[141] Saß ein minnigliches Mägdlein
Auf der blumenreichen Flur,
Und zum Kranz manch liebes Blümlein
Wand es sinnig mit der Schnur.
Reine Kindesunschuld strahlte
Auf der Augen blauem Grund;
Und mit holder Anmut malte
Heitre Jugend ihren Mund.
Auf die frischen herz'gen Lippen
Flog ein bunter Schmetterling;
Wollte dort ein Küßchen nippen.
Und – die Maid den Näscher fing.
Sprach der Schmetterling, der lose:
»Süßes Mädchen, zürn' mir nicht!
Glaubt' Dein Mündchen eine Rose,
Das Auge ein Vergißmeinnicht.«
Und der Schmetterling fliegt weiter;
Sinnend still die Jungfrau steht. –
Doch, ihr Mädchen, seid gescheiter,
Wenn es an das Küssen geht!
Nach dem Küssen trägt Verlangen
Auch so mancher Jüngeling;
Keiner läßt sich aber fangen
Leicht, wie jener Schmetterling.
7. Juni, 1883.
Erakegli.