Dritter Auftritt

[58] Faust, Mephistopheles, die Vorigen.


MEPHISTOPHELES als Herold.

Man spielt hier Eisenmann – wir werden doch nicht stören?

HERZOGIN.

Was ihr zu melden habt, das laßt mich immer hören.

MEPHISTOPHELES vorstellend.

Mein Herr der Doctor Faust – ein großer Negromant –

HERZOGIN.

Ich hab von ihm gehört.

FAUST.

Wie? in dieß welsche Land,

Das freut mich überaus, ist schon mein Ruf gedrungen?

MEPHISTOPHELES.

Es wird bald allerwärts davon gesagt, gesungen.[59]

HERZOGIN.

Im Teufelsbannen auch seid ihr ein großer Meister?

FAUST.

Durch Salomonis Ring gehorchen mir die Geister.

HERZOGIN.

So laßt uns hier sogleich doch eine Probe schauen.

FAUST.

Gehorchen möcht ich gern der schönsten aller Frauen –

Doch hier am hellen Tag –

MEPHISTOPHELES.

O das hat nichts zu sagen.

Ihr laßt auf euern Wink es nachten oder tagen.

FAUST.

Wohlan, ich bin bereit.

HERZOGIN.

Nur einen Augenblick –

Gemahl, was rennt ihr noch nach jenem Galgenstrick?

Dieweil ihr Zwen den Knecht gehetzt in eitler Jagd

Hab ich den Meister selbst in unsern Dienst gebracht.

Der große Doctor Faust, ein Herzog aller Geister –[60]

FAUST für sich.

Sie stellt mich gleich ihr selbst und macht mich immer dreister.

HERZOGIN.

Will unser Hochzeitfest durch seine Kunst verschönen.

MEPHISTOPHELES.

Und eur gekröntes Haupt zum andern Male krönen.

HERZOG setzt die Krone wieder auf.

Ich bin noch ganz im Schweiß. Herr Doctor, seit willkommen!

HERZOGIN.

So werde hier sogleich der Zauber vorgenommen.

FAUST den Zauberstab schwingend.

So schwinde denn der Tag und weiche holder Nacht.


Es wird Nacht.


Was wünscht ihr nun zu schaun? habt ihr euch nichts erdacht?

HERZOGIN.

Ja so, hab Ich die Wahl? So zeigt auf hohem Thron,

Der Geistern auch gebot, den König Salomon.[61]

FAUST wie oben.

Ihr seht ihn schon vor euch, leibhaftig.


Salomon auf dem Thron erscheint.


DON CARLOS.

Ganz charmant.

HERZOGIN.

Er ist mir doch zu ernst. War er nicht auch galant?

FAUST.

So schaut dieß neue Bild.


Salomon vor der Königin von Saba knieend.


HERZOGIN.

Wer ist dieß schöne Weib?

HERZOG.

Sie gleicht euch auf ein Haar.

HERZOGIN für sich.

Und Er dem Negromant: er ist galant fürwahr.

FAUST.

Balkis war sie genannt und Sabas Königin.

Den weisen Salomon bezwang ihr weisrer Sinn.

Wollt ihr ein Andres jetzt?[62]

HERZOG.

Noch nicht, sie ist zu schön –

HERZOGIN.

Gefällig, süß und mild –

FAUST.

Doch nur von eurer Huld ein schwaches Spiegelbild.

HERZOGIN.

Sie ist dem Salomon gewiss nicht gram gewesen. –

Könnt ihr nun meinen Wunsch mir in den Augen lesen?

FAUST.

Warum nicht? Schauet selbst ob ich ihn recht verstand.


Samson und Delila erscheinen.


HERZOGIN.

Samson und Delila, umschlungen, liebentbrannt.

HERZOG.

Allein ich sehe nicht die Scher in seinen Haaren.

FAUST.

Die Geister zeigen sich so wie sie wirklich waren:

Es scheint, daß sie ihn nie verrieth an die Philister.[63]

HERZOGIN für sich.

