Zweiter Auftritt


[186] Herzog Alba. Die Vorigen.


ALBA nähert sich ehrerbietig dem Prinzen, dem Marquis durch diesen ganzen Auftritt den Rücken zuwendend.

Prinz, Sie sind frei. Der König schickt mich ab,

Es Ihnen anzukündigen.


Carlos sieht den Marquis verwundernd an. Alle schweigen still.


Zugleich

Schätz ich mich glücklich, Prinz, der erste sein

Zu dürfen, der die Gnade hat –

CARLOS bemerkt beide mit äußerster Verwunderung. Nach einer Pause zum Herzog.

Ich werde

Gefangen eingesetzt und frei erklärt,

Und ohne mir bewußt zu sein, warum

Ich beides werde?

ALBA.

Aus Versehen, Prinz,

Soviel ich weiß, zu welchem irgendein

– Betrüger den Monarchen hingerissen.

CARLOS.

Doch aber ist es auf Befehl des Königs,

Daß ich mich hier befinde?

ALBA.

Ja, durch ein

Versehen Seiner Majestät.

CARLOS.

Das tut

Mir wirklich leid – Doch wenn der König sich

Versieht, kommt es dem König zu, in eigner

Person den Fehler wieder zu verbessern.


Er sucht die Augen des Marquis und beobachtet eine stolze Herabsetzung gegen den Herzog.[186]


Man nennt mich hier Don Philipps Sohn. Die Augen

Der Lästerung und Neugier ruhn auf mir.

Was Seine Majestät aus Pflicht getan,

Will ich nicht scheinen ihrer Huld zu danken.

Sonst bin ich auch bereit, vor dem Gerichte

Der Cortes mich zu stellen – meinen Degen

Nehm ich aus solcher Hand nicht an.

ALBA.

Der König

Wird keinen Anstand nehmen, Eurer Hoheit

Dies billige Verlangen zu gewähren,

Wenn Sie vergönnen wollen, daß ich Sie

Zu ihm begleiten darf –

CARLOS.

Ich bleibe hier,

Bis mich der König oder sein Madrid

Aus diesem Kerker führen. Bringen Sie

Ihm diese Antwort.


Alba entfernt sich. Man sieht ihn noch eine Zeitlang im Vorhofe verweilen und Befehle austeilen.


Quelle:
Friedrich Schiller: Sämtliche Werke, Band 2, München 31962, S. 186-187.
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