[522] DAmit nun der elende D. Faustus seines Fleisches bösen Lüsten genugsam Raum geben, und er also des Verheuratens gantz und gar vergessen möchte, gibt ihm der Satan die Gedancken ein, wie er doch die schöne Helenam aus Griechenland, von welcher noch heutiges Tags die Welt viel zu sagen weiß, nicht allein sehen, sondern gar zu einer Concubin und Beyschläfferin haben und behalten möchte. Derhalben er kurtz hierauf, nachdem er von dem Lucifer den nochmal ernstlichen Befehl angehöret, an das Verehlichen nimmermehr zu gedencken, eines Morgens frühe seinen Geist zu sich erfordert, und ihm sein Vorhaben entdecket, mit Bitte, zu verschaffen, das hinfüro die schöne Helena, Königs Menelai Gemahel, und um welcher Willen die schöne Stadt Troja ist zu grund gangen, seine Concubin und Beyschläfferin, in eben der Form und Gestalt, wie sie im Leben gewesen, werden möchte: welches denn der Geist zu thun versprochen.
Deß andern Tags meldet Mephostophiles dem D. Fausto an, daß er nun seinem Begehren ein Genügen zu thun bereit wäre, und ihm die Schönste [512] selbiger zeit in Griechenland an die Seiten legen wolte, mit welcher er die folgende Zeit seines Lebens in aller Ergötzlichkeit zubringen möchte: und folgte ihm also die Königin auf dem Fuß nach, so wunderschön, daß D. Faustus nicht wuste, ob er bey sich selbst wäre oder nicht. Diese Helena erschiene denn als in einem köstlichen Purpurkleid, ihr Haar hatte sie herab hangen, welches schön herrlich, als Goldfarb schiene, auch so lang war, daß es ihr bis in die Kniebiege herab hienge mit schönen kolschwartzen Augen, mit einem runden Kopff, holdseligem Angesicht und lieblichen Wangen; sie war eine schöne länglichte [523] gerade Person, und war kein Tadel an ihr zu finden.
Als nun D. Faustus solches alles sahe und wol betrachtete, hat diese verzauberte Helena ihm das Hertz dermassen eingenommen und gefangen, daß er zur Stund in hefftiger Liebe gegen sie entzündet wurde, und mit ihr bald anhube zu schertzen, ja nachgehends für seine Beyschläfferin beyhielte, die er denn so lieb gewanne, daß er schier keinen Augenblick von ihr seyn kunte noch wolte, und also dabei alles Verehlichens vergasse. Etliche Monat strichen indessen vorbey, da er einsten von ihr berichtet wurde, wie sie von ihm schwanger worden wäre, welches er vielmals aber widersprochen, wol wissend, daß solches nicht beschehen könne, sintemal sie ja keine natürliche leibhaffte Person wäre, u.s.w.
Nachdem er aber gesehen, dass sie fast zu Ende deß Jahrs mit natürlichen Geburtsschmertzen beleget worden, auch vermittelst solcher hierauf eines Sohns niderkommen und genesen, hat D. Faustus sich höchlich darüber erfreuet, und ihn Justum Faustum genennet. Welcher aber hernach, nach seines [513] Vattern, D. Fausti, elenden Tod, zugleich mit seiner vermeinten Mutter verschwunden.
I. Diese verzauberte Helena, auch hernachmals schwangere Beyschläfferin D. Fausti, gibt allhier Anlaß zu fragen, ob nemlich der böse Geist, unter der Gestalt eines Succubi (so sich den Männern als Weibsbilder unterlegen) oder eines Incubi, (so sich auf die Weiber legen) vermöge auf natürliche Weise sich zu vermischen, und einige Schwängerung hieraus auszuwürcken, oder nicht? Welches, weiln es von vielen zwar geglaubet, von vielen hergegen billich in Zweiffel gezogen wird, was davon eigentlich zu halten sey, wollen wir aus unserm ersten Buch, von der Weiber Natur, aus dem 12 Cap. p. 143 et seq. entlehnen, und hierbey anfügen.
Ob nun wol Franciscus Georgius, ein gelehrter Theologus, Tom. I Problem. (wie Sinibaldus will) gelehret, und darfür gehalten, daß auch die Teuffel eines fruchtbarn Saamens fähig und habhafft wären: welches er vielleicht aus dem Jamblicho erlernet, welcher ebenmässiges statuiret, Segmento 4. cap. ult. de Myster. Ægypt. auch wol andere in dieser Meinung gestanden, deren Del-Rio gedencket, l. 3. Disquisit. Magic. qu. 15.
[524] Unde deridenda Marci illius opinio, de qua præ cæteris Cœlius Rhodigin. lib. 2. Lect Antiq. c. 6. volentis, dæmones semen habere, ac fœcundos esse.
Ist doch solches nimmermehr der Wahrheit gemäß: eines Theils, weiln sie Geister seynd, und also keines körperlichen und leiblichen Wesens theilhafftig; was ich aber selbst nicht habe, das kan ich auch viel weniger andern geben, und mittheilen: anders Theils, weiln der Saame von einem lebendigen Leibe seinen Anfang und Ursprung hat, und herrühret; alles aber was lebet, muß nothwendig ernähret werden, was ernähret wird, ist sterblich, und mit der Zeit verderblich: dannenher müste folgen, daß auch die Teuffel sterblich wären, da doch die H. Schrifft ein anders lehret.
Drittens, wie wolten doch die jenigen, als Geister, so da keine zu diesem Handel nothwendige Instrument und Werckzeuge, verstehe die Geburtsglieder haben und besitzen, dieses Werck deß Beyschlaffes verrichten, und vollbringen können? oder aber, da sie weder essen noch trincken, u.s.f. einigen Tropffen einiges Saamens bey ihnen haben?
[514] Wo überdas auch die Fortpflanzung und Erhaltung eines Geschlechts nicht erfordert wird, als bey solchen Geistern, welche einmal erschaffen worden, und aus Gottes Verhängniß unsterblich seynd, da ist auch keine Begierde zum Beyschlaff, und einiger natürlicher Vermischung: da je gewißlich, wenn die Teuffel diese Kraft und Vermögen, andere ihres gleichen zu erzeugen, hätten, die gantze Welt nunmehr derselben voll wäre.
Petrus Paludanus, Martinus Arelatensis, D. Thomas, und viel andere Theologi; unter den Herren Juristen aber Grilland. de Sortileg. qu. 7. n. 12. benebenst andern mehr, deren Del-Rio erwehnet l. 2. Disquisit. Magic. qu. 25. geben für, es könne der Teuffel, als ein sehr geschwinder und hurtiger Geist, den männlichen Saamen, entweder in dem Vermischungswerck andern entziehen, oder aber sonsten solchen auf Frechheit und Ungebühr ausgelassenen auffassen, und, nach D. Thomæ Worten, mit unbegreifflicher Vorsichtigkeit in solch seinen Kräfften erhalten; alsdenn einer solchen geilen, und gleichgesinneten Weibsperson in ihre Gebärmutter hinein sprützen, und also zur Empfängniß einer lebendigen Frucht Anlaß geben: massen sie zu mehrerm Beweisthum etliche Exempel aus dem Sprengero und Binsfeldio, ingleichen aus Torquemada und Lud. Molina, I. Part. Quæst. 50. Art. 1. anführen.
Welches aber ein lauter erdichteter falscher Wahn, ja gantz unmügliches Ding ist. Sintemal es mit dem männlichen Saamen eine solche Gelegenheit und Beschaffenheit hat, daß derselbige, so bald er im natürlichen Beyschlaff ein wenig aufgehalten, und nicht alsobald [525] in die Gebärmutter gebracht wird, seiner natürlichen Wärme und Geisterlein, denen er für sich selbst fast voll ist, gleichsam in einem Augenblick beraubet wird; dannenher auch die unmässige Länge deß männlichen Glieds unter die Ursachen der Unfruchtbarkeit mitgenommen werden will, alldieweil der Saame in demselben langen Wege gleichsam erkaltet, wie etliche wollen: oder wenn sich der Mann, nach ausgelassenem seinen Saamen, allzu ge schwind von seinem Weib hinweg begibt; denn also dringet der äusserliche Lufft in die annoch halb offene Gebärmutter hinein, verderbet den Saamen, veranlasset solchen zum Auslauff, und verhindert also die Empfängniß. Daraus denn zugleich erhellet, und mit keiner Mühe mag widerleget werden, wie falsch und uugegründet die jenige Histori seye, welche der sonst hocherfahrne Averrhoes l. 2. colliget. c. 10. von einem, seiner Erzehlung nach, warhafften [515] Weibe erzehlet; daß nemlich dieselbe einen Saamen, welchen ein Jüngling in einer gemeinen Badstuben aus Leichtfertigkeit von sich hatte fallen lassen, als sie sich, wiewol unwissend, nachdem er hinweg gegangen, an denselbigen Ort gesetzet, in ihre Gebärmutter empfangen haben solle, und also davon seye schwanger worden. Wer will, mag beym Mercuriali l. 1. de Morb. Mul. c. 2. hiervon ein Mehres lesen.
Zwar die Christliche Kirche bekennet, daß Gott der gerechte Richter, dem leidigen Teuffel, von wegen unserer mannigfaltigen, und offt allzu groben Sünden, nach seinem unerforschlichen und allein weisen Raht und Willen, zu mancher Zeit unsere Leiber zu mißbrauchen verhänge, daß es fast das Ansehen hat, wie der H. Augustinus redet im 15. Buch von der Stadt Gottes, im 22 Cap., als ob er sich mit dem Menschen (so vielleicht ohne das der Unzucht ergeben ist, und Tag und Nacht darnach trachtet) fleischlich vermische, und der Unzucht pflege; beschehe aber zu keinem andern Ende, als solche und dergleichen unkeusch gesinnete Hertzen gar von der Tugendbahn abzuführen, und in das Verderben zu setzen.
Daß aber aus solcher Vermischung, oder vielmehr Verblendung, einige natürliche Empfängniß einiger menschlichen Frucht erfolgen solte, sey nimmermehr glaublich; sintemal kein Mensch auf dieser weiten und breiten Welt, einig und allein unsern Erloser und Seligmacher ausgenommen, jemaln ohne Zuthun eines natürlichen männlichen Saamens ist erzeuget, und geboren worden. Was würden aber, sagt Cassianus in Collat. Patrum, für Zerrüttungen und Verwirrungen der Naturen in der Welt erfolgen, wenn den bösen Geistern diese Gewalt gegeben wäre, daß sie von Männern könnten natürlicher Weise beschlaffen, auch ihres Saamens theilhafftig werden; oder im Gegentheil [526] sie, die vielleicht sonsten unvorsichtigen und leichtglaubigen Weibspersonen schwächen und schwängern.
Wie viel ungeheure Mißgeburten hätte der Erdboden von Anfang der Welt bis jetzt ertragen müssen? welche Wunderthiere hätten sie ausgewürcket, indeme sie sich ohne Zweiffel mit allerhand zahmen und wilden Thieren vermischet, und ihren Saamen in dieselbige würden ausgegossen haben? Denn, wie die Weltweisen bezeugen, so muß das Ende und Ausgang eines Dings nothwendig erfolgen, wenn das Vermögen mit dem Willen übereinstimmet.
Was zwar den Willen belanget, so hat es diesen vermaledeyten [516] Geistern an demselben dieses gantze Gebäu der Welt, so wol als den Menschen, welchen der grundgütige Schöpffer zu einen Herrn über dieselbe gesetzet hat, zu verwirren und zu verderben, niemaln ermangelt: wenn nun zu diesem auch eine gleichmässige Gewalt und Vermögen hinzu kommen solte, würden sie gewißlich alles auf das schändlichste verstellen, und mit ihren ungeheuren und scheußlichen Mißgeburten alles erfüllen.
Ist derowegen nicht zu glauben, daß der Teuffel, welch ein Tausendkünstler er sonsten ist, könne oder vermöge obgedachten vielleicht aufgefangenen Samen ausser dem gehörigen Ort so lange unversehrt aufbehalten und verwahren, daß er alsdenn allererst mit solchem solte spielen, und seines Gefallens nach, in die Gebärmutter hinein sprützen können: zu mal ja die Vermischung nicht in einem Augenblick vollbracht, auch deß weiblichen Saamens Auslassung zugleich hierzu erfordert wird: die Geisterlein aber eines natürlichen Saamens ausser dem gehörigen Ort, wie gehöret, in einem Nun und Augenblick gleichsam verrauchen und verschwinden.
Es vermeinen zwar, die Weltbekanten D. D. Conimbricenses, in prim. de Generat. c. 4. qu. 10. art. 3. eosque sequitur P. Hurtado de Mendoza, in sua Philos. tract. de Gener. Disp. 1. Sect. 3. §. 22. es vermöge der Teuffel durch seine Kunst zu wege zu bringen, und zu verhüten, damit nicht ob erwehnte subtile Geisterlein aus dem entlassenen, und von ihm aufgefangenen Samen verrauchen: welches aber unmüglich ist. Denn wenn er solchen gestolenen Samen in seiner Integritet nur eine halbe viertel Stund erhalten könte, vermöchte er auch solchen etliche Zeiten, etliche Monat, etliche Jahr über zu erhalten. Welche ein ausbündiger Naturkündiger er aber ist, wird doch seine Macht der Natur und Gewalt nimmermehr verkehren, oder zu nichte machen.
Daß man aber einwenden wolte die Exempel der Unholden und Hexen, wie auch anderer, welche an der Folter und in der peinlichen Frag bekannt, wie auch frey ausgesaget haben, welcher Gestalt sie [527] offtmaln von ihrem Buhlen, dem bösen Geist, in angenommer Gestalt bald dieses bald jenes Menschen, wären geschwängert worden, ist nicht wol glaublich: denn die Erfahrung hat es nachmaln bestättiget, daß entweder der Teuffel solche leichtglaubige Weiber geäffet und betrogen, und sie, an Statt einer vermeinten Geburt, allerhand Gauckelwercke mit nicht geringem Schmertzen zur Geburts-Zeit hervor bringen [517] lassen; oder auch diese, andere Leute aufgesetzet haben, wie unter vielen andern aus folgendem mag erhellen.
Zu Costnitz war zu unser Vätter Zeiten eine schöne Jungfrau, welche bey einem reichen Burger selbiger Stadt, für eine Magd diente: diese bekante, vielleicht aus Regemachung ihres Gewissens, unverholen gegen männiglich, wie sie einsmals in der Nacht mit dem Teuffel, in Gestalt eines Jünglings, (welches er ihr nach verrichter That, mit ihrer grossen Bestürtzung wissend gemachet) zu thun gehabt habe, und daher auch schwanger worden seye.
Nach solch erschallenem Gerüchte, wurde sie, auf Gutdüncken der Obrigkeit, in dem Gefängniß so lange verwahret, bis man sehen möchte, welch einen Ausgang die Sach nehmen und gewinnen würde. Als nun die Zeit und Stunde der Geburt herbey kommen, sihe, da empfande sie zwar einige Wehen und Schmertzen, gleich als wenn sie jetzund eines Kindes genesen solte und wolte; brachte aber endlich nach grosser Mühe und Arbeit, mit grosser Bestürtzung der Umstehenden, anders nichts hervor, denn etliche Stücklein Holtz, Bein, Stein, eisene Nägel, etliche Büschelein Flachs, und andere dergleichen abscheuliche und unnatürliche Dinge, welche ihr der Teuffel zuvor durch seine Behendigkeit, und tausendkünstige Liste beygebracht hatte.
