Die Gewalt, das Ansehen und der Reichthum der Geistlichkeit sind so groß in dem Königreiche Neapolis, daß der Clerus auch öfters die Hand nach dem weltlichen [779] Zepter ausgestrecket und sich in Dinge gemischet, diezu nichts weniger, als zur Seelensorge gerechnet werden mögen. Rand links: Eingriffe der neapolitanischen Clerisey. Wie wenig er auch leiden könne, daß man wider solche Eingriffe sich nur im geringsten rege, zeiget dasjenige, was vor wenigen Jahren mit der Istoria Civile del Regno di Napoli vorgegangen, welche PietroGIANNONE, ein Rechtsgelehrter und Advocat, im Jahre 1723, in vierzig Büchern und vier Bänden in 4to herausgegeben. Rand rechts: in die weltlichen Rechte. Von des Giannone neapolitanischer Historie. Denn die Freyheit, deren sich dieser Mann in Vertheidigung des weltlichen und obrigkeitlichen Amtes widerdie Unternehmungen des päbstlichen Stuhls bediente, misfiel dem Clero so sehr, daß der Autor ver der Wuth des durch die Priester und Prediger aufgebrachten Pöbels seines Lebens in Neapolis nicht mehr sicher war, und sich gezwungen fand, nach Wien zu entweichen. Der Buchdrucker Nicolo Naso wurde darüber excommuniciret, und dem Giannone würde es nicht besser ergangen seyn, wenn der Schutz, welchen der Kaiser (dem auch das Werk dediciret war) dem Historico angedeihen ließ, den Eifer des heiligen Vaters Benedict des dreyzehnten nicht zurück gehalten hätte. Indessen haben diese Umstände gemacht, daß solches nützliche Buch selten zu haben ist1. Mit nicht geringerm Eifer hat die römischgesinnte Clerisey kurze Zeit vorher den neapolitanischen Fiscal Riccardi, einen gelehrten Jansenisten, der sich amtswegen und pflichtmäßig den Eingriffen des päbstlichen Hofes herzhaft widersetzte, verfolget, bis er in Wien an dem kaiserlichen Leibarzte und Bibliothekarius Garelli einen Beförderer fand, durch dessen Vorschub des Riccardi Verdienste dem Kaiser mehr bekannt wurden und ihm hernach kräftigerer Schutz angediehe.
In Ansehung der äußerlichen Ceremonien ist die Andacht der Römischkatholischen dieses Reiches so hitzig nicht, als in vielen deutschen Provinzen. Man nöthiget die Acatholicos nicht, in den Kirchen oder auf der Straße vor dem Venerabile, wenn es in die Höhe gehalten oder zu einem Kranken getragen wird, nieder zu knieen. Rand rechts: Keine Schärfe in Ansehung der äusserlichen Ceremonien. Man machet den Reisenden in der Fastenzeit keine Schwierigkeiten wegen des Fleischessens, vielmehr fragen die Wirthe auch auf dem Lande und unter Weges alsbald, mit was für Speisen man bedienet seyn wolle, ja an vielen Orten sehen sie es wegen ihres Vortheils ungern, wenn man Fische und Fastenspeisen verlanget. Seit der Zeit, da die Regierung an die österreichische Linie des habspurgischen Hauses gekommen, hat man hie und da die Statue des heiligen Nepomuk über den Brücken aufgerichtet, sonst aber findet man wenige Kreuze an den Straßen. Rand rechts: Wie die Statuen des heil. Nepomuk aufkommen. Die Processionen sind auch nicht so häufig in der Stadt Neapolis als an vielen andern Orten. Die gemeinste und welche man alle Tage sieht, hat nicht sowohl die Erweckung einer Andacht, als die Sammlung eines reichen Almosens für die Weibespersonen, die sich von der öffentlichen Unkeuschheit ab- und in ein Kloster begeben, zur Absicht. Rand rechts: Proceßion der bußfertigen Sünderinnen. Aus diesen suchet man die jüngsten und schönsten aus, um das Mitleiden und die Freygebigkeit der Umstehenden zu vergrößern, läßt sie paarweise und baarfuß durch die Stadt gehen, auf gewissen Plätzen niederknieen, ein Bekenntniß ihrer Sünden öffentlich ablegen und Bußlieder singen, unterdessen daß der Geistliche, so sie führet, nebst einem andern weltlichen Helfer den Beytrag gutherziger Gemüther in Beuteln, die an Stöcke befestiget sind, sammeln. Die Kleidung dieser bußfertigen Magdalenen besteht in einem langen violettenen Rocke, der mit einem Stricke von gleicher Farbe gegürtet ist. Ihre Köpfe sind geschoren und mit einem [780] dünnen blauen Schleyer, wodurch man aber ihre Schönheit und Jugend wohl unterscheiden kann, verhüllet. Diejenige, so voran geht, trägt ein violet angemaltes hölzernes Kreuz.
Die Neapolitaner haben einen fähigen Verstand, und weil sie in ihrer Religion nicht allezeit die verlangte Auflösung aller Scrupel finden, auch weder durch mündlichen noch schriftlichen Unterricht ihre Zweifel gehörigermaßen zu heben Gelegenheit haben, so fallen sie bisweilen auf wunderliche Systemata, ja öfters gar auf den Atheismum. Rand links: Warum die Neapolitaner zur Atheisterey geneigt sind. Je mehr sie hernach mit ihren Meynungen hinter dem Berge halten müssen, desto mehrere Wurzel schlagen solche, und hat es Mühe, sie davon wieder abzubringen. Molinos hat großen Anhang in dieser Stadt gefunden und des Arnauld ehemaliger Secretarius, Ernst Ruth-an, welcher vor etlichen Jahren als Canonicus zu Brüssel gestorben und auch nach dem Tode vielen Widerspruch in Ansehung seines Begräbnisses gefunden hat, versicherte mich im Jahre 1715, daß in der Stadt Neapolis mehr als die Hälfte von denen Leuten, welche nicht blindlings die Vernunft dem Joche der Menschensatzungen unterworfen, sondern nur ein wenig ihre Religion prüfen wollen, im Herzen Jansenisten wären. Rand links: Anhang des Molinos, wie auch des Jansenius. Vielleicht machet die Menge der Uebertreter, die man zu entdecken befürchtet, daß man mit der Verfolgung und Strafe nicht so hitzig, als sonst vielleicht geschehen würde, verfährt. Zum wenigsten haben die Buchhändler in Neapolis mehrere Freyheit als in andern Städten von Italien, und habe ich z. E. des L'ENFANTBibliotheque Germanique und andere von Protestanten auch in Religionssachen geschriebene Werke in den hiesigen Buchläden gefunden, welche man anderwärts vergeblich suchet. Rand links: Freyheit der Buchhändler.
Den meisten Kirchen mangelt zwar ein gutes Gewölbe und eine ansehnliche Façade, ihre marmorne Monumente sind auch nicht von der außerordentlichen Größe, von welcher man sie in Rom häufig findet; das übrige aber übertrifft an Schönheit und Reichthum fast alles, was man von dieser Art in den römischkatholischen Landen zu sehen bekömmt, und beläuft sich allein der Werth von Juwelen und kostbarem Altargeräthe auf viele Millionen Thaler. Rand links: Fehler an den neapolitanischen Kirchen. Man muß der hiesigen Clerisey zum Ruhme nachsagen, daß sie gegen die Fremden sehr höflich ist, und sich viele Mühe giebt, ihnen alles zu zeigen. Wer alle Kirchen besehen wollte, würde viel zu thun haben, weil man derselben in allen drey hundert und viere sowohl Pfarr- als Klosterkirchen zählet; und ist solchemnach genug, daß man nur die merkwürdigsten in Augenschein nehme, welche nebst andern hauptsächlichen geistlichen Gebäuden nach alphabetischer Ordnung folgende sind. Rand links: Schönheit und Reichthum derselben. Anzahl der Kirchen.
S. Agnello ist wegen eines Crucifixes, das in der Kapelle der Familie de'Monaci steht, berühmt, weil solches geredet, als ein Schuldner das ihm vormals in Gegenwart dieses Kreuzes geliehene Geld nach einiger Zeit ableugnen wollen. Rand links: S. Agnello. Wunderthätiges Crucifix. Ja bey diesem Wunder ist es nicht geblieben, sondern als der Schuldner aus Grimm, daß er zum Lügner erkläret worden, dem Bilde des gekreuzigten Heilandes einen Stein ins Gesichte geworfen, ist der Platz, den er getroffen, mit blauen Striemen aufgeschwollen und das eine Auge gleichsam als an einem lebendigen Körper mit Blute untergelaufen. Eine weitläuftigere Nachricht davon giebt eine außen an der Kirche befindliche italienische Inscription, deren Inhalt auch in der Kapelle mit folgenden lateinischen Worten zu lesen ist:
Anno Domini M. CCC. Regnante Domino Carolo II. sacra hæc imago Crucifixi, dum pro mutuata pecunia compatres ad invicem altercarentur, divino splendore fulgente, verbo facti veritatem aperuit: quod alter indigne ferens, debitorem se esse negavit, durissimaque petra imaginis faciem continuo percussit, qua statim [781] livore conspersa, miraculum omnibus enituit; atque sacrilegus ipse tanto crimine immobilis factus, creditoris precibus Deo fusis, iterum incolumis redactus, quam diu vixit, pœnitentiam egit.
Ich lasse dergleichen Erzählungen, die man auch an vielen andern katholischen Orten anhören muß, dahin gestellet seyn; finde aber ärgerlich, daß man zu Willisaw im Canton Lucern, und zwar in der neuen Kirche vor der Stadt das Blut zeiget, welches vom Himmel auf eine Tafel herunter gefallen, als in einer Gesellschaft von Spielern der eine, welcher großen Verlust erlitten hatte, aus Ungeduld und unter vielen Lästerungen wider Gott seinen Degen gen Himmel geworfen. Rand rechts: Schaden aus dergleichen Erzählungen. Man giebt dabey vor, als habe dieses Blut niemals ausgewischet werden können, welches jedoch nichts außerordentliches wäre. Eine solche That des Spielers wäre jederzeit verdammlich; diejenigen aber, so dergleichen Wunderwerke vielleicht aus guter Absicht erdichten, gedenken nicht an die Folgerungen, so man daraus ziehen könnte.
In eben dieser dem heil. Agnello gewidmeten Kirche, und zwar in der Cappella della famiglia de' Tufi zeiget man ein Marienbild, welches sich mit der Beata Giovanna und ihrem Sohne St. Agnello öfters in Gespräche eingelassen. Der Hauptaltar der Kirche ist von weißem Marmor mit guten bas-reliefs. Vornehmlich verdienet die Statue der heil. Dorothea, welche Giovanni da Nola verfertiget hat, betrachtet zu werden. Derselben gegenüber sind verschiedene alte bas- reliefs eingemauert. In der Cappella del Purgatorio findet sich über dem Grabe der Antonia Capuana ein treffliches bas-relief von Marmor, so Mariam vorstellet, wie sie mit ihrem Kindlein auf den Armen den Seelen im Fegfeuer erscheint.
Zur Seiten liest man folgende Grabschrift: Rand rechts: Epitaphium eines Kindes.
Nate peris tecumque patris periere dolentis
Spes & deliciæ, matris & urbis amor.
Tu tamen æternum rides lacrymasque tuorum
Despicis immensas tam cito nactus opes;
Nempe ut tanta tui illuxit præstamia vultus
Visa ea cœlesti debita forma choro.
Quinquenni unico filio Joh. Thomæ ICTi avi nomen gerenti
Joseph Macrinus J.C. Anno MDCC.
In der Kapelle der alesischen Familie liest man folgende artige Grabschrift: Rand rechts: Artige Grabschrift, die ein Sohn seinem Vater gesetzet.
Quæ miser imposui lugubria saxa sepulchro,
Mi Pater, innumeris accipe pro meritis.
Quodsi marmoream licuisset sumere formam,
Te Natus tegeret non alio lapide,
Incisæque notæ legerentur: GRATVS ALEXIS
REDDIDIT OSSA PATRI, FITQVE PATRI TVMVLVS.
Unter den Reliquien der Kirche befindet sich Milch von der heil. Maria, Dornen von der Krone Christi, ein Stück vom Schwamm und den Stricken, die bey der Kreuzigung des Heilandes gebraucht worden etc. Rand rechts: Reliquien. In dem daran stoßenden Kloster ist das metallene Brustbild und Denkmaal des berühmten Poeten Giov. Battista Marino zu sehen, welches der Marchese di Villa, sein Mäcenas, vermittelst eines hinterlassenen Vermächtnisses verfertigen [782] lassen. Rand rechts: Denkmaale des Poeten Marino. Es stund solches ehemals in des besagten Marchese Hause, wurde aber, als dieses, um den damaligen Platz zu erweitern, abgebrochen worden, hieher gebracht. Die daran befindliche Inscription ist vom TomasoCORNELIO, und in folgenden Worten verfasset:
D. O. M.
Et Memoriæ
Equitis Joannis Baptistæ Marini
Poëtæ incomparabilis,
Quem ob summam in condendo
Omnis generis carmine felicitatem
Reges & viri Principes cohonestarunt
Omnesque Musarum amici suspexere
Joannes Baptista Mansus
Villæ Marchio
Dum præclaris favet ingeniis
Ut posteros ad celebrandam illius
Immortalem gloriam excitaret
Monumentum extruendum legavit,
Quod Montis Mansi Rectores
Ad præscripti normam exegere.
Anno M. DC. LXXXIII.
Folgende Grabschrift ist gleichfalls zu Ehren dieses Poeten vom P. Guichardin, einem Cölestiner, gemacht worden:
Fundere ne renuas flores & thura, Viator,
Ossibus & cineri, quem lapis iste tegit.
Hic etenim nedum tumulantur busta Marini;
Sed cineri illacrymans ipsa Poësis adest.
Sollicitæ hunc Musæ forsan rapuere, timentes,
Ne tandem terris alter Apollo foret.
MISSONT. I, p. 93 zieht diese den übrigen auf Marino verfertigten Grabschriften vor; ich habe solche aber nicht sowohl wegen ihrer Schönheit einzurücken für nöthig erachtet, als damit sie bey der folgenden bleibe, welche in des Misson Edition von Utrecht An. 1722, p. 92 nicht gar accurat abgedruckt oder von ihm selbst nicht genau abgeschrieben worden ist. Eigentlich gehört sie zur Kirche de' SS. Apostoli, in deren unterirdischem Kirchhofe der Leichnam des Marino begraben und folgendes marmornes Epitaphium auf der Erde zu lesen ist:
Johannes Baptista Marinus Neapolitanus, inclytus Musarum genius, elegantiarum parens H. S. E. Natura factus ad lyram, hausta e Permessi unda volucri quodam igne Poëseos, grandiore ingenii vena efferbuit. In una Italica dialecto Græcam, Latiam, ad miraculum usque miscuit Musam. Egregias priscorum Poëtarum animas expressit omnes, cecinit æqua laude sacra, prophana. Diviso in bicipiti Parnasso, ingenio, utroque eo vertice sublimior, extorris diu patria rediit Parthenope Siren peregrina, ut propior esset Maroni Marinus. Nunc laureato cineri marmor hoc plaudit, ut accinit ad æternam citharam Famæ concentus.
[783] Unter diesen Worten befinden sich vier Verse, deren weder Misson, noch Sarnelli, Parrino oder ein anderer Autor, so von Neapolis handelt und mir unter die Hände gekommen, gedenket:
Hic tumulus Magni brevis hæc est urna Marini,
Illius hoc tegitur marmore fracta lyra.
Clara mari traxit cognomina gurgite pleno
Carmina & arguto qui dedit ore sales.
Er starb im Jahre 1625. Das vierte Epitaphium hat ihm die Akademie der Humoristarum, derer Haupt er war, aufrichten lassen, und ist solches nebst seinem gemalten Bildnisse an der Mauer zu sehen:
D. O. M.
Equiti Johanni Baptistæ Marino, Poetæ sui seculi maximo, cujus Musa e Parthenopæis cineribus enata, inter lilia efflorescens, Reges habuit Mæcenates: cujus ingenium fœcunditate felicissimum, Terrarum orbem habuit admiratorem. Academici Humoristæ Principi quondam suo P. P.
Man nennt ihn Cavalier Marini, weil er vom savoyischen Herzoge, Karl Emanuel, mit dem Orden St. Lazari und St. Mauritii beehret worden. Viele von seinen Manuscriptis werden noch im Archive der Kirche de' SS. Apostoli verwahret.
Die Kirche S. Angelo à Segno ist dem Erzengel Michael gewidmet und deswegen gebauet, weil auf diesem Platze im Jahre 574 die Saracenen, so durch die Porta Ventosa in die Stadt gedrungen, allhier unter der Anführung Jacobi de Marra in einem hitzigen Gefechte zurück getrieben worden. Wie weit damals die Feinde gekommen, deutet ein meßingener Nagel in einer weißen marmornen Tafel an. Außen an der Kirche liest man: Rand rechts: S. Angelo à Segno. Andenken des saracenischen Einfalls.
Clavum æreum strato marmori infixum dum Jacobus de Marra cognomento Tronus e suis in Hyrpinis Samnioque oppidis collecta militum manu, Neapoli ab Africanis captæ succurrit, Sanctoque Agnello tunc Abbate, divino nutu, ac Michaele Dei Archangelo mire inter Antesignanos præfulgentibus victoriam victoribus extorquet, fusis aque ex Urbe ejectis primo impetu barbaris Ann. Salutis 574 cœlesti Patrono dicato Templo, & Liberatoris gentilitio clypeo Civitatis insignibus decorato, ad rei gestæ memoriam, ubi fuga ab hostibus cepta est, more majorum ex S. C. PP. P. CC.
Denno Philippo IV. regnante antiquæ virtuti præmium grata Patria P.
In der Kirche S. Angelo à Nido2 sind treffliche Begräbnißmaale, absonderlich von der Familie Brancaccio zu sehen. Rand rechts: S. Angelo à Nido. Der Kardinal Franciscus Maria aus diesem Geschlechte, hat eine ansehnliche öffentliche Bibliothek zu dieser Kirche gestiftet. Das Gemälde, so auf dem Hauptaltare den Erzengel Michael vorstellet, ist ein berühmtes Stück vom Marco da Siena.
In der Kirche de' SS. Apostoli sieht man fast nichts als Gold und Gemälde. Rand rechts: SS. Apostoli. Ihrer vollkommenen Schönheit fehlet nichts, als eine ansehnliche Facciata. Ueber dem Eingange ist vom Lanfranco in der Kirche vorgestellet, wie der Engel des Herrn vom Himmel fährt und das Wasser im Teiche Bethesda beweget, wobey der Maler mit vieler Kunst einen Strich oder Ritz gemalet, welcher nicht anders aussieht, als wäre die Mauer wirklich geborsten. Rand rechts: Gemälde. Dergleichen künstlicher Betrug ist auch in dem Refectorio des hiezu gehörigen Theatinerklosters [784] angebracht. Das schöne Gewölbe der Kirche ist vom Giovanni Lanfranco, und die Cuppola vom Cavalier Benaschi im Jahre 1684 gemalet. Auf dem Hauptaltare bewundert man das prächtige Tabernakel, so aus acht achatenen Seulen und andern Zierrathen von Amethyst, Smaragd, Lazuli, blutrothem und anderem Achat, einem Topas von der Größe einer großen Wallnuß und andern kostbaren Steinen zusammen gesetzet ist. Dieses Tabernakel soll vierzigtausend Scudi gekostet haben. Der Altar, worauf es steht, ist von Marmo fiorito, und das vor dem Altare befindliche treffliche Geländer von andern rothem und weißem Marmor. Zur Seite stehen zween metallene Gueridons, die neun Palmi in ihrer Höhe haben, und vornehmlich wegen der Arbeit hochgehalten werden. Sie stellen die vier Thiere des Propheten Ezechiels vor, welche man insgemein von den vier Evangelisten erkläret, und hat Julianus Finelli die Zeichnungen dazu verfertiget, Giovanni Antonio Bersolino aber, ein Florentiner, den Guß verrichtet. Hinter dem Altare sieht man das Haupt Christi mit der Dornenkrone sehr künstlich gemalet. Auf der Seite des Evangelii vom Altare Maggiore, oder linker Hand in Ansehung desjenigen, der es ansieht, ist die Kapelle des Kardinals Ascanio Filamarino, woran die berühmtesten Meister, so unter Urban dem achten in Rom gelebet, ihre Kunst bewiesen haben. Rand links: Cappella del Card. Filamarino. Es besteht solche aus weißem Marmor, und sieht man kaum die geringste Zusammenfügung daran, ob sie gleich aus verschiedenen Stücken zusammen gesetzet ist. Fünf mosaische Stücke vom Giov. Battista Calandra da Vercelli geben ihr eine sonderbare Zierde, und ist das Hauptgemälde des Altars, so die Verkündigung Mariä abbildet, nebst den zu den Seiten stehenden vier Tugenden, des Glaubens, der Hoffnung, Liebe und Sanftmuth, anfänglich vom Guido Reni mit Oelfarben gemalt gewesen, ehe man es in ein treffliches Mosaique verwandelt hat. Der Chor der Cherubinen, Seraphinen und anderer Engel, die auf einem marmornen bas-relief erscheinen, ist vom Francesco Fiamengo, welcher in der Bildhauerkunst als ein anderer Michel Angelo Buonarota angesehen wird. Die zween Löwen, worauf der Altar ruhet, nebst dem bas-relief vom Opfer des Erzvaters Abraham kommen von der Hand des Giuliano Finelli da Carrara. Die Seulen auf dem Altare sind vom trefflichsten weißen Marmor, und jede aus einem einzigen Stücke.
Diese Kapelle sieht jederzeit als neu aus, weil der Stifter derselben verordnet, daß seine Erben sie jährlich zweymal rein machen und ausputzen lassen müssen. Im Fall sie solches verabsäumen, sind sie dem hiesigen Kloster jedesmal in zweyhundert Ducaten Strafe (wovon die Reparationskosten bestritten werden) verfallen.
Die Cappella de' Pignatelli rechter Hand des Altare Maggiore (wenn man das Gesicht gegen dasselbe gerichtet hat) ist nicht weniger sehenswürdig, indem ihr Altar aus den kostbarsten Steinen zusammen gesetzt, und unter andern eine Lage Amethyst, die sieben Finger breit und bey zehn Spannen lang, daran befindlich ist. Rand links: Cappella de' Pignatelli. Die Sacristey hat ein hohes Gewölbe und gute Gemälde. In dem Schatze sind treffliche und kostbare Silberwerke an Brustbildern, Bluhmentöpfen, Leuchtern, Kreuzen, Kelchen etc. Rand links: Schatz der Kirche. Das Dessein zu einer überaus großen silbernen Lampe, welche zweytausend Scudi gekostet, hat Solimene verfertiget. Einige von den goldenen Kelchen sind mit Rubinen und Diamanten besetzt. Sechs Bluhmentöpfe und ein Kreuz von Silber kosten fünftausend Scudi. Man zeiget auch sechs große Leuchter von Corall in Gold gefaßt. Das schöne Kreuz von Ambra, welches ehemals hier zu sehen war, ist nicht mehr vorhanden. In einer andern Galerie ist eine ganze Bekleidung der Kirche von gelbem Mohr, worauf sehr schönes Bluhmenwerk von trefflichen Farben mit Seide gesticket ist. Rand links: Kostbare Tapeten. Diese Tapete ist so schön und prächtig, als man sie kaum irgendwo finden [785] wird. An kostbaren und gestickten Bedeckungen der Altäre fehlet es gleichfalls nicht. Die unterirdischen Gewölber der Kirche sind schön, und stehen in denselben hie und da in Leinwand eingehüllete und noch unverwesete Körper beyderley Geschlechtes. Rand rechts: Todtengewölbe. Absonderlich ist im hintersten Gewölbe ein kleiner Berg von Todtengebeinen, die man, um den neuen Leichen Platz zu machen, ausgegraben hat, aufgehäufet. Rand rechts: Unverwesete Körper. An den Seiten dieses Berges liegen und sitzen ganze Sceleta, welches fast das Ansehen eines Parnaßberges mit den darauf gelagerten Musen, die aber in gar fürchterlicher Gestalt erscheinen, giebt.
Von des Cavaliere Marino Grabmaale in diesem Gewölbe ist schon oben bey der Kirche St. Agnello Meldung geschehen. Rand rechts: Kloster. Das Kloster hat drey Galerien über einander, davon die unterste die schönste ist. Die Treppe ist in der Form einer Schnecke mit kleinen Absätzen, wie in der Peterskirche zu Rom, angeleget, damit die Esel und Pferde das Getraide auf die obern Kornböden bequemlich bringen können. Die Bibliothek ist wohl eingerichtet, und hat eine angenehme Aussicht. Nahe am Kloster versammlen sich an gewissen Tagen der Wochen die Häupter einer Congregation, die aus zweyhundert Advocaten undDoctoribus bestehet, und die Klagen oder Processe armer Leute untersuchet. Findet sichs, daß ein Armer gedrückt wird, oder rechtmäßige Ursachen zu klagen hat, so giebt man ihnen ex officio ein Mitglied dieser Gesellschaft zu, welcher des Nothleidenden Sache vor den ordentlichen Gerichten vertheidigen muß. Rand rechts: Löbliche Anstalten für Arme in Ansehung ihrer Processe. Die Mitglieder der Congregation haben nicht nöthig, desfalls die geringste Ausgabe zu machen, sondern alles geht auf Unkosten des Theatinerklosters, welches in dieser Absicht mit reichen Stiftungen versorget ist. Es ist dieses mit eine von den löblichsten Anstalten, die ich irgendwo bemerket habe.
Die Kirche S. Catarina à Formello hat viele marmorne Begräbnisse, worunter die von der Familie Spinelli die vornehmsten sind. Rand rechts: S. Catarina. à Formello. Die Cappella di S. Domenico ist mit trefflichen Gemälden und marmorner Bildhauerarbeit gezieret. Unter dem Altare ist ein metallener Hund zu sehen, der im Maule ein Horn, aus welchem eine brennende Fackel geht, hält. Rand rechts: Wapen der Inquisition. Auf dem Rücken trägt er die Weltkugel, woran die Worte stehen: A seculo usque ad seculum. Unter dem Hunde liest man:
Sustinet, inflammat.
Ein solcher Hund ist das gewöhnliche Wapen der h. Inquisition.
Das auf dem Hauptaltare befindliche Gemälde, so die Ankunft der heil. drey Könige zu Bethlehem abbildet, ist vom Sylvestro Buono. Auf dem Platze vor der Kirche hat man das Brustbild des heil. Januarius mit einer Inscription aufgerichtet. In der Apotheke des dabey gelegenen Dominicanerklosters sieht man eine Copie des Kopfes vom Masaniello. Die Raritätengalerie des Klosters ist mit vielen alten Münzen, Urnen, kleinen Götzenbildern, Mineralien, versteinerten Creaturen oder Sachen, großen Corallenstücken und andern merkwürdigen Dingen versehen. Rand rechts: Kopf des Masaniello. Raritätengalerie des Klosters.
S. Chiara ist eine der vornehmsten Kirchen in Neapolis. Vor dem Hauptaltare stehen zwo schöne weiße marmorne Seulen, die vorzeiten im Tempel Salomons gewesen seyn sollen. Zwo andere, so diesen itztgemeldten dem äußerlichen Ansehen nach völlig gleichen, und näher am Altare stehen, sind nur von Holz. Hinter dem Hauptaltare, dessen Tischblatt aus einem einzigen Stücke Marmor, das achtzehn Palmi in der Länge hat, besteht, ist der löbliche und tapfere König Robert, Stifter dieser Kirche, begraben, mit folgendem kurzen Epitaphio: Rand rechts: S. Chiara. Seulen aus Salomons Tempel. Grab des Königs Ro-hert.
