[269] Gleicher Weise thäte er auch einem Roßtäuscher bald hernach auf einem Jahrmarckt, der zu Pfeiffering gehalten wurde. Denn D. Faustus richtete ihm durch seine Kunst ein schönes liechtbraunes Pferd zu, mit welchem er auf den Marckt geritten kame, eben zu der Zeit da er am meinsten Kauffer zu haben verhoffte, wie denn auch geschahe; denn er bekame ihrer viel, die das Pferd feyl machten, und weiln es von schöner Höhe, darzu hüpsch proportioniret aussahe, trieben die Käuffer einander, bis letzlich D. Faustus mit einem übereinkame, der ihm viertzig Gulden paar bezahlete, darzu sich nicht anderst einbildete, er hätte einen sehr guten Kauff gethan. Ehe nun D. Faustus das Geld zu sich zoge, bittet er den Roßtäuscher, er solte das Pferd unter zweyen Tagen nicht in die Schwemme reiten, welches ihm der Roßtäuscher versprache, und eben so gros nicht darauf achtete. Ritte also darvon, und war voller Hoffnung, ein Ansehnliches darbey zu gewinnen.
Dem Roßtäuscher fället unterwegens, da er an ein fliessendes Wasser kommen, ein, was doch sein Verkauffer mit diesem möchte gemeinet haben, daß er nemlich das Pferd unter zweyen Tagen nicht solle in die Schwemme reiten, wolte es demnach versuchen, und also den nächsten Weg durchs Wasser fortreiten; als er nun fast in die Mitte deß Wassers kame, sihe, da verschwand das Pferd, der Roßtäuscher aber saß auf einem Büschel-Stroh, und hätte leicht geschehen können, er wäre in Gefahr gerahten.
[236] Der Roßtäuscher, der für Erstaunen und Schrecken nicht gewust was er thäte, nachdeme er aus dem Wasser gewadelt, laufft sporenstreichs zu ruck in den Flecken, da der Marckt gewesen, gleich dem Wirtshaus zu, da vorhero D. Faustus, als sein Verkauffer, innen gewesen, zur Zeit aber eben auf der Banck lage, und thäte als ob er fast schlieffe. Der Roßtäuscher fast rasend und ergrimmet auf ihn, da er Faustum also ligen und schlaffen gesehen, erwischet ihn beym [270] Fuß, und wolte ihn von der Banck herab ziehen, damit er ihm sein Geld wieder gebe; aber da gieng ihm der Schenckel gar aus und fiele der Roßtäuscher mit dem Schenckel rücklings in die Stuben, darauf denn D. Faustus zetter Mordio zu schreyen anhube, daß die Leute zulieffen; welches den Roßtäuscher verursachte, daß er über Hals und über Kopff davon zu lauffen begunte und den Reißaus spielte, nicht anderst meinende, er hätte dem Fausto allerdings den Fuß ausgerissen.
I. Von einem gleichen Fall, wie es allhie mit D. Fausti Roßtäuscher hergangen, meldet Herr Horndorff, Pfarrherr zu Droissig, daß zu Naumburg ein Schwartzkünstler gefänglich eingezogen worden sey, der habe bekandt, wie er zuvor her zu zweyen unterschiedlichen malen wäre gehenckt worden, wäre aber jederzeit davon kommen, indeme man an seiner Stadt jedesmal einen Strohwisch an den Galgen gehencket, der auch daran hangen geblieben. Unter andern mehr bekandte er zugleich, daß er einsten hätte einen schönen Hengst sehr theuer verkaufft, dem Kauffer aber eingebunden und verboten, daß man ihn ja nicht bald in die Träncke solle reiten, es habe aber der Kauffer gern die Ursach dessen erfahren wollen, und das Pferd bald hierauf in das Wasser geritten, zur Stund seye das Pferd zu einem Strohwisch worden; derentwegen er gantz zornig und ergrimmet wiederum zur Herberge geeilet, da er innen gewesen.
[237] Als er nun seinen Roßtäuscher oder Kauffer von fernen ersehen und ihme leicht einbilden können, was die Ursach wäre, legte er sich bald auf die Banck nieder, thäte als schlieffe er gar sehr; der Roßtäuscher, als er ihn ersehen, ergreifft ihn beym Fuß, ziehet ihn hart, in Meinung ihn desto eher aufzuwecken: allein der Fuß bleibet dem guten Roßtäuscher in Händen, erschrickt höchlich darüber, läst den Fuß fallen, und laufft aus allen Kräfften zum Thor hinaus, und dachte nicht anderst, man würde ihm deßwegen bald nacheilen, und zum Verhafft bringen.
Fast dergleichen soll auch Zyto, König Wenceslai Künstler, zu Prag gethan haben. Denn da man ihme vorhielte, er wäre arm und hätte kein Geld, ja nichts als nur seine Verblendung, gab er zur Antwort, an gutem groben Geld mangele ihm nichts: bande derowegen dreyssig Büschelein Hen zusammen, machet fette Mastschweine daraus, liesse sie neben eines reichen Beckers, genannt Michael, Behausung feil treiben, und gabe sie ihm um einen billichen Preiß; erinnerte nur dieses, [271] er solte gemach thun, und die Säu so bald nicht ins Wasser zur Schwemme treiben, dessen der ander aber entweder gar nicht geachtet, oder etwan vergessen; allein er muste sehen, daß seine Säu im Wasser ersoffen, und daß an deren Statt eitel Strohwische herum schwummen.
Der gute Mann suchet seinen Verkauffer, den Säuhändler in der gantzen Stadt, fande ihn auch endlich in einem Weinhaus den langen Weg auf einer Banck gestreckt ligen; diesen ergreifft er alsobald im Zorn beym Fuß, Willens ihn aufzuwecken, ziehet ihm aber den Schenkel aus dem Leib, gleich als eine Hand voll Stroh aus der Garbe. Zyto fängt an zu schreyen und zu klagen, läst den Becker halten, will ihn mit Gewalt zu den Richter führen lassen: und was solte der bestürtzte Becker thun? Das Beste ware, daß er dem Buben das Geld vor die Säu liesse, und noch darzu die Zech bezahlte.
Als Christoff Wagner, der gewesene Famulus D. Fausti, einsten nach Florenz kommen, und gern zween Maulesel ohne Geld gekauffet hätte, fähet ers auf diese Weise an; er gehet hin zum Mann, und fraget, ob er seine Esel verkauffen wolte? der Mann sagt ja, da sprach der Wagner, wie theuer? er bote sie ihm für funffzig Cronen. Wagner lachet, und sprach, er wolte ihm für einen fünff Cronen geben. Der Mann antwortet, und sprach, er wolte lieber daß sie der Hencker hätte, ehe er sie [238] wolte um solches Geld geben. Wagner hält immer an, und wolte nicht nachlassen, sondern gieng wieder zu ihm, und bietet ihm für einen nur vier Cronen, da er zuvor fünff geboten. Der Verkauffer wird sehr zornig, und verstehet, daß er seiner spottet, nimt einen Fuß, stösset ihn von sich, und trifft damit Wagnern an das Schienbein, welches denn also entzwey gieng. Wagner fällt darnieder und schreyet hefftig. Die Leute lauffen zu, sehen Wagnern ligen und sehr weheklagen: der Verkauffer wird gefangen, und für Obrigkeit gebracht, allda er zwar bekennet und gesagt, daß er ihn gestossen, aber nicht sehr, und schwur hoch dazu. Da liesse die Obrigkeit den Patienten besehen; es fand sich aber also, daß der Beinbruch gantz frisch war, und ward dem Thäter auferlegt, daß er sich mit dem Beschädigten solte vergleichen: da wurde es dahin gehandelt, daß er ihm die zween Maulesel gab, denn der arme Mann sonst kein Geld hatte.
Als nun Wagner die Maulesel bekommen, gab er einen dem Wundartzt, der ihn heilete, welche Cur doch nicht länger denn etwa drey Tage gewäret; den andern verwandelte er in ein schönes Pferd, bote es feil, und ließ es dem Hertzog also antragen. Als der Hertzog dieses gesehen, ließ er es ihm sonderlich wol wegen der Proportion, Farb und schönen Gang, gefallen, bezahlete ihm darfür dreyhundert Cronen: und als der Wagner das Geld weg hatte, auf den andern Tag ward [272] es wieder zum Maulesel, als er zuvor gewesen. Solcher Gestalt bekam Wagner wieder Geld, machte sich mit aus dem Staub und kundte desto besser schlemmen.
Wierus 1. 2. de præstig. Dæmon. c. 7. erzehlet von einem Gauckler und Schwartzkünstler, der als er zu Mag deburg von seinem Gauckeln nicht genug Geld gelöset, seye er unwillig worden, und habe gesaget, er wolte nicht länger auf Erden bey den undanckbaren Leuten bleiben, sondern gen Himmel fahren, und hab darauf den Zügel seines Pferdes in die Höhe geworffen, daran sey das Pferd hinauf gefahren, er aber hab sich an dessen Schwantz oder Schweiff gehalten, das Weib an seinen Mantel, die Magd an deß Weibs Rock, und seyn also gleich an einer Koppel hinauf in die Lufft gefahren.
Als nun jederman nachgesehen, und ein grosses Geschrey gemachet, seye eben ein frommer Burger darzu kommen, der hab gefraget, was das sey, was das Geschrey bedeute? und da man ihm gesagt, der Gauckler wäre mit Roß, Weib und Magd gen [239] Himmel gefahren, habe er darauf geantwortet, er hätte ihn dorten in der Gassen gesehen, da wäre er ihm begegnet, und ins Wirtshaus gegangen.
Dieser Burger sahe ihn nicht in die Lufft fahren, sondern er sahe ihn, wie es die Warheit auch war, auf der Erden gehen. Daraus man denn abnemen und verstehen mag, daß der Satan nicht einem jeglichen das Gesichte in diesem bethören und betriegen kan, daß ihnen ein Ding anderst scheine, denn es ist: denn wie einer gegen diese Dinge gesinnet ist, und Anmutung darzu hat, also geschihet ihm.
D. Salmuth gedencket, daß einsmals ein Gauckler und Schwartzkünstler zu Erffurt gewesen, welcher, damit er desto mehr Zuseher bekommen möchte, habe er einem Haushaanen einen Strohhalmen an seine Schwantz-Federn gebunden, und ihn durch alle Gassen herum geführet, und habe das Volck also verblendet und bezaubert, daß jederman gemeinet, es wäre ein grosser starcker Baum. Da nun das Geläuff sehr groß worden, und eine Magd mit einer Bürde Gras vom Felde darzu kommen, habe sie sich verwundert, was doch die Leute an dem Strohhalm sehen? und als sie deßwegen verlachet worden, hat sie es doch betheuret, es seye nichts anders als ein Strohhalm; Massen es auch in Warheit also gewesen. Durch welche Rede, dieses Zauberers und Schwartzkünstlers Verblendung und Betrug offenbar, und sein gantzer Marckt zu Boden geleget worden.
Apuleius erwehnet auch, er habe zu Athen einen Gauckler gesehen, welcher nicht allein eine Spathe oder Grabscheid, daran ein grosses spitziges Eisen gewesen, sondern auch einen Jägerspieß um ein geringes Geld habe pflegen zu verschlingen.
[273] Dannenher sagt Bodinus von solchen Gesellen insgesamt gar recht 1. 3 Dæmonom. Teutsch, p. 169: Und was haben sie (solche Gauckler und Schwartzkünstler) mehr, wenn sie schon die Leute zum Lachen bewegen, wiewol sie es auch nicht bey allen vermögen, und daß sie die Zuseher also zur Verwunderung bringen, daß sie die Mäuler darob vergessen? wie auf eine Zeit der offtbemelde und wolbekandte Zauberer Trois Eschelles, that, da er in Beyseyn einer gantzen Kirchen-Gemeinde von selbigem Pfarrherrn offentlich sagte: seht mir da den Gleißner, der sich stellet, als trüge er ein Betbuch bey sich, und trägt doch nur ein Kartenspiel. Der Pfarrherr solche Beschuldigung [240] abzuweisen oder abzulehnen, indem er will das Betbuch zeigen, sihet er daß es ein Kartenspiel ist, immassen es ihn und alle so damals gegenwärtig waren, bedauchte; wirfft derohalhen solches gantz erstaunet und zugleich beschamet zu Boden, und gehet nach Haus.
Bald darauf kommen andere hinzu, welche das Bet buch aufheben, das doch in ihren Augen nimmermehr weder Form oder Gestalt einer Karten hatte.