V. Von Erzimmerten Menschen.

[228] Giebt es wunderliche Schosen in irgend einem Capittel dieses Wercks; so seynd solche auch hier zu finden. Nehmlich bey D. Laurenbergio in Acerr. Philol. Cent. 3. hist. 2. p. m. 3. stehet: wie der weise Plato in seinem Gespräche Memńone: und jenes Discipel der Aristoteles, viel wunderliches Dinges schwatzen / von dem Künstler Dædalo: wie derselbige unterschiedliche Bilder geschnitzet und verfertiget habe: welche nicht allein von sich selber hingangen / und was man ihnen zu arbeiten und zuverrichten anbefohlen / alsobald gethan und vollfuhret haben:[228] Sondern auch nach geschehener Arbeit / wenn man sie nichts flugs angebunden / daß sie bald von sich selber davon gelauffen / und nicht wieder gekommen seynd. Hierüber stehet beym Pontano l. 3. part. 1. Progymn. Dial. 9. daß die Egyptier die Bildnüssen ihrer Götter dermassen künstlich gezimmert haben / das sie haben gehen und reden können: Daher der Homerus diese Menschen wegen ihrem nachsinnlichen Verstand und verschmitzte Nachsinnligkeit / genannt hat ἀλφητὰς. Aber was saget Benedictus Pererius davon l. 1. de Mag. p. 51. etc? Es macht auch die Zauber-Kunst / das die Seulen und andere leblose Dinge / gehen / und nach Art der Menschen reden: Nehmlich wenn ein Dæmon sie regieret und beweget. Also ist geschehen welches beym Philostrato gelesen wird / mit den Steinernen drey Füssen und ehernen Schencken / welche beym Jarchâ in gegenwart des Apollonii, bey einer Gasterey / sich bewegten / und an statt der Auffwärter zu Tische dieneten / Becher darreicheten / und denen Gästen zu rechter Zeit essen aufftrugen. Weiter geschiehet es daher auch / das die Seulen / Bäume und Thiere wie Menschen reden. Welches Valerius Maximus lib. 1. c. ult. erzehlet von einem Simulachro Junonis Monetæ etc. Und hievon ist nichts anders zu halten / als daß ein Dæmon die deutliche Menschen-reden in der Lufft darbey / oder in den Bildern selbsten formirt.[229]

2. Michael Saxe im Alphabet. Histor. p. 383. etc. von S. Niclas Wettlauff. Zu Gripswalde in Pommern stunde in einer Kirchen S. Nicolaus Bild / da steiget bey Nachte ein Dieb hinein / den Gottes-Kasten zuberauben / und spricht zu S. Nicolaus: O Herr Nicolae / ist das Geld dein oder mein? komm wir wollen einen Wettlauff darumb halten / wer am ersten zum Gotts-Kasten kömpt / soll gewonnen haben. Was geschicht? das Bild beginnet zu lauffen / und überläuffet den Dieb zum dritten mahl / der antwortet und spricht: Mein Herr Nicol / du hast redlich gewonnen / aber das Geld ist dir kein nütze / denn du bist Holtz / und darffst kein Geld / ich will es zu mir nehmen / und einen guten Muth darbey haben. Bald hernach stirbt der Kirchen-Räuber / und wird begraben / aber die Teuffel haben seinen Leib auß dem Grabe genommen / und denn / bey den geraubeten Gottes-Kasten geworffen / endlich für der Stadt an eine Windmüle gehencket / die hernach immer lincks soll umbgelauffen seyn. M. Wolffgang Büttner / Item / Fest-Chr. fol. 113. D. Rivandri.

3. Bey der Stadt Chunking in Sina ist ein Berg gewißlich aller verwunderung wehrt; Denn er ist von den Sinensern / so Heydnische Götzendiener sind / zu einem Gotzenbilde formiret[230] und außgehauen. Derselbe Götze sitzet mit untergeschlagenen Füssen / und hat die Hände auff einander im Schoß liegen. Seine Grösse mag man daher abnehmen / das man seine Augen / Ohren / Nasenlöcher und Mund über zwo und mehr Meilen siehet. Darumb soll es gar kein Wunder seyn / das vorzeiten Dinostratus, der berühmte Baumeister / nach Vitruvii Bericht / dem Alexandro Magno versprochen / auß dem Berge Atho ein Bild zu machen / das in einer Hand eine grosse Stadt / in der andern einen Fluß hielte / oder eine See / den Innwohnern allen Mangel an Wasser zuersetzen: Sintemahl dieses gedachten Götzenbildes Haupt allein zu beyden Stücken gnug were. Extraict du Liure in titulé Avanture.

4. Raue in memorab. cap. 106. fol. 98. Boißardus im Buch von Zauberey cap. 1. gedencket Julii Camilli eines glaubwürdigen Manns welcher berichtet / es habe seiner guten Freunde einer ein junges Kind in einem Alembico herfür gebracht / und etliche Stunden bey Leben erhalten / welches zwar eine wunderbahre Sach / wenn es wahr ist / aber spricht er / ihre Sachen sind voll lügen und mögen vielleicht vor Heydnisch und gottloß / auch den Christen unziemlich / gehalten werden. Viel glaublicher ist es / das der Künstler durch Mechanische Kunst und Werckzeug etlicher massen der Natur nachfolgen könne / aber[231] nicht natürliche Wercke / als welche durch die Seelen vollkommen werden / nachmachen; wie man denn weiß / das Architas vorzeiten eine Taube zugerichtet / so von sich selbst fliegen könen / deren der Philosophus Favorinus bey A. Gellio gedencket / das er aber auß Fleisch und Federn eine wahre lebendige Taube zurichten können / ist unglaublich. Also hat auch des Mercurii Bildnüß geredet / und bezeuget Franciscus Georgius im Buch de Harm. mund. es habe Albertus Magnus ein ährnes Haupt zugerichtet / welches verständlich geredet / deßgleichen hat nuch Baco ein Engelländer zugerichtet / welches gesprochen / es ist die Zeit / die Zeit ist gewesen / die Zeit ist vergangen. Von dem Rüstbaum unter welchem Thespion mit den Gymnosophisten gesessen / haben wir anderswo gemeldet / daß derselbige mit einer weibischen / doch verständlichen / Stimme Apollonium Thyanæum gegrüsset / und etliche Aeste ihme zu Ehren gebeuget / und Reverentz erzeiget: wiewohl ich dieses alles vielmehr dem Teuffel zuschreibe / denn einigen Künstler oder natürlicher Krafft. Denn es ja nicht eines Baumes Eigenschafft ist / verständlich reden und sich bewegen / wiewohl von dem keuschen Baum Theophrastus bezeuget / das er / wenn ein Mensch oder Thier sich hinzunahe / seine Aeste einziehe / und in deren abweichen sich wiederumb außbreite. Beyneben sind noch etliche[232] andere vorhanden / deren Ursprung sehr wunderbahr / und übernatürlich / als des Æsculapii, dessen Mutter Coronis / dieweil sie von dem Apolline geschwängert / von der Diana erschossen worden / als sie aber auff den Scheiterhauffen zuverbrennen geleget / hat der Mercurius auß ihrem allbereit verstorbenen Leibe eine lebendige Frucht den Æsculapium herauß gezogen etc.

Demnach in der Chymisten Schrifften von der Philosophischen Frucht oder Kind (dahin auch Dionysii und Aesculapii Ursprung zielet) hin und wieder meldung geschiehet / haben etliche Verständige solches von einem Menschen / oder Kind durch die Kunst zuzurichten / außgeleget / und daher viel grosser Betrug / die Einfältigen zu betriegen / ertichtet / wie in dem Examine furor. Pseudochym. gedacht. Dahin gehöret auch / was etliche von dem Menschen-Samen / (so doch gantz schändlich und abscheulich) in einem Hüner-Ey zuverschliessen meldten / welches denn durch das außbrüten der Hennen / oder in einem Offen / zu einem kleinen Menschen solle verwandelt werden: so doch / wenn es nicht gar teuffelisch / dennoch zauberisch zu achten. Denn die Menschen können nicht in den Eyern durch Kunst gezeuget werden /wie die jungen Hüner / nach ihrer Natur / wiewohl man tichtet / es sey die schöne Helena / die eintzige Ursache des Trojanischen Krieges / das ist des Philosophischen Chymischen[233] Wercks / mit dem Pollnce / auß einem Ey / und Castor mit der Clytemnestra auß einem andern herauß gekrochen / so von der Læda / ihrer Mutter / nach dem sie von dem Jupiter / in eines Schwanens Gestalt / geschwängert / gelegt worden.

5. Und wer wolte allhier alle und jede Gebenheiten / theils possierliche / theils künstliche / theils aberglaubische / erzehlen / so man von denn Mensch-enzigten Bildern hat? als davon man außn Bapstthume und Legendis Patrum alleine solte ein Buch zuwege bringen / von dem Marien etc. Bilde. Matth. Hammerus in virid: Histor: p. m. 80. 81: erzehlet auch wie zu Alexandria / im Tempel des Saturni / ein Heydnischer Pfaffe betrieglich auß des Saturni Bilde geredet / und viel schöne Weiber durch etliche Jahr zum Beyschlaff beweget habe. idem ibid: p. m. 77. 78. Die Moscowiter ehreten vor Jahren den Abgott Peru / aber als sie zum Christenthum kamen / haben sie ein Kloster dahin gebauet / wo der Abgott gestanden hat / sie wurffen endlich ihren Abgott in das Wasser / die Wollga genannt / da schwam er auffwerts wieder den Strom; und ließ sich eine Stimme hören / er wolte den Novogardien etwas zur letzte lassen. Warff eine Stange auff die Brücken und verschwand. Man höret noch alle Jahr auff einen Tag dieses Abgotts Stimm / so bald es die Bürger vernehmen / lauffen[234] sie zusammen / schlagen einander mit Stecken und Stangen / das mannichmahl etliche darüber todt bleiben / wenn nicht der Landvogt in der Zeit abwehret. Pantaleon. p. 83.

In übrigen besiehe Harstörffern in Erquickst. Tom. 2. part. 15. c. 13. p. m. 547. etc. wie man ein Bild /vermittelst der Sonnen / könne tönend machen / als des Memnonis gewesen? ibid: Tom. 3. part. 6. c. 14. p. 406. 407. Wie ein Bild zu machen / das sich von der Lufft bewege? ibid. c. 13. p. 405. 406. Wie man unterschiedliche Bilder sol tantzen und bewegen machen? wie man denn nach solcher / und dergleichen Art / gantze Comædien von kleinen Püpgen oder grossen Menschen-Bildern / spielen siehet / und alle Kunst-Kammern davon zu singen und zu sagen wissen. Im übrigen gehören allhierher fast alle Werck und Kunstmeister / die nunmehr so hoch kommen / das fast keiner unter ihnen ist / der auch nicht solte Menschen-Bilder machen. Fürnehmlich aber gehöret dieses Alphabet dahin: als drinen 1. die Aertz und Geldmüntzer; da nicht allein der wilde Mann sich auff den Thalern sehen lässet / sondern es auch mit allen übrigen heisset / qvis potest resistere tot armatis? Ja sagt man doch gar / das Adam der erste Mensch auß Gold-Erde formiret sey. Vide meinen Rothfuchs. 2. Becker / nicht allein in den Pasteten / sondern auch andern Semmeln / und Honig-Kuchen etc.[235] 3. Constabeln. 4. Drucker. 5. Eisen-Gold-Glocken-Blech-etc. Schmiede: als hat ja der Vulcanus die Pandoram gemacht. Ovid. in Metam. So hat man auch von lautern Drate Menschen gezogen gesehen. So macht der Plattner auch Harnische. Vide Hartmann. Schopperum von allen Handwercken lit. H. G. 6. Form schneider / Bildschnitzer / Steinschneider. Schopperus d. l. lit. D. 4. & Kirchmann. de annulis und viel andere Autores de Statuis. etc. 7. Glaser und Spiegelmacher: welche Menschen machen ohne Bildnüß /welches sich selbsten machet: Und sind also die Künstlichsten Anthropomorphitæ, oder Anthropœi. Im übrigen wer hat nit auch gantze Gläser in Menschen Gestalt gesehen / oder das mit dem Demant / Schmergel / etc. Menschen-Bilder in Gläser geritzet seyn? Vide Schopperum d. l. lit. K. 5. 8. Hüttiger oder Huttmacher / welche auch mit ihrem Filtze Männlein vorbilden. 9. Imffer / Gärtner / welche mit sonderlicher Flechtung und Beugung der Bäume und Standen / Menschen-Bilder præsentiren / Item solche Beetgen in Gärten abtreten und mit Buxbaum umbgeben / die wie Menschen außsehen. 10. Kannengiesser / die auch theils gantze Stücke in Menschen-Gestalt hervor bringen / theils euserlich solche drauff stechen. 11. Leim-Thon-Töpff-macher / die es meisterlich mit den Kacheln so machen / wie alle Oefen davon zu singen[236] und zu sagen wissen. 12. Mahler / als der Fenster / Garten / Brieffe etc. Und dieses sind die rechten Gottes-Affen. Vide multa bey A. Bossens Etzkunst p. 128. etc. und Harsdörff. in Erquickst. Tom. 3. part. 3. c. 39. p. 259. Schopperum d. l. lit. E. 7. Und wem ist diese Schertzrede nicht bekannt jenes Kunstreichen Mahlers / der sonsten sehr ungestalte Kinder gehabt hat: Nehmlich das er diese bey stockfinsterer Nacht bilde / seine zierliche Contrafect aber beym hellen Sonnenscheine. 13. Näterinnen / Seidenstickerinnen. 14. Obstzerleger oder Trintschierer / davon ein absonderlicher Theil dieser Kunst im Kupffer verhanden ist / nehmlich des Harsdörffers. etc. 15. Possierer in Wachs / Gips / etc. davon zu Leipzig etwa vor 9. Jahren auß Nürnberg ein trefflich Kunststück von lautern Wachse zu sehen war / der Engel-Gruß genannt / da die Jungfrau Maria / der Engel Gabriel / etc. recht in Mannsgrösse mit ihren Bewegungen præsentiret wurden / nebenst vielen spielenden Engeln auff allerhand Instrumenten etc. 16. Rothgiesser / Kupferschmiede. 17. Schneider / welche / wenn sie den Leuten gemacht haben schöne Kleider / davon mit recht können sagen lassen; das Kleid macht den Mann / wer es hat / der zieht es an. 18. Trechsler etc. also habe ich sonderliche Dintenfässer gesehen in Manns-Gestalt: Ich geschweigt des übrigen Puppenwercks / davon[237] man umb die H. Weynacht-Zeit jährlich die hülle und die fülle auff den Märckten siehet vor andern Zeiten. 19. Uhrmacher. 20. Weber / bey denen die Kunst auch so auch gestiegen ist / daß sie gantze Menschen-Gestalten außwircken können. 21. Zuckerbäcker etc. Ich muß allhier der Feurmaurkehrer / Schorsteinfeger / oder Camin- und Ofen innerliche Putzer nicht vergessen; welche Bilder von hartem Holtze oder Steinen oder Thon / oben hinauff in denen Feurmäuren stellen / und solche vom Rauche und denen Dünsten / so sich auß dem nassen Holtze ziehen / beräuchern / bekleiden oder bedecken lassen: So haben sie rechte Vulcanos dran zu præsentiren / ich weiß nicht wofür Alexicacos. Und dieses könten auff solche Mode auch wohl nachahmen die Halurgæ oder Saltzleute / mit dem herabtreuffeln floris salini, Halosanthos genannt / davon sie sonsten Saltzpfeiffen offerirn, die wie die Eyßzapfen außsehen und generirt werden. Alle diese /wollen gleichsam dem lieben GOtt ins Handswerck fallen / unn ihm abgelernet haben / gleichsam Menschen zu machen: Wie etwan auch also kurtzweilet Otto Melander in Jocoseriis vom Teuffel bey seiner Erschaffung der Münche. Nehmlich alle Leute wollen es heissen lassen; Non dignus vitâ, per qvem non vivit & alter: Ein gleiches gesellet sich zu seines gleichen. Und gehöret dieses sonderlich zur Menschlichen Majestät für andern[238] Creaturen dahin / das nicht allein der Mensch nach seiner Humanität, die Gesellschafft liebet / sondern auch machet. Als siehet man bey allen jungen Knaben / das sie hurtig mit ihrer Kreyden oder Kohlen seynd / einen Kerl zu machen / und seviros præstare. Das thun auch die Hirten auff ihren Peitzschstecken / auff höltzern Löffeln / die Mühlknappen auff ihren Aexten / die Bauer-Knechte auff ihre Harcken / welche sie ihren Mägden verehren zur Erndten-Zeit / auff ihren Messerschalen etc. Und mag man endlich diese Prosopopœjam eher und mehr loben / als die Anthropophagiam der wilden Leute /welche dennoch Scalig. in Subtil. excusiren will contra Card. Oder Anatomicos, welche daher von vielen getadelt werden / das sie contra naturam seyn / qvæ abhorret à corruptione sui: welche aber wacker vertheidiget werden von D. Johann; Theod: Schenckiô in programm: Anno 1657. Jen: de utilit: Anatom.

