[129] GLeich Abends, als D. Faustus nun zu Nacht gessen hatte, und kaum in seine Studir-Stuben kommen ware, sihe, da klopffet jemand sittiglich an der Stuben-Thüre, dessen Faustus sonsten nicht gewohnet, zumaln die Haus-Thüren allbereit verschlossen waren: Er merckte es aber bald, was es bedeuten würde, und eröffnete die Thüre; da stunde nun zugegen eine lange in grauen Münchs-Habit verkleidete Person, dem Ansehen nach eines zimlichen Alters, und eines gantz grauen Bärtleins, den hiesse er so bald in die Stuben gehen, und sich zu ihme auf die Banck niedersitzen, welches der Geist auch gethan.
D. Faustus fragte ihn gleich anfangs, mit was er sonsten umgehe? Dem antwortete der Geist: O Fauste, wie hast du mir meine Herrlichkeit genommen, daß ich nun eines Menschen Diener seyn muß; dieweil ich aber von unserm Obersten darzu gezwungen worden, muss ich es auch lassen geschehen. Wenn aber das Ziel und Termin seine Endschafft wird erreichet haben, so wird es mir eine kurtze Zeit gewesen seyn, dir aber wird es ein Anfang seyn einer unseligen unendlichen Zeit.
So will ich mich nun von jetzo dir gantz unterwürffig machen, sollst auch keinen Mangel an mir haben, ich will dir treulich dienen; so solst du dich auch vor mir nicht entsetzen, denn ich bin kein scheuß[79]licher Teuffel, sondern ein Spiritus familiaris, der gerne bey den Menschen wohnet.
Wolan denn, sagte hierauf D. Faustus, so gelobe mir im Namen deines Herrn Lucifer, daß du allem fleissig nachkommen wollest, was ich dir werde zu muten, und von dir begehren. Der Geist beantwortete solches mit Ja; und solst zugleich wissen, sagte er, daß ich werde Mephostophiles genennet: und bey diesem Namen solst du mich hinfort jederzeit [130] erfordern, wenn du etwas von mir begehrest und haben willst, denn also heisse ich.
D. Faustus erfreuete sich hierüber in seinem Gemüte, daß nun seine Sach und lang verlangtes Begehren einmal zu einem erwünschten Ende kommen seye, und sprach: Nun Mephostophiles, mein getreuer Diener, wie ich verhoffe, so wirst du dich allezeit gehorsamlich finden lassen, und in dieser Gestalt, wie du jetzund erschienen bist, erscheinen. Ziehe nun vor diesesmal wiederum hin, bis auf mein ferneres Erfordern und Beruffen.
Auf diesen Bescheid bückte sich der Geist, und verschwande.
I. Von den Spiritibus familiaribus, oder Gemeinschafft-Geistern etwas zu reden, gibt Anlaß D. Fausti Geist, der sich allhier einen Spiritum familiarem will genennet wissen.
Spiritus familiares aber seynd solche Geister, (immassen M. B. Waldschm. Python. End. p. 453. weitläufftig erkläret,) mit denen manche Menschen in sonderbarer Gemeinschafft und Verbündniß stehen, die sie mit ihnen auf gewisse Zeit und Jahre aufrichten, mit dem Beding unter dessen ihnen zu dienen, und ihnen zu diesem oder jenem behülfflich zu seyn, wornach ihr Sinn und Gedancken stehen.
[80] Daß es nun dergleichen Geister gebe, wollen wir nicht in Abrede seyn, und in keinen Zweifel ziehen. Denn es auch dahin kommen ist daß dieselbe wol öffentlich an manchem Ort in Gläsern, Püchsen, Federkielen, und dergleichen verkaufft und andern hingegeben werden; Massen auch mancher Mensch, den der Fürwitz, Hochmut, Ehrgeitz und dergleichen antreibt, darnach trachtet, einen solchen Dienst-Geist zu erlangen, entweder um der Gemüts-Gabe willen, daß er durch seine Hülff Weis, Klug, Gelehrt, Beredsam, vieler Sprachen kundig, im Disputiren spitzfindig, und qualificirt und geschickt werden möge, daß er in omni scibili und in allen Wissenschafften wol erfahren werden, und es andern weit bevor thun möge, auch hohen Ruhm vor andern erlangen: Massen Surius 6. Jun. c. 27, eines Idioten gedencket, der auf diese Weise geschwind und ohn einiges Studiren in der H. Schrifft also gelehrt worden, ob hätte er dieselbe von Jugend auf studiret, und wäre der vornemste Doctor derselben. Solchen Spiritum hat Socrates gehabt, von welchem Plutarchus de Genio Socratis T. 2. p. 589. schreibt, er seye vortrefflicher und gelehrter gewesen als sechshundert andere hochgelehrte Philosophi. Dem Cornelio Agrippæ hat der böse Geist in Gestalt [131] eines Hunds aufgewartet, und ist in Erfahrung heimlicher Dinge Sprachen und Künsten ihm bedienet gewesen: ingleichen deß Cardani Vattern, Bodin. 1. 2. c. 5. Dæmonom.
Oder mancher Mensch trachtet nach einem solchen Spiritu, um deß Leibes-Lust willen, Unzucht und allerley Mutwillen vermittels dessen zu treiben, wie die Zauberer und Hexen zu thun pflegen; oder durch seine Hülffe allen Uberfluß an gut Essen und Trincken zu haben; oder durch ihn starck zu werden, und andern damit überlegen zu seyn, sich vest und unsichtbar zu machen, damit man allerley Diebs- Mord- und Huren-Stücke treiben, und von den Menschen nicht gesehen werden möge.
Oder es trachtet auch mancher darnach, um der Güter deß äusserlichen Glücks willen, durch seine Hülffe grosse Ehre, Geld und Gut, Glück und Handlung, und dergleichen zu erlangen. Massen denn unterschiedliche Päpste durch Hülffe solcher Geister die Päpstliche Hoheit erlanget haben.
Theophrastus Paracelsus soll seiner Meinung nach einen Spiritum familiarem in seinem Degenknopff stets bey sich ge[81]führet haben, durch dessen Hülffe er die Tinctur und das Goldmachen soll ergründet haben.
Ob nun wol diese Spiritus familiares und Dienst-Geister in andern Landen, Italien, Franckreich und anderstwo gemein, jedoch so ist die Gemeinschafft mit denselben auch in Teutschland eingerissen, so gar, daß auch etliche in die Meinung gerahten, sie köndten sich derselben fünff, zehen, auch mehrere Jahre gar wol gebrauchen, und alsdenn derselben ohne Schaden und Gefahr der Seelen, auch ohne Verletzung deß Gewissens, wol wieder los werden, und ihnen also mit guter Manier wieder abdancken, und einem andern überlassen.
Aber sie betriegen sich selbsten, und seynd unrecht daran. Denn daß solche Spiritus familiares und Dienst-Geister nicht gute Geister und Engel, sondern böse Geister und Teuffel seyen, ist daraus offenbar, dieweil diese Geister nicht von GOtt gesendet werden, heimlich die Menschen zu lehren und zu unterrichten, und vor andern gelehrt, geschickt, reich und dergleichen zu machen; denn davon finden wir in der gantzen heiligen Schrifft nichts; es heisset aber, wie ein vornemer Theologus an einem Ort saget: quae Scriptura tacet, tacendo negat: worvon die heilige Schrifft still schweiget, das verneinet und verwirfft sie mit solchem Stillschweigen.
Es ist zwar nicht ohn, daß GOtt im Alten und Neuen Testament durch die gute Engel den Menschen viel hat verkündigen lassen: aber diese hat GOtt extraordinariè und absonderlich gesendet, auch ist ihr [132] Verkündigen nicht heimlich, verborgen und innerlich, sondern äusserlich und offentlich, nicht zu deß Menschen Verderben, sondern zu seinem Heil und Besten geschehen: aber mit diesen Dienst-Geistern, davon wir reden, hats eine andere Beschaffenheit, die werden nicht von GOtt gesendet, auch geschihet ihr Verkündigen, Lehren, Unterrichten, und dergleichen nicht äusserlich und offentlich, sondern heimlich, auch wol innerlich, und daß andere davon nichts wissen und hören.
Zu maln ist diß kein ordentlich Mittel, durch Hülff solcher Dienst-Geister gelehrt zu werden, und dieses oder jenes zu erlangen; denn GOtt hat uns andere Mittel darzu verordnet, Er weiset uns zur heiligen Schrifft, darinnen sollen wir forschen, Joh. 5 v. 39 nicht aber zu den Spiritibus familiaribus und solchen Dienst-Geistern, Gemeinschafft mit ihnen zu haben. Der Apostel Paulus sagt nicht 1. Timoth. 4 v. 16. [82] attende occultæ inspirationi, habe Acht auf die innerliche Eingebung deß Geistes, sondern attende lectioni et doctrinæ, habe Acht auf diese Lehr, halte an mit Lesen.
So hat auch GOtt die Arbeit, den Fleiß, und den sauren Schweis darzu geordnet, daß wir dieselbe zur Hand nemen und anwenden sollen, wenn wir das wollen erlangen, was wir begehren: wenns aber von einem solchen Dienst-Geist erlanget würde, so geschehe es nicht durch das ordentliche Mittel, nemlich den Fleiß und Arbeit, und ist derwegen diese Weise der Ordnung Gottes zu wider, und kan daher ein solcher Geist freilich kein guter Geist seyn.
Zu dem, so bekennen auch solche Dienst-Geister nicht, daß sie von GOtt gesendet werden, welches ein gewisses Kennzeichen, daß sie keine gute Geister und Engel seyn, denn diese, wie aus allen Historien offenbar ist, haben, wenn sie jemand erschienen seynd, bald im Anfang ihres HErrn und GOttes gedacht, von dem sie gesendet worden, aber das sagt kein solcher Geist nicht: solte er es gleich bey einem und dem andern vorwenden, so ist es doch eitel Betrug und List, welches aus seinen Wercken leichtlich kan gemercket werden, wenn man darauf fleissig Achtung gibt.
Uber das, der gute Geist und Engel kommt zu den Menschen auf vorhergehendes glaubiges und andächtiges Gebet zu GOtt; aber der familiaris und Dienst-Geist wird durch abgöttische und zauberische Wort und Beschwörung herbey gelocket und gebracht.
Die guten Geister und heilige Engel dienen den Menschen ihre Seligkeit zu befördern, denn sie werden ausgesandt zum Dienst um derer willen, die die Seligkeit ererben sollen, Hebr. 1. v. 14. Aber ein solcher Dienst-Geist suchet nichts wenigers als dieses, all sein Thun und Dienen gehet dahin, nicht deß Menschen Seligkeit zu befördern, [133] sondern ihn vielmehr daran zu hindern und ihn darum zubringen, und endlich mit sich in die ewige Verdamniß zu führen.
Die gute Geister, die von GOtt gesendet werden, scheuen das Liecht nicht, sie erscheinen auch den Menschen in einer solchen Gestalt, daraus ihre Englische Majestät hervor leuchtet: aber solche Dienst-Geister scheuen das Liecht, und lieben die Finsterniß, lassen sich auch nicht leichtlich sehen; oder wanns geschihet, so geschihets in einer solchen Gestalt, die den Teuffel, der darunter stecket, bald verräht und zu erkennen gibt.
[83] Die gute Geister leiden nicht gerne einen Zwang von den Menschen, lassen sich auch nicht ins Dunckele einsperren, und an gewisse Ort verarrestiren: der familiaris und Dienst-Geist aber, lässet sich nach dem mit dem Menschen aufgerichteten Bund zwingen, daß er dieses oder jenes thun muß, läst sich an solche Oerter weisen, an welche niemand kommt, als der dem er dienet, auch wol in Crystallen einsperren, in Gläsern und Federkielen verwahren, in Schnuptüchlein einbinden, auch in lange Haar und Zöpffe einflechten, und dergleichen, damit er seinem Herrn stets zu Dienst seyn möge. Massen auch zu Lutheri Zeiten ein Edelmann in dem Saum seines Kleids einen solchen Geist gehabt, der ihm bedient gewesen, daß er in allen Rennen und Ritterspielen das beste Kleinod, und die höchste Ehre davon gebracht.
Und obwol nicht ohn, daß ein solcher Geist seinem geistlichen Wesen nach sich nicht also einsperren lassen kan, daß er seyn solte in ubi circumscriptivè, und mit einem umschribenen Ort umgeben, wie die leibliche Creaturen: jedoch so ist er in ubi definitivè also da, daß wo er ist, da ist er gantz, und in allen Theilen desselben Orts, nicht daß er daselbst seyn müste, sondern daß er freiwillig an einem solchen Ort zu seyn ihm läst gefallen und doch in einem Augenblick auch da seyn kan, wo er will. Daher wie er ein Tausendschalck und Künstler ist, also kan er wol die Gestalt einer Spinnen oder Fliegen, und dergleichen an sich nemen, und sich in ein Glas oder Büchse einsperren lassen, und auf diese Weise dem Menschen immer zugegen seyn.
