11.
Wie die beyde junckfrawen ein gespräch mit einander haben, und wie Rosamunda die junckfraw Plilomena mit züchtigen worten straffet, doch zůletst sich freündtlich mit einander vertragen.

[216] Nun habt ir gnůgsam verstanden, wie sich Philomena, die junckfraw, gegen irem liebsten Gabriotto gehalten hat, dadurch er dann genůgsamlich irer liebe bericht worden ist. Solicher trost in so größlich erfrewen thet, das er in kurtzer zeit zů allen seinen verlornen krefften kummen und yetz wider gen hoff mit andren gon ward. Alsbald nun Rosamunda des jünglings innen ward, sye sich schnell zů Philomena der junckfrawen füget, also sprach: ›Frewendt euch, allerliebste junckfraw! Dann heüt zů tag hat der edel jüngling Gabriotto den ymmbis mit andrem hoffgesind zů hoff besessen. Des sond ir on zweyffel sein; dann ich in mit meinen augen personlich gesehen hab.‹

Philomena, als sye solche wort vernam, anhůb von freüden zů erbidmen, lang auff ir selb stund, kein wort reden mocht, zůlegt anhůb und sprach: ›O du mein allerliebste junckfraw Rosamunda, wie mag ich mich ymmermer gegen dir semlicher trew und freündtschafft bedancken! Dann du mir zů aller zeit mein hertz mit frölicher botschafft erfrewest. Darumb ich dir billich ein eerlich bottenbrodt schuldig bin zů geben.‹ Sollichs geredt sye ein schon halßbandt von irem halß nam, Rosamunda, der junckfrawen, umb iren halß legen thet ›Nimm hin,‹ sprach sye, ›du mein getrewe rhatgeberin, dises halßband, und nit wöllest es verschmahen! Dann du noch vil mer von mir warten sein solt.‹ Die junckfraw Rosamunda die eerlich schenck mit grossem danck annam, der[216] junckfrawen Philomena damit versprach, ir alle zeit mit geneygtem willen zů dienen.

Under andren bede von dem jüngling Gabriotto zů red wurden. Philomena sprach: ›Ach mein allerliebste junckfraw Rosamunda, wie mag doch ein semlichs ymmermer beschehen, das mich der jüngling Gabriotto so gäntzlich mit seiner lieb gefangen hat! Ich glaub nimmermer, das Tristrant die schöne Ysald also mit grosser liebe umbgeben hab, dergleich er gegen ir in semlicher inbrünstiger lieb entzündt gewesen sey, als sye das unglückselig trunck inen beden unwissendt getruncken hatten. Ich glaub auch nit, das junckfraw Bianceffora gegen Florio, des künig Pfelice son, grösser huld und liebe getragen hab, als ich dem edlen jüngling tragen thůn, wiewol Florio und Bianceffora mancherley ellend, leiden und trübsal umb irer liebe willen erlitten haben.‹

