Achtzehnter Auftritt.

[343] Die Vorigen, Bast.


Nun ist es klar, mein Bruder brennt,

Hier ist das Teufels-Testament.

TRÜBE den Kopf schüttelnd für sich.

Ein böser Mann! ich muß es sagen:

Mein Mädchen wäre zu beklagen.

ALBERT, CONSTANZE, ORPHEUS UND CLÄRCHEN alle erschrocken und verwirrt für sich.

So will es uns denn nicht gelingen?

Muß ihn der Henker itzt herbringen![343]

BAST für sich, bitter.

Kann man sich so was auch nur denken!

Solch' eine Erbschaft zu verschenken!


Zu Trübe.


Da! hören Sie das Testament.


Er liest.


»Ich erklär' bey meinem Sterben,

Ganz allein zu meinem Erben:

Einen sichern Albert Kron,

Meinen ächt gebornen Sohn.«

ALBERT heimlich zu Constanze, erstaunend.

Das bin ich!

BAST liest fort.

»Meine Frau, die ihn geboren

Hab' ich leider bald verloren,

So daß unser Ehestand

Bis anitzt blieb unbekannt.«

ALBERT wie vor, aber zugleich zu Clärchen und Orpheus.

Ja! ich bin es!

ALBERT, ORPHEUS, CONSTANZE UND CLÄRCHEN.

O! welch Glück!

CONSTANZE, ALBERT, ORPHEUS UND CLÄRCHEN umringen Trübe.

O mein Vater / O mein Herr! hier Ihren Segen!

Wenn Sie Liebe für mich / sie hegen![344]

Hier ist dieser Albert Kron

Lange lieben wir uns / sie sich schon.

BAST erstaunt.

Welch' Gewebe! wär' es möglich!

TRÜBE ebenfalls erstaunt.

Welch' ein Räthsel! wär' es möglich!

DIE UEBRIGEN.

Ja! nichts kann gewisser seyn!

ALBERT.

An Beweisen soll's nicht fehlen!

BAST UND TRÜBE.

Wie? das ist des Todten Sohn?

DIE UEBRIGEN.

Ja! das ist / ich bin der Albert Kron!

TRÜBE zu Constanze.

Aber einen Narren wählen!

ALBERT, CONSTANZE, CLÄRCHEN UND ORPHEUS.

O Ich / er war nur Narr zum Schein.

TRÜBE.

Gut, so willige ich ein.

[345] Durch einander und zugleich.


BAST voll Wuth.

Auch die Braut soll ich verlieren?

Schurke? wart ich will Dich führen!

Nikolo gleich sperr' ihn ein!

ALBERT, CONSTANZE, ORPHEUS UND CLÄRCHEN.

Niemals werden Sie's bereuen.

Unser / Denn ihr Glück wird Sie erfreuen,

Das wird Ihnen Wonne seyn.

TRÜBE.

Daß es Dich nur nicht möcht' reuen,

Dann erst würde ich mich freuen,

Wonne würd' es für mich seyn!


Quelle:
Karl Ditters von Dittersdorf: Die Liebe im Narrenhause. Liegnitz 1792, S. 255–350, S. 343-346.
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