II.
Woher der Nahme Rübezal entsprungen sey:

[101] Biß hieher haben wir etwa die vielfachen Nahmen und Titel angehöret: welche von unterschiedlichen Leuten und Scriptoribus dem Rübezahl gegeben werden. Jetzund wollen wir uns sonderlich bekümmern umb den[101] Ursprung / oder terivation des Wortes Rübezahls. Hievon sind nun unterschiedliche / und wiedrige Meynungen: In dem es etliche hernehmen von


1. Riesen.

2. U alle und Roy.

3. Bergen Riphæis, oder Rupe, und Zabulô.

4. Enceladô.

5. Nahmen eines Italienischen Münchens Ron Ce vale.

6. Zahlung der Rüben.

7. Adel Geschlechte Ronsevall.

8. Hussiten Rokezan.

9. Lang Ohrigten Thiers Frasse.


1.

Nemlich es finden sich Leute / welche darfür halten / daß Rübezahl so viel sey / als Riesenzahl. In dem dieser Geist erstlich nicht nur ein individuum solle seyn / sondern vielmehr; wie wir aus dem Schererzio vernommen /[102] haben / und es auch ferner die Letter kehr des Wortes RUBENZAHL / behauptet; Unzehlbar seyn soll: zum andern / daß durch diesen Geist die Himmelsstürmerische Riesen noch heutiges Tages gleichsam præsentiret würden: und also de Rübezahl eine eigentliche Copey (seinen Nahmen nach) der alten Riesenzahl seyn solle; wovon er auch were benant worden. Daß aber diesen also sey: solches haben wir oben in des Rübezahls residentzs Beschreibung / aus Herrn Fechnero erlernet: Noch deutlicher aber ist es vorgelauffen unn verständiget worden / vom Opitio d.l. pag. 279. Ja er entdecket es noch ferner p. 267. wenn er also dichtet vom gedachten Riesen-Gebirge: Nechst diesen Versen / die in eine schwartze steinerne Platten gehauen waren; folgeten auff der einen Seiten viel Historien und Bilder von[103] Erschaffung der Welt: von der güldenen / silbernen / irrdenen und letzlichen eisernen Zeit: Von den Himmelstürmischen Giganten: der Uberschwemmung des Erdbodens: Alles in der Ordnung / wie es Hesiodus, Apollodorus, Hyginus, und andere / sonderlich der Sinnreicheste unter allen Poeten in seinen verwandelungs Büchern verzeichnet haben / etc. hier zu kömpt zum andern die Benennung des Gebirges da Rübezahl sich auffhelt / und stets sehen lest: Als welches nicht umbsonst / mons Gigantæus, oder Riesen Gebürge genant wird. Nicht etwan / wie jener vorher erkleret hat; weil der eine Berg viel grösser sey / als die andern neben Gesellen oder mit angefügete; und gleichsam wie ein hoher Cypress über den Weiden herfür rage: nach dem Sprichworte / oder Vergleichniß des Virgilii: oder wie ein Riese /[104] über die andern kleinen Berge / als Zwerche sich erstrecket: Sondern daß darunter etwann sonderlich die Riesen begraben liegen; oder auffs wenigste / von solchen Berge / den Himmel zustürmen vorgenommen haben und zwar / daß dz letztere erdichtet; (nemlich daß unter solchern Gebirge nur ein eintziger Berg eigentlich Riesenberg heisse /) solches ist ferner ab zunehmen aus Herrn Buchners wechsel Reymen / beym höchstgedachten Opitzen p.m. 285.


Hat diß Gebirge denn den Nahmen von den Riesen?

Entspringt mein Landes-Strom umb diese schöne Wiesen?

Du suchst dir ja den Weg zur Mulde gar zuweit;

Und hast aus ihr geschöpfft / O Elbe / Noth und Streit


Daß aber auff diesem Gebirge nicht alleine / sondern auch andern mit[105] kreutzenden Bergen / als nemlich auff den Blocksberge / vorzeiten Riesen gewohnet haben: oder in solchen Bergen ihre Behausungen gehabt haben; wird d' gönstige Leser / in meinen Tractatu von Blocksberge abnehmen können.

