Das siebende Capitel.

Neben auferlegter Buß, können andere freywillig angenommene, oder zuständige Beschwernussen, und Widerwärtigkeiten, beygesetzt werden.

[887] Es ist zwar gar zu wahr, daß die auferlegte mehr, als die angenommene Bussen, vor GOtt gültig, dieweilen jene ein, diese kein Theil seynd dieses Sacraments. Dannoch ist es sehr gut, auch andere die uns treffen, oder die wir standmäßig freywillig annehmen, beybringen.

Kayser Moritz, wie auch Kayser Andronich, im Morgenländischen Kayserthum rechtglaubende Christen, beichteten zwar ihre genugsam der Welt bekannte Sünd, und erhielten vom Priester einige Genugthuung, haben aber auch das, was das gerechte Urtheil GOttes wider sie verhänget, mit bußfertiger Gedult beygetragen.

Ach wie wütterisch hat Andronich gesündiget, da er Xenä zwölf jährigen Sohn, hat meuchelmörderisch erdroßlen, und in die Tieffe des Meers versencken lassen.

Auch die Sünd Mauritii war erbärmlich groß, mit 12000. Thaler solte er, und wolte nicht 12000. gefangene Christen erretten.

Diese zwey, nach verrichter Beicht wurden vom Himmel ermahnet, zu erwählen, hier allwo die Barmhertzigkeit annoch den Vorzug hat, oder aber alldorten, wo die Gerechtigkeit herrschet, gestraffet zu werden? hier straffe, dort verschone, erwählten beyde.

Nicetas Choniates im Büchel von der Ewigkeit schreibet vom Kayser Andronich, wasmassen er den H. Apostel Paulum mit Andacht verehret, in seinem Sendschreiben sich mehrmahlen ersehen. Die in der Hof-Kirchen vorgestelte Bildnuß dieses Heiligen, hat kurtz vor der Verfolgung, hell-liechte Zäher augenscheinlich geweinet, welches, als der Kayser gesehen, erkannt er gleich, daß er jener Ubelthäter seye, über welchen Paulus der Heil. Apostel so betrüblich weinet. Im zweyten Jahr seiner Regierung, nach Christlicher Zahl im Jahr 1185. wurd er von Angelo Isaacio überwunden, vom aufrührischen Volck gefangen, offentlich verspottet: nach ausgestochenen einem Aug, und abgestossener Hand, am Haupt geschoren, auf ein schindhäriges Cameel gesetzet, zur Verschimpfung herum geführt, zwischen zwey Saulen an Füssen aufgehencket, von drey muthwilligen schlechten Gesellen durchstochen. Sein mehrmahlen widerholter Ruf, seines reumüthigen Hertzens, war in allen seinem Leyden: HErr GOtt erbarme dich! HErr GOtt erbarme dich meiner. [888] O Andronich! in deinem Leyden bist unglückseelig, in deiner Gedult seelig, und überseelig.

Den Kayser Moritz hat eben auch dergleichen Unglück getroffen, der gecreutzigte Blut-fliessende JEsus erscheinet ihm im Schlaf mit Verweisung seiner Unbarmhertzigkeit, demnach er schätzbarer gehalten das Geld, als die Erlösung der Christen: Nun ruffet gen Himmel jenes Christen-Blut wider dich, und mein vergossenes Blut für dich, erwähle hier oder dorten abzubüssen, beredet ihn der Heyland, welchem er flehentlich mit der Antwort begegnet: O HErr zeitlich, aber nicht ewig straffe. Deine Beicht und Buß findt Gnad, doch nicht ohne Straf, redet folgends Christus der HErr vom Creutz. Darauf überfallet ihn Phocas, demnach er sich in die Flucht, nicht der Straf zu entgehen, sondern die Uebereylung beförchtend begeben, dieser verurtheilet ihn vom Leben zum Tod, im Jahr Christi 602. als er das 6 sigste Jahr seines Alters erreichet hatte. Er sturb mit scheinbarer Reu, in oft geseuftzten Ausspruch: HErr du bist gerecht, und alle deine Gericht seynd gerecht. Vitæ Imp. in fine sæculi 6.

Noch mehr andere dergleichen löbliche Exempel konnten beygebracht, zur Auferbauung erzehlet werden, welche Kürtze halber unterlassen werden.

Doch soll nicht verschwiegen bleiben, was vor wenig Jahren sich in Ungarn mit einer vornehmen Gräfin zugetragen. Sie war einer grossen Boßheit schuldig, dieweilen sie ihrem jungen Herrn Vettern eingerathen, so lang vom Catholischen Glauben abzuweichen, sich Lutherisch zu erzeigen, bis er ein grosses Erbtheil von seinem hoch erlebten Anherrn erhalten, welches demnach es geschehen, wolte er nicht mehr umkehren, sondern in der Freyheit auf dem leichten und breiten Weeg wandlen, Lutherisch verbleiben. Ach des üblen Raths, welches dem Einrathenden das übliste Unheyl bringet. Welche ihn in diesen Abgrund geführt, konnte ihn nimmer heraus ziehen. Sie bethauret unaufhörlich ihr, und ihres jungen Herrn Vettern eigne und fremde Sünd, beichtet, und bekennet dem Beichtvatter ihre vermessene Schuld, erhaltet zwar eine, aber keine genugsame Buß, dahero hat sie GOtt gebetten, er wolle ihro einige Betrangnus zur Straf auflegen, neben dem was ihr der Beichtvatter aufgelegt, einen zehrenden Krebs bekommet sie an ihrer Brust, welchen sie als ein Kleinod von der göttlichen Hand angenommen.

Eine andere sündiget in der Uebermaß der Müttetlichen Lieb, sie liebet ihr Töchterlein mehr als ihre Seel, was sie für ihre Seel nicht hätte gethan, das hat sie für ihr kranckes Töchterlein gethan, ein gantzes Jahr alle Samstag hat sie für diese in Wasser und Brod gefastet. GOtt gibt dem Töchterlein die Gesundheit, der [889] Mutter ein innerliches Liecht, daß sie das, was sie für ihr Töchterlein gethan, ihrem Beichtvatter erkläret, und erkennet, daß sie das, was sie nie aus Liebe GOttes, aus Lieb ihres Töchterlein gethan habe. Dahero schliesset sie also: Hab ich ein Jahr lang aus Lieb meines Töchterlein alle Samstag in Wasser und Brod fasten können, so will ich mein Lebenlang aus Liebe GOttes eben also fasten und meine Sünd abbüssen. Joan. Rho.


Noch vielmehr fröliche Geschicht von der Beicht, seynd allenthalben in Büchern zu finden etc. mit diesem wenigen vergnüge sich der Leser, und lese dieses Büchel, und bringe hervor dergleichen würdige Früchten der Buß. Hoffentlich wird eben dieses kleine Büchlein ein Brünnlein werden vielen Sündern zur Erquickung, und wird sich ergiessen in einen Wasser-Strohm, ja in ein helles Liecht, und in die Sonne, welche Himmel und Erden erfreuet. Dieses hat vor Zeiten Mardochäus im Traum, ich aber in meiner tröstlichen Hofnung vorgesehen, Fons parvus crescet in fluvium, & in lucem, solemque convertetur, & in aquas plurimas redundabit. Esther. 10. v. 6. Erstlich etliche wenig Zäher, welche aus den Augen-Brünnlein quellen, werden sich ergiessen in eine beständige Buß, und werden mit steter Reumüthigkeit zu einem Fluß werden, und in ein scheinendes Liecht, und klare Sonne veränderet, mit gutem Exempel dermassen hell leuchten, daß viele zur Beicht und Besserung des Lebens hierdurch angezogen, sich vielfältig vor denen Beichtvätteren ausgiessen werden.


Ach Freud über alle zergängliche Freud, mit wenig Wasser der Buß, das unaufhörliche Feuer der Höllen ehender auslöschen, ehe es anfanget zu brennen. Die beflissene Bußfertigkeit soll keinen rauschenden Bach, sondern einem Fluß gleich seyn, welcher das Erdreich erquicket, nicht ins Meer, sondern in das Paradeiß der beständigen Freuden fliesset. Was helles Liecht haben so viele Büsser und Büsserinnen, dero Leben Surius und Rosweidus beschrieben gegeben? wie scheinbar ware ihre Tugend, sie scheinet annoch heller als die Sonne in ihrem Aufgang, wann sie die Finsternus der Nacht vertreibet, und den trüben Nebel unterdrucket. Derowegen alle Sünder und Sünderinnen werden zu Büsser und Büsserinnen veränderet, durch eine vollkommene Beicht, dann das Himmelreich ist nahe herbey kommen.


Was auch noch mehr ist, das Reich GOttes ist unter euch, die ihr die Höll der Sünden ausgeleeret, und den Himmel der göttlichen Gnad hinein gelassen. So lang der Sünder unbußfertig, so lang hat er eine innerliche Höll, dann die Gottlosen haben keinen Frieden: non est pax impiis Isa. 57. mit eigner Erfahrnus bekennet [890] es Augustinus: wende dich zur Rechten, wende dich zur Lincken, wende dich über sich, wende dich unter sich, allenthalben ist kein Rast, überall ist alles hart. Auch der berühmte Liedler Claudianus singet allen Sündern zu, was massen ihnen nicht einige Sicherheit zu finden.


Erigite immanes scopulos, sustollite turres,

Cingite vos fluviis, vastas opponite silvas,

Garganum alpinis, Apeninumque nivosum,

Permistis sociate jugis, & rupibus Hemmum,

Addite Caucascis, imponite Pellion Ossæ,

Non dabitis murum sceleri.


Machet ihr Sünder was ihr wolt, ihr traget euer Höll im Busen: nichts kan, und wird euch in die Sicherheit bringen, als eine aufrichtige Beicht und bestättigte Buß.


Entgegen erspriesset den Büssenden nach verrichter Beicht das Paradeyß des innerlichen Wollusts, der Himmel mit dem Reich GOttes kommet nahe herbey, ja es ist unter ihnen. Sie seynd aus Höllenbrand Stern, aus Leibeignen des Teufels Kinder GOttes, und Erben seines Reichs worden.

O glückseelige Buß, du erlösest von Banden, vergibst die Sünden, heylest die Zerknirschung, erfreuest die Traurigen, den Schwachen gibst du Kraft, vertreibest die Teufel, erhöhest die Demüthigen, bekleydest mit dem Hochzeit-Kleyd, was verlohren bringst du wiederum, den Todsünder erweckest zum Leben, und erweckest die Ehr der Kinder GOttes.


Du allein bringst zuwegen die Frölichkeit des gereinigten Gewissens, dadurch wird aus der Wüsten ein Lustgarten, ein mehr dann blumenreiches goldenes Ruh-Bethlein, du stimmest an die Freuden-Lieder der Engel, du eröfnest den Schatz-Kasten der Gnaden, du erbauest die Stadt GOttes, du bist die Arch des Bunds, der Tempel des Friedens, der innerliche Himmel, die Wohnung des H. Geistes.


O glückseelige Buß.

Gloria nostra hæc est, testimonium conscientiæ nostræ, S. Paulus 2. Cor. 1. v. 12. Diß ist unser Ruhm, das Zeugnus unseres Gewissens, nemlich, diß ist der Himmel, oder eine himmlische Freud, die Zeugnus, daß unsere Gewissen in Kraft der Sacramentalischen Buß gereiniget worden.

Quelle:
Wenz, Dominicus: Lehrreiches Exempelbuch [...] ein nutzlicher Zeitvertreib als ein Haus- und Les- Buch. Augsburg 1757, S. 887-891.
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