Scena X

[40] Der Prospekt zeiget Schlampampens Speisestube, und sitzen um den Tisch herum Schlampampe, Schelmuffsky, Clarille, Charlotte und Däfftle. Ursille wartet vor den Tische auf.


SCHLAMPAMPE. So wahr ich eine ehrliche Frau bin, hat mir doch neulicherzeit nichts so gut geschmeckt als dieser Karpfen.

CHARLOTTE. Gibt's denn in Holland auch viel Fische?

SCHELMUFFSKY. Der Tebel hol mer, da gibt's Fische wie große Kälber und haben Ellen dicke Fett auf den Rücken.

URSILLE. Ihr Leute, müssen das nicht Fische sein!

SCHELMUFFSKY. In Engelland habe ich mir vor einen Jahre einen Karpfen sieden lassen, der war wie ein klein Kind groß und hatte über zwölf Kannen Fett.

CHARLOTTE. Müssen die Leute da nicht Fische essen?

SCHELMUFFSKY. Wie wir zu Schiffe gingen, da nahmen wir über zwanzig Zentner geräucherte Hechtzungen mit, die schmeckten, der Tebel hol mer, auch so delikat.

URSILLE. Wie werden denn die zugericht?

SCHELMUFFSKY. Mit Bomolie werden sie zugericht, und das ist ein galant Fressen.

DÄFFTLE. Frau Mutter, hat doch der Franzmann auch schon vergessen, was auf deutsch Baumöl heißt?

SCHELMUFFSKY. Schweig, Junge, sage ich dir.

URSILLE. Was machten sie aber mit so viel Zungen?

SCHELMUFFSKY. Wie wir gefangen wurden, nahmen die französischen Kaper sie uns alle weg.

CLARILLE. Was sind aber das vor Leute, die Kapers?

SCHELMUFFSKY. Es sind Seeräuber. Wo sie nur ein Schiff können übermannen, da fallen sie ein.

URSILLE. Haben Ihn denn solche Leute auch gefangen genommen?

SCHELMUFFSKY. Wie andere.

URSILLE. Ach ihr Leute! Muß es Ihn nicht sein angst gewesen?[41]

SCHELMUFFSKY. Mir? Der Tebel hol mer, nicht. Wenn sie sich nur alle so gewehret, wie ich getan habe, wir hätten die Viktorie erhalten.

CLARILLE. Stellten sie sich denn auch zur Wehre?

SCHELMUFFSKY. Ja freilich mußten wir uns wehren. Wie das Kaperschiff kam, fing ich an: »Ihr Herrn, der Tebel hol mer, es ist Feind da.« Ich lief geschwinde unten ins Schiff und machte Anstalt, daß die Stücken parat gehalten wurden. Allein der Feind kam uns geschwinde auf den Hals, daß wir uns nach wenigen Gefechte mußten gefangen geben, jedoch kann ich ohne Ruhm sagen, daß dreißig Franzosen von mir sind blessieret worden.

DÄFFTLE. Ja ich weiß, daß du dich wohl brav wirst gewehret haben, wenn man deine Courage nicht wüßte.

SCHELMUFFSKY. Junge, ich sage halt's Maul, oder ich schmeiß dir, der Tebel hol mer, den Teller am Kopf.

DÄFFTLE. Ich werde ja auch irgendein Wort Macht zu reden haben!

SCHLAMPAMPE. Ach schweig stille, Däfftle, hörst du nicht, was er vor Taten getan hat?

CLARILLE. Sind denn die Schiffe auch groß auf der See?

SCHELMUFFSKY. Der Tebel hol mer, in Holland gibt's Schiffe, da eins wie halb Plißine groß ist.

URSILLE. Ach ihr Leute, so groß?

CHARLOTTE. Gehen aber auch bisweilen solche Schiffe unter?

SCHELMUFFSKY. Ich war einmal auf so einem großen Lastschiffe, da wollten wir mit nach Ostindien gehen, allein es kam ein Sturm, der schmiß die Wellen häuserhoch über unser Schiff, und endlich kam es an eine Klippe, so ging es in tausend Stücken.

URSILLE. Ich dächte, so wäre ja alles ersoffen.

SCHELMUFFSKY. Es waren auf 40000 Seelen auf den Schiffe, da kamen nicht mehr davon als unser zwei.

CLARILLE. Wie kamet ihr aber davon?

SCHELMUFFSKY. Wir hatten ein Brett, darauf mußten wir über 100 Meilen schwimmen, ehe wir ans Land kamen.[42]

DÄFFTLE zur Mutter heimlich. Frau Mutter, es sind lauter Lügen, was er erzählet, ich glaube, daß er niemals ein Schiff gesehen hat. Es wird inwendig angeklopft.

SCHLAMPAMPE. Ursel, mich deucht, es pocht jemand. Sieh doch zu, wer da ist. Ursel gehet ab.

CHARLOTTE. So ist's gut, wenn man Bretter auf den Schiffe hat?

SCHELMUFFSKY. Ein einziges Brett hat einmal unser fünfzig beim Leben erhalten.

DÄFFTLE. Ich dächte doch, das wäre eine Lügen.

SCHELMUFFSKY. Redest du wieder, Junge? Du willst gewiß noch eine Presche haben. Ursel kömmt wieder.

SCHLAMPAMPE. Wer war da, Köchin?

URSEL. Sie denke doch, Frau Schlampampe, es sind ein paar fremde Stutzer draußen und lassen fragen, ob sie könnten Quartier haben.

CHARLOTTE. Gehen sie galant?

URSEL. Überaus galant. Der eine hat ein ganz verschameriert Kleid an und der andere einen großen Federbusch auf dem Hute.

SCHLAMPAMPE. Ich denke, es sind wohl gar Freier?

CLARILLE. Frau Mutter, Sie lasse sie doch hereinkommen.

SCHLAMPAMPE. Sprich, wenn sie mit einen schlechten Quartier wollten verliebnehmen, so stünde es zu ihren Diensten. Ursel gehet ab.

CHARLOTTE. Frau Mutter, das ist gut, daß wir noch angeputzt sein.

CLARILLE. Wer müssen sie aber sein?

CHARLOTTE. Da kommen sie.


Quelle:
Christian Reuter: Werke in einem Band. Weimar 1962, S. 40-43.
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