Chronik

Wien in den Jahren 1767 bis 1790 incl.


Vieles hat sich geändert, seit wir die alte Kaiserstadt im Jahre 1766 verließen. Wohin wir auch blicken, überall sehen wir einen stetigen Fortschritt und Umschwung im musikalischen Leben. Manches haben wir bereits kennen lernen, das aber erst jetzt durch seine Verbindung zum Ganzen seine Bedeutung gewinnt. Es ist eine neue Welt, die sich uns öffnet; der Luftzug einer frühlingsverheißenden Zukunft weht uns an; das Abgelebte zerstäubt, neue Keime suchen und finden frischen Boden, entwickeln sich und bieten uns schon jetzt goldene ungeahnte Früchte. Namentlich sind es die achtziger Jahre, in denen sich in Wien fast alles vereinigte, was die Metropole zur bevorzugten Musikstadt stempelte. Noch lebte Gluck und genoß die Früchte seines Ruhmes; Mozart, zum zweiten- und drittenmale (in 1768 und 73) Wien besuchend, nahm nun (1781) seinen bleibenden Aufenthalt daselbst und schuf seine Meisterwerke nach jeglicher Richtung; Haydn, so oft er Wien besuchte, gab Zeugniß seiner nimmer ruhenden Schöpferkraft und jedes neue Werk von ihm drang rasch in alle musikalischen Kreise; noch weitere einheimische und fremde Componisten – Salieri, Gaßmann, Hasse, Paisiello, Sarti, Martin, Benda, Dittersdorf – gesellten sich hinzu und bereicherten die Bühne mit weithin gerühmten Werken. Wien hörte ferner in seinen Mauern die zur Zeit berühmtesten Sänger und Virtuosen und empfing Besuche namhafter Schriftsteller, denen wir so manche schätzenswerthe Schilderungen der damaligen musikalischen Zustände Wiens verdanken. Wir begrüßen ferner die vordem nur vorübergehend erwähnte Tonkünstler-Societät und mit ihr die erste öffentliche Pflege des[109] Oratoriums; die Vermehrung selbstständiger Akademien und Concerte; die ersten Dilettanten-Orchestervereine Wiens; die erweiterte Pflege des Quartettspiels in häuslichen Kreisen; die Zunahme angesehener Familien mit regelmäßigen musikalischen Zusammenkünften. Überdies noch die ersten namhaften Schritte zu dem später sich so rasch entwickelnden Clavierbau; die Errichtung eigener Musikalien-Handlungen und Druckereien; die Gründung eines National-Singspieles, Regelung der Theaterverhältnisse und Entstehung neuer Theater. Dem Adel insbesondere, dessen fördernde Musikpflege bis auf Kaiser Leopold I. zurückreicht, war in diesem Zeitabschnitt eine hervorragende Rolle angewiesen. Nicht nur daß er, durch das Beispiel des Hofes angeregt, die Tonkunst mehr denn je selbst ausübte, zog er nun auch die Künstler in seine Kreise, hielt sich selbstständige Musikkapellen und vereinigte sich zur Aufführung großer Werke in seinen Palästen – fürwahr, eine schwindelnde Fülle von gegenseitig sich ergänzenden Factoren, die in ihrer Gesammtheit den Fortschritten der Tonkunst mit Stromesgewalt eine leitende Richtung gaben. Es liegt ein eigenthümliches Walten in dem Umstande, daß in diesem Bilde selbst der Name Beethoven nicht fehlt, der bekanntlich im Jahre 1787 der Kaiserstadt einen kurzen Besuch machte und vor Mozart spielte. Nehmen wir diesen Moment als den verbindenden Ring, mit dem die später mächtig sich aufthürmende Tonwelt gleichsam an solide, dauernde Grundpfeiler sich naturgemäß einklammerte.

Die oben angedeuteten Punkte sollen uns nun in erweitertem Rahmen das damalige Wien, als Fortsetzung der früheren Chronik, vor Augen führen und, im Verein mit dem Bilde von Esterház. den belebenden Hintergrund bilden, auf dem allein wir mit dem künstlerischen Aufstreben unserer Hauptfigur vertraut werden können.


Über die ungewöhnliche Musikpflege des kaiserlichen Hauses wurde bereits (Bd. I. S. 80) gesprochen. Manches hat sich seitdem geändert. Die Kinder der Kaiserin Maria Theresia wuchsen heran, kamen hierhin, dorthin; die Kaiserin selbst zog sich seit dem Tode ihres Gemals Franz I. (gest. 18. Aug. 1765) von allen Zerstreuungen zurück und besuchte, wie wir gesehen, nur noch einigemal das Theater nächst der Burg. Wohl fanden[110] noch musikalische Aufführungen bei Hofe statt, aber nur vor dem Kaiser Joseph und wenigen bevorzugten Gästen. Von den Hof-Claviermeistern waren Wenzel Birk (zugleich Hoforganist) schon 1763, Mathäus Schlöger 1766, Wagenseil 1777 gestorben. Ihre Stellen vertraten nun Jos. Steffan und seit 1781 Georg Summer (später 1791, Hoforganist) und Leopold Kozeluch; Singmeister war noch der früher genannte Giovanni Battista Mancini;1 der Kaiser aber genoß nun den Unterricht seines lieben Gaßmann und nach dessen Tode (1774) wurde Salieri, dessen Werke seit 1770 auf dem Repertoire der Oper standen, sein musikalischer Rathgeber. »Joseph's Geschmack war in der durch Hasse und Piccini repräsentirten Tradition der italiänischen Musik gebildet und seine Neigung blieb dieser Richtung zugethan. Sein Wunsch eine nationale Musik sich entwickeln zu lassen, ging wesentlich aus einer vernunftmäßigen Überzeugung hervor, und wenn er auch zu überlegenen Geistes war, um das Bedeutende in Gluck's und Mozart's Leistungen zu übersehen, so war doch dies nicht eigentlich das was ihm behagte. Offenbar hatte er sich gewöhnt in der Musik eine Unterhaltung zu finden, für welche die selbstständige Macht und Fülle, die Gluck, Haydn und Mozart ihrer Kunst errangen, überwältigend wurde«.2 Von der Zeit an, da der Kaiser nach dem Tode seiner großen Mutter die alleinige Regierung angetreten hatte, widmete er nach aufgehobener Tafel, die nicht viel länger als eine Viertelstunde dauerte, regelmäßig eine Stunde der Musik. Dreimal in der Woche wurden dann einzelne Stücke aus Opern vorgenommen, wobei der Kaiser selbst am Clavier begleitete und eine Singstimme übernahm; außer ihm wirkten mit sein jüngster Bruder, Erzherzog Maximilian (seit 1780 Coadjutor, 1785 Kurfürst-Erzbischof von Köln), Salieri oder auch Umlauf. Auf diese Art machte sich der Kaiser mit den zur Aufführung in Vorschlag gebrachten neuen Opern vertraut und gab darüber sein Urtheil ab. Die übrigen Tage waren dem Streichquartett gewidmet, bei dessen Auswahl, wie wir früher (Bd. I. S. 25) sahen, Hofmusik-Director Franz Kreibich (obgleich ihm der Kaiser gegen Dittersdorf einen[111] Hanswurst und Gänseschnabel nennt) und Kammerdiener Strack entscheidenden Einfluß nahmen. Beide sorgten denn auch redlich dafür daß nur Compositionen nach ihrem Geschmack aufgelegt wurden. Mozart und Haydn waren hier so gut wie ausgeschlossen, Salieri »der Abgott des Kaisers«, wohnte regelmäßig den Aufführungen bei und ihm wäre es leicht gefallen, sein Ansehen geltend zu machen, allein »er hatte keinen Grund, die Geschmacksrichtung des Kaisers zu bekämpfen, die er doch selber vertrat und war klug genug, um auch nur mit dem Schatten seines Monarchen in Collision zu kommen«. – Was Haydn betrifft so gründete sich des Kaisers früher (Bd. I. S. 25) erwähntes Urtheil darauf, daß er ihn noch immer nach dessen Jugendarbeiten abschätzte. Sein späteres Urtheil gegen Dittersdorf klang ganz anders. Von diesem zu einer Parallele zwischen Mozart und Haydn aufgefordert, vergleicht er Mozart's Composition mit einer Tabatière, die in Paris und die Haydn'sche mit einer, die in London verfertigt ist, beiläufig: beide sind von Werth, erstere durch ihre geschmackvolle Form und Verzierung, letztere durch ihre Einfachheit und solide Arbeit.3

Der Kaiser und Erzherzog Maximilian hatten nach damaliger Sitte der Großen ihre eigene Harmoniemusik und wenn Letzterer im Lustschlosse Schönbrunn wohnte, gab er öfter im Park Musik mit seiner dann bis auf 40 Mann verstärkten Kapelle, wozu sich Adel und Volk und auch der Kaiser einfanden.4 Den Musikern war auch gestattet, sich in den Akademien der Tonkünstler-Societät (1783 und 87) hören zu lassen, oder sogar ein eigenes Concert im National-Hoftheater (1788) zu geben, wo sie dann Stücke aus den damals so beliebten Opern von Martin[112] bliesen. Auch durften sie sich von hohen Cavalieren für Tafelmusik engagiren lassen.5

Die früher (Bd. I. 82) erwähnten Tafelmusi ken bei Hof waren noch immer üblich, namentlich an. Neujahrstage beim Mittagsmal, bei der der Hof öffentlich auf goldenem Gedeck speiste. Die Wiener Zeitung berichtet dann regelmäßig daß der erste Obersthofmeister Fürst von Starhemberg nebst den Leibgarde-Capitäns Fürsten Lobkowitz und Esterházy und Graf Nostiz die Aufwartung und der äußere Hofstaat die Bedienung übernahm, »indessen eine auserlesene Vocal- und Instrumentalmusik der kaiserlichen Kammer ertönte.«

Die Theatervorstellungen in Laxenburg, dem einst von Kaiser Karl VI. bevorzugten Lustschlosse, werden besonders in den Jahren 1770, 1784 und 86 von der Wiener Zeitung und in den beiden letzten Jahren auch von Zinzendorf erwähnt. Es war die Zeit wo die italiänische Oper besonders florirte und so finden wir hier alle vorzüglichen Mitglieder derselben vereinigt, um namentlich Opern von Paisiello und Salieri aufzuführen; vom deutschen Singspiel ist nur Gluck's »Pilgrimme von Mekka« genannt. Vom Jahre 1784 liegt auch die Aufzeichnung Kelly's,6 Tenorist der ital. Oper, vor, dem wir die lebhafte Schilderung der Aufführung von Mozart's Le nozze di Figaro verdanken. Nach ihm war in Laxenburg freier Zutritt für Jedermann, selbst für die Bewohner der umliegenden Ortschaften, denen freilich der späte Schluß der Vorstellungen (111/4) wenig gemundet haben mag. Kelly erzählt auch von einer Revue über 20,000 Mann, die der Kaiser selbst befehligte. »War dies nicht ein schöner Anblick«? (fragte er Kelly); »dieser Platz ist meine Bühne, hier bin ich der erste Akteur«. – Auf dem Schloßtheater zu Schönbrunn, dessen schon erwähnt wurde (I. 82), waren die Vorstellungen des Adels nun seltener. Das Wiener Diarium spricht nur im J. 1770 von einer dreimaligen Aufführung eines Singspiels durch Cavaliere und Damen gelegentlich eines Familienfestes. Zinzendorf hörte daselbst in den Jahren 1774 und 75[113] Opern, von Mitgliedern der kaiserl. Oper aufgeführt.7 (Der Aufführungen bei Gelegenheit des Besuches der Esterházy'schen Kapelle in 1777 wurde schon gedacht.) In 1784 und den zwei folgenden Jahren waren dort Feste die der Kaiser dem höchsten Adel und fremden Gästen zu Ehren gab, wobei die Mittagstafel in der Orangerie abgehalten wurde, während die kaiserliche Harmonie sich hören ließ. Nach aufgehobener Tafel wurden auf zwei an den entgegengesetzten Enden der Orangerie errichteten Bühnen Vorstellungen gegeben. Im J. 1785, am 6. Februar wurden Scenen aus »Emilia Galotti«, aus dem Lustspiel »Der seltene Freier« und die italienische Oper Il finto amante, im folgenden Jahre am 7. Februar Mozart's »Schauspieldirector«8 und Salieri's einaktige Oper Prima la musica e poi le parole aufgeführt. Die Gäste fuhren nach dem Schlusse der Festlichkeit, jeder Wagen von zwei Reitknechten mit Windlichtern begleitet, nach der Stadt zurück. (W.-Ztg. 8. Febr.).


