Es haben junge Leute, die auch nur ein wenig Luft zu Wissenschaften bey sich empfinden, in Rom so viele Dinge zu beobachten, daß ihnen die Zeit gar leicht vergeht, ohne daß es nöthig ist, darauf zu sinnen, wie sie ihre lange Weile mit Debauchen und lüderlichen Gesellschaften zubringen wollen. Rand links: Conversation der Fremden zu Rom. Die Menge der Sachen, so man täglich zu besehen hat, giebt gute Gelegenheiten zu nützlichen Unterredungen in Coffehäusern und an öffentlichen Tischen, also daß man unflätige Zotten oder auch nur zweydeutige lüderliche Reden, welche oftmals für junge Leute gefährlicher als plumpe Ausdrückungen sind, in so großer Menge allhier nicht höret, als in Frankreich. Dieses wird durch das Naturell der Einwohner nicht wenig befordert. Gesetzt auch, die Italiener sind den Wollüsten und etlichen[619] zu verabscheuenden Lastern eben so sehr und noch mehr als andere Nationen ergeben, so halten sie doch solche mehr geheim, und breiten ihre Schande nicht selbst so aus, wiezum Exempel die Franzosen meistentheils, und ehe sie vierzig Jahre erreichet, zu thun pflegen, und zwar mit solcher Unverschämtheit, daß sie sich auch von hundert Bosheiten oder sogenannten bonnes fortunes rühmen, deren sie niemals genossen haben: und gehen dergleichen Discurse desto weiter in französischen Gesellschaften, jeweniger sich ihr Frauenzimmer Bedenken macht, bey allen solchen Materien mit zu scherzen und ihren Verstand zu zeigen in Gesprächen
– – – quæ sacro tincta pudore
Audiret meretrix, non dicam filia virgo.
Die Anzahl derjenigen ist gar geringe, welche nicht lieber für weniger tugendhaft, als weniger scharfsinnig in Discursen paßiren wollen. Junge Reisende finden solche Dinge so schön, daß sie meynen, dieses sey vornehmlich die Artigkeit, welche sie aus Frankreich holen sollen, und unterscheidet man auch in Rom diejenigen gar bald, so von Paris kommen, gleich wie man den Vogel an dem Gesange erkennet. Ueberhaupt aber kann ich wohl sagen, daß die Tischreden in Rom weniger anstößlich, als in andern großen Städten sind, und habe ich sonderlich diesesmal unter den reisenden Deutschen und Schweden etliche geschickte Leute gefunden, welche Kenner und Liebhaber der Wissenschaften sind, und öfters zu nützlichen Untersuchungen Gelegenheit geben. Es sind aber dadurch zwo Parteyen entstanden, deren die eine denen raren Stücken, die man aus der Malerey, Bildhauerkunst und Architectur der Alten noch übrig hat, den Vorzug einräumet, die andere aber für die neuern Werke eingenommen ist. Rand rechts: Parallele der alten und neuen Bildhauerarbeit, Gemälde etc. Weiter erstrecket sich der Streit nicht, und setzen wir die übrigen Wissenschaften völlig auf die Seite, ohne zu untersuchen, ob Tasso, Petrarcha, Sannazarius, Guarini, Ariosto, Marino, Dantes etc. dem Virgilius, Ovidius, Horatius, Persius, Propertius etc. oder Guicciardinus, Thuanus, Bembo, Fregosius, Strada, Davila, Bentivoglio etc. dem Livius, Florus, Tacitus, Sallustius etc. vorzuziehen sind. Hingegen werden Zeuxis, Apelles, Protogenes etc. auf die Schaubühne gebracht gegen Raphael, Titiano, Domenichino, die Caracci etc. Phidias, Lisippus, Praxiteles, Athenodorus etc. gegen Mich. Angelo Buonaroti, Algardo, Bernini; Vitruvius gegen Dominico Fontana etc. und täglich suchet jede Partey bey der Tafel im Scherze der andern vorzuhalten, was sie neues zum Vortheileihrer Meynung an denen Werken, die sie besehen haben, entdecket. Es ist nicht zu leugnen, daß wenn die Sache entschieden werden könnte oder etwas an einem solchen Ausspruche gelegen wäre, Rom vor allen Orten der Welt der bequemste zu solcher Untersuchung wäre, weil man allhier in dem auserlesenen Vorrathe sowohl von alten als neuen Meisterstücken, die Arbeit selbst der vornehmsten Künstler zu Rath und das Auge zu Hülfe ziehen könnte; allein wenn sich auch die geschicktesten Kenner in diesen Handel mischen wollten, so zweifele ich doch nicht, es würde damit, wie mit vielen andern Streitigkeiten gehen, da man lange Zeit gegen einander disputiret und endlich jeder auf seinem Kopfe bleibt.
Es sind bey der Beschreibung der Kirchen schon manche sonderbare Stücke von der Malerey, Bau- und Bildhauerkunst vorgekommen; man findet aber derselben noch mehrere in den Pallästen der großen Herren dieses Landes, welche einen großen Theil ihres Vermögens in solche Sachen stecken, und damit fast einzig und allein ihren Staat treiben. Rand rechts: Anmerkung von den italienischen Pallasten. Der große Adel anderer Länder hält viele Bedienten, prächtige Equipagen, giebt kostbare Libreyen, und verzehret vieles in überflüßigen auswärtigen Weinen, in Gastereyen, Kleidern, Jagden etc. Rand rechts: Lebensart des italienischen hohen Adels.
[620] Von diesen allen aber halten die italienischen Prinzen wenig, und suchen sie dafür ihre Palläste und Gartenhäuser mit merkwürdigen Kostbarkeiten anzufüllen, damit die Fremden viel davon zu rühmen und zu erzählen haben mögen. Ich habe oftmals bemerket, daß zwanzig bis dreyßig Zimmer in den untersten und besten Stockwerken nur zum Staat und für das Auge der neugierigen Fremden haben dienen müssen, unter dessen daß sich der Herr des Hauses mit seiner Familie in dem obersten Stockwerke gar schlecht und enge beholfen: Und da die Häupter der Familie sich in dem andern äußerlichen Staate gar eingeschränkt behelfen, so kann man leicht erachten, daß ihre Nebenlinien und Anverwandte dergleichen in die Augen fallende Lebensart nicht führen, wie in andern Ländern gebräuchlich ist. Ein apanagirter Herr von den reichsten italienischen Häusern, wie etwan die von Colonna, Pamfili, Ludovisio und dergleichen sind, hat außer seinem freyen Essen, Wohnung und Kleidern etwan funfzig bis sechszig Scudi des Monats, womit er freylich keine großen Sprünge machen kann, sondern sich im geistlichen Staude um fettere Pfründen bewerben muß. Eben daher und weil mehr auf das äußerliche und prächtige Ansehen als auf die innere Bequemlichkeit reflectiret wird, kömmt es, daß die italienischen Palläste zur Bewohnung gar nicht gelegen gebauet sind, indem die communicationes und degagements fehlen, und man öfters durch fünf und mehrere Zimmer, die man schon gesehen hat, wieder zurück gehen muß, ohne eine andere Thüre zu finden. Rand links: Fehler an den italienischen Pallästen. Die Fußboden sind auch nur von Backsteinen, weil sie den Marmor in der feuchten Winterkälte für zu ungesund ansehen, und die hölzernen Fußboden nicht reinlich genug halten. Die Spiegel könnten nach Proportion der andern kostbaren Zierrathen auch schöner und größer seyn, die Schlösser an den Thüren besser gearbeitet, und die Tapeten neuer und in mehrerer Anzahl. Was diesen letzten Punct anlangt, so fängt man an, sich desfalls zu bessern, und findet man itzt in den Pallästen von Barberini, Caroli, Attemps und etlichen andern so schöne brabantische Tapeten, als man nur verlangen kann.
Ich schreite aber itzt zu genauerer Betrachtung solcher Palläste nach der schon einmal beliebten alphabetischen Ordnung, und mache den Anfang mit derAcademie Françoise, welche Ludwig der vierzehnte im Jahre 1667 auf Anrathen des Colbert gestiftet hat. Rand links: L'Academie Françoise. Zwölf junge Franzosen, nämlich sechs Maler, vier Bildhauer, und zweene so sich auf die Baukunst legen, werden darinnen auf des Königs Kosten beständig unterhalten, um sich in ihren Wissenschaften vollkommen zu machen, und nachmals in Frankreich gute Dienste thun zu können. Die Aufseher über diese löblichen Anstalten sind von der Zeit der Stiftung Errard, Coypel, Poußin, de la Tullliere, Houasse und Person gewesen. Ludwig der vierzehnte hat viele große Dinge zu Stande gebracht; allein in obgedachtem Unternehmen hat er dennoch ungeachtet der großen daran gewandten Unkosten seine Absicht nicht nach Wunsch erreichet, indem zwar die Bildhauerkunst in Frankreich in besseres Aufnehmen gekommen, die Franzosen aber wenige große Maler aufweisen können, die dieser römischen Akademie ihre sonderbaren Wissenschaften zu danken hätten. Süeur. Poußin und Le Brun sind große Leute in der Malerey gewesen; allein sie waren schon groß vor der Aufrichtung solcher Akademire, und der erste todt, der andere sechszig Jahre und Le Brun vierzig Jahre alt, als Colbert seines Königs ewiges Andenken auch auf diese Art in Rom stiftete.
In den ersten vier Tagen der Charwoche wird allhier ein junger Kerl an einem Kreuze nackend aufgestellet mit hängendem Kopfe, als wann er verscheiden wollte, und üben sich bey angezündeten Lichtern die Lehrlinge und andere Liebhaber theils mit der Zeichnung auf Papier, theils im Thone, um die Muskeln, Adern, Nerven und ganze Gestalt dieses Menschen wohl auszudrücken. Rand links: Gemälde und Zeichnungen nach nackenden Personen. Ich habe widerdiese Gewohnheit nichts einzuwenden; glaube aber, daß [621] dadurch keine eigentliche Vorstellung des am Kreuze hängenden Heilandes werde erhalten werden. Rand rechts: Falsche Vorstellungen des leidenden Heilandes. Denn z. E. der Mensch, so dieses mal zum Muster diente, war ein junger, frischer und vollblütiger Kerl von etwan zwanzig Jahren, dessen fleischigten Körper sie genau copiirten, da hingegen Christus vermuthlich sehr mager und eingefallen ausgesehen haben wird, nachdem er schon so vieles am Leibe und Gemüthe in seinem Leiden ausgestandenhatte. Wider den Wohl stand lief auch, daß der zum Muster ausgestellte Mensch anstatt einer Binde um den Leib nur einen schwarzen Beutel hatte, und wenn ein Fremder weggieng, sich von seinen Stricken an Händen und Füßen losmachte, herunter sprang, und um etwas Geld zum versaufen anhielt.
Ehemals übten die Künstler dieser Academia di Pittura del Rè di Francia ihre Kunst auch im Zeichnen nach nackenden Weibspersonen, die für Geld ohne Schamhaftigkeit sich allhier in öffentlicher Versammlung, wie man es verlangte, sehen ließen; allein die Päbste haben dieses endlich verbothen, ob man gleich den Malern nicht verwehren kann, daß sie solche Weibsstücke für Geld aus den lüderlichen Häusern in ihre Privatwohnungen holen lassen, um an dem Anblicke solcher Nymphen ihren Pinsel zu üben. In dem Pallaste der Akademie hat man Gelegenheit die besten Stücke der alten und neuen Meister, deren Copeyen vorhanden sind, zu betrachten. Rand rechts: Copien vieler alten Stücke. Die Statuen und Bildhauerwerke sind meistentheils in Gips nachgemacht, und findet man darunter das wilde Schwein aus der florentinischen Galerie, den Luctatorem und die Venerem Mediceam aus der Tribuna zu Florenz, etliche andereVeneres, den Hermaphroditum aus der Villa Borghese, den barberinischen Löwen, Laocoonta, Apollinem und Antinoum aus dem Belvedere, einen Gladiatorem aus der Vilia Borghese, einen andern aus dem ludovisischen Landhause, einen Faunum, Centaurum, sehr viele Köpfe und busta etc. Man sieht ferner hier schöne Tapeten, große Spiegel und gute Portraite. In dem untersten Stockwerke steht eine große Statua Equestris von Gipse, wobey man auch die Columnam Trajanam genau betrachten kann, als welche man stückweise nach ihrer natürlichen Größe und Beschaffenheit in Gips abgedrücket hat. Rand rechts: Statua Equestris von Gips.
Von der italienischen Academia de'Pittori habe ich schon bey der Kirche di S. Luca in S. Martina gehandelt, und kann ich nicht umhin noch zu erwähnen, wie sehr man sich hier über die von Mr. Blon erfundene Manier, die Gemälde mit samt ihren Farben abzudrucken, verwundert hat. Rand rechts: Neu erfundene Art die Gemälde abzudrucken. Er hatte davon etliche Proben aus London geschickt, welche so viel Aufsehens in Rom, als die ersten gedruckten Bücher in Paris machten. Zu Abdruckung seiner Portraite und Gemälde braucht er nur drey gleiche Platten, davon die erste das blaue, die andere das gelbe, und die dritte das rothe aufträgt. Aus der Mischung dieser auf einander abgedruckten Farben, entstehen alle die übrigen. Mr. Blon ist aus Frankfurt am Mayn und ein naher Anverwandter der Mademoiselle Merian, welche durch ihre Untersuchungen und Abzeichnungen ausländischer Insecten, denen zu Gefallen sie eine Reise nach America gethan, berühmt genug ist. Er ist von einem tiefsinnigen Gemüthe, und würde es in manchem Stücke sehr weit bringen, wenn er mit mehrerer Beständigkeit bey einer Sache bliebe. Selbst die von ihm erfundene Nachdruckung der Gemälde ist noch nicht zu der Vollkommenheit gelanget, welche er ihr geben könnte, wenn er sich länger dabey aufgehalten hätte, und nicht auf die neuen Manufacturen von Tapeten verfallen wäre, welche zwar ein sattsames Zeugniß seiner glücklichen Einsichten in Erfindung neuer Dinge abstatten, aber wegen des vier und sechszigjährigen Alters ihres Erfinders von ihm schwerlich zu der gehörigen Vollkommenheit gebracht werden können.
