrecken und Nachdencken machte, und hat man hernach, wie der Mord offenbar worden, dafür gehalten, wenn dem Pferd die Thür und Thor geöffnet worden wäre, es hätte wol gar für deß Mörders Thür lauffen dörffen; also hat das arme Thier nach seinem Herrn gewittert oder gewihret, so zu reden.

Von Hunden erzehlet Lipsius viel merckliche Historien, Cent. 1. ad Belg. Epist. 41. Compertum est, schreibt Hildebr. l. 2. Mag. Natur. p. 14. ex Cornemann. et Canes nocturno latratu mortem præsagire. Exempla videre est apud Fincelium.

Es ist auch aus andern Historien bekandt, daß sonderlich [455] vornemer Leute Tod, oder instehendes Ende, durch ein und das ander Zeichen angesagt und gleichsam verkündiget oder bedeutet worden; worvon beym Camerario in Hor. Succisiv. Cent. 1. c. 73. et Cent. 3. c. 15.

In Böhmen hat man mich für gewiß berichtet, schreibt M. Zeiller, Theatr. Trag. Hist. 1. p. 25. daß, so offt jemand aus dem vornemen Geschlecht der Herren von Rosenberg (so nunmehr abgestorben) hat sterben sollen, man allezeit eine Weibsperson mit einem grossen Böhmischen Schleyer im Schloß zu Crumau in Böhmen gesehen habe.

Ein fast gleichförmiges Exempel hat auch Crusius in Annalib. Sueviæ part. 3. l. 12. c. 37. von dem Schloß hohen-Rechberg. Allermassen auch ein solches gemeldet wird von der so genannten weissen Frauen, welche sich, wenn jemand aus der Churfürstl. Brandenburgischen Familie sterben soll, sich sehen lässet, u.s.w.

Nun ist bey solchem allen leichtlich Antwort zu finden, was verruchte, [471] glottlose offenbare Sünder anlanget, die mehrmals ein Ende nemen mit Schrecken, darum der Teuffel mit solchem Geheul und Geplöcke seinen lieben Getreuen zu Grabe, und Seelmeeß zu läuten pflegt; wie zum Exempel, bey dem Ende deß Bischoffen zu Bremen, Alberti, der ein grosser Zauberer und Schwartzkünstler gewesen, die Säu und Hunde in die Kirch gelauffen, um den Altar gegruntzet und geheulet haben, daß man sie kaum hat können abtreiben und hinweg jagen, als Cranzius gedenckt l. 5. c. 10. Metropolit. Dergleichen in den Historien hin und wieder mehr vorläufft.

Aber es wird auch dergleichen bey frommer und redlicher Biederleute, Christlicher und tugendreicher Matronen Ende und Abschied ehe gespüret und erfahren, an deren Christlichem Abschied, geführten unsträfflichen Leben und Seligkeit je nicht zu zweiffeln ist. Wie nun das zugehe, und warum es geschehe, stehet zu bedencken.

Unvorgreifflich wird dafür gehalten, daß solche unvernünfftige Thier die Gegenwart der unreinen bösen Geister vermercken, und hindurch in Furcht und Schrecken gebracht werden, und würde also die nechste Antwort seyn, daß Hunde, Katzen und solche Thier mit ihrem Heulen und Geschrey die Præsentz der höllischen unreinen Geister ankündigen und zu verstehen geben, die nicht allein bey gottloser ruchloser Leute letzten Zügen sehr mühsam und geschäfftig seynd, in alle wege zu ver[456]hindern, daß ja der Sterbende zu keinen bußfertigen Gedancken und Glauben an Christum kommen und gelangen möchte, damit ihnen etwan die Seele, durch Treue und Fleiß der Prediger und anderer gottseliger Beyständer nicht entrückt, und dem HErrn Christo durch Bekehrung, genommen werde, darum denn solche böse Geister mit Händen und Füssen, also zu reden, wehren; sondern es müssen auch die Frommen und Glaubigen solche Anläuffe, Arglist und Versuchung deß Teuffels erleiden und ausstehen, wie in der Histori von S. Martino stehet, daß da er sterben sollen, der Teuffel zum Füssen bey seinem Bette gestanden, den er aber keck also angeredet: Quid tu hie stas, horrenda Bestia, nihil habes in me.

Und wenn die unreinen Geister an der wolverwahrten Seele eines Glaubigen nichts schaffen noch gewinnen können, schröcken und nöthigen sie zum wenigsten das unvernünfftige Viehe zum Geschrey und Geheul, entweder einen solchen sterbenden Christen in seinen letzten Zügen zu verunruhigen, wiewol vergebens und ohne Frucht, wie andere Anfechtungen, oder die Umstehenden in ihren guten Gedancken und Vorbeten oder Zusprechen, bey ihrem Mitbruder oder Mitschwester irre zu machen, ja in den Argwohn zu verleiten, daß sie an dessen oder deren Seligkeit zweiffeln sollen, u.s.f. wie dergleichen Meisterstück der leidige [472] Satan an dem frommen Hiob erwiesen.

Etliche wollen dessen auch eine Ursach aus der Natur geben, die Katzen sollen am Geruch wittern und abnemen, occultâ quadam sagacitate vel judicio, den Sterbenden, gleich als die Adler und Raben das Aas auf dem Feld auswittern, und also darnach stehen und schreyen; wel ches man aber dahin gestellet seyn lässt.

Hier aber ist zu mercken, daß man sich über deß Sterbenden Christenthum und Seligkeit durch solch ungewöhnlich Geschrey und Geheul der Hunde und Katzen, u.s.f. nicht in Zweiffel ziehen, noch zu andern bösen Gedancken bewegen lassen soll. His ipsis insultibus et sarcasmis diaboli rectius non occurritur, non resistitur, quàm contemptu, precibus et eo majori in Deum recumbente fiducia. D. Menger. d. l. p. 549.

Quelle:
Pfitzer, Nikolaus: Das ärgerliche Leben und schreckliche Ende deß viel-berüchtigten Ertz- Schwartzkünstlers Johannis Fausti [...]. Tübingen 1880 [Nachdruck: Hildesheim, New York 1976], S. 461-473.
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