Lächerliche, Meistentheils aber Sinn-reiche Reden, und Antworten, Welche Zwischen unterschiedlichen Leuten vorgefallen.

[677] 1.

Ein armer Mann bettelte zum österen bey einem Reichen von Adel um einem Heller; bekame aber meistentheils anstatt des Allmoosens nichts, als einen Hauffen der Schelt-Worten. Einsmahls aber empfande dieser Edelmann grosse Schmertzen an dem einten Knye: Weßtwegen er dem Armen ein Allmosen gab, und zu ihm sagte, er solte für ihn betten, damit er bald wiederum möchte gesund werden. Allein anstatt dessen seuftzete der Arme in seinem Gebett zu GOtt, und wünschte, daß dem Edelmann das andere Knie auch wehe thun solte: damit er desto freygebiger wurde.


2.

Ein Frantzoß hatte einen Welschen auf den Degen heraus gefordert, weil sich dieser seines Wappen angemasset. Als sie nun auf dem Platz erschienen waren, fragte der Welsche seinen Gegentheil: Was führest du in deinem Wappen? Der Frantzoß antwortete Einen Ochsen-Kopf. So ist es dann nicht nöthig (sagte der Welsche) daß wir uns darum schlagen: dann in meinem Wappen stehet nur ein Kuhe-Kopf.


3.

Es kame einer zu einem gewissen Herrn, von welchem er drey Viertel Korn entlehnen wolte. Zu diesem sagte der Herr: Gehe nur auf den Korn-Boden, und nimme so viel Korn, als du verlangst. Als nun dieser kein Korn fande, hinterbrachte er solches dem Herrn. Darauf fragte dieser: Hast du dann dasjenige, was du verwichenes Jahr von mir entlehnet, nicht wiederum auf meinen Korn-Boden geliefert? wohlan! so messe es dir selbsten zu, daß du keines allda findest.


4.

Alls einer seinen Schuldner, deme er ein grosse Summa Gelds geliehen, in der Toden-Bahr liegend gesehen, sagte er: Wahrhaftig, dieser Mensch ist nur darum gestorben, damit er mich nicht bezahlen müsse.


[678] 5.

Als einige Cavaliers mit einander stritten, welcher am ersten solte die Stiegen hinuneer gehen, mithin ein lustiger Schreiber denen häufigen Complimenten wolte Platz machen, geschahees, daß er durch einen Fehltritt unversehens die Stiegen hinunter bürtzlete. So bald er aber wieder aufgestanden, rufte er hinauf: Ihr Herren, wollen sie nicht bald nachfolgen? worüber ein Gelächter entstanden, und der Präcedentz-Streit ein End hatte.


6.

Ein armer Schlucker wohnte in einem Haus, in welchem nichts zu finden ware. Einsmahls schleichte bey Nacht ein Dieb hinein, welcher mit der Hand überall herum langte, um zu erfahren, ob nichts daselbst zu stehlen wäre. Als der Arme solches merckte, sagte er: Greiffe nur herum, so lang du wilst, ich will gern sehen, ob du dasjenige bey Nacht hier finden werdest, was ich beym Tag nicht finden kan.


7.

Als einer bey einem Gastmahl ware, wurde ihm ein Becher Wein zugebracht, in welchem er, da er ihn an den Mund setzte, eine todte Fliegen fande. Solche nahme er heraus, warfe sie aber, als er getruncken hatte, wiederum hinein. Als man ihn nun um die Ursach fragte, gabe er zur Antwort: Ich meines Theils bin kein Liebhaber von den Fliegen, wer weißt es aber, ob nicht vielleicht jemand in der Gesellschaft ist, der einen Lust darnach hat.


8.

Es hatte einer seinen Diener zu einem Krancken geschickt, welcher an einem Aug blind ware. Als nun der Diener zuruck kame, und fragte, wie sich der Krancke befinde, antwortete jener, er seye gestorben, und habe er ihn sterben gesehen. Hierauf fragte der Herr, ob ihn das Sterben auch schwer ankommen seye: Der Diener antwortete, nicht so schwer als andere, dieweil er nur ein Aug hat därfen zuthun.


9.

Einer sagte zu dem anderen: Ich muß wohl lachen, wann ich höre, daß du mich wollest über den Dölpel werfen. Ich wolte dich alle Tag hundert mahl auf dem Marckt verkauffen. Worauf der andere zur Antwort gabe: Das getraute ich mit dir nicht zu thun, wann ich dich schon auf hundert Märckt truge. Wormit er andeuten wolte, es seye sein Gegentheil nicht so viel werth, daß man ihn verkauffen könnte.


10.

Als einer einen armen Mann fragte, wovon er lebte? da gabe er zur Antwort: Ich weiß es nicht. Wann du mich aber fragest, wovon ich sterbe, so sage ich, vom Hunger.


11.

Ein geitzige Frau vermischte ihren Dieneren den Wein mit gar zu vielem Wasser. Als nun einer derselbigen mit vollen Backen über Tisch wacker darauf frasse, sagte sie aus Kargheit zu ihm: Wann wird deine Mühle einmahl still stehen? da antwortete er:


[679] Das wird sobald nicht geschehen: dann ihr machet, daß es uns an Wasser niemahls manglet.


12.

Einer rühmte sich, er werde niemahls müde, seinen Freunden zu dienen: Worauf ihm geantwortet wurde: Du wirst niemahls müde, weil du niemahls anfangest.


13.

Es hatte einer eine Wunde am Kopf bekommen, weilen er zwischen zweyen Zanckeren hat wollen Frieden machen. Als nun ein berühmter Artzt gesehen, daß der Barbierer mit einem Instrument in die Wunden hinein langte, um zu erfahren, ob vielleicht das Hirn verletzt wäre, da sagte ihm der Artzt: Wie bist du nicht so einfältig weißt du nicht, daß wann er ein Hirn gehabt hätte, so wurde er darvon geblieben seyn?


14.

Man fragte einen, wie man es machen müsse, daß die Leut ein Verlangen nach einem trugen, wan man gestorben wäre? da gabe er zur Antwort, man müsse viel Schulden hinterlassen.


15.

Ein Herr fragte einen Narren, den er mit sich führte: Wie viel meinest du, daß man Körb haben müsse wann man diesen Berg, den wir vor uns sehen, abtragen wolte. Darauf antwortete der Narr also: Herr! wann einer einen Korb hätte, darein die Helfte des Bergs gienge, der brauchte nur zwey Körb.


16.

Ein Maurer fiele zu seinem Unglück von einem hohen Dach herunter, und traffe einen Mann, welcher auf der Erden sasse, dergestalten, daß derselbe starb. Dannenhero der Sohn des Ertödteten den Maurer alsobald für Gericht forderte, und ihn des Todtschlags beschuldigte. Der Angeklagte aber vertheidigte sich folgender massen: Mein Freund! ich wil für das, was geschehen ist, gern büssen. So steige dann selbst auf das Dach hinauf, von welchem ich herunter gefallen, und ich will mich dorthin setzen, wo dein Vatter gesessen ist Alsdann falle auch du von oben herunter, und bringe mich gleichfalls um.


17.

Es wurde in einer Gesellschaft berathschlaget, ob es zur allgemeinen Wohlfahrt besser wäre, wann man in dein Städten gar keine Artzt hätte? worbey das Exempel der Stadt Rom angeführt wurde; welche sich ungefehr sechs hundert Jahr ohne dergleichen Personen erhalten. Mitten unter dem Gespräch kame ein sinnreicher Welsch darzu, welcher sagte: Ich bin der Meinung, und halte darvor, daß die Artzt sehr nöthig seynd; indem sonst die Anzahl der Menschen also anwachsen wurde, daß die Welt nicht weit genug für sie wäre.


18.

Ein Welscher ware dermassen geitzig, daß er keinen Wein aus dem Keller holen liesse, wann derselbe nicht zuvor angefangen, saur zu werden. Als dannenhero sein Diener von einem gefraget wurde, was sein Herr zu Haus mache? gabe er zur Antwort: Erwartet, bis der Wein saur werde.


[680] 19.

Ein gewisser Herr gienge einstens durch ein Straß, und sahe einen Jüngling aus einem verschreyten Haus gehen, welcher schamroth wurde, weilen ihn dieser Herr gesehen hatte. Dieser aber sagte zu ihm: Sohn, schame dich nicht, wann du aus einem solchen Haus heraus gehest, wohl aber, wann du hinein gehest.


20.

Als einer diesem Herrn mit einer weitläuftigen Red überlästig ware, und zuletzt zu ihm sagte: mein Herr! ich bin euch villeicht mit allzu vielem Reden beschwerlich gewesen, da antwortete er: O nein, dann ich hab nicht Achtung geben, was du gesagt hast.


21.

Als einer gefragt wurde, was er meynte nöthig zu seyn, daß Mann und Weib einig und ohne Streit miteinander lebten? antwortete er: hierzu wurden nur zwey Ding erfordert: nemlich, daß der Mann taub, und die Frau blind wäre; diese zwar, damit sie viel unziemliche Ding nicht sehe, so der Mann thut; jener aber, damit er die Frau im Haus nicht brumlen höre.


22.

Als ein Beamter sahe, daß er auf Angeben einiger Hof-Bedienten von seinem Fürsten übel gehalten wurde, nahme er sich vor seinen Abschied und ruckständige Besoldung zu forderen. Hierzu fande er aber kein andere Gelegenheit, als da der Fürst auf ein gewisse Zeit eylfertig verreysen müßte, über welches er voller Unmuth ware. Nichts destoweniger machte sich der Beamte herzu, und bate um Erlaubnus, ihme nur drey Wort zu sagen. Worüber der Fürst noch mehr erbittert wurde, und mit Fluchen und Schwören zu ihm sagte, er sollte sich wohl vorsehen, daß es nur drey Wort wären, sonsten würde es übel mit ihm ablauffen. Dahero jener geschwind antwortete: Geld oder Abschied. Ueber diese kurtze Bitt wurde der Fürst dermassen vergnüget, daß er ihn lieb gewanne, und reichlich belohnte.


23.

Eines Artzten Ehe-Frau gedachte, sie könnte ihren Mann nicht besser rühmen, als wann sie sagte, es wären viel Fürstliche und vornehme Stands-Personen in seinen Armen gestorben. Er aber antwortete; es wäre besser, sie wären in seinen Armen gesund worden.


24.

Ein Uebelthäter bekennte alles, da er vor Gericht um sein Verbrechen befragt wurde. Sagte aber, er habe noch etwas schlimmers gethan: als man nun wissen wolte, was solches wäre? antwortete er: daß ich mich hab hieher führen lassen.


25.

Einer wurde gefragt, wem man ein Geheimnus am sichersten vertrauen könnte? welcher antwortete: einem Lugner. Dann wann ers offenbahret, so glaubt ihm niemand.


26.

Eben derselbe sollte sagen, welche Unterthanen die Unglückseeligste wären? [681] worauf er zur Antwort gabe: diejenige, welche vielen Herren un-terworffen seynd. Dann viel Säck seynd schwerer zu füllen, als einer.


27.

Ein Kaufmann verkaufte einem etwas, welcher sagte, der Preyß seye allzu hoch, man müsse ihn nicht so theur bieten, weil er ein guter Freund wäre. Worauf der Kaufmann antwortete: mein Herr, man muß von den Freunden etwas gewinnen, weilen die Feind nicht in Laden kommen.


28.

Als einstens auf dem Meer ein grosses Ungewitter entstunde, und eben dazumahl ein starck beladenes Schif darauf begriffen war, befahle der Schif-Patron, daß ein jeder seine schwehreste Sachen ins Meer werffen sollte, um das Schif hierdurch zu erleichteren. Solchemnach fassete einer von den Reysenden seine Ehe-Frau, in Willens, selbige ins Meer hinaus zu werffen. Und als er um die Ursach gefragt wurde, gabe er zur Antwort: er habe nichts unter seinen Sachen, die ihn so sehr beschwehren, als seine Frau.


29.

Als ein Abgesandter vor einem König eine lange Red thate, fragte er zuletzt den König, was er dem hohen Principal, von dem er abgesandt worden, vor eine Antwort bringen sollte, nichts anders (gabe er zur Antwort) als daß du immerfort geredt, ich aber still geschwiegen.


30.

Einer rühmte sich gegen dem anderen, und sagte: ich hab mehr vergessen, als du gelernet hast. Dieser aber antwortete: ohne Zweifel hast du auch die Demuth vergessen.


31.

Ein Baur kame in eine gewisse Stadt in Teutschland, allwo ihn ein Burger fragte, was er daselbt thun wollte? als nun jener antwortete, er wollte Recht hohlen, welches bey den Teutschen so viel heisset, als bey der Obrigkeit klagen, so fuhre ihn der Burger in Schertz an, und sagte: packe dich fort, wir haben selbsten nicht viel Recht allhier übrig, und also keines zu vergeben.


32.

Eine Frau fragte, wie sie es machen müsse, wann ihr Mann zu zancken, und zu schelten anfienge? worauf ihr der Rath gegeben wurde, sie solle den Mund voll Wasser nehmen, und selbiges nicht ehender ausspritzen, biß der Mann stillgeschwiegen.


33.

Es war ein Koch bey einem Edelmann in Diensten, welcher sehr gesparsam Haus hielte. Dannenhero jener sich entschlossen, seinen Abschied zu begehren. Als ihn nun der Herr fragte: ob ihm dann der Dienst nicht anständig wäre, und ob er seinen Lohn nicht richtig bekommen hätte? da antwortete er mit ja; fügte aber hinzu, er trage Sorg, er werde seine Kunst vergessen, wann er länger bey ihm verbleiben wurde.


34.

Als ein armer Sünder, welcher gehenckt werden sollte, sahe, daß jedermann zulieffe, sagte er zu ihnen:


[682] liebe Leuth, eylet nicht so sehr, ihr werdet doch ohne mich nichts ausrichten.


35.

Einer setzte dem anderen ein klein Glas voll Wein vor, und rühmte darbey, daß der Wein 16. Jahr alt wäre. Worauf jener antwortete: Fürwahr, bey solchem Alter ist er noch sehr klein.


36.

Als ein dicker Mann zu einer Stadt hinein ritte, sagten einige Spötter zu ihm: ihr macht es gantz anderst, als andere Menschen, indem ihr euer Felleisen vornen her führet. Worauf er zur Antwort gabe so muß man es in dem Vatterland der Dieben machen.


37.

Ein Herr befahle seinem Diener bey einem Metzger, mit Namen David, Kuttel-Fleck zu kauffen, und hernach zu dem Herrn in die Predig zu kommen. Dieses thate der dumme Knecht, und als er eben in die Kirchen hinein tratte, sagte der Prediger, was sagt David? worauf jener antwortete: die Kuttel-Fleck seyen schon verkauft.


38.

Alldieweil ein gewisser Richter nicht gern haben wollte, daß ein Hencker, den er von weitem her hatte hohlen lassen, seine Mühe umsonst sollte angewendet haben, so sagte er zu den Beysitzeren des peynlichen Gerichts: ihr Herren! ich wäre zwar wohl der Meynung, daß der Angeklagte sollte losgesprochen werden. Weil aber der Hencker schon angelangt ist, so wird es rathsamer seyn, wann wir den Gefangenen hencken lassen, sonsten wird man den Hencker ein andermahl nicht wieder bekommen, wann man seiner benöthiget ist.


39.

Als sich einige Dom-Herren beklagten, daß ihr Organist auf der Orgel so übel schluge, sagte dieser zu seiner Entschuldigung: ihr Herren, der Balgtretter, den ihr mir zugegeben, ist schuldig daran.


40.

Durch ein Städtlein, welches vor kurtzem noch ein Dorf gewesen, nunmehro aber das Stadt-Recht bekommen hatte, reysete ein Student, welcher aber die Einwohner Burger zu heissen vergasse. Als sich nun dieselbe hierüber beschwehrten, liesse er diese stachelte Frag an sie ergehen. Als ich vor einem Jahr durchreysete, waren nur Bauren hier, wo seynd dann dieselbe hinkommen?


41.

Ein alter Hauptmann, welcher sehr dick und schwehr von Leib war, ritte einsmahls in Gesellschaft eines jungen Fürstens, und einiger anderen jungen Herren ins Feld, und sasse auf einem kleinen Pferd, auf welchem er sehr hin und her wanckte, weilen ihn bereits das hohe Alter druckete. Mit diesem wollte der junge Fürst seinen Schertz treiben, und sagte zu ihm: fürwahr, wer euch also zu Pferd sehen sollte, der wurde euch den Gebärden und der Gestalt nach für einen leibhaften Metzger halten. Und nicht ohne Ursach [683] verständiger, und verwegener Jüng-Ursach antwortete der Hauptmann: dann ich führe anjetzo Kälber auf den Marckt. Worauf der junge Fürst versetzte: ich bin in Wahrheit redlich bezahlt, ihr seyd mir nichts mehr schuldig.


42.

Ein einfältiger Mensch legte einen leeren Wasser-Krug an statt eines Polsters unter den Kopf, weilen ihm nun derselbe zu hart war, füllete er selbigen mit Stroh. Und als er um die Ursach gefragt wurde, antwortete er: damit ich desto weicher darauf liegen möge.


43.

Als einsmahls eine gar grosse Menge Volcks auf einem Schif war, entstund ein grausames Sturm-Wetter, also, daß jedermann das Leben hinschätzte. Weil nun einer vonder Gesellschaft sahe, daß keine Hofnung übrig wäre, aus der Gefahr zu entrinnen, machte er seinen Rantzen, so mit Brod und gerauchtem Fleisch angefüllt war, auf, und fienge an wacker zu essen, da immittelst die andere weynten. Dannenhero der Schif-Patron zu ihm sagte: mein Freund, was macht ihr? sehet ihr dann die Gefahr nicht, darinnen wir schweben? ja, ich sehe sie wohl, gabe jener zur Antwort. Und weilen ich weiß, daß wir bald genug zu trincken bekommen werden, so kan ich ja nicht besser thun, als daß ich zuvor esse; um also ein gutes Fundament zulegen, dann es ist mir unmöglich nüchtern zu trincken.


44.

Eine Frau klagte wider ihren Mann vor Gericht, weilen sie von ihm sehr übel wäre gehalten worden. Allein der Beklagte stellte sich unerschrocken vor dem Richter, und sagte zu seiner Verantwortung: als er bey seiner Frau beym Tisch gewesen, seyen sie in eine Zwistigkeit gerathen; worauf sie gesagt, es solle alles kurtzum nach ihrem Kopf gehen. Hierauf habe er geantwortet, weilen sie es also verlangte, so seye er auch damit zufrieden, und zu solchem End habe er ihr alles nach dem Kopf geworffen, was er auf dem Tisch gefunden.


45.

Ein armer Reisender gienge zu der Mittagszeit in ein Wirthshaus, und weilen er noch ziemlich wohl bekleydet ware, fragte ihn der Haus-Knecht, ob er mitspeisen wollte? dieses beantwortete er mit ja, und stillete seinen Hunger so gut als andere, welche noch so reich waren. Als es aber zur Zahlung kam, und sein Antheil auch eingefordert wurde, sagte er, er habe kein Geld, und als der Wirth antwortete, so habe er auch nicht essen sollen, versetzte er mit trotzigen Gebärden, das wäre schön, wann ich kein Geld hätte, und noch darzu nicht essen sollte, so wäre ich ja dopplet geschlagen? worüber der Wirth lachte, und ihm die Zech schenckte.


46.

Als einsmals ein kluger Mann in einer Gesellschaft ware, und seiner Art nach still schwiege, sagte ein unling [684] zu ihm: Ihr schweiget deßwegen still, weilen ihr nicht recht klug seyd. Worauf der kluge Mann zur Antwort gabe: ich habe niemahls keinen Narren gefunden, welcher hätte schweigen können.


47.

Als einer des anderen wegen seiner Leibs-Stärcke spotten wollte, und er ihm sagte: Du hättest einen guten Dräscher abgeben, ergriffe ihn der andere fluchs bey der Hand, und sagte: Da hätte ich den Flegel schon bey der Hand.


48.

Ein schwartz-Kopf sagte zu einem roth-Kopf: Wann du zu einer Feur-Maur heraus schauen solltest, so wurde jedermann dencken, es stehe dieselbe in vollem Brand. Jener aber bliebe die Antwort nicht lang schuldig, sondern erwiderte: Und wann du hernach aus selbiger schauen solltest, so wurden alle Leut dencken, das Feuer seye gelöscht.


49.

Ein Prediger wurde gewahr, daß ein gewisser Burger unter der Predig eingeschlaffen war, wie er dann weidlich schnarchete. Nicht weit aber von ihm sassen zwey Weiber, welche ziemlich laut miteinander plauderten. Zu diesen wendete sich der Prediger, und sagte: Ihr Weiber! redet nicht so laut, damit ihr den Herrn dort nicht aufwecket.


50.

Ein guter Freund wollte einen andern besuchen, und als er nahe zu seinem Haus kame, sahe er denselben zum Fenster heraus schauen. Gleichwohl sagte dessen Tochter, ihr Vatter wäre ausgangen. Worauf einer zur Antwort gab: Mein Kind! sage deinem Vatter, wann er ein andermahl ausgehet, daß er den Kopf nicht zu Haus lassen solle.


51.

Einer sagte, alle Müller wären Dieb. Solches hörten einige von diesem Handwerck, und verklagten ihren Widersacher. Zu welchem der Richter sagte, er habe Unrecht gethan; dannenhero solle er den Mülleren ihre Ehr wieder geben. Worauf der Beklagte antwortete: Ja, ich hab sie alle gescholten; also ist es billich, daß ich ihnen auch allen die Ehr wieder gebe. Allein diese, welche anjetzo gegenwärtig seynd, müssen sich so lang gedulten, bis der Herr Richter alle Müller zusammen beschieden hat.


52.

Es spatzierte einsmahl ein lustiger Kerl mit einem Cammer-Diener, und gienge ihm auf der rechten Seiten. Weil nun der Cammer-Diener etwas hoffärtig ware, so sagte er: Hörst du, Kerl! ich kan nicht leiden, daß mir ein Narr zur rechten Hand gehe. O antwortete der andere, das kan ich gar wohl leiden: Und hiemit liesse er ihm die rechte Hand.


53.

Ein Schweitzer dienete an König Carls Hof in Schweden; und nachdem er zu Kriegs-Diensten befördert worden, nach geendigtem Krieg aber abgedanckt wurde, bliebe ihm der König 600. Thaler schuldig. Ob er [685] nun schon seine Bezahlung mit gebührendem Respect forderte, so wurde doch der König hierüber sehr unwillig, und sagte: Ich will dir 600 Teufel auf den Kopf geben. Hiermit gienge der übel- belohnte Schweitzer nach seiner Herberg und wollte seinen Weeg weiter nehmen. Weil er aber über die Einforderung seiner Schulden 300. Thaler verzehrt hatte, und die Wirthin bezahlt seyn wollte, sagte er zu ihr: Ich will dir 300. Teufel auf den Kopf geben. Dieses veranlaßte die Wirthin ihn bey dem König zu verklagen; welcher einen Diener hinschickte, und ihm die Bezahlung auferlegen liesse. Dannenhero der Schweitzer zur Antwort gabe: Ich habe von dem König 600. Thaler gefordert; darvor hat er mir so viel Teufel auf den Kopf gegeben. Hiervon hab ich nun die Helfte (so viel ich nemlich verzehrt hab) der Wirthin überlassen. Kan sich also nicht beklagen, weil ich sie mit des Königs Müntz bezahlt habe. Als der König die artige Antwort gehört, befahle er, man sollte dem Schweitzer das Seinige, und der Wirthin das Ihrige auch mit barem Geld bezahlen.


54.

Ein liederlicher Student sagte, er studire nur 2. Tag des Jahrs nicht gern, nemlich den Winter und den Sommer. Und als er befragt wurde, was er dann im Frühling und Herbst mache? antwortete er: Das seynd meine Nächt, und alsdann schlaffe ich.


55.

Es verwiese ein Vatter seinem Sohn, daß er schon so lang in der Schul gesessen, da doch andere in einem Jahr wären daraus kommen. Dessen habe ich mich nicht zu schamen, antwortete der Sohn, dann mein Schulmeister sitzt schon über 20. Jahr darinnen.


56.

Einer, der von dem anderen die Stiegen hinunter geworffen worden, sagte ohne Bewegung des Gemüths: Es ist ein Ding, ich hab doch ohne das die Stiegen hinunter gehen wollen.


57.

Einer wurde von seinem Pfarrer gestraft, daß er so wenig, oder gar nicht in die Predig komme. Worauf jener antwortete: Herr! ihr seyd mein sehr guter Freund: Nun habe ich allzeit gehört, man solle gute Freund nicht zu viel überlauffen.


58.

Als ein Edelmann Dachsen jagte, truge es sich zu, daß ein einfältiger Baur einen Dachs bis vor seine Höle verfolgte, und hinein griffe in Meinung selbigen zu fangen. Allein das verfolgte und bißige Thier faßte seinen Feind dergestalt bey der Hand, daß derselbe überlaut zu schreyen anfienge. Immittelst eilete der Edelmann hernach, und fragte: Hast du den Dachs? der Baur antwortete: Nein Juncker! ich hab ihn nicht aber er hat mich.


[686] 59.

Ein gewisser Herr hatte einen kurtzweiligen Tisch-Rath. Diesen fragte er einsmahls, wie mans machen müsse, daß in einem Augenblick 4. Narren zusammen kommen? worauf der Tisch-Rath antwortete: Herr! wir müssen alle beyde zugleich in einen Spiegel hinein schauen.


60.

Einer fragte, für wen die Bauren am meisten betteten? dem wurde zu der Antwort gegeben: Für der Edelleut ihre Pferd; dann wann diese verrecken sollten, so wurden sie auf denen Bauren reuthen.


61.

Einer rühmte sich, daß die Leut allemahl weineten, wann er sich von einem Ort hinweg begäbe. Dieses geschahe aber deswegen, weil er allzeit etwas mit sich nahme, das ihm nicht gehörte.


62.

Etliche Diebe wollten zu Nacht in eines Kaufmanns Laden einbrechen; welches aber die Diener, so darinnen lagen, gewahr wurden, und sagten: Die Herren wollen ein andermahl wieder kommen, dann dieses mahl seynd wir noch nicht eingeschlaffen.


63.

Ein Magd sagte zu ihrer Frau: Warum verschliesset ihr alles dergestalt vor mir? ich bin ja keine Diebin? Worauf die Frau antwortete: Ich thue es darum, auf daß du keine Diebin werdest, wann du keine bist.


64.

Ein Fürst spöttlete über einen seiner Hof-Herren, den er in vielen Gesandtschaften gebraucht hatte, und sagte zu ihm, er sehe einem Ochsen gleich. Allein dieser antwortete: Ich weiß nicht, wem ich gleich sehe. Dieses aber weiß ich wohl, daß ich die Ehr gehabt Euer Durchläuchten Person bey vielen Gelegenheiten vorzustellen.


65.

Als Kayser Carl der Fünfte von einem gefragt wurde, was er für Mittel wider das Podagran gebrauchte, gabe er zur Antwort: Gedult, und ein wenig Schreyen seynd meine Artzneyen.


66.

Ein Einaugiger traffe einen Bucklichten des Morgens sehr fruhe an, und sagte zu ihm: Kerl! du hast heut ziemlich fruhe aufgepacket. Freylich ist es noch fruhe, antwortete der Bucklichte, weilen du nicht mehr als ein Fenster aufgemacht. Durch das Fenster das sehende Aug verstehend.


67.

Zwey Reisende, welche einen Müller sahen, der auf seinem Mehlsack sitzend gantz langsam vor ihnen herreuthete, nahmen sich vor denselbigen zu vexiren. Dannenhero sie sich zu ihm auf beyden Seiten näherten, also, daß sie ihn in der Mitten hatten, und fragten, ob er ein grösserer Dieb, oder ein grösserer Narr wäre? worauf er antwortete: Jch weiß es in Wahrheit nicht; ich halte aber darvor, [687] ich seye zwischen beyden in der Mitte.


68.

Einer wurde gefragt, warum er seine Tochter einem seiner Feinden zur Ehe gegeben? worauf er antwortete: Ich dachte, ich könte ihm kein grössers Uebel erweisen, als wann ich ihm eine Frau gäbe.


69.

Ein Knab forderte einsmahls über Tisch von seinem Vatter Fleisch; worüber ihn dieser schalte, und sagte, es seye unhöflich, wann man also über Tisch forderte; und sollte er warthen, bis man ihm etwas gäbe. Als nun der arme Knab ein andermahl sahe, daß jedermann über Tisch speisete, und daß man ihm aus Nachläßigkeit nichts gabe, sagte er: Lieber Vatter! ich bitte euch, gebet mir ein wenig Saltz Der Vatter fragte ihn hierauf, was willst du darmit machen? ich will das Fleisch darmit saltzen, welches ihr mir geben werdet, antwortete der Knab. Also erfahrete der Vatter, was seinem Kind fehlete, und gabe ihm etwas auf den Teller.


70.

Als einer gefährlich kranck darnieder lage, beynebens aber mit sehr viel Schulden beladen ware, sagte er zu seinem Beicht-Vatter: O wann mich GOTT nur so lang noch leben liesse, bis ich alle meine Schulden bezahlt hätte! da antwortete der Beicht-Vatter: Wann dieser Wunsch aus einer guten Meinung herkommt, so hoffe ich, GOtt werde ihn auch erhören. Als der Krancke dieses vernommen, kehrte er sich zu einem seiner Freunden, so auf der Seiten des Beths stunde, und sagte: Wann das geschehen soll, O so bin ich versichert, daß ich nimmer sterben werde.


71.

Es kame einer auf eine Zeit zu einem grossen Schuldenmacher, und sagte: Er könne es nicht fassen, wie einer doch ruhig schlaffen könne, der anderen Leuten viel schuldig seye. Da antwortete dieser: Das kan ich für mein Person wohl fassen. Aber das kan ich nicht fassen, wie meine Glaubiger, denen ich so viel schuldig bin, ruhig schlaffen können, indem sie doch wissen, daß ich sie mein Lebtag nicht bezahlen werde.


72.

Als einstens ein gewisser Herr, der sehr ungern bezahlte, wann er jemand etwas schuldig war, zu einem Hutmacher in den Laden kommen, suchte er ihm einen schönen Hut herfür, und sagte: Meister! gebt mir diesen Hut ein Zeit lang auf die Borg, ihr sollt darfür bezahlet werden. Allein der Hutmacher antwortete: Mein Herr! Ich kan nicht. Wie, fragte der Herr: solltet ihr mir nicht so viel trauen? da bekame er zur Antwort: Herr! verzeihet mir, ich bin halt des Gelds benöthiget: Zudem bin ich nicht gewohnt vor meinem Hut viel Reverentz zu machen. Durch welches er wollte zu verstehen geben, er müßte diesem Herrn oft und viel mit dem Hut unter dem Arm aufwarten, bis er von ihm bezahlt wurde. Das [688] lasse er aber wohl bleiben, und wolle kein solcher Narr seyn.


73.

Einer, der von Natur einaugig war, sagte zu einem anderen, der beyde Augen, und ein gutes Gesicht hatte: Mein Freund! ich will mit dir 10. Thaler wetten, daß ich mehr sehe als du. Der andere lachte hierüber, und sagte: Es bleibt darbey, es wird sich zeigen, wer es gewinnen werde. Da sagte der Einaugig, ist es nicht wahr, ich siehe an dir 2. Augen; du siehest aber an mir nur eines, so hab ichs dann gewunnen.


74.

Als Pabst Alexander der Siebende auf dem grossen Vorplatz St. Peters Kirch zu Rom ein herrliches Gebäude wollte aufführen lassen, schickte ihm der dazumahl in gantz Welschland berühmte Werck-Meister Dominicus Berninus durch sein Söhnlein einen Entwurf, um zu erkundigen, wie selbiger dem Pabst gefallen wurde. Als nun der heiligste Vatter selbigen gesehen, bezeugte er darüber ein sonderbares Vergnügen; zoge deswegen ein Schub-Lädlein mit Ducaten herfür, und gabe dem Knäblein Erlaubnus einen Grif darein zu thun, und so viel Ducaten heraus zu nehmen, als es mit beyden Händlein fassen könte. Das Knäblein aber, welches mehr Witz hatte, als man sich einbildet, sagte: Ich bitte Euer Heiligkeit, sie wollen selbsten hinein greiffen; dann sie haben grössere Händ, als ich. Mit was Gefälligkeit der Pabst diese witzige Rede aufgenommen, laßt man einen jeden gedencken.


75.

Ein gewisser Herr hatte einen schönen Lust-Garten. Diesen zu sehen kamen zu ihm einige Edel-Leut, und als sie in den Garten geführet worden, brache ein jeder von Blumen, und Früchten ab, was ihm beliebte, also, daß man hätte sagen können, es wäre ein halbe Pländerung geschehen. Bey dem Abschied aber bedanckten sie sich gegen dem Herren, und sagten unter anderen zu ihm: Herr! ihr habt einen schönen Garten: jedoch ist es rathsam, selbigen wohl zu bewahren, und niemand hineinzulassen, damit er nicht verderbt werde. Ich bedancke mich vor die gute Erinnerung, antwortete der Herr: ihr hättet mir es aber sagen sollen, ehe ihr seyd herein kommen.


76.

Ein Edelmann befande sich einsmahls auf seinem Landhaus, welcher, als er einen seiner Freunden sahe vorbey reisen, selbigen bey seinem Nahmen rufte, und ihn batte bey ihm einzukehren, weil ein Ungewitter bevorstunde. Allein jener bedanckte sich, und setzte seine Reis fort. Als ihn aber ein starcker Regen überfiele, kehrte er zuruck, klopfte an dem Landhaus an, sagte: Herr es hat mich gereuet. Worauf der Edelmann zur Antwort gab, und mich auch. Also, daß der Reisende ein andere Herberg zu suchen genöthiget wurde.


[689] 77.

Ein Geitziger beklagte sich über einen anderen, als habe derselbe von ihm ausgesagt, daß er seine alte Schuhe verkauffe. Jener aber stellte sich, als ob er sich entschuldigen wolte, und sagte: wer dir solches von mir ausgesagt hat, der lügt in seinen Hals hinein: sondern ich hab allein gesagt, daß du alte Schuhe kauffest: nicht aber verkauffest.


78.

Als einige Ubelthäter solten gehenckt werden, wolte der Schergen Hauptmann haben, daß ein gewisser Zimmermann den Galgen verfertigen solte, welcher sich aber dessen weigerte. Nachdem nun der Stadthalter solches erfahren, liesse er ihn vor sich forderen, und sagte zu ihm: wohlan, bist du derjenige, der sich unterstehet, mir ungehorsam zu seyn? worauf der Zimmermann mit Forcht und Zitteren antwortete: ach Herr! verzeyhet mir dismahl: dann ich hab nicht gewußt, daß der Schergen-Hauptman den Galgen für euere Herrlichkeit bestellte; sonsten hätte ich ihn gern gemacht. So aber ware ich der Meinung, er wolte ihn für einen Dieb haben.


79.

Einer fragte einen Bauren, der aus der nächsten Stadt kame: was sagt man in der Stadt von mir? gibt es keine Lugen darinn? worauf dieser antwortete: man sagt in der Stadt, du seyest ein ehrlicher Kerl.


80.

Einer gab dem anderen die Schuld, daß er niemahl die Wahrheit redete. Worauf jener antwortete: du thust mir unrecht; dann ich rede meistentheils Gutes von dir.


81.

Ein berühmter Bildhauer hatte sich eines Tags auf sein Beth zur Ruhe gelegt, als einer seiner Arbeits-Leuten Geld vonnöthen hatte, und sich dannenhero zu ihm verfügte, sprechend: Meister! schlaffet ihr, oder nicht? der Bildhauer fragte hinwieder: was wilst du dann, wann ich schlaffe; oder nicht schlaffe? jener antwortete: Geld will ich haben. Worauf der Bildhauer erwiederte: so packe dich dann fort; dann ich schlaffe


82.

Ein Artzt sagte zu einem gesunden, und frischen Greis: mich wundert, daß ihr zu so hohem Alter gelanget seyd. Worauf dieser antwortete: wundert euch nicht, dann ich hab von euch niemahl kein Artzney eingenommen.


83.

Ein einfältiger Reisender, welcher von Paris kame, sagte, er könne nicht viel Bericht darvon geben: dann er habe die Stadt vor den Häuseren nicht sehen können. Zu dem so sturben auch da selbst so viel Leut, daß man unter hundert verschlossenen Kram-Läden nicht einen eintzigen finden wurde, welcher offen wäre.


84.

Eine Frau, welche für jung wolte gehalten werden, gabe vor, sie seye erst dreytzig Jahr alt. Da sagte[690] einer: es ist wahr; dann ich habe solches schon vor 20. Jahr gehört.


85.

Gaulard war ein poßierlicher Franzos, und hatte die lustigste Einfäll. Einsmahls traffe ihn sein Artzt nach Mittags auf dem Beth an; welcher ihm dann den Mittags-Schlaf widerriethe, sagend: Nachmittags schlaffen, wäre ungesund. Worauf Gaulard antwortete: ach! ich hab mich nur darum schlaffen gelegt, damit ich nicht därfte müßig gehen: dann ich muß immerdar etwas zu thun haben.


86.

Als er sich einsmahls über ein Wirths-Haus beklagte, allwo man ihn in eine Kammer gelegt hatte, deren Wänd gantz durchlöchert waren, also daß man allenthalben durchsehen konte, sagte er: das ist die schlimmste Kammer von der gantzen Welt: dann man siehet die gantze Nacht den Tag darinn.


87.

Als ein gewisser Herr ihm mit kläglichen Worten erzählte, daß ihm die Maul-Würffe ein schöne Wisen verderbt hätten, sagte er zu ihm: hierwider ist leichtlich ein Mittel zu finden: ihr därffer die Wise nur mit Steinen pflasteren lassen.


88.

Als er eines Tags sahe, daß sein Pferd, darauf sein Diener sasse, mit einem schweren Fell-Eisen beladen war, sagte er: du bist wohl ein unbarmhertziger Kerl gegen dem armen Thier. Köntest du dann das Fell-Eisen nicht ein wenig auf deine Schulteren nehmen, damit das Pferd nicht so schwer zu tragen hätte?


89.

Als er sahe, daß ein Mahler mit einem Gemählde beschäftiget war, auf welchem er zwey Personen gegen einander vorstellte, sagte er zu dem Mahler: ich bitte euch, mahlet mich auf diesem Bild in einem Winckel, wo man mich nicht siehet: damit ich hören könne, was diese zwey Personen mit einander für einen Discurs führen.


90.

Ein Soldat starbe ohne Beicht. Dahero der Hauptmann den anderen Soldaten vorstellte, was massen er ungebeichtet dahin gefahren, und sich versaumt hätte. Weswegen er sie wolle ermahnet haben, bey guter Zeit auf das Heyl ihrer Seelen bedacht zu seyn. Auf diese Ermahnung stunde einer unter den Soldaten auf, und sagte: Herr Hauptmann! ich hab mich wohl vorgesehen, und mich keinesweegs versaumen wollen: dann, ich hab schon vor 7. Jahr gebeichtet.


91.

Ein liederlicher Student solte sich verantworten, warum er so unfleissig im Studieren wäre. Da entschuldigte er sich auf folgende Weis. Der Winter ist zu kalt; der Sommer zu warm; der Herbst zu neblich, und der Frühling zu fruhe zum Studieren.


92.

In einer finsteren Nacht gienge [691] ein Blinder mit einer Laterne über die Strasse, und truge einen Krug voll Wasser, dem begegnete ein trunckener Bold, und sagte: du einfältiger Tropf, ich hätte gemeint, die finstere Nacht, und der helle Tag wäre eines so gut für dich, als das andere. Der Blind antwortete, ich trage die Laterne nicht vor mich, sondern vor dich, und deines gleichen vollen Zapfen, damit sie nicht an mich stossen, und verursachen, daß ich meinen Krug zerbreche.


93.

Es schalte einer einen faulen Bauren mit folgenden Worten: du bist nicht werth, daß dich die Sonne anscheine. Ja, versetzte der Baur, es ist wahr: darum hab ich mich in den Schatten gesetzt.


94.

Einer sagte zu dem anderen: du hast einen Schalck im Hertzen. Den aber dieser mit folgenden Worten bezahlte. Eben jetzt hatte ich an dich gedacht.


95.

Einige Bauren beklagten sich gegen ihrem Hertzog, daß sie von seinen Soldaten wären beraubt worden. Hierauf fragte der Hertzog, ob sie ihnen noch etwas hätten übrig gelassen? Als nun die Bauren diese Frag mit ja beantworteten, da versetzte er: so seynd es dann nicht meine Soldaten gewesen; sonst hätten sie gewißlich alles mitgenommen.


96.

Ein Geitzhals liesse ihm jederzeit 2. volle Schüsselen auf den Tisch bringen, wiewohl er nicht mehr, als eine davon anrührte. Eines Tags brachte sein Diener nur eine; die andere aber liesse er zuruck. Dahero der Geitzhals im Zorn sagte: du Bößwicht! wo ist die andere Schüssel? dieser aber antwortete mit unerschrockenen Gebärden: ey! sie ist schon so oft hierher kommen, daß ich glaubte, sie wurde den Weeg schon ohne mich finden.


97.

Ein bekannter Spötter kame einsmahls nach Hof, allwo die Damen bey seiner Ankunft sagten: wohlan: jetzt werden wir unsere Mängel hören. Keinesweegs, antwortete jener; dann ich pflege nicht gern von solchen Dingen zu reden, die schon in der gantzen Stadt bekannt seyn.


98.

Ein Baur batte seinen Nachbaren, er möchte ihm seinen Esel leyhen. Der Nachbar aber, welcher hierzu schlechten Lust hatte, wendete vor, er habe denselben schon einem anderen geliehen; daher seye es ihm leyd, daß er ihn nicht eher darum angesprochen. Indem er aber solcher Gestalt sich entschuldigte, fienge der Esel an im Stall zu schreyen. Worauf der Baur sagte; ha ha! ich höre deinen Esel schreyen: der sagt anderst, als du. Jedoch wurde jener nicht sonderlich schamroth, sondern antwortete: wie? glaubst du dann mei nem Esel, mehr, als mir?


99.

Als man einsmahl über Tisch von einem Stern-Gucker redete, welcher [692] zuvor etwas vorgesagt, so nicht eingetroffen hatte, liesse sich einer in der Gesellschaft also vernehmen: Ihr Herren! ich hab niemahls keinen Stern-Gucker gesehen, der viel Hirn gehabt hätte. Sie seynd alle Narren zusammen. Dieses hörte ein Aufwarter, welcher, als er einen Kalbs-Kops auf den Tisch tragen solte, das Hirn unter Weegs verzehrt, und gefressen hatte. Dahero sagte sein Herr zu ihm, da er den Kalbs-Kopf transchirte; Was ist das? hat dann dieser Kopf kein Hirn gehabt? Nein, Herr! antwortete jener: Dann das Kalb war ein Stern-Gucker.


100.

Zwey gute Freund, welche einander lange Zeit nicht gesehen hatten, kamen ungefähr wiederum zusammen: da dann einer den anderen fragte, wie er sich befinde? Worauf der andere zur Antwort gabe: nicht gar zu wohl; und daß er sich verheurathet habe, seitdem sie einander nicht gesehen hätten. In Wahrheit, dieses ist eine gute Zeitung, antwortete jener. Nicht gar zu gut, versetzte dieser; dann ich hab ein zänckisches Weib geheurathet. Dieses ist schlimm sagte jener. Auch nicht gar zu schlimm, antwortete dieser; dann sie hat mir braf Geld zugebracht. Auch nicht gar zu gut, antwortete dieser; dann ich hab Ochsen darvor gekauft, welche mir alle, weiß nicht, was Ursach, dahin gefallen. Das ist traurig, anzuhören, sagte jener. Nicht gar zu traurig, antwortete dieser; dann ich hab die Häut davon theurer verkauft, als die Ochsen gekostet hatten. So habt ihr euch dann eueres Schadens wiederum erholet, sagte jener. Nicht sonderlich, antwortete dieser: dann ich kaufte darvor ein Haus, welches mir aber abgebronnen ist. Dieses ist in Wahrheit ein grosser Schaden. Worauf dieser zur Antwort gab: Nicht sonderlich; dann mein Weib ist zugleich damit verbronnen.


101.

Ein Edelmann befahle seinem Diener, er solte ihn des Morgens um sechs Uhr aufwecken; dieser aber thate es um vier Uhr; und als ihn der Herr um die Ursach fragte, gabe er zur Antwort: Ich hab nur wollen sagen, daß ihr noch zwey Stund zu schlaffen habet.


102.

Einer sagte, der Wein habe zwey böse Eigenschaften. Erstlich, wann man ihn mit Wasser vermische, verderbe man ihn. Fürs ander, wann man ihn nicht mit Wasser vermische, verderbe man sich damit selbsten.


103.

Ein Frantzoß sagte, es wundere ihn, daß die Städt und Dörfer in Teutschland nicht alle Jahr abbrinnen. Als er um die Ursach gefragt wurde, antwortet er: Weil man so viel trunckenen Bolden die Liechter anvertraue. Dieses hörte ein Teutscher, welcher erwiderte: Hieraus ist zu sehen, daß ein trunckener Teutscher kluger ist, als ein nüchterner Frantzoß.


104.

Ein reicher Kaufmann machte Anstalt, einen grossen Spital aufzubauen, um die Krancke darinnen zu[693] unterhalten. Als solches ein lustiger Kerl sahe, sagte er: Der Spital seye viel zu klein. Und als jener fragte, warum? gabe dieser zur Antwort: Wann alle diejenige hinein kommen sollen, welche ihr arm gemacht habt, so wird nicht die Helfte davon Platz genug darinn haben.


105.

Als einer von seinen Freunden getadelt wurde, daß er des Morgens so lang im Beth liege, gabe er zur Antwort: ich bin kaum erwacht, da kamen vor mein Beth zwey Personen, nemlich die Emsigkeit, und die Faulheit. Eine ermahnet mich zum Aufstehen; mit Vermelden, ich solle den Tag nicht im Beth zubringen. Die andere wendet ein, ich solle der Ruhe des Leibs pflegen; weil es nicht gut seye, daß sich der Mensch jederzeit müd mache. Indem nun die erste ihre Meinung behaupten will, und die andere darauf antwortet, bin ich ein Richter, welcher ihre Streitt-Händel anhöret; und also warte ich immerdar, ob sie zuletzt wurden einig werden. Daher kommt es, daß ich in Erwartung des Ausganges so langsam vom Beth aufstehe.


106.

Es fienge ein alter Greiß an sich der Krucken zn bedienen. Als solches ein anderer sahe, sprach er: Dieser gute Mann wolte so gern zum Tod gelangen, daß es scheint, ob seyen ihm hierzu zwey Bein nicht genug.


107.

Ein verständige Person pflegte diejenigen, welche keine Wort machen, sondern thun, was sich gebühret, dem Feigen-Baum zu vergleichen, welcher Früchten, und keine Blühe bringt.


108.

Als einer gefragt wurde, warum die kleine Leutlein hertzhafter wären, als die andere? gabe er zur Antwort: weil sie weniger zu beschützen haben.


109.

Als ein Edelmann aus eitlen Hochmuth immerdar ein goldene Ketten um die andere um den Hals henckte, und so damit hergehend pragte, sagte einer: Anderen Narren ist ein eintzige Kette genug; dieses Edelmanns Narrheit aber ist so groß, daß er vieler Ketten vonnöthen hat.


110.

Als einsmahls unter den Artzten die Frag entstunde, was den Augen am besten thäte; und eine den Fenchel, andere aber die Brillen rühmen, da sagte ein verschmitzter Kopf: Es seye den Augen nichts nützlichers, als der Neid: Weil er mache, daß man anderer Leut Sache weit grösser und vollkommener ansehe, als sie in der That seyen.


111.

Als sich einer gegen seinem Freund beklagte, daß er auf dem Meer Schifbruch erlitten, sagte der andere: Wann dieses der erste Schifbruch ist, so hüte dich vor dem zweyten; ist es aber der zweyte, so beklagst du dich mit Unrecht, in dem du die Untreue des Meers schon zuvor hättest erkennen sollen.


112.

Es schalte einer den andern im Schertz einen Dieb, welchem der Gescholtene antwortete: Das kan nicht[694] seyn: Dann man siehet den Hencker und den Dieb niemahls bey einander, als wann dieser zum Galgen geführt wird.


113.

Als man einen fragte, wie man es machen müsse, daß man hoch geachtet wurde? Antwortete er: Wann du zu einer Gasterey kommst, so must du nicht, wie ein Holtz-Bock, da sitzen.


114.

Als das Regiment in einer vornehmen Stadt durch die üble Verhaltung des Adels in die Händ des gemeinen Volcks kommen, wolte einer von solchen Edelleuten einen unter den neuen Regenten schimpfieren, und sagte zu ihm: Wie wirst du und andere deines gleichen, die ihr nur gemeine, und unwissende Leut seyd, eine so vornehme und edle Stadt regieren können? Da gabe er zur Antwort: Ein jeder aus uns weißt, wie ihr regiert habt. Wann wir nun allzeit das Gegentheil thun, so können wir nicht fehlen.


115.

Als einer einen Jüngling gar ehrbar und in schönem Tuch gekleidet sahe, der aber garstige Wort, und Zotten redete, sagte er zu ihm: entweders rede Wort, so deinem Tuch gleich seynd; oder trage ein Tuch, das deinen Worten gleich ist.


116.

Einer fragte, woran es den Fürsten am meisten mangle? Da bekame er zur Antwort: An Leuten, so die Wahrheit reden.


117.

Einer sagte, es seye besser zwischen Feinden, als Freunden urtheilen. Dann unter den Freunden werde man unfehlbar einen Feind; unter den Feinden aber einen Freund bekommen.


118.

Ein Kaufmann handelte mit einem Mahler, daß ihm derselbe ein umgekehrtes Pferd mahlen solte, welches die Füß in die Höhe strecke, mit dem Rucken aber unten liege. Als nun der Mahler das Pferd sehr künstlich mahlete, jedoch aufrechts, und auf den Füssen stehend, da wolte es der Kaufmann weder annehmen, noch bezahlen. Damit aber der Richter zeigte, was massen zum öfteren um nichts werthe, und vergebliche Dinge gezancket wurde, nahme er das Gemähld in die Hand, und thate nichts anders, als daß er es umkehrte. Worauf er dem Kaufmann auferlegt den Mahler zu bezahlen.


119.

Als eines Bauren Sohn seine Studier-Jahr zu End gebracht, und sich wieder bey seinem Vatter aufhielte, lage ihm derselbe öfters in den Ohren, er solte doch seine Kunst einmahl sehen lassen; dem aber der Sohn allzeit zur Antwort gabe, es seye die Zeit noch nicht vorhanden. Einsmahls aber truge es sich zu, daß er, nebst seinem Vatter und Mutter zu Tisch sasse, und 3. Eyer vor sich stehen hatte, da sagte er: Nun hab ich endlich eine Gelegenheit überkommen, eine Prob meiner Kunst von mir sehen [695] zu lassen. Ich will erweisen, es seyen hier 5. Eyer, ob gleich nur 3. in der Schüssel erscheinen. Als der Vatter fragte, auf was Art und Weise solches geschehen könte? Da fuhre er also fort: Wo 3. seynd, da seynd auch 2. es seynd aber hier 3. darum seynd hier auch 2. daraufhin fuhre er weiters fort, und sagte: 3. und 2. aber machen 5. derohalben weil hier 3. und 2. seynd, so seynd auch hier 5. der Vatter gabe dieses alles zu, und sagte: Wohl! mein Sohn, ich lobe deine Spitzfindigkeit. Ich will aber von diesen Eyeren 2. vor mich nehmen, und das 3te deiner Mutter geben. Die übrige 2. kanst du vor dich behalten.


120.

Die Herren von Hirschau (so ein Städtlein ist, von deme sonst allerhand lächerliche Begebenheiten erzählt werden) gaben einsmahls einem Fürsten das Geleit, und führten denselben bis an die Porten des Städtleins. Als er daselbst angelangt, batte er sie insgesamt, sie solten nun wieder nach Haus kehren; dieweilen sie ihren Ehren schon ein Genügen gethan hatten; der Burgermeister aber antwortete: Durchläuchtigster Fürst! wir wollen Euer Durchleucht nur bis zum Galgen begleiten, und alsdann wieder nach Haus kehren.


121.

Eines grossen Herrns Schalcks-Narr hatte einsmahls etwas schlimmes gestiftet. Demnach wurde einem Diener Befehl ertheilet, ihn ins Gefängnuß zu legen. Der Narr mußte mit fort, wie ungern er auch daran kame. Er sahe aber in der Gefängnuß kein andere Ligerstatt, als die blosse Erden. Dannenhero wolte er durchaus nicht hinein gehen, bis man ihm ein Streue machte, um sich darauf legen zu können. Als aber der Diener solches verrichtete, und mit Zubereitung der Ligerstatt beschäftiget ware, da schlosse der Narr die Thür der Gefängnuß hinter ihm zu, und sperrte ihn ein, von dem er doch selbst hätte eingesperrt werden sollen. Ueberbrachte darauf die abgezogene Schlüssel seinem Herrn, der eben dazumahl mit anderen Gästen noch zur Tafel sasse, und sagte: Es hat mich viel Mühe gekostet, bis ich diesen Schelmen ins Gefängnuß gebracht, und eingesperrt hab. Der Herr verwunderte sich, und sagte: Wie? so hast du dann denjenigen eingesperrt, der dich gefänglich hat einsperren sollen? O ho! versetzte der Narr. Wer habens auf solche Weise beyde nicht recht verstanden.


122.

Als einem die Zeitung gebracht wurde, wie daß sein Weib ertruncken wäre, laufte er eilends zum Gestatt hinaus, setzte sich in ein Schiflein, und fuhre den Fluß aufwärts, sie zu suchen. Als man dessen lachte, und ihn ermahnte, abwerts zu fahren, wann er den Leichnam finden wolte, gabe er zur Antwort: Nein fürwahr: Ich kenne mein Weib besser, als ihr. Sie ist allzeit (GOtt tröste sie) zu Lebs-Zeiten eines widrigen Sinnes gewesen: Vielleicht ist [696] sie auch nach ihrem Tod aufwerts geschwummen.


123.

Bey einer Mahlzeit spöttelte einer des gegenwärtigen Doctors, und fragte: Mein Herr! wie weit ist ein Doctor, und ein Narr von einander? Der Doctor war gleich beschlossen, und sagte: So weit, als der Herr von mir sitzt, so weit ist ein Narr von dem Doctor.


124.

Einer hatte in einem fremden Haus einen heftigen Zanck-Handel angefangen, und als er davon nicht abstehen wolte, nahme ihn der Herr des Hauses beym Arm, führte ihn zur Stiegen, und gabe ihm mit dem Fuß einen Stoß über etliche Staffel hinunter. Mitten auf der Stiegen kame ihm ein Diener entgegen, der warfe ihn auf Befehl des Herrn bis auf den untersten Staffel. Als solches der Sohn, so ungefähr bey der Haus-Thür stunde, gesehen, stoßte er ihn gar zum Haus hinaus. Als der arme Tropf ein wenig verschnaufet, und sich wiederum aufgerichtet, sagte er: Wie geht doch in diesem Haus alles so ordentlich zu, wann ein Tumult darinn entstehet!


125.

Ein vornehmer von Adel, der sich nicht wenig eingebildet, kame einstens an den Hof des Kaysers Ferdinandi des 2ten und schertzte mit anderen Hof Herren. Als der Kayserliche Hof-Narr solches vermerckt, gesellte er sich zu diesem von Adel, und wolte auch mit ihm schertzen. Allein jener liesse es sich verdriessen, und sagte: Scherre dich weg: Ich mag mit keinem Narren schertzen. Aber ich, antwortete der Narr. Durch welche Antwort er die hohe Einbildung des von Adel nicht wenig gedemmet hatte.


126.

Zu einem grossen Kerl sagte einer: nun, so hab ich mein Lebtag keinen so grossen Narren gesehen, wie du bist. Jener aber bezahlte ihn geschwind, und sagte: So must du dich dann niemahls in einem Spiegel gesehen haben.


127.

Ein nasser Bruder hatte von dem vielfältigen Wein-Sauffen nach und nach eine rothe Nasen bekommen. Zu diesem kame einer, der sich anerbotten, ihm solche Röthe zu vertreiben, wann er ihm ein gewisses Geld geben wurde. Allein jener bedanckte sich, und sagte: Mein rothe Nasen hat mich viel Geld gekostet: Da müßte ich wohl ein Narr seyn, wann ich, diese Farb zu vertreiben, neue Unkösten anwenden solte.


128.

Man fragte einstens einen Deutschen, warum er den Wein nicht auch mit Wasser vermischte, wie andere zu thun pflegen? Da antwortete er: Es hätte ihm ein Sternseher vorgesagt, er werde einsmahls im Wasser ertrincken: Darum hüte er sich davor, so viel er könne.


129.

Ein gewisser Herr hatte einen Diener, zu dem er vielmahl sagte, er [697] wäre der König unter den Narren. Weil nun über die Schmachred der Diener endlich unwillig worden, sagte er: Wolte GOtt! ich wäre der König unter den Narren, so wurde ich an Macht alle Monarchen dieser Welt übertreffen; und ihr soltet darunter nicht der wenigste seyn.


130.

Ein Baur batte einen Advocaten, er wolte ihm doch ein Unterricht geben, was er antworten solte, wann er einen Streitt-Handel hätte: Er woll ihm gern für solchen Unterricht 2. gemästete Gäns zur Erkanntnuß geben. Der Advocat gabe ihm zur Antwort: So oft man dich dieses, oder jenes beschuldiget, sage allzeit: Herr! das ist nicht wahr. Als nun der Advocat bald hernach den Bauren wiederum antraffe, sagte er zu ihm: Baur! du hast mir 2. Gäns versprochen. Wo seynd sie? Wie? (fragte der Baur) ich habe euch 2. Gäns versprochen? Herr! das ist nicht wahr. Also ward der Advocat in seinem eigenen Unterricht gefangen, und mußte die Gäns dahinten lassen.


131.

Einer pflegte oftermahls mit sich selbst zu reden, als wann er, weiß nicht was, für Händel auszumachen hätte. Als solches ein anderer vermerckt, sagte er zu ihm: Kerl! giebe wohl acht, daß du mit keinem Narren redest.


132.

Es fuhre einstens ein gewisser Herr mit seinem Diener auf einem Fluß, welcher wegen schrofigen Felsen, die in selbigem da und dort hervor rageten, verschreyt ware, weilen nemlich schon viel Schiffe deswegen gescheitert hatten. Diesem nach sagte er zu seinem Diener: Kerl! giebe wohl acht, wann ich etwann einschlaffen solte, ehe wir zu gedachten Schrofen kommen, daß du mich vorher aufweckest. Der Diener sagte zu; weil er aber seinen Herrn süßiglich eingeschlaffen sahe, mithin das Schif vor den gefährlichen Schrofen schon fürbey gefahren war, weckete er endlich den Herrn auf. Als aber dieser gehört, daß er nicht zu rechter Zeit aufgeweckt worden, entbranne er in Zorn, und sagte zu dem Diener: Wehe dir! wann ich ersoffen wäre, ich wolte dir meinen Degen durch den Leib gestossen haben.


133.

Einer rupfte dem anderen vor, daß er schon öfters gelogen hätte. Es ist wahr (sagte jener) dann ich hab schon öfters löblich von dir geredt, ohne daß du es verdient hättest.


134.

Es kame einer in ein Wirthshaus eben zur Zeit, als die Wirthin selbiges mit Zancken und Polderen angefüllt hatte. Weilen dann der Gast hierüber ungedultig worden, und wiederum davon gehen wolte, sagte der Wirth zu ihm, guter Freund! ihr müßt wohl einen heicklichen Magen haben. Es seynd schon 32. Jahr, daß ich dieses Zancken und Polderen übertragen hab; und ihr soltet es nicht [698] eine Stund lang übertragen können? über welche Red nicht allein der Gast, sondern auch die Wirthin lachen mußte.


135.

Als man einen fragte, wie viel gute Weiber in der Welt wären? da sagte er, es wären nur 2. die einte hätte man verlohren; und die andere könte nicht man nicht finden.


136.

Ein anderer wurde gefragt, was die Weiber verschweigen könten? Die Antwort war: Das allein was sie nicht wissen.

Quelle:
Wenz, Dominicus: Lehrreiches Exempelbuch [...] ein nutzlicher Zeitvertreib als ein Haus- und Les- Buch. Augsburg 1757, S. 677-699.
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