Intermezzo I.

[3] Aria.


VESPETTA.

Chi'mi vuol son Cameriero

fòdi tutto, pian m'intendo

Ei quel tutto, che conviene.

Sonda bene,

Son sincera

non ambisco, non pretendo.

E'mi àgiusto al mal è al bene.

Da Capo.


(Ich suche zwar ein Glück, doch ehrlich zu erlangen,

Und durch den sauren Schweiß ein kleines Heyrath-Gut.)

Herr Pimpinone kommt gegangen;

Er ist zwar nicht von edlem Blut,

Doch reich und dumm, es wär ein Herr für mich.

Gedult vielleichte fügt es sich.

PIMPINONE.

(Ein Reicher ist in Wahrheit übel dran,

Es sucht ihn jedermann zu hintergehn.

Mein Haus soll künfftig nicht so vielen offen stehen,

Könt ich ein artig's Kind zum Cammer-Mädgen kriegen,

Würd es mich ungemein vergnügen;)

Wie? kan ich nicht Vespetten hier erblicken?

VESPETTA.

(Ach stünd ich ihm doch an!)

PIMPINONE.

(Ach wolte sie zu mir)

VESPETTA UND PIMPINONE

Wie klüglich wolt ich mich in Seine / Ihre Weise schicken!

PIMPINONE.

Mein artigs Kind, wie geht es ihr?[3]

VESPETTA.

Ihr Gnaden zürnen nicht,

Ich habe sie in Wahrheit nicht gesehen.

PIMPINONE.

Wie artig weiß sie doch den Fuß und Leib zu drehn!

VESPETTA.

Der Meister, so die Frau im Tantzen unterwiesen,

War mir gewogen, und durch diesen,

Erlangt ich ziemlichen Bericht.

PIMPINONE.

Beym Element die Frau muß vornehm seyn;

VESPETTA.

Was vornehm? nein!

Music und Tantzen sind ja itzo schon gemein.

Aria.


VESPETTA.

Höflich Reden, lieblich Singen,

Künstlich Spielen, fertig Springen,

Sind schöner Damen Zeit-Vertreib.

Spinnen, Knepplen, Stricken, Nähen,

Fleipig auf die Wirthschaft sehen,

Gehören nur für ein gemeines Weib.

Da Capo.


PIMPINONE.

Doch was kan dieses wohl für Lust erwecken?

VESPETTA.

Zum wenigsten lernt man

Die Brust geschickt hervor zu strecken.

PIMPINONE.

Gut dienet ihr nicht mehr?

VESPETTA.

Als ich den Abschied jüngst begehrt,

Ward er mir alsobald gewehrt,

PIMPINONE.

(Diß Wort erfreut mich sehr.)

Und was war Schuld daran?

VESPETTA.

Ich darff nicht alles sagen.

PIMPINONE.

Ey Possen zeigt es mir nur an.

VESPETTA.

Es lieffen allzuofft so Brieff, als Blumen ein,

Die Antwort sollte gleich zurück getragen,

Und wohl bestellet seyn;

Mehr Nachricht wird kein Mensch aus meinen Munde kriegen,

Dann ich bin sehr verschwiegen.

PIMPINONE.

Ich mercke schon; es waren Liebes-Sachen.

VESPETTA.

Gesetzt daß es auch sey.[4]

Gewohnheit kan die Fehler gut, und aus der Löffeley,

Ein Unschuld volles Schertzen machen.

PIMPINONE.

Wie starck war dann der Diener Zahl?

VESPETTA.

Die Wahrheit zwingt mich dieses mahl,

Zu ihrem Ruhme zu bekennen,

Es ist bey kahlen sieben

Geblieben.

Diß sind nur Kleinigkeiten,

Und haben wenig zubedeuten;

Allein sie wolte mir kein freundlichs Auge gönnen.

PIMPINONE.

Warum?

VESPETTA.

Ich war ihr alle Morgen

Zu früh geputzt, diß setzte sie in Sorgen,

Ich gieng ihr etwas ins Gehege,

Dadurch ward alle Feindschaft rege.

PIMPINONE.

Wie gut ist es, bey einem alten Mann zu seyn,

Absonderlich, wann er allein.

VESPETTA.

Ach gönnte mir ein günstiges Geschicke,

Diß längst-verlangte Glücke;

Doch jüngst erreicht ichs bald,

Doch war mein Herr so ungestalt,

PIMPINONE.

So ungestalt, als ich?

VESPETTA.

Kein Mensch ist auf der Welt,

So höflich, klug, manierlich,

Schön und zart,

Und kurtz der mir so wohl gefällt,

Als Er.

PIMPINONE.

O schöne Redens-Art!

Aria.


PIMPINONE.

Ella mi vuol confondere,

Diro meglio, confondere,

Signora si, con troppa Cortesia,

Come giglio, come sole,

Da sue lodianzi onorato

(Jo son pur imbrogliato,)

[5] Certo, mi vuol confondere

Con la sua gran bonta.

Costei m'hà colto tanto al improviso

Che non so, che mi dir non so,

Vespetta mi muove al riso.


PIMPINONE.

Basta, non posso exprimere

L'obligatione mia,

A dir la Verita,

Etal, che per rispondere,

Non so trovar la Via.

Da Capo.


PIMPINONE.

Was aber denckt ihr nun zu thun?

VESPETTA.

Ich suche nichts als einen Herrn;

PIMPINONE.

Was suchet ihr für einen?

VESPETTA.

Ich wolte zum Exempel gern ...

PIMPINONE.

(Sie wird mich selber meinen.

Wie viel vermag ein schöner Kerl doch nicht!)

VESPETTA.

Es muß doch heraus

Ich wolte gerne keinen,

Als der ihm selber gleich,

PIMPINONE.

So höret mich: Mein Haus

Ist einsam; ich bin reich:

Gefällt es euch,

So dient bey mir, und schliesset gleich den Kauff.

VESPETTA.

Er schertzet nur, mein Glück ist schon gemacht,

PIMPINONE.

Gebt mir die Hand darauf

VESPETTA.

Ich neige mich von wegen solcher Ehre,


Er drucket ihr die Hand.


Sacht, sacht,

Es schmertzet all zu sehre.

PIMPINONE.

(Sie muß in Wahrheit zärtlich seyn.)

Nehmt diese Schlüssel an zu Brod und Wein,

Die Wirthschaft soll mir nicht forthin den Kopff verrücken,

Ich seh auf euch in allen Stücken.

VESPETTA.

Er wird die Frucht davon in kurtzen spühren,[6]

Mit dieser Hand weiß ich die Wirthschaft wol zu führen.

PIMPINONE.

Verfahrt in allen

Nach eigenen Gefallen.

VESPETTA.

Wie viel bekomm ich Lohn?

PIMPINONE.

So viel, als euch gefällt;

VESPETTA.

Kein bessrer Herr lebt auf der Welt.

Duetto.

Vespetta und Pimpinone.


PIMPINONE.

Nel petto il cor mi giubila,

VESPETTA.

Nel sen mi brilla l'anima,

PIMPINONE.

Vieni andiam Vespetta!

VESPETTA.

Vada ella auvanti,

PIMPINONE.

Lascia i complimenti

VESPETTA.

No, non mi permetta.

Se contenti,

Illustrissimo Padron.

PIMPINONE.

M'incamino, tu hai ragion.

PIMPINONE.

Mi senti tutto in gloria

VESPETTA.

(Affe mi vien da ridere,)

PIMPINONE.

Sù, la màn! qui niun ci offerva,

VESPETTA.

Troppo onore! Jo le son serva.

PIMPINONE.

Tanti in chini non vorrei,

VESPETTA.

Far cosi deg g'io con lei.

PIMPINONE.

Vieni, vieni.

VESPETTA.

Vada, vada,


È un gran matto in conclusion.


PIMPINONE.

Oh felice Pimpinon!

Da Capo.


Quelle:
Georg Philipp Telemann: Die ungleiche Heirat zwischen Vespetta und Pimpinone, [Hamburg] 1725, S. 3-7.
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