Ich habe gesehen, schreibt Philander von Sittewald, in Expert. Rupert. p. 642. Als ich aus Paris nach Venedig mit zweyen Edelleuten reisete, daß dem einen wurde ein Dutzet Cronen von seinem Freund gegeben, ihm einen solchen Geist aus Welschland mitzubringen, weil er vernommen, daß sie deren Enden zu erkauffen. Wir verrichteten unsere Reise, und verzehreten die Cronen: musten gleichwol einen Spiritum mitbringen, oder mit Unhöflichkeit das Geld wieder geben. Was Rahts? Ohnfern von Paris, auf der Wiederkehre, nam mein Edolmann eine kleine schwartze Ameiß, thät sie neben etlichen Körnlein in [134] eine Schachtel, und übergab sie, als den begehrten Spiritum, mit dem Unterricht der Sachen einen Schein zu machen, der Spiritus müste reinlich unterhalten werden, jede Freytag auf Gold und Silber spatziren, etc. [84] Dem andern war es ein grosser Danck, und weil wir wusten, daß es lauter Betrug, fragten wir hernach mehr denn einmal, ob der Spiritus auch das Seinige thäte? und vernamen mit Verwunderung, daß es wahr war: gedachten aber auch bey uns selbst, daß man dem bösen Geist nicht viel darff ruffen, sondern daß er selbst suchet sich zu insinuiren.
Das thun aber die guten Geister gar nicht, von denen man dergleichen in Gottes Wort weder höret noch lieset. Ist derwegen aus diesem allen offenbar, daß solche Spiritus familiares und Dienst-Geister keine gute, sondern böse Geister, und mit einem Wort zu sagen, nichts anders als Teuffel selbsten seyn.
II. Es fraget sich aber, fürs ander, ob einer einem andern könne einen Spiritum familiarem zuweisen und überlassen, verehren, vertauschen, und gar verkauffen?
Diese Frag beantwortet Herr Freudius in Gewiss. Frag. von Zaub. p. 98 mit ja, und zwar könne dieses geschehen: erstlich ex Dei permissione, aus GOttes Zulassung. Denn ob es wol nicht in der Zauberer und Hexen, noch auch in deß Teuffels Willkühr stehet, daß er entweder selber, oder auf der Zauberer und Hexen Anweisung, von ihnen aus- und bey einem andern möge einziehen, sondern solches stehet allein in GOttes Gewalt und Zulassung, Psalm 78. v. 49. Darum thut GOtt solche Gewalt den Zauberern und Schwartzkünstlern blos und schlecht nicht einräumen, daß sie über die bösen Geister nach ihrer Beliebung solten zu gebieten haben, von ihnen aus und zu andern einzuziehen, und denselben zu dienen. Je dennoch so verhänget GOtt und lässet solches offtmals zu, wie die Exempel bezeugen.
Zum andern, ex Diaboli pactione, aus deß Teuffels Verbündniß. Denn ob es wol heisset:
– – – facilis descensus Averni,
sed revocare gradum, superasque evadere ad Auras,
Hoc Opus, hic labor est.
Leichtlich kan sich einer mit dem Teuffel einlassen, aber schwerlich kan er desselben wieder los werden; jedennoch so thut er bisweilen den mit ihm getroffenen Pact auf fünff und mehrere Jahre dem Menschen halten, auf daß er dadurch ihrer desto mehr, und den Losgelassenen auch wieder zu seinem Dienst bringen möge.
[85] Drittens, suscipientis consensione, mit der Annemer Bewilligung. Denn es heisset: Willkühr bricht Landrecht, und der Satan [135] erfordert gern vollkommene Bewilligung, und einen ungezwungenen freyen Willen deß Menschen. So nun ein Mensch zu wider GOttes Willen, dem Teuffel gut- und mutwillig sich ergeben will, so lässet GOtt denselben nicht allein in seines Hertzens Dünckel; daß er wandele nach seinem Raht, Psalm 81, v. 13, sondern auch gar dem Teuffel zur Straff wegen vorbegangener Sünden überantworten.
III. Hieher gehöret nun auch fürs dritte, was von dem Alraun zu halten, daß nemlich wer solchen habe, an Geld keinen Mangel haben solle u.s.f.
Herr G. P. Harsdörf. im 2. Theil deß grossen Schauplatzes Jämmerl. Mordgeschichte, Hist. 45 giebt hiervon diesen merckwürdigen Bericht. Unter den Erdgewäch sen, sagt er, ist keines das einen gantzen Menschen bildet, ausser der Wurtzel, welche man Mandragel, Mandragora oder Alraun nennet. Von dieser Wurtzel sollen deß Labans Haus-Götzen gemacht gewesen seyn, wie die Rabbinen wollen.
B. Porta schreibt, daß ein Italiänischer Zahnbrecher solche Wurtzel als einen Menschen geschnitten, und in die Scham ein Hanffkörnlein gestecket, selbe darmit eingegraben, und dardurch zu wegen gebracht, daß der Allraun mit dem Haupt auf alle Fragen geantwortet. Dergleichen soll die Jungfrau zu Orleans gehabt haben, welche die Frantzosen wider die Engelländer vertheidiget.
Josephus, l. 7. de bell. Jud. c. 25 nennet diese Wurtzel Baaras, von dem Thal wo sie häuffig wächset, und saget, daß sie zu Nachts leuchte wie eine Glut, und soll durch ein hungerigen Hund heraus gerissen werden, darvon zu lesen beym Plinio im 25. Buch am 12. Cap.
Etliche wollen daß diese Wurtzel unter den Hochgerichten gefunden werde, weil der Same von den erhenckten Dieben herunter trieffe, und solche Mandragoram wachsen mache; welches Wort auch teutsch, und von Mann tragen der Wurtzel den Namen gegeben. Allraun aber werde sie genennet von dem Wort All und raun, raunen, weil es allen heimlich in die Ohren raune, was sie thun sollen, um reich zu werden.
Ob nun wol diese Wurtzel ohne Sünde seinen natürlichen Gebrauch haben mag, so hat doch der böse Feind sein Spiel hierbey., und machet, daß derselben übernatürliche [86] Tugend wird zugeschrieben. Daher gebrauchen manche Allraun, ehren und beten die an, waschen und schmücken die, kleiden die in Sammet und Seyden. Was ist aber schröcklicher und abscheulicher, als den Teuffel in Gestalt eines Allrauns kämmen, bürsten und täglich putzen?
In einer vornemen Handelstadt in Franckenland, hat sich eine merckwürdige Geschicht von einem Allraun begeben, daraus zu ersehen [136] seyn wird, wie der böse Feind die Einfältigen so meisterlich zu betriegen weiß, und ihnen hernach mit ewiger Verdamniß zu lohnen pflegt. Wir wollen den gantzen Verlauff kürtzlich erzehlen, jedoch unter verblümten Namen, damit niemand erkandt werden möge, denn theils deroselben Befreunden noch im Leben.
Magdalon ein Handwercks-Weib, hinterläst unter andern einen Allraun, oder eine solche Wurtzel, wie wir vor beschrieben haben. Als sie sterben will, befiehlet sie der ältesten Tochter, sie solte dieses schwartze Männlein in ein fliessendes Wasser werffen, welches sie auch nach der Mutter Tod gethan, und nicht gewust was es gewesen; aber doch gesehen, daß ihr Vatter einsten dieses Kästlein hinder die Thür geworffen, und deßwegen, wie die Leute aberglaubisch, verdorben seyn solle.
Die jüngere Tochter hatte vielmals hören sagen, daß wer einen Allraun hätte, bey jederman angenem und niemals Mangel litte, fragte deßwegen darnach, weil sie wuste, daß einer unter der Mütterlichen Verlassenschafft verhanden gewesen. Maria die älteste Tochter will nicht sagen, daß sie solchen in das Wasser geworffen, Uneinigkeit und Zwiest zu vermeiden. Man suchet alle Winckel aus, die Wurtzel aber ist nicht zu finden.
Nachdem die Abtheilung geendet, und Hedwig die jüngere Schwester beharrlich nach dieser Wurtzel Verlangen träget, findet sie unter ihrem Geräthlein in einer Truhen den Allraun verborgen, und erfreuet sich darüber nicht wenig. Ob nun der böse Geist dardurch mit ihr geredet, und ihr Raht und That gegeben, kan man nicht wissen. So viel aber hat man ersehen, daß es ihr dem äusserlichen Ansehen nach, wol ergangen. Sie hat einen Beckenknecht geheuratet, ihn zu Burger und Meister gemachet, ja das erste Jahr ein schönes Haus gekaufft, und Gelds genug gehabt, da ihre Schwester hergegen verdorben, und in die äusserste Armut gerahten.
[87] Hieher gehören die Wort deß Predigers am 8. Cap. v. 14. Es seynd Gerechte denen gehet es, als hätten sie Wercke der Gottlosen; und seynd Gottlose, denen gehet es, als hätten sie Wercke der Gerechten.
Nach wenig Jahren fället diese Hedwig in eine tödliche Kranckheit, und schreyet, man solte ihren Mann eiligst holen, denn sie wol spürete, daß sie nun plötzlich sterben müste. Man spricht ihr zu, sie solte sich zu einem Christlichen Abschied gefast machen, ihre Sünde erkennen, und auf GOttes Barmhertzigkeit ihr Vertrauen setzen: aber sie will von diesem nichts hören, sondern schreyet nur nach ihrem Mann.
[137] Endlich als der Mann zu der Thür hinein tritt, will sie anfangen von dem Allraun zu reden, er aber schlägt sie auf das Maul, daß sie alsobald in die Züge fällt, und stirbt dahin. Wie wol sie gefahren, wird ihre Seele erfahren haben. Nachdem man sie zur Erden bestattet, ist sie mit vielem Heulen und Schreyen in dem Haus wiederum erschienen, daß ihr hinterlassener Wittwer ausziehen, und in einer andern Behausung wohnen, nachgehends aber die Seine anderst bauen müssen.
Hieraus erhellet, was Salomon sagt Proverb. 16. v. 8. Es ist besser wenig mit Gerechtigkeit, denn viel Einkommens mit Unrecht. Und an einem andern Ort sagt er: Es ist besser arm, und niedriges Gemüt seyn mit den Elenden, denn Raub austheilen mit den Hoffärtigen, und kargen mit den Geitzigen. Und was CHristus der HErr spricht, Matt. 16. v. 26. Ach was hilfft es dem Menschen, wenn er auch die gantze Welt gewinnet, und leidet Schaden an seiner Seele?
IV. Letzlich wird auch allhier in dieser Erzehlung angezeiget, dass sich D. Fausti Geist Mephostophiles nennen lasse, welches sonsten ein Persianischer Name seyn soll.
Daß aber auch die Geister ihre Namen haben, erhellet zugleich hieraus: denn haben die gute und heilige Geister, die Engel, ihre Namen, allermassen sich dorten bey der Verkündigung deß HErr Messiæ vor der Jungfrauen und GOttes-Gebärerin Maria der Engel, Gabriel, das ist: GOttes Mann, oder GOtt ist meine Krafft, genennet, Luc. 1. v. 26. und der Engel Michael, zu teutsch, wer ist wie GOtt? der in Persien wider den Teuffel stritte, Dan. 10. v. 13. Deßgleichen in dem Büchlein Tobiæ nennet sich der Engel Raphael, das ist, GOttes Artzt, Tob. 3. v. 25.
[88] Warum solten denn die bösen Geister nicht auch ihre Namen haben? GOTT der HERR spricht ja klärlich in dem Buch Hiobs im 1. vers. 7. zu dem Teuffel, der zugleich damals unter den Kindern GOttes vor den HERRN tratt, Satan, wo kommst du her? Auch sagten dorten die verbosten Juden zu dem HERRN CHristo, Er treibe die Teuffel aus durch Beelzebub, den Obersten der Teuffel, Lucæ im 11.
Also nennete sich deß Christoff Wagners Geist, Aurhan. Deß Papsts Pauli deß II. nennete sich Lammaleche. Papsts Alexandri deß VI. Geist läst sich nennen Loyaute. In dem Böhmischen Gebürge, und denn fürter auf Schlesien zu, halt sich ein abentheurlicher Geist auf, der sich Rubezal nennet, welcher sich offtmals in eines Münchs Gestalt zu den Wandersleuten, denen der Weg durch das Gebürge oder Gehöltz nicht bekandt ist, gesellet, mit Vertröstung, sie sollen unbekümmert seyn, er wolle sie wol auf den rechten Weg führen: wenn er sie [138] nun in das Holtz verführet, daß sie nicht wissen wo aus oder ein, so soll sich der Schadenfroh auf einen Baum schwingen, und überlaut lachen, daß es im Wald erschallet.
Es soll ebenmässig eine jede Bulschafft seinen Namen haben, wie aus den Bekandtnissen der Hexen wissend ist; als Aurhan, Hennengetter, Hemmerlein, Wolffel, Mücker, Phasan, Blaß, Capaun, Juncker Haan, und viel andere. Also thut D. Fausti Geist auch, und nennet sich Mephostophile: denn kein Herr nimmt einen Diener oder Knecht an, er wisse denn, wie sein Nam heisse und genennet werde.