2. Zum andern finden sich Autores, welche den Nahmen Rübezahl herleiten wollen von Valle und Roy. Also daß es so viel soll seyn / als Thalkönig: wie wir vor wenig Blättern allbereit vernommen habe. Doch ist zugedencken / daß dieses vielmehr eine allusion, als rechte derivation seyn mag. Erstlich umb die Ursache; weil auff solche Art der Nahme dem Gespenste von den Ausländern müste gegeben seyn; welches mir nicht glaublich vorkömpt: und viel lieber glauben will / daß solcher Geist von den Einwohnern / aus ihrer eigen Muttersprache genant worden. Zum[106] andern refutieret solche gedachte Etimologi der Rübezahl selber: In dem er mit den Nahmen nicht zufrieden seyn will; sondern sich höchst offendiret befindet / und geschimpfft zu seyn vermeinet / wenn er Rübezahl titulieret wird: ungeachtet / daß er (nach des Schickfusii Meinung / so wir vorher verstanden) sehr wohl damit zufrieden seyn solle; wenn man ihn einen Hüter des Schatzes nennet. Doch wie dem allen: Rübezahl achtet keine philologische quackeley / oder Critische Ausflüchte / da man einen garstigen Nahmen eine gute Etymologiam auffbürden will / und solchen eusserlich etwas betüncken / bemänteln / oder einen eusserlichen guten Schein geben. Es bleibet also wie aus diesen fundamenten ungezwungen folget / daß gedachte und vorgebrachte andere origination vergeblich sey; und vielmehr etwan ein[107] andere müsse gesucht werden. 3. Zum dritten sagen etliche / das Wort Rübezahl sey so viel als Riphæorum Zabulus: da er also von den Bergen Riphæis, und dem Worte Zabulus oder Diabolus herkomme wie unter andern in solcher Meinung begriffen ist / M. Johannes Heinzelmannus Uratislaviensis in diss. de Angelo, th. 2. in fine, da er diese Wörter hat: Διάβολος à Διαβάλλω calumnior. Apud Aristophanem Διαβολώτατος. Ionicè ζάβολος, inde spectrum in Riphæis montibus, Riphenzabel / dictum non obscurè qvibusdam videtur. Diesem sey nun wie ihm wolle: Ich / vor meine Person / bin fast in Wahn / wie 4. Zum vierden Rubenzalus etwan so viel sey / als Rieß-Enceladus. Nemlich es ist dieser Kerl auch im Riesen Kriege mit begriffen gewesen / und soll sich sehr ritterlich gehalten haben; dannenhero[108] er auch vom Horatio genant wird: Enceladus jaculator audax. Sonsten solle er deß Titanis, und der Erden Sohn gewesen seyn / und unter allen Riesen / welche sich wieder Jovem auffgelehnet / der allergröste; ja welchen der Jupiter auch endlich mit Donnerkeilen getödtet / und (wie Virgilius l. 3. Æn. unrecht berichtet unter dem grossen Berge Ætna geleget worden:


Fama est, Enceladi semustum fulmine corpus

Urgenti mole hâc, ingentemque insuper Ætnam

Impositum.


Besiehe / über den Natalem Comitem in Mythologia Carolum Stephanum in diction. Geogr. pag. m. 510. Von diesen Encelado, kan vielleicht das Gebirge nicht uneben benant worden seyn als welcher sich im erwehnten Gigantomachia von diesem[109] Gebirge mänlich hat erzeiget / und hernach wie er gefället unter dem Gebirge mag begraben worden seyn.

5. Zum fünfften finden sich etliche / welche den Nahmen Rubezahl hernehmen wollen von einem Nahmē eines Italienischen Münches / Ron ce vale; wie wir hernach unter den Historien hören wollen.

