[835] Sechsigstes Schreiben.

Von den Alterthümern und natürlichen Merkwürdigkeiten, die außerhalb der Stadt Neapolis auf der Seite gegen Pozzoli, Baja, Cuma, Miseno etc. angetroffen werden.

Die Gegenden um Pozzoli, Cuma etc. verdienen, daß ein Fremder, der Nutzen von seinen Reisen zu haben verlanget, etliche Tage anwende, um die Merkwürdigkeiten dieser Orte recht in Augenschein zu nehmen. Wenn man aus der Vorstadt Chiaja nach der Grotta del Monte di Posilipo geht, liegt linker Hand auf der Höhe in einem Garten, welchen anitzt Don Paolo Ruffo besitzt, der Ueberrest eines von Quadersteinen und ehemals in der Form einer Pyramide erbauetenMausolei, wovon aber nur der unterste Theil, der einem hohen Backofen nicht unähnlich ist, übrig geblieben1. Rand rechts: Grab Virgils. Der Weg dazu ist ohne Führer nicht zu finden, auch auf der Seite nach der pausilypischen Höhle wegen seiner Enge und der daselbst befindlichen steilen Tiefe für Leute, die dem Schwindel unterworfen, nicht ohne Gefahr. Dieses Alterthum wird insgemein für des berühmten Poeten Virgils Grab ausgegeben, ohne daß man einen tüchtigen Grund dieser Muthmaßung anzugeben weis. In dem Gewölbe finden sich rings herum in der Mauer zehn kleine niches oder Aushöhlungen, worinnen Urnen gestanden zu haben scheinen. Nach dem Berichte des ehemaligen Bischofs zu Ariano, Alphonsi deHEREDIA, soll vorzeiten allhier die marmorne Urne, worinnen Virgils Asche verwahrt gewesen, auf neun kleinen Marmorseulen geruhet haben, von welchen allen aber heut zu Tage nichts mehr zu sehen, auch ganz ungewiß ist, wo solche Alterthümer hingekommen. Etliche geben vor, man habe sie denen darum anhaltenden Mantuanern zum Geschenke gegeben, andere aber behaupten, sie wären an den Kardinal von Mantua gekommen. Die dritte Meynung ist, daß die Urne nach Genua gebracht, die Seulen aber zu andrem Gebrauche verwendet worden. Dieses ist gewiß, daß man in Mantua selbst, allwo man sich übrigens mit der Landsmannschaft dieses berühmten Poeten nicht wenig groß zu machen pflegt2, nichts davon weis. PietrodiSTEFANO, der von den Kirchen der Stadt Neapolis geschrieben, meldet, daß noch zu seiner Zeit, nämlich im Jahre 1560 die gemeldte Urne und Seulen vorhanden, und dabey folgendes Distichon zu lesen gewesen:


Mantua me genuit: Calabri rapuere: tenet nunc

Parthenope: cecini pascua, rura, duces.


Diese Ueberschrift hatte Hieronymus deALEXANDRO, Duca di Pescolanciano, als Besitzer dieses Gartens im Jahre 1684 erneuert, und weil auf dem mit Erde und Buschwerke bewachsenen Mausoleo auch etliche Lorberbäume hervorgekommen, von welchen man vorgiebt, daß sie nicht ausgerottet werden können, sondern immer aufs neue wieder hervor [836] wachsen, so hat solcher Umstand den Vice-Roy D. Pietro Daragona Gelegenheit gegeben, zum Lobe Virgils folgende Verse als einen Anhang des itztangeführten Distichi zu verfertigen: Rand rechts: Poesie auf die Lorberbäume, so vor sich darauf gewachsen.


Ecce meos cineres tumulantia saxa coronat

Laurus rara solo, vivida Pausilypi.

Si tumulus ruat æternum hic monumenta Maronis

Servabunt lauri, lauriferi cineres.


Virgilii Maronis super hanc rupem superstiti tumulo, sponte enatis lauris coronato sic lusit Aragon. Welche Verse und Worte einer weitläuftigen Inscription, die unten am Wege vor dem Eingange der pausilypischen Höhle zu lesen ist, beygefüget worden. Heut zu Tage findet sich in dem ganzen Mausoleo keine andere als folgende Schrift:


Quæ cineris tumulo hæc vestigia? conditur, olim

Ille hoc qui cecinit, pascua, rura, duces.


Daß Silius Italicus nebst der Villa Ciceronis auch das Landgut, worinnen Virgils Grab befindlich gewesen, an sich gekaufet, zeiget MARTIALIS in folgenden artigen Versen:


Silius hæc Magni celebrat monumenta Maronis,

Jugera facundi qui Ciceronis habet.

Hæredem dommumque sui tumulique larisque

Non alium mallet nec Maro, nec Cicero.


Ueber den Umstand, daß keine Urne vom Virgil mehr vorhanden, auch sein Grab ganz verfalle, hat jemand folgende vom SARNELLI angeführte Gedanken gehabt:


Quod scissus tumulus, quod fracta sit urna, quid inde?

Sat celebris locus nomine Vatis erit.


Zu Sorrento in der Gegend des Berges Vesuvius zeiget man auch etliche Lorberbäume, die über dem verfallenen Mauerwerke des Hauses, worinnen Torquato Tasso gebohren worden seyn soll, freywillig hervorgewachsen; gleichsam als wenn die Natur hiedurch das Vaterland eines so großen Poeten habe krönen, und solchergestalt den Streit zwischen Pergamo, Neapolis, Salerno und Sorrento, deren jede die Geburtsstadt des Tassus seyn will, zum Vortheile der letzten entscheiden wollen.

Ein Reisender thut am besten, wenn er das Grab Virgils nicht auf seinem Wege nach Pozzoli, sondern insbesondere oder zugleich mit der Kirche S. Maria del parto und andern Merkwürdigkeiten der Vorstadt Chiaja besieht. Wenn [837] Wenn man zu Wasser von Neapolis nach Pozzoli geht, fährt man nicht weit vom Promontorio Pausilypi vor einem in Felsen gehauenen runden Gewölbe vorbey, welches für den Ueberrest eines Templi Veneris gehalten wird. Rand rechts: La Scuola di Virgilio. Das gemeine Volk nennet es, ich weis nicht warum, la Scuola di Virgilio.

Vor alten Zeiten mußte man über den Berg Pausilypus (welcher wegen seiner Annehmlichkeit und ἀπὸ τῆς παύσεος τῆς λύπης diesen Nomen führen soll), wenn man von Neapolis nach Pozzoli und ferner wollte. Rand rechts: Berg Pausilypus. Anitzt aber ersparet man solche Mühe, weil eine breite Straße durch den Berg in gerader Linie gebrochen ist. Rand rechts: Höhle oder Straße durch diesen Berg. Das Gewölbe dieser Höhle, so meistentheils durch große Felsen, bisweilen aber auch durch Sandadern geht, ist bey seinen beyden Eingängen ohngefähr achtzig bis hundert Fuß hoch, damit die Helle des Tageslichtes desto weiter in dasselbe fallen möge, in der Mitte aber wird es niedriger. Von beyden Seiten des Berges hat man nach der Mitte der Höhle, um diese desto heller zu machen, Luftlöcher geführet, die aber von keinem großen Vortheile sind, und weder der Dunkelheit noch dem vielen Staube, der den Reisenden sehr beschwerlich fällt, abhelfen3.

Es wird zwar der Boden, welcher unter dem Vice-Roy D. Pietro di Toledo und zu Zeiten Karls des fünften mit breiten Steinen, womit auch die Straßen der Stadt Neapolis beleget sind, gepflastert worden, zu verschiedenen malen im Jahre gereiniget, und alsdann hat man über den Staub nicht sehr zu klagen; allein diese Bequemlichkeit hat wegen der Menge derjenigen, die durch diesen Weg gehen, reiten und fahren, gar kurze Zeit Bestand. Rand rechts: Staub darinnen. Die Breite desselben ist von achtzehn bis zwanzig Fuß, dergestalt, daß zween Wagen einander gar wohl ausweichen können; damit aber desto weniger Verdruß entstehe, und keiner an den andern stoße, so ruft man an den dunkeln Orten den entgegenkommenden zu, auf welche Seite sie sich halten sollten, und deuten alsdann die Worte alla Montagna auf die Wand, welche der Stadt Neapolis näher, und demjenigen der aus derselben kömmt, zur rechten Hand ist,alla marin aber auf die Seite zur linken Hand.

Die Länge der Höhle wird auf dreyhundert und vier und vierzig Canne, oder siebenhundert Schritte und etwas mehr als eine halbe italienische Meile gerechnet. Linker Hand und in der Mitte derselben ist eine kleine Kapelle, worinnen beständig eine Lampe brennt, im Felsen gehauen. Das gemeine Volk schreibt diese Grotte der Zauberey des Virgils zu4, und die neapolitanischen Scribenten, so hierinnen dem Strabo folgen, einem gewissen Coccejus, [838] von welchem sie aber keine fernere Nachricht zu geben wissen5. Rand rechts: Urheber dieser Grotte. Nach dem Strabo gedenket derselben Seneca in seinem 57ten Briefe, worinnen er sich über derselben Dunkelheit und den Staub, den er darinnen ausgestanden, nicht genug zu beklagen weis. Vermuthlich hat man auf die völlige Durchbrechung einer Straße anfänglich nicht gedacht, sondern nur die zu Aufführung der Gebäude in Neapolis und Pozzoli benöthigten Quaderstücke herausgebrochen, bis man auf beyden Seiten soweit in den Berg gekommen, daß man zum Vortheile der Reisenden endlich gar auf die Durchstechung des Berges seine Gedanken gerichtet hat. Denn dieses darf man ohnedem nicht glauben, daß solcher Weg gleich anfangs in so gutem Stande gewesen sey, worinnen er sich anitzo befindet. Nihil illo carcere longius, nihil illis faucibus obscurius, saget Seneca davon im obangeführten Orte, aus welchem man auch abnehmen kann, daß die Luftlöcher, durch welche zu Strabons Zeiten das Licht hineingefallen, bald darauf entweder durch Erdbeben oder Nachläßigkeit müssen verstopfet worden seyn.

Vom Könige Alphonsus dem ersten, aus dem aragonischen Stamme, bezeugen die neapolitanischen Geschichtschreiber, daß er itztgedachte Höhle um ein gutes Theil erweitern lassen: und vom Vice-Roy D. Pietro di Toledo ist bekannt, daß er zur Zeit Kaiser Karls des fünften nicht nur den Fußboden eben machen und pflastern, sondern auch zwey Luftlöcher oder Soupiraux, welche auf Alphonsus des ersten Befehl durchgebrochen worden, vergrößern lassen. Daß alles mit Menschenhänden verfertiget worden, zeigen allenthalben die im Felsen befindlichen Merkmaale von Meißeln und andern Werkzeugen, deren sich die Steinmetzen zu bedienen pflegen. Die Erdbeben, welche vielen andern Alterthümern dieser Gegenden grossen Schaden zugefüget, haben dieses Werk bis anitzt noch unbeschädigt gelassen6. Etwan funfzig Schritte vor dem Eingange der Grotte, wenn man aus Neapolis dahin geht, hat der Vice-Roy D. Pietro Antonio d'Aragona, nachdem er durch die Medicos, Vincenzo Crisconio und Sebastiano Bartoli, die warmen Bäder von Pozzuoli untersuchen, und mit Unkosten von neuntausend Scudi in guten Stand setzen lassen, zur linken Hand des Weges eine weitläuftige Inscription und Nachricht von dem rechten Gebrauche derselben den Nachkommen zum Besten in Marmor aufgerichtet. Rand links: Inscription wegen der warmen Bäder von Pozzuoli. Der Anfang derselben ist folgender:


Quisquis es, vol indigena, vel advena, vel convena,

Ne insolitus prætereundo horribile hoc antrum

In Phlegræis Campaniæ campis naturæ obrigescas portentis.

Vel humanæ temeritatis obstupescas prodigiis;

Siste gradum, lege, nam stupori & admirationi assuesces

Neapolitanæ, Futeolanæ ac Bajanæ telluris balnea

Ad omnes fere morbos profligandos experta,

Apud omnes olim gentes, apud omnes ætates, celeberrima

Hominum incuria, Medicorum invidia, temporum injuria

Incendiorum eruptione, confusa, dispersa, diruta

Obrutaque hactenus adeo stetere,

Ut vix unius aut alterius dubia & incerta

Superessent vestigia

Nunc Carolo II. regnante

[839] Petri Antonii Aragonii Regni Proregis

Providentia, Charitas, Vigilantia, Industria

Investigavit, distinxit, reparavit, restituit.

Siste adhuc paulisper

Et substrati lapidis in literas intuere,

Balneorum enim nomina, loca ac virtutes habebis

P. P. A. D. M. DC. LXIIX.


Hic Balneorum citra Puteolos nomina loca & virtutes habentur; cætera quæ desiderantur, in volumine Thermologiæ Aragoniæ a Sebastiano Bartolo Philiatro, operis in omnibus directore elucubrato & Neapoli impresso eodem anno 1668. diffuse legi possunt.

Primum est balneum siccum, seu sudatorium S. Germani in margine lacus Agnani, hujus usu humorum abundantia evacuatur, corpora gravedine exonerantur, iliafanantur, vulnera profunda desiccantur, podagrici, hydropici, & gallici multum juvantur.

Secundum est balneum Bullæ etc.


Auf diese Art wird die Nachricht von zwölf Bädern fortgesetzet, und endlich mit den obgedachten Versen, die der Vice-Roy Pietro Antonio d' Aragona wegen der Lorbersträuche, so über dem Grabe Virgils hervorgewachsen, verfertiget, der Schluß gemacht. Sie fangen an:


Mantua me genuit, Calabri rapuere, tenet nunc

Parthenope, cecini pascua, rura, duces.

Ecce meos cineres tumulantia etc.


Wenn man aus der pausilypischen Grotte gekommen, wendet man sich in einem angenehmen Wege zwischen Weingärten rechter Hand nach dem Lago d'Agnano, der beynahe rund ist und eine italienische Meile im Umfange hat. Rand rechts: Lago d' Agnano. Bey hohem Wasser sieht es an etlichen Orten nicht anders aus, als wenn der See koche; wenn man aber nahe hinzufährt, findet man zwar die Bewegung des Wassers, die von den stark hervorsteigenden Dünsten entstehen mag, keinesweges aber einige Hitze. Die in dem See befindlichen Schleyen und Aale haben zur Winterzeit einen guten Geschmack, im Sommer aber sind sie nicht zu genießen; welches vornehmlich dem vielen Flachs und Hanf, der aus der ganzen Nachbarschaft hieher gebracht und in diesem Wasser geröthet wird, zuzuschreiben ist. Man zahlet für jeden Wagen voll Flachs, der hierein geleget wird, sechs Carlini, und bringt die Flachsröthung jährlich bey zweytausend fünfhundert Scudi ein, davon die Jesuiten drey Vierthel Theile, das übrige aber etliche Privatpersonen ziehen.

An besagtem See liegen i Sodatorii di S. Germano, die aus etlichen von Steinen aufgeführten Gewölbern, worinnen die aus der Erde steigende Hitze und Schwefeldünste leicht schwitzen machen, bestehen. Rand rechts: Schwitzbäder von S. Germano. An etlichen Orten ist die Wand so heiß, daß man die Hand nicht wohl daran halten kann: übrigens aber ist auch in den wärmsten Kammern die Hitze [840] noch erträglich, sonderlich wenn man sich gegen den Boden bücket, welches man auch in den Bädern von Tritoli findet. Nach der unterschiedenen Beschaffenheit der Kranken giebt man ihnen auch Kammern von verschiedenen Graden der Wärme, und bleibt man in den Schwitzstuben von S. Germano jedesmal nicht über eine Vierthelstunde. Der Gebrauch dieser Cur soll denen, die mit dem Podagra, Schwachheit der Glieder und innerlichen Geschwüren behaftet sind, gewisse Hülfe zuwege bringen.

Kaum hundert Schritte von diesen nützlichen Schwitzgewölbern, findet sich eine kleine ohne Menschenhände gemachte Höhle, die unter dem NamenGrotta del Cane bekannt ist, weil man insgemein einen Hund erwählet, um daran die Proben der wunderwürdigen Wirkung dieser Höhle zu machen. Rand links: Grotta del Cane. Sie ist ungefähr zwölf Fuß lang, fünfe breit, sechse hoch und vom See Agnano zwanzig Schritte entfernet. Die Erde an ihrer Decke und Wänden ist von dunkelgrüner Farbe. Der Dunst, so in derselben hervorsteigt, sammlet sich an der Decke und Mauern in sehr hellen herabfließenden Tropfen, wo nicht vielmehr diese Feuchtigkeit sich aus dem darüber liegenden Hügel und dem daselbst sich sammlenden Regenwasser herunter zieht, wie sie denn auch nicht allezeit bemerket wird. Gedachte Höhle ist beständig offen und mit keiner Thüre versehen. Ehe man an den Lago d' Agnano kömmt, findet sich am Wege die Wohnung eines Mannes, der allezeit etliche Hunde unterhält, um den Fremden für ein Trankgeld von vier bis sechs Carlini die Wirkungen dieser Grotte sehen zu lassen. Die Hunde kommen nicht gern daran, und suchen, so viel möglich, zu entlaufen, wenn sie merken, daß man die gewöhnlichen Proben mit ihnen machen will. Rand links: Probe mit Hunden,

Der Herr derselben geht mit einem dieser Hunde in besagte Höhle, hält ihn mit Gewalt gegen den Boden, da dann nach anderthalb oder zwo Minuten ein gewaltiges Zucken und convulsiones sich bey dem Thiere einfinden, welche etwan anderthalb Minuten anhalten, bis endlich der Hund als todt und ganz unbeweglich liegend bleibt. Der Mann ist zwar bey dieser Verrichtung halb knieend, hält aber den Kopf, so viel möglich, in die Höhe, damit die untern Dünste ihm keinen Schaden zufügen. Nachdem der Hund zwo bis drey Minuten lang als todt gelegen, wirft man ihn in den nächstgelegenen See, da er dann nach dem Verlaufe einer halben Minute einige Lebenszeichen wieder von sich zu geben anfängt; beynahe eine Minute lang bleibt er etwas taumlich und fällt von einer Seite zur andern, hernach aber erholet er sich auf einmal völlig, und springt seinem Herrn mit vielen Freuden und Liebkosungen wieder an den Leib. Läßt man den Hund oder jede andere Creatur gar zu lange in dem Gange oder Keller liegen, so bleibt sie todt, und hilft die Eintauchung in den See nichts mehr zur Wiederherstellung ihrer Gesundheit. Indessen ist die Zeit, welche die Thiere ohne gänzlichen Verlust ihres Lebens in der Höhle zubringen können, nicht einerley bey allen, so wenig als die Zeit, nach welcher sie anfangen als todt und unbeweglich liegend zu bleiben. Eine Otter oder Natter hält das erstemal sechs bis neun Minuten aus, ehe sie ohne Bewegung hinfällt; wenn sie aber in dem See ihre Kräfte erholet und noch einmal in die Höhle gebracht wird, hat sie ihre Natur gleichsam mit neuer Stärke und mit mehrerer Luft, davon sie auch dicker wird und aufschwillt, versehen, daß hernach viel längere Zeit, ja wohl fünf Vierthelstunden verfließen, ehe sie stirbt. Rand links: mit einer Otter, Mit den Fröschen hat es fast gleiche Bewandniß, und kann man auch bey den experimentis mit der Antlia Pneumatica beobachten, daß je öfter ein Thier durch die ausgepumpte Luft seinem Ende genähert, darauf aber dennoch wieder zum Genuß der benöthigten Luft gelassen worden, solches hernach desto längere Zeit den Mangel der dicken Luft ertragen, und gleichsam an dasjenige, was ihm anfänglich tödlich gewesen seyn würde, sich gewöhnen könne. Rand links: mit Fröschen,

[841] Karl der achte, König von Frankreich, als er sich Meister vom Königreiche Neapolis gemacht und die Merkwürdigkeiten dieser Gegend besah, ließ in der Grotta del Cane den Versuch mit einem Esel machen, der aber in kurzer Zeit todt blieb Rand rechts: mit einem Esel,. Der Vice-Roy D. Pietro di Toledo probirte dergleichen mit zween Sclaven, welche gleichfalls ihr Leben darüber einbüßeten. Rand rechts: mit Menschen. Ja Villamont in seiner im Jahre 1609 herausgegebenen Reisebeschreibung erzählet, daß funfzehn bis zwanzig Jahre vorher ein französischer Herr, de Tournon genannt, welcher sich in der Höhle nur so viel gebücket, als zu Aufhebung eines kleinen Steines nöthig war, alsbald unbeweglich hingefallen, und als man ihn (vielleicht zu spät) in das Wasser gebracht, sich zwar einigermaßen wieder erholet, kurze Zeit aber darauf seinen Geist aufgegeben habe.

Eigentlich ist es wohl nicht das Wasser oder eine besondere Eigenschaft des Sees d' Agnano, so den todt-scheinenden Hund wieder zu sich selbst kommen machet, sondern die frische Luft, woran er sich auch allein, wiewohl viel langsamer, wieder erholet. Das Wasser hat demnach allhier eben die Wirkung, welche es bey einem in Ohnmacht gefallenen Menschen hervorbringt, indem es die Respiration wieder erwecket, deren völlige Unterdrückung sonst den gewissen Tod nach sich ziehen würde. Rand rechts: Was das Wasser hiebey für eine Wirkung habe. Etliche halten dafür, die Erde dunste in der Grotta del Cane Arsenicum von sich, welches die Creaturen ums Leben bringe. Allein, wenn diesem also wäre, so würde das Wasser keine Hülfe dawider bringen können. Vielmehr ist zu glauben, daß die Dünste, die den untersten Theil der Grotte bedecken, und niemals über zehn Zolle in die Höhe steigen, wegen ihrer Suotilität, wodurch sie die Circulation des Geblütes verhindern, tödlich sind, welches auch aus der Anatomie eines in solcher Höhle umgekommenen Frosches erhellet, in dessen Lunge man nicht die geringste Luft mehr spüret. Rand rechts: Untersuchung der schwefelichen Ausdünstungen dieser Höhle. Auf gleiche Weise und wegen Mangel der dickern Luft oder ihrer Bewegung löschet eine brennende Fackel aus, sobald man sie aus der obern Gegend der Höhle in das unterste Spatium, das vom Boden bis auf zehn Zolle in die Hohe sich erstrecket, bringt, und zwar verlöschet nicht nur die Flamme, sondern auch der glimmende Tocht, der Rauch aber steigt nicht in die Höhe, sondern wird durch die höhere schwere Luft niedergedrücket, daß er zwar vornen aus der Höhle nach der freyen Luft seinen Weg suchet, nicht aber in einer aufsteigenden, sondern mit dem Gründe und Boden in einer Entfernung von zehn Zollen parallel-laufenden Linie. Rand rechts: Probe mit einer Fackel, Eben dieser dünnen Luft ist es zuzuschreiben, daß ein geladenes Gewehr in der untersten Gegend der Grotte, ob es gleich abgedrückt wird, dennoch nicht losgeht, und das Pulver kein Feuer fängt. Rand rechts: mit Pulver Dieses letztere aber geschieht endlich, wenn man vermittelst vieles durch ein Lauffeuer auf einem schmalen Brette angezündeten Feuers den auf dem Grunde des Bodens befindlichen Dunst vertheilet und ihn aus der Höhle treibt. Denn ob er gleich verhindert, daß das Pulver in einzelen Funken nicht Feuer fange, so ist er doch nicht stark genug, daß er dem schon völlig entzündeten Pulver die Communication des Feuers mit dem übrigen in seinem Umgange befindlichen Pulver abschneide. Daß aber die verdünnete Luft dergleichen Wirkungen, als oben erzählet worden, hervor bringen könne, bezeugen die mit einer antlia pneumatica zu machende experimenta, bey welchen die unter der Glocke befindlichen Lichter nach erfolgter Auspumpung und Verdünnung der Luft verlöschen und die Thiere ihre Respiration oder endlich gar ihr Leben verlieren. Daß die schweflichte, ölichte und hitzige Dünste, so in den nächst anliegenden Sudatorii di S. Germano und der hiesigen ganzen Gegend sich genugsam äußern, vieles hiezu beytragen können, wissen die Einwohner der Weinländer daraus zu beurtheilen, daß im Herbste, wenn die Keller mit frischem Moste vom Weine angefüllet sind, nicht nur die Leute, welche in die [842] Gewölber gehen, dergestalt von den Ausdünstungen eingenommen werden, daß sie nicht anders, als wenn sie trunken wären, taumeln, sondern auch die Flamme der Lichter in solchen Gewölbern erlöschet, ja die Menschen endlich, wenn sie garzu lange darinnen bleiben, gleichsam als todt und ohne Verstand dahin fallen, und vermuthlich auch ihren gewissen Tod finden würden, wo man sie nicht noch zu rechter Zeit an die frische Luft brächte. Rand rechts: Wirkung der schwefelichten Dünste in den Weinkellern. Ich habe vor etlichen Jahren in der sehr tiefen Steinkohlengrube zu Lauenstein im Churfürstenthume Braunschweig-Lüneburg bemerket, wie gleichfalls auf ihrem Grunde keine Pistole losgeschossen werden könne; wobey auch zu beobachten, daß zur Frühlings-und Herbstzeit das Wetter (wie es die Bergleute zu nennen pflegen) oder die Luft in solcher Grube dergestalt böse ist, daß die Arbeiter sich kaum besinnen können. Rand links: In den Gruben von Steinkohlen. Addisson zweifelt, ob in der Grotta del Cane schwefelichte Ausdünstungen sind, und sein Zweifel gründet sich darauf, daß an der Hand, oder einer andern Sache, die man darüber gehalten, nicht der geringste Schwefelgeruch zu spüren sey. Allein diese Probe beweist nichts mehr, als daß kein grober Schwefeldampf vorhanden sey, wie solcher vornehmlich bey warmen Bädern, da der Schwefel durch die Hitze aus dem Wasser mit Gewalt getrieben wird, sich dem Geruche offenbaret. Rand links: Daß dergleichen schwefelichte Dünste in der Hundeshöle sind.

Der Pyrmonter Sauerbrunnen, dessen Kraft hauptsächlich von einem subtilen säuerlichen Schwefelspiritu, welcher eine mineralische Fettigkeit mit sich aus der Erde hervorbringt, zuzuschreiben ist, giebt keinen Schwefelgeruch von sich, ob er gleich auch gekochet wird; das Silber und andere Mineralien, die vom Schwefeldampfe gelb oder schwarz zu werden pflegen, laufen dabey nicht an, und nach diesen äußerlichen Anmerkungen sollte man auch schließen, daß kein Schwefel vorhanden sey, wie jedoch wirklich ist, und durch vielerley chymische Operationen täglich an den Tag geleget werden kann. Rand links: Erläuterung von dem Pyrmonter Brunnen und dem daselbst befindlichen Schwefelkeller. Wenn man auch ein wenig Eisenvitriol in vielem gemeinen Wasser auflöset und etliche Tropfen vom Spiritu Sulphuris dazu thut, desgleichen wenn man eine frische Solutionem ferri per Spiritum Sulphuris vel Vitrioli in eine gute Menge Wassers tropfen läßt, und noch etwas von den gedachten Spiritibus und dem Sale mirabili Glauberi dazu mischet, so wird solche Composition dem Pyrmonter Sauerbrunnen am Geruche und Geschmacke völlig gleich kommen. Der gelehrte fürstliche waldeckische Hofrath und Leibartzt D. Seipp hat bemerket, daß der verborgene schwefelichte Dunst, welcher aus diesem Brunnen hervor steigt, die Wasserschöpfer zuweilen ganz taumlend und schwindlich mache, man auch solchen am meisten gewahr werde, wenn das Wasser bis auf die Ausgänge der Quellen ausgeschöpfet worden. Fische und Frösche sterben darinnen. Enten und junge Gänse, wenn man dieselben auf dieses Wasser bringt, werden taumlich und ohnmächtig, fallen auch endlich in wenigen Minuten hin und sinken zu Boden. Dieses geschieht jedoch nicht alsbald, sondern es können die Enten zuweilen wohl eine Stunde daraufherum schwimmen, ehe sie Schaden nehmen, weil vielleicht die Auswitterungen des Schwefeldunstes nicht allezeit gleich sind, oder nur zuweilen durch das Wasser heraufsteigen. Wenn auch diese Thiere, da sie anfangen zu sinken, bald heraus gezogen werden, so erholen sie sich geschwinde wieder und werden so frisch, als sie zuvor gewesen7.

