Das VIII. und letzte Capitel.

Wie lange der Hexen-[568] Convent währe / ehe sie wieder von einander reisen?

Damit wir nun einmahl diesen Tractat ändigen und beschliessen / ist noch dahinden / daß wir kürtzlich auch betrachten die Grösse der Zeit / oder wie lange die Hexen auff dem Blockensberge und anderswo sich verweilen / nach ihrer angestelleten Hexenfahrt / ehe sie wieder nach Hause sich verfügen?1 Darauff antwortet Bodinus auß dem Extract der verurtheileten Hexin zu Potetz / welche unter andern mit bekant / daß sie fast alle acht Tage / und zwar am Montage zusammen kämen / und jedesmahl solcher Hexen-Reichstag drey Stunden währe.2 Miteinander aber soll deß Teuffels-Banquet biß zum Hahnen-geschrey hin währen / davon kan nachgelesen werden /was Rawe in seinen Memorabilibus vorbringet: Wo sonderlich dieses zu erwehnen vorfället / warumb sich umb solche Zeit / oder umb den Hahnen-geschrey das Teuffelsgespenste und die Hexen sich verliehren? So thut hiervon Bericht / was wir allbereit bey dem Anfange des vorhergehenden VII. Capitels angeführet haben / allda diese Frage auch weitläufftig ist abgehandelt worden. Doch kan noch zum[569] Uberflusse quoad τὸ ὅτι, folgends mit angehöret werden / was II. Georg. Strigenitius Pfarrher / Superintendentes, Thum-Prediger und Assessor deß Churf. Sächs. Consistorii zu Meissen in seinem Gallicinio oder Predigt vom Hanenschrey deß Hauß-Hans deß Hohenpriesters zu Jerusalem in der Vorrede schreibet: Andere Sang-Vögelein dienen den Menschen mit ihrem Gesange nur zur Lust / und Frölichkeit: Aber der Haußhahn hilfft mit seinē Krehen und Schreyen die Haußhaltung und andere Arbeit befördern / damit sie nit unterlassen noch versäumet werde. Dann er wecket das Gesinde und die Handwercks-Leute zu rechter Zeit auff / daß sie nicht zu lange schlaffen / und zu rechter Zeit an die Arbeit kommen / und das jenige verrichten können / was ihnen obliget und befohlen ist.3 Von solchem Nutz deß Hahnenschreyes redet und schreibet der alte Lehrer und Bischoff Ambr. sehr fein und spricht: Est Galli cantus suavis in noctibus, nec solùm suavis sed etiam utilis, qui quasi bonus cohabitator, & dormientem excitat & sollicitum admonet & viantem solatur, processum noctis canora significatione protestās Hoc canente, latro suas relinquit insidias.4 Hoc ipso Lucifer excitatus oritur, cœlumque illuminat. Hoc canente, mœstitiam trepidus nauta deponit, omnisque crebro vespertinis flatibus excitata tempestas & procella mitescit. Hoc canente, devotus exilit ad precandum, legendi quoque munus instaurat. Hoc postremò canente, ipsa[570] Ecclesiæ petra culpam suā diluit, quam priusquam Gallus cantaret, negando contraxerat. Istius cantu, spes omnibus redit; ægris levatur incommodum, minuitur dolor vulnerum: febrium flagrantia mitigatur. Das ist auff unser Teutsch soviel gesaget: Das Hahnen-Geschrey ist lieblich deß Nachts / und nit alleine lieblich / sondern auch nützlich. Dann der Hahn als ein guter Beywohner wecket den Schlaffenden auff / ermahnet den Sorgfältigen und Bekümmerten / und tröstet den / der da wandert / dieweil er mit seiner hellen Stimm den Fortgang und die Stunde der Nacht anzeiget. Wann er krehet / so höret der Mörder und Strassenräuber auf den Wanders-Leuten nachzustellen. Von seinem Geschrey erwachet gleich der Morgenstern / und gehet auff / daß er den Himmel erleuchte. Der Schiffmann freuet sich seines Gesanges / weil sich die Winde gegen dem Morgē / da er krehet / etwas niderlegen und es stille wird. So er schreyet / werden die Andächtigen ermahnet auffzustehen zum Gebät / die Gelährten erinnert er der Bücher / die sie mit dem Liecht suchen sollen. Da der Hahn das letzte mal krehete / erkante unn beweynete Petrus seine Sünde / die er vorhin unbedächtig / mit Verläugnung seines HErrn begangen hatte. Gegen dē Hahnegeschrey fassen die Krancken wieder ein Hertz / den Verwundetē werden ihre Schmertzen gelindert / die Hitze deß Fiebers leget sich. Umb solches grossen Nutzen willē / haben auch die Alten den Hauß-Hahn und sein Geschrey / jederzeit in sonderlichen[571] Ehren gehalten / und ihnen daher Uhrsach und Gelegenheit genommen / ein Theil der Nacht / nach seinem Geschrey / den Hahneschrey zu nennen.5 Und solcher Brauch ist nicht allein bey den Heyden / sondern auch unter dem Volcke GOttes / den Jüden / gehalten worden / wie solches die Evangelische Historia außweiset / darinnen der Herr JEsus eben solcher Abtheilung gedencket / da er Marci am 13. eine treuhertzige Vermahnung thut / an seine liebe Jünger / und alle Menschen / daß weil sie den jüngsten Tag / und ihr letztes Stündlein nicht wissen / sie allezeit gerüst / und bereit seyn sollen / damit sie nicht unversehens über fallen / gerichtet und verdambt werden / und spricht also: Wachet / dann ihr wisset nicht / wann der Herr des Hauses kömbt / Ob er kömbt am Abend / oder zu Mitternacht / oder umb den Hahnenschrey oder des Morgens. Auff daß er nicht schnell komme / und finde euch schlaffend. Was ich aber euch sage / das sage ich allen / wachet. Es haben auch die Alten sonderlich unter den Heyden / viel auff das Hanengeschrey gehalten / und auß demselben / nicht allein von Veränderung des Gewitters / sondern auch von andern Sachen / als von glückseligem oder unglückseligem Zustande der Menschen / sich unterfangen zu urtheilen und zu schliessen. Daher schreibt Plinius, daß den Bœotiern / der herrliche Sieg wider die Spartaner / durch das Hahnengeschrey zuvor verkündiget / und angedeutet[572] worden seyn soll / da die Hahnen die gantze Nacht auß gekrehet.6 Und solches haben sie daher abnehmen wollen / weil dieser Vogel nicht pfleget zu krehen / so er überwunden ist / und das Feld hat räumen müssen. Das ist Abgötterey: Welche GOtt seinem Volcke den Jüden / ernstlich verbotten hat / wie im dritten und fünfften Buch Mosis zu sehen ist / da geschrieben stehet: Ihr solt nicht auff Vogelgeschrey achten. Item: daß nicht unter dir funden werde der auff Vogelgeschrey achte. Im 2. Reg. 21. Wird unter andern Sünden / die Manasse der König begangen / auch dessen gedacht / daß er auff Vogelgeschrey geachtet habe. Zu unsern Zeiten haben sich umb den Hahnengeschrey zwo denckwürdige Historien begeben / Eine / mit einen jungen Edelman / der Losung vom bösen Geiste bekommen hat / da der Hahn gekrehet.7 Die Andre / mit einem kleinen Kindlein / das umb den Hahneschrey wunderbahrlicher weise angefangen hat zu redē. Dieselbigen / weil sie wohl werth sind / daß sie in Acht genommen werden / will ich allhier ordentlich erzehlen.

