VIII.

[110] Hier fällt mir ein artiges Scriptum bey / welches 1659. vermuthlich / wie es die Mundart und der Druck ausweiset / in Hessen oder um Franckfurt heraus kommen: darinne werden zwey Berathschlagungen enthalten / wie von den Podagrischẽ Standẽ jhre enervirte und abgemattete Republic. wiederum auf festen Fuß zustellen / und hernach wie jhr Estat Honorabel und Formidabel zu machen sey. Nun geht das eusserliche Absehen auff lauter Possen / welche um so viel desto angenehmer sind / weil in Actis publicis unterschie-Redens-Arten vorkommen / die in eigentlichen Verstande niemand weniger zu gehören / als den Podagrischen. Da wollen sie zum Exempel / jhre Republic[110] auff einen festen Fuß stellen / und darauff trachten daß jhr Estat vor weiterer Dismembration und Zergliederung verwahret / hingegen möglichst fulcirt, corrobirt, und in Auffnehmen gebracht werde. Sonderlich bey diesen weit auß sehenden Läuften. Da wird deliberirt, ob man sich bey itzigen turbis moviren solle! und beschlossen / das Stillsitzen wäre das beste / und solte bey Leibes-Straffe verboten seyn / von keinem fremden Herren / Lauffgeld auff die Hand zu nehmen / und was der lustigen Formuln mehr sind / welche ohne Lachen schwerlich können gelesen werden: dennoch lasse ich mir die Gedancken nicht benehmen / weil der Stylus zu nachdencklich ist / und keiner auff solche Invention gerathen wird / der nicht bey dergleichen Consulationibus herkommen ist; der Auctor muß ein Absehen auff[111] etliche Personen haben / die bey unmöglichen und desperaten Dingen noch grosse Zusammenkünffte und Berathschlagungen vorgenommen. Sie mögen nun hoch oder mittelmäßig / oder auch gar aus dem niedrigsten Stande seyn / davon wil ich nicht urtheilen.

Quelle:
Christian Weise: Kurtzer Bericht vom politischen Näscher, Leipzig 1680, S. 110-112.
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