V. Von Erd-Menschen.

[151] Zeiler in Miscell. Epist. 61. pag. m. 499 etc. Man schreibet / daß etwan eine viertel Meil von der Stadt Alckair in Ægypten, Jährlich im Mertzen / auf einem Hügel / davor Jahren viel Christen / Männer Weiber und Kinder umgebracht worden / derselben verstorbenen Leiber die Hände / bißweilen die Füsse / bißweilen auch die Helffte des Leibes / drey Tagelang auß der Erden sehen lassen sollen. Einer erzehlet dieses mit folgenden Worten: Man lieset / sagt er / Daß umb die Stadt Alckair in Ægypten, im Mertzen / eine grosse Menge Volcks jährlich zu hauffen komme / der Aufferstehung des Fleisches / wie sie es nennen / zu sehe / nicht weit von dem Orte der Ægyptischen Pyramiden / oder gespitzten Seulen. Denn zur selben Zeit kommen auß den Gräbern herfür die Leichnahm der Verstorbenen / nicht zwar gantz / sondern bißweilen die Hände / bißweilen die Füsse / bißweilen der gröste Theil des Leibs / und verbirget sich wieder in die Erde. Solches aber pfleget alle Jahr anzufahn zu Abend / auff einem Donnerstag / und wäret biß auff den Sonnabend / und alsdenn verschwindet alles wieder. Und geschicht solches[151] bey einem Berg / so zwey Meilen vom Nilo gelegen ist / aber gleichwohl also / daß sie sich nicht auf einmal auffrichten / viel weniger gehen / sondern langsam anfahn herfür zuragen / also daß / so jemand einen Arm / oder Bein betaste / gehe darauf hinweg / und komme darnach am selbigen Orte wieder / er alsdenn spüre / daß solcher Arm / oder Bein / sich auß dem Sande noch weiter herfür gethan habe. Ist solches wahr / so ist es ein groß Wunder / und hat Gott diese abergläubische Ægyptier hiedurch locken wollen / daß sie desto eher den Articul von der Aufferstehung der Todten Glauben geben sollen. Biß hieher dieser. (Confer meine Tract. von Aberglauben auff Ostern. Von andern Erd-Menschen / wie auch Kobolden handelt Kornmann in Theat. Nat. p. 172. unter andern / aussem Mengo in compend. daß Anno 1589. Zu Bononien in eines Adelichen Behausunge ein dergleichen Kobold gewesen / welcher sich in der Magd schöne Gestalt verliebt / ihr alles zugefallen verrichtet / und allenthalben nachgegangen war / ja wenn ihr Herr oder Frau sie gescholten gehabt; so hatte er es bald aufs heftigste gerochen / mit greulichen schmäh- und läster- Worten. Und wie das Ding dem Mägdigen auch einmal gram geworden; da hat es ihren Rock und Kleid / von oben biß unten aus / gantz in Stücken zerrissen; und wie sie sich darüber betrübete / hat es sich hingesetzet / und in Eyle alles wieder zusammen genähet / daß man auch den geringsten Rieß nicht weiter dran verspüren könnē.) Weil wir etwas vom Kobolde angefangen haben zureden / so wollen wir von diesem Namen noch etwas[152] neues herzuthun: davon M. Johann Mathesius seel in der Sarepta also: Concione 10. p. m. 501. etc. Dieweil man gemeiniglich auffdrücken und festen Gängen / auch solche schwartze / blaue / graue oder Ascherfarbe Art hauet / darinn offtmals gut Ertz bricht / und solch Metall in dem starcken Witterung verbrand und außgesogen werden / wie die rechten Ofenbrücke / hat man dieselbige Art / und was der giftigen Zehen Rauch mehr seyn / auch Cadmias Fossiles genennet; Ihr Bergleute heisset es Kobelt / die Teutschen nennen den schwartzen Teufel / und die alten Teufels-Huren und Cadartin, alte und schwartze Kobel / die Viehe und Leute mit ihrer Zauberey und Gifft und Gaben schaden thun. Nun ist der Teufel ein böser und vergiffter Geist / der seine verlipte Pfeil den Leuten in ihre Hertzen scheusset / wie die Unholden und Hexen / Vieh und Leute-Glieder schiessen / Hexen und verlahmen / und mit dem Kobaldt und Hippomane oder Pferde Gifft viel Unfugs stifften und Teufeley treiben. Denn nachdem Qvecksilber und rothgüldigen Ertze ist Kobalt und Wißmat Rauch das gifftigst Metall, damit man auch Fliegen / Grillen / Mauß / Viehe / Vögel und Leute sterben kan. So frisset Kobalt und Kißwasser den Hauern Hände und Füsse auff / und der Staub und Rauch von Kobalt sterbet viel Bergleute und Ertzscheider / wie der Hütt- und Bleyrauch viel Schmeltzer und Abtreiber verlähmet / und umbringet. Es habe aber nun der Teufel / und seine Höllraunen oder Drutten / dem Kobalt oder der Kobalt den Zäuberinnen den Namen gegeben / so ist Kobalt ein giftig und schädlich [153] Metall, es halte Silber oder nicht. Ich finde 1. Reg. 9. ein Wort das heist Cabul, denn da Salomo dem Könige zu Tyro zwantzig Städte in Galilea schenckete / besiehet sie Hyram / und wil sie nicht haben / und spricht: Das Land heist wohl Cabul, wie es Josua am 19. getaufft hat. Nun ist das gewiß aus Josua / daß diese zwantzig Städte im Stamm Asser / nicht fern / wie unser Sarepta gelegen / und daß an dem Orte Eysen und Kupffer Berg-Werck gewesen /wie ihr zur andern Zeit aus Mosis Segen / über den Stamm Asser gehört habt. Weil denn diese zwantzig Flecken / Berg Stäte gewesen / und Kobalt ist ein Metall; Wolte es sich gerne ansehen lassen / als solte die Bergart ihren Namen vom Lande Cabul haben. Die Jüden gehen viel mit Zauberey und Teufeley umb / und haben offt Wasser und Weyde vergifften helffen / darumb weil sie der Patriarchen Cabala und reine Lehre von Messia und seinem Reich fahren lassen / müssen sie sich mit dem Kobalt und ihren Schein Hemperas behelffen / denn wer Warheit und Leben nicht leiden kan / der muß mit Lügen und Mord umbgehen sein Lebenlang. Die Historien und Umbstände können den Verstand sehr wohl leiden / Hyram war ein trefflicher und erfahrner Bergmann / der aus Ophir viel Gold bekam / damit er Salomonem verehrte / nun wolte sich der grosse König wieder Danckbar gegen seinem Nachbar erzeigen / wie denn ein frommer Nachbar eine starcke Vestung ist / darumb wil er einen Bergmann mit Berg-Städten verehren. Weil aber der König zu Tyro Bergverständig war / und beritte zuvor das[154] neue Bergwerck / und sahe daß nur geringe Metall da brachen / und viel wilder Kobalt-Gänge da außgericht waren / wil er mit den Kobaltgängen und Ertzen nicht zu frieden seyn / und sein Geld lieber auff fündige- Gold- und Silber Gänge in India verbauen. Denn wahr ists / Kobeltgänge sind unartig / und ist gemeiniglich Fest darauff / so raubet er im Feuer / und mattet / und frist viel Bley / biß man die Silber davon bringet / wenn er zumal speisig ist / darum macht ihm Hyram gute Bergleufftige Rechnung / und wil sich mit schweren Gebeuen und übriger Unkost und Hüttenkost nicht überlegen / und schencket Salomo seine zwantzig Berg-Städte wieder.