Im übrigen ist auch hier etwas zuvermelden von der materie / worauß und worinn man die Menschen Bilder zu formiren pfleget; Solche seynd entweder (nachm Alph.) 1. Adelgesteine. 2. Beine von Elephanten oder Hirschen etc. Horn etc. 3. Craut und Loth oder Pulver / Schwefel und Pech im Fenerwercke. 4. Dunckel Schatten: Also bildet sich ein jeder ab an der Erde / im Spiegel / im Wasser / in eines andern Augen etc 5. Erde / als dahinein nicht allein [239] Menschen-Bilder gegraben werden / sondern da auch gantze grosse Berge zu Menschen-Gestalten seynd gerathen. 6. Farben: wer wolte diese alle erzehlen? Als gehöret dahin die Kohle. Vide an A. Bossens Etzekunst. p. 154. die Kreyde / Röthel / Bleyweiß etc. Und hiemit gehaben sich auch die kleinesten Kinder / sollten sie auch gleich monogrammos homines machen / das ist / mit einer Linie abzirckeln. vide Budæ: in Lex: Cic: l. 2. Deor: ex Epicur: wiewohl dennoch dabey zu mercken ist / das manchmahl / mit einer Linie oder einem Zuge / ein Mahler oder Schreiber ein sehr künstliches oder verwunderliches Bild præstiren kan: Also besitze ich in meinem Hällischen Stammbuche den Cupidinem mit einem Zuge gemacht / durch alle zugehörige Stücke / als Flügel / Bogen / Pfeile etc. Ich muß allhier beym Buchstaben F. auch noch des Fleisches gedencken / drinnen nicht allein übernatürlicher weise Menschen-Bildnüssen seynd exprimirt angetroffen worden: sondern auch mit denen Brenn-Eisen eingesenget werden natürlicher oder künstlicher weise: Wie sich denn auch nicht minder die Balbirer und Bader drauf verstehen / daß sie mit ihren Flieten oder scharffe Hacke-Eyselein / denen Schröpfenden gewohne seyn / so wohl Rosen / Lilien / Kleeblätter / etc. als Menschen-Figuren in das blosse Fleisch hinein zu hauen / und homunculos sangvineos, und Hæmatanthropos zu machen. 7. Glaß-Nicht[240] allein daß man sich darinne spiegelt / sondern das es es auch gantze Menschen-Bilder in sich geritzet und auff sich gemahlet hat. Wie denn vor wenig Jahren ein wacker Künstler allhier war / der ex tempore mit seinem Röhrlein beym Lichte auß einem andern unförmlichen Stücke Glase / allerhand kleine gläserne Bilder blasen kundte. 8. Holtz / als (1.) wenn Menschen-Gestallten in eines Baums / Kürbs / etc. Kinde / hinein geschnitten werden; so haben auch solche Bilder dieses verwunderliche an sich / das sie von Jahren zu Jahren grösser werden. Nach Virg. Crescent illæ, crescetis amores. Vide part. 2. meiner Weynachtfratzen. [2.] Hat man allhier zu Leipzig in der Thomas-Kirche im Chore über der Sacristeyen-Thüre ein sehr köstliches und künstliches Epitaphium von einerley Farben Holtz gemachet / drinnen allerhand Bilder gar schön eingeleget herauß kommen. etc. Ich geschweige andere Opera und Artificia Tessellata oder Emblematica, und Statuaria. So hat man auch [3.] Menschen-Bilder auß geflochtenen Reisern / wie die Matzen in Vallesiâ etc. Ich geschweige der Gauckelmänner von dem Hollundermarx oder medullâ etc. 9. Imagination: als bildete ihm jener ein / Amo were ein klein Bübgen / und gienge in der Stuben mit einem grünen Mäntelgen herumb spatzieren. Jener König bildete ihme am auffgeschüsselten Karpen-Kopffe / das Gesichte seines umbgebrachten Hoff-Raths[241] ein. Hieher gehöret / wenn man auß der Philologie einen solchen Menschen zimmern und zusammen bringen wolte / der da hette / einen eysernen Kopff / Stroherne oder Butterne Arme / Lud. Viv. in Colloq. ein eysern Maul / ein felsernes Herze / Finger von Peche gemachet / Schlangen-entzende Haare / eine güldene Hüffte / nachm Prov. radere aureum femur Jovis. Einen küpffernen Bart etc. 10. Korn / Mähl / Honig. Vide meine Neu-Jahrs Grillen. 11. Leinwand / Tuch / Leder. 12. Metall / als da seynd Ertz / davon der Colossus bey Rhodo gewesen / Plin. lib. 34. c. 7. Hist. Nat. der 1080000. Pfund schwer. Schvventer. in Erquickst. part. 3. c. 53. p. 222. Bley / Eysen / Gold / Kupffer / Messing / Silber / als wie zu Goßlar alle 12. Apostel seyn sollen auß klarem Silber in Manns-grösse. Zinn. etc. 13. Nehe-Seide / Zwirn etc. 14. Obst (1) im schneiden: Also besiehe von Kürbsen oder Türckschen Aepfeln meinen Abergläub: Johannes-Topff. (2.) Im mahlen. Als habe ich zu Leipzig auffm Bilder-Hause etliche Contrafect gesehen / von lauter zusammengesetzten Obste; Als da eine Pirn etwa die Nasen præsentirt etc. Nehmlich es waren die 4. Jahres-Zeiten / da auß einem jedweden Quartal besondere Früchte geriethen zur Menschlichen Gestalt des Herbstes / Frülinges etc. 15. Pergament / Pappier; als drinnen es entweder (1) hinein gepreget wird auff der[242] Pappiermühle mit dem Drahte / als der wilde Mann etc. (2) So werden auch Menschen Bildern vom Buchbinder so wohl auffm Schnitte / als auffm Bunde / hinein gestochen oder gepresset. (3) So kans auch Schatten-weise verrichtet werden / wenn ein ander gemahltes oder geschnitztes Bild zwischen einem Lichte und ein rein Pappier gehalten wird. (4) Geschiehet es durch das gewöhnliche mahlen. Und [5] durch das unterlegen / mit Taffet / oder Atlas; wie meum album davon ein Kunststücke hat in Leipzig verfertiget / im Jahr Christi 1654. am 10. Auge nebenst einer Schrifft / und zwar (hie verwundere dich!) mit den Füssen / von Theodoro Steiben / von Wien auß Oesterreich bürtig / gäntzlich ohne Hand und Arm gebohren / einem nicht alle zugrossen Manne / der es in meiner Gegenwart machete / wie er denn auch sonsten schöne und sehr wohl getroffene Contrafect, auch also zusehens / machete. (6) So werden auch ins Pappier die Bilder gedruckt / durch den Buch- oder Kupffer-Drucker / item mit Petschafften hinein geschlagen / wenn zuvor Oblaten drunter geschoben seyn etc. (7) So kan mans auch mit Nadeln im durchstechen præstiren. Und weme seynd (8) nicht bekannt die Puppen auß Pappe gemachet? (9) Ein verwunderlichers und Kunstreichers ist es / daß man mit subtilen Scherigen oder subtilen Messergen sehr artige Bilder hinein[243] schneiden kan / auff das allersubtileste: wie davon mein album zeuget auß der Erfindung Herrn Henrici Scholtzens / Bregâ Silesii, vom 1655. 9. Maji. Wolte man (10) auch eine besondere Art zu mahlen und zugleich zu drücken hieher bringen / vom Türckischen Pappiere / so könte davon nachgeschlagen werden Harsdörffer in Erquickst. Tom. 2. part. 14. c. 13. p. 523. etc. Ich hette schier außgelassen / was ich selber mit Verwunderung gesehen habe / (11) wie ein stattlicher Mahlschreiber / ein vollkömmliches Bildnüß mit der Feder auffm Pappiere mahlete / mit allen pertinentien / daß einer geschworen hette / es were vom gestochenen Kupffer abgedruckt gewesen. So habe ich auch (12) Bilder-Reime gesehen da gantze Menschliche Gestalten / durch künstlich versetzte Wörter und Zeilen / seynd zuwege gebracht gewesen / durch Schreiber und Drucker / nehmlich auffm Pappiere. (13) So kan es auch geschehn / durch artige poetische und oratorische [wie denn der Mensch ein commune objectum ist aller Disciplinen und Facultäten] Beschreibungen; dadurch man einen Menschen so eigentlich kan vorbilden / als wenn er gegenwärtig stünde und sich mit Augen anschauen liesse. (14) Durch künstliche Legung und Biegung eines pappierenen Bogen / als auff welche weise man auch / ich weiß nicht / wie vielerley Gestalten / als Kähne / Schiffe / Tauben / Fische / Leuchten etc. etc.[244] zuwege bringē kan: wie davon stattliche Nachricht giebt die Friestr- oder Krüppel-Kunst / welche mit ihrem brechen / solche gewöhnliche Formen sonderlich mit dem gestärcktē Leinwande zu leisten lehret. Vide Harstörff. (15) Nehmen andere Künstler drey in einerley grösse Kupferstücke / und zerschneiden zwey davon in viel Striemen und länglichte Stücke / wissen solche / auff das dritte / so zierlich und künstlich wider anzukleben und nach der Seiten auffgericht säste zu machen; daß man dergestalt drey Bildnüsse in einem hat / wenn man die verfertigte Taffel mit überzogenen und damit eingefasseten Kristall oder Glase / darnach drehet / und verkehret ans Licht hält. Sehet / auff wie gielerley Art und Weise das Pappier einen Menschen auß und in sich vorbilden kan! 16. Quell-Wasser / im spiegeln / oder wenn dergleichen Löcher oder Teiche in die Erde gegraben werden / wie Menschen-Gestallt / wenn sie mit Wasser außgefüllet worden. So habe ich auch gesehen / das sich etliche Leute mit den Gieß-Kannen und Krügen drauff verstanden / daß / wenn sie einen Aesterich oder Sahl etc. kehren wollen / vorher in eil / im Staube rechte Menschen-Bilder mit dem Treuffeln zu leisten gewust haben. Und vielleicht gehöret hieher auch das Schweißtuch Veronicæ, / drinnen der HErr Christus / sein gantzes Angesicht soll abgebildet haben. Will man auch hieher die Biler ziehen / die einem schlaffenden im[245] wasserichten Gehirne vorkommen? Ich geschweige itzt des Eyses und Schnees / und Hagels oder Schlossen / drinnen / theils natürlicher / theils übernatürlicher weise / Menschen-Bildnüsse angetroffen worden. 17. Rauche Haar / drauß man gantze Bilder zu machen weiß / wie auch die Weber gantze Kleider / nebenst den Kürschnern. So ist auch nicht minder bekannt / die neue invention der Mahlerey / auff Filtz zu mahlen. 18. Stroh / Binsen / etc. Ey wie werden da hin und wieder für wunderliche Popelmänner gemacht / so man auff den Eckern hinauß stecket / die Vögel und das andere Viehe damit wegzuschüchtern etc. Vide meinen Mägdetröster tit. worzu das Stroh gut ist? So ist auch zu unser Väter Zeiten gebräuchlich gewesen / theils in Fastnachten / theils am ersten April einen andern / entweder kurtzweils oder schimffs halber / solche Strohmänner zuzuschicken oder ans Fenster zu stecken / die sie drunten in der Marck / Pfuy genannt haben. So ist auch auff etlichen Dörffern noch gebräuchlich / wenn sie jährlich umb Ostern den Todt außtreiben / das sie theils von Stroh / theils von Lappen / ein Menschen-Bild machen / und mit sonderlichen Ceremonien ins Wasser werffen. Weiter muß ich hier sonderlich nit verschweigen das neulichste inventum, da man auß dem natürlichen gelben Strohe / allerhand verwunderliche Bilder an Thieren / Bäumen / Menschen zu legen[246] gelernet hat / das man sich drüber erfreuen muß / wenn mans siehet / etc. 19. Thon / Leim / Gips; als drauß die Blumen-Töpffe etc. werden. 20. Versen / als drauß die Bilder Verse gesetzet werden. vide mea Admiranda Poëtica. 21. Wachs / Haußblase etc. von Wachsbildern zu Frauendorff in Preussen. vide Hammerum in Virid. Histor. p. 65. 22. Zucker / als im Marcipan. etc. cui non dictus Hylas? von allerhand Steinen ist nur noch ein weniges zu gedencken; als daß nehmlich Menschen-Bilder gestochen / gegraben / geschnitzet etc. werden / auß Alabaster / Bernstein / Tach- oder Schiefersteinen / Jaspis / köstlichen Diamanten / Leichensteinen / Marmol / Onickel / Perlemutter / und Perlen / Rubinen / Smaragden / Türckis / Serpentinstein / etc. davon die meisten Kunst-Kammern das ihrige werden auffzuweisen wissen / und mich daher vielmehr stilleschweigen / als reden heissen. Wiewohl ich dennoch dieses nicht kan unvermeldet lassen / das alle gedachte Menschen æquivocè so heissen / nur nach der euserlichen und nicht innerlichen Form / welche ist Mens, und davon eigentlich Martinius in Lexic. Philolog. das Wort Mensch will deriviret haben: Als welche dat Esse, distingvi & operari. Und hat man also sich bey obbesagten / lauter falsche Menschen zubefahren / und keiner wahrhafftigen Leute / als wir etwan / wo nicht der Ethic, doch der Physic[247] nach / seyn. Schlüßlich gehören zu solchen Ertichteten Leuten auch des Luciani, welche Augen haben (non emissitios, wie die staphyla beym Plauto, sed exemptiles) so sie herauß nehmen / und in ihren Bauch beylegen können / etc. des Zoili, welche eine befensterte Brust haben / daß man zum Hertzen hineinsehen kan; und die in beweglichen Häusern wohnen. Der Poeten und Hieroglyphicorum, welchen die Richter sollen verkapt / oder ohne Augen und Hände seyn / und nur Esels-Ohren haben. vide Pier: Ethicos & Politic. die Jungfern lahm / blind / stum / etc. vide meinen Jungfer-Tröster auß Gvevarr: Gülden: Sende-Schreib: die Weiber das Hauß am Halse tragen / Hesiod. des Morpheus Phantasmata; davon in meinem Historischen Traumbuche. Item Schlauffraffenland / Schnäblerland / zu Heydelberg edit: 1659. Thomæ Mori Utopia, oder Moronia genannt vom Libavio p. 170. l. 2. ad opus. diei 2. Hexaëm: vide Zeiler: part. 1. Epist. centur. 2. p. 500 501. ex Francisc. Sansovini del governo & amminist: di diversi Regni ex Republiche, lib: 22. item Zeiler. p. 850. etc. centur. 3. part. 1. Epist: 88. D. Joh. Balth. Schuppii dissert. de opinion. Scheræ. p. m. 216. Sprach-Schule. Irrland / drinnen jene Bibliothec gefunden. confer & M. Benedictum Cottam in Orat: 1. de causis eruditionis. [248] Atlantis nova Baconis Verulam: D. Joh. Reinbothi Beweiß von Keddens Sonnen-Stat. Regnum & Regia Plutonis Vincentii Mussæ, Francof: 1646. Elysium der Poeten / vide Bocatium p. 18. 19. l. 1. Geneàl: Deor. Narrland. vide Harstörffern part: 1. Geistl: und Weltl: Lehr-Geticht: p. 100. Conclave Ignatii de superioritate & præcedentia Neotericorum in Infernô. Terra Australis incognita & Bagded Judæorum. vide scriptum peculiare Spizelii Augustani, Schuppium p. m. 22. orationis, Hülsemann. in Disp de naturâ V. & N. Testam. Lips: 1647. litt. M. 3. §. 13. Calixt: p. m. 77. in XLIX. cap. Genes: D. Christiani p. m. 153. & præcipuè pag. 158. etc. de librô R. Benjaminis Tudelensis & R. Menasse Ben Israel in lib: spes Israelis etc. Nehmlich die verzweiffelten Leute / bilden ihnen / andern und sich selbst noch immerfort ein /wie ihr Scepter noch nicht entwendet sey / welches nummehr bald wieder in Auffnehmen kommen soll ex Regno Caspio. Da unterdessen ihr lang erwarteter Messias itzt sitze unter einem Thore (ô ihr Doren und träges Hertzen / zu gläuben alle deme / was die rechten Propheten von Messia geweissaget haben; daß er nehmlich auß Betlehem habe kommen sollen; darauß er nimmehr / GOtte sey ewig Lob / Preiß und Danck dafür gesaget! für 1666. Jahren gekommen ist.) zu Rom / zwischen den Außsätzigen. [249] vide, D. Christiani Disp: 2. de Messi. p. m. 51. [Hier muß ex Româ per anagr: Mora Messiæ kommen / o ihr Mori!] oder sich in die langen Haare Evæ im Paradiesse verwickelt habe / und nicht herauß kommen könne: O ihr Narrn seyd verstricket / das ihr nicht wisset / wie ihr auß euren Possen herauß kommen sollet; unsern und der gantzen Welt / und also auch Euern Heyland / hat vor längsten schon hie in dieser Welt / die bußfertige Sünderin Magdalena mit ihren Haaren / an seinen mit Thränen benetzeten Füssen umbgeben / aber bald drauß loß gelassen / wie sie gesegnet worden. Eben diese gottlose Buben / tichten auch / wie der Christen ihr Heerführer Armillus seyn werde / darwieder ihr Messias streiten sol: Nun beschreiben sie den Armillum folgender Gestalt / beym D. Christiani d. l. p. m. 72. 73. das zu Rom ein grosser Marmel-stein sey / in gestalt eines schönen Mägdeleins / der von keines Menschen Hand gemachet / sonder von GOTtes Krafft erschaffen sey. Und zu solchen sollen die verzweifelsten Menschen und bösesten Leute des gantzen Welt zusammen kommen / denselben erwärmen mit ihrem Beyschalffe / drauff würde GOtt etliche Tropffen des Samens mitten im Steine verhalten / und drauß ein Kind erschaffen / das eine Menschen-Gestalt gewinnen würde / wenn der Stein bey der Geburt / zerberste / und solchen würde man Armillum heissen / der würde[250] ihr Wiedersacher seyn / und die Heyden würden ihn Antichristum heissen. Dessen länge verhanden were von 12. Elenbogen / also auch die Breite von 12. Elenbogen: der Platz zwischen seinen beyden Augen soll eine Span groß seyn / mit tieff hinein liegenden röthlichen Augen / sein Haupthaar sol goldgeel seyn / und seine Fußsolen grün. Drauff würde Er zu den Gottlosen treten und sprechen; Ich bin Messias, und eurer GOtt: Sie aber werden flugs an Ihn gläuben / sich auß allen Ländern versamlen / etc.

