Dreyzehntes Kapitel.

[48] Wie Grandgoschier des Gargantuä wunderbaren Verstand an Erfindung eines Arßwisches erkannte.


Gegen das End des fünften Jahres, als Grandgoschier von seinem Sieg über die Canarier heim kam, besucht' er seinen Sohn Gargantua. Da ward er erfreut wie ein solcher Vater der einen solchen seinen Sohn ansiehet, sich erfreuen durft: halset' und küßt' ihn und fragt ihn allerley kleine kindische Fragen, trank auch zum Willkomm eins mit ihm und seinen Wärterinnen. Die befragt er unter andern gar besorglich ob sie ihn auch fein sauber und reinlich gehalten hätten. Wogegen ihm Gargantua zur Antwort gab, er hätt hierauf sich so beflissen, daß im ganzen Land kein reinerer Knab als er zu finden wär. – Ey wie dann so? frug Grandgoschier. Ich hab, antwort Gargantua, durch lange Praktik und Erfahrung das aller herrlichst, trefflichst und probatste Mittel mir den Arß zu wischen erfunden, dergleichen man noch je erhöret. – Nun was ist's? frug Grandgoschier. – Was ich euch gleich erzählen werd, sprach Gargantua:

Ich wischt' mich einmal an ein sammetnes Runzeldecklein von einer Fräulen, und fand es gut, denn die Weichheit der Seiden macht' mir am Fundament eine ziemliche Wollust.

Ein andres Mal an eine Haub von eben derselben, und war deßgleichen.

Ein andres Mal an ein Brusttuch: wieder ein andermal an die karmesinatlassnen Ohrläpplein; aber ein läusegüldener Prast von Zirkeln und Gebräms daran zerschund mir den ganzen Hintersten. Schlag doch das heilige Tönigsfeuer[49] dem Goldschmidt in den Arßdarm, ders gemacht hat, und dem Fräulen die's trug!

Dieß Übel verging als ich mich an ein Pagenbarret wischt, auf Schweiz'risch mit Federn wohl beblümt.

Hernach wie ich einmal mein Nothdurft hinter einem Busch thät, fand ich da eine Märzkatz und wischt mich dran: ihre Krallen aber verschwulsteten mir das ganze Perinäum. Ich heilt mirs am andern Morgen, da ich mich an meiner Mutter mit Beitzoweh wohl parfumirte Handschuh wischt. Darnach wischt ich mich mit Salbey, mit Fenchel, Majoran, Anis, mit Rosen, Kohl, mit Kürbis-Beeten-, Weinlaub, Eibisch, mit Wollenkraut, (welches der Scharlach des Hintern ist) mit Lattichblättern, mit Spinat: und thät alles meinem Bein sehr wohl; mit Bingeln, mit Wasserpfeffer, mit Nesseln, mit Rittersporen: aber davon kriegt ich die Lombardische Blutscheiß. Curirt mirs wieder als ich mich an meinen Latz wischt. Darauf wischt ich mich an die Laken, Decken, Umhäng, an ein Kissen, an einen Teppich, an die grüne Tapet, Schneuztüchel, Zwehlen, Salveten, an ein Puderhemd. Und hat mir alles wohler gedäucht als dem Räudigen wenn man ihn krauet. – Wohl! aber, spricht Grandgoschier, welcher Arßwisch bedünket dir der best zu seyn? – Ich komm schon drauf, spricht Gargantua, gleich sollt ihr das kurz und lang davon hören. Ich wischt mich an Heu, an Stroh, an Heeden, an Haar, an Woll, an Papier, allein!


Wer mit Papier sein wüscht Loch fegt

Stets einen Zundel läßt am G'mächt.
[50]

Ey was! ruft Grandgoschier, mein kleines Cujonel, ich mein du hast zu tief in die Kann geguckt, daß du schon reimest? Hui, antwort Gargantua, ich reim was Zeug hält, mein Herr König, und reim mich oft unreimisch drüber. Itzund hört was unser Privet den Kackern predigt:


O Kacks,

Mistax,

Fist-Hackß,

Dreck-Wicht,

Dein Lachs,

Wie Wachs

Füllt stracks

Mich dicht:

Schund-Schicht

Kladricht

Verricht.

Sankt Tönigs Feuer geb dirn Knacks,

Wo nicht

Nach Pflicht

Verpicht

Dirs Loch du fegst eh du dich packst.


Wollt ihr noch eins? – Ey wohl! ey wohl! spricht Grandgoschier – So merket, sprach Gargantua noch diesen


Rundreim:

Als ich mich eines Tags laxirt,

Beroch ich meine Leibesfracht.

Das stank weit mehr als ich gedacht.

Ich war davon ganz parfumirt.[51]

O daß mir einer hergeführt

Diejenige nach der ich schmacht,

Beym Schiß.


Denn alsbald hätt ich ihr pitschirt

Ihr Harnloch grob und ungeschlacht,

Derweil sie mit den Fingern sacht

Mein Loch vom Kothe renovirt

Beym Schiß.


Nun sagt hinfort mehr daß ich nix könn. Und hab es doch, beim Excrement! nicht einmal selbst gemacht. Vielmehr, die Frau Bas dort hat mirs oft fürgesagt, da hab ichs dann im Ränzel meines Gedächtniß so aufgespart.

Aber, sprach Grandgoschier, wiederum auf unsre Sach zu kommen –

Auf welche? frug Gargantua, aufs Kacken? – Nein, spricht Grandgoschier, auf die Arß-Wisch. – Aber wollt ihr, spricht Gargantua, auch ein Lägel Bretanier Wein zahlen, wenn ich in dieser Materi euch lahm leg? – Ey freylich! antwort Grandgoschier.

Den Arß zu wischen, spricht Gargantua, thut nicht noth, es sey denn Dreck dran. Dreck kann nicht dran seyn wenn man nicht zuvor gekackt hat: gekackt also muß seyn eh man den Arß kann wischen. – Ey mein klein Bürschlein, spricht Grandgoschier, wie bist du g'scheit! dieser nächsten Tag laß ich dich zum Doctor der lustigen Künsten schlagen. Du hast bey Gott mehr Verstand denn Alter.

Nu fahr itzt fort, ich bitt dich drum, in dieser arßwischlichen Wissenschaft! und bey meinem Bart, statt eines Lägels sollst du sechzig Pipen haben, und zwar von diesem edlen Bretanier, der gar nicht in Bretanien wächst, sondern hieselbst in unserm guten Land Verron.

So wischt ich mich, sprach Gargantua, weiter an eine Nachtmütz, an einen Pantoffel, an ein Kopfkissen, an ein Ränzel, an einen Spreukorb; aber, o des sehr unlieblichen harten Wisches! Darauf an einen Hut, und hiebei merket daß von denen Hüten etlich glatt sind, etlich rauch, etlich[52] sammten, etlich atlaß. Die besten von allen sind die rauchen, denn sie machen eine sehr gute Abstersion der Fäcalmateri.

Hernach wischt ich mich an ein Huhn, an einen Hahnen, an ein Hähndl, an ein Kalbsfell, an einen Hasen, an einen Kolkraben, an eine Taub, an eines Advocaten Schrift-Sack, an eine Cornett, ein Käppel, ein Luder.

Sag aber schließlich und bleib dabey: es geht kein Arßwisch in der Welt über ein wohl gepflaumet junges Gänslein, so man ihm den Kopf sanft zwischen die Bein hält; dieses glaubt mir auf meine Ehr; denn ihr verspürt am Arßloch eine unglaubliche Wollust, theils von der Sänft des Pflaumes, theils von der temperirten Wärm des Gänsleins, welche leicht zum Arßdarm und den übrigen Därmen schlägt, ja bis in die Gegend des Herzens und Gehirns aufsteigt.

Und glaubt nur nicht daß der Halbgötter und Heroen Seeligkeit in den elysischen Feldern, in ihrem Asphodill und Nektar oder Ambrosia besteh, wie diese alten Vetteln schwatzen. Nach meiner Meinung ists eben dieß, daß sie sich mit jungen Gänslein die Aersch wischen. Und der Meinung ist auch Meister Jahn von Schottland gewesen.

Quelle:
Rabelais, Franz: Gargantua und Pantagruel. 2 Bände, München, Leipzig 1911, Band 1, S. 48-53.
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