EPIGRAMMA.

[2] Audijt ut primum bis sex cantare magistros

OTTO, artis precium fulua corona fuit.

Sic te, præceptis artem hanc, qui tradis ADAME

Synceræ laudis vera corona manet.


Psalm 98.

Es spricht der from Prophet Dauid,

Singet dem HERREN ein new Lied.

Singet dem HERREN alle Welt,

Lobet seinen Namen er melt.


Colos. 3.

Paulus spricht, thut euch selber lehren,

Mit Psalmen Gott zu lob vnd ehren.

Singet lieblich, Geistliche Lieder

Dem HERRN, im hertzen ein jeder.


Dictum sapientis viri.

Schöne Moteten im Gesang,

Vnd weiser Melodeyen klang.

Welche haben jr Seel vnd leben,

Vnd reinen guten Text darneben

Diese, aller ehren werd sein,

Als köstlich Gaben Gottes rein.


Adam Puschman, Autor.[2]

Den Edlen, Gestrengen Ehrnvhesten,

Erbarn, Hoch und Wolweisen Herrn, Bürgermeistern,

Stadtpftegern, Elteren geheimpten, cet Burgermeistern

und Rethen, der Kayserlichen Freyen Reichsstedte,

Strassburg, Nürnberg, Augsspurg, Vlm, Franckfort

am Mayn, Meinen grofsgünstigen Herren,

sampt vnd sonderlichen.

Die schöne Musica oder Singekunst, hat in heiliger Schrifft viel herrlicher Zeugnus, Das sie nicht allein als ein sonderliche Edle Gabe Gottes, Dem Menschen zur freuden vnd ergetzuug, Sondern auch zum lob Gottes, vnd außbreitunge seines heiligen Namens, hochdienstlich, Vnd sonderlich Christenleuten zur erinnerung Göttlicher wolthaten, vnd zur andacht des Hertzens, das Edeliste Mittel ist, Wie denn der heilige Apostel Paulus Colos. 3 zur übunge Christlicher guter Gesenge, gar trewlich vermanet.

Demnach aber GOTT in allerley Zungen vnd Sprachen wil gelobet vnd gepreiset sein, Wie der Psalmist bezeuget.

Also hab ich mir fürgenomen, von der Deudschen Poeterey vnd alten Singekunst, einfeltigen unterricht zu thun, des verhoffens, der Christliche Leser werde solches, weil es zum lobe Gottes vnd seines heiligen Namens, gereichet, jme gefallen lassen.

Vnd ob ich wol in meiner Jugendt, von meinen seligen lieben Eltern, fleissig zum Studieren gehalten, vnd bey der löblichen Musica aufferzogen worden, Habe ich doch aus Kindischem vnuorstand, zeitlich daruon gelassen, vnd mich der wanderschafft, neben meinem Handtwerck, angenomen, In meinung, dadurch viel Stedt vnd Lender zu beschawen, vnnd frembder Nationen breuch und gewonheiten zu erkunden, Als Ich denn die mehrer zeit meiner Jugend, biß nun ins 30. Jahr meines Alters damit zugebracht.

Vnd wie man in der Wanderung mancherley übung und kurtzweil der Welt sihet vnd erfehret, sonderlich bey der Jugendt, welche zum theil gut vnd löblich, zum theil auch böß vnd schedlich sein. Also hat mir, als der Ich zur Musica, fast geneiget, das Meistergesang, vnter andern am aller meisten geliebet. Mich derhalben zu Augspurg anfenglich zu den Meistersingern gehalten, bey jnen den rechten grund dieses Singens gesucht, den ich da zur Zeit daselbst gründtlich nicht erlangen mögen. Biß ich endtlich zu Nürnberg, bey dem sinnreichen Herren Hans Sachsen, vnd andern verstendigen Singern, bessern bericht des Grundes dieser Kunst erlangete. Allda Ich etliche Jahr verwartet, vnd diese Alte löbliche Kunst gelernet, geübet vnd gebraucht, Wie dann nach biß auff heut.[3]

Vnd ist diese Kunst sonderlich lieb und werd zu halten, darumb, Das sie anfangs, Adelicher hoher ankunfft ist, Als die erstlich von Fürtrefflichen hohen Leuten, erfunden worden. Vnd sind nemlich der ersten Meister dieser Kunst, an der zal Zwölffe gewesen, deren Namen ich zu mehrem unterricht hiebey verzeichnen wil. Herr Walther ein Landtherr, Wolffgangus Rohn ein Ritter, Marner ein Edelman, Doctor Frawenlob, Doctor Mügeling, beyde Doctores Theologiae, Magister Klingeßvhr, Magister Starcke Popp, Vnd fünff Bürger, mit namen, Regenbogen, Römer, Cantzler, der alte Stoll, vnd Conradus von Würtzburg.

Diese Zwölff Menner, hat Keyser Otto, diß Namens der erste, Anno Christi, 962. gegen Paryß citiren lassen, alda sie für den Professoribus der Vniuersitet, vnd allen Gelerten diß ortß, verhöret, vnd für die ersten Meister dieser Kunst erkennet, vnd bestetigt worden, Wie jr altes Buch (seid der Zeit zu Meintz gelegen, jetzt sind dem Schmalkaldischen Kriege an einem andern sichern ort) bezeuget.

Alda auch, höchstgemelte Kay. May. erwente Zwelff Meister, jhre Schüler und Nachkomen, mit einer wolgezierten Güldenen Kron, begnadet hat, die jenigen so im Singen das beste theten, damit zuverehren.

Als auch vorzeiten die Poëten, so das beste Geticht gesungen, mit einem Lorberkrantz verehret wurden. Dannher noch auff heut, die, so auff den Singschulen dem Krongewinner zu nechst seind, Auch mit einem Krentzlein verehret werden.

Solches wie gesagt, vnd anders mehr, gibt mir vrsach, von dieser Kunst nicht zu weichen, vngeachtet, das von groben vnuerstendigen Leuten, solche löbliche vnd Christliche übung des Singens, mehrertheils veracht wird. Wiewol es auch bißweilen bey Gelerten vnd verstendigen, die des grundts, Deudscher Singekunst, vnberichtet, gering gewegen wird.

Dagegen aber sein auch viel fromer Christen, Gelert vnd Vngelert, die diese Kunst lieb vnd werd halten, gern anhören vnd fördern. So ist auch am tage, das diese Kunst nicht allein ist, die da verfolget vnd veracht wird, Sondern es gehet viel andern höhen Künsten auch dergleichen.

Aber hoch ist zu beklagen, das verkleinerung dieser Kunst, nicht allein bey denen gespüret wird, den diese Kunst verborgen, Sondern auch wol bey denen, so diese Kunst gebrauchen, vnd sich derselben rhümen, In dem, das sie spaltung, zanck vnd hader vnter sich selber anrichten, Wil je einer vber den andern sein, Wil einer jmmer mehr wissen denn der ander, Grüblen also in der Kunst, Vnd macht jn fast ein jeder ein besundere Tabulatur, sie seh gleich recht oder vnrecht. Vnangesehen, das die Nürnberger Tabulatur (die von den Alten vnsern Vorfahrern vnd Meistern jren vrsprung hat) die Straffen zuuermeiden, klerlich gnugsam besaget, So wol etliche besondere Straffen in die Scherffe zu mercken, wenn es die not erfordert.[4]

Es sind aber etliche Klügling, die in gemelter Tabulatur gewület, wie die Schwein im Rübenacker: Haben die Scherffstraffen, die sie doch nit recht verstanden, vnter die andern Straffen gesetzt, vnd aus diesen zweyen Tabulaturen eine gemacht, Dardurch nit alleine übel erger worden ist, wie man pfleget zu sagen, Sondern das gute gar böse, wie denn in dem Bericht der Scherffstraffen klerlich erwiesen wird, Denn sie die Scherffstraffen etliche gar nicht nötig, den andern gantz nötigen Straffen fürziehen.

Die Nürnberger Scherff helt jnnen etliche vnstraffen, damit man die Singer, wenn jr viel glat gleichen, vnd die zeit verlauffen, im Gemerck sol von einander bringen, welches doch selten geschicht. Vnd werden vielmehr die andern nötigen Straffen angesehen, offentlich vnrecht damit anzugreiffen: So ziehen sie die Scherffstraffen, den rechten nötigen Straffen für, vnd straffen gute verstendige wörter, so der hohen Deudschen sprach gemeß, Die in der Fürsten vnd Herren Cantzleyen, auch in Wittemberger, Nürnberger vnd Franckforter Biblien üblich, Lassen dargegen zu im Singen, vndeutliche, vndeudsche wörter, vnd vbel lautende meinungen, so zu hören gantz verdrießlich, Dauon im bericht der Scherff, weitleufftiger vnterricht folget.

Solches hat mich verursacht, diesen kurtzen bericht des Meistergesangs, an tag zu geben, Darinnen nicht alleine gründtlich angezeigt wird, die Tabulatur, Schulregister oder Straffartickel, vnd wie sich Mercker vnd Singer auff der Schul vnd sonsten verhalten sollen, Sondern auch was das Meistersingen sey, Wie es zuuerstehen, vnd wie sich Tichtens vnd Singens anzunemen. Ob doch etliche vberwitzige kluge Singer, jre spitzfündigkeit, wolten sparen vnd fahren lassen, dardurch sie sonst diese löbliche Kunst, vnd sich selbst, bey Erbarn Leuten, verechtlich machen.

Darumb Ich, zu ableinung solches vngrunds dieser Kunst, diese mühe vnd arbeit auff mich nemen wollen. Nach dem ich aber lengst verhofft, es würde ein solcher Bericht rechtes grunds des Meistergesangs, zu förderlicher hinlegung der spaltung in dieser Kunst, von einem andern verftendigern Singer herfür gelassen sein, der des Tichtens vnd Singens lenger vnd mehr als ich gepfleget vnd geübet hette, damit ich als ein junger vngeübter Singer, mein mühe vnd arbeit het ersparen mögen. Weil aber solches bißhero nicht geschehen, vnd Ich leider spüre, das diese Kunst je lenger je mehr ins abnemen vnd verachtung kömpt, vnd zu letzt gar verleschen würde, Hat mich für nötig angesehen, solches lenger nicht zuuerschieben, sondern fleis für zuwenden, ob solchem möchte fürkommen werben, darzu Ich nach vermögen trewlich vnd gerne helffen wolte.

Vnd weil am tage, das sich verstendige Leute, an dem gezenck vnd spaltung, vnferer Tabulatur halben, sehr ergern, Deucht mich gerathen sein, das man einerley gewisse Artickel vnd Regel, oder einerley Tabulatur hette, vnd nicht jeder ein besondere, darob man standthafftig hielte, vnd darbey verbliebe. Wie denn die Lateinischen Poëten bey jhrer Prosodia vnd Regulis semptlich[5] bleiben. Vnd ob schon vnter jhnen je einer ein besser Carmen macht als der ander, so bleiben doch die Regulae Prosodiae vnuerendert.

Weil denn vnser Geticht der Meistergesenge, auch ein Deudsche Poëterey von etlichen genennet wird, Als denn etliche vnsere Straffregeln mit den Regulis Prosodiae über eintreffen, Sollen wir billich vnsere Regeln oder Tabulatur, vnzertrenlich, einer wie der ander halten vnd behalten.

Habe derhalben gedacht, gewisse Straffregeln der rechten Tabulatur ordentlich zu stellen, Rathende das man darob halten wölle.

Da aber jemandts was bessers wiste, Das zu merer richtigung. dienstlich were, wil ich mir es gerne gefallen lassen.

Alle Liebhaber dieser Kunst, Vnd insonderheit alle verstendige Singer vnd Tichter, freundtlich bittend, hierinnen günstigen gefallen zu tragen, vnd mit diesem meinem wenigen fleiß auff diß mal für lieb zu nemen, Als ich denn solchs zu nutz vnd dienst aller dieser Kunst liebenden, gantz wolmeinlich in Druck geben wollen, damit diese Kunst niemand verborgen, Sondern menniglichen, der darzu lust vnd liebe hat, hieraus kürtzlichen vernemen möge, Wie man Singen, Tichten, vnd diese löbliche Kunst recht verstehen vnd gebrauchen solle.

Das aber Edle, Gestrenge, Ehrnvheste, Erbare, Hoch vnd Wolweise Herren, Ich diß mein Büchlein E.G. offerire, geschicht fürnemlich darumb, Das in wolgemelten löblichen Kayserlichen Reichßftedten, diese Christliche Singekunst anfenglich erfunden, gebraucht, vnd biß auff diese Zeit inn übung gehalten werden, vnd noch von E.G. befördert vnd erhalten wird. Vnterthenigst bittende, E.G. zu deren Ehren vnd wolgefallen, ich diesen meinen fleiß vnd mühe gehorsamlich vnd gerne angewendet, solches zu günstigem gefallen annemen, Vnd dieser Alten löblichen Künst, ferners günstige beförderer, sein vnd bleiben wollen, Als mir nicht zweiffelt, E.G. als Hochuerstendige vnd erfahrne in allerley Disciplinen, sich diß fals auch günstigst erzeigen werden, Vnd mich bey neben im günstigem befelch haben. E.G. glückliche, friedliche Regierung von Gott dem HERREN trewlich wünschende. Derselbige ewige Gott verleihe vns allen, des heiligen Geistes gaben, das im Singen, Sagen vnd Tichten, wie auch sonsten in vnserm gantzen leben, sein thewer Name geehret, vnd die liebe des Nechsten in fried vnd einigkeit, dardurch gefördert werde.


Datum Görlitz, den 1. Aprilis, Anno 1571.

E.G.


Gantz dienstwilliger


Adam Puschmann,

Mitbürger zu Görlitz.

Quelle:
Adam Puschmann: Gründlicher Bericht des deutschen Meistergesangs. Halle a.d.S. 1888, S. 2-6.
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