Bei der Wiederaufnahme des Abschnittes über Theaterleben werden wir mit Erstaunen sehen, welche Dimensionen unterdessen die Lust am Schauspiel genommen hatte. Zu den bisher einzigen zwei Theatern der inneren Stadt treten nun neue kleinere Unternehmungen in den Vorstädten hinzu, von denen ein Theil schließlich zur Entstehung unserer heutigen Theater führte. Namentlich in der Mitte der 70er Jahre kam eine wahre Schauspielwuth über die außerhalb der Ringmauern Wiens gelegenen Gründe. Schau- und Lustspiel, Posse, Singspiel, Oper und Ballet wurde gepflegt und malträtirt und dazu die Tanzsäle der größeren Gasthäuser gemiethet oder auf freien Plätzen eigene hölzerne Buden aufgerichtet. Die damaligen wandernden Schauspielertruppen wagten[114] sich an Alles heran und suchten es bis auf die gedruckten Komödienzettel herab den privilegirten Theatern gleich zu thun. »Sage einer noch einmal (rühmt ein Blatt)9 daß man dem deutschen Originalgeiste nicht Freiheit genug giebt auf allen Seiten zu wetteifern und sein Talent, seine Kunst, alle seine Geschicklichkeiten frei zu zeigen«. – Nachdem im J. 1770 namentlich durch Sonnenfels' Bemühung die Aufführungen extemporirter Stücke in der inneren Stadt glücklich beseitigt waren, versuchte man hier einen Mittelweg einzuschlagen, indem man aus dem Stegreif auswendig gelernte Possen gab. Aus der Zahl der zeitweiligen Theater seien nur zwei hervorgehoben, eines in der Vorstadt Neustift (jetzt Neubau, Bezirk VII), das andere in der Vorstadt Landstraße. Ersteres befand sich in der Neustiftgasse 58 (neu 67) im Hause »Zum weißen Fasan«, dem Buchdrucker Joh. Winkler gehörig. Als Lokal diente der Tanzsaal, der schon 1776 von Felix Berner mit seiner Kindertruppe zu Theatervorstellungen benutzt wurde. 1783 spielten dort Studenten in ihrer Ferienzeit und zwar unentgeltlich und unter Leitung des Franz Xaver Gewey. 1784 schlug die Wilhelm'sche Gesellschaft daselbst ihr Lager auf; Andere folgten. Das »Wienerblättchen« kündigte mitunter die Vorstellungen an, darunter die Singspiele »Das Gärtnermädchen«, »Die eingebildeten Philosophen«, »Der Barbier von Sevilla« (von Paisiello); »Asmodeus« oder: Der krumme Teufel (Jos. Haydn); »Die Liebe unter den Handwerksleuten« (Gaßmann); »Die Magd eine Dienerin« (la serva padrona a. d. ital. nachgeahmt von Kurz, Musik von Gspan); das Melodram »Ariadne auf Naxos« (Benda); »Die Pilgrimme von Mekka« (Gluck); »Alceste« (Schweitzer). – Das zweite Theater, Vorstadt Landstraße, fällt ins Jahr 1789, in welchem die Directoren Franz Scherzer und Karl Ferdinand Neumann in der Wiener Zeitung (Nov.) die baldige Eröffnung ihres von Stein erbauten Theaters (in der Nähe des gegenwärtigen Gemeindehauses) anzeigen. Der Wechsel in der Direction war dort permanent; auch ging das Theater an Theilnahmlosigkeit der Bewohner jener Vorstadt, von denen es hieß daß sie schon um sieben Uhr schlafen gingen, im J. 1795 ein und wurde in ein Zinshaus umgebaut. Anfangs war dort jeden zweiten Tag Oper und das[115] Personal zählte mehrere später rühmlich genannte Mitglieder. Zur Aufführung kamen u.A.: »Das listige Bauernmädchen«, oder: »Der geadelte Bauer«, »Die Sklaven« (beide von Paisiello); »Der listige Kaminfeger« (Salieri); »Circe und Ulysses« (Astarita); »la vera costanza« (Jos. Haydn).

Sehen wir uns nun in jenen Vorstädten um, denen die heutigen Theater ihre Entstehung verdanken. In der Josephstadt wurde 1776 in der Schweibbogengasse von Franz Scherzer ein Schauspielhaus eröffnet, das später Fürst Adam Auersperg, an dessen Palais es anstieß, ankaufte und zu seinem Privattheater herrichtete. Mozart führte daselbst 1786 seinen »Idomeneo« auf; auch sonst wird es bei festlichen Gelegenheiten oft genannt und besteht noch heute. Das im J. 1788 von Karl Mayer erbaute und am 24. Oct. eröffnete noch heute bestehende »Josephstädter Theater« wurde erst später der Oper dienstbar; es sei hier wenigstens flüchtig erwähnt. – Mehr Interesse bietet uns die Leopoldstadt, wo seit 1771 an verschiedenen Orten Komödie gespielt wurde, bis endlich 1781 ein stabiles Theater von Karl Marinelli in der Praterstraße erbaut und am 20. Oct. eröffnet wurde. Dieses kleine »Leopoldstädter Theater« (im Volksmunde nach einer beliebten Theaterfigur auch »Kasperltheater« genannt und von Hoch und Niedrig gerne besucht),10 wurde der Boden für eine Reihe beliebter Volkspossen, welche mit ihrer Musik von den dortigen Kapellmeistern Wenzel Müller und Ferdinand Kauer ungemein populär wurden und Jahrzehnte überdauerten. Die beiden Marinelli,11 die Ehepaare Menninger und Richter, La Roche12 u.A. zählten zum Personal; letzterer schuf die Figur des Käsperle und erfreute sich der größten Beliebtheit. Neben den Volkspossen treffen wir auch auf zahlreiche und sehr oft gegebene Singspiele und Opern von Salieri, Sarti, Anfossi, Gluck »(Pilgrimme von Mekka«), Gaßmann, Dittersdorf, Vincent Martin, Gretry, d'Allayrac, Joh. Schenk (die Singspiele »Die Weinlese«, »Die Weihnacht auf dem Lande«).13[116] Es erübrigt noch der Vorstadt Wieden zu gedenken. Auch hier hatten seit Mitte der 70er Jahre herumziehende Truppen ihr Glück versucht. Der Principal Christian Roßbach faßte endlich Fuß. Bisher in der innern Stadt auf dem Neu-Markt in einer Bretterhütte den Musen huldigend, erbaute er 1786 im rückwärtigen Hofe des fürstl. Starhemberg'schen Freihauses ein kleines stabiles Theater. Im März 1788 übernahm es der Theaterdichter Joh. Friedel in Gesellschaft der Frau des Emanuel Schikaneder. Friedel hielt auch bei der Wiedereröffnung am 24. März 1788 die Antrittsrede, die im Druck erschien. Er starb, 38 Jahre alt, am 31. März 1789 und nun berief Frau Schikaneder, von ihm testamentarisch zur Erbin eingesetzt, ihren in Regensburg weilenden Mann zur Übernahme des Theaters, für das er 1790 ein kaiserl. Privilegium erwirkte. Von da an hieß es im Volksmunde schlechtweg das »Schikaneder Theater«. Anfangs fungirten Franz Teyber und Joh. Hummel (Vater des Claviervirtuosen J.N. Hummel) als Musikdirectoren; 1790 folgte als Kapellmeister Joh. Bapt. Henneberg. Nennenswerthe Aufführungen in dieser kurzen Zeit sind: »die Entführung aus dem Serail« (Mozart), »Schönheit und Tugend« (Martin's Una cosa rara), »der Barbier von Sevilla« (Paisiello); »das unvermuthete Seefest« und »das Singspiel ohne Titel« (beide von Joh. Schenk); »Oberon, König der Elfen« (Paul Wranitzky).14


Wir kommen nun zu den beiden Theatern der inneren Stadt (nächst der Burg und nächst dem Kärnthnerthor), deren Geschichte bis zum Jahre 1766 wir schon kennen,15 die uns aber jetzt erst ein reicheres Bild entfaltet. Was oberste Leitung und Pacht betrifft, sind beide Theater vorerst gemeinsam zu betrachten und genügen dazu für unsern Zweck die Haupt-Daten.16[117] An Stelle des seit 1764 als General-Spectakel-Director fungirenden Grafen Joh. Wenzel Spork (Bd. I. S. 93) trat im April 1775 Joh. Joseph Fürst Khevenhüller und nach dessen Tode (10. April 1776) der Oberstkämmerer Graf (spätere Fürst) Franz Orsini-Rosenberg, der im Jan. 1791 durch den Grafen Joh. Wenzel Ugarte ersetzt wurde. Als Pächter und oberste Leiter in dieser Periode erscheinen: Franz Hilverding von Weven, vordem kaiserl. Hof-Balletmeister (I. 86), der Abenteurer Giuseppe Afflisio17 (von Mai 1767 bis Mai 1770); Graf Johann Kohary (bis April 1775); Graf Keglevich (bis März 1776). Nachdem aber die finanziellen Verhältnisse der Theater sich immer bedrohlicher gestalteten, übernahm der Hof nun das Burgtheater in eigene Verwaltung, schränkte die Ausgaben möglichst ein und überließ das Stadttheater (nächst dem Kärnthnerthore) jedem sich Bewerbenden gratis nebst der Begünstigung, nach Thunlichkeit auch das Burgtheater benutzen zu können. Erst 1785 übernahm der Hof auch das Stadttheater wieder in eigene Rechnung. – Nach dem Tode des Kaisers Franz I. (18. Aug. 1765) wurde das Burgtheater mit einer neuen vorzüglichen französischen Gesellschaft für Schau- und Singspiel am 16. Mai 1767 wieder eröffnet; es wurde nun kurzweg als das französische, im Gegensatz zum deutschen Theater (nächst dem Kärnthnerthor) bezeichnet, obwohl auch in ersterem wöchentlich einmal eine deutsche Vorstellung statt fand. Für das Ballet an beiden Theatern wurde der berühmte Noverre als Balletmeister engagirt. Italiänische Oper war wöchentlich zweimal im Burg- und einmal im Stadttheater. Musikalische Akademien fanden zur Advent- und Fastenzeit statt, außerdem auch Freitags. Im Jahre 1772 veranlaßten nothwendige Ersparungen die Verabschiedung der Franzosen, die durch ihre vorzüglichen Leitungen auch vortheilhaft auf das deutsche Schauspiel gewirkt hatten. Sie spielten am 29. Februar zum letztenmale. Noverre's Contract ging 1774 zu Ende und seine Stelle übernahm Angiolini, der schon einmal (1762) angestellt war. 1776 wurde auch das Ballet und die ital. Oper aufgelöst und das Burgtheater am 17. Februar zum Hof- und[118] Nationaltheater erhoben und als solches am Ostermontag, 8. April, eröffnet. –

Die italienische Oper stand nach Gluck's Weggang im Jahre 1765 (Bd. I. 87) unter der Leitung des Kapellmeisters Florian Gaßmann; als dieser im Spätherbst 1769 auf einige Zeit nach Rom ging, vertrat ihn sein Schüler Salieri unter Oberaufsicht des Vice-Kapellmeisters Ferandini. Nach dem Tode Gaßmann's (22. Jan. 1774) blieb Salieri alleiniger Operndirigent bis zum Tode Kaiser Joseph's (1790). Nun fand sich Salieri bewogen, zurückzutreten; man sprach von Cimarosa als seinem Nachfolger, wählte jedoch, »um im Schüler den Meister zu ehren«, Jos. Weigl, der Salieri bereits supplirt hatte. – Unter den Componisten der in dieser Periode aufgeführten Opern finden wir am häufigsten vertreten Piccini, Gaßmann, Salieri, Paisiello, Gazzaniga, Anfossi, sämmtlich neue Erscheinungen. Gius. Scarlatti († 1777 in Wien) erscheint noch zweimal, Hasse mit der fünften seiner für Wien geschriebenen Opern; Gluck ließ seinem (Orfeo 1762) noch Alceste18 und Paride ed Elena folgen. – Die in dieser Periode wie überhaupt bis 1790 incl. gegebenen Opern sind in Beilage III zusammengestellt (als Fortsetzung des früheren Verzeichnißes, Bd. I. Beilage III).

Die bedeutendsten Sängerinnen waren: Antonie Bernasconi aus Wien, vorzüglich in Gluck'schen Opern, auch als Schauspielerin gerühmt;19 Teresa Eberardi, Constanza Baglioni aus Bologna (an den Sänger Poggi verheirathet); Katharina[119] Schindler aus Wien (eigentl. Leitner später Frau des Schauspielers Bergopzoomer); deren Nichte Anna Schindler (gest. 1779 als Frau des Hofschauspielers Lange); Anna Maria Weigl (vergl. I. 265); Katharina Cavalieri geboren nächst Wien (von Mozart sehr geschätzte Bravoursängerin), die Altistin Weiß aus Wien; Theresia Kurz aus Toscana (vergl. I. 149). Sänger: die Tenoristen Tibaldi, Guardasoni, Caribaldi, Jermoli, Polini, Castrat Millico, Baß-Buffo Domenico Poggi, die vortrefflichen Komiker Laschi und Carattoli, der Bassist Bussani aus Rom etc. – Das Orchester unter Director Jos. Trani zählte 31 Mitglieder, darunter Woborzil, Borghi, Georgi (Violine); Orsler und Weigl (Violoncell); Joseph Cammermeyer und Pischelberger (Contrabaß);20 Vittorino Colombazzo (Oboe), Stamitz (Waldhorn), Pacher (Flöte). Das Orchester wechselte mit jenem des Stadttheaters (26 Mitglieder), je nachdem es Oper und Ballet erforderte. – Im Herbstmonat 1770 wurden Oper und Ballet ins Lager nach Mährisch-Neustadt beordert, um bei den Festlichkeiten zu Ehren der Anwesenheit des Königs von Preußen Vorstellungen zu geben. Kaiser Joseph hatte den Kapellmeister Gaßmann mitgenommen, der seine Oper La contessina aufführte, die dem Könige, für den Gaßmann dann mehrere Stücke für die Flöte schrieb, so sehr gefiel, daß er dem Kaiser den Wunsch äußerte, »ihm den Mann zu überlassen, der so ganz nach seinem Herzen schriebe«. –

Das Stadttheater wurde nach des Kaisers Tode am Ostersonntag 31. März 1766 wieder eröffnet. Eine radikale Veränderung war diesem Theater vorbehalten. Die Theatercensur, schon 1751 eingeführt (vergl. I. 100), wurde 1770 durch Staatsrath Freiherrn v. Gebler (Sonnenfels als Theatralcensor) strammer gezogen. Die Burleske lag in den letzten Zügen; der Komiker Prehauser starb 1769 (I. 97) und Felix Kurz versuchte es bei seiner Wiederkehr vergebens,21 das frühere Interesse für ihn wieder anzufachen. An die Stelle extemporirter Farcen traten nun regelmäßige[120] Stücke und der Hanswurst lebte nur noch in einigen Abarten kümmerlich fort.

Nachdem der Hof, wie oben erwähnt, im J. 1776 die unentgeltliche Benutzung des Stadttheaters nebst eventueller Überlassung des Burgtheaters freigegeben hatte, meldeten sich als die ersten eine Gesellschaft französischer Operisten unter der Direction des Unternehmers Hamon. Sie gaben im Januar abwechselnd in beiden Theatern Vorstellungen und reisten dann ab mit der Absicht, bei ihrer Wiederkehr auch die italienische Oper zu pflegen.22 Mittlerweile hatte sich Noverre gemeldet, der den Principal Böhm mit seiner Gesellschaft aus Brünn verschrieb und das im Burgtheater entlassene Ballet übernahm. Es wurden vom 17. April bis 17. Juni 32 Singspiele und 49 Ballete gegeben; die Singspiele waren von Gossec, Monsigny, Gretry, Philidor, Duny, Guglielmi, Hiller, Wolf, Gluck, Bichler, Holly, Baumgartner. Obwohl die Aufführungen der Singspiele mittelmäßig waren, übte doch das wieder zu Ehren gekommene Ballet solchen Zulauf aus, daß das Burgtheater fast verwaist blieb. Noverre bewies, daß er auch zu sparen verstand und zeigte sich seinen Untergebenen gegenüber höchst uneigennützig und großmüthig. Das Tänzercorps gab ihm aus Dankbarkeit ein Benefice und der Kaiser ernannte ihn zum kais. königl. Hof-Balletmeister. Er verließ Wien mit Ehren überhäuft und reiste nach Paris, wo er bei der großen Oper unter glänzenden Bedingungen angestellt wurde.

Vom 28. Mai bis Ende December 1776 gaben ferner die Unternehmer einer Privatgesellschaft abwechselnd in beiden Theatern italienische Opern-Vorstellungen. Das Sängerpersonal zählte 12 Mitglieder, darunter Tenorist Jermoli, Bassist Poggi und Frau, und die Cavalieri. Dazwischen occupirten die Schauspielgesellschaften Wäser aus Breslau, dann Moll aus Preßburg das Terrain, zum Theil auch Luftspringer und Gaukler. Moll begann am 21. Oct. mit »Dido«, »Schauspiel eines hiesigen Dichters« (Realztg.) und gab auch nach Ostern 1777 regelmäßige Stücke nebst Pantomimen von Bienfait (W.D. Nr. 36). Vordem, im Januar und Februar, gab die Gesellschaft der Katharina Schindler (ausschließlich im Stadttheater) italiänische Opern;[121] Anna Lange, Tenorist Friberth, Ruprecht, Kral und Postelli waren die besseren Mitglieder. – Die weiteren bunten Wechselfälle dieses Theaters werden uns später noch einmal beschäftigen, für jetzt kehren wir zum Hof- und Nationaltheater zurück.

Gegen Ende 1777 beschloß Kaiser Joseph, wahrscheinlich aufgemuntert durch die Singspiel-Aufführungen der Böhm'schen Truppe, den Versuch zu machen, ein »National-Singspiel« zu gründen. Er beauftragte den Schauspieler J.H. Friedr. Müller, die nöthigen Vorkehrungen zu treffen und ernannte ihn zum Director und Regisseur; Jg. Umlauf wurde Musikdirector. Das Singpersonal bestand anfangs aus der Cavalieri, Wilhelmine Stierle, den Sängern Jos. Ruprecht und Fux; der Chor wurde aus den Kirchen requirirt. Am 17. Febr. 1778 wurde als erste Vorstellung das Original-Singspiel in 1 Akt »die Burgknappen« von Weidmann, Musik von Umlauf, gegeben. Der Reiz der Neuheit, die treffliche Darstellung und die hübsche Musik lockten jeden Abend eine Menge Neugieriger herbei, von denen viele aus Mangel an Platz wieder umkehren mußten; besonders die Cavalieri erfreute sich allgemeinen Beifalls und wurde sogar, damals eine Seltenheit, hervorgerufen.23 Das Personal ergänzte sich allmählig durch Anna Lange, Weiß, Aloysia Weber (Mozart's erste Liebe, 1780 an den Hofschauspieler Lange verheirathet), Brenner, Fischer, Nouseul, Therese Teyber, Antonie Bernasconi und Saal; den Sängern Arnold, Souter, J.B. Hofmann, Christian Benda (Sohn des Componisten Georg B.), dem trefflichen Tenor Valentin Adamberger (Mozart's Belmont), Walther, Nouseul, Günther, dem ausgezeichneten Bassisten Fischer (Mozart's Osmin) und Jg. Saal. Im Melodram wirkten mit die Damen Sacco, Defraine, Jacquet, das Ehepaar Brockmann und Joseph Lange. In italienischer Sprache waren verpflichtet zu singen: die Bernasconi, Brenner, Fischer und Frau, Adamberger, Souter und Walther. – Von dem ursprünglichen Plane, nur Originalstücke zu geben, mußte man bald abstehen; es wechselten vielmehr (wie Beilage III zeigt) wirklich deutsche Singspiele mit Übersetzungen französischer und[122] italiänischer Werke. Das Unternehmen erlahmte zwar für diesesmal, doch brachte es noch vor Thorschluß als herrlich lohnende That Mozart's »Entführung« (16. Juli 1782),24 und als erste Wiener Aufführung Gluck's »Iphigenie auf Tauris« (23. Oct. 1781);25 oft gegeben wurden auch die Melodramen »Medea« von Gotter und »Ariadne auf Naxos« von Brandes, beide mit Musik von Georg Benda, der damals selbst in Wien sich aufhielt. Das National-Singspiel erhielt sich bis 1783; am 4. März war die letzte Vorstellung.26

Der fühlbare Mangel an Singspielen weckte die Sehnsucht nach Wiedereinführung der italiänischenOpera buffa. Von den Deutschen wurden für dieselbe beibehalten: die Sängerinnen Cavalieri, Teyber, Lange; die Sänger Ruprecht, Adamberger, Hofmann und Saal. Neu engagirt wurden: Anna Storace27 (eine Engländerin, damals erst 17 Jahre alt), Maria Piccinelli, deren Schwester Mandini, Bussani; Tenor Mandini, Kelly aus Irland, Bussani (zugleich Director der Oper), Benucci und Pugnetti. Bis Ende 1790 traten noch hinzu: Luigia Mombelli (geb. Laschi), Coltellini, Calvesi, Marconi, Molinelli, Speccioli, Morichelli, Adrianna Ferrarese, deren Schwester Aloisia [123] Villeneuve,28 Colombati, Nencini. Sänger: Viganone,29 Piovane, Mandini, Ghisani, Mombelli, Lotti, Morella, Crucelati, Albertarelli. Calvesi etc. Die meisten der Genannten sind uns durch die Mozart'schen Opern geläufig; denken wir nur an Storace (Susanne), Bussani (Cherubino, Despina), Mombelli (Zerline, la contessa), Ferrarese (Susanne, Fiordiligi), Villeneuve (Dorabella), Lange (Donna Anna), Cavalieri (Donna Elvira); an Albertarelli (Don Giovanni), Benucci (Figaro, Leporello, Guillelmo), Mandini (Almaviva), Kelly (Bassilio), Morella (Don Ottavio), Bussani (Bartolo, Don Pedro, Masetto, Don Alfonso).

Die italiänische Oper begann am 22. April 1783; das Repertoire bis 1790 (Beilage III) nennt 63 Opern mit 18 Componisten, darunter mit neuen Opern am häufigsten Paisiello (12) und Cimarosa (10); ferner Salieri, Anfossi, Sarti, Guglielmi, Martin, Mozart, Gazzaniga, Alessandri, Traetta etc. Von den früheren sind nicht mehr genannt: Piccini, Gaßmann, Galuppi und Hasse. So sehen wir auch hier zum zweitenmale, wie selbst im Verlauf von kaum 10 Jahren das Interesse für einzelne Componisten erlahmt, Namen verschwinden und neue auftauchen, um ebenso bald wieder der Vergessenheit anheimzufallen. Wie Wenigen ist es beschieden, sich dauernd zu erhalten: sehen wir von Gluck und Mozart ab, so ist es nur Cimarosa, der heuzutage noch bisweilen, und auch da mehr aus Curiosität, vom Staube gereinigt wird. Das Loos der letzten italienischen Opern Mozart's in ihren ersten Jahren kennen wir. Le nozze di Figaro wurde im ersten Jahre (1786) 9 mal gegeben,30 dann namentlich durch Martin'sUna cosa rara verdrängt und erst 1789 wieder hervorgesucht. Don Giovanni,[124] nach der Prager ersten Aufführung in Wien zuerst am 7. Mai 1788 gegeben,31 erlebte in diesem Jahre 14 Wiederholungen und tauchte erst in den 90er Jahren wieder auf. »Cosi fan tutti«, 1790 10 mal gegeben,32 erfuhr durch des Kaisers Tod eine Unterbrechung. Längst verschwunden sind die Opern, zu denen Mozart Einlagen schrieb: zu Il curioso indiscreto von Anfossi (1783),La villanella rapita von Bianchi (1785),33 I due barone von Cimarosa und Il burbero di buon cuore von Martin (1789). Den Wiederholungen bis Ende 1790 zufolge hatten den meisten Erfolg Paisiello's Il barbiere di Siviglia (61 mal seit 1783), Il rè Teodoro (55 mal seit 1784), Salieri's Axur (53 mal seit 1788), während Martin's Una cosa rara trotz aller Beliebtheit diesen dennoch nachsteht (42 mal seit Nov. 1786) und selbst überholt wurde von dessen l'Arbore di Diana (59 mal seit Oct. 1787). Wie bald bewährte sich Mozart's Ausspruch über Martin: »Vieles in seinen Sachen ist wirklich sehr hübsch, aber in zehn Jahren wird kein Mensch mehr Notiz davon nehmen«. – Zu jener Zeit wurde ein arger Mißbrauch getrieben mit der Aufforderung zu Wiederholungen einzelner Stücke und selbst der Kaiser gab häufig das Zeichen dazu.34 In Sarti's Fra due litiganti mußte die Storace eine Arie dreimal wiederholen; in Mozart's Nozze di Figaro wurden noch nach der 8. Aufführung 6 Nummern wiederholt, das kleine Duo sogar 3 mal. Man rieth damals dem Kaiser, das Dacapo einzustellen,35 worauf auch richtig der nächsten Ankündigung (l'Italiana in Londra) die Notiz beigefügt war: »Es wird hiermit zu wissen gemacht, daß von[125] nun an, um die für das Singspiel bestimmte Dauerzeit nicht zu überschreiten, kein aus mehr als einer Singstimme bestehendes Stück mehr wird wiederholt werden«. Im Herbst war das Verbot wieder vergessen, denn inCosa rara wurde ein Duo regelmäßig 2 und 3 mal wiederholt.