Schlüßlich mercke auch hier / lieber Leser / wegen des neuligen Geschreyes von den Jüden / daß sie nehmlich auff dieses mahl treffliche speranz wieder haben / wegen ihres ad tædium erwarteten Messiæ, und wird davon noch viel Dinges mit verwunderung künfftig gehöret werden / wie ich schon solches allbereit vor dieser Zeit prognosticiret habe / vide meinen wunderförmlichen Allmach vom 1666. Jahre. Item meine neue Astrologiam Cometicam. Anitzo gnug von dem wunderlichen Platone und vierschrötichten Armillô.


Ein gewüntscheter Anhang / von unnatürlichem Seyden-gewürcke


Weme ist nicht noch bekannt / was sich bey Naum burg unlängst mit der vom Himmel herunter gefallenen blauen Seide zugetragen hat?[251] Ich will aber dennoch zum Uberflusse / über mein damahliges publicirte Wercklein / allhier / der Nachwelt zum besten / folgenden Theils außführlichern / theils confirmirten Bericht / mittheilen: welcher bestehen soll 1. in der Erklärung / davon hernach. Und 2. in etlichen Urkunden: als da seynd 1. M. Christoph Schieferdeckers des Orts Pastoris, also: das vorweiser dessen / Christoph Hahn / sonsten von Zwickau bürtig / sich etliche Tage bey uns auffgehalten / und die Gelegenheit des Orts / wegen gesundener blauer Seide / so heuriges 1665. Jahr sich hin und her auff dem Felde den 18. Mart. in grosser Menge hat finden lassen etc. 2. Ein Bekäntnüß auß dem Dorffe Grsößnitz / in dem Ampte Freyburg gelegen / ist die blaue Seide den 18. Mart. früe morgens im Felde gesunden / und auffgewunden worden: da solche Faden auff der Saat und Stoppeln / in die länge wie Sommer / gelegen; Und weil Christoph Han von Zwickau / ein Liebhaber der Bilder-Kunst / solchen Ort den 16. Jul. selber besucht / so hat er etliche Faden auß der Gemeinde / von uns selbsten empfangen / und ist ihme zum Scheine solches gegeben und mitgetheilet. Geschehen den 16. Jul. Ao. 1665. Hannß Hoffmann Schultheis zu Größnitz: Paul Frömigen daselbst Christian Koch auch daselbst / Schöppen. 3. Kundt und zu wissen sey iederman gethan / wie daß Christoph Han / den 17. Jul. zu Stedten[252] ankommen / etwas von der blauen Seide sich zu erfragen / wie es damit zugangen? welchen Tag solch Wunderzeichen geschehen? so muß ich / für meine geringe Person / weil der vorgemeldte Christoph Han bey mir eingesprochen / sich da erfraget / auch etwas von der blauen Seiden bey mir bekommen / ihme diesen bericht thun / daß solche blaue Seide nicht in dem Flur Stedten ist gesunden worden: sondern in dem Flur Größnitz / welches zwar ein Kirchspiel ist / und ist gefunden worden den 18. Mart. den Sonnabend vor dem Palm-Sonntag / ist denselben Tag nebelicht gewesen / und ist auff den Stoppeln und auff der Saat gefunden worden / wie der Sommer / fädenen 20 / 30 / 40 / 50. auch wohl 100. Ellen lang / auch zusammen gewirret / da gelegen: Seynd beyde Dörffer Größnitz und Stedten im Ampt Freyburg gelegen. Michael Lindener Anno Christi 1665. den 17. Jul. biß hieher / zufälliger weise / von etlichen documenten und Uhrkunden / so mir der curiose Christoph Han ein alter ehrlicher Mann communiciret hat / nach deme er die Unkosten drauff gewendet hatte / und selbst in Person das Dorff Größnitz besuchet / und sich umb die Warheit der Wundergeschichte beworben und erkundiget gehabt. Mercke daß jener Herr Pfarrer zwar in dem Dorffe Größnitz selber nicht hauset oder wohnet / sondern vielmehr in dem benachbartesten Dorffe / doch prediget Er[253] gleichwohl dort auch in der Größnitzischen Kirche. Weiter hat auch dieser Christoph Han mit einem Mägdlein im Dorffe geredet / welche auff ihrem Felde einen Faden über 100. Ellen zur rechten Zeit auffgewunden gehabt / der hernach unter andern Exemplaren nach Freyburg mit gekommen / als dahinwerts sich die Größnitzische Bauern sämptlich 2. mahl finden müssen / und vor Gerichte eydlich den Vorlauff und die Begebnüß außgesaget haben. Weiter sollen auch die Baurn bedauert gehabt haben / daß sie ihre Seide theils einer Edelfrauen umbsonst / und auch andern liederlich ohne Bedachtsamkeit / hingegeben hetten: da sie solche hernach theuer genung hetten mögen an den Mann bringen / oder für sich zum Angedenck auffheben / ja ihre Kirche wohl gar damit bereichern / und in Beruff bringen können / wenn sie solche dahin spendiret und verwahrsamb gethan hetten / da sie nach deme von viel 1000. Leuten allgemählich mögen admiriret werden: dafür sie sich hingegen selbst solches Schatzes beraubet und verlustig gemachet hetten; dergestalt / wann sie hinführo von ihrer Wunder-Seide was zu sehen begehreten / solche selber bey andern in der frembde suchen müsten. Wie sie denn sehr wenig Faden übrign gehabt / die Christoph Hahn von ihnen erhalten / und mir in Leipzig seynd gezeiget worden. Mag sich also der jenige Be diente wohl selber[254] drüber in die Zunge beissen / und sich schämen / das er mich einer Lügen bey einer hohen Person beschuldigen wollen / wegen des Tractats / so ich zeitig von solcher Seide / in den Truck herauß brachte; Gleich als hette ich das Prodigium ersonnen und auß meinem Gehirn erklaubet. Aber er ist selber mit seiner Ruchlosigkeit und Unbesonnenheit übel angelauffen; seine eigene Unterthanen haben ihn überzeugen müssen / und ihn auß seinem district etwas lehren können / das er von mir abwesenden Frembdlinge nicht erlernen noch glauben wollen. Ita miraculorū Domesticorū negligentes sumus, und erfinden kaum was unter Händen ist! wie ich auch drüber geseufftzet habe in einer andern Beschreibung / absonderlich auff einen Bogen gedruckt / und allhier bey denen Novellen appliciret: welches auch guten theils, befindlich ist ad verbum, in Registratore von Europâ, des Jacobi Nigrini zu Nürnberg gedruckt / pag. 50. etc. und auch also vielleicht dem Theatro Europæo wird einverleibet werden. Ein Wunder ists / das nicht einheimische docti am selbigen Orte noch zur Zeit davon geschrieben haben; sondern die hochwichtige rare Sache entweder verschwiegen / oder mir allein überlassen. Ferner hatten die Bauern dem Christoph Hahnen im Julio nach etliche Faden vom Acker auffsuchen lassen / welche aber durch krafft der Sonnen und der Feuchtigkeit ziemlich weiß außsahen und[255] zwar verwirret. Weiter waren auch die Einwohner in Größnitz sehr incuriosi und unachtsam der Wundersache daher gewesen / weil sie anfänglich gemeynet / es were Zauberey und Hexenwerck. Und habens daher nicht ansehen noch angreiffen oder in ihren Häusern leiden wollen; wenn die Jungen oder ihre Kinder gekommen waren / und hatten solche Seide mit sich vom Feld gebracht / und Schnüre davon umb die Hüte gedrehet gehabt: Ja sie hatten es zerrissen und weggeworffen etc. Etliche Mägdgen haben dennoch damit genehet in ihre Modeltücher und andere Läppgen / die ich zum theil gesehen habe. Die Richtigkeit von diesen allen ward mir noch unlängst weiter confirmirt von einem Gelahrten so zur selben Zeit zu Freyburg præceptorirt gehabt.

Hierauff folget nunmehr mein Bedencken / nebst erwehnung eines contemporanei prodigii vom Norrwegischen weissen Flore.


Nach dem ich auch / vor meine Person / einen ziemlichen und sattsamen Bericht eingezogen habe / auß vielfältigen Erkundigungen / auß etlichen Schreiben / und mündlichen Erzehlungen / wegen der wunderseltzamen hoch-blauen Seide / so bey Laucha vom Himmel gefallen / und allda häuffig auff der Erden nicht alleine angetroffen / sondern auch darvon auffgesamlet worden. So scheue ich mich nicht davon eine[256] sonderliche speculation herauß zu geben / und das Wunderding / der gegenwertigen und nachkommenden Welt zum besten / durch etliche circumstantien zubetrachten. Ich will hoffen der geneigte Leser /werde mein Vorhaben nit verüblen / oder ihme mißfällig vorkommen lassen.


Die Geschichts-Erzehlung.


Man hörte kurtz nach Oftern hie und dar / das es bey Naumburg Seide geregnet hette: solches Geschwätze ward von vielen zur gebührenden Verwunderung gezogen / von noch mehrern Leuten aber hönisch verlachet und in den Wind geschlagen; Ungeachtet ob sich gleich etliche besser verständigte / auff Proben berieffen / die sie von der Seide theils gesehen / theils selber in possess hetten. Ja es wolte die Warhafftigkeit dennoch wenig verfangen / ob gleich etliche Wochen mit der Bewehrung ins Land kamen / und nunmehr schier Pfingsten drüber werden wolte. Da verstund ich noch von vielen Creaturen / das sie theils die warheit in zweiffel zogen / theils gar nichts davon wissen wolten. Weil aber dennoch unauffhörlich ein Nachricht über den andern einlieff / und jemehr und mehr Faden-Seide denen curiosen eingehändiger / und vom rechten Orte übersand wurden; und ich dieselben guten theils / mit meinen Augen selbst besichtiget / und mit meinen Händen gegenwertig betastet habe: und darneben nicht minder einheimische drüber consuliren[257] kunte / und mit Betheurung die Sache confirmiren hörte: so hab ich gebührender massen das Wunderding für keinen Tand können passieren lassen; sondern vielmehr für ein nachdenckliches Prodigium halten und beglauben wollen.

Nehmlich man ist folgender gestalt hinter dieses ungewöhnliche meteorum gekommen: Es sollen etliche Knaben von einem Dorffe zu dem andern ihre Schule suchen / und bey einem Schulmeister zur Lehre gehen: solche sollen vor Ostern im Felde gehend ein sonderlichs Gespinst umb die Beine gekrieget haben / welches sie erstlich innen geworden seyn /wie sie fast ihres Weges Ende erreichet; da sie an ihre Füsse viel blaue Faden gewickelt und appliciret angetroffen; die sie mit verwunderung herunter und zusammen gesammlet / etwas geflochten und umb die Hüte wie schöne Favoren gebunden han. Eben zu derselbigen Zeit / soll auch ein vornehmer von Adel /2000. Schafe auff den Angern gehabt haben: welche /wie sie auffn Abend zu Hause gekommen / alle miteinander solche Seiden-Gewebe umb sich gewickelt mit sich gebracht haben. (Solte es doch bald auff den Schlag Arietis Chrysomalli Phryxes hingerathen seyn / der gar guldene Wolle getragen / welchen Phryxus, als er ihn übern Hellespontum, also von seiner drinnen ersoffenen Schwester genanntem Meers-Enge / unverletzt getragen / dem Marti, bey denen [258] Colchis, gewiedmet und dessen Fell im Götzen-Tempel auffgehenget gehabt: drauß es der Jason durch Weiber-list Medeæ, wegpartiret hat / und drauff der Widder zum Gedächtnüß unter das Himmlische Gestirn versetzet worden. Vide Carol: Stephan: in Dict: Geog: p. 1009 & D. Lauremberg: in porticu Æsculapii, in welchem Widder unlängst der erste Comet zu letzte gewesen ist / und zu welchem auch der ander mit seinem Gange gezielet hat: gleich lieffen so nach einem Ringel und strebeten nach einem Kleinod. Vide meinen Cometen Extract.) Drauff es am selbigen Orte für ein miracul auffgenommen worden: und man dieses Zeug bald vom Acker in menge suchen und auffheben lassen: also das eine vornehme Frau etliche Pfund beysammen haben soll; in willens etwas drauß wircken zu lassen / und solches zum immerwärenden Angedenck / ins Gottes-Hauß zuverehren. Was will man hierauß machen? soll man es ein meteoron terrestre heissen? Und soll es seinen Uhrsprung von der Erden gewonnen / von dannen hinauffgezogen / und hernach wieder auff gewöhnliche Manier herunter seyn gebracht worden? Ich solte fast zweiffeln: Man weiß sich zwar guter massen zubesinnen / das es zun Zeiten wunderbahrliche Sachen herunter geregnet hat: Als recht Korn etliche mahl: Item rechte Lappen / die man füglich gebrauchen können: Ingleichen[259] vernehm ich auch auß des Wormii Muséo, daß es in Norrwegen nicht seltzam seyn soll / rechte Mäuse zu regnen. Auch ist mir desselbigen gleichen bewust / das Wolle / Haare / und / ich weiß nicht / was mehr / mit dem Regen / zu uns herunter durch die Lufft gerathen ist: Allein von der Seide weiß ich mich nicht zu besinnen; ja ich zweiffel vielmehr / daß davon ein Exempel / bey irgend einem Autore, auffzubringen sey. Aber dennoch ist nunmehr gleichwohl ein mahl für alle mahl / und zwar dißmahl / Seide von obenwertes herunter gekommen. Aber wie? sol es etwan der Diebische Drache / so es anderswo entführet / hier zerstreuet und niedergelassen haben? wie denn Keckermannus lib. 1. Phys. c. 4. bezeuget / das nicht weit von Dantzig der Drache gantze Bett-Tücher auß der Bleiche / nach Mittage / weggestolen gehabt: welches dergestalt beglauben / und auff den Getreyde- Käse- und Milchregen etc. appliciren will Securius in disp. meteor. thes: 2. So rede ich auch von dieser materie ingleichen part. 3. Dæmonis Slesiaci. Aber auff die Art würde das Seiden-Zeug vielmehr übereinander gelegen seyn / als daß mans sehr zertheilet und eintzeln / angetroffen hette. Wie denn insgemein / wenn solcher Hellischer Drache etwas fallen läst / klumpffweise soll herunter purtzeln.


[260] Die Erste Außdeutung.


Ich halte es vielmehr für ein sonderlichs Geschöpffe und Geschicke GOttes: der die untere Welt damit bedencken / oder vermittelst soches Abgesandten / ein gewisses und wichtiges Werck zu Gemüthe führen wollen: und fehlet nur dieses dran / das wir Thoren und träge Hertzen das Geheimnüß nicht begreiffen können / oder uns recht drinnen zu schicken wissen. Ich für mein Theil stehe in den Gedancken / als wenn was gifftiges darhinder müsse stecken; wie denn nicht minder ein ähnliches Geschlechte / der Sommer genannt / auch der Hare ist / als man abzunehmen hat auß folgenden Wörtern Tobiæ Beutels im ersten Theil der wunderbahren Wercke GOttes pag. 18. Ja / man wird Frühlings oder Herbstes-Zeit nicht ins Feld spatzieren gehen dürffen / da wird man sich verwickeln in denen admirabilibus der Lufft / wenn man den so genannten ankommenden und wider wegziehenden Sommer (so fila B. Mariæ genannt) als Netze / auff der Erden liegen / und in der Lufft fliehen / sieht / der doch anders nichts ist / als eine zähe / truckne materia, von der Erden wie andere Dünste in die Lufft gezogen und darinnen zerzerret und außgedehnet wird. Sonsten aber dem Viehe wenn es solchen auff der Weide bekömmt / gifftig und schädlich ist: Umb die jenigen aber so zu solcher Zeit ins Feld gehen und sich allda zu erlustiren gedencken /[261] sich windet und legt / als wie Netze und Stricke. etc. Hactenus ille. Erkläret der Autor dieses Gespenst für gifftig / wie auch Linemannus thut in delic. Calend. so vermeyne ich viel gewisser zu seyn / die vermeynte Lauchische Seide für Saturnisch zu halten / als welche sonderlich die hohe blaue Himmelsfarbe zuverstehen geben will: welche in der intension ist / daß sie mit ihrem grad. an num. 1. gelanget / und recht blümerandt außsiehet. Nun müste zwar wohl nicht gut seyn das alle blaue Farbe flugs einen Gifft hinter sich habe. Angesehen man blaue Stärcke hat / daran noch niemand gestorben: so ist auch unter dem Gewächse und Kräutern / die Ackeley / eine Art Schwertel / Kornblumen / Mertzenveilgen und viel andere Blumen mehr / als Vorrago / schön blau: und lassen sich ohne Gesahr beriechen und kenen. So flehet auch der Himmel selber nicht anders auß / nach unsern Augen / welche sich daran erquicken / und sonderlichen Nutzen auß dem anschauen kriegen. Ich muß hier obiter flugs die Ursach hinzuthun auß Hrn. Benteln d. l. part. 2. pag. 4. also: Warumb das Firmament blau sehe? das Firmament ist zwar von Natur so subtil / helle und klar / als der schönste weisse Sapphier / oder kläreste und reineste Diamant seyn mag. Die unsere Augen vorkommende blaue Farbe aber rühret von nichts anders her / als von einer Vermischung des Lichts[262] der Sonne / Mond und Sternen / so anfangs in die obere Lufft fällt / hernach durch die mittlere weiter / und endlich durch die untere geht / da sie immer gemachsam durch die dünftige Lufft was dicker wird / biß sie endlich dadurch unsere Augen also blau scheint. Hactenus ille: Doch ich lasse dieses gut seyn / und spreche im übrigen / daß freylich viel blaue Geschöpffe ohne Gifft anzutreffen seyn: Doch giebts gleichwol auch nicht minder viel Sachen / an welchen man einen sonderlichen starcken Gifft ertappet / wenn sie blau seyn: Als wie dahin gehöret napellus oder das Eisenhütlein / vielerley Schlangen etc. Und daher ists gläublich / daß GOtt der HErr auch die Lauchische Faden mit dergleichen tinctur beleget habe; damit sie desto kräfftiger (doch der Höchste wolle alles zum besten wenden /) die bevorstehende Seuchen und gifftigen Kranckheiten / dieser Gegend andeuten könten. Wie denn viel Dinges darauff mit Fingern weiset: Und biß hieher vor unterschiedlichen Anzeigungen wegen der infection; welche man auß der blauen Seide abnehmen möchte: Wenn je das rathen gilt: GOtt gebe aber / daß das errathen außbleibe: Welches ich denn selber darauß folgern will / weil zum öfftern in der Welt / die Peste grausamlich gnug gewütet hat; und sie dennoch keine dergleichen signatur, oder solchen Vorbothen jemahlen bekommen hat / als sie dißmahl extraordinariè[263] alleine einmahl gehabt. Ich vermeyne also und viel richtiger / das einerley signatum, auch nur einerley signum erkenne und für sich zum Vortrab habe. Weil nun meines erachtens niemahlen eine blaue Seide gefallen ist / und doch dennoch Seuchen eingeschlichen seyn; so kan dieses Prodigium vielleicht ein weit anders hinter sich haben.

Doch erwecket dieses bey mir einen Zweiffelmuth /welche ich bey der Außfertigung dieses Werckleins von einem glaubwürdigen vernahm / der / wie er von dieser unsern Seide hörete / es den blauen Tau nannte; Hinzuthuende / das Anno 1656. in Pohlen dergleichen vom Himmel herunter gefallen sey: Darnach die einheimischen desselben Orts / heufftig durch eine Pestilentz gestorben / und plötzlich dahin sollen Gefahren seyn: welches er miteinander selber gesehen hatte; dabey gedenckende / wie ein Feldprediger domahln vorgeben hette / das jenes Gespinst auß morastischen Oertern seyn müste. Aber im übrigen hatte es einen grossen Unterscheid von der unsrigen Seide gehabt: nehmlich dasselbe Polnische Gewebe war nicht anders als wie der rechte Sommer gewesen / ohne / daß es seine hochblaue besondere Farbe dabey gehabt hatte. Mercke im übrigen / daß auch in Schlesien /wie dieselbigen berichten / so daselbsten hinwerts ihre Reisen gehabt haben / früe morgens auff den Gebürgen[264] zum öfftern aller Thau / rechte blaue Wassertropfen seyn sollen. Und dergestalt kömmt auch freylich unsere Seide dahin zu bringen; so ferne sie in der Marterwoche (wie ich diesen eigensten Bericht itzt erst vom Orte selber empfangen habe) mit einem starcken Nebel frühe herunter gefallen ist / und zwar bey Größnitz anderthalb Meil von Laucha gelegen. Wie ich hievon noch viel außführlicher Kundtschafft mitgetheilet habe / in einem besondern Tractat: Item in einer Avisens-Beylage / genannt Historia / von der Meißnischen blauen Himmels-Seide / darbey zuerinnern / das solches Prodigium vielmehr dem Thüringen / propte solum natale zuzuschreiben sey / als dem Meißnerlande. Merckt noch weiter eines und das andere von selbiger Seide / das einer vorgab / wie es Stücke drunter gegeben habe / von sieben / ja neun Ellen lang. etc. Was mehr ist / einer wolte gar beglauben / welches ich aber für ungewiß hieher setze / das man einen Faden von anderthalb hundert Ellen drunter auffgebracht habe. Weiter mögen dieses miracul etliche gleich geringschätzig / oder gar für nichtig halten; so ist es doch ein mahl für alle mahl wahr / weil unterschiedliche Leute dessentwegen seynd abgehöret worden / welche vor der Obrigkeit zu Naumburg unter andern auch haben schweren müssen: So habe ich auch mit demselbigen Menschen geredet / welcher etwas davon communiciret bekommen[265] hat / vom Herren Superintendenten auß Freyburg. Ich mag allhier nicht berühren / was ich noch ferner davon specificiret habe / in meinem Tractat, von dem dreyfachen Leipzigischen Blutzeichen / worinnen über dem /vielmehr Beglaubungen seyn / wegen der besorgten Pestilentz und Landessterben / dafür uns der genädige GOtt Väterlich behüten wolle!


