[317] Das vier-und-viertzigste Capitel.

D. Faustus frisst einsten einen Wirtsjungen, der ihm allewegen zu voll einschenckte.

[344] ALs D. Faustus einsten wiederum auf Wittenberg zu reiste, kame er auf dem Abend unterweges in ein Wirtshaus, darinnen traffe er Kauffleute und andere Reisende an, da sie nun zu Nacht mit einander gespeiset hatten, und mit dem Trunck einer dem andern zimlich zugesprochen, da stunde der Wirtsjung jederzeit hinter D. Fausto, und weil er ihn für einen Abentheurer (als er auch ware) ansahe, schenckte der Jung ihm allemal das Glas gantz voll ein, dessen denn D. Faustus nicht zu frieden war, drohete ihm deßwegen, wenn ers noch einmal thun würde, so wolte er ihn mit Haut und Haar fressen.

Da nun der Jung seiner spottete, und sagte: ja wol fressen! und ihme darauf abermal zu voll einschenckte, sperrte D. Faustus sein Maul auf, und fraß ihn, mit Erstaunen aller die an dem Tisch waren, erwischte darauf den Schwanckkessel mit dem Kühlwasser, und sagte: auf einen guten Bissen gehöret ein guter Trunck, und soff den rein aus.

Da aber der Wirt, der in-dessen abwesend gewesen, und nicht von allem was geschehen war, wuste, aber mit Schrecken solches vername, deßwegen D. Faustus ernstlich zu-redete, er solte ihm seinen Jungen wieder schaffen, oder er wolte anders mit ihm anfangen, u.s.w. da sagte Faustus: Herr Wirt, gebt euch zu frieden, und sehet hinter dem Ofen! da fande er daselbst den Jungen tropffnaß, voller Schrecken und Zittern, dessen denn die gantze Gesellschafft recht lachen muste.


[318] Anmerckung.

I. Nicht zu zweiffeln ist, daß daselbst hin den Jungen, auf GOttes Zulassung, der Teuffel gestossen, das Wasser auf ihn gestürtzet, den Zusehern die Augen bezaubert, daß sie gemeinet, er wäre gefressen worden, und Faustus habe das Wasser aus dem Schwanckkessel gesoffen.

Manlius meldtet, daß zu Wien in Österreich einsten zween Schwartzkünstler in einem Wirtshaus gelegen, deren einer dem andern, (immassen die Zuseher gäntzlich glaubten) gefressen hat. Denn der Teuffel [345] hat denselben gefressenen in eine Höle oder Loch geführet, der allererst nach dreyen Tagen wieder hervor gekommen.

Als König Wenceslaus sich zu Prag, in seinem Königreich Böheim aufhielte, solte er sich mit Fräulein Sophia aus Bayern vermählen, und Beylager halten. Weil nun Hertzog Hanns, der Braut Vatter, wol wuste, daß sein künfftiger Aydam und Tochtermann mit lustigen Aufzügen, und künstlicher Gauckeley gerne umgienge, brachte er einen gantzen Hauffen solches Gesindleins zu wegen. Als nun der Meister solcher Künstler und Gauckler ein sten seinen Kram auslegte, und den zuschauenden Herren und Frauenspersonen grosse Kurtzweil machte, liesse sich auch Zyto, Königs Wenceslai Künstler, unter dem Hauffen ungefehr sehen, der sperrte sein Maul auf bis an die Ohren, wischt über den Bayrischen Künstler her, fraß ihn und all seinen Werckzeug, bis auf die Schuhe, die er ausspeyete, wie eine Sau die Nußschalen, weil dieselben etwas grob, mit eisern Nägeln beschlagen, und darzu noch kothigt waren.

Hierauf fügt er sich in ein anders Gemach, ließ ihm einen Kessel mit Wasser untersetzen, zog die Hosen ab, und entledigte seinen Bauch von so grober unverdäulicher Speis: brachte die Purgation (den nassen Bayern) hinein in den Saal, und lies jedermann genug darüber lachen; also daß weder selbiger Bayer und Schwartzkünstler, noch andere sein Gesellen ihre Kunst, weil sie damit zu Spott und Schanden gemacht, mehr probieren wollen. Augustinus gedencket zweyer heidnischen Nonnen, deren die eine Namens Claudia, ein Schiff, so weder Menschen noch Thiere fortbringen können, einig und allein mit ihrem Gürtel fortgegezogen. Die andere, Tucia, habe zu Bezeugung ihrer Keuschheit, ein Sieb voll Wasser aus der Tyber bis für das Capitolium getragen, welches nicht durchgeflossen.

[319] Ist aber auch lauter Blendwerck gewesen; denn der Teuffel das Schiff fortgezogen, und das Sieb unten zugehalten, daß das Wasser nicht herauslauffen können.

Quelle:
Pfitzer, Nikolaus: Das ärgerliche Leben und schreckliche Ende deß viel-berüchtigten Ertz- Schwartzkünstlers Johannis Fausti [...]. Tübingen 1880 [Nachdruck: Hildesheim, New York 1976], S. 344-346.
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