Sie gleicht mir wiederum. Ein rechter Schalk doch ist er.

Sich selber hat er jetzt als Samson vorgestellt

Und man begreift warum die Scher ihm nicht gefällt. –


Laut.


Gebt uns ein neues Bild.

FAUST.

Habt Ihr Euch eins erwählt?

HERZOGIN.

Nein, wählet selbst; ich bin sonst mit der Wahl gequält.

FAUST wie oben.


Das assyrische Lager erscheint, wo Judith dem Holofernes das Haupt abschlägt.


HERZOG.

Die Judith wieder schön, der Holofernes plump.

DON CARLOS.

Sie schlägt das Haupt ihm ab, und so gebührts dem Lump.

HERZOGIN für sich.

Ich bin es, und mein Mann! Das find ich doch verwegen.

Zwar schön ist dieser Faust – es wär zu überlegen.


Laut.


Ein andres, wenns beliebt, und seis ein lustig Stück.[64]

FAUST.

Denkt euch was Lustges aus; ich bleibe nicht zurück. –

Ihr habt schon was erdacht und gleich soll es erscheinen.


Giebt ein Zeichen mit dem Stab.

David und Goliath erscheinen.


HERZOG.

Sehr lustig find ich nicht den Großen noch den Kleinen.

DON CARLOS.

Der Goliath schlägt zu hoch und trifft den David nicht;

Possierlich ist es doch wie der ins Bein ihm sticht.

Der Riese fällt. Stich zu! Schon liegt er wie benebelt.

Der David mit dem Schwert, seht wie er sägt und säbelt!

Da fällt das Haupt. Groß ists wie eine Kürbisflasche.

Er steckt es sammt dem Rumpf in seine – Hirtentasche.

Das ist doch wiederum nicht nach der Schrift Berichte.

FAUST.

Ich folge nicht der Schrift; ich folge der Geschichte.

HERZOGIN für sich.

Wem dieser Riese gleicht und David auch, wie eigen,

Ich seh es wohl allein, da all die andern schweigen.

Hier auf geheimen Mord scheint er mir anzuspielen,

Auf meine Lieb und Gunst in jedem Bild zu zielen.[65]

Jetzt will ich seinen Witz auf eine Probe setzen –

Lucretia war keusch – so lernt er mich auch schätzen.

FAUST.

Ihr habt ein Bild erdacht –

HERZOGIN.

Ja, zeigt uns das einmal.

FAUST.

Noch hab ich stäts vollbracht was euer Wunsch befahl –

HERZOGIN.

Und läßt bei diesem euch im Stich die Zauberkunst?

FAUST.

Die Bilder, die ihr seht, sind mehr als eitler Dunst;

Doch habt ihr jetzt erdacht was nimmermehr geschah:

Lucrez hat wohl gelebt, doch nie Lucretia.

HERZOGIN für sich.

Wie glücklich abpariert! sein Witz ist respectabel.

Die Keuschheit stellt er so mir vor als eine Fabel.


Laut.


Sind mehr als eitler Dunst die Bilder, die wir schauen,

So darf man sie wohl auch betasten ohne Grauen?[66]

FAUST.

Ihr möchtet, gnädge Frau, davon nur Nachtheil spüren.

HERZOGIN.

So will ich keins mehr sehn, darf ich sie nicht berühren.

FAUST.

Es kommt auf euch nur an, vielleicht gestatt ichs noch.

DON CARLOS aus dem Saal kommend.

Die Tafel steht gedeckt, anrichten will der Koch.

HERZOG zu Faust.

Ihr sollt als unser Gast die Tafelfreuden theilen,

Und möchtet ihr recht lang an unserm Hofe weilen.

Ihr zeigt uns wohl nach Tisch noch dieß und jenes Stück?

FAUST.

Wenn ich euch dienen kann, das schätz ich mir zum Glück.


Herzog, Herzogin, Don Carlos und Gefolge ab. Faust will ihnen folgen; aber Mephistopheles hält ihn am Zipfel seines Mantels zurück.