6. Zum sechsten vernahm ich vor etlichen Jahren / von einen Abenteuer / wie daß Rubezahl so viel were / als Rubenzehler: Als welcher des Uhralten / sehr tapffern / doch sparsahmen / Römischen Bürgers Curii famulus oder Pennal gewesen were und seinem Herrn die Rüben zugezehlet hette / die er hernach auff der Banck sitzend / auffn Herte gebraten hat; wie die Samnitischen Legaten einmal drüber zu Masse gekommen seyn / und vergeblich eine grosse Summa Geldes dar geboten, Besiehe Carolum[110] Stephanum d.l. pag. 446. daß aber der Curius zu der Uberreichung solcher Rüben / oder Darzehlung einen Diener bedurfft habe / bekräfftiget gleichsam die Grösse der Rüben / dran Curius sein Belieben mag gehabt haben. Solche seynd nun etwan nicht so klein gewesen / wie in der Marck die Stendalischen Rüben / oder in Meissen die Merßburgischen Rübgen; sondern viel / vielmahl grösser: wie solches erhellet aus dem Handbuche des Herrn Zeilers part. 1. pag. m. 289. von den Rüben zu Terni in Italien / deren eine dreyssig oder viertzig Pfund wägen; und ein Esel derselben kaum 7 tragen soll: Siehe Pighium in Hercule Prodicio pag. 275. Schrederum l. 3. mon. Ital. fol. 266. B. und Leandrum Albert. in deseript. Ital. p. 93. b. aus den Stecklrüben werden sonderlich die Bäyrischen / und die Preusischen / so[111] umb Thoren wachsen / gerühmet.

7. Zum siebenden vermeinen etliche / als wenn Rübezahl her komme von Ronsevall, eilten Frantzösischen Adelichen Geschlechte; wie wir oben aus den Schickfusio vorgebracht haben.

8. Zum achten habe ich auch einmal irgendswo gelesen; Als wenn Rübezahl von den fürnehmsten Hussiten Lehrer Rokezan (dessen gedacht wird in der General Schlesische Cronicke D. Curæi, so vermehret worden durch Henricum Räzeln von Sagen. part. 1. pag. 111. Ad Annum Christi 1433.) genant.

9. Zum neunten und Letzten stehen etliche in den Gedancken / daß Rübezahl / oder Rübezagel entsprungen sey / von Rippe / und Zagel / das ist / nach dem Schlesischen Worte / ein Schwantz: als welcher unter den alten Eselsfressern / von den grossen ungeheuren[112] Hasen eine Rippe abgeklaubet / und den Schwantz oder Zagel gar gefressen habe. Was sagestu? Möchte einer sprechen: Sind die Schlesier Eselsfresser? R. das sage ich nicht / sondern erstlich die Etimologi des Rübezahls / und zum andern die derivation des Nahmens Silesia. Was Rübenzahl betrifft; so ist das Ding ja klar: denn der Nahme ist nicht anders / als Rübe und Zagel. Was das letztere betrifft; so sind zwar unterschiedliche originationes vorhanden; doch gefiel zu einer Zeit einem Philologo die origination ab asini voratu am allerbesten. Damit man aber in einem Augenschein habe / wannen hero der Nahme Silesia kommen solle; so kan solches aus folgenden abgenommen werden. Ubi ànonnullis Etymologia Silesiæ ducitur vel à

1. Gentibus Slavis, vide Schlederum p. 418. Fontis Corvini.[113]

2. Elysa Nepote Noę v. Schvvenckfeldium ab init. Geog. Siles.

3. Origine peregrina Polonica à Sledaz id est Convenæ. vide Johannem Matthiam à Sudetis in Orig. Gentis Slavonicæ. Confer Schickfusiū in Chron. Siles. l. 1. c. 2 fol. 12. 13. item Henelium pag. 4. Silesiographiæ, à Slezaci Polonicè id est Convenæ.

4. Grandis. celsissimo monte, qui & Silensis dicitur de quo vide Zeilerum. Confer Schlederum p. 418.

5. Rivo Sleso. vide Schlederum d.l.

6. Archiduce Sleso vide Schlederum d.l. seu Schleso Rege, vide Münsterum in Cosmographia l. 5 c. 463. fol. 1322.

7. Primis habitatoribus Elisiis.

8. Herciscundi ratione: dum habet[114] 1. tres Ducatus. 2. Principatus quatuordecim, & 3. Dynastias quatuor. vide Schlederum pag. 418. Deinde etiā posset dicta videri ab Hebr. שלש tertiavit, tripertitus fuit, tertiò fecit, triplicavit. Buxtorffius in Lex. p.m. 819.

9. Incolis vetustis Lygiis. vide Joachimum Curæum in Chron. Siles.

10. Asini esu. Schlederus p.m. 418. b. Incolas ejus vulgò appellant Asinivoros, Eselfresser / per contemptum: qui quondam asinum pro lepore devorârint. Sed illud, Autore Georgio Tileno, ab Aurifodina Goldbergensi, quam aureū asinum nuncupaverunt, originem traxit: qui quidem Scommate illo delectantibus hoc distichon reposuit:[115]


Dicis, Grille, asinos Silesia devorat omnes:

Si verum est; ne te devoret illa, cave.


Von dieser gedachten Kurtzweile / kan über den Schlederun mit mehren angehöret werden / Jacobus Schickfusius. IV. D. in der Schlesischen Chronicke l. 4. p.m. 3. Neu muß aber dieser Nahme seyn / welchē man dieses Landes Innwohnern / wie fast allen andern Ländern / aus Kurtzweil zugeschehen pfleget; in teutscher Sprache gegeben: In deme man sie Eselsfresser genennet; welcher Nahme erst zu der Zeit auffkommen / als die teutsche Sprache schon im richtigen Verstande allhiero ist geredet worden. Wannenhero aber dieser Nahme ist geflossen; Weiß man ins gemein anders hier von nicht zureden: Als daß die Vorfahren solche einfeltige Leute sollen gewesen seyn; welche einen Esel[116] niemals gesehen / viel weniger gekennet / und der wegen denselben für einen grossen Hasen zu Crossen geschossen / zum Zobten gebraten / und zu Bresseln solten auffgefressen haben. Dieses ist gar eine ungeschickte Rede und Meinung; welche der Warheit gantz zuwieder. Denn wer wolte doch aus den Antiquiteten den Schlesischē Vorfahren solche Einfalt beymessen; Aus welchen Kund- und offenbahr / daß sie die Dianam, welche eine Göttin der Jagten seyn soll / auch noch in klein Asia im Ephesinischen Tempel verehret und angebetet. Suprà l. 3. c. 1. da bey sie auch noch geblieben / als sie schon mit den Pohlen in diesen Lande gewohnet / und ehe das Christēthumb ist eingeführet worden. Ibid. So ist ja auch aus den altē Historien bekant daß ehe / das Land Schlesien / mit so vielen Städten und Dörffern gezieret worden dasselbe mit Sümpffen /[117] Wäldern und Heyden gantz besetzet und umbgeben: daraus wohl zuschliessen: daß die Vorfahren des gejagtes sich wohl gebrauchet: und dannenhero ein Thier für den andern unfehlbarlich werden erkennet haben, Ob auch gleich dieselbe Meinung / welche gewiß einfältig / und aus einē Eselskopffe hergeflossen / etwas verfangen solte; so weiß ja männiglich / und ist notorisch / daß die Schlesischen ingenia gar anders geartet / und in Urtheilen viel geschwinder erfunden werden / als wohl der Autor solcher Opinion vermeinen möge. Der wegen jener Poet nicht unschicklichen geschrieben / als er vernommen / daß etliche Königliche Bohemischen Räthe das Land Schlesien von seinen geschwinden und beredsahmen ingeniis gerühmet:


Esto; A sinum quondam deglutivisse Silesos:[118]

Objicere ut Slèsis ille vel ille solet.

Ast asini cerebrum non glutivisse Silesos;

Inviti proceres Regis, & acta docent.

Hinc & sunt adeò cautique catique Silesi;

Ut vincant alios dexteritate viros.


Als auch einem andern in Kurtzweil fürgeworffen worden; daß er ein Eselsfresser were: hat er darauff höfflich geantwortet:


Dicis, Grille, asinos Silesia devorat omnes:

Si verum est, ne te devores illa, cavo!


Wenn aber von der rechten Ursachen solches Nahmens solle geredet und geschrieben werden; so ist der günstige Leser dahin zu weisen / daß aus den Bergwerg solcher Nahme hergeflossen.[119] Denn weil umb Reihstein von vielen Jahren hero sein statliches reiches Bergwerck / und unter andern Goldgruben / auch an deme Orte sonderlich am Golde sehr reich gewesen; so man den gülden Esel genennet / zu welchen die Innwohner des Landes sich fleissig gehalten / und keinen Ausländer darzu kommen lassen wollen; haben die Ausländer aus Ungedult gesaget; daß die Schlesier so eifferig auff dem gülden Esel beflissen weren; als wolten sie denselben alleine gantz auff fressen. Dieses hat Georgius Tilenus I.V.D. und Fürstl. Münsterbergischer Olßnischer Rath / ein guter Poet / und dessen Poemata in acht unterschiedenen Büchern publiciret worden / in nachfolgenden kurtzen Epigrammate solcher Gestalt hinterlassen;


Esores asini quondam dixere Silesos:[120]

Causa rei quæ sit, quæstio nata fuit.

Mons propè Reichstenum est, auro divesque fodinis;

Aureus hinc asinus nomine dict9 erat:

Has quia Silesi solùm tenuere fodinas;

Esores asini sint quasi, nomen habent.


Als Hr. D. Valentinus Franck dero Röm; Keys. auch zu Hungarn und Boheimb Königl. Maj. Rath / und des Münsterbergischen Fürstenthums Landschreiber / ein vornehmer Jurist / und dessen Tractatus de Eidei jussoribus am Tage; Anno 1610. den 23. Aug. ein vornehmes Panquet zu Franckstein gehalten / und unter andern discursen auch diesen Materien gedacht worden; hat wohlgedachter Franck gebeten / solchen in ein sonderes Epigramma zu schliessen:[121] welches auch nach folgender Massen ex tempore erfolget:


Quæritis inter vos? cur gens antiqua Silesos

Dicat asellivoros conditione pares?

Reichstenidum in terris aurô meliore fodina

Dives, & hæc asini nomine clara fuit.

Illam nostrates, peregrinis undique pulsis,

Cùm peterent nisu fervidiore patres:

Inde voratores asini sunt undiq; dicti;

Tempora quod Slesis nomina ista manet.


Biß hieher haben wir des Sckichfusii Meinung verstanden / so er von Entspringung des Schlesischen Zunahmens / Eselfresser / vorgebracht. Doch[122] darff man nicht flugs sich derselben verpflichten: Sintemal es vielleicht kan geschehen seyn durch liter kehr des Wortes Schlesier / wo heraus kömpt / nach versetzung der Buchstaben / Esel Esser. Dieses were also die letzte derivation des Nahmens Silesia. Oder will ein ander an stat solcher setzen / daß Silesia entsprungen sey ab accedendo. Davon eben Jacobus Schickfusius l. 4. p.m. 2. d.l. wenn er also redet: Boreck in seiner Böhmischen Cronicke fol. 94. Er achtet / daß dieses Land vor alters als es noch unter das Königreich Pohlen gehörig gewesen / nicht ist Schlesien; sondern Pohlen mit genennet worden. Als aber Schlesien unter die Cron, Boheim kommen / und die Böhmen gesehen / daß außer halb der Pohlen / auch Meisner / Pommern / Märcker / und sonst allerley Völcklein sich allda nieder liessen /[123] und gleich einschlichen; hette man die Leute in diesem Land Slesitas vom Schleichen geheissen: wohin auch Dubravius l. 8. fol. 81. zielet / als er saget: Slesitas dictos à serpendo, quod veluti inserperent, paulatimque irreperent, Daher dem Lande erst umb das 1333. Jahr nach Christi Geburth dieser teutsche Nahme Schlesien hatte müssen gegeben werden. Sed contrarium norunt antiquitatum Scriptores: est potius nomen Polonicum. Bißhieher abermal Schickfusius aus dem Borecken: Ob aber unser Rübezahl hiemit zufrieden: fraget es sich allhier: Sintemal wir auff die Springe / vermöge seines Nahmens / gebracht worden seyn; daß er mit seinem Landes-Leuten etliche Stücke vom berüchtigten / doch nicht recht besichtigten Esel gefressen haben; Nemlich so er ja nicht / nach jenem Poeten / etwas vom[124] Gehirne mit den Schlesiern verschlucket; doch auffs wenigste einen Rieb und Zagel benaschet habe; dannenhero ihme d' Rahme gemacht und vor andern Mitfressern / weil er das meiste genossen / auff das Riesengebirge / zum ewigen Gedächtnüsse sey verbannet worden. Doch gnug von diesen lepore und lepore!

Quelle:
Praetorius, Johannes: DaeMonoLogia RVbInzaLII sILesII. Leipzig, Arnstadt 1662, S. 101-125.
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