Von andern Außdeutungen / sonderlich wegen der Hoffart.


Ein ander Klügeling wolte mir dieses branß præsumirlich machen; das etwan GOtt ein neues Reich bald anfangen würde / und derentwegen die Seide voran geschicket hette. Deme begegnete ich also; das es daher vielmehr eine Purpurfarbe seyn müste / als blaue. Noch ein ander sagte: das GOtt selber hiemit zuverstehen geben wolte / wie es nicht unbillich sey / Seiden-Zeug an seinem Leibe zu tragen. O! verzweiffelter Mensch: GOtt lest sich spotten: Quorum DEus ultor est, eorum non est autor, sagt einer auß den Patribus. O DEus! in quæ nos fervasti tempora? in serica, in mollia & delicata. Heutiges Tages darff man sich gar der Mühe nicht nehmen / in der Könige Häuser zu gehen / wenn man einen in weichen Kleidern sehen will; nach der alten instruction des Herrn Christi; sondern man wird sie auff alle Gassen finden / und zwar mit allen Sinnen riechen / und[266] schmecken an dem weichlingischen Puder und biesenem Geruche; hören an den Großsprecherischen pralen; sehen an den pfauenstoltzen und leisen herintritte / fühlen an denen spitzigen in der Seite gesetzen Ellbogen; damit sie wol lieber einem geringen in die Ribben stossen / als ihr Frantzösisches Hütgen / zur geleisteten Ehrerbietung / solten abwechselungsweise ausm Geshicke rücken. Freylich giebt es Weichlinge und Seidene Menschen / die hülle und die fülle. Ey / ey! wie leicht kan man einen Zärtling offendiren? wie weich will er gehalten seyn / wie leise soll man mit ihme umbgehen? Ludovicus Vives sagt in seinen colloquiis, das solcher / butyracea brachia habe / der gar nichts vertragen könne. Ach itzund möchte man serica sagen: Denn verba valent, sicut nummi. Ihme / als einem Spanier / kan auß dem Papistischen Wesen / die Butter klumpenwesse im Köpffe gelegen seyn gewesen: weil die Spamsche inquisition drüber ihr examen helt / wenn sie einer in Fastnachten / oder am Freytage in der Wochen speiset: ungeachtet ob sie gleich sonst von manchem Päbstler gerne wolte gefressen seyn / wenn es nur ihr GOtt Mausim gestattete. Das aber der Vives denen Weichlingen Butter-entzende Aerme zueignet; solches kan auch daher vollends kommen; weil dieses Gemächte in denen wärmern Oertern viel weicher ist als gegen Norden / da man einem / und[267] sonderlich zur Winterszeit / wohl Löcher in den Kopf / mit einem Stücke Butter / werffen solte: Dergestalt das der patient eher weichen und sich weichlich erzeigen dürffte / als die agirende hart-gefrorne Butter. Und also können wir mit der Gleichnüsse nicht fortkommen; sondern mögen auff unsers Orts Weichlinge vielmehr das Seiden-Zeug appliciren. Und in solchem kleiden sich / leider! heutiges Tags so wohl Mansen als Weibsen. Fürnehmlich aber wil mulier, à mollitie dicta, nichts drinnen nachgeben / noch von der gefasten Hoffart abweichen / oder sich durch die Erbarkeit zur Tugend erweichen lassen. Intolerabilius nihil est, quàm fœmina dives. Zu unser Väter Zeiten / han ehr- und zuchtliebende Weibsbilde mit fleiß das Christliche Jungfrauen Ehren-Kräntzlein M. Lucæ Martini mit Andacht gelesen: drinnen sie durch vielerley abgemahlete und außgelegete Seide / manchen schönen appetit zur Gottesfurcht überkommen haben. Vide d. l. part. 3. Aber heute zu Tage gelten solche pappierne Gedancken und Andachten nicht mehr; da gedencket man vielmehr an die Seide selber / wie man sich damit benesteln und außstaffieren möge. Beym Martin Zeilern tom. 1. epist. p. m. 352. stehet dieses: außm Trigantio, welcher in denen sehr alten Annalibus Sinensium gefunden / als er schreibet l. 1. c. 2. p. 4. das bey denen Chinensern das Seiden Gewebe[268] 2636. Jahr vor Christi Geburt / schon im schwange gewesen sey (welche /wenn sie zu diß Jahr gefüget werden 1665 / also 4301. Jahr bringen.) Idem pag. 357. das denen Seribus / (welche die Sineser seyn sollen) die Seide sampt dem Nahmen in Europam solle gekommen seyn. Nun man kan die Art kleidung selbigen Völckern wohl gönnen / weil sie ihnen natürlich ist: aber soll sichs denn Teutschland auch anmassen / das doch zur vergeltung oder erstattung dessen / gnug an seinem nativo hat / nehmlich in Lein / Wolle und Peltzwerg? daran zweiffle iht nicht so wohl / als das ichs verneine. Ich kan nicht unterlassen allhier beyzufügen / was gedachter Herr Zeiler Sel. hat in seinem zehenden Sendeschreiben tom. 1. fol. 22. etc. also: Als Anno 1502. Hertzog Friederich von Holstein / mit des Churfürsten von Brandenburg Schwester / zu Stendel Beylager gehalten / so haben damahln noch allein die Fürsten und die Ritter / güldene Ketten; der Meißnisch / Sächsisch / und Märckisch Adel aber / nur 2. oder 3. Ring an einem keinen Halsbande getragen; wie Latherus in seinem herrlichen Werck de Censu lib. 3. cap. 10. pagin. m. 625. seq. auß Chytræi Saxoniâ, schreibet. Also haben sich auch die alten in Kleidern schlecht gehalten; wie dann vom Käyser Alexandro Severo Lampridius cap. 40. schreibet / das er nie kein Sammotes Kleid; und vom Kayser Aureliano [269] Vopiscus c. 45. bezeuget / das er auch niemahls, ein gantz Seidin / oder Sammetin Kleid tragen / noch andern / solches zu thun gestatten wollen. Christ. Leh. in Chr. Spir. lib. 2. cap. 37. der erste deutsche Käyser Carolus M. hat am Leib ein leinen Hembd / und glatt Wüllin Wamms / mit Seiden am Germ / ober Schurtz verbremt / ein paar leinen Hofen / so beyde gar eng / und glat am Leib angelegen; Item leinene Strümpff / unter / den Knien mit Bendeln angebunden / die Knie bloß / Schuh mit Riemen / an den Schenckeln über die Schienbein / und Waden / Creutzweiß / biß unter die Knie auffgebunden / getragen. Als dem Käyser Rudolpho dem ersten / der König Ottocarus auß Boheimb gehuldet / so soll er / der Käyser / ein graues Kleid angehabt haben. Lipsius in monitis polit: l. 2. c. 15. Der Großmächtige Käyser Carolus V. hatte einen schwartzen Regenmantel / und ein schlechtes Hütlein / als Er zu Meyland eingezogen. Sein Feind / König Heinricus der Ander in Franckreich / hat niemahls Seidne Strümpffe tragen wollen / wie Lansius in Consultat Orat. Contra Galliam, p. 413. edit: 3. meldet. etc. Idem pag. 24. Käyser Heliogabalus solle am ersten / wie Lampridius cap. 26. schreibet / ein Sammetin / oder Seidin Kleid / getragen haben: Aber heutigs Tags ist die Seidenwahr auch gemeinen Leuten nicht ungewohnt. Und helffen da keine Kleider-Ordnungen /[270] weiln fast ein jeder sich höher zu seyn dünckt / als er ist / wenn er nur Geld hat. Da heist es / es weret mir ein Seiden paar Strümpff länger / als andere 4. oder 6. Und ist auch die Seide nicht mehr so theur / als sie zu zeiten des gedachten Käysers Aureliani gewesen / da sie /wie Vopiscus an erwehntem Ort meldet / dem Gold gleich geachtet worden ist; und solche die Persische Kauffleute von den Seribus, einem Tartarischen Volck / in dem Königreich Catajo, dessen Hauptstads Cambalu ist / und von welchen der Lateinisch Nahm Sericum herkömbt / abgeholet / und hin und wieder außgebreitet / und verführet haben. Vid. Zonaras Tom. 3. Annal. f. 57. & Lipsius in Commentar. ad. lib. 2. Annal. Taciti fol. 42. biß unter dem Kayser Justiniano es auch den Römern / wie sie zubereitet werde / kundt gethan wurde; da denn die Griechen / hernach die Italiäner und folgends die Frantzosen / sich darauff geleget / und darvon reich worden / also / daß noch vor etlichen Jahren / allein das Venedische Land jährlich fünff / und die Stadt Reggio in Italia / ein Tonnen Golds Gewinn davon gehabt / wie Pancirollus lib. 2. memorab. tit. 24. bezeuget. Und ist von den Seidenwürmen [von welches Thierleins wunderlicher Natur Petrus Mattheus lib. 6. histor. narrat. 1. n. 5. sq. Tom. 2. zu lesen) den weissen Maulbeerbäumen und dieses Seidenen Gewebskunst insgemein / Anno 1603. zu Pariß[271] ein eigen Buch herauß kommen. etc. Confer eundem d. l. pag. 541.) In übrigen ist nicht unbewust / wie so gar neulichst / und umb eben derselbigen Zeit / da jene Seide bey Naumburg vom Himmel herunter gekommen ist / auch hier zu Leipzig / die leges sumptuariæ, von der Universität so wohl als dem Rathe / mit Ernst wieder seynd hervor gesuchet worden; die üppigen und unbesonnenen damit sie ihr decorum oder τὸ πρέπον in acht nehmen: denselben das Seidenzeug zu tragen überliessen / welchen es zukäme; und sie hingegen sich anderer Kleidung befliessen. Solte nun hierzwischen keine Correspondentz seyn / das solte mich wundern: Ich meine / daß das eine das andere erkläre und gleichsam mit Fingern weise. Mercke / das etliche weit hinaußsehende bey der Seide solche Gedancken hegeten; daß der Seiden-Handel etwan hierauff von hier nach Naumburg soll wider hinverlegt werden; von dannen er vorweilen hergekommen ist: Wie man ein dergleichens auch umb selbige Zeit / wegen einer andern Messe / geschwatzet hat. Ja etliche confirmirten solches darauß /weil von diesem Orte eine erbärmliche Propheceyung vorhanden ist / wegen des Unterganges / dessen Zelt itzt heran nahet. Aber dafür sey GOtt! Confer Turcicidiam: damit jenes ungefehrliches / doch für vergeblich gehaltenes Omen Joh. Cæsaris, Bibliothecar. zu Halle[272] übereinkommet in tract. de Com. 1652. Verba ipsius vide in Astron. novâ pag. 40. 41. Sed mitto hanc vanitatem. Und spreche daß das Prodigium vielmehr recht auff eine Hoffart loßgehe / welchen uns die Obrigkeit nicht alleine auff Erden mit ihren Gesetzen und Kleider-Ordnungen; sondern auch GOtt vom Himmel mit der verworffenen Seide zu Gemüthe geführet und überzeuget hat. Ich kan nicht unterlassen / allhier beyläuffig mit einzuführen das schöne Programma hiesiger Universität, welches in diesem Jahre offentlich am 26. Feb. angeschlagen ward. Qvi nuditatem Protoplastorum in statu integritatis vestem eorundem nuptialem dixerunt, à veritatis lineâ nullatenus exorbitarunt. Nuditas enim erat honesta, nullis motibus illicitis contaminata, ita, ut genitalia non minus, qvàm facies, ad aliud qvodcunq; tandem corporis membrum, ipsis decori fuerint. Postquam autem divini mandati repagula perfregiffent, motus perversos jam sentientes genitalia facta pudenda (non quoad substantiam, ceu Paracelsistæ volunt, sed quoad accidens mutata) nuditatem prius honestam evasisse turpem viderunt, & folia proinde ficulnea, quibus tegerentur, quæsiverunt. Cùm itaq; vestimenta signa sint reatûs, qui superbire volunt iisden, non secus, ac fures, qui laqueum, dimisso capitali supplicio, per omne vitæ tempus gestandum gemmis [273] & unionibus exornare vellent, faciunt. Qualis vestitus noster esse debeat, ipsa divina majestas, quæ pellibus ovillis primos Parentes nostros obtexit, ob oculos nobis posuit. Eum enim in finem amicimur, ut nuditas nostra tegatur, & adversus rempestatum, inprimis hiemis, injurias muniamur. Aft is faciem rerum præsentium intuemur, quanto (per DEUM immortalem!) à primorum Parentum & veterum Germanorum simplicitate absumus intervallo? Videas enim quæ fundis, ut Plautissem, ornatæ incedant: videas quæ suum facientes Biantis illud, omnia sua sectura portent. Non sericum, non holosericum, non undulatæ, non Damascenæ vestes amplius istis satisfaciunt, excogitanda sunt indies nova, conquirēda sunt exotica, quibus palmam aliis aliæ intervertant. Cumq; vestitûs constantia gentes commendet alias, Germani constantiæ ac fortitudinis nomimine gentibus reliquis præcellentes quondam, mollicularum quarundam exemplo (proh dolor! proh pudor!) hodiè prorsus effœminati vestitûs formulas vix menstruas habent, Lunæ, cui, propter mutatas phases, nulli vestis aptari poterat, haut dissimiles. Quare pictor iste, cum nationes alias gentilitio suo stitisset amictu, Germanum, quòd nullam ispi vestem concinnare posset, nudum oculis objecit. Nec super luxu duntaxat in vestitu, insuper habito[274] statuum discrimine, sed etiam in victu, quoties congressus honoratiores, nuptiales & similes instituendi, querelarum texenda nobis esset tela. Eben dieses hat auch hinter sich M. Wolffgang Ouvv im Mißbrauch der Kleider / part. 2. pag. 154. etc.

