Fünfte Szene

[26] Ein Chor von männlichen und weiblichen Dienstboten tritt auf, unter ihnen der Haushofmeister und die Haushälterin. Sie schaffen eine reichbesetzte Tafel mit vielen Gedecken, die bisher im Hintergrund gestanden, in die Mitte der Szene und machen sich mit Ordnen und Schmücken derselben zu schaffen.


CHOR.

Heute gilt es, sich zu rühren,

Heute muß man fleißig sein,

Denn Baptista läßt heut spüren,

Wieviel Gold und Silber sein.

HAUSHOFMEISTER.

Diesen goldnen Ehrenbecher

Stellt dem Bräutigam hin im Flug!

Merkt, wie ihn der wilde Zecher

Leeren wird auf einen Zug![26]

HAUSHÄLTERIN.

Auch die gelbkristallnen Schalen,

reich verziert, ein wahrer Schatz,


Läßt sich die Schale reichen.


Stehe neben dem Pokale,

An Kathrinens Ehrenplatz!

CHOR.

Heute gilt es, sich zu rühren,

Heute muß man fleißig sein,

Denn Baptista läßt heut spüren,

Wie viel Gold und Silber sein.

HAUSHOFMEISTER.

Heda! Bursche, noch mehr Teller,

Vierzig Gläser schnell herbei!

CHOR.

Heute spürt es wohl der Keller,

Wir auch trinken frank und frei.

HAUSHÄLTERIN.

Rührt die Arme!

HAUSHOFMEISTER.

Rührt die Beine!

HAUSHÄLTERIN.

Stühle schleppet schnell herzu!

HAUSHOFMEISTER.

Rote Weine, weiße Weine.

HAUSHOFMEISTER UND HAUSHÄLTERIN.

Alles muß jetzt gehn im Nu!

CHOR.

Gerne mögen wir uns regen,

Können fleißig heute sein.

Käthchens Weggang ist ein Segen,

Endigt ihre Quälerein.

Täglich werden wir nun dreister,

Wenn sie erst zum Haus hinaus.

HAUSHÄLTERIN.

Aber sie,

HAUSHOFMEISTER.

Aber sie,

HAUSHOFMEISTER UND HAUSHÄLTERIN.

Aber sie hat ihren Meister.

CHOR.

Horch! Horch! Horch! Schon ist die Hochzeit aus.

HAUSHOFMEISTER.

Dort kommt der Musikus, scheint ganz verstört,

CHOR.

Herr Cembaloni! Sagt, wie ist's gegangen?

HORTENSIO.

Nein, solcher Hochzeit wohnt ich niemals bei.

Er trieb es wie ein Teufel.

Jeder Sitte sprach sein Betragen Hohn.

Der Priester fragte: Wollt gegenwärtige Jungfrau ihr zum Weibe?

Natürlich schrie er laut, drum bin ich da,

Und macht nur schnell mit eurem Hokus-Pokus!

Drauf als zu Ende kam die Zeremonie,

Gab er der Braut vor allen einen Kuß,

Der weithin schallte![27]

CHOR.

Nein, das ist zu arg!

HORTENSIO.

Dort kommt der Zug; drum will ich schweigen,

Er möchte sonst auch mir die Zähne zeigen.


Quelle:
Hermann Goetz: Der Widerspenstigen Zähmung, frei bearbeitet von Joseph Viktor Widmann, Zürich, Wien, München [ca. 1925], S. 26-28.
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