Cernite Rubertum Regem virtute refertum.
Er starb den 16 Jenner 1343, mach einer drey und dreyßigjährigen Regierung.
[786] Zur Rechten des Hauptaltares (nämlich in Ansehung desjenigen, der in die Kirche geht) ist das Grab Caroli Illustris, Herzogs von Calabrien und Sohnes des Königs Robert mit folgender Inscription: Rand links: Grab Caroli Illustris.
Hic jacet Princeps Illustriss. D. Carolus Primogenitus Serenissimi Domini nostri D. Roberti Dei gratia Hierusalem & Siciliæ Regis inclyti, Dux Calabriæ, & præfati Domini nostri Regis Vicarius Generalis, qui justitiæ præcipuus Zelator & cultor, ac Reipublicæ strenuus defensor, obiit autem Neap. catholice receptis Sacrosanctæ Ecclesiæ omnibus Sacramentis, Anno Domini 1328. Indict. 12. Anno ætatis suæ XXX. regnante feliciter præfato Domino nostro Rege, Regnorum ejus anno XX.
Als im Jahre 1686 etwas vom Gewölbe des Grabes abgefallen, hat man den Leichnam dieses Prinzen noch unversehrt gesehen.
Auf der andern Seite des Altars ist das marmorne Grabmaal Mariä, einer Schwester der Johannä der ersten befindlich. Rand links: Mariæ posthumæ. Diese Maria Posthuma war gebohren im Jahre 1329, und erstlich vermählt an Karln, Herzog von Durazzo, zum andern mal an Robertum de Baux, der sie entführet, und drittens an Philipp den zweyten, Prinzen von Tarento, wegen welches sie auch den Titel einer konstantinopolitanischen Kaiserinn führte. Ihre Statue hat eine Krone auf dem Haupte und viele goldene Lilien auf dem Kleide. Das Epitaphium ist folgendes:
Hic jacet corpus Ilustris Dominæ D. Mariæ de Francia Imperatricis Constaninopolitanæ ac Ducissæ Duracii, quæ obiit anno Domini 1366. die 20. mensis Maji Ind. 4.
Der itztgedachten Mariä Schwester, eine Tochter Karls Herzogs in Calabrien und Mariä von Valois liegt in einer Kapelle unter der Orgel mit folgender Inscription begraben: Rand links: ihrer Schwester Mariä
MARIAE Caroli Inclyti Principis Domini Ruberti Hierusalem & Siciliæ Regis Primogeniti, Ducis quon. Calabriæ filiæ, hic corpus tuinulatum quiescit: animo, suscepto sacro lavacro, infantili corpore dum adhuc ordiretur, soluto, fruente divinæ visionis luminis claritate, post judicium, corpori incorruptibili unienda.
Bey der Sacristey ist das Grabmaal der Königinn Johannä der ersten, die ihren ersten Mann Andreas aus Ungarn stranguliren lassen, und vom Könige Karl mit gleichem Tode aus dem Wege geräumet worden, mit folgender itzt sehr unleserlichen Schrift zu sehen: Rand links: Johannä der ersten.
Inclyta Parthenopes jacet hic Regina Joanna
Prima, prius felix, mox miseranda nimis;
Quam Carolo genitam mulctavit Carolus alter,
Qua morte illa virum sustulit ame suum.
MCCCLXXXII. 22. Maji v. Indict.
Eigentlich ist dieses nur ein Denkmaal der Königinn Johannä, und ihr Körper in der Kirche di S. Francesco del Monte Gargano begraben.
Bey der kleinen Pforte der Kirche ist ein schönes Grabmaal von weißem Marmor zu sehen, woran Giovanni da Nola seine Wissenschaft in der Bildhauerkunst bewiesen hat. Man findet an demselben eine treffliche Statue einer Dame mit einem von dem neapolitanischen Poeten Antonio Epicuro verfertigten Epitaphio, welches in folgenden Worten verfasset ist: Rand links: Artige Grabschrift Antoniä Epicurä
Nata, Eheu miserum! misero mihi nata parenti
Unicus ut fieres, unica nata, dolor.
[787] Dum tibi namque virum, tedas, talamumque parabam
Funera & inferias anxius ecce paro.
Debuimus tecum poni Materque Paterque,
Ut tribus hæc miseris urna parata foret.
At nos perpetui gemitus, tu nata sepulchri
Esto hæres ubi sic impia fata volunt.
Antoniæ filiæ chariss. quæ Hieronymo Granatæ Juveni ornatiss, destinata uxor Ann nondum XIIII. impleverat, Joannes Gaudinus & Heliodora Bossa Parentes infeliciss. pos. raptæ ex eorum complexib. ann. sal. MDXXX. Prid. Kal. Jan.
Der Verfasser dieser Grabschrift liegt in eben dieser Kirche, und liest man auf seinem Denkmaale die Worte: Rand rechts: imgl. ihres Vaters.
ANTONIO EPICVRO, Musarum Alumno Bernardinus Rota, primis in annis studiorum socio posuit. Moritur octuagenarius, unico sepulto filio. I nunc & diu vivere miser cura. MDLV.
Alle Monumente dieser Kirche sind von weißem Marmor, und viele derselben mit guten bas-reliefs versehen. In das dabey befindliche Kloster wird nur Frauenzimmer vom vornehmsten Adel des Landes aufgenommen. Rand rechts: Das größte Nonnenkloster der Welt. Ihre Anzahl erstrecket sich ohne die Aufwärterinnen und Bedienten über dreyhundert und funfzig, und leben sie in großer Freyheit. Die Franciscanermönche bedienen die Kirche und haben die geistliche Aufsicht über diese schöne Gesellschaft, welche ohne Zweifel das größte Nonnenkloster in der Welt ausmachet.
Il Collegio del Giesù ist eines von den prächtigsten Gebäuden der Stadt, und verdienet das Refectorium, die Bibliothek, Apotheke und Haupttreppe, nebst der zu dem Collegio gehörigen Kirche insbesondere gesehen zu werden. Rand rechts: Il Collegio del Giesù. Es ist genug, daß man wisse, ein Gebäude stehe den Jesuiten zu, um alsbald urtheilen zu können, daß an dessen Auszierung nichts versäumet worden. Dieses trifft auch bey der Kirche della Concezzione ein, bey welcher die gemeldten Patres ihr Profeßhaus haben. Rand rechts: Kirche della Concezzione. Die Quaderstücke der Facciata an der Kirche sind von pietra pipernina und als Diamanten geschliffen. Die vornehmsten Altäre sind der von St. Ignatio, St. Francesco Xaverio und l'Altare Maggiore, welcher letzte mit sechs schönen roth-weißlichen korinthischen Marmorseulen, und vier trefflichen Statuen, in deren Mitte das Bildniß Mariä verguldet steht, gezieret, übrigens aber noch nicht fertig ist. Die vom Lanfranchi gemalte Cuppola hat durch das Erdbeben vom Jahre 1688 großen Schaden gelitten, und ist daher außer denen zur Seite stehenden Evangelisten nichts mehr von dieses großen Künstlers Hand übrig. Rand rechts: Cuppola. Die Arbeit des berühmten neapolitanischen Malers Paolo de Mattheis, vertritt anitzt die Stelle derjenigen, die man vom Lanfranchi misset. In der Kapelle St. Ignatii betrachtet man mit Vergnügen zwo marmorne Statuen, welche Cosmo Fonsago verfertiget hat, und deren die eine den David mit des Goliath Haupte zu seinen Füßen, die andere aber den klagenden Jeremias vorstellet. Rand rechts: Kapelle St. Ignatii. An dem porphyrnen Grabmaale Nicolai Sanseverini des letzten Prinzen von Bisignano liest man:
NICOLAO BERNARDINO, patrio genere ex totius Italiæ nobilissima, & apud Hispaniarum Reges maximos Grandi Sanseverinorum prosapia: Rand rechts: Epitaphium Nic. Bern. Sanseverini. materna ex Castriotis Epirotarum regibus, Bisianensium Principi, S. Marci, & S. Petri Duci Clarimontis & Tricarici, ac equitum catafractorum Ductori, Isabella Feltria a Ruvere ex Sereniss. Urbinatum Ducibus, conjugi amatiss: mœstiss. P. Vixit Ann. LV. M. VI. D. XX. Occidit Regiæ liberalitatis exemplar X. Kal. Nov. MDCVI.
[788] In der Kirche sind noch zwey schöne Gefäße von gelbem und braunem Marmor, worinnen das Weihwasser beybehalten wird, zu sehen. In der Sacristey, die schön gewölbt und wohl verguldet ist, findet sich das Bildniß der Maria vom Annibal Caracci und zwey andere vom Raphael. Rand links: Sacristey. Das Silberzeug im Schatze soll allein am Gewichte hundert und funfzigtausend Scudi betragen, und sind darunter viele Statuen und Brustbilder, St. Cyr in Lebensgröße von Silber mit Smaragden besetzt, eine Menge Kelche, eine von Gennaro Monte in Silber gegossene Ueberkleidung eines Altartisches, nebst vielen andern Kostbarkeiten. Rand links: Schatz.
Die Jesuiten haben ferner unter andern Kirchen noch die von S. Giuseppe, davon anderwärts eine weitläuftigere Erwähnung geschehen soll.
S. Domenico Maggiore gehöret den Dominicanermönchen, deren hundert und dreyßig bis hundert und vierzig in dem daran stoßenden Kloster leben. Rand links: S. Domenico Maggiore. Das itzige Gebäude der Kirche haben sie dem Könige Karl dem zweyten zu danken, dessen balsamirtes Herz auch in einer kleinen elfenbeinernen Urne mit folgender Aufschrift allhier verwahret wird:
Conditorium hoc est cordis Caroli Il. Illustrissimi Regis, Fundatoris Conventus Ann. Domini MCCCIX.
Unter seinem Bildnisse über der Pforte am Vorhofe der Kirche liest man die Verse: Rand links: Herz Karls des zweyten.
M. C. C. C. IX.
Carolus extruxit: Cor nobis pignus amoris
Servandum liquit: cætera membra suis.
Ordo colet noster tanto devictus amore,
Extolletque virum laude perenne pium.
In der Cappella del Santissimo Crocesisso steht das Crucifix, welches den berühmten SchullehrerThomam d'Aquino wegen desjenigen, so er über die wirkliche Gegenwart des Leibes und Blutes Christi im heil. Abendmahl geschrieben hatte, mit folgenden Worten angeredet: Bene scripsisti de me Thoma, quam ergo mercedem accipies, worauf Thomas geantwortet: Non aliam nisi Te ipsum3. Rand links: Crucifix, welches mit Thoma d'Aquino gesprochen hat. Gedachtes Crucifix wird etliche Tage im Jahre öffentlich und mit großem Gepränge gezeigt, außer solcher Zeit aber nicht, und haben von sieben Personen jeder einen unterschiedenen Schlüssel darzu, ohne deren keinem der Schrank, worinnen es steht, eröffnet werden kann. Ueber dem Crucifixe ist ein schönes Gemälde vom Zingaro, welches die Abnehmung des Heilandes vom Kreuze vorstellet. An einem in dieser Kapelle befindlichen Grabmaale der Familie Caraffa liest man: Rand links: Epitaphia der Familie Caraffa.
Huic
Virtus gloriam
Gloria immortalitatem
Comparavit.
M. CCCC. LXX.
Von eben dieser Familie hat Diomedes Caraffa, Kardinal von Ariano, beym Eingange der Kapelle St. Stephano sein Grab, und finden sich unter seiner Statue die Verse:
Vivit adhuc, quamvis defunctum ostendat imago;
Discat quisque suum vivere post tumulum.
In der Cappella del Duca d'Acerenza wird die vom Tiziano da Vercellio gemalte Verkündigung Mariä sehr hoch geschätzet. An dem Grabe Bernardini Rotæ in der Cappella di S. Giov. Battista sind außer seiner Statue auch die Flüsse Tiber und Arno sehenswürdig.
[789] Die artige Grabschrift der Portiæ Capyciæ giebt MISSONT. II, p. m. 98. Die Cappella di Stigliano hat eine treffliche Statue Mariä, welche Fabio Arcella, Erzbischof von Capua, durch Giov. di Nola verfertigen lassen; und in des heil. Josephs Kapelle sind zwey Gemälde vom Guido merkwürdig. Die Sacristey ist sehr hoch, und vom Solimene schön gemalet. Oben in ihrer Galerie stehen viele mit rothem Sammte und Damaste beschlagene Särge der neapolitanischen Könige, Königinnen, und anderer berühmten Personen, worunter Antonio Petruccio, Secretär des Ferdinands, in der Ordnung der erste ist. Den Deckel seines Sarges kann man aufmachen, und sieht man den Körper in seinen Kleidern und mit allen Zähnen im Munde noch unverweset. Er kam in der Conspiratione de' Baroni um, und zeiget der an seinem Halse noch befindliche Strick, daß er nicht geköpfet, sondern stranguliret worden. Rand rechts: Königliche Begräbnisse. Leichnam Antonii Petruccii. Art seines Todes. Misson giebt etliche Inscriptionen der obgedachten Särge, die ich aber wegen ihrer itzigen Bedeckung gegen seine Abschriften nicht habe halten können. Die vollständigen Worte unter dem Bildnisse des zuletzt stehenden Todes, davon Misson nur den Anfang anführet, sind folgende:
Sceptra ligonibus æquat
Memoriæ Regum Neapolitanorum Arragonensium, temporis injuria consumpts, pietate Catholici Regis Philippi, Joanne a Stunica Mirandæ Comite, & in Regno Neap. Prorege curante, sepulchra instaurata Anno Domini MDXCIV.
Diese Kirche hat großen Reichthum an Silbergeschirr und Altarschmuck. Rand rechts: Schatz der Kirche. Etliche Palliotti sind von Silber gegossen, und eines davon, so für den Hauptaltar verfertiget ist, und nebst den dazu gehörigen Bluhmentöpfen, Statuen, Kreuze und andern Zierrathen vierzehntausend Scudi gekostet hat, stellet in der Mitte der vordern Seite am Altartische Mariam mit ihrem Kindlein auf dem Arme vor, wie sie beyde den Umstehenden Rosenkränze austheilen. In der Sacristey ist das schöne Brustbild des Pabstes Pius des fünften nicht vorbey zu gehen. Nahe an der Pforte des Collegii, worinnen ehemals die Theologie gelehret worden, ist das BildnißThomæ Aquinatis mit folgender Unterschrift zu sehen: Rand rechts: Inscription unter dem Bildnisse Thomæ Aquinatis.
Viator huc ingrediens, siste gradum, atque venerare hanc imaginem & Cathedram, in qua sedens Mag. ille Thomas de Aquino de Neap. cum frequente, ut par erat, Auditorum concursu, & illius seculi felicitate, cæterosque quam plurimos admirabili doctrina Theologiam docebat, accersito jam a Rege Carolo I. constituta illa mercede unius unciæ auri per singulos menses. R. F. V. C. in anno 1272. D. S S. F. F.
Die Dominicaner zu Toulouse behaupten, daß sie den ganzen Körper des Thomæd'Aquino besitzen, den einzigen rechten Arm ausgenommen, welchen sie dem Könige Ludwig dem dreyzehnten verehret, und anitzt die Dominicaner in der rüe S. Jacques zu Paris verwahren. Rand rechts: Streit über den Körper Thomæ Aquinatis.. Allein allhier zu Neapolis zeiget man gleichfalls den rechten Arm dieses berühmten Scholastici, nebst der Zelle, worinnen er gewohnet, und dem Katheder, von welchem er gelehret hat, und worauf sich aus Hochachtung niemand setzen darf. Sein Manuscript, das er über des DIONYS Werk, de Cœlesti Hierarchia, hinterlassen, wird nicht weniger als ein halbes Heiligthum aufgehoben. Als Philipp, König in Spanien, zu Anfange des itzigen Jahrhunderts in Neapolis war, nahm er aus Andacht etliche Blätter davon mit sich Rand rechts: Sein Lehrstuhl. Verehrung seines Manuscripts.
Eine im Chore der Kirche erstlich gefundene und daraus nach der Cisterne des Klosters gebrachte Inscription hat wegen ihrer dunkeln Ausdrückungen den Gelehrten Gelegenheit zu vielem Grübeln gegeben. Sie ist in folgenden Worten verfasset: Rand rechts: Dispüten wegen einer dunkeln Inscription.
[790] Nimbifer ille Deo mihi sacrum invidit Osirim.
Imbre tulit mundi corpora mersa freto.
Invida dira minus patimur, fusamque sub axe
Progeniem caveas trojugenamque trucem.
Voce precor superas auras & lumina cœlo
Crimine deposito posse parare viam.
Sol veluti jaculis iterum radiantibus undas
Si penetrat gelidas, ignibus aret aquas.
Weil man glaubt, es sey der Beatus Guido Marramoldo, ein Dominicanermönch dieses Klosters, allhier mit vielem Silber und Reliquien begraben, ob man gleich den Ort seiner Ruhestäte nicht weis: so nahm der PaterFr. CIPRIANO, ein Neapolitaner, daher Gelegenheit, in einem Buche, welches er Cisterna discoverta benennte, zu behaupten, es müsse des Marramoldi Körper unter der besagten Cisterne verborgen liegen, welche Meynung aber Pompeo SARNELLI, nachmaliger Bischof von Bisceglia, in einer Schrift, deren Titel il Filo d' Arianna ist, widerleget, bey welcher Gelegenheit besagte Inscription einem Menschen, der im Schiffbruche umgekommen, zugeeignet wird.
Ich füge endlich noch bey die kürzeste und längste Grabschriften, so in dieser Kirche anzutreffen sind. Rand links: Grabschrift von drey Worten. Jene ist einem anitzt unbekannten gesetzet, und nach des Nemeiz Berichte im Jahre 1724 von dem zu Rom verstorbenen Sachsen-Meinungischen Erbprinzen auf seinem Todtenbette gleichfalls erwählet worden:
Terra tegit terram.
Die andere ist rechter Hand in der Kirche dem Bischofe von Gravina, Domenico Cennini aufgerichtet, und vom Sarnelli in folgenden Worten verfertiget worden: Rand links: Epitaphium Dominici Cennini.
DOMINICO CENNINI Patritio Senensi, Gravinensium Pontifici, Magno Cardinali Cennini Consobrino suo sola purpura inferiori. Vitæ integritate, morum suavitate, doctrinæ ubertate, nec illi, nec ulli, secundo. In Pontificio exercendo exemplari constantia, in Fidei ab hæresibus tuendæ generali ministerio summa prudentia, cum primis admirando. De DOMINICI familia, cujus nomine nuncupatus est, cujus meliora charismata æmulari non desiit, cujus Templo corpus suum commendavit, optime merito. Anno LXXXIII. M. II. D. I. nato, cum Gravinæ sedisset Ann. XXXIX. M. V. D. XVI. XXI. Augusti M. DC. LXXXIV. ad perennem vitam renato. Fr. VINCENTIVS MARIA URSINVS Ordinis Prædicatorum, Tituli S. Xysti S. R. E. Presbyter Cardinalis Archiepiscopus Sipontinus, maltis nominibus ab ineunte ætate ei devinctissimus, ejusdemque postremæ voluntatis publicis tabulis expressæ lubens executor, mutum hunc lapidem vocalem factum, veritatis & animi testem, ceu Patri amantissimo B. M. P.
Auf dem Platze vor der kleinen Pforte des Klosters ist eine schön gearbeitete Pyramide aufgerichtet, auf deren Gipfel die Statue St. Dominici steht. Rand links: Pyramide.
Il Duomo oder die erzbischöfliche Kathedralkirche ist der Himmelfahrt Mariä gewidmet und vor andern sehenswürdig. Rand links: Domkirche. Den Grund dazu hat Karl der erste, aus dem Hause Anjou, König von Neapolis und Sicilien geleget, dessen Grabmaal nahe bey der Hauptpforte mit folgender neuern Aufschrift zu sehen ist:
[791] Carolo I. Andegavensi, Templi hujus extructori, Carolo Martello Hungariæ Regi & Clementiæ ejus uxori, Rodulphi I. Cæsaris F. ne Regis Neapolitani ejusque Nepotis, & Austriaci sanguinis Reginæ debito fine honore jacerent ossa, Henricus Gusmannus Olivarensium Comes, Philippi III. Austriaci Regias in hoc Regno Vices gerens, pietatis ergo posuit. Anno Domini M. D. C. IC. Rand rechts: Epitaphium Caroli I.
Sein altes Epitaphium war in folgenden Worten verfasset:
Conditur hac parva Carolus Rex Primus in urna
Parthenopes, Galli sanguinis altus honos:
Cui sceptrum & vitam sors abstulit invida, quando
Illius famam perdere non potuit.
Vor dem Haupteingange stehen zwo porphyrne Seulen, die aber nicht von sonderlicher Größe sind.
An den Hauptaltar der Kirche kömmt man vermittelst einer weißen marmornen Treppe, deren äußerste Seiten mit schönen bas-reliefs versehen sind. Vor diesem Altare stehen zwo treffliche Seulen von blutrothem Diaspro, welche ohne ihre Piedestaux (so vonVerde antico sind) eine Höhe von zween Männern haben. Rand rechts: Hauptaltar. Treffliche Seulen. An derjenigen, die dem hinzutretenden linker Hand ist, bemerket man eine und an der gegenüberstehenden drey achatene Adern, welche ihnen eine sehr kostbare Zierde geben. Bey der letzten findet sich ein Denkmaal, welches der Kardinal Cantelmus dem Pabste Innocentius dem zwölften noch bey dieses Lebzeiten mit folgenden Worten aufrichten lassen: Rand rechts: Monument zu Ehren Innocentius des zwölften.
Innocentio XII. Pont. Max. Pignatello
De Christiana re optime merito
Muniis plurimis apud Catholicos Principes
Et in aula Romana mire perfuncto
Per gradus honorum omnes:
Ab Archiepiscopatu Neapolitano sancte
Et effusa in egenos charitate gesto,
Ad supremum Pontificatus maximi
Apicem evecto
Indicta aboliti Nepotismi lege
Normaque præmonstrata;
Ecclesia ac toto terrarum orbe plaudente
Pauperibus perpetuo censu ditatis
Et in Laterano
Magni Gregorii exemplo munificentissime alitis
Paræciarum reditibus, ut egestati ubique occurratur,
Ex integro restitutis
Magno cum Ecclesiarum emolumento
Neapolitani Regni Episcopis
Spoliorum onere supra votum condonato
Levatis
Inter præclarissima liberalitatis munera
Quamvis exhausto Ærario
[792] Ob extinctam Cameralis quæsturæ venalitatem;
Datis sacro in Turcas fœdere subsidiis:
Sanctissimis Legibus
Ecclesiasticæ disciplinæ Justitia
Et populorum tutela strenue asserta,
Pastorali solicitudine, eximioque Zelo
In tota Christiana Republica pacanda
Et Religione amplificanda commendatissimo
Jacobus Cardinalis Cantelmus Archiepiscopus Neapolitanus
Anno Salut. hum. MDCXCVI.
Pontificatas vero VI. majora daturi
P.
Hiebey ist das schöne Begräbniß des Kardinals Alphonsus Caraffa, welcher im Jahre 1561 gestorben, aus weißem Marmor zu sehen, und gegenüber dasMonumentum Cardinalis Alphonsi Cesvaldi, der im Jahre 1603 verschieden ist. Rand links: Begräbnisse der Kardinäle Alph. Caraffä und Cevaldi.
Das Gemälde des Hauptaltars stellet die Himmelfahrt Mariä vor, und ist vom Pietro Perugino, der im funfzehnten Jahrhunderte gelebt und ein Lehrmeister des Raphael d' Urbino gewesen.
Das Gewölbe unter dem Hauptaltare ist vom Kardinal Oliverius Caraffa im Jahre 1506 angelegt, mit trefflicher Marmorarbeit gezieret, und bewundert man insbesondere die Bluhmenkränze, Früchte, Vögel, Kinder, Engel etc. en bas-reliefs, welche dem Michel Angelo Buonaroti, wiewohl noch mit einigem Zweifel, zugeschrieben werden. Rand links: Kapelle unter dem Hauptaltare. Mit mehrerer Gewißheit ist das Bildniß des Kardinals Oliverius Caraffa (aus Alabastro orientale transparente) hinter dem Altare von ihm. Der Fußboden ist von Verde antico, diaspro, giallo und Porphyr zusammen gesetzt. Der itzige Kaiser hat in diese Kapelle, worinnen der aus der Kirche S. Gennaro extra mœnia hieher gebrachte Körper des heil. Januarius verwahret wird, zwölf silberne Adler verehret, in deren Kronen beständig Lampen brennen, und sind zu ihrem Unterhalte jährlich hundert Scudi gestiftet. Man findet hier auch ein schönes Gemälde auf Holz vom Chevalier Massa, welches Mariam mit ihrem Kinde abbildet. In einer Nebenkapelle sind die Portraite vieler Herren aus der caraffischen Familie, die itztgedachter Kirche sonderbare Wohlthaten erwiesen, zu sehen, desgleichen ein sehr künstlich in Holz geschnittenes Crucifix. Rand links: Taufstein. Oben in der Kirche verdienet ferner der Taufstein, welcher eilftausend fünfhundert Scudi gekostet haben soll, und ein Geschenk des Kardinals Decio Caraffa ist, betrachtet zu werden. Sein Fußgestell ist von Porphyr, das Gefäß von Pietra di Paragone, und das Ciborium von kostbarer zusammengesetzter Marmorarbeit. Dieses Werk ist um das Jahr 1621 verfertiget worden. Rechter Hand, wenn man dem Hauptaltare sich nähert, findet sich ein schöner Altar von eingelegter florentinischer Arbeit, und sein Tabernakel ist mit kostbaren Steinen besetzt. Nicht weit davon ist das Grab des Pabstes Innocentius des vierten, der den Kardinälenden rothen Hut ertheilet hat. Das Grabmaal des unglückseligen Königs Andreas, welchen seine Gemahlinn Johanna stranguliren lassen, ist nahe hiebey und enthält folgende Worte: Rand links: Grab Innocentius des vierten. Epitaphium des unglücklichen Königs Andreas.
Andreæ, Caroli Uberti Pannoniæ Regis F. Neapolitanorum Regi, Joannæ uxoris dolo & laqueo necato: ne Regis corpus insepultum, sepultumve facinus posteris remaneret, Franciscus Berardi F. Capycius sepulcrum, titulum nomenque P. mortuo annor. XIX. 1345. XIV. KL. Octob.
[793] Nicht weit hievon ist ein schönes weiß-marmornes bas-relief, das Johannem den Täufer in der Wüsten vorstellt, nicht außer Acht zu lassen. In dem Chore, woselbst das Domcapitel die Messe höret, ist des Erzbischofs Stuhl, vermöge eines besondern Privilegii, welches der Pabst Benedictus der dreyzehnte ertheilet hat, neun Stufen hoch erhaben. Rand rechts: Erzbischöflicher Stuhl. Ehemals hatten die Canonici dieser Kirche auch das Vorrecht, daß sie den alten Titel der Cardinalium bey ihrer Benennung der Presbyterorum, Diaconorum und Canonicorum beybehielten, wie davon viele allhier befindliche Grabschriften ein deutliches Zeugniß ablegen. Rand rechts: Wie der Titel der Kardinäle ehemals gebraucht worden. Wie sehr diese Benennung vorzeiten unterschieden gewesen von dem Verstande, worinnen sie itzt genommen wird, zeigen MAIMBOVRG im Leben Gregorii M., deSALO in seinem Werke, de l'Origine des Cardinaux du S. Siege, wie auchIoh. Franciscus BVDDEVSin Schediasmate Historico de Origine Cardinalitiæ dignitatis, mit mehrern, und sieht man sonderlich aus der letztern Schrift, daß die Capitulares von Ravenna noch im sechszehnten Jahrhunderte diesen Titel geführet haben.
Der Mutter des Pabstes Bonifacius des neunten hat der Kardinal Ascanius Filimarinus in dieser Kirche folgendes Epitaphium setzen lassen: Rand rechts: Epitaphium der Mutter Bonifacius des neunten.
Gratimolæ Filimarinæ, magnæ matri maximæ sobolis BONIFACII Noni, quæ indito jam infanti auspicato Petri nomine4 vidit vivens, quod nulli antea datum, juvenem filium annum tunc agens quadragesimum quintum, Orbis terræ Patrem, non minus gestiens ab illo filiam se vocari quam Matrem. Vidit non modo triplici coronatum thiara sed coronantem Reges5, jucundius silii pedes osculata quam caput; imo quem genuit, adoravit. Ascanius Filimarinus S. R. E. Cardinalis posuit aano MDCXLVII.
Itztgedachter Ascanius Filimarinus hat auch, weil man keine gewisse Nachricht von der Einweihung dieser Kathedralkirche gehabt, dieselbe im Jahre 1644 mit vielem Gepränge consecriret, und liest man daher in der Facciata der Hauptpforte folgende Worte: Rand rechts: Denkmaal der Einweihung der Domkirche.
Ascanius Philamarinus S. R. E. Cardinalis Archiepiscopus Neapolitanus, Pontificale Templum a Carolo I. & II. Andegavensibus Regibus constructum solenni ritu consecravit die XXIV. Aprilis Anno M DCXLIV.
Dasjenige, so für das vornehmste in dieser ganzen Kirche geachtet wird, ist die zur Rechten desjenigen, der in die Kirche kömmt, befindliche Kapelle il Tesoro genannt. Rand rechts: Kostbare Kapelle il Tesoro. Ihr Frontispicium ist von künstlicher Baukunst und sieht man an demselben die Statuen Petri und Pauli von dem trefflichen Meister Giulian Finelli nebst zwo schönen Seulen von marmo negro macchiato; die Thür ist von Meßing mit schönem Laubwerke gezieret, und soll dieses Werk sechs und dreyßig tausend Scudi gekostet haben. Inwendig sieht man in der runden Kapelle sieben Altäre von schönem Marmor und zwey und vierzig Seulen aus feinem Broccatello. Oben herum stehen ein und zwanzig große Statuen der Heiligen, von bronzo, deren jede auf vier tausend Scudi geschätzet wird. Unter ihnen sieht man die Brustbilder dieser Heiligen von Silber, und zählet man dieser letzten in allen sechszig Stücke. Die meisten der metallenen Statuen kommen von der geschickten Hand des obgedachten Finelli. An der Cuppola haben Giov. Lanfranco, Parmeggiano und Domenichini ihre Malerkunst [794] bewiesen; es ist aber zu bedauren, daß dieses schöne Werk vom Erdbeben vielen Schaden erlitten hat. Hier dem Hauptaltare (welches isolé und ganz von schönem rothen Porphyr ist) finden sich zwo silberne Thüren vor einem Schranke, worinnen das Haupt des heiligen Januarius nebst zwo gläsernen oder krystallenen Phiolen, die das Blut dieses Heiligen in sich halten, verwahret werden. Rand links: Haupt und Blut des heil. Januarius. Das letztere soll von einem neapolitanischen Frauenzimmer an dem Tage, da gedachter Heiliger seinen Märtyrertod erlitten, aufgesammlet worden seyn. Das äußerliche Ansehen und die Gestalt dieser Heiligthümer ist außen an dem silbernen Thurme eingegraben zu sehen. Ordentlicher Weise werden sie dreymal des Jahres zur Verehrung des Volkes ausgesetzet; außerordentlich aber bey Theurung, Pest, schweren Erdbeben und andern Zufällen, da man des heil. Januarius Hülfe nöthig zu haben vermeynet. Es ist bekannt, daß man vorgiebt, als fange das in den Phiolen enthaltene trockne Blut an zu fließen, wenn es dem Haupte des heil. Januarius genähert wird, und machet man insbesondere jährlich am ersten Sonntage des Monats May die Probe damit, in dem festen Vertrauen, es werde das Land und die Regierung glücklich seyn in demjenigen Jahre, da dieses Wunder erfolget, gleichwie man im Gegentheile alles schlimme und traurige befürchtet, wenn das Blut nicht fließen will, und läßt man alsdann an Proceßionen und öffentlichen Züchtigungen des Fleisches nichts ermangeln, um die augedräuete Gefahr abzuwenden. Rand links: Von dem Fließen des Blutes. Die Römischkatholischen sind ihrer Sache in diesem Stücke so gewiß, daß der neapolitanische Jureconsultus FrancescodePIETRI davon schreibt:
Nondum credis Arabs, Scythicis quin Barbarus oris
Consugis ad veræ Relligionis iter?
Aspice, palpa hæc. Stat longum post Martyris ævum
Incorruptus adhuc & sine tabe cruor.
Imo hilaris gliscit, consurgit, dissilit, ardet
Ocyor, extremæ est impatiensque tubæ.
Perfidus an cernis capiti ut cruor obvius, ante
Frigidus & durus, ferveat & liqueat?
Caute vel asperior, vel sit Adamantinus Afer
Sanguine quin duro sponte liquente liques?
Die in dem Gase befindliche Materie ist braunroth und gleicht dem Balsamo Peruviano, welcher auch leicht flüßig gemacht werden kann. An dem Tage, da das Wunder geschehen soll, steht dieses Blut zwischen einer Menge Lichter; das Glas, worinnen es und zwar noch in einer kleinern Phiole (die etwan eines Fingers lang) eingeschlossen ist, wird denen Umstehenden und mit großer Begierde herzu sich dringenden Personen zum Kusse an den Mund und hernach an die Stirn gehalten, bey solcher Gelegenheit stürzt der Priester dasselbe mehr als tausend mal um, daß der Boden oben und auf die Seite zu stehen kömmt. Rand links: Ob man nicht dergleichen Wirkung mit Kunst hervorbringen könne. Die Wärme seiner Hände, der Qualm der Lichter, der Dunst, welcher aus der Menge des Volkes in einer warmen Jahreszeit, und endlich der warme Odem, der aus dem Munde der Küssenden kömmt, nebst andern Umständen, könnten auch eine andere vorher flüßig gewesene Materie schmelzend machen. Es wäre billig, daß man den Ungläubigen und Ketzern [795] genugsame Freyheit vergönnete, die Umstände dieses Wunders genauer einzusehen, anstatt daß sie sich wie andere begnügen lassen müssen, daß der Priester endlich ruft: Il miracolo e fatto, da dann mit großen Freuden das Te Deum laudamus angestimmet wird. HORATIVSSat. 5, lib. I meldet, wie einige heidnische Priester sich der Kunst gerühmet, Weihrauch ohne Feuer schmelzend zu machen6. Rand rechts: Daß die heidnischen Priester dergleichen Kunst gewußt haben. Es ist aber das Blut des heiligen Januarius nicht das einzige in der Stadt Neapolis, welches dergleichen Wunder thut, sondern man giebt auch solches vom Blute des heil. Johannis des Täufers, St. Stephans, St. Pantaleons, St. Vitus und der heiligen Patriciä vor, und geschieht dergleichen Veränderung in denen Kirchen, wo diese Heiligthümer allhier aufgehoben werden, und zwar gemeiniglich an den besondern Festtagen dieser Heiligen. Rand rechts: Mehrere Reliquien vom Blute das flüßig wird. In der alten Sacristey, die zu der obbeschriebenen Cappella del Tesoro gehöret, sieht man über dem Eingange das Brustbild des heil. Januarius aus Pietra Paragona und vor demselben zwo kleine Phiolen, die mit einer rothen flüßigen Materie halb angefüllet sind. Die silbernen Statuen, Leuchter, Lampen, Altarbekleidungen und andere Gefäße, womit die neue Kapelle angefüllet ist, sind über hundert tausend Scudi werth. Rand rechts: Schatz der neuen Kapelle..
Dem Tesoro gegenüber, und also linker Hand, wenn man in den Dom tritt, geht man in die Kirche der heil. Restitutä, welche ehemals die Kathedralkirche gewesen. Rand rechts: Kirche St. Restitutä. Viele ihrer Seulen sollen aus einem Tempel des Neptuns genommen seyn. Ein mosaisches Marienbild an der Wand wird für das erste nicht nur von Neapolis, sondern auch von ganz Italien ausgegeben, welchem eine Verehrung erwiesen worden. Rand rechts: Seulen aus dem Tempel Neptuns. Von dem Alterthume eines Marienbildes. Es scheint aber solches keinesweges von einem so großen Alterthume zu seyn, wie diejenigen vorgeben, welche die Stiftung der besagten Kirche bis auf die Zeiten des heil. Petri und seines Discipels des heil. Aspreno, welcher der erste Bischof zu Neapolis gewesen seyn soll, hinaus setzen. Man zeiget auch ein Crucifix, das von einem in der Bildhauerkunst gänzlich unerfahrnen, oder wie andere vorgeben, gar von einem Blinden verfertiget seyn soll. Rand rechts: Crucifix, welches ein Blinder verfertiget hat.
Auf dem Platze, wo man aus der Domkirche durch eine kleine Pforte nach der Strada Capuana geht, hat die Stadt Neapolis durch Cosmus Fonseca einen schönen marmornen Obeliscus, und auf demselben die Statue des heil. Januarius von Metall aufrichten lassen. Rand rechts: Obeliscus mit der Statue des heil. Januarius. Die daran befindliche Schrift ist folgende:
Divo Januario Patriæ Regnique
præsentissimo Tutelari
Grata Neapolis Civ. optime merito.
Die Statue ist vom Finelli und wird dieser Obeliscus jährlich den 19 Sept. unter Abfeurung der Canonen von den Castellen und einer Musik aufs prächtigste illuminiret.
Die Kirche von S. Francesco di Paola liegt dem Pallaste des Vice-Roy gegenüber und hat einen schönen Fußboden, die Decke von Bildhauerarbeit und ganz verguldet, viele marmorne Zierrathen, sonderlich am Hauptaltare, dessen Tabernakel mit acht unvergleichlichen Seulen pranget. Rand rechts: Kirche S. Franciscco di Paola. Zwo davon sind von Lazuli und die andern sechse von Diaspro verde. Rand rechts: Hauptaltar. In der Mitte dieses Altars wird ein schönes Perspective in Schmelzarbeit vorgestellet. Es sind an demselben auch große Stücke Achat und andere kostbare Steine zu sehen, [796] deren einer mit einem eingegrabenen Bildnisse, welches ohne Menschenkunst von der Natur hervorgebracht seyn und den heil. Franciscus di Paola vorstellen soll, bezeichnet ist. Rand links: Bildniß Francisci di Paola in Achat. Die Malerarbeit hinter diesem Altare wie auch des ganzen Chores ist von Luca Giordano. Unter den Heiligthümern verwahret man zwo kleine Bouteillen voll Milch von der heil. Jungfrauen Maria, welche Milch gleich der weißen Terræe sigillatæ trocken ist, an den Festtagen der Mariä aber flüßig wird. Rand links: Milch der heil. Maria. St. Franciscus di Paola hat in dem daran gelegenen Kloster gewohnet, und durch den Ruhm seiner Heiligkeit das meiste zu dessen gegenwärtigem Reichthume beygetragen. Rand links: Reichthum dieser Kirche. Das Silberwerk allein, womit die Kapelle, welche an die Apotheke des Klosters stößt, ausgezieret wird, kostet zwölf tausend Ducaten und ist darunter der Erzengel Michael von halber Manneshöhe und mit vielen Juwelen besetzet. In der Apotheke ist die treffliche Einrichtung, die angenehmen Wasserkünste, nebst vielen Seltenheiten von Corallen und Edelgesteinen zu betrachten. Rand links: Apotheke. Diese Kirche wird von etlichen auch mit ihrem alten Namen S. Luigi detto di Palazzo benennet.
Die Kirche di S. Gaëtano ist ganz neu und sowohl wegen ihrer Baukunst als schönen Marmorarbeit sehenswürdig. Rand links: S. Gaëtano. Von der Kleidung, die der Kardinal Orsini, nachmaliger Pabst Benedictus der dreyzehnte, als er in einem Erdbeben zu Benevent glücklich erhalten worden, angehabt, und welche hier gezeiget wird, habe ich anderwärts schon Erwähnung gethan.
S. Gennaro extra mœnia oder ad fores wird auch ad Corpus zubenamt, weil des heil. Januarius Leichnam anfänglich daselbst begraben gewesen. Rand links: S. Gennaro extra mœnia. Diese Kirche gehörte ehemals den Benedictinern, anitzt aber dem dabey angelegten Armenhause. Rechter Hand außer derselben findet sich am Berge die Kapelle St. Severi und bey derselben der Eingang in die Catacombas, welche allhier unter denen vieren, die man in Neapolis entdecket hat, die weitläuftigste und im besten Staude erhaltene sind. Rand links: Kapelle St. Severi. Diejenigen, so in den Gedanken stehen, daß dergleichen unterirdische Gänge von den ersten Christen in ihrem bedrängten Zustande, und da sie sich wegen der heidnischen Verfolgungen versteckt halten müssen, angelegt worden, können leicht durch das Anschauen der neapolitanischen Catacomben widerleget werden, weil diese ein so kostbares in Felsen gehauenes Werk sind, daß solches nicht heimlich und ohne große Unternehmung hat ausgeführet werden können. Rand links: Beschreibung der hiesigen Catacomben. Zu geschweigen, daß die Anzahl der Christen währender Oberhand der Heiden niemals weder in Rom noch Neapolis so groß gewesen, daß sie es in kurzer Zeit hätten ausführen können. Der sandige Boden um Rom hat vielleicht nicht gestattet, daß man den dasigen Gängen eine mehrere Breite, als sie wirklich haben, geben können. In Neapolis aber oder vielmehr in der benachbarten Gegend fiel dieser Umstand hinweg, und sind daher die Hauptgänge nicht nur sehr hoch und meist in Felsen gewölbet, sondern auch so breit, daß sechs Personen neben einander gehen können. Daß die alten Römer lange vorher, ehe die Christen die Herrschaft erlangten, ihre Todten auch zu begraben gepflegt, ist eine ausgemachte Sache; die Christen allein hätten auch für ihre todten Leichname keine so weitläuftige Behältnisse nöthig gehabt. Die Körper lagen allhier an den Seiten der Mauer in niedrigen Repositorien oder Fächern vier bis sechs übereinander, und jedes Fach wurde, nachdem es seinen Leichnam bekommen, vornen mit einer Marmorplatte oder mit schmalen Backsteinen vermauert. Weil diese meistentheils weggenommen sind, so findet man nicht so viele Merkmaale von heidnischen Leichen allhier, als zu Rom, wo noch gar viele solcher Behältnisse uneröffnet geblieben. Die Gebeine der vorgegebenen ersten Christen sind weggeräumet und in den Kirchen und Gewölbern verschlossen worden, vielleicht damit diese Waare in desto grösserm [797] Werthe und höherer Rarität bleiben möge; die Knochen aber, welche man noch an etlichen Orten in großer Menge liegen sieht, sind vornehmlich von denen Leuten, die im Jahre 1656 zu Neapolis an der Pest gestorben und hieher gebracht worden. Rand rechts: Woher die itzt hier befindliche Knochen kommen. Man hat bey Besichtigung dieser Catacomben keine geweihete Wachslichter vonnöthen, sondern die Führer bedienen sich etlicher gemeinen Wachsfackeln. Beym Eingange des ersten Gewölbes in den unterirdischen Gängen von St. Gennaro zeiget ein weißes marmornes bas-relief, das den heil. Januarius liegend vorstellet, den Platz, wo dieser Heilige etliche hundert Jahre lang begraben gelegen. Hinter demselben ist des heiligen Severus marmorner Sessel und der Ort seines ehemaligen Grabes zu sehen. Rand rechts: Ehemalige Gräber des heil. Januarius und h. Severus. Man liest dabey die Worte:
Saxum, quod cernis, supplex venerare, viator,
Hic divi quondam jacuerunt ossa Severi.
Nahe dabey zeiget man die Gräber des heil. Agrippino, Lorenzo und etlicher anderer Heiligen; desgleichen einen Altar oder eine kleine Hohlung in die Wand, so mit alter mosaischer Arbeit versehen ist. Man giebt vor, daß die Gänge an den meisten Orten dreyfach über einander geführet sind. Die Nebengalerien sind enge und an vielen Orten, da sie sich etliche italienische Meilen weit hinaus erstrecket haben sollen, vermauert, weil sich die Straßenräuber solcher Schlupfwinkel zu Ausübung ihrer Bosheiten gebrauchet haben. Unter andern findet sich eine Grotte von solcher Höhe, daß man, weil sie oben keine Oeffnung hat, ihre Decke nicht absehen kann. Rand rechts: Warum man viele Gänge vermauert? Hohes Gewölbe. In einem andern großen und weiten Gewölbe, welches, nach dem Vorgeben der Führer, in alten Zeiten der Dom gewesen seyn soll, sind zwo große Seulen des Bogens aus einem Stücke in Felsen gehauen. Nahe dabey wird das alte baptisterium oder die Taufkapelle gezeiget, und findet sich an der Wand folgendes Zeichen,
welches aus den christlichen Zeiten ist, sowohl als andere Gemälde und Schriften, die nun mit dem Kalke meist abgefallen sind. Indessen zeigten ihre gothischen Buchstaben und die Personen der Heiligen, welche vorgestellet wurden, daß sie in nicht gar alten Zeiten verfertiget worden, und daraus nicht der geringste Beweis für die Wohnung der ersten Christen in diesen unterirdischen Gängen genommen werden könne.
S. Giacomo degli Spagnuoli ist von dem Vice-Rè D. Pietro di Toledo gestiftet, dessen vortreffliches Grabmaal auch der Kirche eine große Zierde giebt. Rand rechts: S. Giacomo degli Spagnuoli. Es ist solches von dem berühmten Giovanni da Nola verfertiget, und eines der vornehmsten Bildhauerstücke, welche in Neapolis zu sehen sind. Rand rechts: Grabmaal des D. Pietro di Toledo. Die daran befindliche Inscription ist folgende:
Petrus Toletus Friderici Ducis Alvæ filius, Marchio Villæ Franchæ, Regni Neap. Prorex, Turcar. hostiumque omnium spe sublata, restituta Justitia, Urbe mœniis, Arce Foroque aucta, munita & exornata; denique toto Regno divitiis & hilari securitate repleto, monumentum vivens in Ecclesia dotata & a fundamentis erecta pon. man. vix. ann. LXXXIII Rexit XXI. Obiit M. D. LIII. VII. Kal. Feb. Mariæ Osorio Pimentel conjugis Clariss. imago. Garsia Reg. Sicil. Prorex Marisque Præfectus Parentib. Opt. P. M. D L. XX.
[798] Der Hauptaltar hat gleichfalls schöne, theils erhabene, theils eingelegte Marmorarbeit. Beym Eingange der Kirche liest man unter einer Statue folgende deutsche Verse: Rand links: Deutsche Grabschrift von Hanns Walther von Hiernheim.
Hanns Walther von Hiernnheim bin ich genannt,
Mit Eren füret ich mein Ritterstand
Des Kaysers Carl Rath und Oberster ich was
Seinen Sün Philippsen ich gleichermas
Treulich dienet seine Land und Leut zu verfechten
Als sich aber der Krieg in Friede verwendt
Hab ich zu Ilnehan mein Leben geendt
Der Cörpll ist hie zu der Erde bestatt,
Mein Seel GOtt in Gnaden auffgenommen hatt.
Die Uhr von der Kirche St. Giacomo schlägt die Stunden nicht nach der italienischen sondern deutschen Art zu rechnen, wie man denn überhaupt in Neapolis schon mehr von der so genannten französischen Uhr, als in andern Städten Italiens weis.
Die Kirche di Giesù Maria gehört den Dominicanern, und liest man in der Mitte derselben auf einem großen Steine folgendes Epitaphium einer sicilianischen Dame aus dem Hause Ventimiglia: Rand links: Stunden nach der französischen oder deutschen Uhr. Kirchedi Giesù Maria. Epitaphium Beatricis Vintimiliæ.
D. O. M.
Et quieti æternæ
Beatricis Vintimillæ, Carrette
Normanniæ
March. S. Georg. & Polistin.
Genere, Conjugiis, Pietate, Prudentia
Cum maximis quibusque Fœminis
Comparandæ,
Cui nihil ad summam felicitatem defuisset
Nisi carissima pignora
Carolum Tocco Princip. Montis Milit.
Hyppolitamque Gravinens. Ducem
Immaturo nimis Fato sibi vidisset erepta;
Vixit Ann. LXV. Mens. IV. D. II.
Jo. Dominicus Jacobi F. Milanus
March. S. Georg. & Polistin. Ardorens. Princ.
Matri incomparabili, & B. M.
Honoris, Pietatisque causa P. C.
Ann. Dom. MDCCV.
S. Giovanni à Carbonara hat seinen Zunamen entweder von der benachbarten Straße, die ehemals der Familie von Carbonara gehöret hat, oder von den Kohlen, welche vorzeiten auf diesem Platze sollen gebrannt worden seyn. Rand links: S. Giovanni à Corbonara. Ladislaus, König von Neapolis, Sicilien, Ungarn und Herr von Rom, so sich in Italien genug fürchterlich gemacht, hat hier sein Grab gefunden, nachdem ein von den Florentinern bestochener Medicus, in dessen Tochter der König verliebt war, zu Perusa Gelegenheit gefunden, ihm durch diese Venus, anstatt eines Trankes, wodurch die Tochter des Königs Liebe beständig zu erhalten hoffete, [799] Bist beyzubringen. Rand links: Grab des Königes Ladislaus. Lüderliche Ursache seines Todes. Andere erzählen den Verlauf der Sachen anders, und daß Ladislaus, als er die Stadt Florenz belagert hatte, ihr einen leidlichen Accord ertheilet, wenn sie ihm eines gewissen Medici Tochter, die für das schönste Frauenzimmer der Stadt gehalten wurde, zu seinem Willen überliefern würden, da denn der Vater zwar darein willigen müssen, die Tochter aber zu einer That unterrichtet, welche im Lateinischen folgender Gestalt erzählet wird: Et ita nova Venus ad maritum suum egrediebatur, cui amore deflagranti cum se permitteret, ex domestico mandato incalescentes carnes sudariolo perfricat; qua re venenum in utriusque corpus ea penetravit vehementia, ut mox inter mutuos amplexus ambo exspirarent.
Bey solchen Umständen verdienet Ladislaus wohl nicht den Titel Divi, der ihm auf seinem Epitaphio gegeben wird. Er starb im Jahre 1414. Sein Grabmaal ist zwar nur von gothischer Baukunst, aber dabey von trefflicher Arbeit, und liest man folgende Verse daran:
Improba mors hominum heu semper obvia rebus
Dum Rex magnanimus totum spe concipit orbem,
En moritur, saxo tegitur Rex inclytus isto,
Libera sydereum mens ipsa petivit Olympum.
Ferner an der untern Corniche:
Qui populos belli tumidos, qui clade tyrannos
Percolit intrepidos victor terraque marique;
Lux Italum, Regni splendor clarissimus hic est
Rex Ladislaus, decus altum, & gloria Regum,
Cui tanto, heu lacrymæ! soror illustrissima fratri
Defuncto pulchrum dedit hoc Regina Joanna,
Utraque sculpta sedens Majestas ultima Regum,
Francorum soboles Caroli sub origine primi.
Sannazzar hat aus Dankbarkeit für die Wohlthaten, welche seine Vorfahren vom Könige Ladislaus erhalten, sein Grab mit folgender Poesie beehret: Rand rechts: Sannazzars Poesie auf Ladislaum.
Miraris niveis pendentia saxa columnis
Hospes, & hunc acri qui sedet altus equo.
Quidsi ammos roburque ducis præclaraque nosses
Pectora, & invictas dura per arma manus?
Hic Capitolinis dejecit sedibus hostes,
Bisque triumphata victor ab urbe redit.
Italiamque omnem bello concussit & armis,
Intulit Hetrusco signa tremenda mari.
Neve foret Latio tantum diademate felix,
Ante suos vidit Gallica sceptra pedes.
Cumque rebellantem pressisset pontibus Arnum,
Mors vetuit sextam claudere olympiadem,
I nunc, regna para, fastosque attolle superbos,
Mors etiam magnos obruit atra Deos.
[800] Hinter dem Hauptaltare, welcher von schönem weißen Marmor ist, findet sich das Grab des Gran Siniscalco Caracciolo, eines Favoriten des Königs Ladislaus, von dessen klugen Anschlägen die Königinn Johanna die zweyte großen Vortheil gezogen hatte. Rand links: Epitaphium des Gran Siniscalco Caracciolo. Er wurde im Jahre 1438 in der Nacht vom 25 Aug. auf Anstiften der Herzoginn von Sessa aus purem Neide in seinem Bette ermordet. An seinem Grabmaale liest man folgende vom Laurentio verfertigte Schrift:
Nil mihi ni titulus summo de culmine deerat,
Regina morbis invalida & senio
Fœcunda populos proceresque in pace tuebar,
Pro Dominæ imperio nullius arma timens.
Sed me idem livor, qui Te fortissime Cæsar,
Sopitum extinxit, nocte juvante dolos.
Non me, sed totum lacerat manus impia regnum,
Parthenopeque suum perdidit alma decus.
Syrianno Caracciolo
Avellini Comiti, Venusi Duci, ac Regni Magno Senescallo & Moderatori, Trajanus filius, Melphiæ Dux, Parenti de se deque Patria optime merito erigendum curavit 1453.
Die Kapelle der Marchesi di Vico, aus der Familie Caracciola Rossa, ist vortrefflich schön mit marmornen Statuen und bas-reliefs angefüllet. Rand links: Treffliche Kapelle di Vico. Pietro di Plata, ein spanischer Bildhauer, hat darinnen vor andern seine Kunst an den Statuen Johannis des Täufers, Sebastians, des Lukas, Marcus und St. Georgius erwiesen. Die übrigen Stücke sind von Giovanni da Nola, Girolamo Santa Croce und Annibale Caccavello. In der Kapelle der Familie Miraballa sind zween Löwen nebst sieben andern schönen Statuen aus weißem Marmor zu besehen. Scipio, der bey dem Kaiser Karl dem fünften in großen Gnaden gestanden, hat in der Kapelle der Familie di Somma ein schönes Grabmaal von weißem Marmor. In einer andern Kapelle ist der gekreuzigte Heiland in Lebensgröße vom Georgio Vasari trefflich gemalet. In der Kirche steht die Statue der heiligen Monica in Lebensgröße schwarz angekleidet. Die in der Sacristey auf Holz gemalten geistlichen Historien sind vom Vasari, und findet man daselbst auch das Leiden Christi in sieben schönen marmornen bas-reliefs, die als eine spanische Wand zusammen gelegt werden können, und vom Könige Ladislaus, der sie auf den Altar, wo Messe gelesen wurde, setzen ließ, allenthalben mit herumgeführet worden. Ehemals zeigte man unter andern Heiligthümern dieser Kirche auch Blut von Johanne dem Täufer, welches jährlich des Abends vor seinem Feste anfing zu fließen und zu schäumen, gleich als käme es frisch aus einem Körper. Rand links: Blut Johannis des Täufers, welches zu gewissen Zeiten fließt. Dieses Wunder hielt durch die ganze Octavam an; es kann aber anitzt nicht mehr in dieser Kirche die Ketzer überzeugen, weil nach dem Vorgeben der Augustinermönche, denen sie gehöret, dieses Blut gestohlen worden. Dafür aber sieht man solches Blut und Wunder nun in der Kirche di S. Maria Donna Romita. Wer mehrere dergleichen Mirakel, so die Wahrheit der römischkatholischen Religion noch täglich in allen Theilen der Welt beweisen sollen, zusammen getragen lesen will, kann in des Jesuiten P. Silvestri Pietrasanta weitläuftigem Werke, Taumasia genannt, sein Verlangen zur Genüge stillen. In dem Augustinerkloster bey S. Giovanni Batt Carbonara findet sich eine schöne und mit vielen sowohl lateinischen [801] als griechischen Manuscripten versehene Bibliothek, welche der Kardinal Seripando dahin verehret hat. Rand rechts: Bibliothek.
Die Kirche di S. Giovanni Vangelista del Pontano hat ihren Zunamen von Johanne Joviano Pontano, der Secretär bey dem Könige Ferdinand dem ersten gewesen, und sie im Jahre 1492 gestiftet hat. Man findet sowohl innen als außen an ihren Mauern eine Menge von nützlichen Sentenzen, welche Pontanus verfertiget hat. Rand rechts: S. Giovanni Vangelista del Pontano. Nützliche Sentenzen. Unter den letztern bemerket man folgende:
I. In utraque fortuna, fortunæ ipsius memor esto.
II. Integritate fides alitur, fides vero amicitia.
III. Nec temeritas semper felix, nec prudentia ubique tuta.
IV. In magnis opibus, ut admodum difficile, sic maxime pulchrum est, se ipsum continere
V. Sero pœnitet, quanquam cito pœnitet, qui in re dubia nimis cito decernit.
VI. Hominem esse haud meminit, qui nunquam injuriarum obliviscitur.
VII. Frustra leges prætereunt, quem non absolverit conscientia.
VIII. In omni vitæ genere primum est, te ipsum noscere.
Von denen Epitaphiis, die Pontanus sich und seiner Familie in dieser Kirche gesetzet, hat MISSONT. II, p. m.36, s. zwar viere angeführet; weil aber derselben noch mehrere sind, und sie alle in Ansehung sowohl der aus einem inniglich betrübten Herzen kommenden Gedanken, als der glücklichen Ausdrückungen für unvergleichliche Meisterstücke gehalten werden können, so will ich solche zusammen hieher setzen: Rand rechts: Grabschriften Pontani und seiner Familie.
I.
Tumulus Luciæ Filiæ
Liquisti patrem in tenebris, mea Lucia, postquam
E luce in tenebras filia rapta mihi es.
Sed neque Tu in tenebras rapta es, quin ipsa tenebras
Liquisti, & medio lucida sole micas.
Cœlo te natam aspicio, num Nata parentem
Aspicis? an fingit hæc sibi vana Pater?
Solamen mortis miseræ, Te Nata, sepulchrum
Hoc tegit, haud cineri sensus inesse potest.
Si qua tamen de Te superat pars Nata, fatere
Felicem quod Te prima juventa rapit.
At nos in tenebris vitam luctuque trahemus,
Hoc pretium Patri, Filia, quod genui.
Musæ, Filia, luxerunt Te in obitu, at lapide in hoc luget Te Pater tuus, quem liquisti in squalore, cruciatu, gemitu, heu, heu! Filia, quod nec morienti Pater adfui, qui mortis cordolium tibi demerem; nec sorores ingemiscenti collachrymarentur misellæ; nec Frater singultiens, qui sitienti ministraret aquulam; nec Mater ipsa, quæ collo implicita, ore animulam acciperet infelicissima; hoc tamen felix, quod haud multos post annos revisit, tecumque nunc cubat. Ast ego felicior, qui brevi cum utraque edormiscam eodem in conditorio. Vale Filia. Matri frigescenti cineres interim caleface, ut post etiam refocilles meos.
[802] Joannes Jovianus Pontanus L. Martiæ Filiæ dulciss. P. quæ vixit Ann. XIIII. Men. VII. D XII.
II.
Auf seinen Sohn Lucium:
Has, Luci, Tibi & inferias & munera solvo,
Annua vota piis, heu mihi! cum lachrymis.
Hæc, Luci, Tibi & ad tumulos positumque feretrum
Dona, Pater, multis diluo cum lachrymis.
Hæc dona, inferiasque, heu, heu, hunc, Nate, capillum,
Incanamque comam, accipe, & has lachrymas.
His lachrymis, his Te inferiis, hoc munere condo,
Nate, vale æternum, o & valeant tumuli.
Quin & hient tumuli, & tellus hiet, & Tibi me me
Reddat & una duos urna tegat cineres.
Pont Pater Luc. Franc. Fil. infelici.
III.
Auf Lucilium einen andern seiner Söhne:
Lucili, tibi lux nomen dedit, & dedit ipsa
Mater Stella Tibi, stellaque luxque simul.
Eripuit nox atra, nigræ eripuere tenebræ,
Vixisti vix quot littera prima notat.
Hosne dies? breve tam ne Tibi lux fulsit & auræ
Maternum in nimbis sic tenuere jubar?
Infelix fatum, puer heu male felix, heu! quod
Nec puer es, nec lux, nec nisi inane quid es.
Floreat ad pueri tumulum, ver halet & urnæ
Lucili, & cineri spiret inustus odor.
Dies L. non implesti, Filiole, breve Naturæ specimen, æternus Parentum mœror ac desiderium.
IV.
Auf seinen Sohn Franciscum:
Has aras Pater ipse Deo templumque parabam,
In quo, Nate, meos contegeres cineres.
Heu fati vis læva, & lex variabilis ævi,
Nam Pater ipse Tuos, Nate, struo tumulos.
Inferias puero senior, Natoque sepulchrum
Pono Parens, heu! quod sidera dura parant.
Sed quodcumque parant, breve sit, namque optima vitæ
Pars exacta mihi est, cætera funus erit.
Hoc Tibi pro tabulis statuo, Pater, ipse dolorum
Hæres, Tu tumulos pro patrimonio habe.
Vix. ann. XXIX. Mens. V. Dies III. Francisco F. Pontanus Pater An. Christi 1498. Die 24. Augusti.
[803] V.
Auf seine Frau:
Illa thori bene fida comes custosque pudici
Cuique & acus placuit, cui placuere coli.
Quæque focum castosque Lares servavit & aræ
Et thura & lachrymas, & pia serta dedit.
In prolem studiosa parens, & amabilis uni
Quæ studuit caro casta placere viro.
Hic posita est Ariadna, rosæ violæque nitescant
Quo posita est Syrio spiret odore locus.
Urna crocum Dominæ fundat, distillet amomum
Ad tumulum, & cineri sparsa cilissa fluat.
Quinquennio postquam uxor abiisti, dedicata prius Ædicula monumentum hoc Tibi statui, Tecum quotidianus ut loquerer, nec si mihi non respondes, nec respondebit desiderium Tui, per quod ipsa mecum semper es; aut obmutescit memoria, per quam Tecum non loquor. Ave igitur, mea Hadriana, ubi enim ossa mea Tuis miscuero, uterque simul bene valebimus. Vivens Tecum vixi Ann. XXIX. D. XXIX victurus post mortuus æternitatem æternam. Joannes Jovianus Pontanus Hadrianæ Saxonæ uxori Opt. ac benemerentiss. P. quæ vixit Ann. XLVI. mens. VI. Obiit Kalend. Mar. An. M. CCCC. LXXXX.
VI.
Auf sich selbst:
Vivus domum hanc mihi paravi,
In qua quiescerem mortuus.
Noli obsecro injuriam mortuo facere,
Vivens quam fecerim nemini.
Sum etenim Joannes Jovianus Pontanus,
Quem amaverunt bonæ Musæ,
Suspexerunt Viri probi
Honestarunt Reges Domini.
Scis jam, qui sum, aut qui potius fuerim.
Ego vero Te, Hospes, noscere in tenebris nequeo;
Sed teipsum ut noscas, rogo. Vale
VII.
Auf einen guten Freund:
Quid agam, requiris?
Tabesco.
Scire qui sim cupis?
Fui.
Vitæ quæ fuerint condimenta, rogas?
Labor, dolor, ægritudo, luctus,
Servire superbis dominis,
Jugum ferre superstitionis,
Quos caros habeas, sepelire,
[804] Patriæ videre excidium;
Nam uxorias molestias nunquam sensi.
Petro Compatri,
Viro officiosissimo
Pontanus posuit,
Constantem ob amicitiam
Ann. LIII. Obiit MDI. 15. Kal. Decemb.
Die Kirche di S. Giovanni Maggiore soll ehemals ein Tempel, den der Kaiser Hadrian seinem Lieblinge Antinous aufrichten lassen, gewesen, von Konstantin dem großen aber und seiner Mutter Helena dem Joh. Baptistæ geweihet worden seyn. Rand links: S. Giovanni Maggiore. Diejenigen, so den Namen Parthenope, welchen die Stadt geführet, ehe sie Neapolis genennet worden, von einer thessalischen Prinzeßinn, Parthenope genannt, herleiten, behaupten, daß ihr Grabmaal noch in dieser Kirche, wohin es von einem andern Orte gebracht seyn soll, zu sehen sey. Rand links: Vermeyntliches Grabmaal der Prinzeßinn Parthenope. Ich habe aber auf solchem Grabsteine nichts anders als folgende Zeichen finden können.
† OMNIGENVMREX AITOR
PARTEOPEM EGE FAVSTE
Aus dem Worte EGE oder Tege, welches in der letzten Zeile vorkömmt, will man schließen, daß dieses eine Grabschrift sey; allein ich zweifele, ob in dergleichen Gelegenheit das letzte Wort Fauste gewöhnlich sey. Ferner müssen die Vertheidiger der obangeführten Meynung nothwendig vorgeben, daß die mittlere und größere Zeile, es mag solche nun auf Sanctum Johannem oder auf S. Januarium zielen, erst in den neuern christlichen Zeiten auf den Stein gekommen. Allein beyde andere Zeilen sind von gleichen longobardischen und gothischen oder noch neuern Buchstaben, und hat hierinnen keine vor der andern etwas voraus. Daß man auch in Neapolis selbst von gemeldter fabelhaften Meynung zurück komme, bezeuget folgende neuere Schrift, die in der Wand unter dem alten Steine auf eine marmornen Tafel eingemauert ist:
Vetus quod suspicis saxum
Si fuit, quod creditur, sepulchrale,
Non Parthenopen condidit,
[805] Sed superstitionem
Namque pulsis inanibus Diis
Constantinum Mag. & Constantiam filiam
Voti reos
Templum hoc, initiante Sylvestro,
Christianis destinasse sacris
Priscus id monet unum lapis
Qui, ne tibi unquam, quisquis es, imponat,
Crucifixi sodalitas
Recenti hoc lapide cavit
Ann. a part. Virg. M DCLXXXIX.
Vor der Sacristey war ehemals auf der Erde folgende Grabschrift des Jani Anisii zu lesen: Rand rechts: Grabschrift Jani Anisii.
Onustus ævo
Janus hic Anisius
Quærens melius iter
Reliquit sarcinam,
Qua prægravato
Nulla concessa est quies,
S.
Tum si qua fulsit
Cum Cameonis hæc stetit
Quæ mox facessivere
Plus negotii
H. M. H. N. S.
Hoc de suo sumsit
Sacrum est
Ne tangito.
Als man aber vor etlichen Jahren die Kirche repariret und einen neuen Fußboden geleget, ist dieser Grabstein anders wohin gebracht worden.
Die Kirche S. Giovanni Pappacodi führet den letzten Namen von ihrem Stifter, der aus Unbedachtsamkeit und Uebereilung allhier noch lebendig und nur in einer Apoplexie begraben worden, wie man drey Tage hernach, als einer seiner Verwandten (der vom Lande in die Stadt gekommen) den Sarg öffnen lassen, aus der veränderten Lage des Körpers hat urtheilen können7. Rand rechts: S. Giovanni Pappacodi. Ursprung der Benennung.
Aus dieser Familie liegen zween Bischöfe allhier begraben, deren der eine die Kardinalswürde ausgeschlagen, der andere aber durch seine Freygebigkeit gegen die Armen, vielen Geistlichen zum Exempel dienen können. Ihre Epitaphia sind folgende:
[806] Sigismundo Pappacudæ Franc. F. Tropejensium Præsuli, Viro Opt. & Jurisconsulto, qui cum in cœtum Cardinalium fuisset a Clemente VII. adscitus, maluit in patria Episcopus vivere. Hæredes pos. Vixit ann. LXXX. M. VI. D. X. Obiit 1536. Rand links: Epitaphium Sigism. Pappacudæ. undAngeli Pappacudæ
Angelo Pappacudæ Franc. Fil. Martoranensi Episcopo, viro ornatiss. qui in non magnis opibus magnum exercens animum, nulla magis in re, quam in aliorum levanda inopia suis bonis usus est. Hæredes B. M. Decessit ex mortalibus Ann. nat. LXVI. ab ortu mundi redivivi 1537.
Die Facciata der Kirche ist mit vielen gothischen Zierrathen versehen.
In der Kirche di S. Giuseppe, so denen Jesuiten gehörig, sieht man vier schöne korinthische Seulen aus grauem Marmor, die bey sechszig palmi in der Höhe und neun im Umfange haben, jede aus einem einzigen Stücke. Rand links: S. Giuseppe de' Giesuiti. Gemälde. In der Tribuna war vordem ein großes Gemälde, das den h. Joseph mit dem Kindlein Jesu auf dem Arme unter vielen Engeln vorstellte, und welches Francesco di Maria, ein berühmter neapolitanischer Maler verfertiget hat, zu sehen; allein dieses ist nun in die Sacristey gebracht, und an seine Stelle ein noch trefflicheres, worauf Amato die Aeltern des Heilandes mit ihrem Kindlein abgebildet hat, gestellet worden. Rechter Hand von der Sacristey herunter gerechnet, ist über einem Altartische unter einer Decke und Glas St. Xaverius in einer sehr andächtigen Gestalt vom Luka Giordano gemalet, welcher auch die übrigen Stücke der Kapelle, worinnen dieser Altar steht, verfertiget hat. Rand links: Treffliches Gemälde. Gegenüber ist gleich falls über einem Altartische das von de Mattheis gemalte und mit einem Vorhang und Glas versehene Stück, so die Mariam mit ihrem Kindlein auf den Armen vorstellet.
Es ist solches wegen der Schönheit der h. Mariä unvergleichlich, und verdienet, daß man allein wegen desselben diese Kirche nicht vorbey gehe. Die Kanzel ist von Marmor, worinnen viele kostbare Steine eingeleget sind.
Die Kirche di S. Lorenzo derer Minoriten hat ein schönes hohes und breites Gewölbe, und auf dem Hauptaltare die marmornen Statuen St. Francisci, St. Antonii und St. Laurentii, woran Giovanni da Nola seine Kunst bewiesen hat. Rand links: S. Lorenzo de' Padri Minori. Die drey darunter befindlichen bas-reliefs nebst der h. Maria, die in der Mitte von vielen Engeln über besagten drey Statuen erscheint, sind von unbekannten Händen. Auf der Seite des Evangelii ist die nach dem Dessein des Cavalier Cosmo Fansago gebauete Kapelle des heil. Antonii von Padua sehenswürdig, welche aber von der Cappella del Rosario noch übertroffen wird. Rand links: Cappella del Rosario. In dieser finden sich zwo schöne Seulen vonVerde antico und ein mit Lapis Lazuli, Topas, Achat, Jaspis und andern kostbaren Steinen eingelegter Altar. An den zwo Seiten der Kapelle stellen die Statuen eines Mannes und einer Frauen über ihren Grabmaalen, die Stifter dieser Kapelle, nämlich Johannem Camillum Cacace und seine Ehegenoßinn vor. Den Statuen selbst fehlet, wie man zu sagen pflegt, nichts als die Rede, und sind sie eine vollkommene Probe der künstlichen Hand des Andrea Bolgi da Carrara, welchen man um dieses Werkes willen von Rom kommen lassen.
In der Kapelle, die von ihrer Stifterinn der Königinn Margaretha, einer Gemahlinn Karls des dritten, den Namen la Reina führet, ist Karl, Herzog von Durazzo, den Ludwig. König in Ungarn, um seines strangulirten Bruders Andreä Tod zu rächen, im Jahre 1347 enthaupten lassen, desgleichen Robert von Artois mit seiner Gemahlinn Johanna, Herzoginn von Durazzo (welche beyde von der Königinn Margaretha mit Gift hingerichtet worden) und Maria, eine Tochter Karls des dritten, mit kurzen Epitaphiis begraben. Rand links: Grabmaale in der Kapelle la Reina. Katharina,[807] des Kaisers Albert des ersten Tochter, und eine Gemahlinn Karls Herzogs von Calabrien, liegt bey dem Eingange des Chores in einem auf vier Seulen ruhenden Sarge, und Ludwig, ein Sohn des neapolitanischen Königs Robert, nahe bey der Cappella di Rocco. Sein vollständiges Epitaphium ist folgendes: Rand rechts: Epitaphium Ludwigs, eines Sohnes Roberts.
Hic requiescit spectabilis Juvenis Dominus Ludovicus filius Serenissimi Principis Domini Roberti, Dei gratia, Hierusalem & Siciliæ Regis illustris, & claræ memoriæ quondam Dominæ Joannæ Consortis ejus inclyti Principis Domini Petri Regis Aragonum filiæ, qui obiit anno Domini 1310. die 12. Men. Augusti. Ind. 8.
In der Sacristey wird der heil. Hieronymus, als das erste Stück so auf Oelfarben und zwar im Jahre 1436 von Cola Antonio de Fiore gemalet worden, gezeiget. Rand rechts: Altes Stück von Oelfarben.
Es wird aber die Erfindung der Oelfarben mit Recht den Neapolitanern streitig gemacht, und solche vielmehr Johann von Brüggen, einem Flamländer, der sich bey der Malerkunst auch auf die Chymie legte, zugeschrieben. Rand rechts: Erfindung der Oelfarben. Dieser führet auch den Namen Johann van Eyck, war gebohren im Jahre 1370, und starb 1441. Die Zeit der Erfindung fällt in den Anfang des funfzehnten Jahrhunderts, und am spätesten in das Jahr 1410, wiewohl auch Malvasia in Bologna etliche noch ältere Gemälde mit Oelfarben, nebst den beygesetzten Jahren und Namen der Meister will gefunden haben, um daraus die Ehre der Erfindung seinen Landsleuten, den Bolognesern, zuzueignen. Uebrigens trägt der Unterschied der Zeit wenig aus, und vorher malete man insgemein nur à fresco.
Johannes Baptista della Porta, ein anderer Plinius Major seiner Zeit, ist im Jahre 1610 gestorben, und allhier in dem Erbbegräbnisse seiner Familie beygesetzt. Rand rechts: Grabmaal Joh. Bapt. della Porta. Jac. Rocchi. An einem andern Monument liest man:
Jac. Rocchus Patritius Neapolit. postquam Arragoneis quatuor Regibus & apud Turcas & Ægyptios atque alios fideliter servivit domum rediens hoc sibi condidit M. D. III. Quisquis es, hoc Te sepultus rogat, sua ne moveas nec inquietes ossa, ut qui vivus nunquam quievit, saltem quiescat mortuus.
In der Cappella della S. Imagine detta Ecce Homo, worinnen das Grab Bartholomæi Agricolæ, eines Deutschen, und wegen seiner Heiligkeit, wie auch Wunderwerke berühmten Franciscanermönchs ist, zeiget man ein gemaltes Bild unsers Heilandes, welches als es von einem über seinen Verlust erbitterten Spieler mit einem Dolche durchstochen worden, drey Blutstropfen von sich gegeben und seine rechte Hand auf die Wunde geleget haben soll. Rand rechts: Wunderthätiges Bild Christi. In einer Kapelle unter dem Chore ist die Historie, wie der h. Ludwig seinen Bruder Robert krönet, durch Simone Cremonense, der um das Jahr 1335 gelebet hat, nach dem Leben gemalet. In der Galerie des Klosters liest man unter einem Monument, das schöne bas-reliefs hat, die Worte Rand rechts: Nachdrückliche Grabschrift Puderici.
Hospes, quid sim vides,
Quid fuerim nosti,
Futurus ipse quid sis
Cogita,
Errico Puderico Franciscus Filius.
Nahe dabey ist das Grabmaal von vier Brüdern aus der Familie Altemorisco.
In dem Refectorio dieses Klosters hat der Vice-Roy Comte d'Olivares durch den berühmten sicilianischen Maler Luigi Roderico die zwölf Provinzen des Königreichs Neapolis malen lassen. Rand rechts: Refectorium des Klosters. Alle zwey Jahre versammeln sich allhier die Stände des Reichs, um wegen [808] des freywilligen Geschenkes, das sie ihrem Souverain zu geben pflegen und öfters über funfzehnmal hundert tausend Scudi gestiegen ist, Abrede zu nehmen. Rand links: Don Gratuit der Reichsstände.
S. Maria Annunziata ist eine der schönsten Kirchen in der Stadt. Rand links: S. Maria Annunziata. Wo man nur hinsieht, finden sich schöne Gemälde, Verguldungen, Statuen, Grabmaale und andere Bildhauerwerke. Der Hauptaltar allein hat mit seiner Kapelle drey und zwanzig tausend Scudi zu vergulden, und über dieses an anderer Arbeit, bey welcher Lapis Lazuli, Carniol, Jaspis, Achat, Diaspro und andere kostbare Steine nicht gesparet sind, noch achtzigtausend Ducaten gekostet. Rand links: Kostbarkeit des Hauptaltares. Bey dergleichen Rechnungen aber und in gemeinen Reden versteht man allezeit zehn Carlini unter einem Ducaten. Rand links: Wie hoch ein Ducate gerechnet werde. Das Silberwerk in der Sacristey dieser Kirche soll noch vor wenigen Jahren über ein und zwanzigtausend Mark gewogen haben. In dem Tesoro ist ein schönes Grabmaal Alphonsi Sancii de Luna, der im Jahre 1564 gestorben ist, zu bemerken. Rand links: Schatz der Kirche. Rechter Hand des Hauptaltares (wenn man das Gesicht gegen selbiges wendet) steht die Statue einer Dame, die einen Todtenkopf in der Hand hält und betrachtet. Unter ihr ist folgende mehr als schmeichlerische Inscription eingegraben:
Hospes legas nec lugeas rogo, illa Isabella Richisentia Cardonia Neap. Proregina jacet hic, quam si oculis in terris vidisse viventem summa fuit beatitudo, quanto feliciores erunt, quibus animo in cœlis eamdem (quinam mori potuit) contemplari contigerit. Rand links: Schmeichlerische Grabschrift Isab. Richisentiæ doniæ. Credendum est, ejus formam & virtutem animæ ad æternam gloriam fuisse comites. Occidit aurora oriente ætatis suæ ann. XXXVI. V. Mart.
Bey dem Haupteingange der Kirche ist Ferdinand Manlius ein berühmter Baumeister begraben, mit folgendem Epitaphio, welches aber mit der Zeit völlig ausgetreten und unleserlich wird: Rand links: Epitaphium Ferd. Manlii,
D. O. M. Ferdinandus Manlius Neap. Camp. Architectus, qui Petri Toleti Neap. Pror. auspicio, Regiis ædibus extruendis, plateis sternendis, cryptæ aperiendæ, viis & pontibus in ampliorem formam restituendis, palustribusque aquis deducendis præfuit, cujus elaboratum industria, ut tutius viatoribus iter, Timotheo Enciclio Mathemat. Pietatis rarissimæ filio, qui vixit ann. XIX. M. D. VC. B. V. sibi ac suis vivens fecit. A Christo nato M. D. LIII.
Ferner liest man bey dem Hauptaltare folgende Grabschrift der Königinn Johannä der zweyten: Rand links: der Königinn Johannä der zweyten.
JOAANNÆ II. Hungariæ, Hierusalem, Siciliæ, Dalmatiæ, Croatiæ, Ramiæ8, Serviæ, Galatiæ, Lodomeriæ, Comaniæ, Bulgariæque Reginæ, Provinciæ & Folcalquerii ac Pedemontis Comitissæ, Anno Domini M.CCCC.XXXV. die II. Mensis Febr.
Regiis ossibus & memoriæ, sepulchrum, quod ipsa moriens humi delegerat, inanes in funere pompas exosa, Reginæ pietatem secuti, & meritorum non immemores Oeconomi restituendum & exornandum curaverunt, magnificentius posituri, fi licuisset. Anno Domini M.DC.VI. Mens. Maji.
Bey der einen Kirchthüre hält eine kleine Statue die Worte:
Purissimum Virginis templum
caste memento ingredi.
[809] Unter den Heiligthümern der Kirche wird ein großes Stück vom Kreuze Christi, etwas von der Dornenkrone, und zween ganze Körper von denen Kindern, die Herodes hat hinrichten lassen, verwahret. Rand rechts: Reliquien.
Das zu dieser Kirche gehörige Hospital, la Casa Santa genannt, ist eines von den reichsten in der ganzen Welt, und werden die jährlichen Einkünfte, welche es an Ländereyen, Zehnden, Zöllen, Renten, Stiftungen etc. besitzt, auf zweymal hundert tausend Ducaten, und von andern gar auf eine Million Scudi gerechnet. Rand rechts: Reichthum des Hospitals la Casa Santa Hingegen sind die Ausgaben auf Kranke, Arme, Findlinge und was zu andern guten Anstalten verwandt worden, nicht geringer, daher man mit Recht über dem Haupteingange desselben folgende vier Verse setzen können: Rand rechts: Anstalten.
Lac pueris, Dotem innuptis, Velumque pudicis,
Datque medelam ægris hæc opulenta domus.
Hinc merito sacra est illi, quæ nupta, pudica,
Et lactans; orbis vera medela fuit.
Die Zahl der ausgesetzten Kinder, die hier erzogen werden, erstrecket sich öfters über zweytausend fünf hundert, und sind bisweilen in einer einzigen Nacht bey zwanzig Kinder in das zu solchem Ende sowohl Tages als Nachts offen stehende Rad oder Maschine geleget worden. Rand rechts: Wegen der Findlinge. Täglich müssen sich acht Ammen bereit halten. Die Kinder werden zu Handwerkern, mechanischen Wissenschaften und auch wohl zum geistlichen Stande erzogen, weil die in diesem Hospital aufgenommene Findlinge, kraft eines vom Pabste Nikolaus dem vierten erhaltenen Privilegii, ohngeachtet ihrer in Zweifel hangenden ehelichen Geburt, dennoch auch so gar der priesterlichen Würde fähig erkläret worden sind. Die Mägdchen werden, wenn sie erwachsen, in den Haushaltungsgeschäfften des Hospitals und zur Erziehung oder Unterweisung der kleinen Kinder gebraucht, in die Klöster aufgenommen, oder mit einem Brautschatze von hundert bis zweyhundert Ducaten ausgesteuret; und belief sich ehemals diese letzte Ausgabe oftmals in einem Jahre über zehntausend Ducaten, gleichwie die Unterhaltung der Findlinge bisweilen über funfzehntausend Ducaten jährlich zu stehen kam. Die aus dem Hospital verheiratheten Mägdchen werden allezeit wieder darinnen aufgenommen, wenn sie nothleidende Witwen, von ihren Männern verlassen, oder sonst ohne ihre Schuld unglücklich in ihrer Ehe