Ungefähr acht hundert gemeine Schritte von dem gedachten pyrmontischen Brunnen findet sich in einem Steinbruche ein Loch oder eine Höhlung, welche nach dem vom Herrn [843] D. Seipp mir schriftlich mitgetheilten Anmerkungen gar vieles mit derGrotta del Cane gemein hat. Die hineingebrachte Barometer und Thermometer zeigen keine Veränderung an. Angezündetes Stroh, Lichter oder Fackeln erloschen darinnen, erholen sich aber auch und brechen wieder in ihre Flamme aus, wenn diese nicht gänzlich ersticket worden und nochmals in die freye Luft kömmt. Das Schießgewehr brennt in derselben nicht los, und die hineingebrachten Thiere verlieren ihre Respiration, auch endlich gar das Leben. Die Zeit des Niederfallens und ohnmächtigen Stillliegens der Thiere in solchem Schwefeldunste ist nach dem Unterschiede der Jahreszeit, Witterung und der Tagesstunde veränderlich. Bey windigem, feuchten, neblichten und Regenwetter ist wenig Wirkung zu spüren, weil der Dampf gleichsam in die Erde sich verkriecht. Bey hellem Wetter aber steigt er in die Höhe, es mag solches zur Sommer- oder Winterzeit seyn. Des Morgens und Abends im Sommer ist die Wirkung am empfindlichsten; je näher aber die Stunde der Mittagszeit oder der höchsten Sonne ist, desto weniger erhebt sich der Dunst. Das Schießpulver fährt fort in der Grube zu brennen. wenn es von außen durch ein Lauffeuer entzündet wird. Von innen her aber werden öftere Versuche erfodert, ehe es Feuer fängt, und wird vermuthlich durch die wiederholte Einbringung des Feuers in die Grube erst die Witterung in derselben gereiniget. Kleine Vögel, als Rothbrüstchen, Fliegenschnepper, Goldammer, Bachstelzen, Zaunkönige etc. sterben oftmals in dem Augenblicke, da sie in das Loch, vorne bey der Thüre des Gewölbes hinein fliegen, um die todten Käfer, Papilionen, Mücken und Würmer daselbst aufzusuchen, and die öftere Findung von todten Vögeln auf diesem Platze hat die erste Gelegenheit gegeben, die Eigenschaft solcher Hbhle zu entdecken8. Wenn demnach die Ausdünstung recht stark ist, so ersticken Vogel, junge Hühner, Enten und Gänse oft in wenigen Secunden, daß sie nicht wieder erwecket werden können. Vierfüßige Thiere halten viel länger als das Geflügel aus; doch währet solches gemeiniglich auch nicht über eine Minute, es sey denn, daß beyderley Thiere so groß sind oder einen so langen Hals haben, daß sie über die Linie reichen, bis an welche der subtile Dunst zu steigen pflegt, oder daß sie in die Höhe fliegen und zuweilen frische Luft schöpfen können. Wenn man das Thier heraus zu ziehen verzögert; so braucht es hernach auch längere Zeit, ja manchmal fünf und mehrere Minuten, ehe es sich wieder erholen kann. Wartet man aber zu lange, so bleibt das Thier, nachdem es alle Symptomata gehabt, als wenn ihm unter der Antlia pneumatica alle Luft völlig entzogen worden wäre, gänzlich todt, und kann man dasselbe nicht wieder zurecht bringen. Die freye Luft allein giebt dem Thiere allmählich und ohne Zuthun des Wassers das Leben wieder. Wenn man aber dem Thiere Wasser auf den Kopf oder in die Nasenlöcher und ins Maul gießt, so erholet sich dasselbe viel geschwinder. Die gewährliche Ausdünstung dieses Loches erstreckte sich im Jahre 1719 auf anderthalb bis zween Schuhe hoch vom Boden. Nachdem es aber nach solcher Zeit besser aufgeräumet und ein Gewölbe darüber aufgeführet worden, so hat man vor und nach der Sonne Auf- und Untergang, bey langer trockner Witterung, desgleichen auch vor aufsteigenden Donnerwettern den Dunst in seiner Kraft fünf bissechs Fuß hoch und in dem ganzen Loche dergestalt verspüret, daß er, wenn man nur etliche Tritte hinunter gestiegen, sich sehr stark merken lassen, und man in aller Eile zurück kehren müssen, wenn man nicht alsbald schwindlich und ohnmächtig hat werden wollen. Dieses geschieht aber selten, und ordentlicher Weise hält sich solcher [844] unsichtbare Dampf innerhalb der Höhle von ein bis zween Fuß. Er offenbaret sich merklich durch eine gelinde Wärme, die er durch die Schuhe, Hosen und andere Kleidung, durch welche er gleichsam als Brennnesseln stichelt, erwecket. Diese Wärme ist nicht ungesund und locket innerhalb wenigen Minuten den Schweiß heraus. In der Nase verursachet besagter Dunst ein Grübeln, dergleichen der Meerrettig oder eine andere Schärfe hervorbringt. Dieses geschieht aber mit einer Abwechselung, und darf man nur nach der frischen Luft eilen, wenn solches zu stark anhält. Ehe ein Gewölbe über den Platz aufgeführet worden, bemerkte man augenscheinlich gegen die Sonne und insonderheit auf der mittäglichen Seite die Dünste, wie sie abwechselten und mit einem unbeständigen Wehen, Zittern und gleichsam Blitzen in die Höhe getrieben wurden, anitzt aber sieht man solches nicht mehr. Der Dampf ist so subtil, daß er sich an nichts hängt, und man auch keinen Schwefelgeruch an denen Dingen, welche in diesem Gewölbe gehängt haben, wahrnimmt.Oleum Tartari per deliquium im Filtrirpapier verändert sich nicht, anstatt daß es durch den Rauch von angezündetem Schwefel insgemein in ein Sal neutrum degeneriret. Das Silber oder polirtes Eisen beschlägt nicht und nimmt keine schwarze Flecken davon an etc. So lange man aufgerichtet in der Höhle steht, spüret man keinen Geruch; sobald man sich aber gegen den Boden bücket, empfindet man selbigen sehr durchdringend von Schwefel in der Nase, Mund und Halse, die Augen thränen, als wenn man an Zwiebel oder Knoblauch gerochen hätte, es stellt sich ein Schwindel ein, und da ist es dann Zeit, in die freye Luft zu eilen. Dergleichen dünstende Schwefelgruben und Keller werden auch an andern Orten, wo mineralische Wasser sind, sonderlich aber zu Ems und Schwalbach gezeiget.

Vermuthlich zielet PLINIVS mit auf die Grotta del Cane, wenn er Lib. II, c. 93 vom Agro Sinnessano und Puteolano amerket: Spiracula vocant, alii Charoneas scrobes, mortiferum spiritum exhalantes. SENECANat. Quæst. lib. VI, cap. 28 schreibt: Quid, quod pluribus Italiæ locis per quædam foramina pestilens exhalatur vapor, quem non homini ducere, non feræ tutum est? aves quoque si in illum inciderint, antequam cœlo meliore leniatur, in ipso volatu cadunt, liventque corpora, & non aliter quam per vim elisæ fauces tument etc. Was RHODIGINVSLib. XIX, c. 12 meldet, daß in dergleichen Charoneis die castrirten Thiere keinen Schaden litten, ob gleich alle andere ersticken, ist ohne Zweifel eine Fabel. Rand links: Ob den Alten die Grotta del Cane bekannt gewesen?

Ungefähr eine halbe italienische Meile vom Lago d'Agnano ist in einem runden Thale, das sechs Meilen im Umfange hat, ein angenehmer Wald nebst drey kleinen Seen. Diese Gegend wird Astruni genennet, und dienet denen Vice-Roys zur Jagdlust. Rand links: Königliches Fest im Walde Astruni. Im Jahre 1452 gab der König Alphonsus von Aragonien dem Kaiser Friedrich dem dritten, der seine aus Portugall kommende Gemahlinn Eleonora in Neapolis empfing, in diesem Thale eine sehr prächtige Jagd, bey welcher Gelegenheit dreyßig tausend Menschen gespeiset wurden, und vielerley Weine aus etlichen Fontainen sprungen. Auf einem bey gedachtem Walde gelegenen Hügel ist ein Thurm aufgeführet, von welchem man eine vortreffliche Aussicht über die umliegende Gegend hat.

Vom Lago d' Agnano reitet man linker Hand nach der Seeküste zurück, da man denn alsbald die als ein Berg aus dem Meere hervorragende Insel Nisida mit dem darauf befindlichen Thurme ins Gesichte bekömmt. Rand links: Insel Nisida. Sannazar beschreibt sie in der zwölften Ekloge seiner Arcadia, mit folgenden Worten:


Dimmi Nisida mia, così non fentano

Le rive tue giammai cruciata Dorida

[845] Nè Pausilippo in te venir consentano

Non ti vidi io poc' anzi herbosa e florida

Habitata da Lepri e da cunicoli?

Non ti veggo hor più ch'altra incolta, ed horrida

Non veggio i tuoi recessi, ei diverticoli

Tutti cangiati e freddi quegli scopuli

Dove temprava Amor suo' ardenti scipoli.


Gegen Mittag hat diese Insel einen kleinen Hafen,Porto Pavone genannt, und an einem daselbst befindlichen Thore liest man die Verse: Rand rechts:Porto Pavonc.


Navita siste ratem, temonem hic, velaque fige;

Meta laborum hæc est læta quies animo.


Heute zu Tage ist ein Lazareth auf einem nächst anliegenden Felsen erbauet, und müssen die Schiffe un dieser Insel als in einem gesunden Orte Quarantaine halten, anstatt daß sie voralters wegen ihrer schädlichen Luft sehr beschrieen war, und daherLVCANVSlib. VI von ihr saget: Rand rechts: Lazareth.


– – – Tali spiramine Nesis

Emittit Stygium nebulosis aëra saxis.


Etwas ferner in der See und drey italienische Meilen vom äußersten Lande liegt die Insel Capri, so wegen des lüderlichen Lebens, welches der Kaiser Tiberius eine Zeitlang darauf geführet hat, bekannt genug ist. Rand rechts: Insel Capri.


– – Quem rupes Caprearum tetra latebit

Incesto possessa seni?


CLAVD. de IV Cons. Hon.

Sie hat ihren eigenen Bischof, dessen meiste Einkünfte von der Jagd und insbesondere von dem Striche, welchen die Wachteln, Turteltauben und andere Zugvögel jährlich im Frühjahre und Herbste über diese Insel und die benachbarte Gegend zu nehmen pflegen, kommen. Rand rechts: Wachtelfang in derselben. Man hält insgemein dafür, daß gedachte Vögel aus Africa kommen, und, nachdem sie ihre Brut verrichtet, dahin auch zurück kehren. Daß sie bey ihrer Ankunft sehr mager sind, und erst gemästet werden müssen, ehe man sie zu einem guten Gerichte brauchen kann, ist gewiß; ob sie aber deswegen eine so weite Reise gethan, und aus einem so fernen Lande kommen, als Africa ist, daran ist noch sehr zu zweifeln; zumal da die Wachteln weder lange und geschwind fliegen, noch gut mit Schwimmen fortkommen können, und es schwer halten würde, daß ein solcher Vogel sich wieder in die Höhe erheben sollte, wenn seine Federn einmal recht naß worden. Rand rechts: Woher diese Vögel kommen. Wenigstens ist es eine ausgemachte Sache, daß die Wachteln, welche im Frühlinge in großer Menge und ganz mager in England anzukommen scheinen, keine Reise übers Meer gethan, sondern währender Winterzeit in den Höhlen und Löchern des Seeufers sich aufgehalten haben. Ich weis wohl, daß man den Storchen ein entferntes Land, worinnen sie währender unserer Winterzeit sich aufhalten, zueignet. Ich weis auch, daß vor einigen Jahren im Herzogthume Meklenburg ein alter Storch geschossen worden, in dessen einem Flügel ein abgebrochenes Stück eines Pfeiles gestecket, als ein wahrscheinliches Zeugniß, daß er in Ländern, wo die Pfeile im Gebrauche sind, vorher gewesen. Rand rechts: Von den Winterquartieren der Störche. Allein daraus folget noch nicht, daß sie ihren Flug über die offenbare See zu nehmen haben. Zumal da, nach der Nachricht, welche ich desfalls in England eingezogen, man nicht höret, daß Schiffer auf ihren Seefahrten Störche haben fliegen sehen. Ich könnte zu Behauptung meiner Meynung auch anführen, daß niemals ein Storch sich unternimmt von den französischen Küsten nach [846] England überzufliegen, obgleich diese Länder bey Calais nur vier deutsche Meilen von einan der entfernet sind, und man bey hellem Wetter mit bloßen Augen und ohne Ferngläser eine Küste von der andern absehen kann. Allein, daß man in England keine Störche findet, ist vielleicht nicht sowohl der Unmöglichkeit des Fluges über das Meer, als einer andern noch verborgenen Eigenschaft der englischen Luft und des Erdreichs dieser Insel zuzuschreiben, weil auch diejenigen Störche, welche man aus Neugierde von Holland nach England überbringt, daselbst weder lange leben, noch Junge haben.

Es folget keinesweges, daß die Thiere, welche sich des Sommers über bey uns aufhalten, des Winters in entfernte Länder gezogen sind, weil wir sie zu gedachter rauhen Jahrszeit bey uns nicht finden. Rand links: Winterquartiere der Lerchen, Wenn im späten Herbste kalte Tage einfallen, verlieren sich die Lerchen auf einmal sowohl in den nordlichen als mittäglichen Gegenden Deutschlandes, und vielleicht wird kein Jäger sagen können, daß er im schärfsten Winter unter dem Schnee oder sonst irgendwo Lerchen angetroffen habe. Indessen so bald nur zu Ende des Jenners ober im Februar ein heller und etwas wärmerer Tag einfällt, lassen sich alsbald genug Lerchen hören. Ist der folgende Tag wieder kalt, so ist auf einmal auch wiederum keine Lerche wehr vorhanden. Bricht ein gelinder und angenehmer Tag abermals an, so machen sie sich aufs neue in großer Menge lustig, und diese Abwechselungen sind bisweilen zu verschiedenen malen in einem Frühlinge zu beobachten. Es wäre aber unmöglich, daß bey jeder solcher Veränderung des Wetters die Lerchen allezeit eine Reise von hundert und mehrern deutschen Meilen über hohe Gebirge in wärmere Länder außerhalb Deutschlandes hinweg, und einen eben so langen Flug wieder zurück thun könnten, in einer darzwischen verstreichenden Zeit, welche öfters nur vier und zwanzig bis acht und vierzig Stunden austrägt.

Was die Schwalben anlangt, so ist durch die Erfahrung ausgemacht, daß sie währender Winterzeit nicht außer unsern Landen sind, sondern in hohlen Bäumen, alten Gebäuden, Ritzen der Felsen, Löchern der Erde, und sonderlich im Schilf und in Seen ohne Bewegung und gleichsam als todt liegen. Rand links: der Schwalben.

Wegen der Wachteln ist noch zu bemerken, daß solche auch im untern Theile des Kirchenstaats, sonderlich in der Gegend von Netruno, sich alle Herbste und Frühlinge in großer Menge einfinden. Rand links: Strich der Wachteln im untern Theile des Kirchenstaats.

Wenn man auf dem Wege nach Pozzuoli fortfährt, kömmt man rechter Hand an den Monte Secco, der nur hie und da mit kleinem Buschwerke und einer Art von Gemsta bewachsen ist. Rand links: Monte Secco. Anstatt daß dieser Berg auf seiner Höhe ehemals spitzig gewesen, findet sich itzt eine Tiefe und Erniedrigung, welche oval, ohngefähr tausend Fuß breit und tausendzweyhundert und sechs und vierzig lang ist. Strabo nennt diese Gegend in seinem fünften Buche Forum Vulcani, und das gemeine Volk giebt ihr heut zu Tage den Namen von Solfatara, anstattSolforata zu sagen. Rand links: Forum Vulcani. Solfatara. PETRONIVSp. m. 262 beschreibt sie mit folgenden Worten:


Est locus exciso penitus demersus hiatu

Parthenopen inter magnæque Dicarchidos arva9

[847] Cocyta perfusus aqua: nam spiritus extra

Qui furit, effusus funesto spargitur æstu.

Non hæc autumno tellus viret, aut alit herbas

Cespite lætus ager: non verno persona cantu

Mollia discordi strepitu virgulta loquuntur:

Sed Chaos, & nigro squallentia pumice saxa

Gaudent ferali circum tumulata cupressu

Has inter sedes Ditis Pater extulit ora

Bustorum flammis & cana sparsa favilla,

Ac tali volucrem Fortunam voce lacessit.


Ein Liebhaber natürlicher Merkwürdigkeiten kann diese Gegend nicht anders als mit Vergnügen betrachten, weil sie die Wirkungen und Eigenschaften des Vesuvs ohne Gefahr und ohne große Bemühung des Reisenden in Kleinem oder en mignature vorstellet. Obgleich auch die Solfatara über zwo deutsche Meilen vom Vesuv entfernet ist, so ist doch kein Zweifel, daß diese beyden Werkstäte des Vulkans einige Gemeinschaft oder Communication mit einander haben, weil man bemerket, daß der Rauch, Dampf, die Hitze und Gewalt des unterirdischen Feuers an dem ersten Orte viel schwächer ist, wenn der Vesuv tobet und durch seine Oeffnung den eingeschlossenen Schwefeldünsten einen freyen Lauf verstattet; da im Gegentheile die Hitze und heftigen Auswürfe des Feuers viel stärker in der Solfatara sind, wenn der Vesuv in Ruhe bleibt. Rand rechts: Vesuvius en mignature. Gemeinschaft der Solfatara mit dem Vesuvius. Diese Strudel von Dampf und Hitze eräugen sich an sehr vielen Plätzen in der Ebene, und vermehret sich ihre Gewalt, je mehr man ihnen nachgräbt oder ihre Oeffnung erweitert, dergestalt daß man zuletzt wegen der starken Hitze dem Loche sich nicht mehr nähern kann. Wenn über einem solchen Strudel ein Degen oder etwas anders von Eisen gehalten wird, so tropfet ein süßliches Wasser häufig davon ab; hält man aber vermittelst eines Stockes ein Blatt Papier über die Oeffnung, also, daß solches von der hervorbrechenden Luft nicht weggeschmissen werden kann, so wird solches weder naß noch vom Feuer beschädiget, sondern nur sehr trocken und steif. Die Steine, so rings um eine solche Oeffnung liegen, sind immer in Bewegung, und wenn man eine Hand voll kleinere Stücke oder Grant darauf wirst, so werden solche bey zween Männer hoch in die Höhe getrieben, und theils auch auf die Seiten geworfen, wie der Vesuv im Großen zu thun pflegt. An etlichen Plätzen bemerket man, wie durch die aus der Erde ohne Rauch brechende Dünste der Sand beständig in die Höhe gehoben wird und gleichsam hüpfet, nicht anders als wenn der Champagnewein petilliret.

An den Steinen, die nächst an den Oeffnungen liegen, setzet sich eine gelbe dem verhärteten Eyerdotter gleichende Materie mit einer weißen Blüthe an, wel che für Sal Armoniacum, oder, wie es vielmehr heißen soll, Sal Ammoniacum ausgegeben wird. Rand rechts: Sal Ammoniacum. Ob es aber einerley Kräfte habe mit demjenigen, das von Aegypten kömmt, und aus Ruß nebst Seesalz und Urin von Pferden, Mauleseln oder Kameelen mit gelinder Hitze verfertiget wird, ist mir unbekannt10.

[848] Der Grund und Boden dieser Gegend ist äußerlich weiß. Die Steine, welche man ausgräbt, sind von gleicher Farbe, mürbe, ganz warm, wenn sie aus der Erde kommen, und mit lebendigem Schwefel angelaufen. Rand links: Schwefelsteine. Als ich die Solfatara besah, waren die Arbeiter bey einer Ader oder Lage von grauer Asche, welche die Dicke von etlichen Fußen im Diameter hatte. Rand links: Asche. Diese Asche, zwischen welcher die weißen Schwefelsteine lagen, war vollkommen derjenigen ähnlich, die auf dem Berge Vesuvius liegt, und bey außerordentlichem Toben desselben die Stadt Neapolis bisweilen einer Hand hoch bedecket. Gemeldte Asche von Solfatara war anfänglich als feucht anzufassen, und hielt daher auch etwas fest beysammen. Der Magnet beweist keine Kraft an ihr, welches vermuthlich den schweflichten Theilen zuzuschreiben ist.

Außer dem Schwefel verfertiget man hier Vitriol, der an Farbe dem Saphier gleicht, und sur noch besser als der römische gehalten wird. Rand links: Vitriol. Nicht weniger wird in der Solfatara sehr guter Alaun gekochet und zu seiner Vollkommenheit gebracht. Rand links: Alaun. Die dazu gehörigen großen Kessel, welche aus keinem andern Metalle als Bley seyn dürfen, werden durch kein Feuer von Holz oder Kohlen, sondern bloß durch die starke natürliche Wärme des Bodens und der Oeffnungen, über welche sie stehen, erhitzet. Wenn die vorher lange Zeit und öfters mit hiesigem Wasser angefeuchtete und calcinirte Alaunsteine genug gekochet, läßt man das Wasser in hölzerne Kufen ablaufen, an deren Seiten der Alaun mit krystallförmigen Spitzen sich so dick ansetzet, daß man ihn mit Schaufeln abnehmen kann. Außerdem findet sich guter Gips in dieser Gegend, und aus der Erde verfertiget man Gefäße und Tassen, woraus man den Kranken in verschiedenen Zufällen, wie geglaubt wird, mit großem Nutzen zu trinken giebt. Von den Einkünften der Solfatara, die jährlich für sieben bis achthundert Scudi verpachtet sind, hat der Bischof von Pozzuoli einen Theil, das meiste aber zieht das Hospital dell' Annunciata zu Neapolis. Rand links: Einkünfte der Solfatara. Der Dampf, welcher aus den hiesigen Oeffnungen kömmt, soll wider die Beschwerlichkeiten an Augen, Ohren, Nerven, im Magen, wider das Kopfweh, die Gallenfieber und die Unfruchtbarkeit der Frauen gute Dienste thun. Rand links: Medicinischer Gebrauch des Dampfes. Ehemals war in diesem Thale ein kleiner kochender See von schwarzem Wasser, der an etlichen Orten bisweilen mehr als zehn Fuß in die Höhe getrieben wurde. Man wollte an selbigem bemerket haben, daß in der Zeit, wenn das Meer in großer Bewegung war, eine viel größere Menge Schwefel, als sonst gewöhnlich war, auf der Fläche des gedachten Sees geschwommen und mit großem Vortheile gesammlet werden können. Rand links: Kochender See. Allein hievon ist nichts mehr zu sehen, auch kein Bach zu finden, der frey und unbedeckt durch diese Ebene flosse, obgleich unter der Erde viele Quellen ihre Abflüsse haben und sich in Bäche sammlen, davon auch einer noch etwas laulicht nach Pozzuoli kömmt. Das Erdreich ist fast allenthalben hohl und nicht zu rathen, daß man sich mit einem Pferde darauf wage. Rand links: Wie hohl der Grund und Boden sey. Ich ließ auf einem Platze zwischen dem Orte, wo die Schwefelsteine gegraben werden, und den Alaunhütten (die linker Hand des Thales liegen) ein Loch, das etwan anderthalb Fuß tief war, graben, und darein einen Stein von funfzehn bis zwanzig Pfunden werfen, da denn die ganze unterirdische Gegend ertönte und donnerte, als wenn eine Canone von fernen wäre los geschossen worden; der unterschiedene wiederholte und anhaltende Schall gab dabey genug zu erkennen, daß er sich in verschiedenen Klüften vertheile und zurück pralle. Wenn man an vielen Orten nur mit dem [849] Fuße gegen den Erdboden stampfet, ist es schon nicht anders, als wenn man gegen ein Gewölbe stößt. Der Schwefeldampf von der Solfatara erstrecket sich öfters bis nach Neapolis, da er denn dem Marmor und Silberzeuge schlechten Vortheil bringt. Rand rechts: Alte und neue Fabeln von der Solfatara. Die Alten glaubten nach Anleitung ihrer poetischen Fabeln, daß die Riesen in den Abgrund unter der Solfatara geworfen wären, und von ihrem Schnauben und Toben der aus der Erde hervorbrechende Dampf entstehe; ja der Geschichtschreiber DIO(lib. LXVI, p. m. 756) meldet sogar, daß diese Riesen als eine Vorbedeutung der unglücklichen Entzündung des Vesuvs sich häufig, sowohl ben Tage als Nacht haben sehen lassen. Das allhier eingeführte Christenthum hat dergleichen Einbildungen nicht gehoben, sondern man erzählet hundert erdichtete Umstände von Gespenstern, die sich in dieser Gegend sehen und öfters mit vielem Wehklagen hören lassen. Der Schluß, welchen die Einwohner der umliegenden Gegend daraus ziehen, ist, daß entweder die Hölle oder wenigstens das Fegfeuer allhier seine Luftlöcher habe, und dieser Glaube wird täglich bestärket durch die nicht weit davon wohnenden Kapuciner, denen es niemals an dergleichen Erzählungen mangelt. Rand rechts: Von den Luftlöchern des Fegfeuers. Ihre Kirche ist an dem Orte, woselbst der heil. Januarius soll enthauptet worden seyn, aufgeführet, und liest man daher vor dem Eingange: Rand rechts: Platz, wo St. Januarius enthauptet worden.


Divo Januario

Diocletiani scelere obtruncato

Ne quod sacri corporis sanguine maduerat

Solum, sine honore diutius maneret,

Neapolit. Civitas ære P. F.


In dieser Kirche ist es stets sehr warm, und kömmt die Hitze vornehmlich aus etlichen Löchern vor dem Hauptaltare. Rand rechts: Hitze in der Kapucinerkirche. Man sieht in derselben ein wohlgearbeitetes marmornes Brustbild, das den heil. Januarius vorzustellen geglaubt wird, und von einem heidnischen Künstler auf bloßes Bedeuten der frommen Matrone, welche des Januarius Blut aufgefangen, verfertiget seyn soll. Nach diesem busto, gleich als nach einem Original, richten sich alle Bildhauer und Maler, die den h. Januarius abbilden wollen. Die Nase der itztgedachten Statue hat Gelegenheit zu einer erbaulichen Legende gegeben: wie nämlich die Saracenen, als sie einsmals Pozzuolo verwüstet, auch gemeldter Statue aus Verachtung die Nase abgeschmissen, um solche mit sich wegzuführen, es sey aber ein beständiges Sturmwetter, welches sie verhindert, wieder unter Segel zu gehen, eingefallen, bis sie sich entschlossen, solches abgebrochene Stück in die offenbare See zu werfen. Rand rechts: Wunderbare Geschichte, die sich mit der Nase an der Statue des heil. Januarius zugetragen Die Bürger zu Neapolis, welche indessen das Brustbild ihres großen Patrons gestümmelt gefunden, hätten durch die berühmtesten Meister den Schaden zu ersetzen gesucht; allein es habe keine einzige neu verfertigte Nase weder sich an das Bild schicken noch daran fest bleiben wollen, ob man gleich allen möglichsten Fleiß und Sorge dabey angewandt. Endlich hätten die Fischer bemerket, daß sie ein Steinlein, welches sie öfters als unnütz wieder in die See geworfen, allezeit in ihren Netzen mit herausbrächten, daher sie Gelegenheit genommen, es für dasjenige, so es wirklich war, zu erkennen; wie es denn auch ohne die geringste Hülfe von menschlichen Händen, sobald man es dem gestümmelten Brustbilde des heil. Januarius genähert, sich an den [850] mangelhaften Ort fest gemachet, und auf solche Art die vollkommene Nase, woran der Riß, wo die Sonderung ehemals vorgegangen, nur ein wenig zu sehen ist, wieder hergestellet habe. Rand links: Pestbeule an einer Statue. An eben dieser Statue zeiget man unter dem einen Ohre die Narbe und das Merkmaal einer Pestbeule, welche dieses marmorne Brustbild vor der im Jahre 1656 entstandenen grossen Pest bekommen haben soll, um dadurch solche Landplage vorzubedeuten. Was solche Kostbarkeiten, welche von keiner Secte geringe geachtet werden, anlangt; so sieht man an dem Ringe dieses Bildes einen Rubin von der Größe einer mittelmäßigen Muscatennuß, und etliche große Smaragden an einem Kreuze, welches aufder Brust hängt. Gegenüber finden sich auf einem Steine etliche rothe Flecken, die vom Blute des h. Januarius herkommen sollen. Im Jahre 1697 ließ der Kardinal Giacomo Cantelmi den Hauptaltar mit einem schönen marmornen bas-relief, das den Märtyrertod des h. Januarius vorstellet, und durch den berühmten Bildhauer Vaccaro verfertiget worden, auszieren; wobey folgende Inscription zu lesen ist: Rand links: Blutsflecken vom h. Januarius. Dabey befindliche Inscription.


D. O. M.

Divo Januario

Supremo Regni Neapolitani Patrono

Hic loci ante XIV. Secula

Sanguine

E cæsis cervicibus

In sacrum juxta lapidem

Guttis adhuc recentibus aspersum

effuso

Ampullisque vitreis Neapoli summa Religione

servato

Atque ad perenne Catholicæ fidei testimonium

Cum capiti concretus occurrit

Mira ebullitione liquescente

Una cum SS. Sociis

Martyrii lauream adepto

Jacobus Cardinalis Cantelmus

Archiepiscopus Neapolitanus

Anno Dom. M. DC. XCVII.


An den Wänden der Sacristey hängt sich viel Salpeter an. Damit die Mönche des Klosters kühles und gesundes Wasser haben mögen, ist ihre Cisterne auf eine in der Mitte stehende Seule gemauert, dergestalt, daß der warme und schweflichte Boden sie nicht berühret. Ueber dieses ist der unterste Platz mit einer Mauer umgeben, und mit Wasser angefüllet, welches zu nichts anders dienet, als daß die aufsteigenden bösen Dünste sich darinnen fangen sollen. In dem Garten sind schöne Brusthecken von Myrten. Es findet sich auch daselbst der Eingang einer Höhle, welche von Pozzuoli bis an den Lago d'Agnano reichen soll, anitzt aber ganz verfällt. Rand links: Wie das Wasser der Cisterne vor der Hitze des Erdreichs verwahrt werde. Höhle im Garten. Ehemals stund eine Statue des h. Januarius davor, die aber mit der Zeit umgefallen und zerbrochen ist. Die Kugel, welche St. Januarius in der Hand gehalten, ist nach diesem wieder gefunden, und weil sie von Golde war, in ein Ciborium verwandelt worden.

Von gedachter Kirche St. Januarii kömmt man an ein Amphitheater, insgemein Coliseo genannt, welches voralters mitten in der Stadt Pozzuoli gewesen seyn soll, anitzt aber [851] beynahe eine Vierthelstunde davon entfernet ist, woraus man abnehmen kann, wie weit dieser Ort von seiner ehemaligen Größe und Schönheit verfallen sey. Rand links: Amphitheatrum. Dieses Amphitheater ist oval von Backsteinen aufgeführet, und hat in der Länge hundert und zwey und siebenzig, in der Breite aber acht und achtzig Fuß. Die Erdbeben haben ihm zwar großen Schaden zugefüget, indessen aber stehen doch die untersten zwo Galerien noch in ziemlich gutem Stande. Allhier soll St. Januarius mit seiner Gesellschaft den wilden Thieren vorgeworfen, von solchen aber mit vielem Respect verehret worden seyn. Beym Eingange ist des h. Januarius Gefängniß in eine Kapelle verwandelt worden, und daran folgende Schrift zu lesen: Rand rechts: Inscription an dem ehemaligen Gefängnisse des h. Januarius.


In hoc Amphitheatro,

Quod quæritur, non est,

Quod non est, quærebatur,

Ut fideles inveniant.

Fr. Dominicus Maria Marehesius Ordin. Præd. Put. Antist.

Carcerem pervetustum

Beatorum MM. Jan. Proculi & Sociorum

Antiquitate clausum devotioni aperuit.

Meliora non est passa antiquitas,

Nec melius Martyres invenerunt.

Deficeret Put. antiquitati,

Si sacra occlusa non patefierent.

Religiosus Ēpūs pro Religione hoc debuit,

Dum

Gentilium fragmenta extant, sacra integra perseverant.

Venerare

Sacram antiquitatem noviter inventam

Indulg. 40. dierum ab eodem Antistite auctam

MDCLXXXIX.


Nächst am Coliseo ist die Kirche St. Jacobi, in welcher man, nach Sarnelli Berichte, folgende marmorne Inscriptionen ausgegraben hat: Rand rechts: Alte Inscriptionen, welche in der Kirche St. Jacobi ausgegraben worden.


Pro Salute

Imp. Cæsaris Titi Aelii

Hadriani Antonini Aug. Pii PP. &

M. Aelii Aurelii Cæsaris N.

Genio Coloniæ Puteolanorum

Chrysanthus Aug. Disp. a frumento

Puteolis & Ostis

L. D Decurionum permissu.

Felicitati perpetuæ temporis

D. N. Valentiniani

Victoris ac Triumphatoris

Semper Aug.

Avianus Valentinianus

[852] V. C. Consul Campaniæ

Devotus Numini

Majestatique ejus.


In der Nachbarschaft des Amphitheaters findet sich unter der Erde eine große Anzahl gewölbter und an einander hängender Kammern, die vom gemeinen Volke ein Labyrinth genennet, von Gelehrten aber für ein großes Wasserbehältniß der alten Stadt Pozzuoli gehalten werden. Rand links: Alte Wasserbehältnisse. Jedes der innern Gewölber hat vier Thüren, und könnte man sich ohne Führer leicht verirren, wenn der fast gänzliche Verfall dieses Alterthums zuließe, daß man weit darinnen herum gehen möchte.

Nicht weit von hier und näher gegen Pozzuoli ruhet ein großes Gewölbe, so gleichfalls ein Behältniß des Wassers gewesen zu seyn scheint, auf eilf Säulen, die mit einer seinen Schale von Tartaro, der sich aus dem Wasser angesetzt hat, überzogen sind. Dieses Gewölbe dienet anitzo zu einem guten Weinkeller.

In itztgedachter Gegend hat man viele alte Gräber entdeckt. Rand links: Andere Alterthümer. Es finden sich auch die Ueberreste von etlichen heidnischen Tempeln, die der Diana und dem Neptun gewidmet gewesen zu seyn geglaubet werden. Jedoch sind die Gelehrten nicht einerley Meynung darüber.

Pozzuoli liegt acht italienische Meilen von Neapolis, und hat den lateinischen Namen Puteoli entweder von dem schweflichten Gestanke, oder von den vielenputeis und Löchern, die man wegen der Schwefelfabriken und des Sandes, der zu Gebäuden und Mauerwerk, sonderlich unter dem Wasser, schon von Alters her sehr gut gefunden worden, allhier machte11. Rand links: Pozzuoli. Rand links: Eigenschaften des hiesigen Sandes. Reichthum der ehemaligen Stadt Pozzuoli. Die Lage der Stadt ist bergab, und zeugen von ihrem ehemaligen Reichthume die vielerley schönen Steine, welche die See an ihrem Ufer auswirft. Die meisten davon sind zwar theils von einem blauen oder rothen Guß, theils von Verde antico, Porphyr etc. und scheinen in mosaischer Arbeit gebraucht gewesen zu seyn; allein es finden sich öfters auch Achate, Carniole, Amethyste, Jaspis, Onyx, Berille, Lazuli und dergleichen darunter, daran viele mit erhabenen oder auch eingegrabenen Figuren versehen sind. Rand links: Kostbare Steine, welche die See auswirft. Ob aber die Antiquarii daraus mit genugsamem Rechte schließen können, daß an dieser Seite des Meeres zu Zeiten der alten Römer viele Goldschmiede und Juwelierer gewohnet, lasse ich dahin gestellet seyn. Dieses ist gewiß, daß CICERO (Epist. ad Attic. lib. V, Ep. 2) des Emporii Puteolanorum gedenket. Die Kriege, Ueberschwemmungen und Erdbeben haben diese Stadt sehr herunter gebracht. Absonderlich hat sie im Jahre 1538 von einem Erdbeben gar vieles gelitten, und zielet auf solches die über der Gartenthüre des toledanischen Pallastes befindliche Inscription: Rand links: Inscription über der Gartenthüre des toledanischen Pallastes.


Petrus Toletus Marchio Villæ Franchæ, Caroli V. Imper. in Regno Neap. Vicarius, ut Puteolanos ob recentem agri conflagrationem palates ad pristinas sedes revocaret, hortos, portus, & fontes marmoreos ex spoliis, quæ Garsia filius, parta victoria Africana, reportaverat12, otio genioque dicavit; ac antiquorum restaurato purgatoque ductu aquas sitientibus civibus sua impensa restituit Anno a partu Virginis M.D.XL.


[853] Auf dem Platze di D. Pietro di Toledo, liest man wegen der Bäder von Pozzuoli folgende in Marmor eingegrabene Nachricht: Rand rechts: Inscription wegen der warmen Bäder.


Carolo II. Austriaco Regnante

Providentia

Petri Antonii Aragonii Proregis,

Neapoli

Egenis hospitio,

Naufragis portu

Hic

Infirmis, restitutis thermis,

Subvenit

Sic

Una pietas

Triplici flagello triumphat,

Salubritatem sitientes

Ad has aquas trans Puteolos manantes accurrite,

Quarum virtutes in substrato lapide contracte,

In volumine Thermologiæ AragonIæ

A Sebastiano Bartolo elucubrato

Et Neapoli impresso Ann. Dom. M. DC. LXIIX.

Plenius leguntur.


Primum balneum est Cantarelli ad tres columnas positum, cujus aqua ulcera & fistulas curat, catarrhos siccat, fluxus sanguinis sistit, prodest arthritidi, ferrum infixum & ossa fracta educit, fungiturque in omnibus Chirurgi munere.

Secundum balneum est Fontanæ ad latus Caatarelli, causat somnum, ventrem lenit, lac multiplicat etc.


Man bemerket ferner auf dem Markte die Fontaine nebst der schönen Statue des Januarius, und einem alten römischen Monumente, welches im Jahre 1704 außer der Stadt und hinter dem Garten des obgedachten toledanischen Pallastes ausgegraben worden. Rand rechts: Markt. Alte römische Monumente. Dieses letztere hat eine basin von fünf palmi in der Höhe, ist aber außer derselben noch bey neun palmi hoch, von seinem Marmor, und stellet einen Römer in Toga vor, mit folgender Ueberschrift:


Mavortii


Q. Flavio Mæsio Egnatio Lolliano C. V. Q. K. Prætori Urbano, Auguri Publico Populi Romani Quiritium Cons, Albei Tiberis & Cloacarum, Cons. Operum Public. Cons. Aquarum, Cons. Camp. Comiti Flaviali13, Comiti Orientis, Comiti primi ordinis & Proconsoli Provinciæ Africæ, collectus Decatressium Patrono dignissimo posuerunt.


[854] Wenige Tage hernach, als die Statue ausgegraben worden, fand sich an eben diesem Platze und etwas tiefer, eine andere, die auch einen jungen Menschen in der römischen Toga vorstellet, aber ohne derbasi nur fünf palmi hoch ist. An dem Piedestal liest man


Mavortii Jun,

Q. Flavio Maesio Cornelio Egnatio Severo Lolliano

C. P. Q, K.

Decatrenses Clientes ejus Patrono Præstantissimo

Posuerunt.


Bey diesem Alterthume waren, nach Parrini Gerichte, auch verschiedene Urnen und alte Münzen entdecket worden.

Bey dem Hause des Sign. Migliarese, auf obgedachtem Platze, sieht man ein daselbst im Jahre 1693 ausgegrabenes Piedestal von weißem Marmor, das sieben palmi in der Länge und fünftehalb in der Höhe hat. Rand links: Monument des Kaisers Tiberius. Es zeigen sich auf demselben vierzehn Personen en bas-relief, die nach etlicher Gelehrten Meynung vierzehn Städte in klein Asien vorstellen, denen der Kaiser Tiberius (wie Sueton im acht und vierzigsten Capitel des Lebens Tiberius meldet,) als sie durch ein Erdbeben sehr übel zugerichtet waren, großen Beystand geleistet. Unter etlichen dieser Bilder erkennet man noch die NamenPhiladelphia, Tmolus, Cyme, Hierocæsarea, Mostene, Ephesus, Myrina, Cibyra und Temnos. Die übrigen müssen heißen Ægæ, Cumæ, Apollonia, Hircania. EVSEBIVSin Chron. meldet von dreyzehn ruinirten Städten, deren Nomen er sehr verderbt anführet. TACITVSAnn. II, c. 47. PLINlib. II, c. 84. undSENEC. Nat. Quæst. lib. VI, c. 1 bleiben bey zwölfen. OROSIVS und nach ihm CæsarBARONIVS setzen dieses Unglück in die Zeit, da Christus am Kreuze gelitten hat. Allein zu geschweigen, daß die zwölf Städte in der Nacht umgekehret worden, so ist solches auch nach des TACITI Zeugnisse im dritten Jahre des Kaisers Tiberius und also etwan vierzehn Jahre vor dem Tode des Heilandes geschehen. Auf der einen Seite dieses Piedestal liest man zwischen zwoen der angeführten Personen folgende Schrift:


Ti. Cæsari Divi

Augusti F. Divi

Juli N. Augusto

Pontif. Maximo Cos. IIII.

Imp. VIII. Trib. potestat. XXXII.

Augustales

Respublica

Restituit.


Vermuthlich liegt die Statue des Tiberius, so über dieses Piedestal gehöret, unter dem Hause des Migliarese oder nahe hierum noch vergraben. Zur Findung dieses Alterthums hat die Anlegung einer Cisterne unter itztgemeldtem Gebäude, um Oel darinnen aufzuheben, Gelegenheitgegeben. Laurentius Theodorus Gronovius und Raphael Fabretti haben ihre Erklärung davon der gelehrten Welt mitgetheilet; jener in einem besondern Tractate, der zu Leyden gedruckt ist, dieser aber in der Sammlung seiner Inscriptionen. Bulifon hat gleichfalls etwas davon geschrieben.

[855] Nicht weit von der Domkirche finden sich in der Mauer eines Hauses, dessen Besitzer Calzola heißt, vier in Marmor mit arabischen Buchstaben eingehauene Grabschriften von Türken oder Saracenen, deren der eine im Jahre Christi 1079, der andere 1181, der dritte 1182, und der vierte 1285 gestorben ist. Rand rechts: Türkische Grabschriften. Nach der Erklärung, welche der gelehrte Benedictiner DonBernardde MONTFAVCON davon gegeben hat, halten diese weitläuftigen Schriften außer den Nachrichten von der Person, zu deren Andenken sie aufgerichtet worden, viele Sprüche und Lehren des Alcorans vom Tode und dem künftigen Leben in sich.

Die Kathedralkirche zu Pozzuoli ist von großen Marmorsteinen gebauet, und aus einem heidnischen Tempel in eine christliche Kirche verwandelt worden. Rand rechts: Domkirche. Ueber ihrem Frontispicio liest man folgende alte Inscription:

Calphurnius L. F. Templum Augusto cum ornamentis.

Heut zu Tage ist sie den heiligen Proculus und Januarius gewidmet, deren marmorne Statuen auch in der Mitte der Kirche mit weitläuftigen Inscriptionen aufgerichtet sind. Unter dem h. Januarius liest man: Rand rechts: Inscription zu Ehren des h. Januarius.


Urbis Liberatori Patronoque amantissimo

Divo Januario

Qui postquam in eodem sui Martyrii loco

Dicatum sibi Templum fuit,

Publici memor obsequii

Suos Puteolos a sepulchralibus flammis

Assiduisque telluris motibus

Ardente adhuc Vesuvio M. DC. XXXI.

Servavit immunes

Noluit enim, tremeret solum suo firmatum sanguine;

Noluit flagraret Hospitium sui triumphi laurea decoratum.

Grati animi ergo

Hoc in sua Cathed. monimentum erexit

Idem14 D. Pr. Martinus de Leon & Cardenas,

Summi Pontificis Assistens,

Atque Catholicæ Majestatis a latere status Consiliarius,

Secunda huius instauratione Basilicæ

Idibus Octobris MDCXLVII.


Linker Hand, wenn man in die Kirche geht, findet sich ein schöner Altar von eingelegter Arbeit, mit einem kostbaren Tabernakel, zu welchem viel Lapis Lazuli verwandt worden. An dem Hauptaltare ist die Enthauptung des h. Januarius sehr gut gemalet. Pozzuoli rühmet sich die erste christliche Gemeinde in Italien gewesen zu seyn, indem schon Paulus auf seiner Reise nach Rom Glaubensgenossen allhier gefunden15. Rand rechts: Alterthum der christlichen Gemeinde zu Pozzuoli.

Der Hafen von Pozzuolo ist sehr gut, und zählet man daselbst vierzehn aus der See hervorragende Pfeiler, die ehemals mit Bögen oben vereiniget gewesen. Rand rechts: Hafen von vierzehn Pfeilern, so aus der See hervorragen. Das Innerste dieser Pfeiler besteht aus großen Steinen von der Art, so Piperno genennt wird, die äußerste Ueberkleidung aber aus Backsteinen, deren geräumige Fugen mit einem sehr harten Kalke oderCæmento, so ohne Zweifel mit Puzzolana vermischt ist, ausgefüllet sind. An den Seiten dieser Pfeiler sieht man große hervorstehende Steine, welche mit Löchern versehen sind, [856] um die Schiffe daran zu befestigen. An solchen Pfeilern bricht sich die Gewalt der Wellen, und halten viele die itztgedachte Art einen Hafen zu schließen viel besser, als die ganz aneinander hängenden Mauerwerke, weil bey jener die Versandung nicht so leicht zu befürchten, sondern die Wellen den Sand durch die Oeffnungen der Bögen wieder mit zurück nehmen können. Indessen hat diese Schließung der Bögen Gelegenheit gegeben, daß etliche die gedachten Pfeiler für Ueberreste einer alten Brücke angesehen, und das gemeine Volk sie insgemein il Ponte di Caligola nennt, weil man in den Gedanken steht, es sey dieses Alterthum noch von der Brücke, welche itztgedachter Kaiser von Puteoli bis nach Baja anlegen lassen, übrig geblieben. Rand links: Daß sie nicht von Caligula herkommen. Diesen Irrthum, zu welchem sich auch Burnet hat verleiten lassen, widerleget SVETONIVSin vita Calig. c. 19 deutlich genug, indem er bezeuget, wie Caligulä Werk nur eine Schiffbrücke gewesen, die von Baja bis an diePuteolanas moles gereichet hat, und mit Erde bedeckt war. Hiedurch wird nicht nur das vor Pozzuoli in der See gelegene Werk von der beweglichen Brücke Caligulä deutlich unterschieden, sondern ihm auch der Namen Moles beygelegt, welchen alle dergleichen von Felsen und Steinen zu Beschützung der Häfen angelegte Lasten noch heut zu Tage führen. Daß die im Meere vor Pozzuoli rückständigen Pfeiler zu keiner Brücke gehöret haben, erhellet auch daraus, daß sie nicht in einer geraden Linie fortgehen, sondern gegen Mitternacht sich krümmen. Endlich beweist eine im Jahre 1575 allhier im Meere gefundene Inscription vollkommen, daß besagte Pfeiler kein phantastisches Spielwerk des Kaisers Caligulä sind, indem sie in folgenden Worten verfasset ist:


Imp. Cæsar. Divi. Hadriani. Fil.

Divi. Trajani. Parthici. Nepos.

Divi. Nervæ. Pronepos. T. Aelius.

Hadrianus. Antoninus. Aug. Pius.

Pont. Max. Trib. Pot. ĪĪ. Cos. ĪĪ.

Desig. ĪĪĪ. Opus Pilarum vi16

Maris. collapsum. a Divo. Patre. suo. promissum. restituit.


Denn was wäre es nöthig gewesen, ein Werk, das keinen großen Nutzen gehabt, und nur zum Andenken der Thorheiten Caligulä gedienet hätte, mit vielen Unkosten zu erneuern. Dieser Stein ist über dem Thore der Stadt Pozzuoli anitzt aufgerichtet, und folgender Zusatz beygefüget worden:


Quem lapidem Antoninus Imp. statuerat, vetustas dejecerat, mare atque arena obduxerant, Franciscus Murillus Regiæ Classis Curator sua impensa eductum Puteolanis municipibus pari studio restituit. A. D. MDLXXV.


Addisson führet in seiner italienischen Reise (p. m. 140) aus dem JulioCAPITOLINOin vita Antonini Pii eine Inscription an, worinnen die Stadt Pozzuolo diesen Kaiser rühmet: quod super cætera beneficia ad hujus etiam tutelam portus, Pilarum viginti molem cum sumptu fornicum reliquo ex ærario suo largitus est. Allein vermuthlich hat sich Addisson nur auf des Sarnelli Allegation verlassen, und demCAPITOLINO etwas zugeschrieben, was man vergeblich bey ihm suchet. Dieser letztgedachte Autor meldet nur, daß Antoninus Pius vielen Städten mit Gelde beygestanden, um neue Werke anzulegen oder verfallene wieder in guten Stand zu setzen; und dieses ist alles, was man aus ihm auf das pozzuolische Werk ziehen [857] kann. Was die gedachte Inscription aber anlangt, so gründet sich solche auf des StephaniPI GHII Bericht, welcher in seinem Hercule Prodicio, p. 362. s. berichtet, daß er allhier ein abgebrochenes Stück einer Inscription gefunden, so von einer Ehrenpforte zu seyn geschienen, und in folgenden Worten verfasset war:


.... ARSARI. DIVI ....

.... IICI. NEPOTI. DIVI ...

.... ONINO. AVG. PIO-....

.... OLONIA. FLAVIA ....

.... VPER. CETERA. BEN ....

.... VS. PIARVM. VIG .....

.... QVO. ET. MVNITION ....


Welche man folgender Gestalt ergänzen könnte:


Imp. CAESARI. DIVI. Hadriani. Filio. Divi. Trajani. PartHICI. NEPOTI. DIVI. Nervæ. Pron. T. Ael. Hadriano. AntONlNO. AVG. PIO. Pont. Max. Trib. Pot. Coss: p. p. COLONIA. FLAVIA. Aug. Puteolanorum. Quod. SVPER. CETERA. BENeficia. ad. hujus. etiam. tutelam. portVS. PILARVM. VlGinti. molem. cum. sumptu. fornicuni. reliQVO. ET. MVNITION ex. ærario. suo. largitus. sit.


Ehemals zählte man fünf und zwanzig solcher Pfeiler an diesem pozzuolischen Werke, davon aber viele nicht mehr über das Wasser reichen, oder von der Gewalt der Wellen völlig weggespület sind.

Die See ist in dieser Gegend sehr reich an Fischen und vielerley Muscheln. Unter andern finden sich viele sogenannte Cavalli Marini, die eines Fingers lang werden, den Schwanz, wenn sie trocken sind, vorwärts eingekrümmt haben, und in Ansehung des Kopfes, einem Pferde sehr ähnlich sind. Rand rechts: Cavalli Marini. Man leget sie mit Eßig und Honig gestoßen auf den Biß eines wüthenden Hundes, um die befürchtete Raserey dadurch abzuwenden. Die Frauen verschlucken solche Cavalletti, in der Meynung, einen mehrern Zufluß von Milch dadurch zu erlangen. Sie legen solche auch unter die Brüste, wenn sie Schmerzen daran empfinden. Man trifft diese Art von Seecreaturen gleichfalls auf der andern Seite von Italien an der Küste des adriatischen Meeres an, obwohl in geringerer Menge, als hier.

Der nächste Weg von der pausilypischen Höhle nach Pozzuoli ist nicht derjenige, welchen man rechter Hand gegen die Grotta del Cane und den Lago Agnano nimmt, sondern ein anderer noch angenehmerer, der sich linker Hand durch eine breite Allee nach der offenbaren See wendet, und hernach an derselben Ufer bleibt. Man läßt hiebey den unfruchtbaren Berg Olivano zur rechten Hand, und sieht mit Verwunderung, wie eine wüste und steinigte Gegend, worinnen sich nur eine Menge Seevögel aufzuhalten pflegten, zum fahren und reiten bequem, auch dem Auge dabey angenehm gemacht worden. Rand rechts: Monte Olivano. Das Andenken dieser Veränderung erhält folgende an der Straße in Stein gehauene Schrift: Rand rechts: Große Veränderung dieser Gegend.


Philippo II. Cathol. Regnante. Loca invia, solis ibicibus pervia, freto, montibus, saxis immanibus involuta, Perafanus Ribera Alcalæ Dux, cum pro Rege esset, [858] excluso mari, comminutis saxis, dissectis montibus aperuit, viam stravit, & ad Balnea Puteolana, quæ prius deperdita Publ. Saluti restituerat, patefecit M. D. LXXI.


In dieser Gegend der Seeküste finden sich verschiedene warme Bäder, die Alaun, Kupfer und Eisen bey sich führen. Rand links: Warme Bäder. Ohngefähr fünfhundert Schritte vor Pozzuoli und gleichfalls an dem Ufer des Meeres lassen viele Leute, welche vom Podagra oder von Gliederkrankheiten geplaget sind, eine Grube etwan zween Fuß tief machen, sich darein legen, mit Sand den Leib und vornehmlich die kranken Glieder bedecken, und wenn der Sand allzuwarm ist, denselben mit darauf gegossenem Seewasser ein wenig abkühlen. Rand links: Besondere Cur wider das Podagra etc. Diese Cur soll viele gute Wirkungen jederzeit gethan haben, und kömmt mit derselben in etwas überein, daß in Pohlen die Bettler, wenn sie mit venerischen Krankheiten behaftet sind, sich drey bis vier Wochen lang in einen Misthaufen eingraben lassen, da sie dann durch die natürliche Hitze des Mistes und durch den Gebrauch eines schweißtreibenden Tranks solchergestalt wieder hergestellet werden, daß sie frisch und gesund, obgleich mit einer ganz neuen und krebs-rothen Haut gleichsam aus ihren Gräbern hervorkommen. Rand links: Wie sich in Polen die Bettler in Mist eingraben lassen wider die venerische Krankheiten.

Die bisher beschriebenen Merkwürdigkeiten können am ersten Tage besehen werden, und der folgende zu dem Spazierritt nach Cumä und den übrigen nahegelegenen Orten genommen werden. Rand links: Nothwendigkeit eines Antiquarii. Ohne Antiquatio kann ein Fremder in diesen Dingen nicht fortkommen; man findet aber etliche derselben zu Pozzuoli, und darf man nur einen davon des ersten Tages vor der pausilypischen Höhle bestellen, des andern Tages aber in Pozzuoli abholen. Für seine Bemühung zahlet man zehn bis funfzehn Carlini.

Wenn man nur ein wenig über das heutige Pozzuoli hinaus gekommen, wird ein altes Mauerwerk, als Ueberreste der Villæ oder Academiæ Ciceronianæ (worinnen der Kaiser Hadrian beygesetzet worden, bis ihm hernach der Rath von Rom einen Tempel bey Pozzuoli zu seinem Grabe erbauet17, gezeiget). Rand links: Villa Ciceronis. PLINIVSHist. Nat. lib. XXXI, c. 2 bezeuget, daß dieses Landgut, welches wegen seines Porticus und Lustwaldes berühmt gewesen, am Meerufer zwischen Puteolis und dem Lago d'Averno gelegen gewesen. Nach Cicerons Tode kam es an C. Antistium Veterem, und wurde daselbst bald nach dem kläglichen Ende seines vorigen Besitzers eine Quelle entdecket, die für die Augenkrankheiten half, und dem Laureæ Tullio, einem Freygelassenen des Cicerons, Anlaß gab, in einem Epigramma zu schreiben: die Natur habe für nöthig erachtet, nachdem die Schriften Cicerons mit unaussprechlicher Begierde gelesen würden, die Welt mit neuen Augenwassern zu versorgen. Die Verse sind so artig, daß ich nicht umhin kann, sie aus dem Plinius hier mit einzurücken:


Quo tua, Romanæ vindex clarissime linguæ,

Silva loco melius surgere jussa viret,

Atque Academiæ celebratam nomine villam

Nunc reparat cultu sub potiore Vetus:

Hic etiam apparent lymphæ non ante repertæ,

Languida quæ infuso lumina rore levant.

Nimirum locus ipse sui Ciceronis honori

Hoc dedit, hac fontes cum patefecit ope.

[859] Ut, quoniam totum legitur sine fine per orbem,

Sint plures, oculis quæ medeantur, aquæ.


Heutiges Tages dienet diese ehemalige Academia Ciceronis zu einem Viehstalle.

Nicht weit davon wird ein anderes altes Mauerwerk für des Lentulus ehemaliges Haus ausgegeben.

Des nahe hiebey gelegenen Berges Gauri Weine, so vor Zeiten nach den Zeugnissen des Juvenals, Sidonius Apollinaris, Galens und Statius sehr berühmt waren, sind heutiges Tages sehr ausgeartet, und ist der ganze Berg gar unfruchtbar worden. Rand rechts: Veränderung des Berges Gauri. Man nennet ihn nun il Monte Barbaro, entweder wegen seines itzigen schlechten Grundes und Bodens, oder weil ihn die Saracenen lange Zeit innen und besetzt gehabt. Die Franciscaner haben ein Kloster darauf; und die Aussicht davon ist unvergleichlich. Das gemeine Volk ist der festen Meynung, daß in diesem Berge große Schätze verborgen und von bösen Geistern verwahret werden; daher fehlet es nicht an Leuten, welche mit allerley Beschwörungen ihr Heil versuchen18.

Gleich gegenüber dem Monte Barbaro auf der Abendseite liegt il Monte nuovo, der erst im Jahre 1538 in der Nacht zwischen dem 19 und 20 September ganz unvermuthet entstanden ist. Das unterirdische Feuer machte sich bey einem entstandenen Erdbeben, welches vielen Schaden in der Nachbarschaft verursachte, eine große Oeffnung in dasiger Erde, und warf eine solche Menge von Steinen, Asche, Harz und Sand in die Höhe, daß innerhalb vier und zwanzig Stunden der itzige Berg, der vierhundert Ruthen in seiner Perpendicularhöhe und drey italienische Meilen im Umfange hat, daraus wurde. Rand rechts: Il Monte Nuovo. Wie dieser Berg im Jahre 1538 auf einmal entstanden. Hieronymus Borgia, der damals den neuen Berg selbst in Augenschein genommen und ein Gedicht, welches er dem Pabste Paulus dem dritten dedicirte, davon geschrieben hat, meldet, daß er anfänglich dreyßig Stadien hoch gewesen. Bey solcher Gelegenheit giengen viele fruchtbare Felder, Häuser, Thiere und Menschen zu Grunde, und die offenbare See, an deren Ufer man hernach viele todte und nach Schwefel riechende Fische fand, wich über zwey hundert Schritte von ihrem Ufer zurück. Der Rand der damaligen Oeffnung ist noch heute zu Tage auf solchem Berge zu sehen. Es ist solche aber nun ganz ausgefüllet, und mag sie ehemals eine italienische Meile im Umfange gehabt haben. Von Feuer, Sand und Steinen ist seit dem ersten Ursprunge des Monte nuovo nichts mehreres erfolget oder ausgeworfen worden. GASSENDVS setzet in seiner Physica, Sect. III, membr. I, lib. I, c., p. 50, Oper. Tom. II, daß dieser Berg durch ein Erdbeben entstanden. Seine Worte sind folgende: Mirabilius videri potest, enasci ex opposito non modo in continentibus montes, sed etiam in medio mari insulas. Nam de montibus quidem facit fidem PVTEOLANVS ILLE, quem Simon Portius ita describit, ut fuerit una nocte ad plus quam M. Passuum altitudinem ex pumicibus cineribusque congestus, id nempe sub finem Septembris anni M. D. XXXVIII. Allein obgleich bey dieser Veränderung sich auch ein Erdbeben eräuget, so war doch solches nicht die Ursache des neu entstandenen Berges, indem die Erdbeben zwar Berge und Erde verschlingen, niemals aber Hügel hervorbringen, als wozu der Ausbruch eines Vulkans erfodert wird. Indessen haben obgedachte Worte [860] des Gassendus dem Bernier in seinem Abregé de la Philosophie deGASSENDI, Tom. V, p. 127. edit. de Lion 1684 Gelegenheit zu einem Versehen gegeben, indem er aus Puteolanus (nämlich terræ motus) einen Autorem und Scribenten machet. Dergleichen Fehler sind nicht rar, und ist kaum zu glauben, was für lächerliche Misgeburten die Unwissenheit der Geographie hervorgebracht hat. Coisseteau machet im dritten Buche c. 18 seiner Uebersetzung des Florus aus der Stadt Corsinium einen Capitain dieses Namens. Rand links: Exempel grober Irrthümer, die aus Unwissenheit der Geographie entstanden sind. Anton Pinet erdichtet in der französischen Uebersetzung des Plinius zween Cavaliers aus zwo Arten von Marmor, davon der eineLapis Numidicus und der andere Smandicus genennet wird. Der französische Uebersetzer der Briefe des Bongars mit die altorfische Akademie für einen Monsieur Altorff, welches er leicht aus dem THVANO besser hätte wissen können. LudovicusaSANTO CAROLOin Bibliotheca Pontificia, die im Jahre 1643 zu Lyon herausgekommen, hält Articulum Smalcaldicum für einen Lutheraner, der de Primatu & potestate Papæ sollte geschrieben haben. Der berühmte französische Geographe du Fer, da er in des Witsen Karte von der Tartarey sahe Deserta loca, übersetzte solche in seiner Karte: Deserts de Loques. Auf diese Art ist in etliche französische Karten von America die Insel Uspiam gekommen, weil man angemerket hatte: Gallis detecta insula uspiam in America. Der gelehrte Menken führt in seiner Vorrede zu der artigen Schrift de Charlataneria Eruditorum desBAYLECalendarium Carlananum als ein solches Werk an, das auf die Charlatanerie seine Absicht habe, da es doch den Namen von einer in der Grafschaft Foix gelegenen kleinen Stadt Carla, woraus Bayle gebürtig war, bekommen. Wie häufig die Fremden das Herzogthum Würtemberg und die chursächsische Stadt Wittemberg mit einander vermischen, ist bekannt genug. LE VASSOR schreibt in derHistoire de Louis XIII, es wären in dem Churfürstenthume Sachsen drey Akademien, nämlich Wittemberg, Leipsig und Misnie, und in den herzoglichen sächsischen Ländern zwo Akademien, Jena und Thuringen, anstatt daß es hätte heißen sollen, von den dreyen sächsischen Universitäten läge Wittemberg im Churkreise, Leipzig in Meißen und Jena in Thüringen. Mallet setzet die Grafen von Reuß in das meklenburgische Herzogthum. Madame Scuderi führt einen türkischen Bassa ein, der sich in Konstantinopel zu Schiffe begiebt, um den zwanzigsten Tag hernach in der kaspischen See zu seyn. Madame de Montmorency berichtet im Jahre 1672 dem Comte Bussy Rabutin, wie sich die brandenburgischen Kriegsvölker zurückzögen, weil die Türken einen Einfall in das herzogliche Preußen gethan, und Kaminiec weggenommen hätten. (Lettres, deBVSSYT. II, p. 325.) Ja im 1683sten Jahre beschwerte sich der türkische Großvezier gegen den französischen Gesandten, daß Frankreich den Polen den Durchzug verstattet hätte, damit diese sich mit dem Kaiser conjungiren können.

Allein um wieder auf dasjenige, wovon wir abgewichen sind, zu kommen, so ist noch zu bemerken, daß durch den obangeführten neu-entstandenen Berg außer der Vorstadt und [861] dem Hospitale von Tripergola19 auch der größte Theil von dem zu seiner linken Hand liegen den Lago Lucrino zugedeckt und verschüttet worden, dergestalt daß man itzt gar wenig Wasser mehr in demselben findet, anstatt daß er bey den Alten wegen seiner Fischerey und insbesondere wegen der trefflichen Austern20 in großem Rufe war. Rand links: Lacus Lucrinus. PLINIVSHist. Nat. lib. IX, c. 8, SOLINVScap. 17 und andere erzählen die bekannte Historie von einem Delphin, der sich unter der Regierung des Kaisers Augusti in dem Lacu Lucrino sehen lassen, und mit der Zeit von einem jungen Knaben so zahm gemacht worden, daß dieser sich auf ihn gesetzet, und hernach ohne die geringste Gefahr auf des Fisches Rücken oftmals von Bajis nach Pozzuoli gebracht worden. Rand rechts: Berühmte Austern. Zahmer Delphin. Augustus hatte den avernischen und lucrinischen See vermittelst eines Canals mit dem Mari Tyrrheno vereiniget, und den Portum Julium bey Bajis angelegt, wozu nach SVETONII Zeugnisse21 zwanzig tausend Arbeiter einen ganzen Winter durch gebrauchet worden. Rand rechts: Portus Julius. Von diesen Werken schreibt VIRGILIVSGeorg. lib. II, v. 161,sq.

An memorem portus, Lucrinoque addita claustra:

Atque indignantem magnis stridoribus æquor,

Julia qua ponto longe sonat unda refuso,

Tyrrhenisque fretis immittitur æstus Avernis?


Welche Worte etliche also erklären, daß Augustus nur den Einfluß des Meeres in den lucrinischen See enger gefasset und eingeschränket, damit die allzugroße Gewalt, womit es vorher öfters eingedrungen, der Fischerey nicht mehr so großen Abgang verursachen möchte. Die Veränderung, welche im Jahre 1538 in dieser Nachbarschaft geschehen und den Monte Nuovo hervorgebracht, hat auch diesen Canal verstopfet, dergestalt, daß itzt sechszig bis achtzig Schritte breit fußfestes Land zwischen dem Lago Lucrino und dem Meere anzutreffen ist.

Der Weg nach Cumä geht zwischen dem Monte Barbaro und Monte Nuovo, also daß jener zur rechten, dieser aber zur linken Hand bleibt. Man kömmt auf solcher Straße linker Hand gegen den Lago Averno, welcher eine halbe italienische Meile von dem lucrinischen See entfernet ist, und gleich dem Berge Gauro, wiewohl auf eine ganz andere und viel bessere Art große Veränderungen erlitten hat. Rand rechts:Lago Averno. Denn nach alter glaubwürdiger Scribenten Berichte sollen ehemals gar keine Fische in dem avernischen See gewesen, und so ungesunde Dünste aus demselben in die Höhe gestiegen seyn, daß auch die Vögel, welche über dessen Wasser geflogen, todt hinein gefallen, und daher sein Namen ἄορνος oder Mangel leidend an Vögeln entsprungen. LVCRETIVS schreibt lib. VI: Rand rechts: Ehemalige ungesunde Ausdünstungen desselben.


Principio, quod Averna vocant, non nomen id abs re

Impositum est: quia sunt avibus contraria cunctis22.


[862] Zu unsern Zeiten ist dieser See mit allerley guten Fischen besetzet, die Vögel fliegen nicht nur ohne Schaden darüber hinweg, sondern es schwimmen auch viele wilde Enten, Wasserhühner, Tauchenten und dergleichen auf dessen Wassern herum, auch bringt die Gegend schöne Früchte nebst einem guten Weine hervor. SERVIVS (ad Æneid. III, v. 442) schreibt die ehemalige pestilenzialische Luft den dicken und hohen Wäldern zu, welche vor Zeiten um diesen See gewesen und die Vertheilung der aufsteigenden bösen Dünste verhindert hätten. Er meldet anbey sowohl als Dio, daß der Kaiser Augustus vermittelst Ausrottung dieser Holzungen das Land in einen ganz andern und glücklichen Zustand gesetzt habe. Die Tiefe des Sees ist an etlichen Orten von hundert und achtzig Fuß. Vor ungefähr drey hundert Jahren soll nach des Boccacius Zeugniß23 sein Wasser auf einmal (vielleicht durch eine ausgebrochene Ader von Schwefeldünsten) verderbt worden seyn, also daß die meisten Fische davon gestorben. Von dem Tempel des Mercurs oder Neptuns, dessen sehr verfallene Mauren an diesem See zu betrachten sind, wie nicht weniger von dem Eingange in die sibyllische Höhle, welcher auf der andern Seite befindlich ist, werde ich in dem Verfolge dieses Schreibens noch Erwähnung thun, weil man auf dem Rückwege von Bajä am bequemsten darauf zukömmt.

Nero wollte einen breiten und schiffbaren Canal vom See Averno bis nach Ostia ziehen24, wovon man noch die Merkmaale sieht; es kam aber dieses Werk nicht zu Stande. Rand links: Anschlag Nerons wegen eines Canals.

Zwischen dem Averno und der Stadt Cumä kömmt man wieder auf die Viam Appiam, welche durch einen ansehnlichen Bogen, der zween Hügel mit einander verknüpfet, geht. Gedachter Bogen, so den NamenArco Felice führet, ist von großen Backsteinen aufgeführet, siebenzig Fuß hoch und fünf und funfzig dick. Rand links: Arco Felice. Der Durchgang hat zwanzig und ein Dritthel Fuß in der Breite.

Wenn man durch den Arco Felice gekommen, folget man einem engen Wege nach einem alten meist verfallenen Tempel, welchen man heute zu Tage il Tempio del Gigante nennet, ohne zu wissen, welcher heidnischen Gottheit er vormals eigentlich gewidmet gewesen seyn soll. Rand links: Il Tempio del Gigante. Das Gewölbe ist in kleine Vierecke, dergleichen man auch noch in dem Tempel des Friedens zu Rom sieht, vertheilet und scheint es, daß in demselben metallene Platten und Zierrathen befestiget gewesen. Dieser Tempel hat sechs und dreyßig palmi in der Länge, dreyßig und drey Vierthel in der Breite und ungefähr vierzig in der Höhe. Wie etliche vorgeben, so ist die Riesenstatue, welche nicht weit von der Darsena zu Neapolis steht, und il Gigante di Palazzo genennet wird, eigentlich aber ein Jupiter Terminalis gewesen zu seyn scheint, vor diesem Tempel ausgegraben worden.

Nahe hiebey findet sich zur linken Hand ein großes Gewölbe von sechs und neunzig palmi in seiner Länge und sechs und zwanzig in der Breite, das sein Licht durch eine Oeffnung in der Decke bekömmt, und wegen der vielen nicchie oder kleinen Wölbungen an den Seiten (worein man die Urnen zu setzen pfleget) nicht ohne Ursache für ein heidnisches Begräbniß gehalten wird. Rand links: Heidnisches Begräbniß.

[863] Man findet in dieser Gegend nochmehr ansehnliche Ueberreste der Alterthümer, und sind darunter auch die Statuen, womit das Universitätsgebäude zu Neapolis gezieret ist, zu rechnen.

Der vornehmste Theil der alten Stadt Cumä lag nebst dem Tempel des Apollons auf einem Berge, von welchem man eine weite Aussicht hat. Rand rechts: Cumä. Von diesem ehemals sehr berühmten Orte steht gar nichts mehr als etliche alte Mauren und Gewölber, und verdienet die klägliche Beschreibung, welche Jakob Sannazar von solcher betrübten Veränderung in einer Elegie gemacht hat, gelesen zu werden:


Ad ruinas Cumarum, urbis

vetustissimæ.


Hic ubi Cumæa surgebant inclyta fama

Mœnia, Tyrrheni gloria prima maris,

Longinquis quo sæpe hospes properabat ab ortis

Visurus tripodas, Delie magne, tuos,

Et vagus antiquos intrabat navita portus,

Quærens Dædaliæ conscia signa fugæ,

(Credere quis quondam potuit, dum fata manebant?)

Nunc sylva agrestes occulit alta feras.

Atque ubi vatidicæ latuere arcana Sibyllæ,

Nunc claudit saturas vespere pastor oves.

Quæque prius sanctos cogebat Curia patres,

Serpentum facta est nunc alitumque domus

Plenaque tot passim generosis atria ceris

Ipsa sua tandem subruta mole jacent.

Calcanturque olim sacris onerata trophæis

Limina, distractos & tegit herba Deos.

Tot decora, artificumque manus, tot nota sepulchra

Totque pios cineres una ruina premit.

Et jam intra solasque domus disjectaque passim

Culmina setigeros advena figit apros.

Nec tamen hoc Grajis cecinit Deus ipse carinis,

Prævia nec lato missa columba mari.

Et querimur, cito si nostræ data tempora vitæ

Diffugiunt! Urbes mors violema rapit

Atque utinam mea me fallant oracula vatem,

Vanus & a longa posteritate ferar.

Nec tu semper eris, quæ septem amplecteris arces,

Nec tu, quæ mediis æmula surgis aquis.

Et te (quis putet hoc) altrix mea, durus arator

Vertet, & Urbs, dicet, hæc quoque clara fuit

Fata trahunt homines, fatis urgentibus Urbes,

Et quodcunque vides, auferet ipsa dies.


[864] Die Gegend an sich selbst ist noch sehr fruchtbar, sonderlich gegen Torre di Patria, woselbst sie mit vielen hohen Feigenbäumen bewachsen. Rand links: Torre di Patria. Der Namen des besagten Thurms soll von dem andern Worte der folgenden Schrift, welche sich Scipio Africanus allhier auf sein Grab setzen lassen25, seinen Ursprung haben. Rand links: Scipionis Africani Grab.


Ingrata Patria ne quidem ossa mea habes.


Voralters hieß solcher Ort Linternum, und wurde er im Jahre 455 von den Wandalen zerstöret, nach welcher Zeit erst der Thurm auf dem Platze, wo vorher des großen Scipions Grabmaal gestanden, erbauet worden. Etliche setzen hinzu, daß auf dem alten Monument das Wort Patria allein stehend geblieben, und solches zur Benennung des neuern Thurmes Anlaß gegeben.

Unter der Stadt Cumä ist eine sehr große und hochgewölbte Cisterne mit vielen Oeffnungen, wodurch man das Wasser herausschöpfte, zu sehen. Rand links: Cisterne. Sie ist von Quadersteinen gebauet, und anitzt ganz ledig. So viel man aus dem Schalle, wenn man mit dem Fuße gegen den Boden stößt, schließen kann, ist unter derselben noch eine Höhle.

Auf der andern Seite nach der Seeküste ist der Eingang einer Höhle, worinnen die Sibylla Cumäa gewohnet haben soll. Rand links: Sibyllische Höhle. Diese Grotte erstrecket sich, nach dem Vorgeben der Antiquariorum, drey italienische Meilen lang bis an denLago Averno, woselbst sie eine andere Oeffnung hat. Allein die Erdbeben haben ihre Gänge an vielen Orten verschüttet, und kann man bey Cumä nicht über zwey hundert Schritte in der Länge darinnen fortkommen. Sie ist allhier schön und hoch, auch von ziemlicher Breite in Felsen gearbeitet. Der kaiserliche General Wezel hat vor einigen Jahren durch seine deutschen Soldaten an der Seite der Höhle eine Treppe von ein und funfzig Stuffen in Felsen hauen lassen, um einen bequemen Ausgang zu haben; allein die Bauern haben solchen wieder verstopfet.

Zwischen Cumä und Miseno findet sich der bey den Alten bekannte Acheron oder Palus Acherusia, so wegen des schwärzlichen Wassers vom VIRGILIO tenebrosa palus genennet wird. Rand links: Acheron. Seinen Namen führen etliche von dem griechischen χαρᾶς, ohne Freude, her.

In den neuern Zeiten hat man zum Aufnehmen der Fischerey einen Canal aus der offenbaren See nach diesem Lago gezogen, und dadurch sein Wasser in etwas verbessert. In der Mitte desselben haben die Fischer auf einer Insel ihre Wohnung, und fangen sie vornehmlich Aale und Barben. Des Sommers wird vieler Hanf und Flachs darinnen geröthet, und nutzet ihn das neapolitanische Hospital dell' Annunciata, dem er zugehöret, jährlich auf acht bis neunhundert Scudi, für welche er verpachtet ist. Heut zu Tage ist sein Namen insgemein Lago della Coluccia oder del Fusaro. Rand links: Lago della Coluccia.

In dieser Gegend hatte nach der Antiquariorum Vorgeben Servilius Vatia, welcher unter der tyrannischen Regierung des Kaisers Tiberius vor sich in Ruhe zu leben suchte, sein Landhaus, in dessen verfallenen Mauern man viele vom Capaccio angeführte Inscriptionen und unter solchen auch folgende gefunden hat: Rand links: Landhaus Servilii Vatiæ.


Hic est posita Albacia Blesilla

– – – pari sine exemplo Fœmina

[865] Quæ vixit annos XXX. M. V. D. XIX.

Dulcissimæ conjugi fecit– – –


Da Tiberius gar übel hausete, pflegte man wegen der Lebensart, welche Vatia erwählet hatte, ihn für den glückseligsten Römer zu preisen und zu sagen: O Vatia, solus scis vivere; obgleich Seneca nicht völlig dieser Meynung ist, indem er Epist. LV schreibt: At ille latere sciebat, non vivere – – –. Nunquam aliter hanc villam Vatia vivo præteribam, quam ut dicerem:Vatia hics situs est. Rand rechts: Lebensart des Vatia.

Nach des Seneca Beschreibung, außer welcher wir keine andere haben, muß des Vatia Landgut nicht an der Stelle, welche man heut zu Tage zeiget, sondern viel näher bey Bajä, und zwar gegen Abend gelegen seyn, weil er setzet: Occurrit Favonio & illum adeo excipit, ut Bajis neget. Favonius aber kömmt nachPLINII Zeugnisse (lib. II, c. 47) ab occasu æquinoctiali. Vatia Haus wird vom Seneca wegen seiner Lage villa totius anni genennt; da sonst die reichen Römer nur in den kalten Monaten des Jahres oder im Frühlinge die Gegend von Bajä, in der Hitze aber die kühlern Lagen von Tivoli und Frescati suchten.

Von dieser Gegend kömmt man zwischen Felsen durch einen schlimmen und engen Weg über einen steilen Hügel, auf welchem stets Wache gehalten wird, an die verfallenen Ueberreste der warmen Bäder L. Pisonis, oder nach anderer Meynung (welche jedoch nicht wohl gegründet scheint) eines Tempels der Diana, und ferner an den Seebusen von Baja, welcher einen halben Mond vorstellet, und den Schiffen eine sowohl sichere als angenehme Zuflucht giebt. Rand rechts: Thermæ Pisonis. Rand rechts: Seebusen von Baja. An diesem Ufer findet sich gegen die Stadt Baja hin ein alter Tempel Mercurs26, der in seiner Baukunst dem Pantheon oder der Rotonda zu Rom sehr gleicht, übrigens aber viel kleiner ist, indem sein Diameter sich nicht über fünf und zwanzig gemeine Schritte erstrecket. Rand rechts: Tempel des Mercurs. Er ist ganz rund und sein Gewölbe in der Mitte geöffnet, damit das Tageslicht hineinfallen könne. Zwo Personen, die einander gegenüber stehen, und mit leiser Stimme gegen die Wand sprechen, können einander deutlich verstehen, obgleich die in der Mitte sich befindende Gesellschaft nichts davon vernimmt. Rand rechts: Schall in demselben. Außer dem obern runden Loche des Gewölbes hat dieser Tempel noch vier Fenster. Ehe man hinein kömmt, muß man durch ein Gewölbe, so einen Fuß hoch mit Wasser angelaufen ist. Auch das Estrich des Tempels steht guten Theils unter Wasser und ist mit Erde verschüttet. Die Cuppola hat einen starken Sprung oder Riß erlitten.

Nahe hiebey und zwar weiter gegen Baja ist das achteckigte Mauerwerk eines ehemaligen Templi Veneris zu sehen, so sieben palmi in der Dicke und acht große Fenster hat. Sein innerer Umfang ist von drey und siebenzig Schritten. Rand rechts: Templum Veneris.

Hinter demselben geht man nach einer in Felsen ausgehauenen dunkeln Kammer, die la Stanza di Venere genennet wird, und ein mit bas-reliefs geziertes Gewölbe hat. Rand rechts: La Stanza di Venere. Diese stellen nichts unehrbares, sondern nur mythologische Geschichte und Sinnbilder vor, z. E. einen Mann der eine fliehende Weibsperson verfolget, den geflügelten Cupido, etliche Schwanen, Fische, Laubwerk etc. Der Marquis de Cellemare hat etliche der besten Stücke heraus nehmen lassen, ein Centaurus ist nach Frankreich gekommen, und überhaupt machet der Rauch der Fackeln, die man nothwendig in solche Höhle mitnehmen muß, daß man mit der Zeit wenig mehr von diesen Bildern sehen wird.

[866] In einer Nebenkammer, wozu man durch ein Loch kriechen muß, hat der Tropfstein die Gestalt eines Baumes abgebildet, welchen etliche ohne Ursache für ein versteinertes Gewächs ausgeben. Eigentlich liegt diese Stanza di Venere zwischen den zween obgedachten Tempeln der Venus und des Mercurs mitten innen, allein mehr zurück und entfernter vom Ufer der See. Rand links: Baum aus Tropfstein.

Wie wollüstig man zu alten Zeiten in dieser Gegend gelebet, ist bekannt genug