Die todten Maler.

[114] Eines Nachmittags wandelte ich allein in den leeren Sälen des Haager Museums umher. Die Arme übereinander geschlagen, betrachtete ich ein wundersam schönes Bildchen an der Wand, nur einen Fuß hoch, nur einen halben Fuß breit, aber tief, wie das grüne Waldesdunkel, worin der schöne Jäger saß, am Stamme einer alten Eiche – leichtes Röckchen, offene Brust, nackte Beine, dazwischen sein Gewehr, darunter sein Hund – ein Bild zum Küssen für Mädchen und selbst für Männer eine Freude. Auf, auf, zum fröhlichen Jagen, lullte ich vor mich hin. Der Morgen ist nicht weit, sang eine Geisterstimme hinter mir. Im Umdrehen erblickte ich einen leichenblassen Mann, der eben kein Anderer war, als der Jäger, den ich auf der Leinewand bewundert, nur anders[115] gekleidet. Statt des leichten Jagdrocks steckte er in einem Wams von weißer Seide mit faltigen Aermeln, über die nackten Beine hatte er stahlgraue faltige Hosen gezogen, die unterm Knie festgebunden und mit zwei zierlichen Schleifen versehen waren, auf dem Kopf trug er einen braunen Hut mit überhängenden weißen Federn, an der Hand Manschetten, unterm Hals gestickte Bäffchen, einen Degen an der Seite – ganz wie der vornehme und begüterte Stand im siebzehnten Jahrhundert sich zu tragen pflegte. – Wer sind Sie, mein Herr, fragte ich erschrocken. – Ari de Vois, der Maler dieses Bildes, antwortete die Gestalt und schien über meine Befangenheit zu lächeln. – Wer bist Du, rief ich. – Ari de Vois, wiederholte der Mann ganz ruhig. Laß Dich das nicht anfechten, setzte er hinzu; ich bin allerdings ein Geist, ein Gespenst, Ober was thut das, wir müssen Alle mal Gespenster werden. Folge mir, wenn Du Lust hast; ich bringe Dich in gute Gesellschaft. Ich ging ihm nach, ohne es zu wissen und zu wollen. Im ersten Nebensaal wandelten mehrere Gestalten auf und ab. Das Weib sitzt nicht fest, murmelte ein wohlbeleibter schwarzeingehüllter Mann, indem er zugleich mit seinem schwarzen Federhut auf ein modernes Gemälde hindeutete, das erst kürzlich da aufgehängt worden war. Was willst Du damit[116] sagen, fragte ein kleines, blaß und kränklich aussehendes Männchen. – Was ich damit sagen will, Lukas, versetzte der Schwarze, und fuhr sich mit der Hand durch den Wulst krauser Haare; ich will sagen, das geleckte Geschöpf da steckt nicht wirklich in der Leinwand, sondern ist nur von außen angekleckst. – Mein Führer zupfte mich am Rock. Das ist Rembrand, sagte er; schreibe, Du hast Rembrand gesehn, und Lukas von Leiden, der kleine Blasse ist Lukas. Lukas ist schon ziemlich was länger todt, als wir Anderen, mit Ausnahme von Martin Heemskerk, der auf der Fensterbank sitzt, und seine dürren scholastischen Beine übereinander schlägt. – Da irren Sie sich, mein Werthester, sagte ich hastig, Martin Heemskerk ist viel später gestorben, als Lukas von Leiden. Als ich diese Worte herausgestoßen hatte, ward ich roth und blaß, und ich begriff nicht, woher ich den Muth dazu genommen. – Heemskerk! schrie Ari de Vois, wie steht es damit, bist Du früher gestorben als Lukas, oder ist Lukas früher gestorben, als Du. Heemskerk lachte und sagte, ich habe den kleinen Lukas mit zu Grabe getragen – er war nicht schwer. Du warst mit dabei, langer Pieter, oder Pieter Aartsen, wie Du Dich lieber nennen hörst. Es war anno domini als man schrieb funfzehn hundert drei und dreißig. Den funfzehnten September, lispelte[117] Lukas. Ich sehe, sagte Ari de Vois zu mir, Du bist in der Malergeschichte besser bewandert, als ich selbst. Ich bin früh aus der Zunft herausgekommen, ich heirathete ein junges reiches Weib, die sich verliebt hatte in meine nackten Beine. Du meinst, sagte ich, in Deine herrlichen Mannsbilder, Deine Fischer, Jäger, Spielleute, in welcher Art kleiner idealer Bilder Du in der That einzig bist. Wie Du willst, entgegnete Ari, meine Beine waren auch nicht von Stroh. Sieh nur den alten Bloemart, wie verliebt er seine Göttinnen im Olymp anäugelt, man sieht's dem alten Gecken an, daß er in Paris gewesen ist. – Sieh da, alle Historienmaler beisammen. Die beiden eleganten Ritter Karl de Moor und van der Werft becomplimentiren sich auf die anmuthigste und umständlichste Weise von olim. Wie sie ihre Oberleiber vornüber biegen, wie sie ihre Arme sinken lassen, wie sie sich drehn und schwenken, mit welch zierlichen Schritten sie gegen einander anwachsen, wie sie sich über Kreuz und über Quer an die Brust drücken – Rembrand wühlt sich ärgerlich im Pull, Jordaans wirst seine blaue Mütze in die Höhe und Jan Lievensze hält sich den Bauch vor Lachen. –

Welcher Lärm! Das ist ja Steen, er wankt, er singt, er wird seinen letzten Rausch in alle[118] Ewigkeit nicht ausschlafen. – Jan Steen, oder wer es war, drehte sich das Barett auf dem Kopf herum und sang: nur immer langsam voran, nur immer langsam voran, daß die Amsterdammer Schütterei mir nachfolgen kann. Hinter ihm her marschirten tact- und ehrenfest, Tambour vorauf, Fähnlein in der Mitte, eine kleine Schaar bärtiger Männer. Willkommen, Ihr Schüttermaler von Amsterdam, rief Rembrand, willkommen Ihr würdigen Herren, mein Herr Gobert Flink, mein Herr van der Helst, mein Herr ver Schoten, meine alten werthen Freunde und Schüler allzumal. Da habt Ihr Euch einen saubern Capitän gewählt, fügte er hinzu. Wo steckt er nun, das Weinfaß. Meinst Du mich, sagte Jan Steen, und duckte aus einem Winkel des Zimmers auf, wo er in der Zwischenzeit etwas in aller Eile auf den Boden gemalt hatte. – Was machst Du da. – Ich wundere mich, sagte Jan Steen. – Worüber wunderst Du Dich, Narr, fragte Rembrand ungeduldig. – Ich wundere mich, daß Einem die Goldstücke hier vor den Füßen liegen, die Menschen zu unserer Zeit wußten den Werth des Goldes besser zu schätzen. – Wo, wo? fragte Rembrand, wo liegt Gold? – Hier. – Rembrand war mit drei Schritten an der bezeichneten Stelle, bückte sich und merkte den Betrug, den Jan Steen[119] ihm gespielt hatte. Alle Maler lachten. Heemskerk klatschte sich auf seine brettharten Schenkel. Jan Lievensze rief nach einem unmäßigen Gelächter, nein, man könnte sich zu Tode lachen, wäre man nicht zufällig schon gestorben. Rembrand sagte ärgerlich zu Jan Steen, Du bist ein Narr und bleibst ein Narr und wenn Du auch noch tausend Jahre im Grabe liegst. Amen! rief Jan Steen. Dann wandte er sich an Jan Lievensze, der erschöpft vom Lachen tiefen Athem holte. Komm, Bruderherz, sagte er zu ihm, komm mit mir.