Johannes Rueff schreibet unter andern von der Empfängniß und Gebärung der Menschen, daß zu seiner Zeit eine unzüchtige Jungfrau gewesen seye, welche mit dem bösen Geist, nicht zwar anderst meinend, als ob es ein wol gestalter Mann gewesen wäre, zu schaffen gehabt, und bald darauf, allerdings, als wenn sie von ihm empfangen hätte, und schwanger worden, einen grossen und dicken Bauch bekommen habe, seye aber an Statt, da sie vermeinete Kindbetterin zu werden, in eine solche grausame und schmertzliche Kranckheit gerathen, daß ihr alles Eingeweide zu dem Afftern oder Hintern hinaus gewichen, und durchaus keine Artzney etwas darbey ausrichten, noch verhelffen wollen.
Im Closter Lockum ward eine Hexe verbrant, die hat vier Wochen nach ihrer Vermischung mit dem Satan, einen grausamen Schnacken, fünff Viertel lang, geboren, dafür sie sich hefftig entsetzet, und diesen scheußlichen Wurm alsfort auf den Misthauffen getragen, und darinnen [528] verscharret, der Satan aber hat sie so lange gepeitschet und geschlagen, bis sie solch Thier aus dem Misthauffen wieder gesuchet, das sie am Feuer müssen wie ein Kind wärmen, und hernach in einen Milch[518]topff setzen, und hat dem unfreundlichen Gast müssen täglich Milch zur Speise geben. So bald sie diesen Schnacken angerühret, seynd ihr die Hände geworden, als wären sie aussätzig, hat auch solche ungesunde Hände bis zum Gericht behalten, jedoch ihren Fall hertzlich beweinet. Rimphof. Drachenkönig. p. 85. 86.
Dergleichen Historien mehr, wem zu lesen beliebet, seynd auf gezeichnet zu finden bey Joh. Wiero, l. 2. de præstig. Dæmonum, c. 40. und folgenden Capiteln.
Zu deme kommet über daß noch dieses, daß sie die Hexen selbsten an der Folter, und in der peinlichen Frag, wie auch hernachmals frey bekennet, und ausgesagt haben, daß sie in der vermeinten Vermischung mit dem bösen Geist, von demselben jederzeit einen eißkalten Samen in ihre Schos empfangen hätten, darzu wenig, oder gar keine Lust und natürliche Belustigung darbey verspüret.
Bodinus gedencket, Dæmonom. l. 2. Teutsch. p. 129. daß zu Verberich bey Campiegne eine Tochter gewesen, Namens Johanna Harwilerin deren Mutter durch zweyer Parlament Urtheil lebendig zum Feuer verdammt worden: die hab Gerichtlich bekant, ihre Mutter hätte sie im zwölfften Jahr ihres Alters einem schwartzen Mann, in einem schwartzen Kleid, mit Stiefeln, Sporen, Degen, dem ein schwartzes Pferd vor der Thür aufgewartet, vermählet, mit diesen Worten: sihe, das ist meine Tochter, die ich dir versprochen; und zu der Tochter, siehe, das ist dein Buhl, der wird dir geben, was du begehrest. Drauf sey sie von Gott und dem Glauben abgefallen, habe bey ihm geschlaffen, wie Mann und Weib pflegen, ohne daß der Samen jeder Zeit kalt gewesen. Und diß, sagt sie, habe sie zu allen acht oder funffzehen Tagen aneinander getrieben, auch wenn schon ihr Mann bey ihr an der Seiten gelegen, habe ers doch nicht mercken, noch gewahr werden können.
Welches denn auch wol nicht anderst seyn kan, weiln solcher Same nur äusserlich ihnen zu gekommen, darzu der Geisterlein albereit beraubet gewesen; als welche der Wollust, so die Natur solchem Wercke hat einverleibet, vornehmste Urheber seynd.
Alldieweiln es nun natürlicher Weise, wie gedacht, nicht beschehen kan, daß vermittels obgedachter Vermischung deß bösen Geistes, Kinder erzeuget und geboren worden solten: als hält Herr Lutherus in Colloq. Mens. p. 213. gäntzlich dafür, daß so solche, dem Vorgeben nach, ja gefunden würden, nur gestolene Kinder wären; wie denn der Teuffel wol Kinder stehlen [519] möge, und sich selbsten an deß Kindes [529] Statt, so etwan nicht recht eingesegnet worden, u.s.w. in die Wiegen legen, oder müssen Supposititii seyn, Wechselkinder, Wechselbälge, welche die Sachsen Külkröpffe nennen: wie ich denn, sagt Lutherus ferner, gehöret, daß ein solches Kind in Sachsen gewesen seyn solle, deme fünff Weiber nicht genug haben können zu säugen geben. Die Historia aber verhält sich kürtzlich also: In Sachsen bey Halberstadt, hat ein Mann einen solchen Külkropff gehabt, der seine Mutter und sonst fünff Mumen gar ausgesogen, und überdas viel gefressen hatte; diesem Mann haben die Leute den Raht gegeben, er solte ihn zur Wallfart gen Höckelstadt zur Jungfrau Maria geloben, und daselbst wiegen lassen: diesem Raht folget der Bauer, und träget ihn dahin in einem Korb. Wie er ihn aber über ein Wasser trägt, und auf dem Stege oder Brücken gehet, so ist ein Teuffel unten im Wasser, der rufft ihm zu und spricht: Külkropff, Külkropff! da antwortet das Kind, so im Korb saß, und zuvor nie kein Wort geredet hatte: Ho, ho, ho, deß war der Bauer ungewohnet, und sehr erschrocken. Darauf fragt der Teuffel im Wasser ferner: wo wilt du hin? der Külkropff sagt: Ick wil gen Höckelstadt zu unser Lieben Frauen, und mick alda laten wiegen, dat ick mög gedyen. Wie solches der Bauer höret, daß das Wechselkind reden kan, welches er zuvor niemals von ihm vermercket, wird er zornig, und wirfft das Kind alsbald ins Wasser mit dem Korb, darinn ers truge. Da waren die zween Teuffel zusammen gefahren, hatten geschrien: ho, ho, ho, miteinander gespielet, und sich überworffen, und darnach verschwunden.
Herr D. Mengering erzehlet in seinem Informatorio Consc. Ev. p. 277. diese warhaffte Histori, die sich Anno 1580 begeben und zugetragen.
Nahe bey Preßlau hat ein namhaffter Edelmann gewohnet, dem seine Unterthanen Heu und Grommet im Sommer zur Fröhne haben machen müssen; unter deren auch beruffen gewesen eine Kindbetterin, so kaum acht tage im Kindbett gelegen; wie sie nun auch hat kommen müssen, nimmet sie ihr Kindlein mit hinaus, legets auf ein Häufflein Graß, gehet und wartet ihres Heu machen.
Als sie nun eine gute Weile gearbeitet, und einmal zu ihrem Kindlein, dasselbe zu säugen, gehen will, siehet sie das Kindlein an, schreyet hefftig, schlägt die Hände über den Kopff zu sammen, und klaget jedermann, es wäre ihr Kindlein nicht, weiln es [520] ihr die Milch so geitzig, und gleichsam mit Gewalt entziehe, auch so unmenschlich heulete; welches sie an dem ihrigen vorhin nicht gewohnet wäre.
Wie dem allen, so behält sie es doch etliche Tag über: weiln es sich aber so gar ungebürlich hielte, daß es sie fast verderbet hätte, klagte sie solches ihrem Junckern, welcher zu ihr sagte, wenn sie beduncke, [530] daß es nicht ihr Kind seye, so soll sie es wiederum auf die Wiesen tragen, an den Ort, da sie das vorige Kind habe hingeleget, und solle es hefftig mit Ruthen streichen, alsdenn werde sie Wunder sehen. Die Frau thäte solches, striche das Wechselkind mit der Ruthen, daß es sehr schrie, darauf brachte der Teuffel ihr gestolenes Kind wieder, und sagte mit entsetzlicher Stimm, da hast du es: und mit dem nahme er sein Kind hinweg.