Die erste Historia8 hat sich begeben im Jahr Christi 1556. in einem Dorff in der Laußnitz / dahin sind im gemeldetem Jahre / am Sontage Judica, welchen man den schwartzen Sontag nennet / frühe morgens / etliche junge Edelleuthe / neun oder zehen ungefährlich kommen in dem Nahmen / daß sie Predigt hören wolten /[573] welches sie auch gethan. Nach gehaltener Predigt / haben zween Junckern / so im Dorff beysammen gewohnet / und noch Junge-Gesellen gewesen / die Frembden zu sich in ihre Behausung geladen / allda sie ihnen wie sie es dazumal vermocht / und die Zeit gegeben hat / mit Essen auffs gütlichste gethan / darneben gebäten / da am selben was mangelte / daß sie sich am Trincken erholen wolten. Damit sie aber ihres guten Willens gnugsame Anzeigungthäten / und die Gäste frölich machten / haben sie alsbald angefangen den Gästen zu Halben zu zutrincken. Dasselbe hat den gantzē Tag über / biß an den Abend gewähret / da sich dann endlich unversehens / zwischen ihr zweyen Gästen / üm ein Glaß Bier / so einer dem andern nit hat wollen Bescheid thun / ein Zanck erhaben / dermassen / daß sie einander nach den Köpffen geschmissen / daß die rothe Würtze hernach gefolget.


Unter andern Gasten ist ein junger frommer Edelmann gewesen / von 20. Jahren / der gleich als unter den Wölffen mit heulen / und nur der andern Spott-Vogel hat seyn müssen / den sie ihres Gefallens vexiret haben. Derselbe / da er gesehen / daß sie nichts desto weniger ferner auff einander gruntzeten / ungeachtet / ob sie sich schon versöhnet hätten / hat er gedacht / es mögte nichts Guts darbey seyn / sondern das Letzte ärger werden / dann das Erste / machte sich derwegen[574] auff / und gehet anheim zu seinem Vatter / und nimmt einen mit sich / unter denen beyden die sich gezweyet hatten. Der Vatter heisset sie willkommen seyn / und bittet seines Sohns Gast / er wolle sich nieder setzen / und lässt ihm das beste Trincken aufftragen. Als sie sich nun wol beräuschet / gehet der Vatter mit deß Sohnes Gaste zu Betthe / sampt dem gantzen Hauß-Gesinde; Der Sohn aber / weil er den gantzen Tag über gezecht / bleibt alleine auff den Armen auff dem Tische liegen / welches er zuvor mehr gepfleget hatte / darümb es der Vatter nicht groß geachtet / sondern hat ihn liegen lassen / und gedacht / wann er das Bier außgeschlaffen hat / wird er sich wol wissen zu Betthe zu finden. Indem man aber im ersten und härtesten Schlaff ist / kommen zum Stuben-Fenster hinein gekrochen / etliche Gespenste / durch welcher Rauschen und Rasseln er erwecket worden / siehet sie an / kan aber nicht sehen / wie viel / oder was es sey / ohne was er hernachmahls erfahren / daß er sich bedüncken lassen / sie haben kleinen schwartzen Männlein / etwa einer Spannen lang / oder etwas länger / gleich den geschnitzten Bildlein in der Kirchen / ähnlich gesehen.


Wie nun dieses Geschwürm üm ihn her / unterm / neben und auff dem Tische und Bäncken[575] krabelt und kreucht / und auch ein Liecht in die Stube kömmet / kömmet ihn eine grosse Furcht und Schröcken an /wil eylends zur Thür hinauß / kan aber nicht weiter / dann für den Tisch kommen / da wird er gewar bey der Stuben-Thür / eines grossen schwartzen Mannes / mit einem schwartzen Bart / und neben ihm auff einem Leuchter ein groß Liecht stehen. Weil er diesem zusiehet / und kan weder auß noch ein / setzen sich indeß / die kleinen schwartzen Männer / auß welchen grosse Männer wurden / alle ümb den Tisch rings ümb her / und bringen behände unter dem Tisch herfür / Liecht und Leuchter.

Da es nun hinter ihm auch liecht wird / und sich von dem Manne bey der Thür / zum Tisch kehret / siehet er darauff vier Leuchter / und auff jedem ein Liecht stehen. Item / Kannen und Gläser voll Bier / und den Tisch mit grossen Männern in langen schwartzen Bärten voll besetzt / haben schwartze Mäntel angehabt / auch zerschnittene weise Wamms / lange Braunschweigische Hüthe auff / mit schwartzen und weissen langen Hahn-Federn vermengt / güldenen und silbernen Schnüren / daran lange Trödel gehangen. Und wie er bekandt / hab ihn gedaucht / daß etliche seiner Mitgesellen / mit welchen er den gantzen Tag über gezecht / ähnlich und gleich gesehen / deren einer nach dem andern zu ihm gesagt: Hans es gilt dir / Hans thu bescheid / Hans du must bescheid thun /[576] hast du heute können sauffen / so must du mit uns jetzt auch sauffen / oder wir wollen dir den Halß ümbdrehen.9 In solchem grausamen Gesicht und Zuschreyen / wird er wie halb vertödtet / fället für dem Tisch auff seine Knye nieder / hebet seine Hände auff / wil beten. Alsbald findet sich zu ihm ein Mann / in einem weisen Kittel / mit schönen geblichen langen Haaren / und sehr lieblichem und freundlichem Angesichte / als einer schönen Jungfrauen / hat aber nit gesehen / wo derselbe hinein kommen.10 Dieser spricht: Hans trinck nicht mit ihnen / dann so bald du mit ihnen trincken wirst / werden sie dir den Halß brechen. Sondern bäte und ruffe zu GOtt dem HErrn / im Namen JEsu Christi / der wird dich auß dieser gegenwärtigen Noth erretten / und von dieser bösen Gesellschafft / daß sie dir nichts werden können anhaben / loß und ledig machen. Hat also angefangen zu bäten / aber sich in solchem Schröcken nicht wol besinnen können. Da hat ihm der Mann im weissen Kittel helffen baten / und gesaget / wie daß er heute diesen Abend einen Todtschlag gehindert / dem er vorkommen / und verhütet hätte / indem / daß er seinen Gast mit anheim geführet hätte. Dann so er wäre bey den andern blieben / wäre noch den Abend ein Todtschlag geschehen.11 Und das sey auch zum theil ein Ursach / darüm diese Gesellschafft ihn für andern anfechte / und so hefftig zusetzte.[577]

Da er aber von ihm hat scheiden wollen / hat er ihm zuvor gesagt / wie sie übel mit ihm ümbgeben / ihn plagen und martern würden / er aber solte seines Gebäts warten / mit demselbigen fleissig anhalten / mit ihnen nicht trincken / sich auch nicht ümbsehen bey Verlust seines Lebens / GOTT der Allmächtige würde ihm beystehen, und ihn erretten / durch seinen lieben Sohn JEsum Christum / solches aber seiner Errettung solte ihm dieses Wahrzeichen seyn / daß alsbalde der Hahn zum ersten mahl krehen werde /würden sie ihn verlassen / und sich alle von ihm verliehren. Weiter hat er ihn auch zur Busse vermahnet / und Besserung deß Lebens anzufahen / insonderheit aber / daß er sich hinfürt er für dem viehischen / unmenschlichen Laster / deß Fressens und Sauffens / auch für Fluchen und Schwören bey Gottes Marter und Wunden / hüten solte. Und letztlich als zu einem Valete, ernstlichen befohlen / auff den morgenden Tag ohne einige Verhinderung zur Beichte und GOttes-Tisch zu gehen / und solte dieses alles / wie es ihme ergangen / seinen Zechgesellen vermelden / und sagen / daß sie in Zeiten / ehe sie der gerechte und schröckliche Zorn GOttes überfallen möchte / von ihrem rohen und gottlosen Wesen / abstehen / Busse thun / und sich bekehren solten. Darüber auch zur Beichte gehen / und dz hochwürdige Sacrament empfahen. Ist also / fein gemächlich an seiner Seiten hinderwerts /[578] daß er nicht gewust wohin / verschwunden. Bezeuget hoch und theuer / daß ihm nur sehr wol gewesen / hab sich auch nicht fast geförcht / so lang der Mann bey ihm gewesen. Bald aber / da er hinweg kommen / tretten zween schwartze lange Männer zu ihm / ein jeder auff eine Seite / sind gestallt gewesen wie die am Tische / ohne daß sie weite lange Pluder-Hosen biß auff die Erde hangende / welche er an den andern / da sie am Tische gesessen / nicht hat gesehen / und sehr grosse Augen / wie die Kesenäpffe gehabt. Die fassen ihn erst recht an. Dann da er denen überm Tische / die ihm haben zugetruncken / nicht wollen bescheid thun / kneippen und zwacken sie ihn dermassen / in die Ohren / daß man ihm auch das Mahlzeichen länger dann vierzehen Tage lang hernach gesehen / und er sichtbarlich zum Zeugnuß hat tragen müssen. Und lässt sich bedüncken / wie er sehr und hefftig geschryen habe / wundere sich auch / daß es niemand gehöret / wiewol das Gesinde saget / daß es Schreyen gehöret / aber gemeynt / der Vatter schlage den Sohn / oder daß er noch mehr Gäste bekommen / die sich unter einander schlügen / darein sie dann nichts zu reden vielweniger zu thun hätten. Habens derhalben hingehen / und gut seyn lassen / sind darüber wieder eingeschlaffen / und nicht auffgestanden.[579]

Etliche aber der schwartzen Männer / lagen ihm zun Füssen / unter dem Tische / zupffeten und rupffeten ihn / zarreten und plecketen ihn auch an. Solches alles hat so lang gewähret / biß daß der Hahn zum ersten mahl gekrehet. Bald sind sie in einem Augenblick / mit grosser Ungestümmigkeit / mit Liechtern und Leuchtern / und allem das sie mitgebracht / und auff dem Tisch gesehen war / verschwunden / und haben ihn in der Stuben alleine gelassen. Da er sich nun ein wenig besunnen / und wieder zu ihm selbst kommen / kreucht er auff allen Vieren / und wie er auffs beste mag / zur Stubenthür herfür / winselt und heulet / biß daß es das Gesinde und der Vater höret / der läst ihm alsbald ein Liecht auffschlagen / gehet hinzu / und findet seinen Sohn an der Stubenthür liegen / fragt was ihm sey / wie er daher kommen / wer bey ihm gewesen / und ihm gethan habe? Der Sohn antwortet / der Vatter wolte ihn dißmahl nicht so eigentlich und hefftig fragen / er wolte es ihm über 3. Tage sagen. Dieses aber köndte er ihm nicht verhalten / daß ein Mann in einem weissen Kiettel bey ihm gewesen / der hätte ihm befohlen / auff den künfftigen Morgen zur Beichte und hoch würdigen Sacrament zu gehen / welches er auch mit Hülffe des Allmächtigen / und so ferne ihm GOtt sein Leben fristen würde / thun wolte. Als der Vatter / solches vom Sohne höret / vermerckt er / daß ein Gesicht bey ihm gewesen wäre / hält[580] innen mit Fragen / und nimbt ihn mit sich in seine Kammer zu Bette. Auff den Morgen gehet der Sohn zum Pfarrern / beichtet und erzehlet ihm / wie es ihm die Nacht über gangen wäre / begeret darüber die Absolution, und das H. Sacrament. Der Pfarrer entsetzet und verwundert sich / als der den Tag über / biß zum Hader / bey ihnen gewesen war / und ob es ihm wohl bedencklich und bekümmert / hat er doch auff ernsten und beständigen Bericht / ihm die Absolution und das hochwürdige Sacrament mitgetheilet. Uber den dritten Tag / wie er zugesaget / vermeldet ers nicht allein seinem Vatter / und Zechgesellen / sondern auch vielen andern. Insonderheit aber erzählet ers seinen Zechgesellen / diese kehren sich an solche Rede nicht / ja verachtens / haltens für einen Possen und Swanck / oder vielmehr für einen Traum / der ihm die Nacht über / weil er voll gewesen / im Schlaff vorkommen / und geträumet habe / gehen immer ihre alte Wege / und lassen sich nichts irren / lassen sich auch solches gar nichts bewegen. Diese Historia und Geschicht / hat der Pfarrer desselbigen Orts auff Bewilligung und Geheiß des Edellmans / dem es geschehen / öffentlich von der Cantzel verkündiget / und es schreibet Hiob Fincelius / der diese Geschicht auffgezeichnet / und in Truck gegeben hat / daß ihm Nahmen und Ort wohl bewust seyn.

Die andere Historia12 und Geschicht hat sich begeben zu Wustviel bey Egolffstein / auff dem[581] Gebirge / anderthalb Meilwegs von Grefenberg gelegen / im Jahr Christi 1558. da soll ein Kind / welches nur 5. Wochen alt gewesen / umb die Mitternacht / nachfolgende Wort klärlich und deutlich geredet haben: Ey / ey / ey / Wo sollen wir hin? Wo sollen wir hin? und soll diese Wort drey Nacht nacheinander / allewege umb Mitternacht geredet / und der Hahn allwege drauff angefangen haben zu krehen.

Was dardurch bedeutet und angezeiget worden / hat sich hernach wohl außgeweiset / da viel rechtschaffener und beständiger Lehrer und Prediger in Thüringen / welche als die rechten wackern Hahnen / ihren Hals getrost auffgethan / der Verführischen Declaration Victorini widersprochen / und dieselben nicht haben unterschreiben wollen / drüber ihrer Aempter und Dienste entsetzet / und mit Weib und Kind ins Elend verstossen worden sind / und nicht gewust haben / wo sie hin / oder bleiben solten.


FINIS seu PEDEMONTIUM.

Fußnoten

1 Quamdiu?

Wie lange der Hexen-Convent währe.

Bodin. Dæmon. l. 2. c. 4.


2 Die gantze Historia ist oben angeführet part. 2. cap. 3. §. 4. (9)


3 Der Hahne befördert mit seinem Geschrey die Arbeit.


4 Ambr. I. 5. Hexam. c. 24.


5 Den Hahnengeschrey haben die Alten in Ehren gehalten.


6 Plin. l. 10. c. 25.

Sieg der Bœotier wird durchs Hahnengeschrey verkündiget.


7 Zwo denckwürdige Historien / welche sich umb den Hahnenschrey zugetragen haben.


8 Die erste Historia von einem jungen Edelmann.


9 böse Trinck Gesellschafft.


10 Ein gutes Engel.


11 Der Teuffel ficht die am meistē an / wende das Böse verhindern


12 Die andere Historia von einem jungen Kindlein.


Quelle:
Praetorius, Johannes: Blockes-Berges Verrichtung. Leipzig, Frankfurt 1669.
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