Ari de Vois sagte, ich bin neugierig, wohin sie wandern. Wir gingen hinterdrein. Auf der Thürschwelle rannte das Paar, das sich in Arm gefaßt hielt, gegen eine Gestalt, welche sich vergeblich bemühte an der Seite vorbeizukommen. Ruisdal! schrie Jan Steen, alter Ruisdal, einsamer Freund des murmelnden Bachs, Geliebter der Wassernixen, Vertrauter der Frösche, unsterblicher Kataraktenmaler, passire durch diese Thür, so breit Du bist, wir machen Dir Platz, denn Jan Livensze und ich, wir haben den allererdenklichsten Respect vor Wasser und Wassermalern. Süß ober Salz, gleichen Respect, daher passirt nur Bakheisen, Van der Velde, nur zu, nur durch, haltet Euch nicht auf, wenn's gefällig, Eure Mäntel riechen gar zu stark nach Schiffstheer und Seewasser: – Gottlob,[120] daß diese Seeungethüme vorüber sind, sie machen mich unwohl. Da stößt man doch wieder auf ordentliche Landgeschöpfe, auf den heerdenlichen Berghem, den wilden Savrey, den braunen romantischen Svaneveld, den silbernen Du Jardin – guten Tag Leute – Du Jardin, wie lange ist es her, daß Du nicht in Italien warst. Paul de Potter auch. Paul, Paul! wie konntest Du der Prinzessin Amalie von Solms-Braunfels eins pissende Kuh auf die Leinwand malen. Einer Prinzessin eine pissende Kuh! Du hast ein Gewissen wie ein Schlachterhund. Paul Potter strich sich die rothen Haare aus dem Gesicht und sagte, es ärgert mich noch im Grabe, daß ich mir so viel Mühe gegeben für die Prinzessin. Stehe Tage lang auf der Weide, laufe hierhin, dorthin, mit Papier und Stift, sehe jeder Kuh, die ihren Schwanz aufhebt in den After, male meine Kuh in der natürlichsten Stellung von der Welt, drücke jede Verrenkung, jede Muskel aus, die ein solches Beest beim Pissen verzieht, dann kommt mir einer von den Hofschranzen anspatziert, beäugelt das Bild, und giebt mir den freundschaftlichen Rath, die Prinzessin damit nicht zu erzürnen. Daß ich! Als wenn nicht eine Kuh, die gut pißt, hundert Ducaten mehr werth wäre, als eine Kuh, die nichts macht. Freilich faselte der Schranze von Anstand,[121] Beleidigung des Zartgefühls und dergleichen; aber ich sehe nicht ein, wie eine pissende Kuh das Zartgefühl einer Prinzessin beleidigen kann. Malte der große Rubens einen pissenden Prinzen (†), warum sollte ich nicht eine pissende Kuh malen? Hab ich doch den Geruch nicht mitgemalt. – Du hast Recht, Paul, lachte Jan Steen; allein in Deiner Stelle hätte ich der Kuh einen silbernen Nachttopf untergepinselt, so hätte die Prinzessin wohl geahnt, daß Deine Kuh keine gemeine alltägliche Kuh sei, die schlankweg auf den Boden strullt, sondern vielleicht eine verzauberte Prinzessin, die in ihrem viehischen Zustande sich noch des Silbergeschirres vom Hofe ihres Herrn Papa's bedient. Nun, auf Wiedersehn, Paul, auf Wiedersehn Du Liebling unsers Schutzpatrons Sankt Lukas, der eben so wie Du ein Ochsenmaler war, wie man aus seinem apostolischen Thierzeichen ersieht. – Gelobt und gepriesen sei unser Schutzpatron Lukas, sagte Paul Potter, Lukas, der uns alljährlich an seinem Namenstage vom alten Herrn die Erlaubniß auswirkt, wieder einmal im Licht umher zu spatzieren. Dort unten aber ist es schauerlich, man sieht weder Ochsen noch Kühe, Noch grüne Wiesen, nur Sand und wieder Sand und scheußliches Gewürm. – Wer spricht da so verächtlich von Würmern,[122] schwirrte und krächzte eine Fledermausstimme aus einem Winkel des Saals. – Otto Marzelis, was machst Du da oben? rief Jan Lievensze. – Ich zähle die Augen einer Kreuzspinne, antwortete die Stimme aus der Hohe. – Wo steckt der Schnüffler, fragte Jan Steen, ich höre seine Stimme wohl, aber ich sehe ihn nicht. – Höher hinauf, dort oben in der Ecke. – Oben an der Wand, mit dem Kopf unter der Gypsdecke, saß oder hing ein kleiner grüner Knirps, der mit beiden Armen sich schwebend erhielt am Stiel einer Eule, deren rauhes Ende er gegen den Fußboden stemmte. Dies kleine Gespenst hatte ganz das ängstliche Lupengesicht des berühmten holländischen Insektologen Svammerdam, dessen Büste ich in einer Kirche zu Delft gesehen, ganz diese Neuntödteraugen, diese vom Bücken aufgeschwollene Nasenwurzel, die gesperrten runden Nasenlöcher, den gekniffenen Mund. – Kerl, rief Jan Lievensze, plagt Dich der Teufel, willst Du gleich herunter, warte, ich will Dich holen; und damit ergriff er den Eulenstaken mitsammt dem Männchen, das oben daran saß und wie ein gespießter grüner Käfer mit den Beinchen zappelte. Dann trug er ihn mitten durch die hohe Saalthür, die Uebrigen hinterher und Jan Steen rief mit einer Ausruferstimme: hier ist zu sehen der große[123] Schnüffler, Otto Marzelis, weiland Maler und Inhaber einer Menagerie von Flöhen, Raupen, Spinnen und allem möglichen Geziefer und Ungeziefer, das auf Erden kriecht oder in Lüften schwirrt. Heran, heran! hier ist zu sehen u.s.w. Halt, schrie das kleine Männchen, halt Jan Lievensze, ihn mir den einzigen Gefallen und laß mich an den Floh kommen, der dort auf der Staffelei sitzt. – Gewahrt, sagte Jan Lievensze und hielt ihn über die Staffelei, worauf ein halbfertiges Blumenstück nach Huysum lag, woran ich eine junge Dame hatte arbeiten sehn. – Welch ein Engel von Floh! schrie der Mistkäfer; hat man je solch einen Floh gesehn. Glücklich ist der Leib, welcher ihn getragen, selig sind die Brüste, welche ihn gesäugt. – Marzelis, rief Jan Steen, Du verdienst, daß ich Dich zum Ritter vom Floh schlage, hier hast Du Deinen Orden – er packte den Floh und setzte ihn dem Kleinen auf das grüne verblichene Mäntelchen – und hiermit empfange den Ritterschlag – er schlug ihn mit der Mütze so stark in den Nacken, daß der Kopf des Kleinen vorüberfuhr, sein Rüssel gegen die Spitze der Eule stieß und er selbst schreiend herabfiel. Allgemeiner Jubel. Darüber ging die Thür des Directors auf. Der Director trat heraus mit verstörtem Gesicht und rief, was ist das hier, meine Herren? –[124]

Nichts! sagte Jan Steen ganz unbefangen; ich schlug so eben den Otto Marzelis, vulgo der Schnüffler genannt, zum Ritter vom Floh. – Wer sind Sie, mein Herr, fragte der Director. – Mein Herr, ich bin Jan Steen. – Possen! Was bedeuten diese Kleider, diese Larven, worin Sie sich vermummt haben; das Museum, meine Herren, ist kein Ort, um Faschingsspiele aufzuführen. Zeigen Sie mir Ihre Einlaßkarten, wenn's gefällig – meine Herren, ich bin der Director des Museums und verlange Ihre Einlaßkarten zu sehen. – Deine Einlaßkarte, Deine Einlaßkarte, Deine Einlaßkarte, riefen grenlich-lustig im nachäffenden Ton die Maler sich einander zu, indem Jeder die Hand gegen seinen Nachbar ausstreckte. Mein Herr Director, sagte ein Maler im braunen Mantel, gestützt auf den verrosteten stählernen Griff eines alten Reiterdegens, mein Herr Director, halten's zu gut, wir haben keine Einlaßkarten. – So soll das Wetter fahren in den Conciergen, brauste der aufgebrachte Director, und war im Begriff, nach unten zu stürzen, um dem armen Mann den Kopf zu waschen. Halt, rief der Mann im braunen Mantel, wobei er mit dem Fuße auf den Boden stampfte, daß bis großen Reitersporen, die er trug, mit den Fenstern zusammenklirrten; halt, mein Herr Director, wird sind[125] nicht durch die große Thür gekommen, der Concierge ist unschuldig. – Also aus dem Keller, fragte der Director. – Aus dem Keller! antwortete eine Stimme aus dem Haufen, welche noch tiefer kam, als aus dem Keller. Wer sind Sie, stotterte der bebende Director. – Ich, ich bin Philipp Wouvermann – und ich bin Adrian Brauer – und ich bin Franz Mieris – und ich bin Gabriel Metzü – und ich bin Gerhard Dow – und ich bin Jan Lievensze – ich van Schalken – ich Terburg – ich Ari de Vois, sagte mein Begleiter, und Jan Steen sang


Es weiß die ganze Nachbarschaft,

Was ich für'n Vogel bin.


Meine Herren! stammelte der arme Director – Auf Leute, sagte der Maler im braunen Mantel, der sich Philipp Wouvermann genannt, auf, laßt uns dem Director zeigen, daß wir die Maler sind, für welche wir uns ausgeben, Pinsel und Paletten her, sagte er darauf im befehlenden Ton zum Director. In mechanischer Angst holte der Director Pinsel und Paletten aus seinem Zimmer. Jeder an sein Stück! rief Philipp Wouvermann, und fuhr mit der flachen Hand über ein Gemälde, welches die Ankunft einer Gesellschaft zu Pferde in einem Wirthshause vorstellte. Was seine Hand berührte, verblich und erlosch – in[126] drei Secunden war vom schönen Stück nichts übrig als die graue Todtenfarbe, wie die Maler die erste Deckfarbe nennen. Der Director stieß einen Schrei des Entsetzens und der Verzweiflung aus, mich durchrieselte ein eiskalter Schauer. Die andern Maler thaten dasselbe, jeder fuhr mit der Hand über ein Gemälde, Jan Steen über einen Jan Steen, Metzü über einen Metzü, bis eben so viel Gemälde, als Personen im Zimmer, außer mir, dem Director und dem Fortwinselnden Ritter vom Floh sich in Aschfarbe verwandelt hatten. Das wäre gethan, sagte Philipp Wouvermann; nun frisch an die Arbeit, Jeder stelle sein Stück wieder her. – Die Maler mischten die Farben auf der Palette und fingen an zu pinseln. Nie hat die Welt solche Pinselei gesehn, die Pinsel fuhren auf und nieder, fuhren kreuz und quer wie gemeine Thürstreicherpinsel, und jeder Strich war ein Bein, ein Kopf, ein Hals, ein Fuß, ein Arm, ein Glas, ein Tisch, ein Fenster, ein Baum – Gerhard Dow, der im Leben nie anders malte, als mit selbst verfertigten Pinseln, mit Farben auf Krystall gerieben, Gerhard Dow, der an einem fertigen Besenstiel noch für drei Tage zu malen fand, derselbe brachte einen Besenstiel in weniger als drei Secunden zu Stande. Wouvermann rief frisch, frisch, frisch, die Pinsel gingen husch, husch,[127] husch, ich rieb mir ungläubig die Augen, der Director schlug die Hände über den Kopf zusammen, und die Maler waren fertig, ehe wir es uns versahen, ja ehe wir es sahen. Hier, Director, rief Jan Steen, hier ist mein Zahnarzt – hier ist mein Jäger, rief Gabriel Metzü – hier ist der meinige, rief An de Vois – hier ist mein Trompeter, rief Terburg – hier meine schmauchenden Bauern, rief Brauer – hier meine junge Hausfrau mit dem Wiegenkinde, rief Gerhard Dow – hier mein kleiner Seifenblaser, rief Franz Mieris – hier mein Uringlasgucker, rief van Schalken – hier – der Director sah und hörte nichts mehr, er lag ohnmächtig neben dem Ochsen von Paul Potter. Vor Schreck und Mitleid wachte ich auf.

Quelle:
Ludolf Wienbarg: Holland in den Jahren 1831 und 1832. Erster und Zweiter Theil, Hamburg 1833, S. 114-128.
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