[622] Wer sonst ein Liebhaber der Malerey ist, den wird nicht gereuen, wenn er nahe bey der Kirche S. Giovanni Battista de' Fiorentini à Strada Giulia des Herrn Rossi Haus besieht, als woselbst in dreyen großen Gemälden vorgestellet ist: 1) Diana mit ihrer Gesellschaft im Bade, 2) Mars zu den Füßen der Venus demüthig liegend, und 3) Apollo mit den neun Musen, worunter sonderlich diejenige, so auf der Laute spielet, für ein Meisterstück zu halten ist. Rand links: Gemälde bey Rossi. Wenn es gleich falsch seyn mag, daß der König in Frankreich für jedes Stück hundert tausend Scudi gebothen habe, so kann man ihnen doch den Ruhm von sonderbarer Schönheit und großem Werthe nicht absprechen. Bey dem Chevalier Bened. Lutti findet man eine Sammlung bey nahe von dreytausend Desseins und Zeichnungen der trefflichsten Meister. Rand links: Zeichnungen bey Lutti. Uebrigens müssen die Italiener bekennen, daß die berühmten Maler anitzt bey ihnen gar rar werden. Rand links: Urtheil von den itzigen italienischen Malern. Clementina ist die beste Portraitmalerinn in Turin, und hat noch vieles von dem schwedischen Virtuosen Meidens gelernet, der en mignature und email wenige seines gleichen hat. Rosalba, die itzt in Wien, sonst aber zu Venedig war, macht ihre Portraite mit trockenen Farben oder crayons, (à bastello) das Stück für vier bis fünf Louis d'or, und müssen Gläser davor gesetzt werden. Solimene in Neapolis, und Ricci in Venedig sind gar alt. Gleiche Bewandniß hat es mit Trevisani in Rom, woselbst nach ihm der einzige Concha in sonderbarem Ruhme steht. In Portraiten haben die Italiener überhaupt itziger Zeit wenige Meister, und müssen sie darinnen den heutigen Engländern Cooper, Obson und Riley weichen. Was man vornehmlich an den neuern italienischen Malern aussetzen kann, ist, daß sie zu schwach mit Farben malen. Trevisani hat dieses erkannt, und des Meidens Manier, die Farben stark aufzutragen, gut geheißen, als die sonderlich auch der alles verzehrenden und auslöschenden Zeit mehr widersteht, dabey aber hat er gestanden, daß es ihm zu schwer fallen würde, sich in seinen alten Tageneine neue obgleich bessere Art zu malen anzugewöhnen.
Ich habe öfters die Gedanken gehabt, daß die römischkatholische Religion, sonderlich in Italien, gar vieles beyträgt zu mehrerm Aufnehmen der Malerey, Bildhauer- und Malerkunst, wegen des vielen äußerlichen Prachtes, der an die Kirchen und Klöster gewandt wird. Rand links: Römischkatholische Religion hilft zum Aufnehmen der Malerkunst. Das heil. Abendmahl ist wenigstens funfzehntausend mal in den italienischen Kirchen gemalt, und die Verkündigung Mariä mehr als funfzigtausend mal. Die Maler müssen sich bemühen, einander zu übertreffen, und ihren Werken immer neue Zierden oder Veränderungen zu geben: und was für Gelegenheit geben nicht die mannigfaltigen biblischen Historien einem Künstler, die Stärke seiner Einbildungskraft und die Geschicklichkeit seiner Hand an den Tag zu legen. Dieses alles mangelt bey den Protestanten, weil man zu Verhütung des Misbrauches die Kirchen mit wenigen Bildern und Gemälden zieret. Weltliche große Herren haben viele andere Ausgaben, und kömmt es ihnen sauerer an, viele Summen Geldes auf Gebäude, Statuen, Gemälde etc. zu verwenden, als denen Klöstern, welche öfters nicht wissen, wo sie mit dem baaren Gelde hin sollen, dabey auch versichert sind, daß sich die angewandten Unkostendurch den einträglichen Zulauf des Volkes in ihre Kirchen zehnfach wieder bezahlen. Hiezu kommen die reichen Vermächtnisse, welche die Pfaffen zu Erbauung ihrer kostbaren Kirchen zu erschnappen wissen. Niemand stirbt gern ohne einen Geistlichen bey sich zu haben, und dieser ihr Amt ist, lebende und sterbende zu guten Werken zu vermahnen; Was für ein besseres Werk aber kann man verrichten, als wenn man das Seinige ad pias causas und den Mönchen vermachet? Christus sagt: was man dieser geringsten einem (wie sie es erklären) zu gute thue, solle gerechnet werden, als sey es ihm selbst geschehen; und eine Secte der Franciscaner ist darüber aus Demuth so weit gegangen, [623] daß sie sich auchMinimos nennen lassen. Was thut ein Sterbender (der mit allerley bösen Ränken seinen Reichthum zusammen gescharret hat) nicht, um in den Himmel zu kommen? Gewißlich das Fegfeuer ist eine unerschöpfliche Schatzkammer für die päbstliche Clerisey. Man glaubt über dieses nicht, was für eine heimliche Feindschaft und Neid unter den verschiedenen Orden der römischen Geistlichkeit regiere, und wie sie suchen, die Schäflein und Layen von andern Hirten ab-und zu sich zu ziehen, wozu die Schönheit der Kirchen nicht wenig beyträgt. Für das Land ist es noch ein Glück, daß ihre æmulation auf äußerliche Gebäude und Zierrathen verfällt, weil doch dadurch wiederumvieles Geld unter die Leute kömmt, welches besser ist, als wenn es millionenweise, wie in der Engelsburg, ohne Circulation verschlossen liegt, oder die Geistlichkeit gar alle liegende Gründe an sich bringen wollte. Aus dieser Ursache ist es auch besser, daß für viele Millionen Juwelen, die doch keinen gewissen und gängen Preis haben, in Loretto verwahret werden, als wenn so vieles baares Geld dem Handel und Wandel oder der menschlichen Gesellschaft entzogen würde.
In dem Palazzo del Principe Albani (Pronipote del Pontefice Clemente XI.) alle quattro fontane ist eine schöne Bibliothek, eine gute Sammlung von Zeichnungen und Desseins, vortreffliche Gemälde, eine Galerie, die Paolo di Piacenza gemalt hat, vor allen aber ein rechter Schatz von alten Bildhauerstücken, unter welchen vor andern zu nennen sind: Archimedis Kopf, en bas-relief; eine treffliche marmorne Statue Marci Aurelii in römischer Kriegskleidung, woran aber der rechte Arm mangelt; Morpheus mit zween Mohnköpfen oder Papaveribus; ein marmorner Sarg mit bas-reliefs, welche Prometheum, wie er den Menschen bildet, Minervam, wie sie durch das Symbolum des Vogels, welchen sie über eines Knaben Kopf hält, ihm die Seele einflößt, und etliche Schicksale des menschlichen Lebens vorstellen. Rand rechts: Palazzo d'Albani. Rand rechts: Treffliche alte Bildhauer arbeit. Ferner ist vorhanden ein Kopf oder vielmehrbustum Jovis, so sehr hoch gehalten wird; etlicheSphinges, die Statuen Fauni, Isidis cum Sistro und anderer an der Zahl bey sechszig;ein schönes bas-relief, auf welchem Andromeda mit dem Perseus er scheint; die Köpfe Massinissa, Homers, Bacchus und vieler andern, theils Gottheiten, theils berühmter Kriegshelden und Weltweisen; zwey ägyptische Götzenbilder; zwo ganze Seulen aus Verde antico; zwo große Maßivseulen von Giallo antico; eine andere große auch maßive aber in der Mitte entzwey gebrochene Seule von Alabastro Orientale, und viele andere Dinge, welche man wegen Mangel des Platzes noch nicht in Ordnung bringen können. Allhier habe ich auch gesehen, wie man mit Scheidewasser die marmornen alten busta und Köpfe verneuern und weiß machen kann1.
Der Palazzo Altieri ist von dem Kardinal Giov. Battista Altieri angefangen, und von dem Kardinal Paluzza Altieri, unter der Regierung Clemens des zehnten (der aus diesem Hause war) vollendet worden. Rand rechts: Palazzo d' Altieri. Die Haupttreppe ist schön und zwölf Fuß breit, auch mit den Statuen Herkules, Pomona und Bacchus gezieret. In den Zimmern sieht man außer den alten aber kostbaren Tapeten, deren Desseins vom Julio Romano sind, auch viele neuere brabantische Stücke, worunter etliche die Historie des Cyrus, Massanissa und der Kleopatra vorstellen. Die schöne Statue der triumphirenden Stadt Rom aus Verde antico steht in einer Kammer vor der künstlichen Grotte, welche ein Deutscher, Joh. Paul Scorr, angegeben und gemalet hat. Man findet ferner an Bildhauerarbeit zwo Seulen auf Porphyr, [624] zwo Statuen der Venus, deren die eine fast die Stellung der mediceischen hat, einen Kopf Pescennii Nigri, vier alabasterne Gefäße als Bluhmentöpfe, etliche Tafeln von kostbaren Steinen, darunter die eine aus Lapis Lazuli ist. Unter den Gemälden sind die vornehmsten eine Pietà vom Vandyck, der Lucretia Brustbild vom Guido Reni, von welchem Meister auch die vier Jahrszeiten vorhanden sind, zwo Bataillen vom Borgognone, der bethlehemitische Kindermord vom Poußin, eine Madonna vom Corregio, das letzte Abendmahl Christi vom Muziano. Borgognone hat die Kapelle à fresco gemalt, und Maratti den Saal angefangen. In jener stehen auch zwo Landschaften vom Salvatore Rosa, ein Ecce homo vom Guido, St. Ignatius auf einem großen Stücke vom Carolo Maratta, und die Hochzeit zu Cana in Galiläa vom Paolo Veronese. In dem Zimmer des verstorbenen Prinzen Gaspard Altieri ist der Sonnenwagen à fresco vom Fabricio Chiari, und die Decken der daran stoßenden Kammern vom Carolo Maratta gemalt. Rand links: Paradebett. Das Paradebett des Kardinals Altieri wird auf vierzigtausend Scudi geschätzet, und hat beym Kopfküssen einen Spiegel, worauf Carolus Maratta drey Kinder mit großer Kunst gemalet hat. Rand links: Spiegel. Ich habe sowohl hier als in andern Pallästen bemerket, daß wenn ein Spiegel verunglücket, man ihn doch beybehält, und nur ein Gemälde darauf verfertigen läßt, welches den Sprung des Glases bedecket. Man zeiget hier auch einen achteckigten Spiegel von Bergkrystall, der zehn Zoll hoch und sechs Zoll breitist. Sein Rahmist von Golde, mit Amethisten, Türkis, Smaragden, Sapphiren, Topasen und Diamanten besetzt, dergestalt daß er in allen zwölf Pfund wiegt, und von etlichen sechszigtausend Scudi, von andern aber gar zwanzigtausend Pistolen werth gehalten wird. Vor demselben steht eine große krystallene Muschel. Man betrachtet auch in einem mosaischen Werke vom Pietro di Cortona die heil. Mutter Maria mit ihrem Kindlein. Die Bibliothek soll hundert tausend Scudi gekostet haben. Rand links: Bibliothek. Sie ist sowohl mit gedruckten Büchern als Manuscripten wohl versehen, und zeiget man dabey einen schönen Vorrath von Medaillen und gemmis, welche der Kardinal Camerlengo Giov. Battista Altieri gesammelt hat, nebst einer Madonna vom Raphael d'Urbino.
In dem Pallaste der römischen Familie von Altemps, die sich ursprünglich aus Deutschland herschreibt, sieht man in dem Hofe und an der Treppe die Statuen von der Flora und Faustina Juniore mit ihrer Mutter, von Herkules, Aeskulap, Mercurius, Bacchus, einem berühmten Gladiatore, so auszuruhen scheint, zwo Seulen von Porphyr, auf welchen die Köpfe Drusus und Nerons stehen, eine große marmorne Tafel mit ihren Füßen zusammen aus einem Stücke. Rand links: Pallast von Altemps. Von denen Gemälden, welche sonst in den Zimmern zu sehen waren, ist wenig mehr vorhanden. Itziger Zeit bewohnet der Kardinal von Polignac diesen Pallast, und bemerkte ich noch einen großen Tisch von Granito orientale, und in einer andern Kammer einen noch schönern von Alabastro orientale Fiorito, viele busta, und den Kopf Homers in einem bas-relief, einen Camin mit schönen bas-reliefs von Marmor, welche von zwo Statuen gehalten werden undzur Ueberschrift haben:Marcus Siticus S. R. E. Cardinalis, ex Comitibus ab Altaemps. Unter einem andern bas-reliefs liest man:Hocvetus Bacchi & Ariadnæ Monumentum e Palatii Neroniani ruderibus erutum dono dedit Melchiori Cardinali Franciscus Farnesius Parmæ & Plac. Dux. A. Jub. MDCCXXV. Græca manu elaboratum instaurabat Petrus Lestachius Parisinus Romæ. Ueber diesem Stücke ist ein schönes Gemälde aufgehängt, auf welchem Diana den schlafenden Eudymion mit Bluhmen krönet. Ein anderes bas-relief einem marmornen Grabe, welches nebst dem Deckel zween Männer hoch, aber mit keiner Inscription versehen ist, zeiget das Opfer einiger Bacchanten. Eine treffliche große Ovaltasse von Alabastro orientale besteht mit samt ihren Füßen nur aus [625] einem Stücke. Uebrigens findet man hier noch viele andere gute Statuen und schöne Tapeten.
