4.

[34] So genau Gothisches Lautgesetz sich in áu und aú, dann deren Ablauten áy und aý erhalten hat, ebenso bestimmt wird die Scheidung von ái und aí festgehalten.

Indem Gothisches ái zu Oberpfälzischem oi wird, und somit näher dem a Laute verbleibt, reicht es zu Schwäbischem hinüber. Der Altbayer setzt hiefür oa und dieser Laut ist es, der allgemach das Oberpfälzische oi verdrängt, nicht nur dieses, sondern auch das alte Italiänische a in Màrk, Kàrddn, hàrdd. In einer Anzahl Wörter aber verbleibt sogar reines Gothisches ái, besonders vor v, wie die obigen Beyspiele lehren.

Dagegen erscheint der zweyte Laut, Gothisches aí, rein Oberpfälzisch und dieses umsomehr, als der Oberpfälzer noch jetzt gleich dem Gothen Griechisches e durch ai wiederzugeben sich hinneigt: so hat er Baidar = Peter, Aivangeli = Evangelium, Aipistl = Epistel, Aiva = Eva, Graidl = Gretchen, Abbadaign = Apotheke, Raigiring = Regierung, selbst Braif = Brief, wofür Gothisches Paitrus, Aívaggêljô, Aípistaúlê u.s.w. steht.

Quelle:
Franz Schönwerth: Aus der Oberpfalz. Sitten und Sagen 1–3, Band 1, Augsburg 1857/58/59, S. 34.
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