Wolte iemand die Kleider-Pracht der Weiber anatomiren / wùrde man gnug zu thun kriegen. Kùrtzlich und warhafftig kan man davon urtheilen. 1. Wird gesündiget superfluitate, daß man an Gewand / Kammertuch / Bändern / etc. mehr gebraucht / als die Nothdurfft erfordert. 2. Wird gesündiget sumptuositate, da man allerhand theure Sachen auff den Leib leget / in Gold und Silber-Stück / Seiden / Sammet / Atlaß und andere theurbahre Sachen sich kleidet. 3. Wird gesündigt novitate, das keine Tracht so neu / bund / krauß / wunderlich / alamodisch / man närret / äffet und alamodiret immer nach / bald gehet man Frantzösisch / bald Engelisch / bald Niederländisch / bald Polnisch / ja solten die Türcken kommen / man würde Türckisch gekleidet gehen. 4. Wird gesündiget levitate & scurrilitate, da man sich mit leichtsinniger Kleidung behenget / die Glieder / so GOtt und die Natur zudecken heisset / schändlich entblösset / und sonst auff andere Weise seine Leichtsinnigkeit an den Tag giebet / oder andere mit Kleider dazu anreitzet. Als jener Philosophus ein köstliches Wasser bekam / goß er dasselbige[275] auff die Füsse / wieder den gemeinen Brauch / und da sich andere darüber verwunderten / sagte er / wenn mans auff den Kopff gösse / so gieng der Geruch in die Lufft / von den Füssen aber hinauff zu der Nasen. Laërt. lib. VI. Viel folgen heut diesem Philospho nach / und legen an die Füsse Sammet / Seiden / Gold etc. womit man das Haupt zu schmücken pflegt. Summa die Leichtsinnigkeit ist zu groß / und weiß mancher nicht / wie er auff die Füsse gehen soll. Nun dencke / sage und urtheile / wer dencken / sagen und urtheilen kan / ob nicht die heutige Kleider-Pracht in diesen Stücken allen / sich über die massen hervor thue. Gehet in euer Gewissen / wo es noch vorhanden / und nicht an die Wand gehenget ist / ihr weltliebende Gesellen und Männer / Weiber und Jungfrauen / ob ihr nicht mit eurer Kleiderüppigkeit / Kostbarkeit und alamodischer Neuligkeit / wie auch verbotener Leichtsinnigkeit zum höchsten sündiget? Die Kleider solten unsere Schanddeckel seyn / so sind sie nun eine materie, damit wir unsern Bäurischen Stoltz und Satanische Hoffart unverschämbt treiben. O tempora, ô mores! wer gedenckt solch Wesen / schreibt der fromme Michael Neander im Menschen-Spiegel p. 152. solche Pracht / solche schöne Kleider / solchen schönen Schmuck von Sammet / Seiden / Gold / Silber / auch an gemeinen Leuten / das man auch offt in einem kleinem geringen[276] Städtigen / mehr desselben siehet und findet an gemeinen geringen Personen / Bürgern / Bürgers-Söhnen / Schustern / Schneidern etc. denn man vorzeiten in allen Käysers / Königs und Fürsten Höfen gefunden hat. So gar ist nunmehr der Kleidermuth verschwunden / und achtet man nicht / wes Standes man sey / sondern folget frey hin seinen blind-stoltzen affecten / wo die einen hintreiben. Da muß Stoltz und Pracht getrieben seyn / solte auch nicht ein Heller im Beutel bleiben. Außwenig blanck / inwendig und im Beutel tranck. Und ist diese Sünde so hoch gestiegen / daß sie fast nicht höher kommen kan / es were schier noth / das ein Fürst mit lauter Perlen / und den köstlichen Edelgesteinen sich überzöge / wenn er der Kleider halben von andern Ständen solle unterschieden werden / so gar habens ihrer viel übermacht / von dem untersten Stand biß zu dem höchsten. Die Bauren kleiden sich wie Bürger / die Bürger wie Edelleute / die Fürsten wie Konige und Kayser / wo wills endlich hinauß? O! was für Leichtfertigkeit und ärgerliches Wesen läufft hierbey vor / da immer einer den andern anbringt und verführet? Ludovicus Vives erzehlet vom Pomponio Læto, dem vornehmen Römer / wenn derselbe gesehen / wie die jungen Burß zu Rom eine neue Tracht und alamode eingeführet / hat er alles übern hauffen getreten /[277] und mehr nicht denn diese Wort gesagt; At majores vestri tales non fuerunt. Ach! Euer Vorfahren sind nit solche Leute gewesen / sie haben sich in Kleidern viel anders erzeiget. Was were es wunder /wenn jemand wieder den schändlichen Pracht und Ubermuth der bißher im Schwang gangen / auch ruffe / Majores vestri tales non fuerunt, ach ihr lieben Leute / eure Vorfahren / die grössers Vermögens gewesen / haben das nicht gethan. Und solch üppiges Kleiderwesen ist desto Gottloser / weil es von dem meisten für keine Sünde geachtet wird: dazu denn auch dieses kömpt / das bey vielen Landplagen und Straffen die Menschen nichts frömmer werden / sondern GOTT dem gestrengen Richter schnurstracks entgegen wandeln / und ihr Angesicht härter / denn ein Felß machen. Jeremiæ / am 5. cap. v. 3. Biß hieher jener vom Mißbrauche der Seidenen Kleider; und Tadel / wegen der überhandgenommenen Hoffaro; davon auch den ersten Cometen außdeuten will Abraham Lauterbach Lit. B. seines tract: Andere deuten diesen Cometen auff Pestilentz / Sterben / Hunger / Theurung / und viel dergleichen mehr / welches auch nicht ohne / und lassen es billich dahin gestellet seyn / die eigentliche und gründliche Deutung aber ist dem Allmächtigen GOtte allein am besten bewust / wie er mit uns nach seinem gnädigen willen umbgehen und handeln will / weil er niemahls[278] etwas vergeblich gezeiget. Ein Astrologus auß India / eines seltzamen Nahmens schreibet sonsten / wenn ein Comet gesehen werde an dem Orte / wo eine conjunction der obern Planeten Saturni und Jovis gewesen / oder aber eigentlich im Schützen / so bedeute er / das der König desselben Landes begehren würde mit seinem Nachbahr in Friede zu stehen / er werde einen grossen Schatz an Gold und Silber samlen / nachmahls die Leute vertreiben wollen / und zu ihnen sprechen: Sie seyn hoffärtig / und werde ihnen damit sehr unrecht thun: Auch werde kommen grosse truckene Zeit auff Erden / und im Sommer grosse unerträgliche Hitze / Mißwachs der Früchte / und grosse Theurung / so sonderlich das nechstfolgende Jahr bekannt und offenbahr werde solle: Bedeute auch gifftige Pestilentzen / und das eines Königes / oder andern Großmächtigen Pontentaten Sohn sterben werde / und etliche von seinem Adelichen Geschlechte. Und weil die grosse conjunction im Schützen vorgegangen: dürffte dieses judicium nicht allerdings zuverwerffen seyn. Die meisten judicia und also auch mein wenigstes fallen dahinauß / daß es zweifels ohne auff den Türcken möchte angesehen seyn / der werde gewiß noch einen Satz ans Heil. Röm. thun / und sein bestes versuchen / ob er Röm. Käyserl. Majestät seinem Willen nach könte Abbruch thun / oder sein Leben selber drüber lassen.[279] Die Mitternächtige Könige und Länder werden gleichsam mit dem flammeten Schwantze auffgemuntert / ihres Orts ein wachendes Auge zu haben / und die bedrängte Christenheit nach vermögen / nicht Hülffloß zu lassen: Ein jeder gehe zurück / ins 1618. Jahr / da der grosse Comet / oder Schwantz-Stern von vielen tausenden gesehen worden / und sehe die Zeit an / so darauff gefolget / und was sich biß ins 1650. Jahr begeben / es werden gewißlich andere dergleichen mehr judicia fallen. Hactenus illè. Was dieser auß der conjunction gefunden hat / das wollen folgende bey dem Schwantze des Cometen gesucht und gefunden haben. Als spricht Joh-Philipp Han part. 1. seines tract: vom ersten Cometen Lit. C. 3. Erstlich auß der Figur / so dorffte die Hoffart Israelis gestraffet und gerochen werden / weil ein Pfau durch seinen Schwantz Hoffart treibet / und wenn er auff die Füsse siehet / denselben vor Schamhafftigkeit fallen lässet / und nach sich schleppet; Sic & in hoc passu. etc. Hierzu gehöret auch C B. L. M. V. R. in seiner kurtzen Beschreibung Lit. C. 2. dieser lange Schwantz / dieweil er das Ansehen hat / wie ein zusammen gelegter Psauen-Schwantz / zeiget an / das den stoltzen hoffärtigen Frauenmässigen Weibes-Personen / das Cantate sol geleget / die wunderliche Verstellung ihrer Angesichter / damit sie itzund schier nicht mehr wissen / wie sie dieselben umbzirckeln sollen / wird[280] der Sensenmann so schöne Ferben / das man Augen / Mund und Nasen für ihnen zuhalten wird / denn sie des folgenden 1665. Jahr / einen bösen Zustand haben werden / sonderlich wenn sie schwanger werden / und in das Kindbett niederkommen / da denn manche wird auff den Rücken zur Kirchen gehen müssen.

Hierzu gehöret auch noch ferner Matthias Dannewald in Cometol: Lit. D. 4. wir haben uns wohl eher bey der Türcken Gefahr an den Bet- Fast- und Bußtagen so eifrig im Gebet / so demüthig in Geberden / und Kleidung angestellet / und alle Hoffart an selbigem Tage beyseits gesetzet / und uns dergestalt angelassen / als ob wir auff unsern Knien angesichts in Himmel steigen wolten; Aber folgendes Tages alsobald alle vorige üppigkeit und Hoffart wiederumb hervor gesuchet / gleich als wenn wir GOtt im Himmel eine wachserne Nase andrehen / und ihn betriegen künten; Ja wir haben offtmahls an dem lieben Sonntage nicht so lange in der Kirchen die Predigten angehöret / als wir etwa vor der Predigt wohl etliche Stunden vor dem Spiegel und in Balbierstuben / unsere Hoffart zu üben / uns antreffen lassen. Jener frome Einsiedler weinete sehr / als er eine schöne Jungfrau vor dem Spiegel so lange stehen / und ihre Hoffart treiben sahe / das er nicht auch etwan etliche Stunden seinem lieben GOtte zu Ehren angewendet / und dieselben[281] mit eifferigen Gemüth und höchster Andacht also zugebracht hette.