Der Hebreische Text wolt schier gerne mit uns gar gut Teutsch reden / das Land heist wol Cabul eretz, darumb wil ich mit dem Koblichten und heißgretigen oder armen Ertz zu frieden seyn. Die Ausleger mercken auch daß es ein unartig Land seyn muß / darumb es klar das es sey ein sandicht und unfruchtbar Erdreich gewesen. Andere haltens für ein zehe / lettig / greusicht / oder Kifricht Land; Nun ist es wahr / Kobalt ist ein zehes und heißgretig Metall, gibt die Silber ungern von sich / raubtet offt und verzehret die Silber / und macht die Bley matt und müssig / daß man alle Stich außgiessen muß / wie Jeremias über seyn Loß oder Kobeltertz auch klaget / Jerem. am 6. Ich mache Bergleufftige Rechnung / und rede wie ein Bergmann bey Bergleuten vor zwantzig Berg-Städten / welche Hyram und Josua Bergverständige Leute / Cabul erez selber nennen. So iemand düncket diß sey zu scharff / oder genau geschucht / der mag[155] sich auff die Berg-Freyheit beruffen / und an diesem Orte ein neuen Schurpff werffen oder Rösch treiben / trift oder überfehret er was schöners in dem Gebirge / so wil ich mich wie ein Bergmann weisen und bessers berichten lassen. Wie mich zwar neulich ein gelehrter Bergmann des Worts Jöbel erinnert / daß bey den Hebreern ein Erdwachs heisset / ob der Kobelt seinen Namen daher hette? Kobelt ist und bleibet dennoch gleichwol ein wildes und gifftiges Metall, das im Berg außgesogen ist / wie ein Ofenburch oder leere Schlacken und hat seine Drüsen / die bißweilen voller schöner rotgültiger Auglein stehen / durchsichtig wie ein Rubin, bißweiln ist er also abgedürret / daß er gleich zu Scherben gebrant ist. Ich habe einen solchen Kobelscherben / der siehet wie ein Hirnschal von aussen / inwendig hat er seine Cellen und Kämmerlein wie ein Menschen Haupt / und weil es vom Quecksilber lauter Gifft ist / stirbet alles / was darauß trincket / daher wir es poculum mortis nennen. Auffn / Sonnewirbel bricht ein Kobelt / der läst sich anzünden und brent lichterloh wie ein Agstein / biß sich der Schwefel oder Fettigkeit dran verzehrt / und das Qvecksilber verraucht / darnach bleibt ein gifftiger Spodos oder häufflein Asche / drauß man für die neuen Zeloten / so umb unötige und frembde Sachen äffern / und ihren unzeitigen Eyfer wieder Unschuldige und wohlverdiente Leute / mit Unverstand entbrennen lassen / und ausgeyfern ein recht eyfer Wasser machen könte / wie aus dem Staub im Tabernackel / wie man auch Habern im Kobelt seudt / und dem schädlichen Gevögel fürstreuet. Ihr Bergleute / ihr[156] wisset / daß hie auch Kobeltstuffen gebrochen / wenn mann sie in Stuben pahet und zuschlägt / daß ein sichtiger Dunst und gifftiger Rauch darauß fähret / wie aus einem Menschen der an der Ungnad stirbet / der zeucht in dem Gemach herumb wie ein Nebel / oder so man ein groß Unschletliecht anßlescht. Biß hieher Mathesius. Zu welchem noch etwas von der Unterirrdischen Gefässe zusetzen ist / nemlich von denen Erd-Töpffen / welche nachdem Berichte Michael. Neandri in Phys. part. 1. pag. 127. in Sachsen / Lausitz / Türingen gleichsam wachsen sollen / und in der Erden weich seyn / wenn sie aber an die Lufft kommen / steinhart werden sollen. Eben derselbige bekräfftiget / daß man auch in Teutschland / solche irrdene Gefässe außgegraben habe; Darinnen die Asche von denen verbrandten Cörpern der Heyden enthalten gewesen. In solche sollen auch bißweilen noch Kohlen / und Ringe zufinden gewesen seyn; Der Gestalt / daß die gemeinen Leute unrecht vermeynen / als ob solche Töpffe in der Erden wüchsen. Gestalt man in Welschlande nicht alleine irdene / sondern auch steinerne / ja gläserne gefunden hat / deren Cæsar Carduinus vier schöne gehabt / zu Neapel in derer Gegend außgegraben / wie Agricola vermeldet. Andere Töpffe wahren / leider! folgende / davon Anno 1660. aus Doesburg /10. Decemb. allhier hat man in Ausgrabung oder Suchung eines Fundaments / zu einer neuen Halle / zur Seiten eines Erbes / genant Stockhoven / an der gemeinen Strasse / zwischen beyden Kirchen von Dremt und neue Caspel / gefunden und wahr genommen /über 25. rothe Cöllnische thönerne[157] Töpffe / unten etwa einer Handbreit / und oben- aus was weiter / und ungefehr eines Schuchs hoch / die sind all mit neugebornen Kinderlein angefüllet / die mit dem Kopffe unter sich gedrücket / und die Krüge so fortan mit Erde gefüllet und gleich gemacht. Alle diese Töpffe haben gestanden in einem sandigen Hocker / so in allen nicht 10. Schritt lang und breit / und umb welche her ein tieffer Fahrweg gehet. Einen solchen Topff sampt denen Kindelein haben wir in unserer Dremter Kirche in verwahrung / und zum Exempel gesetzet. Gott bewahre die Menschenkinder vor dergleichen Greueln! Ein gleiches Exempel ist in D. Gottf. Olear. Häll. Chr. p. 320. Anno 1590. 18. Apr. M. Tob. Schmied in der Zwick. Chron. part. 1. pag. 363. Wer Beliebung trägt von denen Heydnischen Götzen der Vorfahrn zulesen / der kan viel darvon finden / in Helmondi Annalibus oder Chron. Slavorum, Cranzii Wandaliâ. etc. fürnemlich aber in M. Petri Albini Meißnischer Chro. tit. 11. v. Eliæ Schedij De diis Germ. sive veterum Germanu. Gallor. Britann. Vandal. syntagin. Nur noch einen wunderlichen Gebrauch der Alten Wenden / dieser Lande Inwohner / wil ich aus dem Buche Dittmari Bischoffs zu Marseburg erzehlen / der sagt fol. 233. von seiner Nachbarschafft / als von Leuten in Ost- und Osterland. Die Leute daselbst ehren ihre Hauß-Götzen / und haben das Vertrauen / daß sie ihrer grossen Nutzen haben; wie sie denn auch ihnen zu opffern pflegen. Ich habe mir von einem Stabe / den sie haben / sagen lassen / an welchem oben an der Spitzen eine Hand / welche einen[158] Eysern Ring hält / stehet. Derselbe Stab sol von einem Hirten des Orts / in alle Häuser im Dorffe herum getragen / und im Eingange von dem / der ihn trägt / also angeredet werden: Wache auff Hennil, wache auff. Dann also pflegen ihn die Bauren zu nen nen / setzen sich darnach hin / und richten ein stattlich Gastmahl an / und vermeinen also die närrischen Leute / daß sie durch ihn / für allem Unglücke / behütet werden. (Sonsten heisset der Kobald auch Hütlein / kömpt etwan daher Hütlins Tantz? davon D. Wagner in seinen Casnal-Predigten / pag 167. I pudor in villas, fort mit Dir / du Alte Teutsche Zucht / hinaus aufs Dorff! Wo noch das Scheppelin / das ist / das Hochzeit-Kräntzlein wird æstimirt, Zucht und Erbarkeit besser in obacht genommen! Was stecket hinter leichtfertigem Dantz / sonderlich hinter dem ärgerlichen Hütlins-Tantz / (solt man recht mit allem Fuge sagen / Huren- und Buben Dantze?) Da Müttern und Töchtern junge Gesellen aufziehn / an denen Orten Leibs und der Kleider im herumb springen fassen / daß es eine Schand! Von züchtigen Ehren-Däntzen lediger Persohnen reden wir nicht.

M. Ernestus Stockmannns in Hodoget. de peste, qvæst. 13. p. 120. Bringet auch die Wald- und Berg-Gespenste / Hauß-Kobelde und Poltergeister / zu die bösen Geister / so sich des Nachts erschrecklich sehen lassen. Veridor von Stack-Dorn in Belfy oder Goldmacher Teufel / pag. 73. Den Kindern pfleget man rothe Corallen / Luchs Klauen in Silber gefast / anzuhängen / damit ihnen diß und jenes nicht wiederfahre. Solche Narren-Wercke[159] haben sie den Alp / etc. zuvertreiben / welche nicht weniger Gottloß sind / als des Chaels Abgöttische Sachen. M. Mathes. part. 1. Postill. am Sontag Oculi, fol. 87. Etwan waren Polter-Geister / die richten ein Gerümpel an in Häusern; daß warn albere Geister; aber hie spüret man bey vielen Leuten viel subtilere und verschmitztere Teufel / die sich in ein Engel deß Lichts verwandeln / und unser Christi und der Kirchen Namen sich anbeten lassen / dafür wolle uns Gott behüten / etc.

Autor des vierblätterlichen Wunder-Klees / pag. 76. gedencket aussem Cromerô, dein Polnischen Geschichtschreiber / vom Saltz-Bergwercke zu Bochna / daß unter andern Dingen drinnen / man auch hör bißweilen Hanen krehen / Hunde bellen / und anderer Thiere Geschrey / so gemeiniglich etwas böses andeutet. (Dergleichen liefet man auch vom Lande Hansem.) Wil man es erfahren / wer der Truyd oder Alp / der einen die Nacht reitet und drücket; so muß man zu ihm sagen / so er wieder weg weichet; Truyd komm morgen / so wil ich dir borgen, drauf sol er den andern Tag sich einstellen / und was zu borgen begehren / da man ihn erkennen kan / nemlich man giebt beständig vor / das der Alp oder Truyd (wie er zu Salfeld genant wird /) ein Geist oder Seele eines andern Menschen sey; der uns oder sonsten einen / deme er nicht gut sondern feind ist; Des Nachts ängstet / beschweret / und drücket. Ja man saget auch / daß dergleichen Alpischen Leuten ihre Wimmbraunen über die Augen gantz zusammen gehn / und nicht von einander stehen. Drauf habe ich diese wahrhafftige Historie gehöret:[160] Wie nemlich zu Hirschfeld ein paar Mägde in einem Hause sollen gewesen seyn; welche fast alle Abend eine zeitlang in der Stuben erstlich wären sitzen geblieben / ehe sie nach ihr Bette zu schlaffen gegangen: Welches dem Wirte oder Hauß Herren wunder genommen; derentwegen er einmal aufgeblieben / sich in die Stube verstecket gehabt / und das Führnehmen / hat wollen ablaufen: Drauf es sol geschehen seyn; wie sie nun so beym Tische gleichsam alleine gesessen / daß die eine angehoben:


Geist thue dich entzücken /

Und thue jenen N. Knecht drücken:


Hierauf war ihr / und auch der andern Magd / aus dem Halse ein schwartzer Rauch gleichsam gestiegen / oder zum Fenster hinaus gekrochen: die Mägde aber wahren in einen tieffen Schlaff gefallen. Da dann der Haußvater zu gegangen / die eine mit Nahmen sehr geruffen und geschüttelt gehabt; Aber vergebens: Sintemal sie gleichsam für todt / unbeweglich geblieben; also daß er hat müssen davon gehen: Des andern Morgens soll solche Magd / die er gerüttelt gehabt / todt gewesen und geblieben seyn; Die andere aber ist lebendig geblieben; welche nicht gerüttelt worden. Weiter erzehlete mir auch meine Hauß-Ehre / daß sie von ihrer Mutter Schwester einem glaubwürdigem Weibe / offtermahlen gehöret; Die es mit ihren Augen gesehen / wie einer Magd auß dein Halse gleichsam eine Mauß gekrochen / aus dem Fenster gelauffen / und in einer Weil wieder zum Halse hinein gekrochen sey / nachdem nemlich solche Mauß anderswo ihr Drück-ampt verrichtet und einen[161] Bauch-Drücker geagiret gehabt. Ich wil allhier noch andere Aberglauben mit anhengen vom Alpe / also sagen die Layen: wenn man seinen Kopff hat waschen lassen / und mit entblösetem Haupte herumb gehet; so beschüttet solchen Menschen der Alp mit Läufen. Der Nachtmahr scheuet kein Ding mehr / denn so ein Hafen vom Feuer gesetzet / noch sendet / Autor bey der Teutschen Astronom zu Franckfurt gedruckt. Welche des Abends schlaffen gehen / und ihren Stuel / da sie auffgesessen / nicht versetzen / die müssen besorgen / daß sie der Nacht-Mahr reite. Wenn einen der Alp drücket / und er kan den Daum in die Hand bringen / so muß der Alp weichen. Wenn die Muhme ein Kind windelt / so muß sie zuvor ein Creutze machen / und einen Zippel aufschlagen; sonsten windelts der Alp noch einmal. Vide meine Wochen-Comœdie, und die Bummel-witzige Käthe / thes. 39. Mich. Freudius in Gewissens Fragen von Processen wieder die Hexen / qvaest. 22. p. 24. & aliis Autoribus.


Ich beschwere dich Alff / Alff /

Der du Augen hast wie ein Kalb /

Einen Rücken / wie ein Deig-Trog /

Weise mir deines Herren Hoff / etc.