Auff semliche wort Rosamunda antwort und sprach: ›Mein allerliebste junckfraw, ich bitt, mir meiner red verzeihen wöllendt; dann ich ye nit gedulden mag, ich můß dise zwo edlen liebhaberin mit höchstem fleiß versprechen, wiewol ich ewer liebe keinswegs verwerffen will. Die liebe aber der züchtigen beden liebhabenden menschen, nammlich Bianceffora und irs Florio, nit außzůsprechen ist; das mögendt ir mir bekennen. Was widerwertigkeyt hat doch ye gemügt ir beder lieb außdilcken! Hat nie die züchtig junckfraw von wegen irs liebsten Florions vil und mancherley anstöß erlitten, als ir der künig Pfelice, des jünglings vatter, einen vergifften pfawen, den sein marschalck bereyt hat, befahl fürzůtragen! Solichs der schönen junckfrawen verborgen was; der künig, der von solcher verräterey wol wußt, dergleichen thet, als ob er grosse freüd darab nem. Als aber das gifft an dem pfawen befunden ward, die unschuldig junckfraw mit grossem rumor zů dem küniglichen palast hinaußgetriben ward, in einen finstern kercker verhütet, unlang darnach als ein schuldige des vergifften pfawens zů dem feür verurtheylt, mit grosser ungestüme von den schergen auff die halßstatt gefürt ward, in grossen engsten nichts anders[217] dann des grimmen todts warten was; yedoch in solchem leyd ires liebsten Florions nye vergassz, welcher sye auch, wiewol er weder von seinem vatter noch seiner allerliebsten junckfrawen erkant ward, auch also unerkannt wider hinweg reyt, von dem todt mit ritterlichem kampff erlösen thet. Was mocht ir aber semliche erlösung gehelffen, dieweil sye unlang darnach von dem künig fälschlich verkaufft ward in Alexandria, auff einem mechtigen thurn lang zeit verspert sein můst. Semlichs aber den künig Pfelice gar seer rewen ward; dann sobald Florio, sein son, vernam sein Bianceffora verkaufft sein, zůhandt vatter und můtter verlassen thet, und einer eerlichen gesellschafft mancherley inseln durchschiffet, sein liebste Bianceffora mit grossem fleiß sůchet, die er nach erlittnen schiffbruch und ander vil gefar zůletst in Alexandria auff den thurn finden thet, mit grosser sorg seins lebens und mancherley erdachten list sich zůletst in einem rosenkorb under den schönen rosen verborgen zů ir auff den thurn an einem seil ziehen ließ. Das unstet wanckelmütig glück aber inen nit lang solcher freüd vergünnen mocht. Dann er in kurtzer zeit hernach von dem herren des thurns bei seiner allerliebsten Bianceffora funden ward. Also bede nacket an einem seil ab dem thurn gelassen wurden, ein lange zeit allermencklich zům gespött alda hangen můsten, darnach in ein gross feür gebunden. Dann im der herr des thurns nichts anders mit in fürgenummen hat, dann das sye also ellend bei einander verbrennen müsten. Aber nit geschehen mocht von wegen eines köstlichen rings und steyns, so der jüngling an seinem finger hat, des krafft all flammen des feürs löschen thet. Als nun der herr des thurns semlichs ersehen, hat er sye beyd heraußgenummen unnd nach langem erfaren, das Florio sein naher freünd gewesen ist, die zwey zůletst also zamen geben und grose freüd mit in gehabt. Nun sagend mir, edle junckfraw, habt ihr ye dergleichen liebe ersehen, die also biß in den todt bestanden? – Nit minder die schöne Ysald iren liebsten Tristrant von hertzen geliebt hat. Dann als er von eim vergifftem schoß verwundt und allein seiner allerliebsten Ysalden hillf unnd artzney begeret, so groß verlangen nach ir hat, das er zůletst vor grossem leyd on alle hilff[218] sternem thet. Da aber seiner liebsten Ysalden kundt gethon ward, sye zůhandt zů seinem todten leichmam kam, also mit grossem weinen unnd klagen irem allerliebsten nachfolget. Darumb, junckfraw Philomena, ich nimmer glauben mag, ewer lieb der iren geleichen, ir hetten sye dann auch durch semliche weg versůchet und probiert.‹

Mit disen worten die junckfraw Rosamunda ir red endet. Als nun Philomena die junckfraw solche wort verstanden, hůb sye an und sprach: ›O junckfraw Rosamunda, ich bitt, wöllest mich solcher wort erlassen und mir mein liebe, so ich meinem liebschen jüngling trag, nit minder schetzen dann dise, so du mir nach der leng erzalt hast‹. Dann warlich solt du mir glauben, ich von wegen meines lieben jünglings nit min der dann dise leyden wolt unnd mich auch keinswegs sperren, in den tod mit im zů gon. Du solt auch sicher sein, so im sein kranckheit, so er newlich erlitten hat, zů dem todt gereycht hett, du mich nit einen tag nach im hettest bei leben mögen behalten. Gott wolt, sein hertz, und gemüt nach mir stünd, als das mein sich nach im senet und kräncket! Mich solt kein freüd noch leyd nymmer von ihm entziehen, gleich so und als Bianceffora an ihrem liebsten Florio standthafft bliben ist.

Rosamunda sprach: ›Junckfraw, wo ihm also ist, wie ihr gesagt hand, ich euch nit minder dann dise obgedachten in ewig lieb schätzen thů. Doch wer mein raht, ir euch die lieb nit so gantz beherschen ließen; dann wo ir flamm mit gewalt auffgat, ihm gar kümmerlich widerstanden werden mag.‹

›O mein liebe Rosamunda,‹ sprach die junckfraw Philomena, ›ich bitt dich, wöllest dich solicher wort nit mer gegen mich gebrauchen. Dann so offt du mir der ding gedenckest, du mir ein scharpff schneidend schwerdt in mein hertz stossest. So unmüglich ist das wasser gegen berg auffzůrichten, so unmüglich ist mir meinen liebsten jüngling zů erleyden.‹

Die junckfraw Rosamunda, als sye marckt die ding vergeben sein, ließ sye von solchen worten unnd gedacht ir der keinswegs mer und sprach: ›Allerliebste junckfraw, ich bitt, mir solicher red verziehen wöllend. So versprich ich euch bei[219] meiner trewe, euch semlicher wort nymmer zů gedencken, sunder allzeit nach ewerem willen zů leben.‹

Des Philomena wol zůfriden was, ir auch alles, so sich verloffen hat, verziehen und vergeben thet. Nach dem mancherley von dem jüngling unnd Reinhart, seinem gesellen, zů red wurden, so lang das Philomena an ir verston thet, das die junckfraw Rosamunda auch in liebe gegen dem jüngling Reinhart entzündt was, wiewol sye nit dergleichen thet, alls wann sye solcher ding bericht wer, so lang biß ihr Rosamunda selbs eröffnen thet, wie ihr nachgonds hören werden.

Quelle:
Georg Wickram: Werke. Band 1, Tübingen 1903, S. 216-220.
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