160. Der goldne Ziegelstein.

[167] Waldstein im Fichtelgebirg. – K. Zapf, Wanderungen zu den Burgruinen des Fichtelgebirgs S. 35.


In der Nähe des Waldsteins war einst ein armer Taglöhner mit Holzhauen beschäftigt. Eben als er im Begriffe stand, nach Hause zu gehen, trat aus dem Gemäuer der Veste ein kleines, freundliches Männchen, das ihn durch Geberden ersuchte, einen Ziegelstein mit nach Hause zu tragen. Der Holzhauer nahm und betrachtete den Ziegel und wollte eben fragen, zu welchem Behufe er ihn mitnehmen solle, als sich das Männchen schon wieder entfernt hatte; er glaubte nun, man wolle ihn zum Besten haben, und warf den Ziegel weg. Zu Hause angekommen, fragte seine Frau, warum seine Hände und verschiedene Stellen seiner Kleider so glänzten? Nun sah er, daß der Ziegelstaub, welcher, während er den Ziegel betrachtete, an seinen Händen und Kleidern geblieben war, purer Goldstaub geworden sei. Jetzt erst wurde ihm klar, welches Glück ihm die Erscheinung zugedacht hatte; er lief in größter Eile zurück, um den weggeworfenen Ziegel zu holen; allein – er war und blieb verschwunden.

Quelle:
Alexander Schöppner: Sagenbuch der Bayer. Lande 1–3. München 1852–1853, S. 167.
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