Der barberinische Pallast ist nach dem Vatican der größte in Rom, und zählet man viertausend Kammern darinnen. Rand rechts: Barberinischer Pallast hat 4000 Kammern. Seine zwo Haupttreppen sind sehr wohl angelegt, und findet man auf der einen einen großen Löwen von trefflicher Arbeit, welcher unter Urban dem achten in dem Mausoleo Pitilii Libonis bey Tivoli ausgegraben worden. Rand rechts: Von der Statue eines Löwen. Der Plafond des großen und schönen Saales ist vom Pietro di Cortona à fresco gemalt, und daran die Regierung Urbans des achten in vielen symbolischen Figuren vorgestellet. Rand rechts: Saal. In der ersten Vorkammer des Kardinals sind die marmornen Statuen Domitians, der Ceres, der Gemahlinn Trajans, der Plotina, Venus und einer Amazoninn zu sehen, vornehmlich aber des Brutus, welcher die Köpfe seiner von ihm zum Tode verurtheilten Söhne in Händen hält. Rand rechts: Gemälde und Statuen. Hiebey befinden sich vier Seulen von Marmo negro, eine von Verde antico, die Köpfe des Papirius und der Pallas, nebst etlichen Gemälden vom Pietro di Cortona, Andrea Sacchi und Camassel da Bevagna. In dem zweyten Zimmer stehen drey von denen größten Gemälden, die in Rom sind, nämlichein Bacchanale nebst einem Göttermahle, beyde vom Romanelli, und eine vom Carlo Napolitano verfertigte Copey der Schlacht zwischen Konstantin dem großen und Maxentius, davon Giulio Romano das Original im Vatican gemalet hat. Zwey Gemälde vom Guercino, zwey busta vom Marius und Sylla, ein schöner Kopf Jupiters, und ein schlafender Satyr, der von neuerer, und, wie etliche wollen, Bernini Hand ist, haben gleichfalls ihren Platz allhier gefunden. In dem Audienzsaale stehen viele alte vasa, die busta von Antigono und Alexandro Magno, welches letztere vor andern hoch gehalten wird, sowohl als der hier befindliche Kopf Tulllæ, der Frau Tarquinii Superbi und das Haupt Septimi Severi aus bronzo. In dem nächst daran stoßenden Zimmer sind die Köpfe Decius und Valerians nebst guten Gemälden zu bemerken. Ehemals zeigte man auch hier das Bildniß der heil. Maria vom Titiano gemalt, und eine alteStatuam Dianæ Ephesiæ, sie sind aber beyde verschenkt worden, und zwar die letzte an Philipp den fünften, König in Spanien.
In den obern Sommerzimmern, so gegen Morgen gelegen sind, sieht man St. Sebastian vom Lanfranco, ein Opfer vom Pietro di Cortona, Loth mit seinen Töchtern vom Andrea Sacchi, und zween Apostel vom Maratta gemalt; die Mignaturportraite Johann des dritten, Sobiesky, Königs in Pohlen und seiner Gemahlinn, nebst den marmornen Brustbildern Domitians und der Mammäa. Des Kardinals Schlafzimmer ist mit himmelblauem Damaste meubliret und milden vornehmsten Historien des alten und neuen Testamentes, welche Julius Romanus en mignature gemalet hat, ausgezieret.
Was dem Noah im Weinberge begegnet, hat die geschickte Hand des Andreä Sacchi in dem nächsten Zimmer abgebildet, und Titianus die Herodias, wobey man noch zween rare Köpfe findet, nämlich des Julius Cäsarsaus Pietra Bigia Egizzia, und Scipionis Africani aus Giallo antico. ein Brustbild Urbans des achten aus Porphyr mit dem Kopfe aus Metall, nach der Zeichnung Bernini, die busta Marci Aurelii und Lucii Veri, nebst einem künstlichen Uhrwerke, so in einem mit Juwelen und email bereicherten silbernen Kreuze eingeschlossen ist. Hiernächst folgt eine Fontaine mit ihren bassins von bronzo, worauf Venus von vier Delphinen gezogen erscheint, gleichfalls von Metall. An der Wand stehen die Bruststücke Scipionis Africani, Neronis, Maximini, Caligulä, Alexandri Severi und anderer; die Statue einer Jägerinn, das Portrait des Kardinals Antonii vom Maratta gemalt, und in zween mit gläsernen Thüren verwahrten Schränken verschiedene Raritäten von Achat, Bernstein, Ambra, Bezoar und geschnittenen Steinen. In der ersten und andern [626] Vorkammer des Fürsten von Palestrina, eines Bruders des Kardinals, findet man schöne Gemälde vom Andrea Sacchi, Romanelli, Cavaliere Calabrese, Pietro di Cortona und andern berühmten Meistern; in dem Audienzzimmer schöne Tapeten, und die vom Bernini modellirte Statuam equestrem Caroli Barberini aus bronzo. In den Kammern der ehemaligen Fürstinn ist Joseph, wie er seinen Mantel des Potiphars unzüchtigem Weibe hinterläßt, von einem Lehrlinge des Titiani gemalet, St. Hieronymus vom Luca Giordano, der Raub der sabinischen Jungfrauen vom Bassano, Urbanus der achte vom Sacchi, Jakob der zweyte aus England, und seine dem Barberini verwandte Gemahlinn Maria Eleonora aus dem Hause Modena, vom Carolo Maratta. Die hier befindlichen schönen Tapeten oder hautelices stellen die Historie Konstantins des großen vor. Auf eben dieser Seite in dem untern Stockwerke findet man abermals einen Springbrunnen in einem Saale, mit den Statuen des Antinous und Aeskulaps, auch guten Seulen aus Granito. In dem daran stoßenden Zimmer ist eines von den berühmtesten Gemälden, die man hier zeiget, nämlich die nackend liegende Venus vom Titiano. Eine andere hier befindliche Liebesgöttinn ist vom Paolo Veronese, und ein Frauenzimmer, das auf der Harfe spielet, vom Lanfranco. Es folget ferner das Portrait, welches Raphael von seiner Maitresse, die keine sonderlichen Annehmlichkeiten muß gehabt haben, gemacht hat. Rand links: Raphaels Maitresse. Julius Romanus hat eine Copey davon genommen. Das Gemälde der Lucretiä und Sexti Tarquinii ist vom Romanelli; der heil. Andreas d'Avellino vom Guido Reni; St. Johannes mit einem Kinde, vom Maratta; eine auf der Lautespielende Dame, vom Michel Angelo Caravaggio; zweene Spitzbuben, welche einem jungen Menschen das Geld in Karten abgewinnen, von eben diesem Meister, der die List der ersten beyden und die mit Furcht vermischte Einfalt des letzten sehr natürlich vorgestellet hat; die Enthauptung Johannis Bapt. vom Calabrese; Magdalena und S. Maria Ægyptiaca, vom Caroccio; die Taufe Christi vom Andrea Sacchi; St. Rosalia vom Carolo Maratta; die Königinn Esther vom Guercino; etliche kleine Köpfe, vom Parmigianino; eine Pietà vom Barocci; St. Gregorius vom Guido Reni, und verschiedene Portraite, welche Scipio Gaetano verfertiget hat. In der Mitte des itztgedachten Saals ist eine schöne Wasserkunst, und finden sich auch allhier die busta Scipionis Africani, Hannibals, Marci Aurelii, Hadrians, und ein Tischblatt, so aus schwarzem Marmor mit untermischten Perlen sehr schön zusammen gesetzet ist. Ferner zeiget man in diesen untersten Zimmern (worinnen die Ordnung öfters verändert wird) die Statuen vom Silenus, Bacchus, einem Satir, der Venus und dem Cupido, Diana Ephesia, Diogenes, Latona, Apollo und Diana (welche letzte von des Bernini Arbeit ist), einem Gladiatore, Seneca; den Kopf Vitellius; zwey treffliche Brustbilder Trajans und Hadrians; eine Sirene von Metall mit zween Schwänzen; eine schöne Draperie oder Bekleidung einer marmornen Statue, davon der Kopf weg ist; die Carità vom Bernini. Rand links: Gemälde. An Gemälden verdienen vor andern gesehen zu werden die berühmte Magdalena vom Guido Reni; die Samariterinn vom Caracci; Christus [627] vom Lanfranco; die Historie Abrahams vom Caravaggio; die heil. Maria vom Leonardo da Vinci, und eine andere vom Nik. Poußin; St. Carolus vom Procaccino; die Erscheinung Christi in der Gestalt eines Gärtners vom Hannibal Caracci; und endlich Germanicus auf dem Todtenbette, wie er seinen Freunden seine Frau und Kinder zeiget, um sie desto kräftiger zu Rächung seines Todes aufzumuntern2. Rand rechts: Tod Germanici. Dieses Stück ist vom Nik. Poußin, und hat seinem Meister vielen Ruhm erworben, obgleich hie und da etwas auszusetzen wäre, zu geschweigen, daß anitzt die Farben sich viel geändert haben. Ein Großherzog von Florenz soll funfzehntausend Scudi dafür gebothen haben. Die betrübte Agrippina, des Germanicus Ehefrau, erkennet man aus ihrer kläglichen Stellung, und daß sie die Hände vor das Gesichte hält, gleichwie vorzeiten der griechische Maler Thimantes den Agamemnon bey dem Opfer seiner Tochter mit verhülletem Haupte vorstellete, um dadurch anzuzeigen, wie sich der Künstler nicht getraue, den Schmerz des Vaters gehörigermaßen auszudrücken. Urbans des achten Brustbild ist hier trefflich in Mosaico von Camassei da Bevagna gearbeitet. Bey einer vom Pietro Perugino gemaltenMadonna stehen an den Flügeln der Thüre die Worte:
Salve Diva Parens hominum cœlique redemtrix
Salve o præsidium, portus & aura virûm.
Das Portrait des Perugino hat Raphael gemalt, und dieses ist wieder von jenem abgeschildert worden. Titiano hat nicht nur sich selbst, sondern auch seine Frau in Lebensgröße, und das Brustbild seiner Maitresse gemalt. Auf einem großen Stücke hat Tempesta die Maskerade vorgestellet, welche die barberinische Familie der Königinn Christina zu Ehren, als sie das erstemal nach Rom kam, gegeben, welche Maskerade und Carrousels nebst der Komödie achtzigtausend Scudi gekostet haben sollen. Rand rechts: Maskerade zu Ehren der Königinn Christina. Auf einem andern großen Gemälde vom Sacchi ertheilt Urban der achte seinem Nepoten Don Taddeo Barberino die Præfecturam von Rom. Das dritte bildet das Jubiläum ab, welches die Jesuiten im Jahre 1638 unter Urban dem achten gehalten, als ihr Orden hundert Jahre bestanden war.
Auf der andern Seite des untersten Stockwerkes oder appartamento terreno sind zehn Zimmer mit raren Stücken angefüllt, und sieht man erstlich auf einem alten Stücke von Marmor die drey Gratien in Kleinem vorgestellet; die Köpfe des ägyptischen Königs Ptolomäi, Scipionis Africani und Cicerons; das Modell vom Castro Doloris, welches das Haus Barberini Jakobo dem zweyten, Könige von England zu Ehrenhat aufrichten lassen; die heil, Veronica vom Calabrese gemalt; etliche Landschaften von dem alten Breughel, einem niederländischen Maler; die Jungfrau Maria mit ihrem Kindlein und Johanne Bapt. vom Raphael d'Urbino. In dem andern Zimmer ist zu betrachten ein schlafendes Kind vom Guido Reni à bastello oder mit trocknen Farben gemalt; ein Cyklops à fresco vom Annibal Caracci; St. Lukas vom SimonVonet; St. Martina vom Pietro di Cortona; die Entführung [628] der Europa in mosaischer Arbeit, welche man in einem alten Tempel der Fortuna zu Präneste oder Palestrina gefunden; zwey marmorne Brustbilder des Kardinals Antonio und D. Taddeo, beyde vom Bernini; das wohlgetroffene Bildniß Urbans des achten aus terra cotta, welches ein Blinder pur durch das Gefühl verfertiget hat. Der Meister hieß Giovanni Gambasio, war aus Volterra gebürtig und in seinem zwanzigsten Jahre blind worden. Rand links: Bustum von einem Blinden verfertiget.
In der dritten Kammer steht die sehr hochgeschätzte Statue Severi Septimi in mehr als Lebensgröße von bronzo, nebst einer andern von Marmor, die gleichfalls berühmt ist, und Narcissum abbildet; ferner einGladiator; das bustum der Gräfinn Mathildis; desgleichen des Cola oder Nicolai Gabrini di Rienzo, welcher im Jahre 1344 unter Clemens dem sechsten Tribunus Populi Romani war, und nach einem mit Heucheley und Ehrgeize angefüllten Lebenslaufe ein schlechtes Ende nahm, gleichfalls von Marmor3; die marmornen Statuen Atlantis, Philomenä, Lucretiä,Deorum Terminorum, Nerons Kopf von bronzo; etliche Herzoge von Mayland en bas-reliefs; und an Gemälden Simon und Judas vom Ciampeli; der verstorbene Heiland vom Federico Barozzi, und Christus am Kreuze vom Chev. Lanfranco.
In dem vierten Zimmer ist zu sehen ein großer Spiegel von Krystall, ein künstliches Uhrwerk, die schönen marmornen Statuen der Venus, Diana, des Bacchus (auf einem alten Grabe) und der Poppäa Sabina; von Gemälden aber St. Franciscus vom Andrea Sacchi, St. Stephanus vom Caracci, St. Hieronymus vom Guercino, und etliche seine irrdene Gefäße, welche Raphael d'Urbino soll gemalet haben.
In dem darauf folgenden Saale stehen die marmornen Statuen des Tiberius und Marcus Aurelius; der Göttinn Panthea mit einem sistro in der Hand; Harpokrates, oder des Gottes der Verschwiegenheit, und unter andern Gemälden der Kampf Jakobs mit dem Engel vom Simon Vonet; St. Sebastian vom Albani; Christus unter den Lehrern im Tempel vom Albrecht Dürer; Maria mit dem Kinde Jesu vom Parmigianino.
In der sechsten Kammer kommen zum Vorscheine die großen marmornen Statuen: Agrippina, Julia (der Tochter Augusti) und Messalina, einer Muse, Apollo,Diana Ephesia. Dea Salutis, Silenus etc. ein dafür ausgegebenes Orakel, so in einem sehr großen Kopfe besteht, und eigentlich eine Larve ist, deren man sich in den alten Komödien bediente; ein bustum Herculis, Taurobolium, ein Kopf des Caracalla etc. Von Gemälden findet man allhier etliche Apostel vom Carolo Maratta, ein Opfer Dianä auf einem großen Stücke vom Pietro di Cortona; den todten Leichnam Christi vom Hyacintho Brandi, das Portrait Raphaels d' Urbino, Cleliæ Farneslæ vom Scipione Gaëtano etc.
In dem siebenten Gemache ist zu bemerken eine kleine Statue des Seneca; drey ägyptische Götzenbilder aus Granito grigio scuro und Paragone; die Dea Abundantiæ in bronzo; vier bacehanalia vom Titiano gemalt; die Judith, ein berühmtes Stück, vom Leonardo da Vinci, und verschiedene Portraite gelehrter Leute, die man in der Galerie des Herzogs von Urbino gefunden, als dieses Herzogthum unter Urban dem achten mit dem Kirchenstaate vereiniget wurde.
[629] In dem achten Zimmer zeiget sich das Portrait des Sacchi, eine rare marmorne Statue des Seneca, und der vorallen Dingen zu betrachtende Faunus, der schlafend vorgestellet ist. Rand rechts: Statue Fauni, Dieses ist ein altes Stück: so in dem Graben von der Engelsburg gefunden worden, und unter die außerordentlichen Seltenheiten von Rom gezählet wird. Gleichwie aber ein unparteyischer Richter beyde Theile hören muß, also hatman wohl gethan, daß man diesem Fauno ein neueres Stück an die Seite gesetzet, welches verhindern kann, daß man nicht so eilig das Urtheil zum Vortheile des Alterthums ausspreche. Solches ist Adonis, wie er vom wilden Schweine verwundet worden, aus weißem Alabaster vom Gioseppe Mazzuoli Senese, der ein und dreyßig Jahre damit zugebracht hat. Rand rechts: Adonis. Es ist vier bis sechstausend Scudi werth, und hat ein Geschenk an den König von Dännemark abgeben sollen, da man ihn vorein und zwanzig Jahren in Rom erwartete. Als aus seiner Ankunft aber nichts wurde, und der Meister nicht in allem Ueberflusse der zeitlichen Güter lebte, machte der Kardinal Barberini einen Accord mit ihm, kraft dessen der Kardinal dieses treffliche Stück bekam, und dem Mazzuoli monatlich fünf und zwanzig Scudi nebst etwas Getraide und Wein reichen ließ, welches sieben bis acht Jahre lang, nämlich bis an dessen Ende gewähret hat.
In dem neunten Zimmer ist ein großes altes Grab aus Granito, eine noch unbeschädigte Tafel von Granito, welche sieben gemeine Spannen breit und vierzehn und eine halbe lang ist, aus einem einzigen Stücke. Ein Gruppo von drey schlafenden Kindern steht nicht weit davon und ist artig. Man sieht hier noch ferner eine Jagd in einem alten bas-relief, viele Desseins und Zeichnungen vom Andrea Sacchi, Romanelli, Pietro di Cortona und Domenichino. Und endlich in der zehnten Kammer ein Fresco-Gemälde der triumphirenden Stadt Rom, welches man in den Fundamenten dieses Pallastes gefunden; eine dergleichen liegende Venus, welche Carolus Maratta erneuert hat, ein bas-relief von einem alten Begräbnisse, und einige andere Bildhauerarbeit. Aus dem zweyten Stockwerke des Pallastes geht man über eine kleine Brücke in den Garten, welche aber nach dem Dessein des Bernini mit Fleiß also angeleget ist, als wollte sie alle Augenblicke einfallen.
Die Bibliothek ist in dem obersten Stockwerke, und nimmt einen großen Saal, eine Galerie und fünf bis sechs Kammern ein. Rand rechts: Bibliothek. Der Catalogus davon ist im Jahre 1681 mit großen Charakteren und weitläuftigen Titeln der Bücher in zween Folianten gedruckt: wobey ich nicht unangemerkt lassen kann, daß man unter dem Buchstaben W. des Johann ArndWEILAND Bücher vom wahren Christenthum angeführt, und das deutsche weiland, wodurch das Absterben eines Mannes angedeutet wird, für einnomen proprium genommen habe4. Die gedrucktenVolumina mögen gegen sechszigtausend Bände ausmachen; es fehlen ihnen aber noch viele neue wichtige Werke. Unter den alten habe ich die schöne Auflage der Historiæ NaturalisPLINII, so im Jahre 1472 zu Venedig in Folio herausgekommen, bemerket. Die Manuscripte füllen, ohne diejenigen griechischen, welche Leo Allatius mit sonderbarer Sorgfalt gesammelt, eine besondere Kammer an, und sind in Schränken verschlossen. Die hiesigen Bibliothekarii haben die päbstliche Erlaubniß, alle verbothene Bücher sine scandalo zu lesen und wohlverwahrt aufzuheben.
[630] Hiebey ist ein Kabinet von allerley natürlichen Raritäten, desgleichen von erhabenen geschnittenen alten Steinen oder Camei, von intagliate oder hohlgeschnittenen sigillis oder Bildnissen, von Medaillen und andern Antiquitäten. Rand links: Kabinet von Kostbarkeiten. Unter den kleinen Statuen findet sich Bacchus sehr schön in Marmor gearbeitet, und unter den Urnen ein schönes mit Figuren geziertes achatnes Gefäß, in welchem Alexandri Severi Asche verwahrt gewesen seyn soll. Rand links: Urna Alexandri Severi. Es hält ohngefähr zehn Zoll in der Höhe und sechs Zoll im Diameter, wo es am weitesten ist. Das Erhabene der Figuren ist ganz weiß, der Grund aber dunkel, jedoch alles aus einem Stücke, also daß die Natur das Hauptwerk bey solcher Arbeit gethan zu haben scheint.
Wer von diesem Pallaste mehrere Nachricht verlanget, findet solche in dem im Jahre 1642 zu Rom gedruckten Merke: Ædes Barberinæ ad Quirinalem a ComiteHieronymoTETIOdescriptæ & a variis optimis artificibus in æs sculptæ; man hat aber dabey auszusetzen, daß es mit allzugroßer Schmeicheley und fast poetischer Vergrößerung geschrieben ist.
Vor dem Pallaste liegt ein in drey Stücke gebrochener Obeliscus mit ägyptischen Charakteren, welcher vor der Porta Maggiore, die ehemals Nevia geheißen, ausgegraben worden, und zwar, wie etliche wollen, inCirco Heliogabali, oder nach anderer Meynung inCirco Caracallæ. Rand links: Fragmenta eines Obelisci. Wenn die kleinen Häuser, so um den barberinischen Pallast stehen, und ihm vieles von seiner Schönheit benehmen, hinweg sind, soll dieser Obeliscus auf dem großen Platze aufgerichtet werden.
In dem Palazzo Borghese rechnet man siebenzehnhundert Originalgemälde, welche allein etliche Millionen werth sind. Rand links: Palazzo Borghese. Dieses Gebäude ist unter Paulo dem fünften von zween berühmten Baumeistern, Martino Longhi und Flaminio Bonzio aufgeführet worden: weil man sich aber nach dem Platze richten müssen, so besteht es eigentlich aus dreyen Abtheilungen, welche fast die Figur eines Clavicymbels vorstellen, und kömmt es unter solchem Namen mit vor unter denen vier folgenden Wunderwerken, deren sich die Stadt Rom in Ansehung. der Baukunst rühmet: Rand links: Verglichen mit einem Clavicymbel. Rand links: Vier Wunderder Baukunst.
Il Cembalo di Borghese,
Il Dado di Farnese,
Il Portone di Carboniani,
Et la Scala di Gaëtani
Sono le quatre maraviglie Romane.
In dem Hofe rechnet man an den Thüren und Galerien hundert Seulen von Granito orientale, wobey auch die Statuen der Julia Pia, Faustina, Sabina, einer Amazoninn und anderer nebst vielen Wasserkünsten zu sehen sind. Rand links: Statuen. In dem untersten Stockwerke, (a piana terra) welches im Sommer von der Herrschaft bewohnet wird, sind zwölf Zimmer mit kostbaren Gemälden und andern merkwürdigen Dingen ausgezieret, wovon ich hier nur die vornehmsten anführen will. Rand links: Gemälde.
In dem ersten Zimmer finden sich auf zween Ovalstücken der Heiland und die h. Maria vom Raphael d' Urbino gemalt; die Maria mit dem Kinde Jesu, so eine Schlange mit Füßen tritt, vom Michael Angelo de Caravaggio; Aeneas der seinen Vater Anchises trägt, vom Friderico Barocci, und eine Landschaft vom Paul Brüel.
In der andern Kammer hat Domenichino eine Jagd und das Bad der Diana auf einem großen Stücke vorgestellet. Das Gemälde, so die heil. Cäcilia vorstellet, ist wegen seines Meisters berühmt, und geben die über ihrem Haupte schwebenden Engeldem ganzen Stücke dasjenige angenehme Licht, welches Corregio vor allen andern Künstlern seinen Werken [631] zu geben wußte. Hier steht auch eine schöne Porphyrtafel, und ein großes Wassergefäß oder Grab aus Porphyr, welches auf dreyßig tausend Scudi geschätzet wird.
In dem dritten Gemache ist die Fabel vom Ulysses und Polyphemus durch Lanfranco gemalt; St. Katharine vom Raphael d' Urbino; Cäsar Borgia und Machiavell von eben diesem Meister, wiewohl andere dieses Stück dem Titiano lieber zuschreiben wollen; von welchem auch die Historie der Ehebrecherinn aus dem Evangelio und das letzte Nachtmahl Christi vorhanden ist; David, wie er den Goliath erleget, vom Caravaggio; der erblaßte Heiland nebst zween Engeln, die Fackeln tragen, vom Taddeo Zuccaro, und eine Tafel von Diaspro orientale, welche zwölf tausend Scudi werth seyn soll.
Die vierte Kammer zeiget die Portraite Bramantis Lazari vom Titiano, Michaelis Angeli Buonarotä, von ihm selbst gemalt, und des Kaiser Karls des fünften vom Titiano. Dieser hat sich auch selbst abgeschildert, und ist ferner von ihm vorhanden die Geißelung Christi. Albani hat die vier Jahreszeiten verfertiget, Giulio Romano das Bildniß Raphaels, und Michel Angelo Buonarota den gekreuzigten Christum, welchen desto besser aus zudrücken dieser Künstler einen armen Kerl mit großer Unbarmherzigkeit soll haben gekreuziget, und in solcher Marter, nachdem er ihm etliche Schläge an den Kopf gegeben, sterben lassen. Rand rechts: Kreuzigung Christi gemalt nach einem gekreuzigten Menschen. Dieses Gemälde in dem Pallaste Borghese soll das Original seyn; es wollen solches aber auch die Carthäuser zu Neapolis haben. Eines ist vielleicht so wahr als das andere. Das hiesige ist noch kleiner, als dasjenige, so in S. Johanne Lateranensi steht, und in der That wenig daran zu sehen, warum man einen Menschen hätte um das Leben bringen sollen. In den Gesichtern sowohl des Heilandes als der dabeystehenden Maria und Johannis ist keine sonderliche Gemüthsbewegung zu erblicken, und der Leichnam Christi hält wider alle Wahrscheinlichkeit den Kopfganz aufrecht.
Das fünfte Zimmer dienet zu einem Audienzsaale, und steht darinnen eine silberne Fontaine, welche fünf palmi hoch ist, zwo Tafeln von Alabastro orientale, das Bildniß Martin Luthers vom Titiano; die drey Gratien, und ferner ein Schulmeister, zwey von den besten Gemälden, die aus dieses itztbenannten Künstlers Händen gekommen; St. Magdalena vom Hannibal Caracci; ein großes Stück, worauf Pordenone seine ganze Familie vorgestellet hat; die heil. Maria vom Raphael d'Urbino; die göttliche und weltliche Liebe, beyde vom Titiano.
Das sechste Gemach ist des Prinzen Bettkammer und mit vielen Gemälden der Venus und andern nackenden Bildern versehen. Die Leda vom Leonardo da Vinci; die Psyche vom Titiano; die zwo Veneres über den zwo Thüren, und zwo andere vom Titiano; Adam und Eva vom Giovanni Belino, und ein von Lavinia Fontana gemaltes Bacchanale etlicher schönen Weibespersonen, sind die vornehmsten darunter. Die darauf folgende schöne Galerie hat zu beyden Seiten zween Springbrunnen von Alabaster. Cyro Ferri hat die Frises und Festons an der Mauer gemalt, und Giovanni Stanchi das Bluhmen- und Laubwerk mit denen dazwischen spielenden Kindern an den acht großen Spiegeln. Sechszehn alte Köpfe aus Porphyr auf eben so vielen Bruststücken von Alabastro Cotognino stellen die zwölf ersten römischen Kaiser nebst den vier Bürgermeistern Marcello, Flaminio, Scipione Africano und Cajo Mario vor.
In dem achten Zimmer sieht man acht Desseins Raphaelis Urbinatis und Juli Romani, so zusammen auf zwölf tausend Scudi geschätzet werden; die Perspective der Villa Borghese vom Chy Francese, oder nach anderer Meynung, vom Tempesta, die Schlacht wider die Vejenter und Fidenaten vom Josepho d' Arpino; St. Petrum vom Caracci; etliche [632] kleine Stücke vom Alexandro Veronese; die Anbethung der drey Weisen aus Morgenlande en Mosaique; Abraham der seinen Sohn opfern will, von gleicher Arbeit, wie auch Orpheus so die Thiere mit seiner Musik an sich zieht. Rand links: Treffliche mosaische Arbeit. Dieses Stück ist vom Marcello Provenzale, drey Spannen lang und über zwo hoch. Die kleinen Steine, woraus es zusammengesetzt ist, sind an manchem Orte nur von der Dicke einer starken Nehenadel, und hat man Gelegenheit gehabt, bey dem Drachen und Löwen sehr lebhafte Farben anzubringen. Ein Marienbild ist aus eben so zarten Theilchen zusammengesetzt. Insbesondere aber bewundert man das Brustbild Paulus des fünften aus mosaischer Arbeit, etwan drey Spannen hoch und zwo breit, welches aus tausend mal tausend sechs hundert tausend subtilen Steinchen bestehen soll. Rand links: Paulus des fünften. Rand links: Brustbild aus 1600000 Steinchen zusammengesetzt. Ich lasse dieses dahin gestellet seyn, und glaube eher, daß zu dem Barte allein vier tausend Stifte oder Steinchen genommen worden, wie man vorgiebt, als daß das ganze Werk die obgedachte Summe ausmache: indessen ist es jedoch sehr sein und schön gearbeitet. Man findet in eben dieser Kammer etliche Gemälde von Pietre pretiose commesse; Adam und Eva auf einem Diaspro orientale gemalt, ein schlecht aussehendes aber altes Gemälde der heil. Maria, welches aus Griechenland gekommen, und ist dieses Gemach eines von den kostbarsten des ganzen Pallastes.
Hierauf folgt ein achteckigter Saal, in dessen Mitte eine Tafel von Alabastro Cotognino, woran funfzehn Personen sitzen können, steht. Die Landschaften an dem Gewölbe sind vom Giov. Francesco Bolognese. Von dem Balcon dieses Zimmers hat man eine treffliche Aussicht nach der Tiber und der Strada di Ripetta.
Das zehnte Zimmer wird im Sommer von der Fürstinn bewohnet, und hat etliche gute Landschaften von dem holländischen Maler Paul Brühl; die Kreuzigung Christi vom Julio Romano, ein Bacchanale von Guido Reni, welches fünf tausend Scudi werth geachtet wird, die heil. Maria vom Andrea del Sarto, St. Sebastian vom Rustichino etc.
Das eilfte Gemach ist der Fürstinn Audienzzimmer und mit zwo alabasternen Fontainen und zweyen dergleichen Bluhmengefäßen gezieret. Titianus hat die Historie des verlohrnen Sohnes aus dem Evangelio gemalet, Paolo Veronese den h. Antonius von Padua, Albrecht Dürer zwey Portraite von Frauen; Titianus sich selbst und seine Magd oder Maitresse, desgleichen einen Todtenkopf. Die Aussicht dieses Zimmers geht in einen kleinen aber angenehmen Garten.
In der zwölften Kammer ist eines der besten Gemälde vom Raphael, die in Rom zu seyn geglaubt werden, nämlich die heil. Maria mit ihrem Kindlein und Johanne dem Täufer, eine andere treffliche Vorstellung Johannis des Täufers vom Bronzino, die Historie des Simson, wie er das Honig an seine Braut bringt vom Guercino, die Judith von Lavinia Fontana, nebst einer kostbaren Tafel von orientalischem Jaspis.
Das andere mittlere Stockwerk oder die Mezzannine werden des Winters bewohnet, und haben gute Gemälde vom Tempesta, Pietro di Cortona, Filippo Lauri, Manciola Fiamingo, Gasparo Possino und andern.
In dem dritten Stockwerke hat ein Capuciner Pater Piazzo die Historie Salomons, der Königinn von Saba, den Raub der sabinischen Weiber und andere Stücke gemalet. Ein Kabinet von Ebenholze mit Edelgesteinen besetzet und mit vielen biblischen Historien auf Goldblech gezieret, wird auf sechszig tausend Scudi geschätzet, und fehlet es auch nicht an vielen andern silbernen und goldenen Gefäßen. Rand links: Kostbares Kabinet. Unter den Tapeten wird eine gezeiget, die nach dem Dessein des Paolo Veronese verfertiget, und vierzig tausend Scudi werth seyn soll. Rand links: Tapeten.
[633] Ob nun gleich dieser Pallast an Gemälden der reichste in ganz Rom, auch sonst nichts an demselben gesparet ist, so laufen doch auch viele schlechte Meublen mit unter, und sind sonderlich die Stühle oder Sessel gar unansehnlich.
Der Pallast des Principe Odeschalchi Duca di Bracciano war sonst wegen seiner Statuen und Gemälde einer von den vornehmsten der Stadt Rom; allein itzt ist nichts sonderliches zu sehen als die Facciata des Gebäudes, welche Bernini angegeben hat. Rand rechts: Pallast des Principe Odeschalchi Duca di Bracciano. Die raren Sachen sind theils verkauft, theils verschenkt an den itzigen Kaiser und an die Nepoten des Pabstes Clemens aus dem Hause Albani, bey Gelegenheit der Dispensation, welche der Duca di Bracciano wegen seiner aufeinander folgenden Heirathen mit zwoen Schwestern aus dem Hause Borghese, nöthig hatte. Die vornehmsten Gemälde des Corregio und Paolo Veronese nebst allen denen, die in der Sammlung der Königinn Christina gewesen, sind käuflich an den Herzog Regenten nach Paris gekommen. Dieser Pallast wurde auch sonst Palazzo Chigi à Santi Apostoli genennet, und liegt dem von Colonna gegenüber. Wenn auch gleich noch etwas von den ehemaligen Kostbarkeiten übrig ist, so zeiget man es doch anitzo nicht.
In dem Palazzo della Cancellaria, welchen der Kardinal Ottoboni als Vicekanzler der römischen Kirche bewohnet, hat sich gleichfalls gar vieles verändert. Rand rechts: Palazzo della Cancellaria. Die Bedienten sagen, die besten Stücke, sonderlich von Bildhauerarbeit, wären gestohlen; allein die schweren marmornen Statuen sind nicht so heimlich wegzutragen, und ist die Lebensart des Kardinals allein schuld, daß man ein Stück nach dem andern verkaufen müssen, um die großen Ausgaben bestreiten zu können. Rand rechts: Statuen. In dem Hofe stehen zwo große Statuen der Agrippina und Valeria Messalina. Das Leben Paulus des dritten, welcher lange Zeit Vicekanzler gewesen, ist in dem großen Saale, wo sich die Kanzley versammelt, vom Georgio Vasari à fresco gemalt. Rand rechts: Gemälde. In dem obern Stockwerke sind noch zehn Zimmer reichlich meubliret, und findet man unter andern darinnen das Abendmahl des Herrn Christi vom Jordano gemalt; die Desseins von allenFestins, die der Kardinal Ottoboni gegeben; die Kupferstiche von allen andern Kardinälen, welche er bis itzo (da erdrey und sechszig Jahrealt ist) gekannthat; viele Landschaften vom Poussin; den bethlehemitischen Kindermord, und das Gespräch des Heilandes mit der Samariterinn, beyde vom Trevisani, welchem der Kardinal monatlich funfzig Scudi giebt, damit er ihm nur seine Stücke eher als andern zum Kauf bringe; dergleichen Geschenk zieht auch Concha monatlich von dreyßig Scudi. Von diesem letzten Meister sind die drey Weisen aus Morgenlande, wie sie zu Herodes kommen, trefflich gemalet. Bey dem Bette des Kardinals sieht man eine ungenannte Heiliginn gemalt, mit welcher er ehemals in gar vertrautem Umgange gelebt, also daß sie so viel Theil in seinem Bette als in seinem Herzen eingenommen; wie denn auch die schönsten Gesichter in vielen andern geistlichen Gemälden, die eigentliche Portraite seiner Maitressen seyn sollen. Rand rechts: Des Kardinals Ottoboni Heilige vom weiblichen Geschlechte. Selbst des Kardinals Bediente können sich nicht allezeit des Lachens enthalten, wenn sie diese Heiliginnen nennen sollen, und geben sie zuweilen zu verstehen, in welcher Straße diese oder jene Beata sich noch aufhalte. Es ist solches vor diesem Pallaste nichts besonders, sondern manches Bild der heil. Maria oder einer andern Heiliginn, die auf dem Altare mit großer Andacht verehret wird, ist oftmals nichts anders als das Portrait einer Schönheit, welche dem Maler oder demjenigen, der durch ein solches Geschenk sich eine Stufe in den Himmel zu bauen gedenket, zu Abkühlung seiner sündlichen Lüfte dienet. Dergleichen Exempel fielen auch unter den Heiden mit ihren Götzenbildern vor.CIC. pro Dom. c. 43. Ottoboni kam bey jungen Jahren zur Kardinalswürde: und weil er ein großes Vermögen nebst einem [634] freyen lustigen Geiste besaß, hat er eine solche Lebensart bisher geführet, welche den Ketzern manche Gelegenheit zu Lästerungen würde gegeben haben, wenn er das Haupt der Kirche hätte werden sollen. Rand rechts: Lebensart des Kardinals. Vor etlichen Tagen fragte Morforius Pasquinum, wer wohl Pabst werden würde? Pasquinus antwortete: derjenige, so die meisten Creaturen hätte. So ist es dann, antwortete Morsorius, ohne Zweifel Ottoboni, indem er auf die vielen natürlichen Kinder, die man ihm zuschreibt, zielete. In einem von den obern Zimmern habe ich einen schönen Tisch von grauem Marmor bemerket, welcher einen Klang als Metall von sich giebt, wenn man daran schlägt. Rand links: Meublen. Auf dem Altare seiner Privatkapelle steht eine marmorne Statue der heil. Maria vom Mich. Angelo Buonarota; desgleichen findet man daselbst einen rothen mit goldenen Galonen besetzten Sessel, dessen sich neun Päbste sollen bedienet haben. Rand links: Päbstlicher Sessel. Er blieb als ein beständiger Hausrath in dem Vatican, bis unter der letzten Regierung die Beneventaner, so aus allen Dingen Geld zu machen suchten, ihn um ein Spottgeld verkauften, und er durch die dritte und vierte Hand endlich an die Juden kam, von welchen ihn Ottoboni, als er die Sache erfahren, wieder erhandelte. In der Kapelle ist auch das Bildniß Alexanders des achten mit der Unterschrift: Vera Alexandri VIII. P. M. effigies, cum annis post ejus obitum XV. corpus mirabiliter incorruptum in novum depositum transferretur. Rand links: Brustbild Alexanders des achten Bibliothek. Die Bibliothek ist kostbar und besteht aus denen Büchern, welche Alexander der achte als seine eigene Sammlung hinterlassen, ferner aus sieben tausend Stücken, so dieser Pabst von den Erben der Königinn Christina erkaufet (nachdem neunzehn hundert Manuscripte in die vaticanische Bibliothek gekommen) und aus drey tausendCodicibus Ma nuscriptis, die ehemals der Kardinal Sirlet besessen hat. Rand links: Von den Manuscripten der Königinn Christina. Von PyrrhiLIGORIIManuscriptis sind achtzehn Folianten vorhanden, nämlich sein Lexicon in funfzehn Bänden. Effighie d'alcuni Heroi ed Heroine illustri, de Filosofi, Oratori, Poëti, Historici, Geografi e grandi Capitani, item Inventori dell' arte in einem Bande. Ferner: delle famiglie antiche di Roma ein Volumen, und noch eines de' Magistratu am. di Roma. Ein hier befindliches Manuscript desCodicis Theodosiani mag etwan acht hundert Jahre alt seyn, und IORNANDESde rebus Geticis von gleicher Zeit. Von der Königinn Christina zeiget man etliche Packete eigenhändiger Briefe an Salmasius nebst andern ihrer Schriften, die achtzehn Bände in Folio ausmachen. Rand links: Von etlichen sonderbaren Medaillen der Königiñ. Auf den Rücken von etlichen steht das Wort ΜΑΚΕΛΩΣ, womit diese Fürstinn die Gelehrten genug vexiret hat, als sie solche auf eine ihrer Münzen, über einem sich verbrennenden Phönix, setzen lassen. Rand links: Was μακελῶς heißt. Jedermann suchte aus der griechischen Sprache die Erläuterung zu holen, und makelos ist doch nur einpures schwedisches Wort, so unvergleichlich oder sine pari heißt, und auf dem Schaustücke mit griechischen Buchstaben ausgepräget worden. Diese Münze kömmt selten zum Vorscheine, und wird von den Schweden als eine große Rarität aufgesuchet. Ich habe dieselbe zwar schon lange Zeit in minori modulo von Silber besessen; allein es kömmt mir bey diesem Stücke bedenklich vor, daß das Gesicht gar nicht die Lineamenten hat, welche man auf andern Medaillen und Portraiten dieser Königinn bemerket. Der Haarschlag (wie die Stempelschneider den Kopfschmuck zu nennen pflegen) ist auch nicht so alt, als besagte Medaille der Königinn [635] Christina seyn soll, sondern erst von dem berühmten Medailleur Carlstein eingeführet, da man auf den ältern Schaumünzen mehrere und größere Haarlocken machte. Endlich habe ich allhier von dem päbstlichen Medailleur Hamerano ein solches Stück bekommen, welches größer ist, und sowohl die Lineamenten als andere Zierrathen mit mehrern Münzen der Königinn gemein hat. Ob es aber nun gleich von einem echten Stempel seyn mag, als welcher vermuthlich in Hamerani Händen noch von seinem Vater geblieben, so scheint es doch nur ein Abguß zu seyn, vermuthlich weil der Stempel das Abprägen nicht mehr ausstehen kann5. Der Phönix ist auch auf alten Münzen nicht unbekannt, wie aus den nummis Caracallæ, Constantini junioris, Constantii und Constantis zu sehen, auf welchen er gemeiniglich die glückliche Veränderung der Zeiten bedeutet. In dem nummo Carini beym Angeloni, wie auch in etlichen andern Alterthümern stellt er Æternitatem vor, und in solcher Absicht kömmt er sonderlich in neuern Sinnbildern vor. Auf einer Begräbnißmünze des Herzogs Karls von Lothringen zielet er mit seiner Ueberschrift: Surget nostris ex ossibus ultor, auf den lebhaften Geist und anscheinende Hoffnung des jungen Herzogs. Die Königinn Christina hat unfehlbar nur auf die Tradition, daß niemals mehr als ein einziger Phönix in der Welt sey, ihre Absicht gerichtet; und obgleich ihre Abdankung von dem königlichen Throne mehr gezwungen als freywillig war, indem sie wohl voraus sehen konnte, daß sie bey ihrer Lebensart denselben nicht behaupten würde: so wollte sie sich doch gern vor der Welt damit groß machen, als mit einer Sache, die allein ihrem hohen Gemüthe und edlen Geiste zugeschrieben werden müßte. Dieses erscheint aus zwo andern Medaillen, die ich vom Hamerano erhalten, und deren die eine der Königinn Brustbild und Titel, auf der andern Seite aber die Weltkugel vorstellet, mit der Umschrift:
NE. MI. BISOGNA. NE. MI. BASTA.
1680.
Auf dem andern Stücke zeiget sich abermalsder Königinn Brustbild, und die zwote Seite stellet eine Sonne in ihren völligen Stralen vor, mit den Worten:
NEC. FALSO. NEC. ALIENO.
1675.
Als die Königinn durch Hamburg reisete, verehrte sie in das Lüderische Kabinet die Medaille, welche sie hatte prägen lassen, mit der schwedischen Krone und der Ueberschrift:
ET SINE TE.
Da sie aber nach etlichen Jahren abermals durchreisete, und dieses Stück wieder zu Gesichte bekam, schmiß sie es nicht ohne Unmuth auf den Tisch.
Man steigt von der Abendseite auf das Capitolium durch eine Treppe von niedrigen aber außerordentlich breiten Stufen, an deren unterstem Anfange auf jeder Seite ein Sphinx aus ägyptischem Marmor Wasser von sich speyt. Rand rechts: Capitolium. Rand rechts: Treppe. Rand rechts: Sphinges. Diese sind bey der Kirche S. Stefano del Cacco ausgegraben worden, in welcher Gegend vorzeiten der Isis [636] und Serapis Tempel gestanden haben soll. Linker Hand steht eineporphyrne Statue von einer guten Draperie, welche der Minerva gleicht, und, wie man glaubt, Rom vorstellet. Rand links: Statua Romæ. Rechter Hand an der Treppe liest man folgende Inscription: Rand links: Inscriptionen.
Innocentius XII. Pont. Opt. Max. viam hanc ad Capitolium, quam tot in Urbem meritis sibi aperuerat, faciliorem & Populo aperuit. Mirare qui transis, & dole, deesse Capitolio Pont. Statuam, ad quam ejus Beneficia jure perducerent, nisi pro Statua ipsum esset Capitolium.
Und ferner gegen Morgen:
Innocentio XII. Pont. Opt. Max. quod emollito clivo, viaque strata faciliorem aditum ad Capitolium aperuit grati animi monumentum
S. P. Q. R.
Posuit Anno MDCXCII.
Oben am Ende der Treppe stehen diezwo großen Statuen des Castors und Pollux mit ihren Pferden einander gegenüber. Rand links: Castor und Pollux. Solche sind gleichfalls aus dem Alterthume, aber von keiner sonderlichen Schönheit. In gleicher Linie mit ihnen steht auf jeder Seite ein Trophäum, welche beyde nicht weit von der Kirche di S. Eusebio ausgegraben worden sind. Man liest anitzo daran:
Sixti V. Pom. Max.
Autoritate Trophæa C. Marii
VII. Cos. de Teutonis & Cimbris Ex colle Exquilino, & ruinoso
Aquæ olim Martlæ Castello
In Capitolium translata
Erectis basibus illustri loco
Statuenda curavere
Paulus Æmilius Zephyrus Cosss.
Hieronymus Moronus Cosss.
Pompejus Cavallerius Cosss.
Dominicus de Capite ferreo Prior
An. Salut. MDXC.
Die gemeine Meynung ist, daß diese Trophäa vom Marius sind, und behauptet solches Fabrettus wider Bellori, der sie dem Trajan zuschreibt. Die Abzeichnungen davon aus Bellori findet man in des MONTFAVCONAntiq. expl. T. IV, l. 6, c. 2.
Auf eben dieser Reihe steht zu jeder Seite eine marmorne Statua Pedestris Constantini Magni, und ferner eine Columna Milliaris mit I. gezeichnet und mit zwo Inscriptionen, die ihrer Erneuerung unter Vespasian und Nerva erwähnen, versehen, denen gegenüber auf der andern Seite man zu besserer Symmetrie eine gleiche Seule aufgerichtet, worauf die Kugel ruhet, in welcher ehemals Trajans Asche soll verwahrt gewesen seyn. Rand links: Statua Constantini M. Rand links: Columna Militaris. Rand links: Urna Trajani. Die darunter befindliche Inscription ist so kindisch und abgeschmackt, daß sie aus dieser Ursache allein verdienet angeführt zu werden:
Hoc in orbiculo olim
Trajani cineres jacebant:
Nunc non cineres,
Sed memoria jacet.
[637] Tempus cum cinere
Memoriam sepelivit.
Ars cum tempore non cinerem
Sed memoriam instaurat:
Magnitudinis enim non reliquiæ
Sed umbravix manet.
Cinis cineri in Urna
Ætate moritur;
Memoria cineris in aëre
Arte reviviscit.
In der Mitte dieses Platzes hat Paulus der dritte des römischen Kaisers Marci Aurelii Antonini Statuam Equestrem von bronzo, welche sonst in S. Johanne Lateranensi gestanden, auf einem prächtigen Piedestal vom Michel Angelo aufrichten lassen. Rand rechts: Statua M, Aurelii. Die auf dem Kopfe des Pferdes befindliche Nachteule deutet des Kaisers Wachsamkeit, Weisheit und Scharfsinnigkeit an: und in dieser Absicht war der gemeldte Vogel auch ein Symbolum Minervæ. Itztgedachte Statue ist von mehr als natürlicher Größe, und war ehemals verguldet, wie man noch an etlichen Orten bemerket. An der einen Seite des Fußgesimses liest man:
Imp. Cæsari Divi Antonini F.
Divi Hadriani Nepoti
Divi Trajani Parthici Pronepoti
Divi Nervæ Abnepoti
M. Aurelio Antonino Pio Aug.
Germ. Pann. Pont. Max. Trib. Pot. XXVII.
Imp. VI. Cos: III. P. P. S. P. Q. R.
Auf der andern:
Paulus III. Pont. Max. statuam æneam equestrem a S. P. Q. R. Antonino Pio etiam tum viventi statuam variis dein Urbis casib. eversam & a Sixto IIII. Pont. Max. ad Lateran. Basilicam repositam, ut memoriæ optimi Principis consuleret, patriæque decora atque ornamenta restitueret, ex humiliori loco in aream Capitolinam transtulit atque dicavit.
Ann. Sal. MDXXXVIII.
Daß dieses Werk schon voralters als etwas besondersangesehen worden, kann man daraus abnehmen, daß man es auf einem Medaillon Marci Aurelii, welchen Erizzo publiciret hat, und auf etlichen Münzen des Lucius Verus, deren Addisson p. m. 218 gedenket, antrifft; allein einigen neuern Klüglingen, die nichts dem Alterthume zu gefallen, sondern was sie selbst sehen, glauben wollen, scheint die Person des Kaisers allzu steif und sauer aussehend: andere setzen an dem Pferde aus, daß es den einen vordersten Fuß viel höher, als es einem Pferde möglich sey, in die Höhe hebe, die Seiten allzu aufgeblasen und den Huf von solcher Länge habe, daß es allen Mauleseln in diesem Stücke den Rang streitig machen könne. Rand rechts: Was man daran tadele. An der übrigen Bewegung der Füße ist nichts zu tadeln, und halten sie die natürliche und gemeine Regel, daß wann der vordere rechte Fuß in der Höhe ist, alsdann der linke hintere Fuß sich zu bewegen anfangen müsse.
[638] Itzt angeführte Statuenund Werke gebendem Hofe ein sehr prächtiges Ansehen. Von dem Gebäude des alten Capitolii ist zwar nichts mehr zu sehen6, weil es öfters erneuert worden und schon zu Zeiten Domitians zum viertenmale abgebrannt war; allein dasjenige, so Bonifacius der neunte an dessen statt erbauen, Gregorius der dreyzehnte aber und Clemens der achte erneuern lassen, machet nebst denen zween Flügeln, welche unter Clemens dem achten, Innocentius dem zehnten und Alexandern dem siebenten dazu gekommen, einen ansehnlichen Pallast aus, dessen plattes Dach mit vielen Statuen berühmter Römer gezieret ist. Rand links: Itziges Gebäude des Capitolii. In demCorps de Logis wohnet der Senator von Rom, und wird täglich öffentlich Gericht darinnen gehalten; die Flügel werden von den Conservatoribus Urbis bewohnet, es sind aber noch allenthalben Zimmer genug, worinnen alte Monumente und andere Sachen, die einem Reisenden nicht unangenehm seyn können, verwahret werden. Claudianus sagte von dem alten römischen Rathe:
Hoc ego concilio collectum metior orbem;
Allein die Zeiten haben sich sehr verändert, und von dem berühmten Senatu Populoque Romano wird nun ad Cameram Apostolicam appelliret; ob sie gleich, jeder vor sich, groß genug thun, und wenn man das Capitolium besieht, von ihrer noch itzigen Freyheit so viel zu schwätzen wissen, daß sie wohl gar auf die Exempel, da man Päbste aus Rom gejaget, sich berufen7. Rand links: Parallele des alten und itzigen Raths der Stadt Rom. Auf dem mittelsten Gebäude ist ein hoher Thurm und auf dessen Gipfel die Statue der Religion. Die doppelte Treppe vor diesem Pallaste hat Mich. Angelo Buonarota angelegt mit einer schönen an ihrem Frontispicio sich befindlichen Fontaine zwischen zwo liegenden Statuen der Flüsse, davon die eine den Nil, die andere die Donau (oder den Rhein, und nach etlicher Meynung die Tiber) vorstellet. Rand links: Fontaine. In der Mitte sieht man die porphyrne Statue von Rom, in der Gestalt Minervä mit einem Helme auf dem Kopfe und einer Lanze in der Hand. Sie ist sitzend vorgestellt und ein altes römisches Stück, das von jedermann gerühmet wird. Die Abzeichnung davon giebt PERRIERStat. Num. 55. Ueber dem Eingange des Corps de Logis liest man: Rand links: Inscription über der Hauptthüre.
Clementi VIII. Pont. Max.
Post Galliæ regnum reconciliato Rege
Henrico IV. constitutum
Pannoniam armis auxiliaribus servatam
Strigonium a Turcarum tyrannide vindicatum
Ruthenos & Ægyptios Romanæ Ecclesiæ restitutos
Pacem compositis Regum Maximor. discordiis
Christianæ Reipnblicæ redditam
Ferrariam Petri Aldobrandini Card. ductu
ferro incruento receptam
Sanctissimaque præsentia constabilitam
Optato redim in urbem pub. hilaritatis
securitatisque reductori
Anno MDXCVIII.
Wann dieses nicht gepralet ist, so weiß ich nicht, was solche Benennung verdiene.
[639] In dem großen Saale, worinnen der Senator Gericht hält, waren sonst viele historische Gemälde von den Thaten der alten römischen Könige zu sehen; allein es ist kein einziges mehr davon vorhanden, sondern Clemens der eilfte hat im Jahre 1712 viele Zeichnungen und Desseins, die das Leben Pius des fünften, Andreä Avellini, Felicis a Cantalicio und Catharinä von Bononia aus denen, so bey dem Canonisationsfeste dieser Heiligen gebraucht worden, aussuchen und an jener statt aufhängen lassen. Rand rechts: Der große Saal. Man sieht aber noch die marmorne Statue Karls von Anjou, welchen Clemens der vierte im Jahre 1268 als Senatorem Romanum und ein Jahr hernach zum Könige von Neapolis und Sicilien erkläret hat. Rand rechts: Statue Karls von Anjou. Sein Namen ist wegen des unglücklichen Endes Conradini bekannt genug, und unter itztgedachter Statue liest man:
Ille ego præclari tuleram qui Sceptra Senatus,
Rex Siculis Carolus jura dedi populis.
Obrutus heu jacui saxis fumoque, dederunt
Hunc tua conspicuum tempora, Siste, locum.
Hac me Matthæus posuit Tuscanus in aula,
Et patriæ & gentis gloria magna suæ.
Is dedit & populo post me bona jura Senator,
Insignis titulis, dotibus atque animi.
Anno Domini MCCCCLXXXI. III. semestri.
Zum Andenken des Pabstes Gregors des dreyzehnten ist folgende Inscription eingegraben: Rand rechts: Lob Gregorius des dreyzehnten.
Gregorio XIII. Pont. Max.
Ob farinæ vectigal sublatum, Urbem templis & operibus magnificentissimis exornatam, ob seminaria exterarum nationum in Urbe ac toto pene terrarum orbe Religionis propagandæ causa instituta, ob paternam in omnes gentes charitatem, quæ ex ultimis novi orbis insulis, Japonorum Regum Legatos triennii navigatione ad obedientiam sedis Apost. exhibendam primum venientes Romam, pro Pontificia dignitate accepit. S. P. Q. R.
An dem Piedestal seiner Statue liest man:
Gregorio XIII. Pont. Max.
Optimo Principi
Hugoni Boncampagno Bononiensi,
Qui per Rom. Magistratus & Ecclesiasticas dignitates
Justitiam & Pietatem colens
Ad Pontificiam sedem evectus
Universam Remp. Christianam
Summa prudentia & charitate moderatur.
S. P. Q. R.
[640] Unter der Statue Pauli des dritten: Rand links: Paulus des dritten Lob.
Quod ejus jussu, auspiciis atque ære collato, urbem situ & diverticulis viarum deformem & imperviam disjectis male positis ædificiis, in meliorem formam redegerit, viis areisque tum veteribus directis & ampliatis, tum novis constitutis auxerit ornaveritque anno Domini MDXLIII.
Unter diesem Corps de Logis sind die Gefängnisse des Capitolii. In demjenigen Pallaste der Conservatorum, welcher, wenn man in das Capitolium geht, zur rechten Hand ist, finden sich in der untersten Galerie die zwo berühmten alten Statuen des Julius Cäsars und Augusts aus weißem Marmor. Rand links: Statuen Cäsars und Augusts. Jene hält eine Kugel in der Hand, zum Zeichen der Herrschaft über die Welt, diese aber hat unter sich den Schnabel oder vordern Theil eines Schiffes, der auf den Sieg über den Marcus Antonius und die Kleopatra zielet. Nahe dabey sieht man zween Füße und eine Hand aus Marmo orientale von einemColosso oder einer Statue des Apollo, die dreyßig Ellen hoch gewesen, durch den römischen General Marcus Lucullus aus der pontischen Stadt Apollonia nach Rom gebracht und auf dem Monte Capitolino aufgerichtet worden. Rand links: Fragmenta Colossorum. Die dabey befindliche Inscription enthält folgendes:
Urbano. VIII. Pont. Max.
Pedem & manum ex Apollinis Colosso
Triginta cubitorum altitudinis ab Apollinea
Ponti Urbe Romam adducto, diu humi
Neglecto in antiquæ magnificentiæ argumentum
Honorificentius hic collocarunt.
MDCXXXVI. S. P. Q. R.
Bey dem andern Fuße finden sich die Worte:
S. P. Q. R.
Apollinis Colossum a M. Lucullo
Collocatum in Capitolio
Dein tempore & vi sublatum ex oculis
Tu tibi ut animo repræsentes,
Pedem vide,
Et Romanæ rei magnitudinem metire.
Gegenüber steht der Kopf zu dieser Statue, welche etliche für diejenige ausgeben, so Nero vor seinem goldenen Hause aufrichten lassen. Allein da nachPLINII Berichte dieser Colossus hundert und zehn Fuß (Hist. Nat. lib. XXXI V, c. 7), und nach SVETONII Zeugnisse (in Nerone c. 31) hundert und zwanzig Fuß hoch gewesen, so schicket sich unter allen denenfragmentis, die man itzt im Capitolio zeiget, keines dazu, und würden sie alle zu klein für die übrige Größe und Last des Bildes gewesen seyn.
Ein anderer großer Kopf und eine Hand von Metall soll von einem Colosso Commodi oder Domitiani seyn. Unter der Hand liest man die Inscription:
Ærei Colossi fragmentum
Commodi Imperatoris effigiem
repræsentans,
Antiquæ Romanorum
Magnificentiæ indagatoribus
restitutum.
[641] An dem Grabmaale der Agrippinæ Majoris stehen die Worte: Rand rechts: Grab Agrippinæ Majoris.
Ossa Agrippinæ M. Agrippæ
F. Divi Augusti Neptis Uxoris
Germanici Cæsaris Matris C. Cæsaris Aug
Germanici Principis.
und unter denselben:
Agrippinæ
Virilis animi fœminæ
Quæ. voluntaria inedia
Frumenti usum & vitæ sibi ademit
sepulchrali hoc lapide
Translato e Mausoleo Augusti excavatoque
dimensus est CCC frumenti pondo
rudi olim Seculo
S. P. Q. R.
Eundem jam alia ætate literis
perpolita
expoliendum ornandumque curavit.
Hiebey bewundert man ein treffliches altes marmornes Gruppo, auf welchem ein Löwe ein unter sich liegendes Pferd zerreißt. Rand rechts: Altes Gruppo. Das Pferd ist durch die Zeit sehr beschädigt worden, der Löwe aber ist desto schöner, und dieses Stück unter Paulo dem dritten vor der Porta ostiensi an der Tiber gefunden worden. Der Pabst Clemens der eilfte hat auf seine Kosten allhier mit einer sonderbaren Architectur fünf Stücke bey einander setzen lassen, welche ursprünglich keine Verknüpfung mit einander haben, auch an verschiedenen Orten ausgegraben sind. Rand rechts: Roma Triumphans. In der Mitte sitzt das triumphirende Rom auf einem erhabenen Platze, in mehr als menschlicher Größe aus weißem Marmor. In der linken Hand hält diese Statue einen Dolch, in der rechten aber einen Lorberkranz. Die vorderste Seite der basis, worauf sie sitzt, zeiget eine mit vieler Kunst gearbeitete weinende Weibsperson, welche Dacien oder eine andere überwundene Provinz seyn soll. Man hat auf jede Seite dieser Statue einen Colossum eines fremden Königes gestellt aus schwärzlichem Marmor, welchen man Basalten nennt. Ihre Würde erkennet man aus ihren Diadematibus; wie sie aber eigentlich geheißen, ist unbekannt. Indessen rühmet man an ihnen die Bildhauerarbeit. Bloß zur Zierde hat man auf jeder Seite ein ägyptisches Götzenbild vonGranito angebracht, welche in der Villa Verospi bey der Porta Salara gefunden worden. Die Architectur dieses Werkes giebt MONTFAVCONSuppl. ad Antiq. expl. T. I, Tab. LXII, und die Inscription daran ist folgende:
Clemens XI. P. M.
Romæ de Dacia triumphantis
Captivorumque Numidarum Regum statuas
ex hortis Cæsiis
addito Ægyptiorum signorum ornatu
Porticuque a fundamentis excitata
Ad augendam Capitolii Majestatem
transtulit
Anno Salut. MDCCXX
[642] Weiter hin sieht man an der Wand in Marmor viele Maaße, mit welchen die alten Römer die Längen berechneten, eingegraben. Rand links: Römische Maaße. Der marmorne Sarg des Kaisers Alexander Severus und seiner Mutter Julia Mammäa ist auf dem Wege nach Frascati und auf dem Platze, der Monte del Grano genennt wird, gefunden und hieher gebracht worden8. Rand links: Sarg Alexander Severus. Er ist sechs Fuß lang, sechs breit, und seine neuere Inscription folgende:
S. P. Q. R
Monumenta sepulchralia Alexandri Severi Imperatoris & Juliæ Mammææ Matris, Sabinarum etiam raptum ob pacem de novo initam, marmore insculpta ornataque in agro Fabritii Lazari extra Portam Labienam reperta, in Capitolio poni jussit. MDXCI.
Die nicht sonderlich gearbeiteten und schlecht erhaltenen bas-reliefs hat Flaminius Vacca ohne die geringste Ursache für den Raub der sabinischen Jungfrauen angesehen, und ihm haben es fast alle nachgeschrieben. Wenn man aber genau zusieht, so werden nichts anders als Ludi funerei vorgestellt, wiedas Kupfer beym MONTFAVCONin Antiq. expl. T. V, Tab. XCI deutlich zeiget. Die nicht weit davon stehende Statua Colossalis Constantini M. aus Marmorzeiget, wie damals die Bildhauerkunst schon abgenommen; die zwo Statuen aber der Musen sind wohl gerathen, und steht unter der einen VRANIA. Rand links: Statuen Konstantins des großen etc. Die marmorne Priesterinn des Bacchus verdiene auch ihr Lob. Bey der Treppesteht ein sonderliches Alterthum, nämlich die Columna Rostrata, aus Marmore Pario, mit einer weitläuftigen Inscription, die anno Urbis Conditæ 494 dem Bürgermeister Cajus Duellius wegen eines wider die Karthaginenser zur See befochtenen Sieges gesetzt worden. Rand links: Columna Rostrata. Nahe hiebey stellt ein bas-relief im Marmor den Marcus Curtius vor, wie er sich in den feurigen Abgrund stürzet. Folgende eingegrabene weitläuftige Inscription verdienet wegen der Rangordnung unter den Handwerkern, daß sie nichtmit Stillschweigen übergangen werde: Rand links: Rangordnung der Handwerker.
Triumphalis Gentilium Pompa Aug. C. honori reddi solita ad devotum Christianæ Religionis cultum redacta Dei Genitricis Virginis festo die, dum Christi Salvatoris nostri simulacrum ex Laterano in Exquilias ad Mariæ Matris Majorem ædem quotannis ingenti plausu solemnique Processione defertur pro Senatus, Magistratuumque & totius Equestris ordinis dignitate, Populi Plebisve observanttia, neve ulla posthac inter plebeja Collegia contentio fiat, decretum est, ut hoc statuto ordine universi cum suis faculis flammisque & luminaribus sacram imaginem, quæ iter fecerit, comitentur ea ratione, ut qui proximiores simulacro sint, digniores habeantur. Aquarii iter auspiceutur, Fornacarii, Molendinarii, Muliones, Lignarii, Vinarii, Caupones, Salsamentarii, Candelarii ex sevo, Piscatores, Piscarii, Vinitores, Olitoresque, Pistores Fornariique, Pellipari, Figuli, Stabularii, Ergastuli lignorum Mercimoniarii, Seliarii, Coriarii, Tonsores, Calcearii, Lanii, Sutores, Sartoresque, Fabri lignarii, Fabri ferrarii, Aurifices, Aromatarii, Nummularii, Lanifices, Fulonesque, Mercatores pannorum, Agricultores, Boarii, Thalamus Ro. Fisci.
Si quis ergo secus fecerit XXXV. Aureorum
pœna mulctetur.
Bey dem ersten Absatze der Treppe findet man abermals zwo alte Musen und ferner, vier schöne bas-reliefs, so den Triumph Marci Aurelii und Lucii Veri vorstellen, und ehemals ihren Triumphbogen al Corso gezieret hatten. Rand links: Bas-reliess von alten Triumphen. Vor dem Eingange des großen Saals ist[643] in weißem Marmor ein Stöhr von sechstehalb Spannen lang eingehauen, mit der Verordnung, daß von jedem Fische solcher Art, der länger als dieses Maaß ist, der Kopf umsonst den Conservatoren geliefert werden soll. Rand rechts: Von einem Stöhr. Dieses ist ein altes römisches Privilegium, welches man nicht abkommen lassen will, und lauten die Worte dieses wichtigen Gesetzes folgendergestalt:
Capita piscium hoc marmoreo schemate longitudine majorum usque ad primas pinnas inclusive Conservatoribus dato, fraudem ne committito, ignorantia excusari ne credito. Aug. Ciavario, Franc. Calvio Curtio. Sergardio Coss. instauratum ac erectum
Linker Hand sieht man ineinem alten Marmor dieFastos Consulares bis auf die Zeiten des KaisersPertinacis gegraben, und darüber en bas-relief. die Wölfinn, so Romulum und Remum säuget; ferner die Namen der Conservatorum in den neuern Zeiten, nebst einer Inscription mit gothischen Buchstaben, um der Nachwelt den heldenmäßigen Kriegszug, womit im Jahre 1300 unter dem Pabste Bonifacius dem achten Tuscanella der Stadt Rom einigermaßen zinsbar gemacht worden, in ewigem Andenken zu erhalten. Rand rechts: Fasti Consulares. In dem ersten Saale hat der Cavaliere Gioseppe d'Arpino verschiedene Geschichte aus der alten römischen Historie gemalt, z. E. den Raub der sabinischen Jungfrauen, den Streit der Horatiorum und Curiatiorum, die Erziehung Romuli und Remi, die Stiftung der Stadt Rom etc. und verdienet insbesondere der Sieg des Königs Tullii Hoftilii wider die Vejentes und Fidenates betrachtet zu werden. Rand rechts: Gemälde. Gleich bey dem Eingange rechter Hand steht das Brustbild der pohlnischen Königinn Maria Casimira, mit einer weitläuftigen Nachricht, wie im Jahre 2450 ab Urbe Condita der römische Rath allhier mit bedeckten Häuptern gesessen. Rand rechts: Der Königinn in Polen Mariä Casimirä Brustbild. Gegenüber ist das Brustbild der Königinn Christina mit folgender Inscription zu lesen: Rand rechts: Der Königinn Christinä.
Christinæ
Gothorum, Suecorum & Vandalorum
Reginæ
Quod instinctu Divinitatis
Catholicam sidem regno avito præserens
Post adorata SS. Apostolorum limina
Et submissam venerationem
Alexandro VII.
Summo Religionis Antistiti exhibitam
De se ipsa triumphans in Capitolium adscenderit
Majestatisque Romanæ Monumenta
Vetustis in ruderibus admirata
III. Viros Consulari potestate & Senatum
Tecto capite considentes
Regio honore fuerit prosecuta
VIII. eid. Quinctil. An. MDCLVI.
S. P. Q. R.
Stephano Petruccio
Josepho de Annibaldensibus ex Dominis Castri Zancati
Fabritio de Maximis ex Dominis Castri Arsuli
[644] Conservatoribus
Joanne Carolo de Piccolominibus ex Dominis Castri Balzerani
Capitum Regionum Priore
Capita Regiorum sind die Häupter der vierzehn Quartiere, in welche die Stadt Rom eingetheilt wird, und meldet auch DIOlib. LV von dergleichen Eintheilung in quatuordecim regiones. Die hier stehende marmorne Statue Leons des zehntenist vom Lorenzetto Fiorentino; Urbans des achten vom Bernini, und Sixtus des fünften aus bronzo von dem Dessein Dominici Fontana.
In dem daran liegenden Zimmer finden sich an Gemälden Mutius Scävola, welcher vor den Augen des Königs Porsenna die Hand ins Feuer hält; Janius Brutus, der seinen verrätherischen Söhnen die Köpfe abschlagen läßt; Horatius Cocles, wie er allein die hölzerne Brücke wider den Feind vertheidiget, bis man Zeit gewonnen, selbige hinter ihm abzubrechen. Diese Fresco-Gemälde sind vom Thoma Laureti, einem Sicilianer, und vom Perino del Vague. Von alter Bildhauerarbeit zeigen sich hier die Brustbilder Claudius, Caligula, Antoninus Pius, Lucius Valerius Corvinus; die vor andern schönen Köpfe Julius Cäsars und Hadrians; die auf Seulen von Verde antico stehenden Köpfe Trajans und Septimius, und eine Wölfinn von Marmormit Romulus und Remus. Von neuern Stücken sind mit darunter gesetzten Lobsprüchen vorhanden die Statuen Alexander Farnesius, Herzogs von Parma, Marcus Antonius Colonna, der in der Seeschlacht von Lepanto die päbstlichen Schiffe commandiret hatte und deswegen auf Befehl Pius des fünften nach alter Manier im Triumphe aufs Capitolium zog; ferner die Bildnisse Franciscus Aldobrandini, Thomas Rospigliosi, Karl Barberini, und das Brustbild des trefflichen Poeten Virginius Cesarini.
In der folgenden Kammer, an deren Frisen Daniel da Volterra den Triumph Marius über die Cimbrer und Teutonen gemalt hat, steht die metallene Wölfinn, so den Romulus und Remus säuget, und an deren hintern linkem Fuße man noch die Merkmaale des Blitzes, der sie gerühret hat, beobachtet9. Rand links: Metallene Wölfinn. Das Brustbild L. Junius Brutus aus bronzo, mit den Augen aus einer alten Composition, so die natürlichen Farben nachahmet, ist gleichfalls antique und wird sehr hoch geschätzt, sowohl als die metallene Statue des Schäfers Cnejus Martius, der sich einen Dorn aus dem Fuße zieht. Rand links: Junius Brutus. Rand links: Schäfer Cnejus Martius. Etliche erzählen, es sey dieses ein junger Mensch gewesen, welcher von der römischen Armee mit wichtigen Briefen an den Rath abgefertiget worden, unterwegs abereinen großen Dorn sich in den Fuß gestochen habe. Die Begierde, seinem Vaterlande zu dienen, oder den Rath mit einer guten Zeitung zu erfreuen, habe ihm so viel Zeit und Ruhe nicht verstattet, daß er unterwegs diesen Dorn herausgezogen,[645] sondern er habe solches erst nach abgelegter Bothschaft an den Rath gethan, und darüber sein Leben eingebüßt, weswegen man seine Treue mit solchem Andenken beehren wollen. Besagte Statue ruhet auf einer basi von orientalischem Marmor, und hält man ihrem Alterthume zu gut, wenn die Arbeit nicht so vollkommen ist, als man sie in andern Stücken der nachfolgenden Zeiten findet. Es steht auch hier im Metall Vindex, der wegen entdeckter Verrätherey der Söhne Brutus seine Freyheit erhalten, nebst den marmornen Statuen Hannibals und Scipionis Africani. Rand rechts: Vindex und andere. In den übrigen Zimmern sind zu finden viele eingemauerte fragmenta Fastorum Consularium, welche Panvinius, Sigonius, Pighius und Reland erläutert haben; die marmornen Köpfe Mithridates Ponticus, Julia Mammäa, Scipionis Africani, Alexandri M. und seiner Mutter Olympia; die gleichfalls marmornen Statuen Virgils, Cicerons, der Cybeles, Ceres, Deæ Silentii, Abundantlæ, Dei Termini etc. das Bildniß der Isis aus bronzo; dergleichen vom Herkules, der in der einen Hand einen Apfel aus den hesperischen Garten, in der andern seine Keule hält, und unter Sixtus dem vierten gefunden worden; eine metallene Statue eines Sclaven; der metallene Fuß eines Colossi, dessen Haupt und Hand in dem Hofe zu sehen sind; zwo kleine Gänse vonbronzo zum Andenken derjenigen, die das Capitolium vertheidiget haben; ein Sarg von Marmor, so Portam Jani in seinem bas-relief vorstellet. Rand rechts:Fasti Consulares. Derhier befindliche marmorne Kopf des Apollo wird mit unter die raren Stücke der Stadt Rom gerechnet. Er hat zwar die Nase etwas dick, ist aber übrigens schön und gleicht einem in Haaren aufgesetzten Frauenzimmer. Des Appius Claudius bustum ist von Porphyr; viele andere aber, als der Rhea Sylvia, Ariadne, Flora, Annia Faustina, Pallas, Messalina, des Tribonian Gallus, Antiochus, einer Bachantinn, Lucretia, Lucius Cornelius Prätor, der Kaiser Philipps und Maximins etc. von Marmor. Die vierCongia, womit man bey den Alten das Getraide, Oel und den Wein ausgemessen, sind von Stein. Rand rechts: Congia. Die Fresco-Gemälde in dem Zimmer, wo die Messe gelesen wird, sind vom Pietro Perugino verfertiget, und stellen vor das triumphirende Rom, den Marsch Hannibals über die Alpen (wobey er selbst auf einem Elephanten erscheint, mehr zur Zierde des Gemäldes als zur Ausdrückung der historischen Wahrheit); den Kriegsrath, welchen Hannibal hält, und die Schiffsflotte der Karthaginenser. Rand rechts: Gemälde. In dem Flügelgebäude, welches gegenüber und auf der Seite der Kirche Ara Cœli liegt, findet man in einem Hinterhofe die große liegendeStatuam Marforii, so vermuthlich ehemals den Rheinfluß vorgestellet hat. Rand rechts: Marforia. Der Namen ist ihrzu Theil worden von dem Orte undTemplo Martis, bey welchem sie sonst stund, und hat das gemeine Volk aus Martis foro, Marforio gemacht. Die Statue ist schön, aus einem einzigen Stücke Marmor, und rühmen die Kenner insbesondere den Kopf daran. Er hat zu Nachbarn den Jovem Panarium (der währender Belagerung der Gallier das Capitolium aus der Hungersnoth errettet hat), Jovem Fulminantem, die Statue Hadrians [646] in priesterlicher Kleidung und eine Columnam Milliariam. Rand rechts: Jupiter Panarius etc. Hiebey sind zwey große ägyptische Idola, eines aus Pietra Egyzzia, das andere und größeste aus Pietra bassalte, so schwärzer ist. Rand links: Aegyptische Idola. Daß die im Jahre 1683 von den Türken belagerte Stadt Wien ihre Erhaltung dem heil. Vater Pabst zu danken habe, möchte man vielleicht nicht wissen, woes nicht folgende hier befindliche Inscription lehrte: Rand links: Lob Innocentius des eilften.
Innocentio XI. Pont. Max. Opt.
Quod in Vienna Romani Imperii Principe urbe irrequieta vigilantia, prudenti consilio, ingenti auro, precibus lacrymisque Dei implorato auxilio anno reparatæ Salutis MDCLXXXIII. ab immanissima Turcarum obsidione vindicata laboranti Catholicæ Religionis securitati providerit, feliciter regnante Leopoldo Primo Cæsare Augusto, Christianas acies ducente Joanne Tertio Poloniæ Rege semper in victo, fortiterque pugnante Carolo IV. Duce Lotharingio.
S. P. Q. R. P.
Gegenüber stehen zwo alte Statuen Dianä und einer römischen Provinz. Ueber einem bas-relief, welches ein vestalisches Opfer vorstellet, ist ein Fuß von einem Colosso, zu sehen, und über demselben der Vers: Rand links: Fuß eines Colossi.
Quo Pede nunc utar dubia est sententia nobis.
OVID
Auf der halben Treppe stehen zwo alte Statuen, eine Junonis, die andere Faustinæ Matris, unter welcher das Wort Pudicitia eingegraben ist; ferner zweybas-reliefs von Marmor, welche die Apotheosin der Faustinä, und Marcum Aurelium, wie er dem Volke Gesetze giebt, abbilden. Rand links: Andere marmorne Monumente. Sie sind von dem Triumphbogen Marci Aurelii, der ehemals al Corso stund, und davon noch mehrere Stücke in dem gegenüber stehenden Pallaste der Conservatoren, den wir schon beschrieben haben, anzutreffen sind. In den obersten Zimmern betrachtet man eine rare Statue Agrippinæ Junioris, welche ihren Sohn Nero als ein Kind (in der Prætexta und mit einer bulla aurea am Halse) bey der Hand führet, aus Marmo Greco, das schöne große Bildniß Innocentius aus bronzo, nach dem Modell des Cavalier Alex. Algardi gegossen; die Statuen des Pan, Marcellus, Flora, Plotina, Pallas, Bacchus, Apollo, einer Sibylle die nach den Sternen sieht, Sabina Poppäa, Adonis, Caj. Marii Consulis, Constamini M. Abundantiæ, und das marmorne Monument Paulus des vierten, zwischen zwo Seulen aus Cipollino. Herkules in seiner Kindheit, da er schon groß und fett genug ist, scheint zwar der Farbe nach von bronzo zu seyn, ist aber eigentlich aus einem schwarzen ägyptischen Marmor, den etliche insbesondere Selcio, und andereBasalte nennen10. Rand links: Hercules puer. Rand links: Stein Basaltea. Itztgedachte Statue ist in der Villa de Maximis auf dem Monte Aventino gefunden, und von der Stadt Rom mit tausend Ducaten bezahlet worden. Etliche haben wegen des Felles, so er über seinem Kopfe trägt, den Winter daraus gemacht, andere einen Sohn des Herkules, und insbesondere Herculem Aventinum, von welchem VIRGILIVSÆneid. lib. VII handelt. Diese Meynung hat auch, ich weis nicht aus was für Ursachen, die Oberhand behalten in der folgenden neuern Inscription, welche man darunter gesetzet hat: Rand links: Daß dieser nicht Hercules Aventinus sey.
[647] S. P. Q. R.
Signum Aventini Herois
Quem superstitiosa veterum ætas
Herculis filium dixit
Ruderibus in Aventino monte egestis
Repertum in Capitolio posuit.
Der Ort, wo die Statue gefunden worden, machet es nicht aus, zumal da die übrige Beschreibung, welche Virgilius vom Hercule Aventino giebt, sich auf dieses Bild nicht schicket.
– – – Satus Hercule pulcro
Pulcher Aventinus, clypeoque insigne paternum
Centum angues, cinctamque gerit serpentibus Hydram,
heißt es bey dem Poeten, hier aber ist nichts von derHydra und den Schlangen zu finden, wie man auch abwesend aus dem Kupferstiche, welchen MONTFAVCONin Supplem. Antiq. expl. T. IV, lib. IV, c. I giebt, bemerken kann. Die vornehmsten unter den marmornen Köpfen und Brustbildern dieser obern Zimmer sind drey Köpfe Platons und andere vom Archimedes, Caligula, Trajan, Antoninus Pius, Claudius, Messalina, Faustina, Hieron, Alcibiades (der wohl aussieht), Diogenes, Sokrates, Sappho, Sylla, Diana und Gabriel Faerno einem berühmten neuern Poeten. Das aus dem Lateran auf Befehl Gregorius des dreyzehnten hieher gebrachte metallene Monumentum Regiæ Legis hat Antonius Augustinus in seinem Werke, de Legibus, erläutert. Auf einem neuern Gemälde ist vorgestellt, wie Alexander dem Jovi Ammoni opfert. Dieses wären nun die vornehmsten Raritäten, welche man in dem heutigen Capitolio findet. Von dem alten ist nichts mehr übrig, und muthmaßet man nur aus dem überbliebenen Mauerwerke, daß in dem Hofe des Pallastes vom Duca Cafarelli vor alten Zeiten der Tempel Jovis Capitolini gestanden. Rand rechts: Rudera Templi Jovis Capitolini. Rupes Tarpeja. Der ehemals so berüchtigte tarpeische Fels ist itzt meistentheils mit Häusern bebauet, und könnte man zwar den Hals vielleicht noch brechen, wenn man auf eine ungeschickte Art herunter fiele; allein die zum Tode verurtheilten Missethäter würden ohne Bedenken es darauf ankommen lassen, wenn sie durch eine überstandene Herunterstoßung der Schärfe der Gesetze ein Genügen leisten und damit abkommen könnten. Vorzeiten muß der Fels viel steiler oder eine Mauer noch auf seiner Höhe aufgeführt gewesen seyn. Denn daß der untere Grund und Boden in Ansehung seiner Tiefe keine sonderliche Veränderung erlitten habe, kann daraus abgenommen werden, daß der Arcus Triumphalis Severi, welcher unten an dem capitolinischen Berge zu sehen ist, wie nicht weniger das in der Nachbarschaft gelegene Amphitheater kaum zween bis drey Fuß hoch an ihren Fundamenten mit Erde verschüttet sind.
An dem Pallaste des Principe Carboguano al Corso bemerket man nur das Thor, welches von der Baukunst des Michel Angelo Buonarota ist, und für das schönste in der ganzen Stadt Rom ausgegeben wird. Rand rechts: Pallast von Carbognano.
Auf eben diesem Corso hat der Marchese Caroli (dessen Vater mit Schweinen gehandelt haben soll) einen Pallast erbauet, der von außen der schönste und wegen seiner innern Meublen und Zierrathen mit unter die vornehmsten von Rom zu rechnen ist. Rand rechts: Pallast von Caroli. Eigentlich gehöret dieses Haus vier Brüdern, davon der eine päbstlicher Generalpostmeister, keiner aber verheirathet ist. Weil sie zum Zeichen ihres Prachtes und Reichthums nicht zugeben, daß ihre Bediente Trankgelder nehmen, so haben davon die Fremden die Ungelegenheit, daß es Mühe kostet, dieses Haus zu besehen, und man öfters schicken oder nachfragen muß, ehe es den Domestiquen gelegen ist, ihre Bemühung umsonst zu erweisen, dafür man lieber drey [648] bis fünf Paoli, womit man in den meisten Pallästen abkömmt, hingeben würde. Man findet allhier in dem obern Stockwerke in einer Folge sieben mit rothem Damaste und Sammte meublirte Zimmer, nebst einer Galerie. Rand links: Kostbare Meublen. Unter den vielen schönen Tischen sind etliche von Lumachella, worinnen, wie man deutlich sehen kann, vielerley Schnecken und Muschelwerk versteinert worden. Die bureaux und kleinen Kabinette sind mit vielem Lazulistein und kleinen Gemälden ausgezieret. In den Fresco-Gemälden der Decke zeiget sich die Flora vom Procacino, das Gastmahl der Kleopatra vom Carolo Maratta, St. Cecilia vom Concha, und die zum Vulkan kommende Venus vom Trevisani. Die Fastnachtslust wird auf dem Corso und vor diesem Pallaste jährlich ausgeübet, und sieht man allhier in einem Gemälde den Prospect des Platzes nebst der Menge von Masken und andern Begebenheiten, die zu solcher Zeit besagte Straße lebhaft machen. Auf einem andern Stücke hat Bourgignone den Hafen von Candia, und Gasparo die Piazza del Populo in Rom gemalet. Ferner zeigen sich etliche Prospecte von Venedig und Neapolis. Auf brüsselischen Tapeten sieht man, wie Clitus Alexandern dem großen, als er über den Fluß Granicus setzet, das Leben erhält, ferner die Schlacht von Arbele, den Einzug in Babylon und dergleichen. Alles was hier ins Gesichte fällt, ist neu, und nur Schade, daß der Fußboden von schlechten Backsteinen ist. Die Sommerzimmer in dem untersten Stockwerke sind alle à fresco gemalet, und in den äußersten oder dem Spiegelkabinette hat Concha seine Kunst mit vielem Bluhmenwerke und Engeln auf Spiegelgläsern bewiesen. Alle Thürpfosten, sowohl in den obern als untern Gemächern, sind von gelbem Marmor, und in jenem ein großer Tisch von Alabastro orientale, in diesem aber einer von trefflichen Lumachella vor andern hoch zu achten.
Der Pallast des Principe Chigi al Corso ist wohl meublirt, und stellen die darinnen befindlichen brabantischen Tapeten das Leben Alexanders des großen und viele Thiere in Lebensgröße vor. Rand links: Pallast von Chigi al Corso. In der Galerie stehen vier und zwanzig schöne marmorne Brustbilder von alten Kaisern und ihren Gemahlinnen. Der itzige vornehmste Pracht aber zeiget sich in kostbaren Gemälden, worunter der todte Leichnam Christi vom Caracci, St. Joseph und Maria mit ihrem Kindlein vom Raphael d'Urbino, Moses der den Felsen schlägt vom Titiano, die Geißelung Christi vom Guercino, ein Schutzengel vom Albano, die Geburt Christi vom Carolo Maratta, die im Ehebruch ergriffene Frau vom Muziano, die Historie der Königinn Esther vom Cavaliere Calabrese, eine Bataille vom Salvatore Rosa, eine Venus vom Rubens, und das Treffen der Römer wider die Vejentes und Fidenates vom Cav. d' Arpino vor andern die Augen an sich ziehen. Auf einem Küssen, so von schwarzem Leder mit goldenen Galonen besetzt zu seyn scheint, in der That aber aus Paragone oder schwarzem Probiersteine ist, liegt ein Kind von weißem Marmor, welches eben mit Hojahnen oder Gähnen zu erwachen scheint, und sich die Augen ausreibt; gegenüber sieht man auf einem dergleichen Küssen einen weißen marmornen Todtenkopf. Beyde Stücke sind vom Bernini, und werden nicht ohne Vergnügen betrachtet. Was sonst von trefflichen Bildhauerwerken in den untersten Zimmern dieses Pallastes gezeiget worden, worunter eine kleine Bachantinn mit einem sitzenden Fauno, eine Diana, Venus, Minerva, ein Gladiator, und sonderlich Apollomit Marsyas berühmt gewesen, wird nunmehr vergeblichallhier gesucht, und ist meistentheils vor zweyen Jahren an Augustum, König in Pohlen, für fünf und vierzigtausend Scudi verkaufet worden.
Il Palazzo del Contestabile Colonna Duca di Paliano ist weitläuftig und mit vielen merkwürdigen Dingen angefüllet. Rand links: Palazzo di Colonna. An der Treppe sieht man die marmorne Statue eines barbarischen Königs, ein großes Bruststück Alexanders mit dem Bildnisse des Bucephals [649] auf der Brust, und etliche Stufen höher hinauf den Kopf der Medusa aus Porphyr, so vordem in dem goldenen Hause Neronis gewesen seyn soll, mit folgender Inscription: Rand rechts: Kopf der Medusä.