I. Kurze Beschreibung Koreas.

Vorbemerkung.

Das Nationalwappen Koreas, welches hier untenstehend angedeutet ist, stellt das männliche und das weibliche Element der Erde dar Das rot angegebene bedeutet das männliche, das weiss gelassene das weibliche Element; ersteres den Himmel, das Zweite die Erde bezeichnend. Nach Osten, über das Meer hinaus gesehen, scheint sich der Himmel auf die Erde niederzulegen, um sie zu umarmen, wahrend sie sich vom Lande aus in mächtigen Gebirgen erhebt, um ihrerseits[1] den Himmel zu umarmen, solchergestalt ein harmonisches Ganzes bildend. Die vier Zeichen stellen die Richtungen des Kompasses dar und gehören zu den acht Charakteren, welche der erste koreanische König gab und auf welche »jede« Sprache zurückzuführen ist. Die oberen acht Figuren sind die acht Original-Schriftzeichen Koreas.

Korea liegt im Norden Chinas, gewissermassen zwischen diesem Kaiserreiche und Japan hängend, das japanische Meer und das gelbe Meer teilend. Es ist im Norden von der Manschurei, im Nordosten von Sibirien, im Osten vom japanischen Meer, im Westen vom gelben Meer und im Süden von der Meerenge von Korea begrenzt. Es hat eine Küstenlinie von 1740 Meilen und erreicht mit seinen ausserhalb liegenden Inseln fast die Grösse Gross-Britanniens. Es erstreckt sich vom 33.–43. Grad nördlicher Breite und hat mit allen seinen Inseln eine Grösse von ungefähr 100000 ± Meilen. Das Land ist nicht stark bevölkert, die letzten Nachforschungen ergaben eine Einwohnerzahl von ungefähr 16 Millionen Menschen.

Der Name Corea oder Korea entstammt dem japanischen Worte Korai; die Portugiesen, welche die Ersten waren, die das gelbe Meer berühren, nannten es Coria, welches nach Chosen so viel als »das Land der Morgenruhe« heisst. Korea, ein Königreich, ist in acht Provinzen eingeteilt: Ping-an, Whang-hai, Kiung-kei mit Seoul als Hauptstadt, Chungchong-Chulla, Kiung-sang, Kang-wen und Ham-Kiung. Das Klima Koreas ist ein sehr gesundes, in den südlichen bedeutend wärmer als in den nördlichen Provinzen. Der Han-Fluss, an welchem die Hauptstadt liegt, ist während der Wintermonate mit so starkem Eis bedeckt, dass schwere Lasten darüber geschafft werden können. Das Land ist gebirgig und sehr wasserreich. Im Nordosten ist es mit grossen Waldungen bewachsen und die ausserordentlich fruchtbaren Thäler sind gut bebaut, da die meisten Koreaner Landwirtschaft betreiben. Mineralien sind im Ueberfluss vorhanden,[2] doch wurden dieselben bisher noch nicht in fachgemässer Weise an das Tageslicht gefördert. Die Scenerie Koreas ist ebenso anmutig als grossartig und selbst Reisende, welche zu der Klasse gehören, deren Grundsatz ist: »nihil admirare«, geben dies einstimmig zu.

Der König ist Alleinherrscher über sein Land. Ein Premier-Minister, dem wieder zwei Minister, der der Rechten und der der Linken unterstellt sind, unterstützen ihn bei der Regierung und diesen schliessen sich die Vorgesetzten, Chefs, sechs anderer Abteilungen, Departements, an, nämlich: das Etiquettenamt oder Zeremonienamt, das Finanz- und Kriegsamt, dasjenige, für die öffentlichen Arbeiten, das für die Wissenschaften und für Rechtspflege. Seitdem Korea dem Fremdenverkehr eröffnet ist, wurden, noch zwei Präsidenten für die inneren und äusseren Angelegenheiten ernannt, ebenso wie eine Art statistisches Amt, in dem, Geburts- und Todesfälle[3] gebucht werden. Diese verschiedenen Beamten bilden den Hohen Rat des Königs. Jeder Provinz steht ein Gouverneur vor, welchem Präfekte, Lokalbeamte und viele niedere Beamte unterstellt sind. Ausserdem werden auch noch andere Beamte nach Bedürfnis vom Könige ernannt, wie z.B.: der Gouvernements-Inspektor, dessen Pflicht es ist, verkleidet im Lande umher zu reisen, um die Stimmung des Volkes zu erforschen und schlechte Beamte zur Bestrafung zu bringen, namentlich solche, welche ungerecht im Dienst sind und von der ärmeren Klasse Geld oder Landesprodukte erpressen. Die jetzige Dynastie besteht seit 501 Jahr und ist auf einen jungen Krieger mit Namen Ye zurückzuführen, welcher die Wang-Dynastie Stürzte. Der Name des Königs ist dem Volke heilig und wird nie genannt. Diejenigen Beamten, deren Rang hoch genug ist, um sich dem Könige vorzustellen, bücken sich in seiner Gegenwart bis zur Erde und haben[4] nur Erlaubnis zu sprechen, wenn sie angeredet werden, antworten dann aber mit so schmeichelhaften Ausdrücken und unter solchen Ehrenbezeugungen, wie sie nur bei Hofe verständlich und gebräuchlich sind.

Die Staatsabgaben, werden in Landesprodukten gezahlt und infolgedessen werden auch die Beamtengehälter damit bezahlt. Der Ginseng von Korea (panay cinque folius) ist seiner Güte wegen berühmt;, sein Verkauf ist Monopol des Königs und bildet gewissermassen sein Privateinkommen. Die Landesmünze, aus Kupfer hergestellt, heisst cash; ungefähr 330 davon gehen auf eine Mark. Banken giebt es in Korea nicht, jedoch verausgabt das Gouvernement eine Art Geldanweisungen für die Provinzialbeamten, so dass ein reisender Beamter überall Geld erheben kann, ohne genötigt zu sein, grosse Summen mit sich zu führen.

Alles unbebaute Land gehört dem Könige. Jedoch hat[5] jedermann das Recht, davon nach Bedarf zu nehmen und urbar zu machen. Bezahlt der Bebauer drei Jahre lang die darauf fallende Abgabe, so wird es sein Eigentum und die Regierung hat es ihm abzukaufen, falls sie selbst wieder Gebrauch davon machen will. Register aller vorkommenden Geburts- und Sterbefälle männlichen Geschlechts werden zwar gehalten, aber man kann sich nicht gar zu sicher auf dieselben[6] verlassen. Haben die angemeldeten Knaben das 15. Lebensjahr erreicht, so werden ihnen von solchem Anmeldeamt, Hang-Sung-Po genannt, kleine Täfelchen ausgehändigt, auf denen ihr Name und ihre Wohnung angegeben ist. Kindern hängt man ähnliche Täfelchen um, damit sie nicht verloren werden.

Die Koreaner sind ein starker, zufriedener und intelligenter Volksstamm. Sie begreifen sehr leicht und führen ihre Geschichte bis auf das Jahr 3000 zurück. Sie bekleiden sich mit eingeführten Leinenstoffen; die daraus gefertigten Gewänder füttern sie im Winter, um sich gegen die Kalte zu schützen, mit Watte, im Sommer tragen sie dieselben ungefüttert. Die Hauptnahrung des Koreaners besteht in Reis, in den nördlichen Provinzen auch aus Weizen. Das Rindvieh gedeiht prächtig in Korea; viel davon wird geschlachtet und die Haute, die nicht alle im Lande gebraucht werden, führt man aus. Die Häuser sind gut und bequem,[7] mit heizbarem Fussboden erbaut und alle einstöckig. Jedes Gebäude ist mit einem Hofe versehen und von einer hohen Mauer umgeben; mehrere solcher Gebäude bilden das Grundstück eines Edelmannes. Die Koreaner werden in drei Klassen eingeteilt: die Edelleute, die Mittelklasse und die Arbeiter. Es kommt wohl auch vor, dass ein besonders fähiger Mann ans der Arbeiterklasse die öffentlichen Prüfungen besteht und zu Amt und Würden kommt, für gewöhnlich aber werden die Beamten aus der Klasse der Edelleute genommen.

Korea hat seine eigene, vielsilbige Sprache und ein eigenes Alphabet. Obgleich amtliche Dokumente in chinesischen und japanischen Schriftzeichen abgefasst sind, so wird die Sprache jener Staaten dort nicht verstanden.

Was die Religion anbelangt, so kann man sagen, es giebt keine solche in Korea. Vor der jetzigen Dynastie herrschte der Buddhismus, aber seit 498 Jahren sind die[8] Priester dieser Religion so verhasst, dass sie es kaum wagen eine Stadt zu betreten. Sie haben noch viele Tempel in den Gebirgen, ohne jedoch irgend welchen wesentlichen Einfluss auf das Volk auszuüben. Ihren Sitten nach sind die Koreaner Anhänger des Confuzius, aber als eigentliches, religiöses Gefühl kann man die grosse Verehrung betrachten, welche sie ihren Verstorbenen zollen. Wenn sie in grosser Bedrängnis sind, beten sie wohl auch zum Himmel und hoffen auf Erfüllung ihrer Gebete; doch fangt Korea an sich auch in Bezug auf Religion zu zivilisieren, denn es kommen zahlreiche Missionäre ins Land. Ein europäisches Zollamt und ebensolche Schule sind gute. Unternehmungen, die ihre Früchte tragen. Eine Münze, Pulvermühlen, Maschinenfabriken, Glashütten, Seidenspinnereien bestehen seit längerer Zeit; der Telegraph und elektrisches Licht sind die beiden jüngsten Errungenschaften Koreas. Auch verschiedene Dampfschiffe[9] sind vorhanden doch dienen sie hauptsächlich dazu, den Tribut-Reis aus den Provinzen zur Hauptstadt zu führen.

Es ist schwer zu sagen, in welcher Weise China die Oberherrschaft über Korea in Anspruch nimmt. Wie weit sich dieselbe und ob zu Recht oder zu Unrecht über Korea erstreckt, ist eine Frage, der ich an dieser Stelle nicht näher treten will, jedenfalls ist es unbestreitbar, dass Korea China gegenüber tributpflichtig war und zum Teil noch jetzt ist.

Quelle:
Arnous, H.G.: Korea. Märchen und Legenden nebst einer Einleitung über Land und Leute, Sitten und Gebräuche Koreas, Leipzig: Verlag von Wilhelm Friedrich, [1896], S. 1-10.
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