Das sechs-und-viertzigste Capitel.

Wie D. Faustus bey einem Gelache in einem Wirtshaus die vollen schreyenden Bauren still machte, daß keiner kein Wort mehr reden kunte, so lang er in der Stuben war.

[349] D. Faustus zechte einsten auf einer Kirchweih in einem Dorff, nahe der Stadt Wittenberg [322] gelegen, in einem Wirtshaus mit etlichen Studenten, seinen Gefehrten, und Zechbrüdern: in der Stuben aber waren noch drey Tisch, alle mit Bauren besetzet, die sich bey ihrer Kirchweih. nach Gewohnheit lustig erzeigten. Es hatten aber diese Bauren, nachdeme sie waidlich herum gezechet, ein solches Schreyen, Jauchtzen und Singen, daß D. Faustus und seine Gesellen ein recht Mißfallen darüber hatten, und es doch nicht ändern kunten, weiln die Bauren immer ihrer Weise nachlebeten: weßwegen D. Faustus den Wirt fragte, ob er nicht noch eine Stuben hätte, sie wolten sich dorthin verfügen, sie könten diesem Geschrey der vollen Bauren nicht länger zu-hören: als nun der Wirt mit nein antwortete, versprache er ihnen zu verschaffen, daß die Bauren mit dem Geschrey nachlassen möchten, welches er auch gethan.

Kaum aber war eine Viertelstund vorbey gewichen, da vergassen die Bauren der Erinnerung deß Wirts, so, daß, da sie vorher starck geschryen und gesungen, sie solches anjetzo noch stärcker getrieben, daß daher D. Faustus und die Gesellschafft recht zu Unwillen gebracht wurde; derohalben er aufstunde, und sagte, ihr Herren, seyd frölich und guter Dinge, sehet zu, ich will diesen Bauren ein Silentium und Stillschweigen auflegen, daß ihr alle darüber werdet lachen müssen, last nur mich machen, und gieng darmit zur Stuben hinaus.

So bald nun D. Faustus wieder in die Stuben eingetretten, und zu Tische gesessen, wurden die Bauren allesamt mäusstill, und hatten zum Theil die Mäuler aufgesperrt, als wolten sie Schreyen und Jauchtzen, ja, so gar wer unter ihnen die Hand aus[323]gerecket, und darmit die Kanne ergriffen, oder ein ander [350] etwan das Glas in Händen hatte, musten in solcher Postur bleiben, daß sich billich jederman, auch sie die Bauren selbst, über solche jählinge und geschwinde Verkehrung verwundern musten, und nicht ersinnen kunten, wie das möchte zugangen seyn. Wischten dahero vom Tisch auf, und lieff einer nach dem andern zur Stuben hinaus; da kam ihnen ihre Sprache wieder.

Sie erzürneten sich aber hierüber, und möchten gern wissen, wer doch der Schelm seyn müsse, der ihnen diesen Possen zugerichtet hätte; nnd weiln sie vermeinten, der Wirt müste ohne Zweiffel etwas dar von Wissenschafft haben, weil er ihnen vorher wegen deß lauten Schreyens zugeredet hätte, als wurden sie auf ihn unwillig, und sagten unter einander: Last uns davon gehen, andere sagten: Last uns vorher bezahlen: Alsbald sie aber in die Stuben kamen, konten sie nicht ein Wort reden, viel weniger den Wirt die Zech machen lassen; da sie aber wieder zur Thür hinaus kommen, kunten sie auch reden.


Anmerckung.

I. Bey dieser Abentheuer und Possen D. Fausti ist unnöthig weitläufftigere Erinnerung zu thun. Denn was von solchem Gauckelwerk und Augen-Verblendungen kan und mag gesaget werden, solches ist zum Theil vorhin vermeldet und angezeiget, soll auch zum Theil ins Künfftige gesagt werden, als daß der höllische Geist nicht allein bös, und dem Menschen sonderlich Schaden zu thun bereit und willfährig ist, sondern auch dasselbe zu verrichten, behend und geschwinde, da es nemlich GOtt verhängt und zulässet; wie denn GOtt dem Teuffel und seinen Werckzeugen manchmal etwas über die Menschen, wegen ihrer Sünde, verhängt und zulässet.

[324] Denn obwol nicht ohne ist, daß es etliche allerdings verneinen, daß die Zauberer und Hexen einigen Menschen mit ihrer Zauberey solten beschädigen können; so bezeuget jedoch das Wort GOttes, und die leidige Erfahrung ein anders.

GOttes Wort weiset uns sonderlich das Exempel Hiobs, dem der Teuffel an seinem Leib und an seinem Viehe hat Schaden gethan. Was nun aber der Teuffel selbsten durch GOttes Zulassung hat thun können, warum solte er es nicht auch durch seine Werckzeuge thun können? Wir finden zwar davon in heiliger Schrifft kein Exempel, daß es die Zauberer gethan hätten. Es mag auch wol seyn, daß die ersten Zauberer [351] damit nicht seyn umgangen, Menschen und Viehe zu beschädigen, sondern sich nur deß Warsagens und Zeichendeutens beflissen; aber doch ist aus dem Exempel, daß sich mit dem Bileam, der ein Zauberer gewesen, begeben hat, zu schliessen, daß sich die Beschwörer haben unterstanden, Unglück und Schaden über die Menschen zu bringen, und ihr Glück und Wolfahrt zu hindern: denn zu dem Ende ward Bileam von dem König Balack gedinget, daß er ihm das Israelitische Volck verfluchen solte, wie zu lesen im 4. Buch Mosis im 22. v. 6.

Was die Erfahrung anlanget, so bezeugets dieselbe leider mehr als zu viel, daß sie die Menschen beschädigen können, Theils, daß sie gemacht, daß manche Menschen vom Teuffel besessen worden, den sie in sie gebannet haben.

Massen Bodinus erzehlet, daß Anno 1554. zu Rom zwey und achtzig besessene Weibspersonen gewesen, eitel getauffte Judinnen, in welche der böse Geist gebannet worden.

Im Closter Kendorff seynd alle geistliche Personen auf eine Zeit besessen gewesen, welches die Köchin deß Klosters zu wegen gebracht, die hernach ihrer Zauberey halben ist verbrennet worden.

Was eine Hexe Namens Maria Sprawelin, für einen erbärmlichen Jammer mit einem adelichen Jungfräulein Anno 1650. den 11. Septemb. im Dorff Plobsheim, nahe bey Straßburg, angerichtet, ist aus einem sonderbaren Tractat, den Herr D. Dannhauer davon geschrieben, und in Truck ausgehen lassen, zu vernemen; da denn diese Hexe dem Jungfräulein eine von ihrem verfluchten Bulen vergifftete Nuß beygebracht, und da sie über der blauen und grünen scheußlichen Gestalt deß Kerns erschrocken, hat sie ihr zugesprochen, sie solte sich nicht entsetzen, die Nuß seye besser als andere gemeine Nüsse: worauf sie den [325] halben Kern geessen, und weil ihr alsbald davon wehe worden, hat sie den andern halben Theil weggeworffen, und ist ihr der Schmertz zum Hertzen in die lincke Seiten, und in den Kopff gelauffen. Endlich ist sie in grosse Traurigkeit gerathen, und in welchen Winckel sie gesehen, hab sie gemeinet, es seyen Teuffel daselbst, auch die Menschen für Teuffel angesehen, hat auch offtmals, wenn sie der Paroxysmus ankommen, in der Stuben herum getantzet, auf die Bäncke, Tresuren und Bettladen gestiegen, alles was sie erwischet, zerrissen, alles auf den Boden geschmissen, die Fenster eingeschlagen, wen sie in der Stuben angetroffen, starck geschlagen, in Meinung als schlüge sie den Satan; auf den Ofen gestiegen, oben darauf gelegen, hernach wieder in der Stuben herum gelauffen, bis sie sich wieder auf das Bett begeben, da sie entweder zu ihrem Verstand kommen, oder alles dieses wieder zu verüben auf die vorige Weise angefangen.

[352] Die Bettlade darinnen sie gelegen, hat etliche mal anfangen zu krachen, oben auf der Bettlade hat es geraspelt, daß es auch die jenige Personen, so zu Nacht bey ihr gewesen, gehöret; etliche mal hat sie gesagt, sie sehe den Teuffel bey ihr stehen in Gestalt eines Hunds, Bocks, bald in Gestalt eines schwartzen Manns, auch eines weis sen, von welchem sie, ihrer Aussage nach, einen Schlag ins Angesicht bekommen.

Hernach ist sie auf die Füsse gestanden, etliche mal in die Höhe gesprungen und wiederum einsmals niedergefallen, sich um den Bettstollen herum gewendet, und mit dem Küssen, nach ihrer Einbildung, den Satan zu werffen sich unterstanden, u.s.w.

Nach ausgestandenem Paroxysmo hat sie müssen auf die Arme genommen werden, da man sie mit Händen und Füssen verzappeln lassen, und hernach wieder aufs Bett legen müssen, wo sie denn strack als ein Scheit Holtz, ja als ein toder Mensch eine Weil gelegen.

Nicht zu über-gehen ist auch dieses, als sie einmal in ihrem Paroxysmo gelegen, und die adeliche Betrübniß-volle Mutter in diese Wort heraus gebrochen: Du Teuffel, was plagest du das liebe Kind also? Es ist ja ein frommes Kind, mit CHristi JESU theurem Blut erkaufft? da ist diese Stimm und Antwort gehöret worden aus deß Kindes [326] Mund, welcher als ein Saurüssel angespannet gewesen: ich weiß wol daß es ein frommes Kind ist, ich weiß auch wol daß es fromme Eltern hat, ich wolt es aber wol mehr plagen, wenn das nicht wäre, und man nicht betete, etc. Es ist aber die Hexe, welche dieses, daß sie es gethan, beständig bis ins Feuer bekennet, verbrennet, doch endlich dieses Jungfräulein durch Anhaltung mit dem andächtigen Gebet in den Kirchen und daheim, vermittelst Göttlicher Gnad, von ihrer Plag wieder erlöset worden.

Was der Teuffel für grossen Jammer im Stifft Paderborn vor weniger Zeit angerichtet, da die, so etwas auf dem Weg und den Gassen gefunden und aufgehohen, alsobald mit dem bösen Geist besessen worden, das ist be kandt, und seynd zu Paderborn bey 50. Menschen vom Teuffel leibhafftig besessen, und ist deren Anzahl fast täglich grösser worden. Unter andern hat sichs begeben, daß im Paderbornischen ein Handwercksmann, so unter andern zu der Zeit ergriffen und verbrannt worden, bekannt, daß er auf einer Hochzeit 18. Menschen in einer Morgensuppen den bösen Geist beygebracht, welches auch sich also befunden, indem sie noch alle besessen gewesen, davon aber etliche nach dieses Manns Tod vom bösen Geist wieder verlassen worden.

Ja Theils, daß sie den Menschen gar zu tödten trachten; worzu sie denn ihre Mittel haben, als Salben, Gifft, Pulver, u. d. g. die ihnen der Teuffel gibet, oder zeiget, lehret und weiset, darmit sie die Leiber [353] bestreichen, oder sie auf den Weg streuen, oder unter eine Thürschwelle graben, u.s.f. dardurch denn bey den Menschen allerley gefährliche Kranckheiten verursacht werden, daß sie nach und nach abnemen, und endlich gar dahin sterben. Das Exempel jenes Todengräbers, immassen der Teutsche Florus berichtet, p. 88. ist bekannt; der vor etlicher Zeit in Nieder-Schlesien viel hundert Menschen ums Leben gebracht, indem er nicht allein die Brunnen vergifftet, sondern auch die meinste und vornemste Gassen der Stadt Gurau mit einem vergiffteten Pulver bestreuet, daß wer deß Wassers getruncken, oder zum Kochen gebrauchet, den Tod davon eingenommen, und wer über die Gassen gangen, sonderlich das Weibesvolck, so mit ihren langen Kleidern den ausgestreueten Gifft-Staub am meinsten aufgefangen, der hat wie das unvernünfftige Viehe, unwissend woher und warum, gleichsam verrecken müssen. Und hat dieser Mörder bekennet, daß ihm der Teuffel solches eingegeben, wie er das Pulver ma chen und streuen solte.

Sonderlich aber, daß sie sonsten den Leibern man[327]cherley Schaden zu fügen, indem sie bald dieses bald jenes Glied verlähmen, um die Augen und das Gesichte bringen, oder wol Nadeln, Haar, Bürsten, Nägel, Lumpen und dergleichen, einzaubern, wie man Exempel darvon erfahren.

In der Gravschafft Hohenlohe hat sichs begeben, daß ein Kind in der Wiegen gelegen und geschlaffen, da hat man unversehens bey der Wiegen einen großen Knall gehöret, als ob man eine Schlüsselbüchs abschösse, darauf das Kind alsobald erwacht, und zu weinen angefangen, und ist ihm Anfangs Blut aus den Augen geflossen, darnach seynd allerley Fäden und leinene Lümplein heraus gangen, deren ein gantzes Schächtelein voll aufgehoben worden.

Im Land zu Braunschweig liegt ein Dorff, heist Löverstett; in demselben wohnt ein Bauer, genannt Henning Achel, der hatte eine Tochter von 20 Jahren, Margareth. Als diese einsmals An. 1562. den 2. Julii, die Schuhe wollen säubern, setzte sie sich nieder und legte das Messer in den Schoß. Inzwischen tritt wider ihr Vermuten ein alt Weib zu ihr ein, und fraget sie, ob sie das Fieber noch hätte, und wie es sonsten um sie stünde? darauf sie ihr bescheidentlich geantwortet, und gieng die Alte ohn ferneres Sprechen zur Thür hinaus.

Die Tochter will mit dem Schuhsäubern fortfahren, und zu dem Ende das Messer wieder nemen, aber das Messer kunte sie nicht wieder finden, wie fleissig sie es auch suchte; erblickt aber unter dem Suchen einen schröcklichen schwartzen Hund unter dem Tisch auf dem Bauch liegen, der die Zähne scheußlich bleckte, und auch hinaus gieng. Da fühlte die Tochter, als fliesse ihr etwas Kaltes den gantzen Rücken [354] hinunter, vom Haupt an; fiel darauf in Ohnmacht, blieb also bis in den dritten Tag darinnen liegen, als wäre sie tod, und ohne Empfindlichkeit, bis sie wieder anfieng ein wenig zu athemen, und sprach, sie wüste nur allzugewiß, daß ihrer Schwester Messer, so sie derselben aus der Scheide gezogen, ihr auf der lincken Seiten im Leib steckte, weil sie an demselben Ort unerträgliche Schmertzen empfande, daß sie auch gebuckt an einen Stecken müssen gehen.

Nach dreyen Monaten erzeigte sich an der lincken Seiten über dem Miltz, innerhalb der untersten beyden Rippen ein Beule, schier in der Grösse eines Hüner-Eys, gebogen wie der Mond, name auch zu und ab, nach desselben Lauff. Den 30 Junii brach aus gedachtem Geschwär ein so grosse Menge Eyter, daß die Geschwulst um etwas nachliesse, und sich eine Spitz, wie eines [328] Messers, sehen ließ. Hertzog Heinrichs von Wolffenbüttel Wundartzt ward hierzu erfordert, der zog mit seinen Instrumenten das Messer mit der Spitz durch die Rippen heraus, und heilete den Schaden zu. Wierus l. 4. de præstig. Dæmon. c. 13.

Eine Jungfrau von 16 Jahren fuhr gehlingen auf, gab ein jämmerlich Geschrey, und war ihr Leib anzusehen, als wäre sie schon bey die 8. Monat schwanger; vom Krampff so zusammen gezogen, daß die Füsse hinter sich ruckwarts gebogen waren: endlich hat sie sich erbrochen, und krumme Nägel, Holtz, Nadeln, und viel zusamm gewickelte, und mit Wachs vermischte Haare von sich gegeben. Zuletzt ist auch so ein grosses Stück Fleisch hervor kommen, als kaum eines Riesen Schlund hätte hinab bringen können. Benivenius l. de abd. Morb. caus. c. 8.

Jul. Cæs. Baricellus erzehlet in seinem Hortulo Geniali, ingleichen Joh. Langius l. 1 Epist. Medic. 28. von einem Bauern, Ulrich Neusisser, im Dorff Fugenstall, in dem Eychstätter Bistum, daß er Anno 1539. grosse Bauchschmertzen hab gelitten, und zwar allerley Artzneyen gebraucht, sie zu vertreiben, aber sie haben ihn nichts geholffen, die Schmertzen seyn täglich wieder kommen, darüber hab er ihm endlich aus Ungedult mit einem Messer die Gurgel abgeschnitten; als er nun am dritten Tag hinaus zum Grab solte getragen werden, haben ihm Eucharius Rosenbader von Weisenburg, und der Bader Johann von Ettenstett, in Beyseyn einer grossen Menge Volcks, seinen Bauch aufgeschnitten, in welchem ein länglicht rundes Holtz, vier Messer von Stahl, theils scharff und spitzig, theils mit Zähnen wie eine Sege, auch zwey rauhe eiserne Feilen, gefunden worden, wie auch ein runder Büschel Haar.

Eine vorneme Matron aus Riga in Liffland hat erzehlt, daß ihrer Verwandten eine solche Schmertzen in dem Magen befunden, daß sie auch endlich das Leben drüber einbüssen, und ihren Geist aufgeben [355] müssen: da man denn nach ihrem Tod einen grünen Zweig von einem Tannenbaum, bey der Eröffnung darinn gefunden, welcher ein warhafftiges Ding gewesen und in den Leib gezaubert worden.

Wer wolte aber wol sagen oder gedencken, daß diß alles aus natürlichen Ursachen herrühre? daher vermeinen etliche, es sey nur ein blauer Dunst und Spiegelfechten deß höllischen Tausendkünstlers, der es also machen kan, als wenn sie aus dem Leib heraus kämen, oder als wenn es recht natürliche Sachen wären, da es doch nur so scheinet zu seyn; oder auch mit ge[329]schwinder Kunst hervor gebracht werden mögen: denn, sagen sie, es ist kein Ort, dardurch solche Sachen können in den Leib gebracht werden; darzu seynd die Sachen, so durchs Erbrechen heraus kommen, grösser als der Schlund selbsten an seiner Weite: ja es würde auch der Magen-Schlund dadurch verletzet werden; endlich fühlet man auch nicht, da man den Magen drucket, daß solche Sachen solten darinnen seyn.

Etliche aber sagen, daß diese Ding vom Teuffel selbsten hinein gethan werden mit grosser Geschwindigkeit, wenn der Schad, der durch Anrührung oder Vergifftung der Hexen verursachet wird, schwäret und aufbricht.

Andere vermeinen, der böse Feind öffne den Leib bey Nachtzeiten, bringe hinein was er wolle, und heile die Wunden alsobald wieder zu. Oder aber, er bringe alles durch weit geöffnete Schweißlöcher hinein.

Es seynd auch, die da meinen, es könne der Tausendkünstler alle Sachen, auch zu Pulver machen, und es dem Menschen also beybringen, in dem Leib aber wiederum zusammen fügen.

Etliche aber sagen, daß es der Teuffel nicht Noth habe, daß ihm die Haut müsse offen seyn, wenn er diese Ding in den Leib bringen wolle; denn er als ein Geist, könne alle Leiber penetriren, und ohne Öffnung durchkommen. Es gehe aber damit also zu, daß der Leib deß Menschen sich gegen ihm verhalte und beschaffen sey, wie das Wasser; wenn jemand einen Stein in seine Hand nimt, greifft darmit ins Wasser, läst den Stein darinnen, und thut die Hand wieder heraus, so gehet das Wasser wieder zusammen, und wird kein Loch daran gespüret, wodurch der Stein hinein kommen: also mache es der Teuffel auch, wenn es ihm GOtt verhängt, daß er dem Menschen in seinen Leib, wie in ein Wasser greifft, und solche Materien und Dinge hinein stecket, daß mans nicht sihet, wo sie hinein gekommen; die hernach natürlicher Weise wieder mit Schmertzen heraus schwären müssen.

Dem sey nun wie ihm wolle, die Kunst und List deß Satans bleibt uns wol verborgen, und kan er viel Sachen, nach GOttes Verhängniß, [356] verrichten und zu wegen bringen, die keine menschliche Vernunfft begreifft, schreibt M. B. Waldschmid, Python. End. p. 250.


Ende deß Ersten Theils.

Quelle:
Pfitzer, Nikolaus: Das ärgerliche Leben und schreckliche Ende deß viel-berüchtigten Ertz- Schwartzkünstlers Johannis Fausti [...]. Tübingen 1880 [Nachdruck: Hildesheim, New York 1976], S. 349-357.
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