MEPHISTOPHELES. Folgt ihnen nicht.[67]

FAUST. Ei, warum denn nicht?

MEPHISTOPHELES. Verlaßt den Hof, flieht, flieht, so schnell ihr könnt.

FAUST. Wie kommt ihr mir vor?

MEPHISTOPHELES. Wenn euch euer Leben lieb ist, so folgt meinem Rath.

FAUST. Ihr seid wohl nicht bei Trost? Was sollt ich denn für mein Leben zu fürchten haben?

MEPHISTOPHELES. Ihr schwebt in dreifacher Todesgefahr. Erstlich habt ihr den Herzog eifersüchtig gemacht durch euer Liebäugeln mit der Herzogin. Darum will er euch bei Tisch vergiften laßen.

FAUST. Dawider solltet ihr doch Mittel wißen.

MEPHISTOPHELES. Die hohe Geistlichkeit ist eingeladen, darum wag ich mich nicht an den Tisch.[68]

FAUST. Ihr seid ein rechter Held. Nun, und zweitens?

MEPHISTOPHELES. Zweitens sollt ihr in Oel gekreitscht werden. Die Inquisition ist euch auf der Spur, weil ihr die Schrift Lügen gestraft habt.

FAUST. Erst geköpft und dann gehangen. Nun bin ich auf Nummer Drei begierig.

MEPHISTOPHELES. Euer Knecht Casperle hat mit Perlippe und Perlappe die Hölle in Bewegung und das Volk in Erstaunen gesetzt. Euch, seinen Meister, denkt sich das Volk als einen gefährlichen Wettermacher und Brunnenvergifter. Eben rottet es sich zusammen um euch den Garaus zu machen.

FAUST. Wenn Fürst, Volk und Geistlichkeit wider mich im Bunde sind, muß ich freilich weichen. Mach, daß wir davon kommen. Um die Herzogin ist es mir leid und mich dünkt, auch ihr wirds leid um mich sein.[69]

MEPHISTOPHELES. Ich schaff euch Kaiserinnen zur Entschädigung. Wir fahren geradeswegs nach Constantinopel.

FAUST. Den Casperle laß hier, damit er mir nicht wieder solchen Possen spielt. Aber unsere Auffahrt muß glänzend sein, damit wenigstens das dumme Volk sich an meiner Herrlichkeit ärgre.

MEPHISTOPHELES für sich. Damit werd ich mich nicht in zu große Unkosten setzen.


Der feurige Drache erscheint. Faust und Mephistopheles sitzen auf und fliegen fort.


Quelle:
Simrock, Karl: Doctor Johannes Faust. Frankfurt am Main 1846, S. 58-70.
Lizenz:
Kategorien:

Buchempfehlung

Gellert, Christian Fürchtegott

Die zärtlichen Schwestern. Ein Lustspiel in drei Aufzügen

Die zärtlichen Schwestern. Ein Lustspiel in drei Aufzügen

Die beiden Schwestern Julchen und Lottchen werden umworben, die eine von dem reichen Damis, die andere liebt den armen Siegmund. Eine vorgetäuschte Erbschaft stellt die Beziehungen auf die Probe und zeigt, dass Edelmut und Wahrheit nicht mit Adel und Religion zu tun haben.

68 Seiten, 4.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Geschichten aus dem Sturm und Drang II. Sechs weitere Erzählungen

Geschichten aus dem Sturm und Drang II. Sechs weitere Erzählungen

Zwischen 1765 und 1785 geht ein Ruck durch die deutsche Literatur. Sehr junge Autoren lehnen sich auf gegen den belehrenden Charakter der - die damalige Geisteskultur beherrschenden - Aufklärung. Mit Fantasie und Gemütskraft stürmen und drängen sie gegen die Moralvorstellungen des Feudalsystems, setzen Gefühl vor Verstand und fordern die Selbstständigkeit des Originalgenies. Für den zweiten Band hat Michael Holzinger sechs weitere bewegende Erzählungen des Sturm und Drang ausgewählt.

424 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon