[48] Lady. Lyonel.
Lied
LADY.
Hier in den stillen Schattengründen,
In dem einsam trauten Hain,
Hier darf frei das Herz sich künden,
Sein Verlangen, seine Pein.
Was es fühlet, was es leidet,
Still bekennt und laut verhöhnt,
Wen es suchet, ach! und meidet,
Wen es schmäht und doch ersehnt.
LYONEL emporschreckend.
Diese Stimme! – Ha! Was seh' ich?
Eine Dame –
LADY ihn erkennend.
Götter! Er!
LYONEL außer sich.
Martha, Martha!
LADY für sich.
Wie entgeh' ich
Dieser Angst?
LYONEL.
Du kamst her?
Hab Dank, ich seh' dich wieder!
Ja! Du bist's, die mir entschwand.
LADY für sich.
Fassung!
LYONEL.
Blickst so stolz hernieder?
Hat mein Herz dich doch erkannt?
LADY.
Mich erkannt? Ihr irrt.
LYONEL.
Oh, nimmer
Schwand dein Bild aus meiner Brust.
Nein, mich täuscht nicht dieser Schimmer –
Du bist's! Du! Mir ist's bewußt!
LADY.
Tor, Ihr träumt.
LYONEL.
Ha. wär' es Träumen,[49]
Das umstrahlet meinen Blick!
Wohl denn, Martha, ohne Säumen
Fasse ich mein kurzes Glück.
LADY.
Fort! Hinweg!
LYONEL.
Nein! Nein! Ich träume.
Träumend halt' ich deine Hand,
Kniend.
Küss' im süßen Wahn die Säume
Von dem glänzenden Gewand.
LADY.
Ha! Vermeßner, schon zu lange
Hört' ich, was dein Irrsinn spricht.
LYONEL.
Nein! Ich sprach aus Herzensdrange.
LADY.
Frecher Knecht, ich kenn' dich nicht.
LYONEL.
Knecht! Verwegne! Dein Gebieter
Bin ich – dein Herr, dem du zugesagt!
War ich mild und schwach als Hüter,
Jetzt erzittre, niedre Magd!
LADY in höchster Angst.
Tristan! Tristan!