Der Alp kan mit Pferdes Köpffen vertrieben werden. Hievon vernim / wad Paulus Einhorn vorbringet / in seiner Wiederlegung der Abgötterey / part. 1. c. 5. p. 22. etc. Von übernatürlicher Würckunge so den Todtenbeinen des Viehes und der Menschen zugeeignet wird. Diese Meynung ist dieser Oerter bey den unteutschen Leuten sehr gemein / daß sie es dafür halten /[162] daß die Todtenbeine des Viehes und der Menschen eine sonderliche Krafft und Eygenschafft haben / wieder vielerley Gebrechen und Anliegen der Menschen und des Viehes. Als / wenn unter dem Viehe ein Sterben einfället / sollen die Todtenbeine des verstorbenen Viehes / wieder ein solch Sterben und Seuche ein sonderlich Remedium und Artzney seyn. Darumb sie umb die Vieheställe solche Todtenbeine / als die Häupter von todten Pferden und Kühen auff die Zaunstaken stecken / daß dieselben den Seuchen wehren / und sie vertreiben mögen. Weiter sollen auch / ihrer Meynung nach / die Pferde des Nachts geritten werden / vom Maare oder Leeton, wie sie es nennen / auch also daß sie gar matt und müde werden / und wird an etlichen Pferden ein Zeichen gewiesen / so sie von solchen Reutern bekommen sollen. Wieder solches Reiten pflegen sie in der Krippen unter dem Futter ein Häupt eines todten Pferdes zu legen / weil sie gläuben / daß selbe solche Maare vertreiben soll: Welche / wenn sie so ein Todtenbein oder Pferde-Kopff vor sich finden / sollen sie keine Macht mehr haben über dasselbe Pferd. Daß aber die dürren Todtenbeine des Viehes oder der Menschen / solches von ihm selber solten vermögen zu thun / daß sie Seuchen und Kranckheiten von Menschen und Viehe vertreiben und abhalten könten / wenn sie nur an die Zäune oder sonst hingehengt werden / ist ein Abergläubig und Abgöttisch Ding / und kan an ihm selber nicht seyn / denn Natürlich können sie in sich solche Krafft und Würckunge nicht haben / daß sie Seuchen und Kranckheiten vertreiben / weil es nur[163] harte / und dürre Beine sind / darinne keine Krafft und Würckunge seyn kan. Es ist an ihm selber gewiß und wahr / daß auch die harten und dürren Beine und Steine / eine natürliche Eygenschafft und Krafft haben / wieder dieses oder jenes Gebrechen und Kranckheiten / wie von solchen die Medici und Aertzte schreiben / auch die Erfahrung / bezeuget: Aber das sind keine gemeine Beine von todten Pferden und Ochsen / auch keine gemeine Steine / die im Felde oder im Wasser liegen; sondern es seyn sonderliche Steine und Gebeine besonderer Thiere / welchen die Natur solche Krafft und Eygenschafft gegeben und mitgetheilet. Magir. lib. 5. Physiol cap. 2. Als da sind / Chelidonius, der Schwalben-Stein / Ætites, der Adler-Stein / Bufonius, / der Kröten-Stein / Oculi Cancrorum Krebs-Steine / Perlen und andere Steine mehr. Die haben eine sonderliche Eygenschafft / also daß sie zu vielen Gebrechen der Menschen und des Viehes dienen. Wie denn auch das Horn vom Einhorne / wie Cardanus lib. 10. subtil. p. 34. schreibet / gar eine grosse und wunderliche Würckung haben soll wieder allerley Gifft. Es müssen aber solche Mittel natürlich adhibiret und gebrauchet werden: Daß sie nemlich dieselben so da solche Gebrechen haben einnehmen / oder zum wenigsten auff den Schaden binden / damit sie würcken / und ihre Krafft den Beschädigten mittheilen können. Das aber geschieht nicht / wenn man die Todtenbeine bey den Gemächern hinleget / oder an die Zäune henget. Dann / wann schon solche Krafft in ihnen were /welches doch nicht ist; So können sie doch nicht würcken /[164] weil sie nicht wie Medicamenta und Artzney gebraucht werden / und die krancken Cörper nicht anrühren noch zu denselben geleget werden. So kan nun auch in denselben dürren Steinen natürlich eine solche Krafft nicht seyn / so von ferne durch die Lufft den Beschädigten könte mitgetheilet werden: Wie denn etliche Kräuter solches zuthun vermögen / daß sie auch von ferne ihre Krafft und Eygenschafft den Menschen oder dem Viehe mittheilen. Und schreibet Levinus Lemnius, in Explic. Herbar. Biblic. c. 2. p. 8. Daß die Mandragora, eine solche Eygenschafft haben / daß wenn sie in einem Gemache geleget werde im Sommer / den Menschen so schläfferig mache / ob sie schon weit von ihm ist / daß man sich auch nicht ehe des schweren Schlaffes erwehren möge / biß man sie hinweg gethan. Das würcket nu solch Kraut natürlicher Weise / durch seine natürliche Krafft so es an sich hat: Welches in keine wege die dürren Todtenbeine thun können / in welchen solche Krafft und Eygenschafft nicht ist. (Omnis res Naturalis agit, vel immediatione suppositi, sive substantiali, ut loquuntur Scholastici: quae est, qvando agens per se ipsum, suo supposito vel substanciâ, attingit suum Effectum sine medio, ut Aqua humectans terram, ignis comburens ligna. Vel, Immediatione Virtutis, quæ est: quando Agens non quidem Substantia sed Virtute attingit suum Effectum sine Medio: ut, sol illuminans terram, candela domum, Magnes trahens Ferrum. Sol enim terram illuminans, Candela Domum: Suâ Substantiâ rem illuminatam non attingunt, [165] nec Magnes ferrum: Sed virtute procedente è suppositô sive Substantiâ. Ossa verò arida, de quibus hoc loco: nec immediatione agunt Substantiali: Suâ enim Substantiâ homines vel pecora ægrota non attingunt: Cum proul à stabulis, domibus vel Hypocaustis, suspendantur vel collocentur. Nec virtuali agere possunt: Cum aridis ossibus nulla Virtus insit quæ à Substantiâ absente prodire, & suum Effectum attingere possit. Unde sequitur rem esse superstitiosam & execrabilem.) Was den Maar anbetrifft / so /wie sie vorgeben / die Pferde bereitet: So fraget man billich was es seyn muß? So seyn etliche närrische Leute der Meynung / daß es die Seelen der Kinder seyn / so ungetauffet gestorben. Die sollen so herumb wallen / Pferden und Menschen beschwerlich seyn. Und seynd viel Leute / die sich daher beklagen / daß sie darvon im Schlaffe geplaget werden. Diß aber ist eine böse und Gottlose Meynung: Denn was die Kinder anbetrifft so vor der Tauffe gestorben / kan man dieselben nicht verdammen / wenn sie schleunig hinsterben / daß sie die Tauffe nicht bekommen. Denn es heisset: Non privatio sed contempus Sacramenti damnat. Der wird verdammet / der die Sacramenten Christi des HErrn verachtet / und nicht derselbe / der sie nicht haben und bekommen kan. So seynd nun die Seelen solcher Kinder in Gottes Hand. Die andern so ausser der Kirchen Gottes seyn / die befehlen wir Gott dem HErrn / und seinem unerforschlichen Rahte und Gerichte. Denn / was gehen uns die draussen an / daß wir sie richten sollen?[166] Gott wird die draussen seynd richten / 1. Corinth. 5, v. 12. Darumb können dieselben auch nicht / ob sie schon ausser der Kirchen Gottes gebohren / und ohne die Tauffe hingestorben / also auff Erden herumb wallen / denn es hat Gott der HErr ihnen einen Ort bestimmet / so uns unbewust. Denn seine Gerichte seyn unbegreifflich / und seine Wege unerforschlich Roman. II, v. 33. Was er nu in seinem Worte nicht offenbahret / das wollen und können wir nicht wissen. Worauß wir denn auch alle dasselbe was die Bäbstischen von ihrem erdichten Lymbô infantum, da solche Kinder hinbestimpt seyn / lehren / gäntzlich verwerffen / weil dessen mit keinem Worte in H. Schrifft gedacht wird. Andere seyn dargegen der Meynung / es sey der Maar / wie sie es nennen / ein Geist oder Gespenst des Teufels / wann diß nu schon wäre / so were es ein nichtig und vergeblich Ding / daß man ein Geist oder Gespenst des Teuffels mit einem todten Häupte vom Pferde oder Ochsen / mit einem dürren Beine und Knochen vertreiben wolte /welcher sich mit solchem Mittel nicht vertreiben lässet. Denn / wie er kein Natürlich oder Leiblich / sondern ein Geistlich Wesen ist / also kan man ihn auch mit keinem natürlichen oder leiblichen Mittel vertreiben. Geschicht es nu aber / so ist es gewiß / daß er die Leute nur bethöret / und schändlich betreuget / in dem er sich bedüncken lässet / daß er dafür fliehe / da es ihm doch nicht ernst ist. Denn was solte er doch vor eim Todtenbein Scheu tragen und fliehen? Ist derowegen dasselbe nichts anders als ein Heydnische Abgötterey und Aberglauben / so billich von Christen verworffen und vermieden[167] werden muß. Was man auch von dem Maar oder Leeton / wie mans hie heisset / saget / achte ich / es sey eine Fabel / und vom Teufel vorzeiten in der Heydenschafft den Leuten eingebildet. Das man aber / dieses zubestätigen / an den Pferden Zeichen weiset / so sie von solchem Dinge behalten / und daß sie des morgens vom Reiten matt und müde seyn / als wann sie einen weiten Weg gegangen / kompt vielleicht daher / daß die Pferde denen dieses wiederfähret / ein natürlich Gebrechen haben / welches ohne zweiffel / solch Schreyen / Stampffen und Unruhe derselben verursachet. Wann auch etliche Menschen klagen / daß sie von selben geängstet und geplagt werden / ist auch nichts: Angesehen daß die Medici und Aertzte dawieder seyn / und lehren / daß ein besonders Gebrechen und Kranckheit sey / welches sie Incubum nennen / das sol solche Beschwerligkeit und Angst dem Menschen im Schlaffe machen: Bildet sich also der Mensch ein / es sey ein Geist oder Gespenst / da es doch so nicht ist. Und wanns nu gleich so were: So könte man es mit keinem Mittel vertreiben / als allein mit dem Gebete / daß man Gott den HErrn bete / daß er dem Teufel und seinen Gespensten wehren wolte / damit er keine Macht und Gewalt über uns und über das unsere haben möchte. Das ist das einige Mittel / welches Christus der HErre selber wieder den Teufel zugebrauchen lehret / Matt. 17. v. 21. was da wieder ist / ist vom Bösen / eine Abgötterey und Aberglauben / so den Teufel nicht vertreiben oder verletzē kan: Denn er sich nur düncken lässet / als flöhe er durch solche Mittel / in dem er aber fleucht / kompt er durch solchen[168] Aberglauben näher / und besitzt der Menschen Hertz dadurch / daß sie sich damit an Gott dem HErrn versündigen / in dem sie die Macht und Hülffe / so sie allezeit von Gott dem HErrn solten gewärtig seyn; Einer leblosen und nichtigen Creaturen zumessen: darumb ja ein ieglicher mit allem Fleisse sich dafür zu hüten hat / damit er hierinn dem Satan nicht dienen und willfahren möge / und Gottes des HErrn Zorn und Strafe auff sich lade. Aber genug von Erd-Männern: Ich wil nunmehr vom Fato unserer Erden und der Lands-Stadt was schwatzen / nach unserer Verheissung: Nemlich es sind etliche / welche diese Stadt Leiptzig / wegen dieses 1666. Jahres ziemlich gedräuet haben / als wie einer in seinem Calender gethan: Davon in meiner neuen Welt-Beschreibung / part. 1. pag. 177. Als der eine alte Propheceyung citiret, daß dermahleins der Türcke / Teutschland und ganz Meissen / und per consequens auch Leiptzig verstören werde. Und was er etwan sonsten auß andern unrecht verstandnen Köpffen / v. influxu ste Harum Ihme träumen lassen. Mit einander aber wil man aus folgenden Conjecturen diese liebe Stadt käuen; als da seynd /


1. P rædicitiones, oder Alte Weissagungen.

2. H æmatoterata, oder etliche Blut-Zeichen.

3. I gnes aerei, vom Himmel gefallen Feur.

4. L unares circuli, etliche Mond-Kräntze.

5. V itulus biceps, ein Monstr. Kalb mit 2. Köpffē.

6. R evolutio seu periodus, weil 100. Jahr aus seyn.

7. E rraticæ stellæ, die vorigen beyden Cometen.[169]

8. Aspectus, Configurationes am Himmel.


Zum 1. gehöret p. 28. etc. vis. 6. von Leptzig Georg. Reicharts Schulmeisters zu Seehausen eine Meile von Leiptzig 1637. Vom andern Stücke habe ich außführlich geredet / in einem besonderen Tractat, vom dreyfachen Leiptzischen Blut-Zeichen / und in der neuen Welt-Beschreibung / da ich das Vierte hinzu gethan / pag. 171. etc. part. 1. Aber sie alle erkläret habe / von denen nur im Schwange gehenden Seuchen; davon in einem besonderen Bogen / vom blutenden Hirsch-Horne zu Pataune. Vom Dritten stehet das seinige in der Welt-Beschreibung / part. 1. p. 316. Wie auch vom Vierdten / Fünfften. Vom Siebenden stehet in meinen Cometischen Schrifften / wie auch vom Achten; Daß solche Zeichen uns mit Gottes Hülffe nicht angehen. Vom Sechsten stehet allhier in der Vorrede A. B. C. wegen deß 1566 Jährigen Blutigen Regens allhier / der Seculari spatio interjectô allhier gleichsam wiederhohlet worden. Item in der Welt-Beschreibung / part. 1. p. 185. Vom Vierdten stehet auch im Wunder A. B. C. das solche Zeichen nur auff ein Einäscherung ander geringer Orter gegangen seyn. Sonsten ereigneten sich auch in diesem Jahre in und ausserhalb der Stadt trefflich viel Mäuse; die der dürre Sommer gewürcket / oder doch nicht hatte vertreiben können / wegen Mangel des Regens / davon sie sonsten auffn Lande in ihren Löchern ersoffen wären. Viel Leute baten damaln den lieben Gott umb Regen / daß das Ungeziefer die Saat unten nicht wegfressen möchte. Und den 19. Nov. folgete ein[170] häuffiger weicher Schnee. Item hernach auch etlichmal Regenwetter. Im übrigen / ist der gantzen Welt / ein Liecht / in diesem Jahre / (Zum dritten von wegen der Anzeigunge der Blut-Zeichen /) irgend wo außgeleschet? so ist es gewiß geschehen an Herrn D. Benedictô Carpzoviô, dem Welt-berühmten ICto. der recht / Vir sui nominis und eine gesegnete Lebens Frucht / in diesem irrdischen Paradieße gewesen / theils was anbelanget /


1. B ibliorum Lectionem.

2. Æ dis freqventationem.

3. N ativitatis Gloriam.

4. E ruditionis Excellent.

5. D ignitatum Eminent.

6. I nsignem Peregrinat.

7. C arentiam pupillor.

8. T hesauri Magnitudin.

9. V itæ longitudinem.

10. S anitatis constanti.


1. Die fleissige und öfftere Durchlesung der H. Schrifft. 2. Die unnachlässige Kirchen-Besuchung. 3. Das fürnehme Herkommen. 4. Die Hochgelahrheit / und Verständigkeit. 5. Die Hohe Ehrenämpter. 6. Die köstliche Reise Erfahrenheit. 7. Daß er keine betrübte Witwe und Weysen verlassen. 8. Den herrlichen Reichthumb. 9. Die Langlebigkeit. 10. Die Beständige Gesundheit. (1.) Nemlich der Seel. Herr D. Carpzovius hat / wie die Personalia bey der Begräbnüß und daß öffentliche Programma lauteten / die Heilige Bibel aufs wenigste 53. mal durch und durch ausgelesen / nach seinem eignen Verzeichnüß im gewöhnlichsten Exemplari. Und des Docter Crameri Notas drüber 12. mal. Des D. And. Osiandri Glossas marg. 3. mal / und hat so viel und schöne manuscripta Theologica hinter sich gelassen; Daß zuzweiffeln / ob er mehr und bessere Juridica[171] ans Tagelicht habe kommen lassen (deren Güte doch alle andere übertrifft) lasset mir den für einen frommen Juristen passiren: hat er auch seines gleichen in der Theologiæ dergestalt gehabt? Carolstadt hat denn D. Titul ein gantz Jahr geführet / ehe er die Bibel gelesen. Vielleichte ist dieses Ihme zu Kopffe gewesen / was dem Biliccio, der in Conventu Wormaciensi mit seinem unverschemten Maule gesaget hat / daß die Bibel eine Materie zum Zancke und pomun Eridis währe. Vide D. Johann Wigandum in cap. 12. Dan. p. 429. b. Und war es hier der Bibel also ergangen / wie dem guten Jeremiæ, der auch vir discordiarum in universa terra geheissen worden / Jer. 15, v. 10. vide D. Lyseri Josephum pag. 33. Sonsten hatte noch auch König Alphonsus die H. Schrifft 14. mal durch gelesen. Vide Weissum in appen. Man. Hist. Mich. Saxen in Alph. Hist. p. 40. (2.) Er hat keine Predigt noch Betstunde in vielen Jahren mit willen verseumet: Ist fast täglich zweymal mit höchster Devotion in der Kirchen erschienen / in seiner eigen Capelle: ist schier alle Monaten zum heiligen Abendmahl gegangen / ohne Heucheley / nach beständiger Aussage aller nacheinander gehabten Haußgenossen. (3.) Er ist zu Wittenberg gebohren / 1596. VI. Calend. Jun. Dom. Jucund. und hat zum H. Vater gehabt Bened. Carpzovium, JCt. Cancel. Elect. Viduae & Comitum Reinstein und Blancken-Burg. Zum Herrn Groß-Vater / Sim. Carp. Bürgemeister zu Brandenburg / dessen Clüver. l. 10. und Meteran. lib. 40. Laur. Nassav. rühmlichst gedencken.[172] Seine Herrn Brüder seind alle vortreffliche Männer gewesen / als (1.) D. Conrad. Carpz. JCt. Com. Pal. Caes. 17. Järiger P. P. Just. Cod. Witt. hernach 20. jähriger Cantzler und Consil. Intim. Des Durchl. Fürsten und Administ. Augusti zu Halle. (2.) D. Christ. Carpz. P. P. Pandect. Franc. cis Viadrum. (3.) D. Johann. Bened. Carpz. P. P. Theol. Lips. und Prediger an der Thomas-Kirchen. Und D. August. Carpz. Cancel. Cons. Duc. Coburg. so noch alleine lebet. (4.) Er hat die Vortreffligsten Juristischen Werke geschrieben / so gleichsam vor ein Oraculum gehalten werden / als Anno 1635. Practicam Rer Crim. Anno 1639. Def. Forens. 1640. Legem Germ. Regiam. 1642. Responsa Juris Elect. 1649. Definit. Eccles. Cons. 1646. etc. Tomos tres Decis. Sax. 1657. Process. Jur. Sax. und sehr viel Disputationes etc. (5.) Er ist durch alle Ehrenstuffen gestiegen / und auff den höchsten Grad gekommen. Er ist Ordinarius der Jur. Fac. Senior und Beysitzer deß Churfl. Schöppen-Stuhls durch 46. Jahr gewesen / und Churfl. Sächs. Geheimer Rath zu Dreßden. Da von er sich kaum 1661. loß machen / und zur beliebten Einsamkeit wenden mögen: Drauf er hier in denen Stamm-Büchern die Ursachen / also zu verstehen geben hat: Extra Lipsiam vivere, est miserimè vivere. Er hat sich bey solchen hohen Ständen von Hertzen demütig und freygebig gegen die Armen erzeiget. (6.) Er hat ziemlich gereyset fast durch gantz Europam. (7.) Er hat keine Erben betrübet: angesehen Er zwar geheyratet gehabt. 1627. Und 5. Kinder gezeuget / Item[173] Anno 1640. so sind ihme doch solche Ehe-Pfläntzlein (wie auch das letzte Ehegemahl) sehr frühzeitig abgestorben; daß er ihre Geburts-Stunde kaum bey ihrem Leben / wie er selber geredet / verzeichnen können / daß er nicht auch zugleich / ihr Ableben darzu setzen müssen. (8.) Er soll einen ziemlichen Schatz Geldes verlassen haben seinem jüngsten Herrn Bruder / Brüdern-Kindern / etc. Dran er auch Ehre und Freude gesehen hat. (9.) Er hat gelebet 71. Jahr 13. Wochen 5. Tage und eine halbe Stunde. Und (10.) Es hat ihm kein Finger gleichsam durch sein gantzes Leben wehe gethan: ohne daß er kurtz vor seinem Ende / etwas vom Steine und Zipperlein verspürt: und darauf am 9. Calend. Sept. 1666. an im schwange gehenden Durchlauffe / Selig / Lebens und Ehren satt / abgeschieden ist / in seinem eigenen Hause / in der Burg-Strasse / und in der Pauliner Kirchen / darinnen er sein Epitaphium beym Altare schon lange gehabt / herrlich begraben ist: Da ihm die Leich-Predigt thate D. Samuel Langius, P. P. und Superint. Und hiemit zu brachen die köstlichen Gesetz-Taffeln / so unser Leiptzig bey sich lange verwahret gehabt. Dieses sey dem Seel. Manne / an statt der Parentation, von meiner wenigkeit / Dienstfertig nachgesaget. Ich komme nunmehr wieder auf den Catalogum der Leiptzig. Unglücks-Boten. Was allda zum Ersten die Wahrsagungen betrifft; so ist davon eine vorgebracht worden / in meinem Türcken-Schläger. Müste die aber / so ferne sie auch nur richtig ist / so eben in diesem Jahre wahr werden? Noch einandere bringet ein Calender Schreiber vor / vide meine Welt-Beschreibung /[174] nemlich / daß der Türcke diese Gegend werde verstören; Solte denn auch dieses itzt eben wahr werden? Er berufft sich auff deß Bruder Sebaldi Propheceyung. Aber höre wegen den Solœcismum Chronologiæ an. Abraham. Hossmann. de Natur. & Nativ. Hom. lit. M. iij. darauß man siehet (redet hier Hossm.) daß andere Dinge auch / was dieser Mönch (Frater Sebald. ein fürnehmer Astron. und Weissager / deßgleichen nicht mehr zu finden / so gelebet hat Ann. 1012.) Propheceyet / gewiß eingetroffen / und folgende Historia nicht vor Fabelwerck zu halten sey. Nun erzehlet eben ermelter Histor. Spangenberg des Münchs eigene Wort / wie er sie angetroffen / und auß dem Lateinischen also verdeutschet / welches eigentlich / wie mit einem Finger / auff das Hauß Oesterreich zeigen / Also wenn ich Sebaldt alle Eygenschafften und Würckungen der Himmlischen Zeichen wohl erwege / so befinde ich an allen Orten / auß natürlicher Bewegung und Andeutung derselben Sternen / daß die Käyserl. Hoheit / auff keinem Stamme lange beruhen wird / biß man wird schreiben 1216. da wird ein Held durch Mannheit den zweyfachen Adler erlangen / und das Käyserthumb löblich verwalten / auch Oesterreich / Böhmen und Hungern ihme unterthänig machen / solche auch mit seinen Nachkommen so lange beherrschen / biß ein greulicher Tyrann von Mitternacht / Pohlen / Schlesien / Laußnitz und Sachsen verwüsten wird / da wird sich diese Hoheit ändern; unterdessen aber wird die Käyserl. Würdigkeit / bey denselben Stamm-Erben verbleiben / über 600. Jahr / wo unser lieber Gott unterdessen[175] nicht mit seinem unvergänglichen Ehren Reiche wird einbrechen. Ob sich aber schon der Adler etwas von ihnen wenden wird; und etliche mitten einkommen möchten / so in diesen Stamm nicht gehörten / so wird doch dieses nicht beständig seyn; sondern nur eine kleine Zeit bey ihnen beruhen / und sich zu dem vorigen Stamme / als Ertz-Hertzogen werden / und durch Oesterreich wird er seine Gewalt erhöhen / Er wird 20. Königreiche durch Erbschafft und Weltlichen Witz erlangen. Dieses erzehlet obgedachter Autor keinem Menschen zugefallen / oder iemand damit zu heucheln: denn ob er schon denen Catholischen nicht gut ist / weil er auch in öffentlichen Schrifften mit ihnen Part gehalten / daß er aber nun diesen Münch (fast wieder seinen Willen) in seinen Chronicken (derer 5. in offentlichen Druck sind) und anderen Schrifften / weil er sehr viel Bücher geschrieben / und ein sehr berühmter Historicus ist /) hoch gerühmt / ist an ihme lobens werth / daß er seine Affecten der Wahrheit nicht vorzeucht / und rühmt was zu rühmen gebühret. Was bedarf es hiervon viel Wort / er ist sonst kein Heuchler / was ihme auch seine mit Consorten wegen der Warheit (darvor es gehalten) mit gespielet / auch den Landes-Fürsten wieder ihn verhetzet / der zugelassen / daß ihme alle seine Bücher und anders (ob er sich schon gut Lutherisch erkläret) zu Manßfeld öffentlich verbrannt worden / was er sonsten vor Händel zu Manßfeld gehabt / da er in einem Articul mit seinen Consorten nicht einstimmen wolt / stelle ich an seinen Ort / gehet auch mich nichts an / er fechte gleich was er wolle / und leide drüber was er kan / gehöret hieher gar nichts / sondern er braucht allhier der Auffrichtigkeit / die einem jeden Historico eignet und gebühret / und erzehlet die Sache wie er sie funden / und stellet das Iudicium einem andern heim / doch rühmet er dieses Münchs Weissagung trefflich hoch / in deme er befindet / daß er mit derselbigen sehr eingetroffen hatt. Bißhieher jener. Mann betrachte nunmehr das Intervallum, so ferne ja der Calender-Schreiber und dieser Hossmannus, dem Bruder Sebaldo gläuben: Nemlich der Gestalt kömpt der besorgte Ruin allererst im Jahr Christi 1816. Welche Zeit weit vom 1666. ist: Der gütige GOtt sey aber diesem Orte allezeit gnädig / und alsdenn auch / gedencke er dieser Stadt im besten; So ferne irgend eine Posterität verhanden ist / und uns der liebe GOtt nicht allbereit mit einan der in dem Himmel hat.

Quelle:
Praetorius, Johannes: Anthropodemus plutonicus. Das ist eine neue Welt-beschreibung [...] 1–2, Magdeburg 1666/67, S. 151-176.
Lizenz:
Kategorien:

Buchempfehlung

Reuter, Christian

Der ehrlichen Frau Schlampampe Krankheit und Tod

Der ehrlichen Frau Schlampampe Krankheit und Tod

Die Fortsetzung der Spottschrift »L'Honnête Femme Oder die Ehrliche Frau zu Plissline« widmet sich in neuen Episoden dem kleinbürgerlichen Leben der Wirtin vom »Göldenen Maulaffen«.

46 Seiten, 4.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Geschichten aus dem Biedermeier III. Neun weitere Erzählungen

Geschichten aus dem Biedermeier III. Neun weitere Erzählungen

Biedermeier - das klingt in heutigen Ohren nach langweiligem Spießertum, nach geschmacklosen rosa Teetässchen in Wohnzimmern, die aussehen wie Puppenstuben und in denen es irgendwie nach »Omma« riecht. Zu Recht. Aber nicht nur. Biedermeier ist auch die Zeit einer zarten Literatur der Flucht ins Idyll, des Rückzuges ins private Glück und der Tugenden. Die Menschen im Europa nach Napoleon hatten die Nase voll von großen neuen Ideen, das aufstrebende Bürgertum forderte und entwickelte eine eigene Kunst und Kultur für sich, die unabhängig von feudaler Großmannssucht bestehen sollte. Für den dritten Band hat Michael Holzinger neun weitere Meistererzählungen aus dem Biedermeier zusammengefasst.

444 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon