XIX. Kapitel

Ein gerechter Papa und ein betrunkenes Glied

[87] Nachdem, was ich von meinen Gefühlen gebeichtet habe, wird man zweifellos über das, was ich nun schreiben werde, erstaunt sein. Aber urteile nicht zu rasch, unvorsichtiger Leser: Warte ab, wenn du mich kennenlernen willst.

Ich kannte einen jungen Genußmenschen, einen kräftigen, zum Übermaß geilen Mann, der sich Montencon nannte. Er wohnte rue Trousse-Vache, und ich hatte schon oft bei ihm gespeist, wobei er mich die kleine Vitsucette, seine Geliebte, hatte besteigen lassen und sie mir selbst dabei gehalten hatte. Er hatte mir sogar die Tochter seiner Wirtin, ein kleines Juwel, verschafft, die von ihrem Geliebten, einem Adligen, verführt worden War, der sich de Fontanes nannte, und sie schließlich zur Hure machte. Wir vergnügten uns an ihr einen ganzen Nachmittag. Montencon hatte die Liebenswürdigkeit, mich bei der hübschen Adelaide Hochepine zuerst vorn hineinzulassen und bewog dabei seine Geliebte, mir die Hoden zu kitzeln. Dann nahm er sie von hinten und wurde in gleicher Weise von Vitsucette [88] gekitzelt. Ich fickte sie noch einmal, nachdem sie von Vitsucette gewaschen worden war.

Nun sagte Montencon:

»Ich habe meine guten Gründe dafür, daß mir die hübsche Hure mein Glied in den Mund nimmt.«

Daß er dies tat und sie seinen Samen verschluckte, ekelte mich und Vitsucette derart an, daß ich nicht wieder zurückkam. Diesen Menschen lud ich zu Mittag in meine Werkstatt ein, um meine Tochter auszuweiten, denn außerdem hatte ich den drei Zahlern Vitnègres mit den großen Ruten (die Herren l'Elargisseur, Percecul und Cognefort) die Hoffnung gemacht, sie oder ihresgleichen wiederzusehen.

Montencon kannte Conquette, deren Mutter er gehabt hatte, bevor sie die Lustseuche bekam. Ich brachte ihn hin, da er nur zu große Lust bezeigte, ihn auch der Tochter hineinzustecken. Wir traten ein: er war stumm vor Freude und Bewunderung, als er eine so schöne Frau sah ...

Ich hatte zu tun, daher blieb ich nur einen Augenblick und ließ ihn in der Gesellschaft meiner Tochter zurück. Als ich hinausging, stammelte er:

»Sie ist entzückend. Welch ein Geschmack in der Kleidung und wie schön sie beschuht ist. Wie schade, daß ein Vitnègre sie entjungfert hat.«

»Vitnègre? Sie ist Jungfrau!«

»Oh, mein teurer Freund, darf ich versuchen, diesem Schuft wenigstens ein Horn aufzusetzen?«

»Tu, was in deiner Macht steht aber vergiß nicht, daß man mit anständigen Jungfrauen zart umgehen[89] muß, und du eher den Eindruck eines Satyrs machst. Aber versuche nur.«

Nachdem ich weg war, versuchte es Montencon vorerst mit der Galanterie. Aber da er damit nichts erreichte, warf er Conquette unversehens auf das Bett und kräftig, wie er war, näherte er sein Glied ihren Schamlippen, während er sie mit einer Hand festhielt. Trotzdem kam er nicht hinein. Ein Stoß mit dem Popo nach hinten warf ihn wieder hinaus. Er bedrohte sie mit der Faust, als ich eintrat. Conquette richtete sich auf, ohne eine Verstimmung merken zu lassen. Ich sagte ganz leise zu Montencon:

»Und die Entjungferung?«

»Sie ist ein Teufel, ich werde mich darauf beschränken müssen zu wichsen.«

»Du sollst sie noch bekommen.«

Wir setzten uns zu Tisch. Conquette sprach und lachte mit Montencon, wie wenn nichts vorgefallen wäre. Er fragte sie, warum sie ihn nicht hineingelassen habe.

»Pfui Teufel!« erwiderte sie, »warum hätte ich es denn gestatten sollen?«

»Weil ich geil war wie ein Karmeliter.«

»Sie sprechen wie ein Vitnègre.«

Während des Mahles bewunderten wir ununterbrochen die wollüstigen Hüftbewegungen von Madame Poilsoyeux, die sie merken ließ, so oft sie aufstand, um eine Schüssel zu verlangen oder Teller zu reichen. Sie hatte wunderhübsche hellrote Schuhe mit hohen grünen Absätzen und Seidenstrümpfe mit rosa Zwickeln [90] an. Ich fragte sie, ob sie die Strumpfbänder oberhalb der Knie angebracht habe.

»Gewiß«, erwiderte sie, »immer.«

»Dann zeige uns«, fuhr ich fort, »das schönste Bein der Welt.«

Sie weigerte sich, aber wir baten sie so sehr, daß sie, um sich Ruhe zu schaffen, einen Fuß auf einen Stuhl stellte und uns ihr Bein bis über die Knie hinauf zeigte.

Montencon und ich wurden wieder geil, aber wir hielten uns zurück. Als meine Tochter einen Augenblick hinausgegangen war, schlug er mir vor, sie zu berauschen, indem er ihr mitgebrachten Champagner statt Wasser in den Rotwein gießen wollte. Ich tat so, als ob ich zustimmte, aber bevor noch Conquette eintrat, erzählte ich ihr davon und fügte hinzu:

»Meine verständige Tochter; du mußt ihn dir hineinstecken lassen. Ich habe ihn eigens dazu hierhergebracht, aber ich wußte nicht, wie man es anstellen könnte. Da hat mich sein Vorschlag aus der Verlegenheit gezogen. Du wirst so tun, als ob du berauscht wärest und auf diese Art wird er dir später nichts an haben können. Nach ihm, werde ich dich vornehmen. Mein alter Sekretär Trait-d'Amour wird dich nachher genügend für das Glied des Zahlers aufweiten. Ich habe ihm schon mitgeteilt, daß du noch lebst und habe ihm versprochen, ihn in einigen Wochen herzubringen. Tu also, wie ich gesagt habe, meine Königin, ich werde schon alles, was dir nicht angenehm ist, zu verhindern wissen.«

»Ich bin dir ganz ergeben, verfüge über mich«, erwiderte [91] sie mir, »ich habe es zu schwer gebüßt, daß ich dir einst nicht folgte.«

Wir gingen wieder hinein. Zwischen der Doppeltür entblößte sie eine Brusthälfte und ließ sie mich küssen, Montencon hatte die Wasserflasche mit dem Champagner hergerichtet. Conquette bemerkte es und verschaffte sich eine andere mit Wasser und hob sich die mit Wein auf, um Montencon selbst betrunken zu machen. Aber der Schuft war durch nichts zu berauschen als durch die schönen Augen und die übrigen Reize meiner wollüstigen Conquette.

Quelle:
Restif de la Bretonne: Anti-Justine. Darmstadt [o.J.], S. 86-91.
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