Das Stadttheater (nächst dem Kärnthnerthor) das wir Ende 1777 verlassen haben, bildete noch immer eine Gastherberge für Einheimische und Fremde. Im J. 1778 erscheint der früher genannte Principal Moll, dann Bienfait und Gauklerkünstler aller Art. 1779 errichtete der Hofschauspieler Müller auf seine Kosten eine Theater-Pflanzschule für Kinder und gab mit ihnen auch Ballete. 1780 bis Herbst 1782 gaben die französischen Unternehmer Dalainval und Beaubourg französische Singspiele und Komödien, in der letzten Zeit auch Ballete. In diese Zeit fällt auch eine französische Aufführung von Gluck's Orfeo (30. Juni 1781). Den Orfeo gab Sr. Le Petit, Mme. Giorgi-Banti, eine später berühmte Sängerin, der wir noch begegnen werden, sang die Euridice, Dlle. Laurent den Amor.36 Im Febr. 1783 wurde die Oper Calypso abbandonata aufgeführt, in der zwei vorzügliche Sängerinnen der fürstl. Esterházy'schen Kapelle sangen. Als Componisten der Oper giebt Zinzendorf irrthümlich Haydn an.37 Diese Oper wurde wahrscheinlich als eine Art Gastvorstellung unter der Gesellschaft Nouseul und Gensike aufgeführt. Den einzigen Anhaltspunkt dazu bietet hier eine wenig bekannte Broschure,38 in der wir lesen: »Im Kärnthnerthor-Theater spielten in den letzten drei Monaten (1782) eine Jehnische Gesellschaft deutscher Schauspieler; zu Anfang 1783 theilte sie sich in zwei Truppen unter Nouseul und Gensicke als Directoren. Die erstere war die bessere. Es wurden meist[126] Schau- und Lustspiele gegeben, nur wenige bekannte Singspiele, keine eigentlichen Opern«. Von beiden Gesellschaften sind dann die Mitglieder genannt.

Gensicke einigte sich später mit der Schauspielerin Barbara Fuhrmann,39 bisher Eigenthümerin eines Winkeltheaters »Zum Wasen« in der Vorstadt Wieden. Diese Truppe gab nun im Stadttheater von 27. August bis Ende October 1783 Vorstellungen aller Art: Zauberpossen, Schau- und Lustspiele, Ballete, Singspiele und Opern; unter letzteren »Romeo und Julie« (Georg Benda), »das Gärtnermädchen« (Paisiello), »die Eifersucht auf der Probe« (Anfossi), »der gefoppte Bräutigam« (Dittersdorf), »die Liebe unter den Handwerksleuten« (Gaßmann); ferner die Melodrame »Medea« (Benda) und »Ino« (Reichardt). Auch einem hundertjährigen Jubiläum begegnen wir im September: »Die belohnte Treue der Wiener Bürger«, Schauspiel in 3 Akten von O. Gensike. Zur Erinnerung an die Entsetzung Wiens am 12. Sept. 1683.

Nach Angabe der Wiener Zeitung gab seit 2. Juli 1784 die Scherzer'sche Gesellschaft deutsche Vorstellungen; ihr folgte am 31. August eine Gesellschaft italienischer Schauspieler mit italienischen Komödien und nach dieser die Gesellschaft Schikaneder und Kumpf. Die Vorstellungen dieser Gesellschaft müssen zu den besseren gezählt haben, denn selbst der Kaiser besuchte sie mit seinem Hofstaat. »Als die Unternehmung einzelner Privatpersonen (sagt die W. Ztg. 22. Dec.) ist sie das beste, was wir seit vielen Jahren auf dem Theater am Kärnthnerthore sahen«. Schikaneder trat als Schauspieler auf und lieferte Theaterstücke (z.B. Bucentaurus); auch der früher genannte Theaterdichter Friedel schrieb Lustspiele (z.B. »der Fremde«) die sich allgemeinen Beifalls erfreuten. Als erste Vorstellung ist Mozart's »Entführung« genannt, weiterhin »Zemire und Azor« (Gretry), »die Pilgrimme von Mekka« (Gluck), »die Dorfdeputirten« (Wolf), »das Fischermädchen« und »König Theodor« (Paisiello), »die schöne Schusterin« (Umlauf), »die belohnte Treue« (Haydn) und andere Singspiele von Guglielmi, Gaßmann, Salieri, Sarti, Piccini.[127] Die Vorstellungen (im Ganzen 31) begannen am 5. Nov. 1784 und endeten 6. Febr. 1785.40

Das nunmehr vom kaiserlichen Hofe wieder übernommene Stadttheater wurde im Laufe des Sommers durchaus im Innern erneuert, verschönert und bequemer eingerichtet und vorderhand auf sechs Abende und mit Zuziehung der Hof-Operisten am 4. August 1785 eröffnet. Veranlassung dazu war diesmal die Anwesenheit des berühmten Castraten Luigi Marchesi (auch Marchesini genannt), der auf der Durchreise nach Petersburg begriffen war.41 Er trat in der Titelrolle der Oper Giulio Sabino von Sarti am 4. August zum ersten und am 20. zum sechsten und letzten Male auf und entzückte durch herrliche Stimme, vortrefflichen Gesang und geistreiches Spiel. Der Kaiser besuchte die Oper und beschenkte den Sänger, der (wie die Wiener Zeitung meldet) für jeden Abend 100 Ducaten Honorar erhielt, überdies mit einem kostbaren Ring.42

Zwei Monate später wurde wieder das deutsche Singspiel eingeführt, denn das Verlangen darnach hatte sich abermals fühlbar gemacht. Es begann am 16. Oct. im Stadttheater, wechselte dann einigemal mit dem Burgtheater und verblieb endlich von 19. August 1787 angefangen ausschließlich in ersterem Theater. Als Mitglieder in dieser zweiten Periode erscheinen die Frauen Rothe, Saal, Cavalieri, Lange, Uhlich, Szamarini, Podleska, Arnold (Therese Teyber) und Willmann; die[128] Tenoristen Adamberger, Arnold, Lippert, die Baritonisten und Bassisten Dauer, Saal, Hofmann, Rothe und Ruprecht. Es wurden 20 neue Singspiele gegeben, darunter 13 deutsche, die übrigen waren Repetitionen. Das meiste Glück machte »der Apotheker und der Doctor« von Dittersdorf.43 Mozart's »Schauspieldirector«, wie früher erwähnt, zuerst am 7. Febr. 1786 im Schlosse Schönbrunn bei einem Feste gegeben, wurde hier zweimal aufgeführt. Als im März 1785 von der Wiederaufnahme des deutschen Singspiels gesprochen wurde, schrieb Mozart an den Vater: »Ich meinestheils verspreche ihr nicht viel Glück – nach den bereits gemachten anstalten sucht man in der That mehr die bereits vielleicht nur auf einige Zeit gefallene teutsche Oper gänzlich zu stürzen – als ihr wieder empor zu helfen und sie zu erhalten.« Mozart hatte richtig prophezeit: der Erfolg war noch geringer als das erstemal, denn gegen die gleichzeitig vorzügliche italienische Oper vermochte das Singspiel nicht aufzukommen. Ende Februar 1788 war die letzte Vorstellung und von da an blieb das Stadttheater, einige vereinzelte Aufführungen ausgenommen, bis 16. Nov. 1791 geschlossen.

Die italienische Oper war also abermals Alleinherrscherin. Um sie nun dauernd an Wien zu fesseln, schlug der Dichter Da Ponte (wie Zinzendorf im Januar 1789 schreibt) dem leitenden Minister ein Project vor, zu dem alle Gesandten der auswärtigen Höfe zu subscribiren versprachen. In welchem Grade die Theaterlust damals zunahm, ersehen wir aus dem Umstande, daß man mit dem Plane umging, ein drittes Theater in der inneren Stadt zu erbauen und die Logen darin zu Kartenspiel einzurichten. Es sollte an Stelle der, dem Burgtheater nahgelegenen sogenannten Stallburg (ehemals »die alte Burg« genannt) zu stehen kommen und das Modell dazu war bereits fertig, doch hatte man bald Wichtigeres zu thun und eher vom Kriegs- als vom Schauspieltheater zu schreiben.44[129]

Das Ballet hatte seine höchste Blüthezeit in den Jahren 1767 bis 1774; damals war es das Lieblingsschauspiel des Publikums und stand an beiden Theatern der inneren Stadt täglich auf dem Repertoire, entweder einen ganzen Abend ausfüllend oder als Opern-Zugabe. So gab der berühmte Vestris am 25. Febr. 1767 sein Ballet »Medea und Jason« und dann das Singspiel »l'Albagia smacherata« im Theater nächst der Burg. Der Hof war zugegen und bewilligte ihm die ganze Einnahme (W. Diarium). Seinen Aufschwung und Ruhm aber verdankte das Ballet dem Genie des uns schon bekannten Noverre (S. 121), der hier alles fand, um dasselbe zu einer bis dahin nicht gekannten selbstständigen rhythmisch-plastischen Gattung der schönen Künste zu erheben. Er konnte große Summen wagen, hatte ein zahlreiches auserlesenes Tänzercorps, das begeistert seinen Lehren folgte, ein treffliches Orchester und begabte Ballet-Componisten, Starzer am französischen, Aspelmayer am deutschen Theater. Das Wiener Ballet zeichnete sich damals namentlich durch seine Figuranten aus, denn Noverre hatte die glückliche Gabe, junge Leute für das vollkommenste Zusammenspiel abzurichten. Als Pflanzschule hatte er auch eine eigene Tanzschule für Kinder beiderlei Geschlechts errichtet. Als die vorzüglichsten Solotänzer sind in dieser Zeit hervorzuheben der jugendliche Pick, Simonet, Binetti, Rossi; die Tänzerinnen Ricci, Lenzy, Des Camps, Vulcano (spätere Muzarelli), Duprée, Villneuve, Ablöscher – meistens Schülerinnen Noverre's, die[130] seinen Namen und seine Ballete weithin verbreiteten. Der Stolz ihres Meisters aber war die früher (S. 51) genannte Delphin. Noverre's schöpferischer Geist bewährte sich vorzüglich im komischen, oder, wie man es nannte, anakreontischen Fache. »Les petits riens«,45 »Weiß und Rosenfarb« zählten zu dieser Gattung. Seine größte Stärke aber besaß Noverre im heroischen Fache. Die tragischen Ballete »der gerächte Agamemnon« (2. Theil Iphigenie auf Tauris), »die Horazier und Curazier«, »Adelheid und Ponthieu« wurden für Meisterwerke gehalten.46 Auch zu den Gluck'schen Opern Orfeo, Alceste, Paride ed Elena, componirte er die Ballete. Im J. 1770 debutirte Noverre mit dem Ballet »Diana und Endimion« vor Friedrich dem Großen bei dessen Zusammenkunft mit Kaiser Joseph im Neustädter Lager und der König zollte seinem ehemaligen Füsilier große Lobsprüche. 1781 war Cruce auf kurze Zeit Balletmeister; für die neu errichtete italienische Oper (1783) De Camp.47

Das Theaterbild von damals zu vervollständigen sei noch des Trattnerhofes48 gedacht, dessen Saal sammt Nebenlokalitäten im J. 1784 für ein adeliges Casino gegen Abonnement (jährlich 6, halbjährlich 4 Ducaten) eingerichtet war. Dafür standen den Mitgliedern die Räume von früh bis abends als Versammlungsort offen; man spielte Billard und Karten und hatte in der Fasten- und Adventzeit wöchentlich zu einem Concert und monatlich zu einem Balle freien Zutritt. Der Saal wurde auch anderseits zu Bällen und Akademien vermiethet. Im J. 1785 hatte hier eine italienische Schauspielertruppe unter Anton Lazzari ihr Lager aufgeschlagen. Es wurden ernste und heitere[131] Schau- und Singspiele aufgeführt. Dreimal verschoben war endlich die erste Vorstellung »mit Versicherung auf Ehre« auf den 9. April festgesetzt. Man gabTorquato Tasso von Goldoni. Preise der Plätze: Erstes Parterre – 40 Xr., zweites Parterre – 20 Xr. (Wienerblättchen.)


Die Kirchenmusik war seit unserer letzten Kenntnißnahme49 allmälig bedeutend herabgekommen; selbst die Hofkapelle und der Chor bei St. Stephan litten unter der Nachwirkung der Mißwirthschaft, die unter Hofkapellmeister Reutter's Regiment eingerissen war. Nicolai50 fand 1781 weder Ausführung noch die Musik selbst der Hauptstadt würdig. Mozart schrieb dem Vater (12. April 1783): »Wir wissen ja daß sich die Veränderung des Gusto leider sogar bis auf die Kirchenmusik erstreckt hat, welches aber nicht seyn sollte; woher es denn auch kömmt, daß man die wahre Kirchenmusik – unter dem Dach und fast von Würmern zerfressen findet.« Vielleicht wirkte dieser Umstand mit dazu bei, Kaiser Joseph im J. 1783 zu veranlassen, nebst der Vereinfachung des Gottesdienstes51 die figurirte Instrumentalmusik aus der Kirche ganz zu verbannen und sie nur in der Hofkapelle und im Dom an Festtagen, wenn der Cardinal-Erzbischof pontificirte, in allen übrigen Kirchen aber nur an besonderen Festtagen zu gestatten.52 Es wurden nunmehr die deutschen Gesänge eingeführt, welche während der Messe von der Gemeinde gesungen wurden. Choralmusik war nur in solchen Kirchen möglich, wo ein Chor bestand, so in der Domkirche, in den Pfarrkirchen zu St. Michael und bei den Schotten, und selbst an diesen Orten war in jener Zeit an geübten Chorsängern großer Mangel. Unter Kaiser[132] Leopold II. (1790–92) wurde zwar das Verbot aufgehoben, doch sagt noch Schönfeld im J. 1796, »daß die Instrumentalmusik halb für erloschen zu betrachten ist. Man hört sie in Pfarrkirchen nur des Sonntags, in den übrigen Kirchen nur an Festtagen.« In jener Zeit hebt der »Wiener Theater-Almanach« (1794) den Benedictinerpriester Pasterwitz und Jos. Preindl, Kapellmeister an der Pfarrkirche zu St. Peter, als Kirchencomponisten am meisten hervor. Das Verbot hatte auf Mozart insofern Einfluß, daß er nach seiner, 1783 componirten und unvollendeten Messe (das von auswärts bestellte Requiem abgerechnet) überhaupt nichts mehr für die Kirche schrieb. Auch Haydn pausirte nach seiner Mariazeller-Messe (1782) bis zum Jahre 1796.


Dem Verbot der instrumentalen Kirchenmusik folgte fast unmittelbar (1784) die Auflösung der uns bekannten (I. S. 54) Cäcilien-Congregation. Dieser seit 1725 bestehende Verein der »freien Tonkünstler«,53 feierte bis dahin noch immer das Fest einer Schutzpatronin am 21. und 22. Nov. in der Metropolitankirche zu St. Stephan durch vortreffliche concertirende Vocal- und Instrumentalmusik. Auffallend ist nur der Umstand, daß, dem damaligen Zwang entgegen, nun auch weibliche Mitwirkung nicht ausgeschlossen war. Wir hören sogar von einer siebenjährigen Sängerin, die eine Motette vortrug und nach der Versicherung des Wiener Diarium (1771) »durch die Stärke ihrer ausgebenden Stimme, ihren angewandten Eifer und gesetztes Wesen ungemein bewundert wurde«. Auch hier begegnen wir, wie früher beim Theater, einem Jubiläum, abgehalten im J. 1774 bei St. Stephan von der Cäcilien-Congregation zur Feier ihres 25jährigen Bestehens.54 Noch im J. 1779 ist Hofkapellmeister Bonno als Dirigent der Musikaufführungen genannt. Das bei der Auflösung des Vereins vorhandene Vermögen von 7500 Gulden wurde vom[133] Kaiser als Interessen-Genuß auf ewige Zeiten der Tonkünstler-Societät zugewiesen.55


Die hier und schon früher erwähnte Tonkünstler-Societät wurde im Jahre 1771 von dem damaligen kais. Hofcompositor (nach Reutter's Tode, 12. März 1772, Hofkapellmeister) Florian Gaßmann in der Absicht gegründet, durch jährliche musikalische Aufführungen und regelmäßige Jahresbeiträge der Mitglieder einen Fond zu gründen zur Unterstützung ihrer hinterlassenen Wittwen und Waisen. Der kaiserliche Hof bewilligte die kostenfreie Überlassung des Theaters (anfangs nächst dem Kärnthnerthor, dann nächst der Burg) zur Abhaltung von Akademien an zwei aufeinander folgenden Abenden in der Char- und Weihnachtswoche; die Kaiserin spendete als ersten Fond-Beitrag 500 Ducaten. Nebst dem rein menschlichen Zweck, den der Verein anstrebte, war die Gründung desselben auch für das Publicum von Bedeutung, welchem hier zum erstenmale Gelegenheit geboten wurde, Oratorien, Symphonien und ähnliche Werke von einem großen Musikkörper aufführen zu hören. Mit der ersten Akademie am 29. März 1772 im k.k. priv. Theater nächst dem Kärnthnerthor trat der Verein in die Öffentlichkeit.56 Bis zu Ende des J. 1790 kamen von folgenden Componisten Oratorien und Cantaten zur Aufführung: Gaßmann, Hasse (3), Dittersdorf (3), Bonno, Haydn, Bertoni, Salieri, Starzer, Händel (»Judas Maccabäus« 1779), Ulbrich, Fr. Hartmann Graaf, Albrechtsberger, Marianne Martines, Wagenseil, Gazzani ga, Traetta, Mozart (Davidde penitente, 1785), Anton Teyber, Leop. Kozeluch, Domenicus [134] Mombelli, Righini. Ferner außer einer großen Anzahl von Chören, Gesangsoli, Werken für Kammermusik (darunter Mozart's Quintett A-dur mit Klarinette, 1789 zum erstenmale aufgeführt), Symphonien von Jos. Starzer, Franz Aspelmayer, d'Ordonez, von Kohaut, Joh. Sperger, Dittersdorf, van Swieten, J.C. Bach, Haydn und Mozart. Als Concertisten traten auf: Clavier – Mozart (3mal) die blinde Maria Therese Paradies, Josepha Auernhammer, der 10jährige Cäsar Scheidel. Violine – La Motte, Tomasini, Paisible, Janitsch, Jos. Zistler, Joh. Toeschi, Friedr. Eck, der Irländer Abraham Fisher, Anton Hoffmann, der junge Heinrich Marchand57 (Schüler von Mozart's Vater), Jos. Otter (Schüler von Nardini), Fränzl (Vater und Sohn), Anton Wranitzky. Viola – C. Stammitz. Violoncell – Ignaz Küffel, Joh. Hoffmann, Joseph Weigl, Xaverio Marteau, Jos. Reicha, Charles Janson, Max Willmann. Contrabaß – der ausgezeichnete Johann Sperger (Kammermusiker des Cardinal Fürst Batthyány). Auch die Blasinstrumente, die damals namentlich concertirend verwendet wurden, bringen Namen von gutem Klang: Flöte – J.B. Wendling, Papendick, Gehring; Klarinette – Anton und Johann Stadler; Oboe – Colombazzo, Friedrich Ramm, Triebensee, Le Brun; Fagott – Jakob Griesbacher; Waldhorn – Zwirzina.58


Die Oratorien und Cantaten der Tonkünstler-Societät sind noch durch einige vereinzelte nicht unwichtige Aufführungen an verschiedenen Orten zu ergänzen. Es sind hier zu nennen: »Der Tod Jesu«, Oratorium von Graun, erste Aufführung in Wien, 1784 am Charfreitage 9. April im protestantischen Bethause in der Dorotheergasse.59 Das Wienerblättchen nennt uns[135] als Solisten die Mitglieder der Oper, die Cavalieri und Teyber, Tenorist Adamberger und Bassist Hofmann. Dasselbe Oratorium wurde (nach Zinzendorf's Tagebuch) im J. 1787, ebenfalls am Charfreitag, 6. April in den Nachmittagsstunden vor und nach der Predigt von 3 bis 6 Uhr wiederholt. Außerdem brachte es Stadler d. Ä. in seiner Akademie im National-Hoftheater 1785, 17. März zur Aufführung. – La Passione di nostro Signor Gesu Christo, Oratorium, Poesie von Metastasio, Musik von Giov. Paisiello, im Nat.-Hoftheater 1784 am Pfingstsonntag 30. Mai (Zdf.). – Klopstock's »Morgengesang am Schöpfungstage«, Cantate von C. Ph. Emanuel Bach, im Nat.-Hoftheater in der Fastenzeit 1785.60 – Zum Benefice der italiänischen Sängerin Signora Morelli: Il convito di Baldassare, musikalisches Oratorium in 2 Akten mit Chören und Theaterverzierungen,61 Worte von J.B. de Lorenzi, Musik von verschiedenen Meistern, im Nat.-Hoftheater 1788, Febr. 3mal aufgeführt. – »Acis und Galathea«, Pastorale von Händel, mit vermehrter Instrumentation von Mozart, von ihm selbst zu seinem Benefice gegeben im Nov. 1788 im Saale des Hoftraiteurs Jahn.62 Die Soloparthien sangen die Cavalieri, Tenorist Adamberger und Bassist Gsur. – Daß der musikliebende Adel auch hier nicht zurückblieb, werden wir später erfahren.


Den Oratorien-Aufführungen reihen sich die Musikalischen Akademien63 an. Die früher erwähnten (I. S. 91) regelmäßigen[136] Akademien im Theater nächst der Burg gingen in den 70er Jahren ein. Etwa die letzten die stattfanden, wurden im April 1776 vom abgedankten Orchester der Oper zu eigenem Vortheil veranstaltet. Noch werden wohl einige Akademien auch im priv. Schauspielhause nächst dem Kärnthnerthore namhaft gemacht, z.B. 1774 der Virtuose und Componist Stamitz der Jüngere, der zum erstenmale sich auf der Viole d'amour hören ließ; der Violinspieler Janisch, Cellist Reicha in 1778, doch zogen es die Virtuosen vor, lieber in den Zwischenakten der Schauspiele aufzutreten, so der berühmte Contrabaß-Virtuose J. Kämpfer aus Ungarn, die Harfenspielerin Mme Varenne; 1780 u. 81). Nun aber finden wir fast durchwegs nur selbstständige Akademiegeber mit steter Zuziehung eines Orchesters. Wien war in dieser Zeit der bevorzugte Sammelplatz für Künstler und so begegnen wir nach jeder Richtung bedeutenden Namen, deren Nennung selbst bei mäßiger Auswahl zur Genüge beweist, wie reich das Wiener Musikleben damals bestellt war. Als Lokale der Aufführung dienten die beiden Theater der innern Stadt, der uns bekannte Saal »Zur Mehlgrube« am Neu-Markt (I. 105, Anm. 53), das Casino im Trattnerhof am Graben64 und der Saal des Hoftraiteurs Jahn in der Himmelpfortgasse, der jedoch vorerst, wie früher erwähnt, mehr für Bälle benutzt wurde.

Unter den Sängerinnen mit eigenen Akademien finden wir gleich anfangs drei berühmte Namen: Mara, Banti und Todi. Gertrude Elisabeth Mara, geb. Schmähling, preuß. Kammersängerin, die sich vordem, kaum 8 Jahre alt, als Violinspielerin in Wien hören ließ: B.-Th.65 1780, 22 Sept. Sie sang Arien von Pugnani und Naumann; ihr Mann, Johann Mara, von dem sie sich später trennte, spielte ein Celloconcert seiner Composition.66 (Programmzettel.) – Brigida Giorgi-Banti, Tochter[137] eines armen venetianischen Gondelier (Giorgi),67 mit dem Tänzer Banti vermählt: K.-Th. 1781, 86 und zweimal in 87. In ihrer vorletzten Akademie (2. Juni) spielte der Franzose Fayard, in Diensten des Königs von Preußen, ein Violaconcert und sang der Sopranist Pietro Sartorini. (Programmz.) – Maria Franziska Todi, berühmte Mezzo-Sopranistin, die durch ausdrucksvollen Vortrag imponirte: Mehlgrube, 1781, 28. Dec. und 1782, 3. März.68 – Aloysia Lange, Mozart's erste Liebe, nun an den Hofschauspieler Lange vermählt und damals beim deutschen Singspiel angestellt: B.-Th. 1783. Sie sang nebst einem neuen Rondo von Mozart die von ihm 1778 in Mannheim für sie componirte Arie »Non sò d'onde viene«. (»Welche Erinnerungen mögen da in ihm wach geworden sein!« schreibt O. Jahn.)69 – Madame Nicolosi, »unter dem Namen Cesarini berühmt«: B.-Th. 1783. Sie führte eine Cantate »Angelika und Medor« zu 4 Stimmen auf »von völlig neuem Geschmack und noch niemals vernommen«, Musik von Minico und Cimarosa. (W. Ztg.) – Anna Selina Storace von der italienischen Oper in Wien, für die Mozart die Rolle der Susanne und eine Scena mit Rondo (K. 505) schrieb: B.-Th. 1784 und 85;70 K.-Th. 1787. In der ersten Akademie (18. März), dessen Programm uns das Wienerblättchen mittheilt, wurde von Sardi ein Concert auf dem[138] Forte-Piano vorgetragen. Ferner spielte John Abraham Fisher ein Violinconcert und führte 3 Symphonien auf. sämmtlich eigene Compositionen. Storace hatte diesen excentrischen Irländer in Wien geheirathet, trennte sich aber sehr bald von ihm; überdies fand es Fisher für gerathen, Wien zu verlassen, nachdem ihm der Kaiser wohlmeinend eine Luftveränderung angerathen hatte. In ihrer Abschieds-Akademie (23. Febr.) sang Storace eine Arie von Anfossi (nicht von Bach, wie die Wiener Zeitung angiebt) mit unterlegtem deutschem Text: »Schwer drückt es meine Seele, dich Kaiserstadt zu lassen«.71 – Luigia Laschi, verehel. Monbelli, von der italienischen Oper: B.-Th. 1785. – Von den Sängerinnen des deutschen Singspiels gaben noch Akademien Therese Teyber (1783) und das Geschwisterpaar Elisabeth und Franziska Distler (1788); in letzterer spielte der oft gerühmte und schon erwähnte Violinist (Jos.) Zistler, Kammermusikus des Fürsten Grassalkovics. (Die Cavalieri sang oft, aber nur in den Akademien Anderer.) – Sehr schwach sind die Sänger vertreten. Ludwig Fischer, ausgezeichneter Bassist vom deutschen Singspiel, Mozart's Osmin: B.-Th. 1784, Stadtth. 1787. In letzterer Akademie (21. März) sang er die von Mozart für ihn componirte Arie Non sò d'onde viene (K. 512) und die populäre Romanze »Zu Steffen sprach im Traume«72 aus Um lauff's Singspiel »das Irrlicht«. (Programmz.) – Peter Tarnoli, Tenorist, Kammersänger des Kurfürsten von Pfalzbaiern: Mehlgrube, 1786. Es sang auch seine zwölfjährige Tochter Katharina, die vordem sich in Frankfurt, Weimar, Leipzig und Dresden hören ließ. – Sgr. Concialini, Sopranist des Königs von Preußen: K.-Th. 1787.

Von Akademien, ausschließlich oder vorzugsweise mit Vokalmusik, sind noch zu nennen: Georg Benda, herzogl. goth. Kapellmeister: B.-Th. 1779, 14. März. Er führte Stücke auf aus seinen Opern »Romeo und Julie« und »Georg Walder«; sein Sohn Friedrich Ludwig wirkte als Sänger mit. Privatim ließ[139] er sich auch als Violinspieler hören. Er besuchte Wien in Begleitung seiner Frau Felicitas Agnesia, geb. Rietz, einer vortrefflichen Sängerin.73 – Max Willmann, Cellist aus Bonn74: B.-Th. 1785. Er führte am Namenstage Haydn's (19. März) dessen »hier noch nicht gegebene Oper«L'Isola disabitata als Akademie auf.75 – Kapellmeister Vincenz Martin: K-Th. 1787. Es kamen von seiner Composition zur Aufführung eine Cantate für drei Frauenstimmen und Stücke seiner damals so beliebten Oper Una cosa rara. (Concertz.)

Die Geige, diese Heerführerin der Instrumente, bringt uns u.A. mit folgenden Virtuosen in ihren eigenen Akademien zusammen: Carl Michael Ritter von Esser, erster Violinist der Kapelle zu Kassel: B.-Th. 1780, 2mal; Mehlgrube, 2mal. Er spielte Concerte seiner Composition auf der Violine und der Viole d'amour, auch »ein Solo auf der gesponnenenG-Saite allein, ohne die andern Saiten zu berühren«.76 (W. Ztg. October und November.) – Regina Strinasacchi aus Mantua: B.-Th. 1784 2mal. Das erstemal hörte sie Zinzendorf (Elle joua du violon en perfection). Für das junge und muntere Mädchen schrieb Mozart zu ihrem zweiten Auftreten (29. April) eigens eine Sonate (K. 454) und spielte den Clavierpart selbst und rühmt sie dem Vater (Brief dat. 24. Apr.) »als eine sehr gute Violinspielerin; sie hat sehr viel Geschmack und Empfindung in ihrem[140] Spiel«.77 – Felix Yaniewicz, aus Wilna gebürtig: B.-Th. 1785, 25. Febr. (Wienerblättchen.) – Der damals elfjährige Heinrich Marchand aus Mannheim: B.-Th. 1785. Die Akademie war am 2. März (Wienerbl.), also zu einer Zeit, wo Leopold Mozart, der auf Besuch in Wien weilte, Gelegenheit hatte, sich an dem glänzenden Auftreten seines Schülers, der sich später mehr dem Clavier zuwandte, zu erfreuen. – Giovanni Mane Giornovichi (Jarnowick), geb. zu Palermo (oder, nach Gyrowetz, auf einem Schiffe in den Gewässern von Ragusa): K.-Th. 1786. Dieser Lieblingsschüler Lolli's besuchte Wien auf der Durchreise von Petersburg nach Paris. Sein reizbares Temperament trieb ihn von Ort zu Ort; er starb beim Billardspiel 1804 in Petersburg. Seine Concerte (sagt Kelly, der ihn mit La Motte vergleicht) schlossen meistens mit einem variirten russischen Thema, während Yaniewicz ein polnisches wählte. Beide spielten in London in den Benefice-Concerten Haydn's78 – Klara Lausch: K.-Th. 1787. Diese Violinspielerin (vielleicht aus der Familie des Wiener Musikalienhändlers Lausch), obwohl nirgends erwähnt, war dennoch im Stande, in ihrer Akademie sich mit einem Concert von Dautrice und »dem beliebten Violinconcert von Giornovichi, welches er vor einem Jahre mit so vielem Beifall gespielt hat«, hören zu lassen. (Programmz.) – Franz Jos. Clement, der achtjährige »Wunderknabe«, ein Wiener Kind: Trattner's Casino 1788, 11. Apr., und B.-Th. zweimal 1789. Nach der Wiener Zeitung (30. April) trat er in seiner ersten Akademie »unter Anführung seines Vaters« auf, begleitete seine Mutter, die eine Concertarie von Anfossi sang, auf der Violine und spielte »ein starkes Concert« von Anton Stamitz. Dieselbe Zeitung (1789, Nr. 38) feierte ihn mit einem Gedicht.[141] Er trat von hier aus seine erste große Kunstreise an, die einem Triumphzuge glich und ihn auch nach London führte, wo er bereits mit einem Concerte und einer Symphonie eigener Composition hervortrat und auch im Quartett spielte.79

Das Violoncell sehen wir durch wenige aber geachtete Namen vertreten. Ignaz Küffel K.-Th. 1782; Francesco Zappa aus Mailand: Mehlgrube 1782; Jos. Weigl (gleich Küssel uns aus Esterház bekannt) vom Orchester der ital. Oper: B.-Th. 1785. – Max Willmann mit seinen zwei Schwestern80: K.-Th. 1787, 17. März. Der Bruder spielte ein Celloconcert; die ältere Schwester (Marianne) spielte ein Concert von Mozart, von dem sie einigen Unterricht genossen hatte. (Es war dies das einzigemal, daß in Wien in den 80er Jahren und weiter hinaus eines seiner Concerte von fremder Hand gespielt wurde.) Die jüngere (Magdalena, eine Schülerin Righini's), die im Dec. 1786 im deutschen Singspiel zum erstenmal aufgetreten war, sang Arien von Cherubini und Martin. Zwei Damen unterstützten die Geschwister durch ihre Mitwirkung; die eine spielte ein Concert auf »einer ganz neu verbesserten Leyer«, die andere sang ein polnisches Rondo.

Die Blasinstrumente, die heutzutage in Concerten nur noch selten als Soloinstrument verwendet werden, spielten in jener Zeit, wo sie obendrein im Clavier keinen verdrängenden Nebenbuhler zur Seite hatten, eine um so größere Rolle. Für die Klarinette sehen wir Anton Stadler d. Ä., für den Mozart sein reizendes Quintett (K. 581) schrieb: B.-Th. 1784 und 88. In der ersten Akademie (23. März) wurde nach Angabe des Wienerblättchen »eine große blasende Musik von ganz besonderer Art von der Composition des Herrn Mozart gegeben« (etwa eine der in Wien componirten Serenaden, K. 375, 388). In der zweiten Akademie (20. Febr.) kam die Cantate »Ariadne auf Naxos« von Reichardt zur Aufführung und spielte Stadler ein[142] Concert auf der Baß-Klarinett, »einer neuen Erfindung und Verfertigung des Hofinstrumentenmachers Theodor Loz«. (Das Instrument war in der Tiefe um zwei Töne vermehrt.) – Die Oboe bringt vier Namen, von denen wir den ersten in Esterház trafen, die andern aber weithin berühmt waren. Vittorino Colombazzo: B.-Th. 1784; K.-Th. 1787. In letzterer Akademie wurde eine Cantate »Debora« aufgeführt; Colombazzo spielte ein Concert und die obligate Oboe zu einer Arie, sämmtliche Compositionen von Kirzinger, in Diensten des Fürsten Thurn und Taxis. (Programmz.) – Ludwig August Le Brun und seine Frau, geb. Danzi: B.-Th. 1785 dreimal.81 – Friedrich Ramm: K.-Th. 1787. – Joh. Christian Fischer, gleich Ramm von Mozart oft erwähnt: K.-Th. 1787. Er spielte zwei Concerte eigener Composition, eine französische Ariette mit Variationen (über Marlborough, sagt Zinzendorf) und auf Verlangen Variationen über seinen Menuet, der schon 1766 Furore machte, den auch Mozart für Clavier variirte (K. 179) und mit Vorliebe in seinen früheren Concerten spielte.82 – Auch mit ausgezeichneten Waldhornisten bringen uns zwei Akademien zusammen. Karl Türrschmidt und Joh. Palsa: K.-Th. 1782; Ignaz und Anton Boeck: K.-Th. 1787. Die beiden Letzteren bliesen ein Doppelconcert von Rosetti, »wobei im Adagio doppelte Töne auf Einem Waldhorn zu hören sind«. (Programmz.) – Die Harfe ist nur durch Josepha Müllner, später verehel. Gollenhofer und »Hof-Harfenmeisterin«, repräsentirt: B.-Th. 1782, 84 und 88. Bei ihrem ersten Auftreten zählte sie erst 15 Sommer. Ihr zweites Auftreten begleitete sie mit der Bitte an das Publikum, »ihr stille Aufmerksamkeit gönnen zu wollen, um desto sicherer urtheilen zu können, welchen Grad von Vollkommenheit ihrer Kunst sie seither erreicht habe«. (Wienerblättchen.) Beim dritten[143] Auftreten spielte sie ein Concert von Schenk und phantasierte auf der Pedalharfe. (Programmz.)83

Stiefmütterlich sah es mit dem Clavier aus.84 Neben Mozart gaben nur drei Einheimische eigene Akademien. B. Koželuch, der vortreffliche und gesuchte Lehrer, wie auch Steffan und Summer scheinen nie öffentlich gespielt zu haben. Des ersteren Schülerin, die blinde Therese Paradies, spielte nur in zwei Akademien der Tonkünstler-Societät, beidemal Concerte ihres Lehrers. Von den auswärtigen Künstlern beabsichtigte wohl Clementi im Frühjahr 1782 eine Akademie zu geben, ließ aber davon ab, nachdem ihm Mozart zuvorgekommen war; bleiben somit nur noch die zwei früher genannten, Sardi85 und Marianne Willmann. Eigene Akademien aber gaben Eberl, die Aurnhammer und der junge Scheidl. Anton Eberl, damals 18 Jahre alt: B.-Th. 1784 und 85. Nach der Versicherung des Wienerblättchen (1784) war es ihm darum zu thun, »in seiner Akademie Rechenschaft von dem Fortschritt seiner Kunst auf dem Forte-Piano zu geben«. (Er muß also schon vordem irgendwo gespielt haben, worüber der Nachweis fehlt.) Er begleitete bekanntlich die Wittwe Mozart auf ihrer Kunstreise im J. 1796 als ausübender Künstler. – Josepha Aurnhammer: B.-Th. 1785. (Wienerbl.) Auch sie war eine Schülerin von Koželuch, suchte aber auch von Mozart zu profitiren. Er nennt das »dicke Fräulein« zwar »ein Scheusal«, gesteht aber, daß sie »zum Entzücken spielt, nur geht ihr der wahre seine singende Geschmack im Cantabile ab, sie verzupft alles«. (Brief an den Vater 1781, 27. Juni.) Mozart widmete ihr sogar 6 Sonaten, die ersten[144] Werke, die Artaria 1781 von ihm verlegte (als op. 2). In 1788 spielte sie in der Akademie der Tonkünstler-Societät. – Cäsar Scheidl, ein elfjähriger Knabe: K.-Th. 1787 und 88. In beiden Akademien spielte er ein Concert seines Lehrers Preindl und phantasierte dann »ganz allein auf dem Forte-Piano«. In der ersten Akademie spielte der ausgezeichnete Virtuose Johann Sperger ein Concert eigener Composition auf dem Contrabaß. Im December 1786 spielte Scheidl in der Akademie der Tonkünstler-Societät.

So stehen wir nun vor Mozart, der in Wien seine 17 letzten Clavierconcerte schrieb und durch ihren Gehalt und Vortrag, sowie durch sein freies Phantasiren (eine damals für Wien neue Erscheinung) Kenner und Laien entzückte. Sein erstes öffentliches Auftreten als Clavierspieler war in der Akademie der Tonkünstler-Societät 1781, 3. April – zugleich das erstemal überhaupt, daß in Wien ein Clavierconcert öffentlich gespielt wurde.86 In 1782, 3. März war seine erste eigene Akademie; 1783 gab er zwei Akademien im B.-Th. (das Programm des ersten Abend, 22. März. theilt Jahn nach Mozart's Brief vom 29. März in Bd. I. S. 724 mit). In 1784 trat er am häufigsten auf, denn außer 6 Subscriptions-Abenden im Casino (wovon 3 auf die Unternehmung des Clavierspielers Richter aus Holland fielen, dem die Noblesse nur unter der Bedingung zusagen wollte, daß Mozart spielen würde) und einem Abend im Theater,87 spielte er (wie er dem Vater am 20. März schreibt) vom 26. Febr. bis 3. April 5mal bei dem russischen Gesandten Fürsten Gallizin und 9mal bei Graf Johann Esterhazy, im Ganzen also 22mal. 1785 gab er 3 Akademien im Saale zur[145] Mehlgrube88 (der ersten, am 11. Febr., wohnte der in Wien anwesende Vater bei); in 1786 folgten noch 3 in der Fasten und 4 im Advent im Casino, alle im Subscriptionswege.89

Außerdem spielte Mozart im Verlauf dieser Jahre noch in vielen Häusern des hohen Adels; soz. B. (außer den genannten) beim Fürsten Kaunitz, Grafen Zichy, Baron van Swieten etc.; ferner in den Akademien der Sängerinnen Lange, Therese Teyber, Luigia Laschi und (wie oben erwähnt) der Violinspielerin Strinasacchi.90

Die Subscriptions-Akademien im Advent 1786 waren die letzten, die Mozart veranstaltete. Wohl mag er noch in hohen Kreisen öfters gespielt haben (Zinzendorf hörte ihn z.B. am 10. Febr. 1788 beim venetianischen Gesandten), doch öffentlich scheint er (eine einzige, weiter unten erwähnte Ausnahme abgerechnet) nicht einmal in Akademien Anderer aufgetreten zu sein. Jahn meint zwar (Mozart I. 731), der Umstand, daß Mozart im J. 1788 die 3 großen Symphonien componirte, lasse vermuthen, daß sie für weitere Akademien bestimmt gewesen seien, doch fehlt darüber jeder Anhaltspunkt. Diese seine Haupt-Einnahmequelle war offenbar versiegt und veranlaßte, wie auch Jahn bemerkt, zunächst seine beiden Reisen nach Deutschland. Es kam eben so wie es der besorgte Vater auch hier vorausgesagt hatte, indem er ihn bei Begründung des eigenen Hausstandes in 1781 vor dem Wankelmuth des Publicums warnte, worauf ihm der Sohn (Brief, 2. Juni) damit zu beruhigen suchte, daß sein Fach in Wien zu beliebt sei, »als daß ich mich nicht souteniren sollte. Hier ist doch gewiß das Clavierland! – und dann – lassen wir es zu, so wäre der Fall erst in etlichen Jahren, eher gewiß nicht, unterdessen hat man sich Ehre und Geld gemacht.« – Die »etlichen Jahre« waren bereits um. Ehre hatte er eingeheimst,[146] auch die Einnahme reichte soweit, um ihn wenigstens über'm Wasser zu halten Daß aber in Wirklichkeit den höheren Kreisen das frühere warme Interesse für Mozart als ausübenden Künstler abhanden gekommen war, bezeugt zur Genüge eine Stelle in den, erst in jüngster Zeit veröffentlichten Briefen Mozart's.91 Abermals durch die Krankheit seiner Frau in drückendste Noth versetzt, schreibt er am 12. Juli 1789 an Puchberg, seinem Freunde und Ordensbruder und unermüdlichen Helfer in der Noth, daß er trotz seiner »elenden« Lage sich entschlossen habe, Subscriptions-Akademien bei sich zu geben; »ich habe 14 Tage eine Liste herumgeschickt, und da steht der einzige Name Swieten!« Es war allerdings im Monat Juli, ein zu allen Zeiten wenig einladender Zeitpunkt für Concerte.

Aber, wie oben gesagt, Wien sollte ihn doch noch einmal öffentlich hören. Er hatte im Januar 1791 sein letztes Clavierconcert (K. 595) geschrieben, »das wohl gewiß für ein Fastenconcert bestimmt war«, sagt Jahn (I. 731). Dies war zwar nicht der Fall, doch folgte Mozart der Einladung des Klarinettisten Joseph Bähr, (recte Beer), in dessen Akademie im Jahn'schen Saale am 4. März mitzuwirken. Nach der Wiener Zeitung (12. März) bestand das Publicum »mehrentheils aus Kennern« (der Klarinette), bei denen sich der berühmte kais. russische Kammermusikus »allen Beyfall erwarb«. Was Mozart betrifft, so »spielte er ein Concert auf dem Forte-Piano (vielleicht das erwähnte) und jedermann bewunderte seine Kunst sowohl in der Composition als Execution, wobey auch Me. Lange durch etwelche Arien das Spiel vervollkommnete«. Somit erschien Mozart an diesem Tage zum letztenmale vor einem Publicum, daß ihm einst begeistert zugejubelt hatte und ihm jetzt, nach Verlauf von vollen vier Jahren, wenigstens die Anerkennung nicht versagte.

Gedenken wir zum Schlusse noch der, im Verlauf sämmtlicher Akademien aufgeführten Symphonien. Als Componisten sind genannt: Riegl, Koželuch, Dittersdorf, J.A. [147] Fisher, Pleyel, Eybler, A. Wranitzky, Winter. Mozart ist einigemal, Haydn aber am häufigsten vertreten.


Mit der Einführung von Dilettanten- oder Liebhaberconcerten betrat das Musikleben in Wien einen neuen Weg, der schließlich zur Gründung unserer modernen musikalischen Gesellschaften führte.92 Philipp Jacques Martin aus Regensburg93 war der erste Unternehmer dieser Art in Wien. Er kündigte seine großen Dilettanten-Concerte für den Winter 1781/82 an; sie fanden jeden Freitag Abends im Saale »zur Mehlgrube« statt. Das Orchester bestand, mit Ausschluß der Blasinstrumente, nur aus Liebhabern. Für den Sommer 1782 hatte Martin vom Kaiser Joseph die Erlaubniß erwirkt, zwölf Concerte im kais. Augarten und vier große Serenaden auf den Plätzen der inneren Stadt abhalten zu dürfen. Die Concerte im Augarten94 fanden an Sonntagen Nachmittags im Saale des mittleren Gartengebäudes statt. Vor und nach dem Concert promenirten die Besucher in den weitläufigen Anlagen des schönen Parks. Martin war vorsichtig genug, sich mit Mozart zuverbinden, der im ersten Concerte, 26. Mai, mit der Auernhammer sein Concert in Es-dur für zwei Claviere (K. 365) spielte und eine seiner Symphonien aufführte. Unter den Zuhörern befanden sich Erzherzog Maximilian, die Gräfinnen Thun und Wallerstein und Baron van Swieten.95 Ob Mozart weiterhin noch auftrat,[148] ist nicht nachzuweisen; Martin's Dilettanten-Concerte aber werden noch im Juni von der Wiener Zeitung (Nr. 44 und 47) angezeigt.96 Der Augarten war zu dieser Zeit »mit einer großen Menge aller Stände angefüllt«, um so mehr, da auch der Kaiser (wie die W.Z. regelmäßig berichtet) eigens von seinem Sommeraufenthalt zu Laxenburg hereinfuhr und sich unter die bunte Menge mischte und auch im Augarten speiste. Die Concerte wurden daselbst im J. 1785 fortgesetzt, aber unter der Regie angesehener Dilettanten und in die Frühstunde verlegt; den etwaigen Abgang an Auslagen bestritten die Dilettanten selbst, die Musikalien lieh der eifrige Kunstfreund Hofrath von Kees, der auch die Oberleitung führte, aus seiner reichen Musikaliensammlung. Dilettanten beiderlei Geschlechts, auch aus dem höheren Adel, verschmähten es nicht, in diesem Kreise aufzutreten; Virtuosen und Componisten sahen sich von hier aus rasch bekannt gemacht. Als Dirigenten finden wir später den Violinspieler Rudolph, dem dann Schuppanzigh folgte.

Vom Augarten wenden wir uns in den kaiserl. Belvedere-Garten, wo im J. 1785 (wie die Wiener Zeitung Nr. 64 berichtet) eine Gesellschaft angesehener Musikfreunde und Tonkünstler in den Sommermonaten bei günstiger Witterung alle Montage des Morgens eine öffentliche musikalische Akademie abhielt, zu der Jedermann Zutritt hatte. Auch Virtuosen ließen sich hören, z.B. der ausgezeichnete Violinvirtuose Mestrino, vordem in der fürstl. Esterházy'schen Kapelle, nun als Kammermusiker des Grafen Ladislaus Erdödy bezeichnet. Ferner berichtet ein Durchreisender,97 daß daselbst im J. 1787 die deutsche Garde alle Donnerstage des Morgens um 8 Uhr Concerte gab. Der Ungenannte hörte hier die Frau eines Obersten ein Concert auf der Leier »mit vieler Fertigkeit und Delikatesse« spielen. Damals wurden auch Dittersdorf's Symphonien nach Ovid's Metamorphosen und die »neuesten sechs Symphonien von Haydn, die er für den König von Preußen componirt hatte« (d.h. die Pariser), aufgeführt.[149]

Auch über musikalische Morgen-Unterhaltungen von Dilettanten im Saale des Liechtenstein'schen Sommer-Palais in der Vorstadt Rossau wird berichtet. Die Einlaßkarten dazu waren unentgeldlich und die Unkosten bestritten die Ausübenden. Diese Unterhaltungen wurden im Winter in dazu geeigneten Privathäusern an Abenden und unter denselben uneigennützigen Verhältnissen fortgesetzt.98


Unter den Musikliebhabern, welche in der Lage waren, Dilettanten-Concerte mit Orchester in ihrem Hause abhalten zu können, stand obenan der früher genannte Franz Bernhard Ritter von Kees (geb. 11. Nov. 1720, gest. als Geh. Rath und Vicepräsident des N.O. Appellationsgerichts 5. Jan. 1795 in Wien). Seine Frau war eine geschätzte Sängerin, seine Tochter Minnie, Schülerin von Preindl, spielte artig Clavier, er selber Bratsche und Violoncell; auch führte er, wie im Augarten, die Leitung des Orchesters oder überließ sie später nöthigenfalls dem Abbée del Giorgio, einem tüchtigen Geiger. Gyrowetz erzählt uns, daß die Dilettanten wöchentlich zweimal zusammenkamen. Mozart spielte seine Concerte, Giornovichj und andere Virtuosen ließen sich auf der Geige hören, außerdem wechselten Orchester- und Gesangwerke. Die Componisten fanden hier eine unschätzbare Gelegenheit, ihre Arbeiten vor auserlesener Gesellschaft aufzuführen, und was hier gefiel, konnte getrost den Weg in die Öffentlichkeit nehmen. Haydn hielt große Stücke auf Kees und war ängstlich bemüht, das Gutachten über seine neuesten Compositionen hier einzuholen. Auch der kränkliche Hof-Kapellmeister Bonno, »der alte ehrliche brave Mann« (wie ihn Mozart dem Vater schildert), mußte immer noch Lust verspürt haben, Musik bei sich zu hören. Und welche Besetzung! Mozart schreibt dem Vater ganz erregt (11. April 1781), daß dort seine Symphonie zum zweitenmale probirt wurde, daß sie »magnifique gegangen ist und allen Succeß gehabt hat. Vierzig Violinen haben gespielt, die Blasinstrumente alle doppelt, 10 Bratschen, 10 Contrabassi, 8 Violoncelli und 6 Fagotti.«[150]

Kleinere musikalische Aufführungen treffen wir zur Advent- und Fastenzeit bei Musikern und tonangebenden Familien, so z.B. bei Leopold Koželuch, wo sich der Sänger Kelly, die Componisten Vanhal, Dittersdorf u.A. einfanden; bei Mozart an den Sonntag-Vormittagen, die auch von Musikliebhabern gegen Honorar besucht werden konnten; bei dem Botaniker von Jacquin, dessen Schwester Franziska (spätere Frau von Lagusius) Schülerin von Mozart war; bei dem Geschwisterpaar Martines; beim Agenten Ployer, wo Mozart viel verkehrte und die Tochter Barbara (Babette) unterrichtete;99 beim Baron du Beine (de Malchamp), der auch eine ansehnliche Musikbibliothek besaß; bei Edlen von Trattnern, wo Zinzendorf die Frau des Hauses hörte (au concert de Trattnern, la maitresse du logis joua du clavecin).