Und also haben wir gesehen / daß auß denen Cometen so wohl / als auß der wunderbahren Seide / argumenta und schlüsse können genommen werden / entweder zum Hoffart / oder drauff gehörigen Niederfahrt: Ja vielleicht zun beyden; denn / tolluntur in altum, ut lapsu graviore ruant; Hoffart kömt vor dem Fall Schemen mag sich also hier gar sehr wohl Franckreich / wenn es unlängst auß dem Cometen vielmehr anlaß nehmen wollen zum Hoffart: wenn es nur nicht alleine zu Pariß / Cometen Band / sondern auch ein also genanntes Zeug hat wircken lassen / nach der Gestalt und Farben / wie der Comet daselbst soll außgesehen haben. Besiehe hievon künfftig meinen übrigen Theil Astrologiæ Cometicæ, drinnen ich was mehrers hiervon erwehne. Ja wisse / das etliche gar in Galliâ ein neu Zeug mit Türcksichen Mondern verblümet gewircket haben. Sonsten möchte auch einer hierwieder anziehen die wunderseltzame Sonnen-Blume / so 1665. in Holstein hervor gekommen /welche wie eine hoffärtige Holsteinische oder Braunschweigische Mütze / oder Nürenbergische Haube außgesehen. Vide in Additam: de Plantâ Monstrosâ Proliferâ Gottorpiensi, in Jun: D. Joh. Dan. Major. welches letzere Gewächse etwan auff ihre neue Academiam zu Kiel[282] kan zielen / ut ex quâ innumeri docti prodire debent, tanquam ex eqvô Trojanô: weil sie im selbigen Jahre zugleich mit auffgekommen. Aber es ist numehro auch Zeit / das ich folgende Erzehlung subjungire, von dem wunderbahren Norwegischen Flore. Anno 1665. kam auß Hamburg vom 29. Jul. daß allda ein Kauffman / vor warhafftig außgesaget hette / wie in Norrwegen kurtz vorher / bey Christiana sich dieses begeben habe: Nehmlich es sol allda ein Wald seyn / der vorigen Tages schön grün gewesen / aber am folgenden Tage drauff soll er gantz verdorret gestanden seyn: und were über die Bäume lauter Leinwand / wie weiß Kammertuch oder weiß Flor / gezogen gewesen: davon dem Könige in Dennmarck 20. Ellen præsentiret geworden: Item es hatte der Kauffman in Hamburg auch ein Stücke davon in seinen Händen gehabt. (Dieses hielte man flugs vor eine Fabel in Leipzig / die etwan possierlich jener unser Historien / von der blauen Seide / were entgegen gesetzet worden von einem Schnackentreiber. Andere behaupteten es für wahr / weil etliche Briefe davon auß Hamburg zeugeten. Doch wuste man dennoch nicht / wie man dran war / oder wornach man sich reguliren solte: biß daß folgends immer eine Zeitung über die ander einlieff / welche das verdächtige prodigiū der Zweiffelhafftigkeit entrieß / und auff gewissen Füssen setzete. Angesehen ein[283] vornehmer Bürger und Handeler allhier im Anfange des Augustmonats / von seinem guten Freunde / allda einem Amptmanne / ein außführliches Schreiben bekam / welches ich selber gelesen und admiriret habe; Nehmlich auß Hollstein von Tundern: drinnen solche specification war / wie nehmlich in Norrwegen / an einem Orte / durch ein Revier / viertel Meiles groß / vom Himmel sehr viel Gewebe herunter gefallen were / welches das Erdreich ziemlich bedecket habe. Es sol aber fast weiß seyn / und eine Art haben des weissen dünnen Flores / wormit sich die Leute in selbiger Gegend / häufftig auß üppigkeit ziereten / und in ungebühr kleideten: derentwegen sie der liebe GOtt mit seinen herunter geschickten Gespünst vielleicht wolle warnen; damit sie von solcher Hoffart und übermachten Stoltzheit abliessen / und sich eines demütigen Habits befleißigten etc. Und hierzu hatte jener guter Freund ein Stückgen desselben Flors mit beygeleget / welches umb ein Pappier gewickelt war; in der grösse eines octav-Blats / so wohl nach der länge als breite. Welches ich denn mit meinen Augen und Händen sehr wol betrachtet habe: Richtig befindend / daß es zwar eine ähnligkeit mit der Spinnenwebe oder Kancker-Gespinste habe / wegen Subtilheit; allein das es dennoch davon in vielen diffęrirete / gab der unläugbahre Augenschein: Nehmlich es war fast feste / und ließ sich handhaben und[284] an allen Orten Zerren / biß man ein Löchlein hinein rieß: welches ja das Gewebe unserer Kancker nicht leidet. In deme es leichte von einer grosser Fliegen kan durchgebohret und getrennet werden; wie auch die nachdenckliche Rede Thaletis ad Solonem giebet. Vide Franz. in Histor. Animal. cap. 13. Tact. 4. pag. m. 869. 870. Ich geschweige der experienz, darnach man es nicht allein durch ein blasen / sondern auch durch ein zartes anrühren der Finger / vernichtet / dissipirt und verhuntzet. Weiter ließ sich jener Norrwegischer Flor / [wenn er gleich / auß den Händen gelassen / offte wieder in einander lieff /] alle mahl richtig und unverletzt außdehnen / so offte man begehrete; da hingegen tela araneorum solches thut / sondern / wenn man es von oder zwischen den Wänden abgenommen hat / flugs wie eine warme Speckschwarte / in einander läufft / und zum dicken faden wird / den man schwerlich hernach über ein mahl auffwickeln und in die vorige breite bringen kan. Ich geschweige anderer differentzen mehr. Im übrigen ist der vermeinte Flor sehr dichte und feste / daß er gar wohl kan Wasser halten: und wenn er umb ein Pappier gewickelt wird / und drauff abermahl umb ein anders also verwickelt eingeschlossen wird; so klebet er gleichsam am Pappiere / wenn man es wiederumb auffwickelt / nicht anders als ein dünnes Seiden Zeug / oder Atlasch /[285] wegen der Rauchheit / welche man aber am selbigē Wunderflor nicht sehen kan; ohne daß man eine dergleichen asperität dennoch mit den Fingern im anrühren vermercket. Ferner / wie man es mit einem scharffen Messer entzwey schnitte / da wolte es kaum mit einmahl angehen; ungeachtet ob man gleich ziemlich zudrückete / das würde mit dem rechten außgedehneten Spinnewebe sich weit anders verhalten; in deme solches bey weite keinen rechten Schnitt / wegen der Zartheit leiden würde; Ich geschweige / wenn man es also ausgespannet / mit denen Fingern scharff und derb halten würde; da würde auff ein mahl alles durchgelöchert und verderbet seyn: da hingegen dieses Himmlische Kammertuch sich mit gantzen Händen wohl anfassen und ohne Schaden tractiren lässet. Ich meines partes weiß es (einem solchen Menschen zu gefallen / der es selber in Person nicht zu Gesichte bekommen möchte / außerhalb diesem meinem Pappiernem Berichte / und Buchstäblicher Beschreibung: womit die posterität im künfftigen auch muß vergnüges seyn; weil die Sache an sich theils vergänglicher und sparsamer / theils unmittheiliger zu seyn scheinet:) nicht füglicher abzubilden / theils wegen der Farbe / theils an der Zartheit / Dichtigkeit etc. (außerhalb das folgende Vergleichnüßstücke / nach manier der Blasen glatt / anzugreiffen seyn / und nicht also kleben /) als mit einem Pericardio[286] oder frischen und weichen Hertz-Retze eines Thiers / wenn es außgespannet ist: oder mit dem zarten Häutlein und Kleidlein / damit etliche Kinder auß Mutterleib auff die Welt kommen. Mercke / wie ein anderer Mann diese Leipzigische Probe ansahe / das er das Werck dennoch für eine rechte Spinnewebe halten wolte: Berichtende / daß es ein Gewebe der Meer-Spinnen sey. Hierüber lasse ich andere Veständigere ferner urtheilen. Es seynd freylich vielerley Geschlechter der Kancker / wie also gedencket Neander in Phys. lib. 4. pag. 472. Confer Jonstonum, Aldrovandum, Gesnerum etc. de animalibus. Ich lasse dieses itzt auch an seinen Ort gestellet seyn / und betaure nur die Unvollkollkommenheit / wegen des außführlichern Verhaltens / solches unsern Wunders. Nehmlich anfänglich ward gesaget auß den Hanburgischen Relationen, das es über einem Wald sey gefunden worden: Hier auß Tundern / ward keines Waldes erwehnet: Ferner ist auch beyderseits keine mention der Zeit / wegen des Tages oder Monats gewesen; Ich gehe mit stillschweigen vorbey / das auch andere Umbstände darbey zuvernehmen gewünscht weren / wenn sie solten kunt gethan seyn worden / wie leyder noch zur Zeit nicht geschehen ist: vielleicht lehret ein Tag den andern / und kömmt noch nach / was biß Dato verseumet gewesen. Es ist gnug vor diß mahl; Das ein so notabels Prodigium[287] warhafftig sey / und keine Ertichtung habe / wie sonsten mit andern wohl nicht selten zu geschehen pfleget; da man offters ein Ding in der Leute Mäuler bringet / welches hernach mit dem Quarge versiegelt ist / wenn man es beym rechten Lichte besiehet. So ists auch gewiß / das solcher Flor bey Christiana gefunden und auffgehaben worden: welches eine Stadt ist in Norrwegen / so nebenst Christiansand von Stein gebauet ist: da hingegen andere / als Trundheim / Friedrichs-Stadt / etc. auß Holtz gemachet seyn / nach dem Berichte Zeileri in der neuen Beschreibung des Königreichs Dennemarcks. p. m. 40. Worneben er auch gedenckt / das dieses Christiania ein Gymnasium habe / da die Jugend unterwiesen wird. (Solches solte einen Außleger bald zu einer ungefehrlichen Außdeutung veranlassen: Als wenn allda die Christliche Religion periclitire, und Ketzereyen vermuthlich seyn: wie denn auch sonsten / solches Gespünsto dasselbe angedeutet hat / wie wir hernach vernehmen werden / auß einer Historie: Ich geschweige / das noch mehr omina solches gleichsam wollen. Als ist aranea fast nichtes anders / denn ara nea, oder nova: Versetzt so viel / als Novaria, eine Stadt in Welschland / welche also benahmet so seyn / qv. ara nova. Vide Reusnerum in Italia, & Cluverium in Ital: antiquâ. Weiter hatte ich auch schier einen solchen mit über einstimmenden [288] Traum in kurtz vorhergehende Nacht: vide mein Histor. Traumbuch: tit. Verrichtungs-Träume / nehmlich am 9. Aug: mit Anbrechung des Tages. Ja in einer andern vorhergehenden Nacht traumete mir / wie ich das Creutz Christi / dran der HErr JEsus geschlagen war / gar künstlich von kleinen häuffigen Höltzergen zusammen gefüget bekam: welches dermassen bald groß ward / als sonsten ein grosses Crucifix in Kirchen: dran sich auch viel Leute mit mir hingen / welche aber alle mit sampt dem Creutze herümfiehlen / und doch alle unverletzt lebendig blieben: Nun spricht davon Lupius in seinem Traumbucht / cap. 50. Träumet einem / wie er Christum gecreutziget sehe / bedeutet Zerrüttung im Kirchen Stande. Item ein paar andere Nächte vorher hatte ich diese vision, wie der gantze Himmel oder Mittags-Seite voll dunckeler Flecken wär / nebenst ein paar herunterhangenden Ruthen. Hierzu möchte einer setzen auß einem gedruckten Trctätlein: von Plaven wird durch glaubwürdige Leute vermeldet / das in diesem 1665. Jahr / den Monat May am Himmel / der HErr JEsus am Stamme des Creutzes / von gar sehr vielen gesehen worden / dessentwegen 6. Personen Eydpflichtig abgehöret. Vollständig und warhafftiger weise / erzehlete es mir einer / der es vom Türmer selbst gehöret gehabt: wie nehmlich von 10. Uhr an / damahlen ein groß Ungewitter gewesen / biß nach Mitternacht hin / da dasselbige[289] Ungewitter umb 2. Uhr hinter der Stadt weggekommen gewesen / wiewohl sie es noch hören können. Drauff hatte über die Stadt eine lichte Wolcke angesunden / welche auch dem Türmer einen hellen Schein in seine Stube gegeben / das er sich drüber verwundert hatte / nicht anders vermerckende / als wenn der helle Tag beginnete anzubrechen: welches er aber wegen der Unzeit nicht glauben können / wiewohl er auch flugs eine reflexion auff die Uhr gehabt / als wenn sie unrichtig gehen möchte: und es wohl an dem were / daß es tagete. Läuffe derowegen hervor an die Lufft / und verspüret obenwerts / doch etwas infra Zenith, eine helle Wolcke / welche dermassen einen Glantz von sich gegeben / als wenn die rechte Sonne darhinter were: Solches siehet er ein weilchen mit verwunderung an: biß unvehoffe auß der Wolcke in die Höhe etwas anders hervor kreucht / in gestalt eines Haupts; drüber war er erschrocken / und hette schier davon weggehen wollen / wenn er nicht bald andere Gedancken geschöpffet: hatte derowegen verharret / und sich weiter zu Vollenziehung des ostenti gesetzet / solches biß zu Ende anzusehen. Da war also weiter ein Glied nach dem andern hervor gekommen / biß das es ein gantzes und leibhafftiges grosses Crucifix geworden / dran man alle Nägel / Finger / Haare etc. hat eigentlich betrachten können: und in dem läufft er vom Orte herunter / damit[290] ers andern anzeige: drüber er denn gewahr worden / vor seiner Thüre / daß schon etliche andere Bürger bereit gestanden / die von sich solches Crucifix auch betrachtet / und vor sich innen geworden waren. In übrigen soll sichs in der Lufft bey andere halb viertel Stunden gehalten haben. Ein Pfarrer soll sehr drüber geeifert haben / daß der Thürmer über solches Wunder nicht die gantze Stadt wach gemachet habe.

Soll ich dieses zu jenem Flore mit hinziehen / oder auff unser liebes Vaterland außdeuten / so würde ich im letzten sonderlich nicht fehl schlagen. Denn man hörete flugs drauff / von einer Fürtinne / so abermahl von unsern Glauben getreten zum Papisten: etc.

So hatte man in denen vorhergehenden Monaten dieses und des vergangenen Jahrs mit grosser Bestürtzung vernommen / wie Chur Brandenburg in seinen Landen den Exorcismum bey der Tauffe also moderiret hatte / auff Calvinischer weise und Gebote / das ihn alle Priester (außgenommen 2. nehmlich Herr Lic. Reinhart / der drauff zu Leipzig an der Niclas Kirche Pastor ward: und etc.) über 200. in tantum müssen abstehen und auffgeben: so ferne einer sein Kind also begehrete getauffet zu haben / daß sie verpflichtet seyn solten / den Exorcismum auß der Tauffe wegzulassen: drüber ein paar Patenta herauß kamen: So hatten auch die Nürenbergischen [291] etc. drüber von denn bedrengeten Pfarrern zu rathe gezogene Theologi, darzu conviret / es mehr approbiret / als improbiret / und den Syncretisnium oder crypto-calvinismum helffen gut heissen im offentlichen Drucke / so Lateinisch / so Teutsch: welches aber von unserer Seiten wiederleget ward. Auß Hamburg schrieb man /15. Aug. 1665. die Königin Christina suchet in Schweden / wie allhier verlauten wil / daß sie künfftig im Reiche ihr freyes Exercitium der Römischen Relligion haben möge; wird aber schwerlich angehen. Cæterùm huc confer hîc in præcedd: pag: 181. in fine.

