[578] DIeser obige Trost des Magisters, nachdem selbiger mit den andern seinen Abschied von D. Fausto genommen, wolte eben so wenig bey ihm [573] fruchten, als die vorigen, und mit solchen bekümmerten Gedancken legte er sich damals auf dem Abend ungeessen und ungetruncken zu Bette, hatte zwar bey sich in der Kammer seinen treuen Famulum, den Wagner, aber tausenderley verzweiffelte Gedancken betrübten seine Seele, die ihn denn so bald, ob ers schon gewünschet, nicht einschlaffen liessen, noch die Ruhe gönneten: Ach, sprach er gantz wehemütig, ich armseliger Mensch, O du unseliger Fauste, du bist wol mit allem Recht mit unter den Unseligen, da du alle Stunde deß Todes erwarten must, da du doch noch viel gute Zeit und Stunden hättest erleben können! Ach Vernunfft, ach Mutwill, Vermessenheit und freyer Will! O du Blinder und Unverständiger, der du deine Glieder, Leib und Seele so blind machest, blinder als blind! O zeitliche Wollust, in was Verderben hast du mich geführet, daß du mir meine Augen so gar verblendet und verdunckelt hast! Ach mein schwaches Gemüte, du meine betrübte Seele, wo ist, wo bleibet deine Erkäntniß? O erbärmliche Mühseligkeit, O verzweiffelte Hoffnung, da deiner nimmermehr gedacht wird! Ach Leid über Leid, Jammer über Jammer, wer wird mich daraus erlösen? wo soll ich mich verbergen? wohin soll ich mich verkriechen oder fliehen? ja ja, ich sey gleich wo ich wolle, so bin ich gefangen.
In solch und dergleichen bekümmerten Hertzens-Gedanken und Klagen, hatte D. Faustus doch diese Gnade, daß er nach Verstreichung weniger Stunden einschlummerte, und endlich recht einschlieffe; er schlieffe aber nicht so gar lang, denn er von einem bösen Traum verunruhiget, und wider aus dem Schlaff gebracht wurde.
[574] Es traumete ihm, als sehete er von seiner Kammer einher tretten mehr denn tausend böse Geister, welche sämtlich feurige Schwerder in den Händen hatten, und ihn zu [579] schlagen droheten, unter denen aber einer, als der Vornemste, sich hervorgethan, und mit erschröcklicher Stimm zu ihm gesprochen: Nun Fauste, seynd wir bereit dich einmal an den Ort zu bringen; von welchem du offt mehrere Wissenschafft zu haben verlanget hast, wir aber haben solches bis anher versparen wollen. Nun wirst du selbst sehen, was für ein mächtiger grosser Unterscheid seyn wird unter den Verdamten und den Auserwählten; welches dir etwan vor diesem ist gleich einer Fabel und einem Mährlein gewesen.
D. Faustus erwachte darob zur Stund, und hermete sich hefftig ob diesem Gesicht, denn er kunte ihm leichtlich die Rechnung machen, was deß Traumes Bedeutung seyn werde.
I. Wer auf Träume hält, der greifft nach dem Schatten, und will den Wind haschen: Träume seynd nichts anders denn Bilde ohne Wesen, sagt der Tugendlehrer Sirach im 34. v. 2. 3. Allein dem D. Fausto wird die Erfahrung im Wege gestanden seyn, sonderlich wenn ihm das Gewissen die Warheit wird geprediget haben, zumaln alle Träume ja nicht zu verwerffen seynd, als wodurch nicht nur einmal entweder Gutes gethan, oder Böses verhütet worden ist. Wir wollen aber nach Anleitung des Traums D. Fausti ingemein besehen, was von den Träumen zu halten, und ob sie alle ohne Unterscheid zu verachten seyn, und aus der Acht zu lassen.
Hiervon sagt Herr Freudius, Gewiss. Frag. von Zaub. qu. 104. also: wenn wir die heilige Schrifft, neben der[575]selben die tägliche Erfahrung anschauen, so finden wir vornemlich dreyerley Art der Träume, die einem Menschen fürkommen können.
Erstlich seynd Göttliche Träume, die von GOTT dem HERRN herrühren, und dahin gerichtet werden, daß sie seine Ehr, seines Worts und Willens Bestättigung, und der Leute Bekehrung, samt zeitlicher und ewiger Wolfart fortsetzen und an Tag geben; manchmal auch warnen, oder gar den Tod verkündigen.
Als der Erzvatter Jacob in Mesopotamien zog, und im freyen Feld sein Nachtläger aufschlagen muste, da sahe er bey der Nacht im Traum eine Leiter, die von der Erden bis in den Himmel reichte, auf derselben stund oben GOTT der Allmächtige, und redet mit ihm, und die heiligen Engel fuhren und stiegen daran auf und nieder, Genes. 28. v. 12. Das war ein rechter göttlicher Traum, dadurch ihm GOTT das hohe [580] Geheimniß von der Menschwerdung seines liebsten Sohns hat vorbilden wollen.
Dem Patriarchen Joseph hat Er durch zween unterschiedliche Träume vorher gezeiget wie es ihm mit der Zeit gehen, und was er für Glück erleben würde, davon zu lesen Genes. 37.
Dem König Salomon erschien der HErr auch deß Nachts zu Gibeon im Traum, und versprach ihm, daß er ihm Weißheit und Verstand in seinem Regiment verleihen, und ihn darzu mit Reichthum und Ehr dermassen segnen wolte, daß seines gleichen vor und nach ihm nicht auf Erden seyn solte, 1. Reg. 3. v. 5. et seq.
Und welches noch wunderbarer ist, so hat der ewige und gewaltige Himmelskönig solche seine Gnad nicht allein besagten heiligen gottsfürchtigen Männern widerfahren, sondern davon auch etlichen heidnischen Personen ein merckliches Stück und Blick sehen lassen. Denn den beyden Hofdienern deß Königs in Egypten, dem obersten Schencken und Becker offenbarete Er einem jeden im Traum, was es für ein End und Ausgang mit ihrem Gefängniß nemen und gewinnen würde, und liesse ihnen darauf durch Joseph anmelden, daß jener nach dreyen Tagen wieder zu seinem Amt erhöhet, dieser aber gehencket werden solte, Genes. 40.
[576] So thate er dem Pharao kund durch den Traum von den sieben dürren Kühen und Ähren, die so viel fette und volle verschlungen und auffrassen, daß eine Theurung sieben Jahr lang in Egypten einreissen würde, Genes. 41.
Und als Gideon wider die Midianiter kriegen und siegen solte, und deß Nachts an der Feinde Läger kam, da hörte er, daß einer dem andern einen Traum erzehlte von einem Gerstenbrod, welches das Lager der Midianiter darnider gerissen hätte; womit GOtt den Gideon trösten und stärcken wollen, daß er an dem Sieg wider sie nicht zweiffeln solte, Judic. 7. vers. 13.
So stehet bey dem Propheten Daniel im andern Capitel, wie GOtt dem Nebucadnezar, da er noch abgöttisch und unbekehret war, durch einen Traum eröffnet nicht allein die Monarchien, wie eine auf die andere folgen solte, sondern auch die letzte Zukunfft deß HErrn Messiæ, durch welche alle Regimenter auf Erden aufgehoben, und ein ewiges Reich gestifftet werden solte.
Gleichwie demnach GOtt der HErr seine Sonne aufgehen läst über die Bösen und Frommen, und läst regnen über Gerechte und Ungerechte, Matth. 5. v. 45. also wircket Er auch durch Träume bey den Gottseligen und Gottlosen, und gibt ihnen dadurch etwas gewisses zu erkennen. Und das hat er nicht allein im Gebrauch gehabt unter den Alten, sondern [581] auch im Eingang deß Neuen Testaments, immassen Er es durch den Propheten Joel C. 2. v. 28. geweissaget, dessen Weissagung S. Petrus erkläret, und auf seine Zeit deutet, Actor. 2. v. 17. Denn dem Pflegvatter deß HErrn, dem Joseph, ließ GOtt durch einen Engel im Traum berichten, was es mit seinem vertrauten Weib, der Jungfrau Maria, für eine Beschaffenheit hätte, und that ihm künfftig anderweit im Traum Be fehl, daß er das Kindlein und seine Mutter zu sich nemen und in Egyptenland fliehen, und daselbst verbleiben solte, bis daß Ers sagte, Matth. 1. v. 20. Nach dem Tod Herodis erhielt er abermals Befehl im Traum, daß er wiederkehren solte in das Land Israel, und ziehen in die Örter deß Galilæischen Landes, denn die wären gestorben, die dem Kindlein nach dem Leben gestanden. Ibid. vers. 19.
Und von den Weissen aus Morgenland ist bekant, daß ihnen GOtt im Traum befohlen, sie solten nicht wieder zu Herodes lencken, sondern durch einen andern Weg ziehen in ihr Land. Matth. 2. v. 12.
[577] Unter solche göttliche Träume gehöret auch der Traum deß Weibes Pilati, deß Römischen Landpflegers, von welcher der Evangelist Matthæus aufgezeichnet, daß sie zu ihrem Herrn geschickt, da er auf dem Richtstul gesessen, und ihn warnen lassen, er solte nichts zu schaffen haben mit JEsu dem Gerechten, denn sie hätte die vergangene Nacht viel erlitten im Traum von seinetwegen. Matth. 27. v. 19.
Deßgleichen da Paulus zu Rom für den Käiser dargestellet werden solte, und er unterwegens schweren Schiffbruch erlitten hatte, so wurde er deß Nachts im Traum durch einen Engel versichert, daß ihm GOtt alle die geschencket hätte, die mit ihm im Schiff waren, daß ob sie schon in äusserste Gefahr gerathen würden, dennoch um seinetwillen sie alle miteinander erhalten werden solten, Actor. 27.
Und wenn wir die Kirchen-Historien, die sich nach der Apostel Zeiten zugetragen, durchblättern und aufschlagen, so mercken wir, daß es auch damals an göttlichen Träumen nicht allerdings gemangelt habe.
Hieher gehöret unter andern der Traum Carpi, deß Bi schoffs zu Troada, welcher, als er deß Nachts im Traum ein Gesicht gesehen, wie ein grosses Loch in der Erden gewesen, daraus lauter Feuerflammen zusammen geschlagen, und wie die bösen Geister einen verstockten Sünder fortgestossen, daß er in das Loch fallen solte, hab er Carpus seine Hände aufgehaben, und gebetten, der HErr JEsus wolte ihm gnädig seyn, und seinen H. Geist verleihen, daß er sich bekehrte, welches auch geschehen, wie Dionysius schreibet in Epist. ad Demophil.
Cyprianus der Bischoff zu Carthago erzehlet, daß unser HErr GOtt einem Pfarrer zur Pestilentz- und Sterbenszeit, durch einen Engel im Traum habe sagen lassen: pati timetis exire non vultis, quid faciam [582] vobis? ihr wollet nit leiden, (denn bey der grossen Verfolgung der Christlichen Kirchen in Africa wolte fast niemand um der Ehre Christi willen sein Blut vergiessen, noch das zeitliche Gut schwinden und fahren lassen, sondern männiglich bat, GOtt wolte ihrer verschonen, und die Verfolgung mit Gnaden abwenden, sie wolten gern frömmer werden: als sie aber nach erlassener Straff in Sicherheit geriethen, als zu geschehen pflegt, so schickte er eine schwere Pestilentz unter sie. Das wolte ihnen nun auch nicht gefallen, sie heuleten und weineten: derhalben offenbarete GOTT dem Pfarrherrn diß Gesicht im Traum, und befahl ihm, er solte [578] ihnen anmelden ihre Widerspenstigkeit) ihr wollet nicht willig sterben, wie soll ichs denn anderst machen? das war ein göttlicher Traum.
Didymus Alexandrinus betete wider Julianum, den abtrünnigen, und ärgsten Verfolger der Christen, daß GOtt seiner Tyranney steuren und wehren wolte, und hörete deß Nachts eine Stimme im Traum: Hoc die Julianus interfectus est, es wäre der Tyrann eben an dem Tag umge bracht worden. Das hat sich auch also befunden, denn wenig Zeit hernach kam die Botschafft und fröliche Zeitung, die es bestätigte. Sozom. l. 6. hist. Eccles. c. 2.
Monica, deß Augustini Mutter, war dieses ihres Sohns halben, der den Manichæern und ihren schädlichen Secten viel Jahr anhieng, mächtig betrübet, und konte niemals aufhören zu weinen, sondern bate den barmhertzigen GOtt fort und fort, er wolte ihn bekehren. Darüber entschlieff sie auf eine Zeit, da traumete ihr, wie sie an einem Tisch sässe, und ihr ein Jüngling erschien mit frölichem Angesicht in einem sichtbarlichen gläntzenden Kleid, der zu ihr sagte: Weine nicht, denn wo du bist, da ist er auch. Das hat das gottsfürchtige Weib aufgenommen als eine himmlische Antwort, und daraus die Hoffnung geschöpffet, daß ihr Gebet gewiß erhöret sey, und sobald sie deß Morgens früh aufgewachet, solchen Traum ihrem Sohn erzehlet. Der hat zwar Anfangs, wie er selbst bekennet l. 6. Confess. c. 13. solches Traums gespottet, ihn höhnisch verachtet, und zu seiner Mutter gesprochen: du hast etwa nicht recht verstanden, vielleicht hat der Jüngling so gesagt: Wo er ist, daselbst wirst du auch seyn; aber die gute Monica ist vest auf ihrer Meinung geblieben; und setzet Augustinus hinzu, er sey durch das Wort seiner Mutter hefftig beweget worden. Das macht, es war auch ein Traum von GOtt eingegeben, welcher mit der Zeit in seine überreiche Erfüllung gangen.
Käiser Mauritius wurde im Schlaff für Christi Richterstul gezuckt, und gefragt: wo wilt du, daß ich dich straffe wegen deiner filtzigen Kargheit, daß du so viel hundert gefangene Soldaten um ein so geringes [583] Geld nicht hast los kauffen, viel lieber dem Schwerd zu theil werden las sen wollen, hie in dieser, oder in jener Welt? Ach gerechter Richter, sprach der Käiser, du holdseliger Menschen-Freund, straffe hie, schone dort, und laß [579] mich hie wol büssen; wie denn auch kurtz darauf erfolget, ap. Cluver. p. 407.
Deß Käisers Valentis Gemahlin traumete einsten, ihr Kind sey kranck um der Verfolgung willen, die dem frommen Bischoff Basilio begegnet. Der Käiser läst Basilium holen, und sagt zu ihm: ist dein Glaub recht, so bitte, daß mein Sohn nicht sterbe. Basilius antwortet: Wird der Käiser glauben, was ich glaube, so wird der Sohn lebend bleiben. Weil aber ein solches Valenti nicht gelegen gewesen zu glauben, so starb der Knab. Socrat. l. 4. c. 21.
Polycarpus, der H. Märterer, sihet im Traum sein Bett unter dem Leib verbrennen, dadurch sein Feuer-Tod bedeutet worden. Euseb. in Hist. Eccl.
Von Churfürst Friderichs, deß Weisen, denckwürdigen Traum, den er am Abend Allerheiligen, eben die Nacht zuvor, ehe D. Luther seine Disputation angeschlagen, dreymal nacheinander gehabt, wie er gesehen und gehöret, daß eine Gans-Feder dermassen gekirret, daß der Schall dem Papst durch beyde Ohren gangen sey. Besihe D. Hoë Jubelfest-Predigten, Conc. 1.
In vita Gregorii Nazianzeni, deß vortrefflichen Theologi, stehet geschrieben, daß seiner Mutter im Traum ihres Sohns Gestalt und Namen sey gezeiget worden, da sie ihn noch nicht zur Welt geboren hatte.
Deß frommen Münchs Bernhardi Mutter hat den Tag zuvor, ehe sie ihren Sohn zur Welt gebracht, einen Traum gehabt, als hätte sie einen bellenden Hund geboren. Denn GOtt aus diesem ihren Sohn einen rechten eiferigen Prediger gemacht, der die verderbten Mores der Geistlichen Prælaten mit allem Ernst angebellet hat. D. Balduin. Conc. 31. sup. Judic.
D. Ægydii Hunnii Mutter, da sie mit ihm schwanger gienge, träumete, wie sie in der Kirchen an ihrem gewöhnlichen Ort sässe, und daselbst etwas von der Erden, einem Strohhalm gleich aufgehoben, welches ihr aber unter den Fingern je länger je grösser worden. Welches auch an D. Hunnio erfüllet worden, denn ein rechter standhaffter, vester und unbeweglicher Pfeiler der unveränderten Augspurgischen Confession gewesen ist. D. Gesner. in Conc. funebr. D. Hunn.
Catharinæ von Medicis, Königin in Franckreich, traumete die Nacht vor ihres Herrn Tod, daß man selbigem ein Aug aus [580] dem Haupt schneide. Deß folgenden Tags hat der Grav von Montmorenci, nachdem [584] er ihm befohlen daß er wider ihn rennen solte, durch einen Spreissel von der zerbrochenen Lantzen, welcher in das nicht gar zugeschlossene Visier gesprungen, so hart verwundet, daß dadurch das Haupt erschöllet, und der König wenige Tag hernach die Welt gesegnet.
Deßgleichen traumete dem Marschall Monluc, eben selbige Nacht vor dem Turnier, wie er den König auf einem Stul sitzen sehen, und daß er ihn nicht wol erkennen mögen, weil seyn Angesicht mit Blut besprengt, und hörte sagen, daß er todt oder tödlich verwundet wäre. Uber diesem Traum betrübte er sich sehr, und erzehlet ihn seinem Weib und seinen Freunden. Vier Tage hernach ist Post durch Nerac kommen, und hat ihm diesen Traum ausgeleget.
Conrad Geßner, ein berühmter Medicus zu Zürich traumete, daß ihn eine vergiffte Schlange gebissen hätte: bald darauf ist er an der Pest gestorben. Jos. Simler in ejus vita Johannes Oporinus, der berühmte Buchdrucker zu Basel traumete, daß ihm eine Schlag-Uhr von dem Haupt auf die Brust herab fiele, und einen sehr lieblichen Klang von sich gebe. Bald hernach hat ihn der Schlag getroffen, daß er mit diesen Worten verschieden: wie ist die Güte deß HErrn so groß?
Petrarcha meldet für gewiß, daß einem Italiäner getraumet, es habe ihn ein steinerner Löw tod gebissen. Als er folgenden Tag zu Padua bey dem Tempel, welcher der H. Justinæ gewidmet ist, vorbey gegangen, hat er seinen Gesellen den Traum erzehlet, und in der Erzehlung die Hand in deß Marmorsteinern Löwen Rachen gestossen, sagend, daß dieses sein Feind in dem Schlaff gewesen. Es war aber ein Scorpion in deß Löwen Rachen verborgen, der den Studenten also gestochen, daß er sterben müssen.
König Heinrich der dritte sahe drey Tage vor seinem Ableib, daß seine Cron, Scepter, Königlicher Rock, etc. von einem Mönich mit Blut besprenget, und mit Füssen getretten wurde. Als er solchen Traum dem Abt von S. Denis erzehlte, bate dieser den König, er wolte sich wol in Acht nemen, und gute Wacht halten lassen: es ist ihm aber doch der Traum wahr worden, und hat seinen Tod, welcher durch einen mörderischen Jacobiner erfolget, nicht verhüten können.
Augustin. Curion, ein gelehrter junger Mensch, ist ein hefftiger Fluß auf die Brust gefallen; seinem Vatter aber und [581] seiner Mutter hat geträumet, wie folget. Der Vatter sahe im Schlaff eine Perle in einer Muschel, welche sehr vollkommen, als er solche recht besichtiget, hatte es kein Löchlein, dabey man es anfassen und gebrauchen können. Der Mutter traumete, daß ihr Sohn zu Aschen verbrennet wäre, und hätte sich in ein kleines Kind verwandelt, welches vor ihren Augen verschwunden wäre. Jenes bedeutet, daß Curion in [585] dieser Welt nicht dienen solte; und dieses, daß sein Leib verwesen, die Seele aber wieder zu GOtt kommen würde, der sie ihme gegeben.
Als Anno 1631. den 7. Septembr. die Schlacht zwischen den Dörffern Podelwitz und Breitenfeld, bey Leipzig, gehalten worden, da soll dem König aus Schweden, Gustavo Adolpho, die Nacht vor dem Treffen, getraumet haben, wie er den General Tylli bey den Haaren gefasset, und nicht eher halten können, bis er ihre Kön. Majest. in den lincken Arm gebissen, welchen Biß denn Chursachsen, so den linken Flügel geführet, erfahren hat. Joh. Phil. Abelin. Historisch. Chronic. Continuation fol. 412.
Fürs ander seynd Natürliche Träume, welche aus der Natur ihren Ursprung entlehnen, und entstehen entweder aus dem Temperament und Complexion, denn weil die Naturen unserer Leiber ungleich seynd, so finden sich auch vielfaltige Träume. Den Cholericis, die hitziger und trockner Natur seynd, träumet gemeiniglich vom Feuer, Krieg, Zanck, Todschlag, u. d. g. Die Melancholici, die eines kalten und trocknen Temperaments seynd, haben oft erschreckliche Träume, als wären sie im Finsterniß und grosser Gefahr, sehen und fühleten abscheuliche Dinge, von bösen Geistern, von toden Leichnamen, und andern traurigen Sachen. Die Phlegmaticas, in denen eine kalte und feuchte Complexion ist, sollen vexieren die Träume von Wassern, von Ungewitter, und Baden; hergegen die blutreicher, warmer und feuchter Natur seynd, liebliche und lustige Freuden-Träume, von allerhand Gastereyen, Tantzen, und anderer Kurtzweil: daß also von den Humoribus und Feuchtigkeiten deß Leibs die mein sten Träume veranlasset und gebildet werden.
Oder sie entstehen aus mancherley Kranckheiten, und unordentlichem unmässigem Leben: denn die an hitzigen Fiebern liegen, und viel getruncken haben, erfahren unruhige Träume, [582] und erschrecken im Traum, als sehen sie die Feinde kommen, Sirach. 41. v. 6.
Etliche entspringen von dem sündlichen Fleisch, die Somnia carnalia, so da quellen von der Erbsünde, als deren Macht im Traum und Schlaff nicht gering ist, sie erhält manchmal einen Sieg wieder den innern Menschen, dessen sie bey Tage nicht hätte können mächtig werden: als wenn man im Traum GOtt lästert, fluchet, mordet, Unzucht treibet, und wie in der Epistel Judæ stehet vers. 8. das Fleisch beflecket.
Oder sie entstehen auch wol von den Amts-Geschäfften deß Beruffs: denn damit ein jeder deß Tages über umgehet, das kommt einem oft deß Nachts vor, und traumet einem davon; welches der Poet Claudianus gar artlich gegeben:
Omnia quæ sensu volvuntur Vota diurno,
[586] pectore sopito reddit amica quies.
Venator cum fessa thoro sua membra reponit,
mens tamen ad Sylvas et sua lustra redit, etc.
Das unfehlbare Kenn- und Merckzeichen aller dieser natürlichen Träume ist, daß sie als ungewiß, falsch und nichtig, bald verschwinden und vergehen: denn wo viel Träume sind, da ist Eitelkeit und viel Wort, stehet geschrieben Eccles. 5. v. 6. Daher hält die Schrifft den Gebrauch, daß sie ein Gleichniß von den Träumen nimt, wenn sie den plötzlichen Untergang der Gottlosen abcon terfayen und entwerffen will.
Fürs dritte seynd teufflische Träume die der Satan den Menschen einraumet, GOtt und seinem Wort stracks zu wider, dadurch er sich unterstehet, sie in Abgötterey zu stürtzen. Solche Träume haben die falschen Propheten gehabt zu Jeremiæ Zeiten, die immer das Volck trösteten, es hat keine Noth, sie dürffen sich nichts befürchten für dem König zu Babel, es wäre ihnen solches in dem Traum von GOtt geoffenbaret, Jerem. 23. v. 17. und 25. v. 27.
Bey den Heiden ist bräuchlich, daß sich ihre Priester in die Häute und Felle der Thiere, die sie ihren Göttern opfferten, einwickelten, und deß Nachts darinnen schlieffen, zu dem Ende, daß ihnen offenbaret werden möchte, was sie zu wissen begehrten. Und was ihnen der Teuffel im Schlaff eingegeben, das haben sie für ein Oraculum und göttliche Offenbarung gehalten, und den Unverständigen eingebildet, als wenn es ein Articul deß Glaubens wäre. Eben so, was vor Zeiten den faulen Mönchen im Papstum [583] träumete, das brachten sie auf die Cantzel, und muste lauter Heiligthum seyn.
Die aufrührischen Prædicanten im Baurenkrieg haben vor mehr als hundert Jahren sich auch grosser Träume gerühmet, und sie dahin einmütiglich gedeutet, daß man alle Obrigkeit ermorden solte.
Thomas Müntzer, damaliger Pfarrer zu Alstetten, Johann Buhold, bürtig von Leyden aus Holland, ein Schneider-Gesell von 23. Jahren, von Angesicht, Gestalt, lieblicher Rede, Freundlichkeit und dienstbarer Willfährigkeit ein anmutiger Mensch, aber ein verschmitzter, gifftiger Widertauffer, der Schwarmkönig zu Münster, und Heinrich Pfeiffer, sonst Schwerdfeger genant, ein entlauffener Mönch aus dem Closter Reiffenstein, haben auch ihre besondere teufflische Träume gehabt, durch welche sie der Teuffel bethöret, daß sie einen grossen Lärmen unter den Bauren erwecket, sich selbst und viel tausend auf die Schlachtbanck geliefert. Sonderlich wolte gemeldter Pfeiffer nach seinem gehabten Mäus-Traum alle die von Adel verjagen und verstören. Denn es hatte ihm getraumet, er hab gar viel Mäuse im Stall verjagt, und das legte er von denen von Adel aus, Vid. Sleidan. l. 5. Ann. 1525. p. 119.
[587] Es unterstehet sich zwar Zwinglius, (und seine Adhærenten) da er seinen Traum, den er von dem Wörtlein IST gehabt, erzehlet, ihn von dieser Art der Träume zu befreyen. Denn als derselbe zu Zürich vor dem Rath mit einem Schreiber disputiret, und die Anwesenden bereden wollen, es müsse in den Worten der Einsetzung deß Heiligen Abendmahls, das ist mein Leib, das Wort IST so viel heissen, als bedeutet, und dannenher ihme angelegen seyn lassen, auch ihme auferlegt gewesen, ein solch Exempel einzuführen, da ausser den Parabeln, das Wort IST nothwendig so viel heisse, als bedeutet; da träumete ihm in selbiger Nacht, wie er abermal mit seinem Gegenpart zu thun gehabt, und kommt ihm ungefähr ein Mann im Traum für, (er nennet ihn Monitorem, einen Anmahner) ob er weiß oder schwartz gewesen, das behielte er nicht, der sagte ihm warum schlagest du nicht deinen Widersacher mit dem Exempel aus dem 12. Capitel deß 2 Buch Mose? da geschrieben stehet, das Osterlamm ist der Uberschritt des HErrn: das ist, es bedeutet den Uberschritt deß HErrn. Es wird aber ausser allen Zweiffel ein schwartzer Mann gewesen seyn, dieweil er ihm eine falsche und im angezogenen Capitel unbefindliche Gloß an die Hand gegeben, u.s.w.
[584] So hat sich auch Carlstadius, der Anfänger deß Sacrament-Streits, oft auf göttliche Erscheinungen beruffen, und sonderlich in einem Büchlein Anno 1524. zu Basel gedruckt, von sich geschrieben, es sey ihm ein Mann erschienen, der habe ihm die Meinung vom Abendmahl, daß Christi Leib mit dem Mund nicht empfangen werde, gesaget und geoffenbaret, und er glaube, daß derselbige Mann GOtt der Vatter gewesen sey. Aber D. Luther hat ihm fein Teutsch geantwortet, im Buch wider die himmlische Propheten, daß es nicht GOtt der Vatter, sondern der Teuffel und seine Mutter gewesen.