XXI. Kapitel

Erinnerungen

[98] Welch Geschrei müssen die Frömmler über das vorige Kapitel erhoben haben. Nun gut, Frömmler, leckt mich im Arsch!

Am nächsten Tag erwartete ich eine ernste oder vorwurfsvolle Stimmung. Nein, Conquette sprach wie gewöhnlich zu mir. Acht Tage vergingen, ohne daß ich ihr ihn hineinzustecken trachtete. Am Samstag, nachdem ihr Kleinod von der durch Montencon verursachten Ermüdung ausgeruht war, fühlte sie dann ein Kitzeln. Alsbald erinnerte sie sich, daß ich ihr gesagt hatte, sie könnte es sich auch von Timon machen lassen.

Sie zog sich verführerisch an und ging abends aus. Aber ich beobachtete sie, und ließ sie auch sorgfältig von Madame Brideconin beobachten, die ich auch im Scherz Conbridé nannte. Ich wurde also davon benachrichtigt und folgte ihr nach, um sie vor Unglück zu bewahren. Sie stieg hinab.

Ich horchte an der Tür und konnte sogar durch eine Spalte hineinblicken. Conquette warf sich Timon in die Arme, aber Timon war krank und die Schöne[99] wurde bloß geleckt. Anstatt sie zu liebkosen, wie sie es erwartet hatte, begann Timon, ihr die Ereignisse bezüglich Vitnègres, Fout-à-Morts und Connilettes weiter zu erzählen.

»Ich war heute bei Vitnègre, da ich krank bin und nicht ins Büro ging. Ich fand ihn auch krank von den Begebenheiten mit dem Mönch. Dieser hatte ihn rufen lassen; Vitnègre lief hin und traf die ganze Gemeinschaft im Krankenhaus an. Als er an das Bett Fout-à-Morts kam, sagte dieser zu ihm:

›Hund! wenn ich die Kraft hätte, würde ich dich erwürgen, aber wie man sagt, liege ich im Sterben, ich werde also alles dem Polizeileutnant erklären, und du wirst gehängt werden! Du hast mir deine Frau verkauft. Sie war so schön, daß es mir ein unendliches Vergnügen bereitete, sie unter den stärksten Schmerzen umzubringen. Sie war so schön, daß ich von ihrem Fleisch essen wollte. Ich habe mir ihre Scham, ihren Muttermund, ihre Brüste und ihren Kopf zubereiten lassen. Unsere Mönche haben, ohne es zu wissen, ihren Popo, ihre Arschbacken, ihre Schenkel, ihre Füße, ihre Arme, ihre Hände, ihre Schultern, ihre Leber gegessen. Sie und ich sind an Lustseuche erkrankt! Nun, deine schöne, junge, noch jungfräuliche Frau besaß sie nicht.

Du Schuft hast also folgendes getan! Von einem falschen Mitleid ergriffen, hast du deine Frau, für deren Tod ich gezahlt hatte, entfernt und hast an ihre Stelle eine Hure gebracht! Das ist eine hündische Schufterei. Wenn ich mich erhole, so werde ich deine Frau noch bekommen, wenn ich sterbe, wirst du aufgehängt!‹

[100] Vitnègre schwor bei allen Himmeln, daß er sie ausgeliefert habe. Der Mönch, dessen Zunge anschwoll, gab Zeichen, daß er daran nicht glaube. Der Wundarzt zog darauf Vitnègre zur Seite und sagte:

›Haben Sie mit diesem Verbrecher noch Geschäfte zu ordnen? Nach der Anschwellung seiner Zunge zu urteilen, hat er keine zwei Stunden mehr zu leben. Er ist von der Lustseuche so stark befallen, daß ich ihn doppelt so oft bestreichen mußte wie die anderen. Ich kenne ihn, er ist ein zu vertilgendes Ungeheuer und er wird auch nicht mehr sprechen können.‹

›Verhindern Sie es, daß er schreibt!‹

›Oh! Fürchten Sie nichts, durch die Geschwulst, die auf die Augen übergreift, kann er nichts mehr sehen, und die Zunge beginnt schon aus dem Mund herauszukommen. (Jetzt sah er nach seinem Puls.) Er leidet wie ein Verdammter und wird keine halbe Stunde mehr leben.‹

Nun sagte der kühn gewordene Vitnègre zum Mönch:

›Niederträchtiger Schuft, ich habe dir die Dirne Connilette untergelegt und sie hast du den Mönchen zu essen gegeben.‹

Der Mönch erhob sich und stieß nach Vitnègre so kräftig mit der Faust, daß er ihn getötet hätte, wenn das Bett nicht den Stoß abgeschwächt hätte, der jedoch immerhin Vitnègre umwarf.

Man brachte ihn hinaus, aber er erfuhr heute morgen von dem Wundarzt, daß der Mönch eine Viertelstunde später an seiner angeschwollenen Zunge erstickt [101] sei. Man hatte das, was er während seiner Krankheit niedergeschrieben hatte, verbrannt.

Das hat mir der nunmehr beruhigte Vitnègre erzählt. Es ist spät und ich kann Sie nicht nach Hause begleiten. Gehen Sie also, meine schöne Freundin.«

Dies war die Erzählung Timons, die ich vollständig anhörte und die sie mir nachher wiederholte. Sie kam heraus, den Kopf voll schwarzer Gedanken. Ich folgte ihr auf zwanzig Schritt Entfernung, um sie vor jeder schlimmen Begegnung zu bewahren. Ich war geil wie ein Karmeliter beim Anblick ihrer schonen Hüftenbewegungen.

Sie ging heim. Ich eilte voraus und versteckte mich in meiner Werkstatt. Sie brachte Licht und warmes Wasser und wusch sich das Löchelchen, indem sie zu sich murmelte:

»Der Verbrecher lebt nicht mehr und ich bin noch immer erschrocken.«

Ich klopfte schwach auf die Kommode. Conquette hob den Blick und sah mich. Ich erzählte ihr alles, was sie soeben getan hatte. Als ich ihr sagte, daß ich Vitnègre am Quai des Ornes begegnet sei, jagte ich ihr einen Schrecken ein, der sie von dem Wunsch heilte, allein zu Timon zu gehen. Ich fügte noch hinzu:

»Du gingst hin, um geküßt zu werden, du wirst es sein, denn ich schlafe bei dir.«

Sie murrte und sagte, daß die Erzählung Timons ihr jede Begierde genommen habe. Ich hörte ihr nicht zu und legte mich ins Bett, wohin sie bald nachkam.

Quelle:
Restif de la Bretonne: Anti-Justine. Darmstadt [o.J.], S. 97-101.
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