Sonsten spricht auch Cardanus lib. 3. fol. m. 573. seines Traumbuches: daß unter andern Dingen oder Bilden / so uns in einem ärgern Stand setzen oder verwandeln wollen / auch gehören die Träume von vielen Spinneweb in Häusern. Franzius in Histor: Animal: d. l. p. m. 869. bringet es ad specialiora wenn er spricht: das die Patres die argumenta der Ketzer mit dem Kancker-Gespünste haben zuvergleichen pflegen. Weil sie zwar starck zu seyn scheinen / aber doch nicht es als nur einen euserlichen Schein führen. Job. 19. v. 14. Domus araneæ fiducia ejus. Item Hæreses recte possunt conferri cum araneis: sicut etiam Diaboli ex se textentes mendacia. Hierzu kömpt der Vergleich: Ketzer heisset auff keusch im Niedersächsischen / ein Netz / rete;[292] Nun ist ein Spinnengewebe nicht viel anders / dem euserlichen Augenscheine nach / wann es im Winckel zweer Wände henget / wie denn Franz. d. l. pag. m. 871. saget: Si quid muscarum incidit in Rete araneæ. etc. Traum (wie commodùm redet Theophrast: Paraces: lib. Meteor: c. 9. beym D. Lazaro von der Heyde in tract: vom Schwebel-Regen: litt. C. 3. b.) wann etwan neue Figuren von Himmel fallen auff die Erde in mancher ley Gestalten / so mercket solches Ursach / das solches nicht geschicht; allein es sey dann ein præsagium vorhanden: und fallen solche nit nur auß der Natur / sondern auß Ordnung GOttes zu einer Figur einer neuen alteration in demselben / das solche Zeichen führt: Also begeben sich solche Figuren am Himmel / die nichnichtes anders bedeuten / dann solche Zukunfft / wie sie etwan gebrauchen. Dann GOTT ist solcher præsagien-Meister / und Arbeiter / zurichter / Steller und Formirer / darumb soll ein jeglicher wissen / das solche Ding nichts anders seyn / denn auß der Natur / welcher befohlen zuverkündigen der Zeit Ankunfft. (Ich kan nicht unterlassen / hierauff beyzufügen / was M. Hermannus Heinrychus Frey / in sei nem Biblischen Thierbuche / part: 5. p. m. 366. b. etc. zur Sache vorbringet / also: Demnach warnet der Heilige Prophet Esaias Cap. 59. bey diesem Thierlein und seinem Gewebe / für den falschen[293] Propheten / Ketzern / und ihren versührischen Lehren / welche nichts sagen von der wahren Gerechtigkeit / etc. Es ist niemand der von Gerechtigkeit prediget / oder treulich richte / man vertrauet auffs eitel etc. Ihr Spinneweb taug nicht zu Kleidern / und Ihr Gewürcke taug nicht zur Decke etc. Das ist / ihr Gottesdienst und alle Menschliche gute Werck können niemand erquicken noch erhalten in den Todesnöthen / und auß der Höllen erretten. Lutherus. Ihre Wercke gläntzen / und haben einen Schein großer Heiligkeit / seind aber in der That unn Wahrheit nichts anders als Spinnengeweb / das ist / vergiffte / unnütze Wercke: Denn gleich wie das Spinnengeweb anzusehen ist etlicher massen als es gewebt were / und dienet doch nit zur Kleidung: Also sind auch die Werck / damit die gottlose Menschen (Papisten) die Gerechtigkeit zuverdienen gedencken / lauter unnutz und umbsonst. Und so wenig ein Nackender sich mit Spinneweben wird für dem Wind und Frost vertheidigen können: Eben so wenig werden die heuchel-Papisten mit ihren guten Wercken für GOtt bestehen mögen. Brentius erklärrs etwas weiter / und beweisets mit den Exempeln der Mönche Betstunden und andern Päpstischen Wercken mehr: Gleichwie der Spinnengewebde artlich und künstlich gemacht werden: Aber wozu diener solch Gewebe / (wie künlich[294] es auch ist /) als daß damit Fliegen und Mücken gefangen werden? Man kan aus solchem Geweb kein Kleid machen / sich damit wieder die Kälte und Regen auffzuhalten: denn es sind unnützliche Werck / die gar leicht zurissen werden / wenn man sie nur ein wenig anrühret: Eben also seind auch der Heuchler Werck / und die nur /von Menschensatzungen und Ordnungen befohlen / geschehen. Denn dieselbige Werck seind zwar artlich erdacht / werden auch verrichtet mit einem großen Schein der Gottesfurcht / aber warlich / es ist nichts unnützers / zugeschweigen des gottlosen Wesens / so dabey und damit vollbracht wird. Denn wenn du gleich alle ihre Werck auff einen Hauffen legest / so können sie dich doch nicht schützen wieder die Hitze und Frost des Orts / da nur weinem und Zeenklappen ist. Siehe an die Päpstliche Meß! mit welcher Scheinheiligkeit / Pracht und Herrligkeit wird sie verrichtet? da stehet der Meßpfaff für dem Altar / bald in Königlichen Schmuck / dem seind zweene Diener zugeordnet / den einem nennet er einen Diacon oder Caplan / den andern ein Unter Diacon, die auch ungleicher weiß / aber doch köstliche Kleidung haben: mitten innen stehen die Knaben / die auch mit weissen helleuchtenden Kleidern sind angethan; Diese alle / jung und alt / haben ihre gewisse Gesäng / die sie singen / was sie lesen / ihre mancherley Gauckeley und Gebräuch /[295] die sie ordentlich nach einander verrichten / daß die Zuseher darob lustig werden / und dencken sollen / daß der Meßpfaff und seine Gesellen die Zuseher zu grosser Andacht reitzen und bewegen wollen. Aber warlich solche Meß / mit großen Fleiß und Unkostē verrichtet / ist nichts anders als ein Spinnengeweb / die zu nichts dienet / als Fliegen und Mücken damit zufangen / das ist / die Leute zubethören / deren Bauch ihr GOtt ist / und mehr dem Geld als dem Herrn Christo nachfragen. Und weil diese Meß nichts anders ist / als Menschensatzung / ist sie für nichts anders zu achten / als für ein Spinnenwebde / denn / ob du gleich viel tausend solcher Messen beysammen hättest / so können sie dich auch nicht wieder die geringste Anfechtung erhalten / etc. Eben diese Meynung hat es mit der München Betstunden. Auff die falsche Lehr / und Ketzerey deutets auch Hieronymus Epistolâ suâ ad Cyprianum in der Außlegung des 90. Psalms / da nach der Griechischen und Lateinischen Version gelesen wird; Gleich wie die Spinnen mit ihrem zarten Weben und Gärnlein allein Mücken und Schnacken fangen / die starcken Thier aber hindurch brechen / und zureissen: Also werden auch allein die schlechten und einfälligen sicheren Christen durch die Irrthumen bedrickt; die Starckgläubigen entrinnen den Ketzern leichtlich. Brentius aber verstehet die Bauchdiener und Wollüster / die gar bald an den Papistischen[296] feisten Irrthumen behangen bleiben. Hiehero dienet nicht übel der Spruch Bildad von Suach / Job 8. des Heuchlers Zuversicht vergehet / und seine Hoffnung ist wie eine Spinneweb etc. Bildad handlet von des gottlosen Heuchlers glücklichen Zustand / darauff er trotzet und sich verläst / aber gleich wie die Spinneweb nicht halten / noch für der Kälte vertheidigen können / soldern bald zureissen: Also gehets auch mit der Heuchler Hoffnung im Geistlichen und Weltlichen Sachen. Brentius: Die Spinne / so nur drauff dencket / wie sie etwas fangen möge / macht ihr Geweb wunderbahrlicher weise in die Lufft / nicht zu dem Ende fürnehmlich / daß sie darinn sey / sondern daß sie Fliegen fangen möge: In solches Gewehd / so etwas schweres fällt / bleibets nicht drinnen / kömpt aber was leichts / wie eine Fliege / so wird sie gefangen: Also auch wenn du dich auff Menschen Hülffe verlässest / und eigne ertlichte Werck / kanstu damit bestehen / weil du leicht bist / und nicht für das Gericht Gottes kömpst. Wenn aber das schreckliche Urtheil und Gerichte GOttes angehet / so kan dich das Spinnegeweb / oder die Menschensatzungen und Verheissung / und deine eigene ertichtete Werck / nicht ertretten noch erlösen. Was auch des Gottlosen Hauß und Hoff / Leib und Leben anlangt / vergleichts Job Cap. 27. einer Spinnen. Der Gottlose bauet sein Hauß wie eine Spinne [Asch, [297] quidam fineam, Osiander Erucam intelligit] und wie ein Hüter eine Hütten macht. Brentius: Ædificium Impii est veluti Aranei tela, etc: quæ vel levi ventô dissipaur. Das ist / des Gottlosen Hauß ist wie eine Spinneweb / die ein geringer Wind zureist. Warumb trotzen und prangen denn die gottlosen Welt Kinder so sehr mit ihren Schlössern / Pallästen und schönen Häusern / so sie doch so unbeständig / gebrechlich / zustörlich sind als die Spinneweb? Wie Hieronyinne in der Außlegnung des Psalms 89 oder 90. sagt: Was die Menschen fürnehmen / thun und arbeiten / das ist wie Spinnegeweb / sie arbeitet hefftig den gantzen Tag / läufft hin unn her / aber ist doch kein Nachdruck und Krafft darhinder: Also gehets auch mit aller Menschen lauffen und kennen / Gut sammeln / Reichthum überkommen / Kinder zeugen / zum grossen Herren / Fürsten oder König werden / etc. Dieses alles ist nicht beständiger denn der Spinnengewebd. Chrysostomus homil. 32. in Matth. vom verstorbenen Töchterlein / spricht /wenn wir allein dieses Lebens angenblicklichen / und des zukünfftigen beständigen ewigen Zustand bedächten / würden wir nicht viel darnach fragen / wenn schon GOtt unsere Kinder auß dieser Welt in sein Reich abfoderte. Quod si tàm præsentis vitæ, quàm futuræ conditionem intellexeris: & hanc quidem Aranearum telam atque Umbram: illam verò [298] immobilem ac æternam esse firmiter credideris, non indigebis ullâ aliâ ratione. etc. Hactenus ille: Dessen meisten Bedencken auff eine Ketzerey loß gegangen: wie ich davon auch eines und das andere sonsten vorgebracht habe c. 3. tract. von der hochblauen Seide bey Naumburg vom Himmel gefallen. Ein anderer möchte dennoch wohl unsern vorgedachten Norrwegischen Flor auff ein sterben deuten: Angesehen die euserliche Spinnwebische Gestalt solches beglauben dürffte: darzu gehöret / daß / wenn heuffige Kancker an einem Orte gesehen werden / die Leute darvor halten / das eine Pestilentze vorhanden sey: Alldieweil die Lufft sehr müsse verdorben seyn / daher sie viel überflüssig Futter hetten / nach Außsagt des Franzii d. l. pag. 871. Ja wir haben vorher gehöret / daß es noch ein ander auff den Hoffart gezogen hat / darzu ich etwan diese außm Franzio d. l. setzen möchte. Der Römischt Kayser Varius, oder wie Platina hat in Urbano I. Heliogabalus, damit er die Grösse der Stadt Rom zuvorstehen gebe / hat durch seine Knechte in kleine Säcklein / zehentausend Pfund Spinneweben sammlen lassen: Darauß man aber zugleich folgern mag / daß damahlen traun nicht so eine Pracht /üppigkeit und Hoffart zu Rom müsse gewesen seyn; sondern vielmehr die schlechte Einfalt und Vergnügsamkeit. So ist auch dieses sehr gewünscht / wenn man siehet / und vermercket /[299] daß die Waffen / Büchsen / Spiesse / Harrnische und dergleichen Gewehre mit Kanckergespinnste angefüllet und ümbzogen seyn: weil es nehmlich eine richtige Anzeigung giebt / daß man umb selbige Zeit nicht viel von Kriegen und Blutvergiessen wisse. Hactenus ille. Was sonsten diese beyde letzten Vermuthungen belanget; so stecken die auch hinter der gedachten Thüringischen Himmels-Seide / wie weitleufftig auß meiner vorhergehenden instruction abzunehmen stehet / welche ich drüber zu Pappiere gebracht / und hierbey nicht uneben appliciret: Zu deme weil auch unser vorgenommener und erstgedachter Norrwegischer Flor keine schlechte Verwandnüß mit solcher Seide zu haben scheinet: Ohne daß sie in Farben dissentiren / und etwan beym Flore die Seide gleichsam verwircket ist gewesen /welche allhier in unser Rifier bloß und unverwickelt von Natur gelassen worden.

Im übrigen gehören dennoch hieher etliche Uhrkunden und andere Nachrichte vom gedachten Flore / als folgende:

Auß Schönen in Ackerhauß Lehn vom 24. Julii in der Gegend Grägnäs ist kurtz-verwichener Tagen der Himmel offen gesehen worden / als auß welchem 3. weisse und 3. schwartze Pferde hervorkommen / dennen zwo Armeen / so hefftig wieder einander gestritten / und gefochten / gefolget: Nach Endung solches Gefechts hörte man[300] ein liebliches Gelaut / gleich einer wohlklingenden Music; alsbald aber ein jämmerliches Wehklagen; worauff die Lufft / welche vorhin recht schön und hell gewesen / in einen dicken Nebel verwandelt / und sich ein hefftiger Platzregen ergossen: Unter diesem seynd viel Stücke Leinwat / welche von vielen glaubwürdigen Personen gesehen / und dem feinsten Kammertuche gleich befunden worden: theils der grösse als Bettlacken / theils kleiner / wie auch brennender Schwefel in grosser Menge herunter gefallen. Die Bedeutung ist dem lieben GOtte allein wissend. Item eine andere Relation auß Stockholm / that hinzu / das solcher bald nachgefolgeter Schwefel und Pech das Leinwand wieder verzehret hette / ohne / daß man ein Stüke salviret / und dem König offeriret habe. Item ward auß Stockholm gedacht; daß es in Schweden viel Wunderdinge gebe / und das die Fische hin und wieder trefflich abstürben; drauß sie eine Pestilentze vermutheten / welche wohl sonderlich die Oerter betreffen möchte / so an den Wässern legen / und der Fische genössen. Das ich im dreyf. Leipz. Blutz. gedacht habe / wie in Pohlen auch einmahl ein blau Gespinste herunter gekommen vom Himmel / beym Sterben: Darzu setze / daß der Pohlen Farbe ohne das in ihrer Lieberey sey / Blau: Quemadmodum etiam Polus cœruleus est. vid. p. m. 264. hîc.[301]

Quelle:
Praetorius, Johannes: Anthropodemus plutonicus. Das ist eine neue Welt-beschreibung [...] 1–2, Magdeburg 1666/67, S. 228-302.
Lizenz:
Kategorien:

Buchempfehlung

Jean Paul

Vorschule der Ästhetik

Vorschule der Ästhetik

Jean Pauls - in der ihm eigenen Metaphorik verfasste - Poetologie widmet sich unter anderem seinen zwei Kernthemen, dem literarischen Humor und der Romantheorie. Der Autor betont den propädeutischen Charakter seines Textes, in dem er schreibt: »Wollte ich denn in der Vorschule etwas anderes sein als ein ästhetischer Vorschulmeister, welcher die Kunstjünger leidlich einübt und schulet für die eigentlichen Geschmacklehrer selber?«

418 Seiten, 19.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Geschichten aus dem Biedermeier III. Neun weitere Erzählungen

Geschichten aus dem Biedermeier III. Neun weitere Erzählungen

Biedermeier - das klingt in heutigen Ohren nach langweiligem Spießertum, nach geschmacklosen rosa Teetässchen in Wohnzimmern, die aussehen wie Puppenstuben und in denen es irgendwie nach »Omma« riecht. Zu Recht. Aber nicht nur. Biedermeier ist auch die Zeit einer zarten Literatur der Flucht ins Idyll, des Rückzuges ins private Glück und der Tugenden. Die Menschen im Europa nach Napoleon hatten die Nase voll von großen neuen Ideen, das aufstrebende Bürgertum forderte und entwickelte eine eigene Kunst und Kultur für sich, die unabhängig von feudaler Großmannssucht bestehen sollte. Für den dritten Band hat Michael Holzinger neun weitere Meistererzählungen aus dem Biedermeier zusammengefasst.

444 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon