Fußnoten

1 Φυχῇς ἰατρείον.


2 Im Pedal geht es noch zwey Octaven tiefer.


3 Cajen, das eigentliche deutsche Wort für Quais, bezeichnet eine Gasse an einem Wasser, oder Canale.


4 Wenn ich die Beywörter alt oder neu brauche, so meine ich mit keinen von beyden etwas nachtheiliges oder tadelndes, sondern bloß dem Leser zu sagen, in was für einem Style ein Stück gedacht oder geschrieben ist; und er mag es nach eignem Gefallen für schlechter oder besser halten. In Italien hält man freylich eine alte Oper für nichts besser und nichts mehr werth, als einen Calender vom vorigen Jahre; wenn indessen eine alte Komposition die beste aus der Zeit ist, worin sie verfertigt worden: so werde ich allemal mit Hochachtung davon sprechen; eine altväterische Spielart aber, sie sey nun eine Folge der Unwissenheit oder des Eigensinns, möchte vielleicht nicht so viele Nachsicht zu erwarten haben.18


5 Die lange Trompete, die neulich in London jemand geblasen hat, scheint eine gewöhnliche, aber nicht krumm gebogne Trompete gewesen zu seyn.


6 Dieser Autor setzt gleichwohl in seinen Partituren zuweilen die gemeinsten Regeln des Satzes aus den Augen, welches wohl daher kommen mag, daß er mit zu vieler Eilfertigkeit schreibt. Denn es ist kaum zu glauben, daß ein Mann von so bekanntem Genie sieben bis acht Jahre in einem Conservatorio zu Neapel studirt haben sollte, ohne eine hinlängliche Kenntniß der musikalischen Grammatik und des Mechanismus seine Kunst erlernt zu haben.


7 Soll sehr wahrscheinlicher Weise Gottschalk heissen. Die Verstellung deutscher Namen ist bey allen engländlichen Schriftstellern leider häufig.


8 Diese Methode, die halben Töne auf der Harfe vermittelst eines Pedals zu machen, ward vor ungefehr funfzehn Jahren zu Brüssel, von Herrn Simon erfunden, der sich noch in dieser Stadt aufhält. Es ist in mehrerley Betrachtung eine nützliche und sinnreiche Erfindung: denn dadurch, daß die Anzahl der Saiten vermindert wird, wird der Ton der übrigbleibenden besser; weil bekannt, daß ein Instrument desto freyer vibrirt, je weniger es überladen ist.19


9 Als ich tiefer in Deutschland kam, fand ich, daß Herr Hiller zu Leipzig seine Landsleute mit vielen komischen Opern versorgt hat, in welchen die Musik so natürlich und gefällig ist, daß die Lieblingsarien daraus, wie des D. Arne seine in London, von Leuten von allerley Ständen gesungen werden; und die leichten darunter haben die Ehre, auf den Gassen gesungen zu werden.


10 Dem deutschen Leser erspart man billig die Beschreibung, die Herr Burney seinen Landsleuten davon giebt. Wer sie noch nicht kennt, kann sie aus folgendem Aufsatze kennen lernen: »Beschreibung einer astronomischen Maschine, welche sich in der öffentlichen Bibliothek zu Ludewigsburg befindet 1770.«


11 Beyde Kompositionen wurden, nachdem ich München verlassen, für mich abgeschrieben, und dem Herrn de Visme zugestellt, durch dessen gütige Vorsorge solche hernach in London zu meinen Händen gekommen sind.


12 Einige Jahre nachher befliß sie sich auf dem Flügel, und accompagnirt darauf bis itzt noch recht gut. Aber vielleicht rührt ihre Festigkeit im Tonhalten, weswegen sie beständig so berühmt gewesen ist, daher, daß sie auf diese Art, ohne ein Instrument, singen gelernt hat.


13 Es war im Jahre 1748.


14 Diese Capellen ober Heiligenhäuser sind nicht groß genug, daß ein Priester oder andre Person hinein gehen könnte; sie sind bloß zu Behältnissen eines Crucifix oder einer Marie bestimmt.


15 Im ersten Bande der Briefe der Lady M.W. Montague.


16 Uebersetzer pflegen gern eine Art Liebhaberey zu ihrem Originale zu haben, und um desto mehr, wenn sie die Arbeit eines Mannes übersetzen, gegen den sie persönliche Achtung hegen. Diese Achtung gegen den D. Burney brachte mich anfäglich zu dem Vorsatze, diese, der Hauptmaterie seines Buches völlig fremde, und in allem Betracht schiefe Beurtheilung der Emilia Galotti, unbemerkt wegzulassen. Allein weitere Ueberlegung, und billige Besorgniß, Herr Leßing möchte mir diese Weglassung als eine unnöthige Furcht zurechnen, daß sein Stück durch eine solche Recension bey einem auch nur halbsehenden Deutschen etwas verlieren könnte, hat mich bewogen, meinen Verfasser Preis zu geben. Ich wünsche herzlich, er hatte diese Stelle nicht geschrieben! Einmal sein selbst willen, und zweitens auch deswegen, weil den Engländern durch diese paar Seiten vielleicht abermal eine Gelegenheit aus den Händen gespielt wird, gegen unsre deutsche Genies gerechter zu werden. Wenn man die Urtheile und Uebersetzungen kennt, aus denen dieser Nation gewöhnlich unsre Schriftsteller bekannt werden, so wundert man sich gar nicht, daß sie bey unsern Meisterstücken die Nase rümpft. Aber wenn man sieht, daß ein Mann ein solches, durch die aller elendeste Paraphrase des Colliers veranlaßtes Nasenrümpfen der Engländer über Klopstocks Messias, in einer sogenannten gelehrten Zeitung, mitten unter den Deutschen, ganz sauber mit auf die Waagschale wirst, und dann glaubt, dieses und sein eignes Sandkörnchen von Urtheil solle nun schon ziehen: so weiß man kaum, ob man seine Verwundrung durch Lachen oder Pfeifen bezeigen soll. – Herr Burney mag mirs also verzeihen, daß er für die Sünde, die er hier gegen seine Landsleute begangen, bey dem unsrigen zum Beyspiele stehe, wie sehr man sich bloß stellt, wenn man öffentlich über Werke urtheilt, und nicht einmal die Sprache versteht, worin sie geschrieben sind.


17 In Betracht ihres grossen Nutzens muß man hoffen, daß die würdigen Directeurs unserer Theater die geduldigen Leiden der Pierots in unsern Pantomimen, an den Enden der Wochen nicht werden leer ausgehen lassen.


18 Personen von richtigen und feinem Geschmacke haben angemerkt, daß die Manheimer Sinfonien, so vortreflich sie seyn mögen, doch ins Manierirte fallen, und dem, der sich dort lange aufhält, endlich langweilig vorkommen, indem sie dadurch, daß ihre Komponisten sich aufs Nachahmen legen, fast alle über einen Lasten geschlagen scheinen.


19 Gravina starb im Jahre 1718 und setzte Metastasio zu seinem Erben ein.


20 Ossian ist von dem Abate Melchior Cesarotti ins Italiänische übersetzt, und 1763. zu Padua gedruckt.


21 – 'S ist die Natur, sehr vortheilhaft geschmückt, Was oft gedacht, doch nie so schön noch ausgedrückt.


22 L'Autore à sostuito alle fiorito descrizioni, ai Paragoni superflui, e alle sentenziosi e fredde moralità, il Linguaggio del cuore, le passioni forti, le Situazioni interessanti, e uno spettacolo sempre variato. Dedicaz. d'Alceste, dal cav. Gluck.


23 Er ist gebürtig aus Bergedorf, nicht weit von Hamburg in Niedersachsen, und ist in Italien am meisten unter dem Namen il Saffone bekannt.


24 Diese Stücke sind die spätesten Werke des grossen Dichters und Komponissen, welche mit mehrem Rechte, als Pope und Jarvis, sagen können:


Smith with the Love of sister arts we came,

And met congenial, mingling flame with flame.


Von Liebe gegen schwesterliche Kunst' entrannt

Vereinten unsre Seelen sich, und gingen Hand in Hand.


25 Solcher nemlich, als: Farinelli, Faustina, Mingotti u.s.w.


26 Desto schlimmer für den italiänischen Stümper vom Uebersetzer! und eben so schlimm für die deutschen Liebhaber der Musik in Wien, wenn solche die schöne deutsche Uebersetzung unsers Rammlers von dieser Ode unter Händels unveränderten Musik, entweder nicht kennen, oder gar eine elende Uebersetzung vorziehen, weil sie italiänisch ist.


27 Costanza.


28 Scarlatti war der Erste, der es wagte, in seinen Kompositionen der Phantasie dadurch freyes Feld zu geben, daß er die engen Schranken der ängstlichen Regeln niedertrat, die man von nichtssagenden Kompositionen, in der Kindheit der Kunst abstrahirt hatte, und welche bloß dahin abzuzwecken schienen, sie beständig in dieser Kindheit zu erhalten. Vor seiner Zeit war das Auge der oberste Richter über die Musik, Scarlatti aber leistete seine Huldigung bloß dem Ohre.


29 Man hat die Meinung angenommen, daß die alten Griechen solche Tonleitern hatten, worauf die Intervallen in viel kleinere Theile abgetheilt waren, als die, welche man in der neuern Musik antrift; und es scheint, als ob unsre gegenwärtige Theilungen der Zeit oder des Tackts noch lange nicht alle mögliche Mannigfaltigkeiten des Zeitmaasses enthalten.


30 In solchen Tönen klaget oft der Schmerz, Die falsch fürs Ohr, doch wahr fürs Herz.


31 Man hat eine Ausgabe von seiner Oper Giustino, die Anno 1713 gedruckt ist; und da man weiß, daß er Vierzehn alt war, da er dies Gedicht schrieb: so fällt dadurch sein Geburtsjahr ins vorige Säculum.


32 Monsignore Visconti, der aus einer Familie herstammt, die ehedem die souveraine Herrschaft über Mayland hatte, ist noch zu Ende des Jahres 1772 vom Pabste zum Cardinale ernannt worden.

D. Uebers.


33 Mademoiselle Marianne Martinez ist in diesem Jahre 1773, von der berühmten Gesellschaft de' Filarmonici zu Bologna zum Mitgliede aufgenommen worden.

Der Uebers.


34 Die unverdächtigste Beschreibung, die ich von diesen Schauspielen geben kann, mag der wörtliche Inhalt der Zettel seyn, die jeden Sonn- und Festtag auf den Gassen ausgetheilt werden.

»Heute werden, mit allergnädigste Erlaubniß, im grossen Amphitheater, um fünf Uhr, folgende Lustbarkeit ihren Anfang nehmen.


1) Wird ein wilder ungarischer Ochs, in vollem Feuer (das ist, mit Feuer unterm Zügel, und mit Schwärmern an den Ohren, Hörnern und andern Theilen des Leibes) mit Hunden gehetzet werden.

2) Wird ein wilder Bär auf eben diese Art gehetzet werden.

3) Wird gleich darauf ein grosser Bär von Hunden zerrissen werden.

4) Werden die schnellesten Hunde einen Wolf jagen.

5) Wird man starke und hungrige Hunde auf einen sehr wilden und wüthenden ungarischen Ochsen hetzen.

6) Ein frischer Bär wird vor die Hunde gelassen werden.

7) Wird ein eben gefangener starker wilder Bär erscheinen, und zum Erstenmal von Hunden gehetzet werden, die mit eisernen Waffen versehen sind.

8) Ein sehr schöner afrikanischer Tyger.

9) Hierauf wird abermal ein Bär folgen.

10) Ein frischer und starker ungarischer Ochs.

11) Und zum Beschluß soll ein wüthender hungriger Bär, der seit acht Tagen keine Aetzung bekommen hat, einen jungen wilden Ochsen anfallen, und auf der Stelle lebendig fressen; und wenn er nicht ganz damit fertig werden könnte, so stehet ein Wolf bereit, der ihm zu Hülfe kommen soll.«1


35 War ein gebohrner Sachse; kam als er etliche zwanzig Jahr alt war, nach Hamburg, woselbst er, ausser andern grossen und kleinern Werken, auf hundert und sechzehn Opern komponirt hat. Er starb 1739. Matheson giebt in seiner Ehrenpforte seinen musikalischen Talenten ein Lob, das dadurch destomehr Gewicht bekommt, weil man sehr einleuchtend gewahr wird, daß er gewiß nicht Keisers partheylicher Freund gewesen.


36 Dieser Versuch ist noch dieses Jahr 1773. in Hamburg angestellt worden, und zu Keisers aber auch zum Ruhme der offenherzigen Unpartheylichkeit unsers grossen Hasse ausgefallen.


37 Den grössesten Meister in der Harmonie von Italien, das ist, von der ganzen Welt.


38 Die Meinung des Herrn Hasse von Alax. Scarlatti stimmt mit Jomelli's seiner genau über ein, welcher zu Neapolis zu mir sagte, daß seine Kirchenkompositionen, so wenig sie auch bekannt wären, unter seinen Arbeiten, und vielleicht überhaupt, das beste sey, was man in der Art hätte.


39 Dem Uebersetzer deucht, daß der Deutsche mit dem Ausdrucke hohe oder erhabne Einfalt, wirklich einen bestimmten Begriff verknüpfe, obs dem Engländer bey dem so oft gebrauchten Worte Elegance auch so seyn mag?


40 Da in Wien keine Läden sind, worin Musik verkauft wird, so ist der beste Weg, wenn man neue Musikalien haben will, sich an die Copyisten zu wenden; denn die Komponisten selbst betrachten jeden reisenden Engländer als einen Mylord, und erwarten bey einer solchen Gelegenheit für jedes Stück ein eben so wichtiges Geschenk, als ob sie es ausdrücklich für ihn gemacht hätten.


41 Montecute muß, wenn der Herr Burney recht gesehen hat, von dem Wiener Verbesserer J.B. eingeschoben seyn.


42 Ist das unübersetzte Wort des lieben Mannes!

Der Uebers.


43 Die Gerechtigkeit verbindet mich zu sagen, daß ich nach meiner Zurückkunft nach England diese Stücke spielen gehört und vortreflich befunden habe; sie haben eine angenehme Melodie, frey von Eigensinn und Zierrerey; gesunde Harmonie, und die Verwebungen und Nachahmungen sind ohne die geringste Verwirrung; kurz der Styl ist züchtig und gesetzt ohne schläfrig, und meisterhaft ohne pedantisch zu seyn.


44 »Nach meiner Meinung

Mehr Ehr bringt, da er abgeschaft ist, als da er bestund.«


1Der Uebersetzer kann nicht dafür stehen, daß diese deutsche Uebersetzung, die wegen Entfernung der Oerter, nach dem Englischen des Hrn. Doctor Burney gemacht worden, den Originalzetteln, besonders im Style, sehr ähnlich seyn möchte.

Quelle:
Carl Burney's der Musik Doctors Tagebuch einer Musikalischen Reise. [Bd. II]: Durch Flandern, die Niederlande und am Rhein bis Wien, Hamburg 1773 [Nachdruck: Charles Burney: Tagebuch einer musikalischen Reise. Kassel 2003].
Lizenz:
Kategorien:
Ausgewählte Ausgaben von
Tagebuch einer musikalischen Reise
Tagebuch einer musikalischen Reise: Durch Frankreich und Italien, durch Flandern, die Niederlande und am Rhein bis Wien, durch Böhmen, Sachsen, Brandenburg, Hamburg und Holland 1770 - 1772

Buchempfehlung

Grabbe, Christian Dietrich

Hannibal

Hannibal

Grabbe zeigt Hannibal nicht als großen Helden, der im sinnhaften Verlauf der Geschichte eine höhere Bestimmung erfüllt, sondern als einfachen Menschen, der Gegenstand der Geschehnisse ist und ihnen schließlich zum Opfer fällt. »Der Dichter ist vorzugsweise verpflichtet, den wahren Geist der Geschichte zu enträtseln. Solange er diesen nicht verletzt, kommt es bei ihm auf eine wörtliche historische Treue nicht an.« C.D.G.

68 Seiten, 4.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon