Das ein-und-zwantzigste Capitel.

D. Faustus will sich verehlichen.

[511] D. Faustus lebt indessen, je näher das Ende seiner Versprechung herzu nahet, je mehr und mehr Epicurisch, führet ein rohes, sicheres, und wüstes Leben, daß er das tägliche Vollsauffen, Spielen und Huren, für seine höchste Ergötzlichkeit hält.

Er ersahe aber zur Zeit in seiner Nachbarschafft eine ziemlich schöne doch arme Dirne, welche vom Land herein in die Stadt kommen, und sich in Dienste begeben bey einem Kramer; diese gefiele nun D. Fausto über die Massen wol, daß er nach ihr auf allerley Weise und Wege getrachtet, und sie zu einer Beyschläfferin haben wollen, sie hat aber niemals, was man ihr auch versprechen lassen, in seinen sündlichen Willen einwilligen wollen, sondern jederzeit ihre Ehre vorgeschützet, er fieng an was er wolte, kunte er doch nichts bey ihr erhalten oder ausrichten, er nehme sie denn zur Ehe; welches ihm denn seine guten Brüder und Freunde riethen: Der Geist Mephostophiles aber, als er dieses vermercket, sprach ohnverzüglich zu D. Fausto, was er nunmehr, [500] da die versprochene Jahre bald zu Ende seyn würden, aus ihm selbst machen wolle? Er soll gedencken an seine Zusage und Versprechen, zudem so könne er sich in keinen Ehestand einlassen, dieweil er nicht zweyen Herren zugleich dienen könnte; denn der Ehestand wär ein Werck deß Höchsten, den wir Teuffel aber aufs höchste hassen und verfolgen. Derohalben Fauste, sihe dich vor, wirst du dich versprechen zu verehlichen, so sollst du gewiß von uns zu kleinen Stücken zerrissen werden. Dencke doch bey dir selbst, wie der Ehestand ein so grosse und schwere Last auf sich hat, und was jederzeit für Unrath daraus ist entstanden, nemlich Unruhe, Widerwillen, Zorn, Neid, Uneinigkeit, Sorg, Zerstörung der frölichen Hertzen und Gemüter, und was deß mehr ist.

Dem allen gedachte zwar D. Faustus eine Weile nach, er wolte aber kurtzum auf seiner Meinung verharren, wendet auch das Rauhe heraus, und sagt dem Geist unter Augen, [512] mit diesen Worten: ich will mich verehlichen und verheurathen, es folge gleich daraus was es wolle, gehet damit hinweg von seinem Geist in seine obere Stuben.

Was folgte aber hierauf? alsbald gehet ein grosser Sturmwind seinem Haus zu, als wolte ers zu Grund werffen, es sprangen inwendig am Haus alle Angel der Thür auf, und ward das Haus voller Feuer. D. Faustus lieff die Stiegen hinab, wolte die Hausthür treffen, und davon lauffen, da erhaschet ihn ein Mann, der warff ihn zuruck wie einen Ballen in die Stuben hinein, daß er weder Hände noch Füsse regen kunte: um ihn her gieng allenthalben Feuer auf, gleich als ob er jetzt verbrennen solte; er schrie in diesen Nöthen seinem Geist zu um Hülff, er solte die [501] Gefahr nur dißmal von ihm abwenden, denn er versprechen wolte, daß er hinfüro nach allem seinen Willen leben wolle.

Da erschiene ihm der Fürst Lucifer gantz schrecklich und leibhafftig, so grausam anzusehen, daß er auch seine Augen vor ihm zuhielte, und wolte also seinen elenden Ausgang erwarten, was ihm darob begegnen würde: darauf ließ sich Lucifer also vernemen: sage nun an, was Sinnes bist du noch? D. Faustus gantz kleinmütig und erschrocken, auch mit zugethanen Augen, antwortet: O du gewaltiger Fürst dieser Welt, verlängere mir meine Tage, du sihest daß ich ein verkehrt wanckelmütiges Menschen-Hertz habe, daß ich auf andere Gedancken, welche dir zuwider seynd, gefallen bin, hab aber das Werck noch nicht erfüllet: derowegen bitte ich dich, du wollest noch zur Zeit nicht Hand an mich legen, ich kan bald anders Sinnes werden.

Der Satan gab hierauf die Antwort mit kurtzen Worten: Wolan sihe zu, daß dem also seyn möge, und beharre drauf, das sage ich dir bey meinem Gewalt; und also verschwand er zusamt dem Feuer.


Anmerckung.

I. Erstlich wird allhier angezeigt, daß D. Faustus so Epicurisch dahin gelebet, daß er weder GOtt noch ein ewiges Leben geglaubet, ja die Wollust deß Fleisches für sein höchstes Gut gehalten hat, und das hat auch wol seyn können, weiln bey ihm weder Liebe, Glaub, Andacht, [513] noch Gottesfurcht gewesen; denn der Sinn und das Hertz war schon lang vom Teuffel verblendet und eingenommen.

Das Wort aber Epicurisch entspringt von einem sonst verständigen Philosopho zu Athen, der geboren worden im Jahr nach der Erschaffung der Welt 3630, vor Christi Geburt 341. im dritten Jahr der 109. Olympiadis, als Sosigenes zu Athen Regent war, im 7. Jahr nach Platonis Tod, wie Laertius schrei[502]bet l. 10. welcher gelehret, daß die Wollust dieses Lebens für das höchste Gut und Seligkeit zu halten sey, item, daß sich Gott der Menschen und deß Regiments in dieser Welt nicht annehme, lasse alles gehen wie es gehe, und stehen wie es stehe; ja wenn der Mensch stürbe, so sterbe auch Leib und Seel miteinander dahin, und sey kein Auferstehung der Todten, oder ein ewiges Leben: und ist diß sein Reimspruch gewesen:


Ede, bibe, lude, post mortem nulla voluptas,

Iß, trinck, spiel, leb im vollen Sauß,

Nach diesem Leben wird doch nichts draus.


Zu unsers HErrn Christi Zeiten war in Judæa die Sect der Sadduceer, welche doch wolten für die Frömmsten und Heiligsten gehalten seyn; diese glaubeten keine Auferstehung deß Fleisches, noch ewiges Leben, sondern lehreten, Leib und Seel stürben miteinander, Matth. 22. Actor. 22. Joseph. de bello Judai. l. 2. c. 7.

Welcher Meinung auch gewesen sind die Libertiner, wie auch Dositheus, und vor Jahren der Ketzer David George, der weder Engel noch Teuffel geglaubt, endlich aber da sein Schwarm nach seinem Tod auskommen, seynd seine Gebeine wieder ausgegraben und offentlich zu Basel verbrannt worden.

Beym Evangelisten Matthæo im 3. v. 7. stehet, daß viel solcher Sadduceer zusamt den Phariseern zu Johanne dem Täuffer hinaus in die Wüsten gangen, und sehen und vernemen wollen, was doch Johannes lehre und vorgebe, daß er einen solchen Zulauff deß Volcks aller Orten her überkommen; aber Johannes da er sie sahe, gab er ihnen diesen Ehren-Titul, und hiesse sie Otterngezüchte.

S. Lucas zeuget auch von solchen Gesellen, Cap. 20. v. 27. daß sie den HErrn Christum versuchet haben mit der Frag von einem Weib, die sieben Männer gehabt, welcher nemlich unter solchen dermaleins in der Auferstehung der Todten, ihr rechter Mann seyn werde? woraus denn zu sehen, was sie von der Auferstehung und vom ewigen Leben gehalten haben, nemlich, man würde denn nichts anders thun als freyen, zechen, springen und jubiliren, und was einer allhier in der Welt an Wollust und Freuden versäumet habe, dessen werde er dort ergötzet werden.

[514] Ein solcher Sadduceer war der reiche Prasser, wie denn der HErr von ihm sagt Lucæ 16. v. 19. er lebete alle Tage herrlich, das ist, alle sein Wollust, Pracht, Fressen, Sauffen, und anders mehr, war sein ewiges Leben.

[503] Deßgleichen stehet in der Apost. Gesch. cap. 3. et 4. v. 2. Da Petrus und Johannes dem Volck in der Halle Salomonis von der Auferstehung der Todten predigten, spricht S. Lucas, es verdrosse die Saduceer, daß sie das Volck also lehreten, und verkündigten im Namen JEsu die Auferstehung von den Todten; darum legten sie die Hände an sie, und führten sie in das Gefängniß.

S. Paulus, als er zu Jerusalem gefänglich angenommen worden, da bekannte er vor dem Gerichte, und schrie vor dem Rath daselbst also: Actor. 23. v. 6. Ich werde von euch angeklaget um der Hoffnung und Auferstehung willen der Todten. Da er aber das saget, ward eine Aufruhr unter den Phariseern und Sadduceern, und die Menge zerspaltete sich. Denn die Sadduceer sagten, es wäre keine Auferstehung, noch Engel, noch Geist, die Phariseer aber bekennten beydes.

Zu Chorintho in der Landschafft Achaia, oder Peloponneso gelegen, erregten sich auch etliche Secten; daher S. Paulus 1. Corinth. 15. v. 12. ihnen den Corinthiern also zuschriebe: So aber Christus gepredigt wird, daß er sey von den Todten auferstanden, wie sagen denn etliche unter euch, die Auferstehung der Todten sey nichts? ist aber die Auferstehung der Todten nichts, so ist auch Christus nicht auferstanden: ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsere Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaub vergeblich. Wir würden auch erfunden falsche Zeugen Gottes, daß wir wider GOtt gezeuget hätten, er hätte Christum auferwecket, den er nicht auferwecket hätte, sintemal die Todten nicht auferstehen. Denn so die Todten nicht auferstehen, so ist Christus auch nicht auferstanden; ist Christus aber nicht auferstanden, so ist euer Glaub eitel, so seyd ihr noch in euren Sünden, so sind auch die, so in Christo entschlaffen sind, verloren.

Und weiter schreibt S. Paulus 2. Timoth. 2. v. 16. Er, der Timotheus, soll sich deß ungeistlichen losen Geschwätzes entschlagen, dessen Meister gewesen seyn Hymenæus und Philetus, weiche der Warheit gefehlet haben, und sagen: die Auferstehung sey schon geschehen, und haben etlicher Glauben verkehret.

Hernacher aber ist immer noch solche Sect und Ketzerey fortgetrieben, ja eine nach der andern gehöret und gesehen worden; immassen der Cerinthus ein solcher gewesen, der gelehret, nach der Auferstehung der Todten am Jüngsten Tag werde das Reich Christi zu Jerusalem seyn. Item, die Men[504]schen werden im Fleisch wie vorhin wandeln, [515] daß sie mit Laster und Lüsten zu kämpffen haben werden: man werde essen, trincken, spielen und tantzen, ja die Fülle haben. Euseb. lib. 3. c. 28.

Die Druiden davon Seb. Franck in seiner Chronica meldet, daß solche Völcker und Leute sich in Franckreich aufgehalten, die bekennet, die Seele stürbe nicht mit dem Leib, sondern fahre nach dem Tod in einen andern Cörper.

Ebenmässig war bey den Galatern die Meinung Pythagoræ so sehr eingewurtzelt, daß sie keine Achtung auf ihr Leben gehabt haben, und sagten, so bald der Mensch stürbe, zur Stund nachdem die Seel wol verdienet hätte, fahre sie in einen andern Leib.

Zu den Zeiten Papsts Innocentii deß Dritten, entstunde ein Sect in Franckreich, die Albigenser, welche der König Philippus der II. mit dem Schwerdt ausgerottet: diese waren überaus Epicurische Säu, wie sie der Poet auch nennet: Epicuri de grege porci.

Und diese verdammliche Wollust deß Fleisches ist eben die Ursach gewesen, daß sich D. Faustus dem Teuf fel mit Leib und Seel ergeben, weiln er doch nicht geglaubt, daß einmal ein ander Leben folgen werde. Wie gleicher Gestalt Papst Johannes der XXIV. öffentlich in Gegenwart vieler Prælaten und Herren gesagt: daß nach diesem Leben kein anderes Leben zu hoffen wäre; ja er bliebe hartnäckich darauf, das die Seel mit samt dem Leib ewiglich stürbe, und daß keine Auferstehung, noch ewiges Leben seye.

Man schreibet, daß Sardanapulus ein solcher König und Regent gewesen, der sich gantz und gar aufs panquetiren, Fressen, Sauffen, Freudenspiele, Huren-Leben, und allerley Wollust deß Fleisches begeben habe, daß er zuletzt darüber um Land und Leute, Leib und Leben, und um die Seele darzu kommen ist. Denn er endlich aus verzweiffeltem Gemüte (wie denn solche Epicurer in Nöthen und Unglück sich nicht trösten können) sein Schloß selber mit Feuer angestecket, und sich darinnen verbrennet.

Dieses Sardanapali Epitaphium oder Grabschrifft soll diese gewesen seyn:


Cum te mortalem nôris, præsentibus exple

deliciis animum, post mortem nulla voluptas.

Namque ego sum pulvis, qui nuper tanta tenebam,

hæc habeo quæ edi, quæque exaturata libido

[505] hausit, at illa manent multa et præclara relicta,

Hoc sapiens vitæ mortalibus est documentum.


Das ist:


Weil du bist sterblich, trinck und iß,

[516] Nach dem Tod kein Wolleben ist:

Ich bin nun Asch, hab viel gehabt,

Doch ist es jetzt alles schab ab.

Viel bessers ich verlassen muß;

Brauch du der Welt, hab guten Mut.


Lutherus erzehlet eine Histori (über das erste Buch Mos.) dergestalt; daß zu Erffurt ein Canonicus oder Thumpfaff gewesen, welcher in die 22. Pfründen zusamm geraspelt, und an sich gebracht, sicher aber dahin gelebet, immer einen guten Mut gehabt, seinen Epicurischen Stand mit Fressen, Sauffen, Unzucht, und allerley Wollüsten deß Fleisches weidlich geführet, viel Sünden auf sich geladen, nicht viel nach Gott oder Teuffel, Himmel oder Hölle gefraget. Da aber der Tod anklopffete, und derselbige Thumpfaff nun hat sterben sollen, hat er mit kläglichen Seufftzen und Heulen aus Verzweiffelung auf seinem Todbette gesagt: Ach wolte GOtt, daß ich mein Leben lang keine Pfründe gesehen oder genossen hätte, sondern wäre dafür etwa ein Säuhirt gewesen, so solte es besser um mich stehen! das heisset nun, wie eine Sau gelebet, und wie eine Sau gestorben, etc.

Es ist einsmals ein Epicurischer Bauer in Sachsen gewesen, wenn man ihm vom Himmel gesaget, hat er geantwortet: wat Hemel, Hemel? hätt ick hie Mehl, meinete, daß wäre der rechte Himmel, wenn man hie vollauf zu fressen und zu sauffen hat, wie es die Schweine machen.

Und Lutherus über das 15. Cap. an die Corinthier, gedencket eines Schultheissen in einem Dorff, der zu seinem Pfarrer, als er sterben sollen, nachdem er lang mit ihm von der Auferstehung der Todten geredet hatte, letztlich angefangen zu sagen: Herr Pfarrer, ich will euch sol ches zu Gefallen glauben, aber ihr werdets erfahren, es wird nichts daraus werden.

Mahometes II. der achte Türckische Käiser, war von seiner Mutter, welche deß Despotæ in Servien Tochter gewesen, in Christlicher Lehre erzogen, aber davon hat er bald abgelassen, und sich zu deß Mahomets Sect gewendet, von welcher aber er auch bald nicht viel gehalten, und ist also ein Verrächter aller Religionen worden: denn er von keinem Gott hat etwas wissen wollen, ohn daß er allein das Glück für seinen Gott gehalten, sonsten hat er unverholen gespottet aller Menschen, die da et[506]was von Göttlicher Versehung glaubeten. Philippus in Chron.

Argonus, ein König der Tartarn, war ein Liebhaber deß Christlichen Glaubens, er richtete die Kirchen wiederum auf, die der Tyrann Mahomet verstöret hat, etc. Als er aber gestorben, kam sein Bruder Ragait an seine Statt, welcher von Sabelico Queghat, von andern Tagadayt genennet [517] worden. Der war nun ein rechter Epicurer und Atheist, starck vom Leib, und den Wollüsten gantz ergeben; darum regirte er nicht gar 2. Jahr, denn er hielte sich also liderlich und böslich im Regiment, daß er weder Gesetze noch Glauben in seinem Land hatte, also, daß ihm jederman im Reich gehässig war, und von den ausländischen Völckern gantz verachtet. Er ward letztlich von den Ständen seines Reichs umgebracht. Heniger. in Hist. Turc.

Fridericus, ein Graf zu Cilien, hat ein wüstes und Epicurisches Leben geführet, hieng sich an die Huren, und um derselbigen Willen hat er sein ehliches Gemahl erwürget. Und wie er nun fast bey 90. Jahren alt war, vermahnet ihn einer aus seinen Räthen, daß er doch einmal wolle an sein End gedencken, er habe nun fast beyde Füsse, wie man sagt, im Grab. Darauf er geantwortet: daß er sterben müste, daß wüste er wol, er wüste aber nicht, was er dort bekommen würde, darum wolte er sich seiner guten Tage in Wollüsten, wie er immer könnte, gebrauchen, weil er diß Leben noch auf Erden hätte, er brächte doch nichts mehrers darvon, es gerathe nur gleich dorten wie es wolle, so hätte er doch hier einen guten Mut und manche feine Lust und Freude gehabt: und wäre der ein Narr, der solches unterliesse, um einer ungewissen Furcht oder Hoffnung willen der zukünfftigen Dinge. Æn. Sylvius Comm. in Panormit. l. 1. Aus diesem Geschlecht ist Barbara, deß Käisers Sigismundi Gemahl gewesen, ein über alle Massen unkeusches Weib, und die mit solcher Fleisches-Wollust nicht hat können ersättiget werden, hat ihrem Herrn und Gemahl nicht im geringsten Glauben gehalten, Scham und Ehre hindan gesetzt, und fast jedermann zugelassen. Diese hat auch nicht geglaubt weder Himmel noch Hölle, weder Gott noch Teuffel. Wenn sie innen ward, daß irgends eine aus ihrem Frauenzimmer sich wolte geistlich stellen, fasten, beten, oder dergleichen thun, hat sie solche gestrafft, gescholten und gesagt: Es wäre Narrheit und grosse Thorheit, daß man seinen Leib wolle casteyen, und also sich selbst mutwilliglich peinigen und martern: man solte deß Leibs pflegen und warten, ihm gütlich thun, und der Liebe [507] geniessen, weil und so offt man könnte, denn wenn man stürbe, so wäre es aus, und ferner nichts mehr zu hoffen: und hat unverholen bekannt, daß kein ander Leben nach diesem Leben wäre, und Leib und Seele flögen miteinander auf, wie mit einer Kuh oder anderm unvernünfftigen Thier. Idem c. 59. Hist. Bohem.


II. Zum andern so wirfft der Geist dem D. Fausto seine Versprechung für, wie er sich verbunden habe, dem Ehestand feind und gehässig zu seyn, darob will auch der Teuffel gehalten haben. Also haben sich auch etliche Päpste mit dem Satan verbunden, und ihme zugesagt den[518] Ehestand zu hassen, da ihnen hergegen frey gelassen worden, in allerley schändlicher Unzucht, Blutschande und Sodomitischen Wesen zu leben, als Gregorius der VII. Paulus der II. Alexander der VI.

Denn der Teuffel ist zu jederzeit ein Feind deß H. Ehestands gewesen, dem er noch diese Stund aufsätzig und feind ist, und weiß das diß eine Stifftung und heilige Ordnung Gottes sey, darob GOtt auch will gehalten haben, darum sihet der Teuffel auch mit scheelen hässigen Augen darauf, gehet mit seiner Gesellschafft zu Raht, wie er sich in diesem Stück wider Gott setzen, ihm zuwider seyn, und solche wolgemeinte heilige Ordnung Gottes zu nichte machen möge: derohalben trachtet er ohn unterlaß darnach, wie er in die Hertzen der Menschen einen wiedersinnigen Rath und Gedancken einwerffen möge, damit sich jeder für dem Ehestand hüte, denselben für bös halte, und also zu unordentlicher Vermischung greiffe, Gott und seiner eigenen Natur zuwider seye: daher dieser Teuffel Asmodæus genennet wird. (Nomen habet à perdendo, à Samad i.e. delevit. Sic nominatur dæmonium, à quo aliquot Sponsi Saræ, filiæ Raguelis, necati sunt, Tobiæ 3.) Denn der Teuffel je und allezeit sich unterstanden, wie er dem Ehestand einen Schandflecken anhängen möchte, nicht allein bey den Eheleuten, wenn er immer eine Ursach nach der andern zu Hader und Feindschafft gegen einander in den Weg wirfft, daß sie manchmal mit Ungedult heraus fahren, und sagen: hat mich die ser und jener zum Weib geführt, ich wolte ich wäre einer los, ich wolte die andere nicht nehmen; item, ich wolte daß sie die Teuffel beym Haar hätte, und ich bey den Füssen, ich wolte mich nicht lang wehren, u.s.f. sondern er hat auch greuliche monstra und Ketzer erwecket, die den lieben Ehestand vernichtet und verachtet haben.

Eusebius lib. 3. cap. 29. meldet von Nicolao Antiocheno, [508] welcher einer gewesen aus den sieben Diaconis, oder sieben Männern, welche der Gemeine die Allmosen ausgetheilet, wie zu lesen in der Apostel Geschicht im 6. v. 5. aber er sey nicht beständig blieben. Dieser hat ein schönes Weib gehabt, daß hat er unter die Leut geführt, sie einem jeden zugeben, wer da wolte; daraus eine Sect entstanden, die gelehret, daß man die Weiber gemeine haben, und sie einem jeden frey seyn solten.

Diesem hat nachgeäffet Mahomet, der Türcken Prophet, der den Türcken in seinem Alcoran zulässt und verstattet, daß sie Weiber nemen dörffen, so viel sie deren ernehren können: und von diesem schreibt man, daß er auf eine Zeit in Egypten verreiset gewesen, und allda ein schönes Weib ersehen, welcher er den Beyschlaff angemutet, und als sie ihm sein Begehren abgeschlagen, und er seinen Willen nicht [519] hat vollbringen können, hat er seine Eselin, auf welcher er geritten, angegangen. Daher die Türcken noch heutiges Tags den Brauch haben, daß sie alle Jahr eine Walfahrt nach Meccha verrichten, und allda in ihrer Moschæa oder Kirchen unter andern Ceremonien männiglich mit ausgesprütztem Speichel dieses Weib verfluchen, daß sie einem solchen Boten Gottes seinen Willen nicht hat erfüllen wollen, da doch ein unvernünfftiges Thier, eine Eselin, bessern Verstand gehabt, u.s.w.

Zu unserer Vätter Zeiten, und vielleicht noch, hat der Teuffel auch seinen Gifft über den Ehestand ausgegossen in die verfluchte Widertäuffer; diese lassen auch die unordentliche Vermischung und Unzucht frey, und halten für recht: ja der Mann sey nicht an eine Ehe verbunden, sondern er möge so viel Weiber nemen, als er wolle.

Es seynd gleicher Gestalt noch andere ungereimte Eheschänder hervor kommen, wie Irenæus und sonderlich Eusebius meldet l. 4. cap. 28. vom Tatiano, welcher Sect hernach Saturninus und Marcio waren, die vorgaben, GOtt hab im Anfang ein Weiblein und ein Männlein erschaffen, und hab es abgesondert, darum soll kein Ehestand seyn.

Zu den Zeiten deß Papst Johannis, kam hervor der Ketzer Durandus, von Waldach in Arragonien, dieser sagte unter andern seinen schwärmerischen Articuln, die Ehe wäre nichts anders als eine heimliche Hurerey.

Ja es waren wol etliche, die lästerlich sagen dörffen, der Gott, der ein Weib mit dem Mann erschaffen habe, der hab es nicht gut mit dem männlichen Geschlecht gemeinet.

[509] So hat auch der Teuffel hervor gebracht, zur Zeit Cypriani, der im Jahr nach Christi geburt 250 gelebet, den Cölibat und das Ehelose Leben der Geistlichen; von welchem aber bereits oben schon gedacht worden.


III. Man siehet fürs dritte allhie an dem Exempel D. Fausti, mit welchem der Teuffel so übel verfahren, der sich doch keines wegs aus seinem Bund begeben, oder diesen gäntzlich aufgeben wollen, welch ein strenges Regiment der Satan halte, wie genau er die Puncten der Versprechung will gehalten haben, und welche sich also einmal an ihm ergeben, über solche gewaltig herrsche, ja sie zu mancher Zeit, auf die geringste gegebene Ursach, peinige, martere und quäle.

Bodinus schreibt hiervon also l. 2. Dæmonom. c. 3. et seq. Etliche bindet er an Händen und Füssen, und schlägt sie; etliche tormentiret er auf andere Weise, wirfft sie deß Nachts aus dem Bette, tritt sie mit Füssen, zeucht sie bey den Haaren, daß sie weder schlaffen noch ruhen können, und martert sie also, daß auch manche aus Verzweiflung sich gar umbringen: Etliche macht er unsinnig, in etlicher Leiber fähret er, [520] etliche bringt er durch Zauberstücke um, wenn sie dieselbe nicht recht gebraucht oder angewendet haben.

Als Joanna de Banno (Mainerii 3. Non. Jan. 1586.) der Hexerey überwiesen, auch ihre Zauber-Laster bekannt, und dem Satan beym Richter abgesaget, ist der Satan, da sie alleine war, zu ihr kommen, und hat sie dergestalt abgeschmieret, daß man vermeinet, sie müsste noch selbigen Tag sterben, und ist ihr Rucken voller Striemen gewesen. Dn. Rimphof im Drachenkönig. p. 103.

Wenn die Hexen mit dem Satan nicht coiren und buhlen wollen, so häuet und peitschet er sie mit feurigen Ruthen; wie einem Weib im Stifft Kölln begegnet, worüber sie laut geschrien, daß die Nachbarn zugelauffen, und nichts gesehen, aber hernacher, da sie zur Straff gezogen worden, hat sie das alles bekannt. Idem l. c. p. 123.

Im Dorff Lockum ist ein reiches Weib gewesen, die Brinckmansche genannt, der hat der Teuffel Anno 1630. zugemutet, einem andern armen Weib, mit vielen Kindern da sitzend, ihrer Kuh zu vergeben. Als sie sich aber dessen geweigert, hat sie der Satan mit einer Peitschen von Eisen gemacht, dergestalt gestäupet, daß ihre Magd sie etliche Wochen hat [510] schmieren müssen: und ist alles in der Nachfrag wahr befunden worden. Idem l. c. p. 124.

Als N. N. zu Verden verstricket lag, und der Obrigkeit ihre Bekenntniß gethan, der Superintendens daselbst sie auch fleissig besuchte, und ihr vorbetete, geschahe es, da er an einem Morgen wieder zu ihr kam, daß ihr Angesicht so schwartz war, wie eine Kole. Als er fragte wie daß käme, er wolte nicht hoffen, daß sie die vorige Nacht wieder gepeiniget oder an die Frag gelegt worden, denn daß hätten ihr ja die Herren Schöpffen viel anderst zugesaget; auch wäre niemals daselbst eine Person am Angesicht also tractiret worden; gab sie zur Antwort: ja, sie hätte einen bösen Peiniger gehabt, der hätte sie diese Nacht wollen umbringen, und gesagt, warum sie so viel mit dem schwartzen Pfaffen gebetet, und den Namen Jesus so offt im Munde geführet? Idem l. c. p. 100.

Etliche wenn sie entlauffen seynd, quälet er also, daß sie müssen wieder kommen, und ihres Rechts und verdienten Lohns erwarten. Etliche peiniget er also, daß wenns gleich keine Noth mit ihnen hat, sie dennoch sich selbst bey der Obrigkeit angeben, damit sie der Qual ihres Gewissens abkommen.

Und wenn die Obrigkeit alsdenn hinter sie will, spüret man offt augenscheinlich eine schreckliche Marter und Angst ihrer Gewissen, die sie viel schmertzlicher quälet, als das äusserliche Brennen: denn durch solch Brennen kommen sie bald der Marter ab, aber das böse Gewissen[521] quälet sie täglich, daß sie nimmermehr Ruhe haben. Und solche Qual haben viel, sonderlich (wie der vornehme Jurist Remigius bezeuget, l. 1. c. 13. Dæmonolatr.) in Lothringen bekennet, und mehrers nicht gewünschet, als zu sterben, damit ihnen die in die Länge unerträgliche Last und Beschwerung deß Satans möchte abgenommen werden.

Zum Weydensaal hat eine Hexe ihren schweren Fall höchlich beklaget und beweinet, und gesagt, der Teuffel hätte ihr die dreyssig Jahr, so lang sie ihm gedienet, so viel Plage angeleget, daß, wenn sie solte noch dreissig Jahr leben, wolte sie sich lieber zehen mal mit Feuer verbrennen lassen: denn der Satan hätte ihr auf dem Rucken gesessen, schwerer als funfftzig Pfund, und so kalt als ein Eiß; damit hätte sie sich so schleppen müssen, und wäre noch täglich von ihm gestäupet, geschlagen und geschmissen worden. Rimphof. l. c. p. 147.

Die jenige so auf den Täntzen nicht erscheinen wollen, die [511] treibet er zu mancher Zeit mit Streichen und Schlägen fort, daß sie erscheinen müssen: die ihm sonsten nicht wollen gehorchen, oder seinem Willen nach allen Schaden thun, die plaget er jämmerlich, schreibt Grillandus de Sortileg. qu. 7. n. 28.

Quelle:
Pfitzer, Nikolaus: Das ärgerliche Leben und schreckliche Ende deß viel-berüchtigten Ertz- Schwartzkünstlers Johannis Fausti [...]. Tübingen 1880 [Nachdruck: Hildesheim, New York 1976], S. 511-522.
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