Das Streichquartett hatte goldene Tage; es bildete einen wesentlichen Bestandtheil der wöchentlichen musikalischen Hausunterhaltungen. Namen von Klang waren hier die Häuser von Spielmann, von Greiner, Neuwirth. Bei Lord Stormont, engl. Botschafter, hörte Burney100 im J. 1773 Quartette von Haydn, ausgeführt von Starzer, d'Ordonez, Grafen von Brühl (Sohn des sächs. Ministers) und Jos. Weigl (vordem in der fürstl. Esterházy'schen Kapelle). Bei dem engl. Componisten Stephan Storace, dessen Schwester Nancy bei der ital. Oper im Hof- und Nationaltheater angestellt war, saßen beim Quartett Dittersdorf, Haydn, Mozart und Vanhal und hatten als Zuhörer Paisiello und den Dichter Abbate Casti.101 Auch die Familie Genzinger dürfen wir nicht vergessen, wo Haydn so gerne verkehrte. Zu einer »verabredeten kleinen Quartett-Music« hatte er im Januar 1790 den tüchtigen Violinspieler von Häring102 eingeladen »der sich glücklich schätzte, mir diesfalls dienen zu können«.[151]


Die Nachtmusiken, deren früher (Bd. I. S. 106) Erwähnung geschah, waren und blieben noch immer beliebt, namentlich solche mit Blasinstrumenten. Mozart schreibt seinem Vater (3. Nov. 1781), daß er an seinem Namenstage (31. Oct.), den er bei der Baronin Waldstätten gefeiert, mit einer Nachtmusik von seiner Composition überrascht worden sei, welche er auf den Theresientag (15. Oct.) für die Schwägerin des Hofmalers Hickl geschrieben habe.103 Die erwähnten vier Serenaden in größerem Stil, die der Unternehmer Phil. Jac. Martin aus Regensburg im August 1782 seinen im Augarten arrangirten Concerten folgen ließ, fanden im August an Sonntagen in der inneren Stadt, Neuen Markt, statt. Die Gesellschaft versammelte sich in und bei den aufgerichteten Limonadenhütten zur Unterhaltung, während in einiger Entfernung die Musiker beliebte Stücke, besonders aus Opern, vortrugen. »Die vortreffliche Musik, die feierliche Stille, das Vertrauliche, welches die Nacht der Gesellschaft einflößt, alles giebt dem Auftritt einen besonderen Reiz.«104 Aus den Anzeigen erfahren wir, daß dieser Martin auch Serenaden eigener Composition aufführte, so auch die von Mozart selbst für Blasinstrumente arrangirte Oper »die Entführung aus dem Serail«.105

Auch der Prater hatte seine Serenaden; eine solche mit 31 »blasenden Instrumenten«, componirt für zwei Orchester von Karl von Ordonez, wurde bei einem von Joh. Georg Stuwer, k.k. priv. Kunstfeuerwerker veranstalteten Feuerwerk unter dem Titel »das Denkmahl des Friedens« im Juni 1779 aufgeführt. Als Leiter der beiden Orchesterflügel finden wir die bekannten Namen Colombazzo und Triebensee.106


Was die Tanzbelustigungen betrifft, so hat sich das früher skizzirte Bild107 über diese Seite des geselligen Leben Wiens nur[152] wenig geändert. Man tanzte Menuetts, Deutsche (Allemandes) und Contratänze; auch der Ländler wird nun genannt. Die Tänze waren für volles Orchester oder auch für zwei Violinen sammt Baß componirt, auch arrangirt für Clavier je nach dem Lokalbedürfniß. Als Componisten, die für die Redoutenbälle schrieben und von der kaiserl. Hoftheaterdirection dazu gewonnen wurden, sind genannt: Franz Joseph Schwanenberg, Ferd. Kauer, Anton Teyber, deren Musik dann auch gedruckt oder geschrieben bei ihnen selbst oder bei den Verlegern zu finden waren. Mozart schrieb für diese Bälle nach seiner Ernennung zum kais. Kammercompositeur Menuetts und Contratänze, die bei Artaria in Stich erschienen; Haydn 12 Menuetts sammt Trios (1790) und für das Casino im Trattnern'schen Freihof 12 Menuetts und 6 Allemandes (1785), bei Toricella gestochen. – Redouten und Bälle im Fasching treffen wir wieder auf der Schaubühne nächst dem Kärnthnerthor und in den Redoutensälen (2mal wöchentlich); beide Unternehmungen waren gemeinschaftlich, entweder verpachtet oder in Regie des Hofes. Erstere waren zur Zeit Noverre's besonders brillant. Im Januar 1768 lesen wir über einen von ihm eingerichteten Contratanz, an dem sich nach Aussage des Wiener Diariums 60 Tänzer und Tänzerinnen betheiligten und welcher »der übrigen Ballgesellschaft ganz sonderbar gefallen hat«. Derselbe gefiel so sehr, daß er an mehreren Abenden aufgeführt und »auf Begehren der vielen anwesenden Liebhaber« sogar zweimal wiederholt werden mußte. Es wurde in beiden Parterren, welche geräumt wurden, und auch auf dem Theater getanzt; später wurden Parterre und Bühne vereinigt.

Maskirte Bälle fanden später nur mehr in den Redoutensälen statt (gewöhnlich 16mal maskirter Ball, 4mal Redoute noble). Die Ballordnung für die Faschingszeit wurde »auf allerhöchsten Befehl durch die N.Ö. Regierung zu jedermanns Wissenschaft und Darobhaltung« im Voraus kund gemacht. Hohe und in vorhinein unerlaubte Spiele waren verboten. Die Bälle im Saale »zur Mehlgrube« (siehe Bd. I. S. 105) bestanden fort.

Als neue Tanzlokale finden wir das oben erwähnte Casino im Trattnern'schen Freihause108 und gegen Ende der 80er Jahre[153] den schon genannten Saal des Hoftraiteur Jahn in der Himmelpfortgasse. Auch im Augarten veranstaltete zuweilen der hohe Adel Soiréen mit Tanz. Zinzendorf notirt 1784, 25. Aug.: »Soirée al 'Augarten. J'y vis la Contredanse de 16 paires, tout les hommes en habit bleu, les femmes en blanc avec des chapeaux et rubans bleus. Le prince de Wurtemberg dansa des Allemandes avec ma nièce


Der Musikalienhandel Wiens109 hatte sich zu Ende der 70er Jahre wesentlich gehoben oder, genauer gesagt, er begann jetzt selbstständig zu werden. Anknüpfend an das, was wir über diesen wichtigen Factor im Wiener Musikleben bereits kennen lernten (I. 109), lehrt uns ein Blick in die Wiener Zeitung, welche Veränderungen hier seitdem vor sich gingen. Hatten sich vordem nur die Buchhändler nebenbei mit dem Verkauf von Musikalien befaßt, entstanden nun eigene Kunst- und Musikalienhandlungen, die sich nicht nur mit dem Betrieb ausländischer Musikalien befaßten, sondern eigenen Verlag boten, eigene Druckereien hielten und den mühsamen Typendruck mit dem schmuckeren Stich auf Kupferplatten vertauschten. Mit ersterem befaßte sich gegen Ende der 80er Jahre nur noch die neuerstandene Buchdruckerei des Gottfried Friedrich Schönfeld;110 die früher genannten Firmen v. Trattnern111 und v. Kurzböck, später auch Rudolph Gräffer, lieferten wohl noch ab und zu Werke in Typendruck, ließen diesen Nebenzweig ihres Geschäfts dann aber eingehen. Die wichtigste Firma, die auch alle anderen überlebte, war die schon genannte Handlung Artaria u. Co.;112[154] ihr zunächst folgte Christoph Torricella113 (im Kommerzialschema zuerst 1780 genannt), der anfangs in der Herausgabe Haydn'scher Werke mit Artaria zu concurriren suchte, aber nach 1786 verschwindet. Ferner sind zu nennen der überaus fruchtbare Componist Franz Anton Hoffmei ster114 (1782), Leopold Koželuch (1785) und der früher genannte »Musik-Kaufmann« Huberty aus Paris (I. 110), der seine Verlagswerke auf Subscription herausgab; Madame Huberty war Kupferstecherin (von ihr existiren z.B. die ersten Quartette von Pleyel, 6 Trios von J.C. Bach, op. 7).

Joh. Traeg und Laurent Lausch befaßten sich seit 1781 mit dem Verkauf und Ausleihen gestochener und geschriebener Musikalien. Traeg nahm in 1789 einen Aufschwung, eröffnete ein Musikaliengewölb in der Singerstraße, verlegte selbst Werke (auch von Haydn) und gab 1799 einen heute noch werthvollen reichhaltigen Musik-Katalog heraus. Lausch eröffnete, als der Erste, 1783 ein Jahres-Abonnement (12 Gulden) für ausgeliehene Musikalien. – 1790 werden zum erstenmale die Firmen Jos. Eder,[155] Hieron. Löschenkohl und Schrämbl genannt. – Der mitunter vorzüglichen Kupferstecher von Musiktiteln (namentlich in den 80er Jahren) wurde schon gedacht (I. 111); ebenso der schlimmen Lage der Verleger und Componisten den beutegierigen Copisten gegenüber. Den Zustand des damaligen illusorischen Eigenthumsrechtes charakterisirt die einzige Thatsache, daß gewisse Symphonien Haydn's gleichzeitig bei zwei Verlegern in Stich erschienen und an drei Orten auch in Abschriften zu haben waren. Die Verleger hatten sich aber auch vor den Componisten zu hüten, da diese ihre Werke gleichzeitig an auswärtige Firmen verkauften, worüber wir weiterhin noch hören werden. Um endlich sicher zu gehen, wurde in besonderen Fällen der Alleinbesitz schon im Contract ausbedungen, wie wir dies bei Haydn (S. 33) sahen. – Haydn und Mozart versuchten es auch, Werke auf eigene Subscription herauszugeben; ersterer mit 3 Sonaten in Druck, bei Gräffer zu haben (1784); letzterer mit 3 Clavierconcerten in Abschrift (1783).

Die Klagen über Fehler im Stich, mit denen später auch Beethoven zu kämpfen hatte (»sie wimmeln darin wie die Fische im Wasser d.h. ins Unendliche«)115 läßt auch Haydn oft genug laut werden. Einer der Briefe an Artaria (10. Dec. 1785) spricht nur über dieses leidige Thema: über ärgerliche Fehler in allen Stimmen, unlesbare übel aus- und eingetheilte Stellen, Verwirrungen, Auslassungen von Noten und ganzen Takten; über Faulheit des Stechers, der nicht einmal den Baß ordentlich ausgesetzt hat, über zu kleine und zu nahe an die Noten gesetzte Auflösungszeichen; anderen unrichtig gesetzten Verzierungszeichen, Verwechslungen der Triller und Halb-Mordente. »Wenn also ihr Herr Stecher solche Zeichen nicht kennt, so soll er sich bey den Meistern darum informiren und nicht seinem dummen gutachten folgen« ... »ich habe gestern den ganzen und heut den halben Tag mit corrigiren zugebracht, und da habe ich es nur obenhin überschaut«. Kein Wunder, daß Haydn anfangs so toll war, daß er Artaria das Geld zurücksenden und die Partitur der Clavier-Trios an Hummel in Berlin senden wollte.[156]

Fast gleichzeitig mit dem Aufschwung des Musikalienhandels und der Notenstecherei datirt auch die Hebung der Clavier-Fabrikation in Wien, die schon gegen Ende des Jahrhunderts sich rasch entwickelte. Als die ersten Männer von Bedeutung sind zu Anfang der 80er Jahre Anton Walter und der schon früher (I. 354) erwähnte Joh. Schanz zu nennen; ersteren bevorzugte Mozart,116 letzteren Haydn. Walter war vermuthlich ein Wiener Kind,117 Schanz war aus Böhmen gebürtig. Den reichtönigen Instrumenten von Walter gegenüber zeichneten sich die Schanz'schen durch sanften Charakter aus.118 Haydn schreibt 1790 an Frau von Genzinger: »Gewiß ist's, daß Herr Walter mein Freund dermalen sehr berühmt ist, und ich von diesem Manne alle Jahre sehr viel Höflichkeit empfange, aber unter uns und recht aufrichtig, unter zehn ist bisweilen ein einziges so man mit Recht gut nennen kann, nebstdem ist er außerordentlich theuer. Ich kenne das Fortepiano des Herrn von Nickl, es ist vortrefflich, aber für die Hand Euer Gnaden ist es zu schwer, man kann nicht alles mit gehöriger Delicateß spielen.« Über die Claviere des Johann Schanz, Nachfolger seines Bruders, mit dem er in Compagnie gearbeitet hatte, äußert sich Schönfeld: »Der Ton ist nicht so stark als jener der Walter'schen, aber eben so deutlich und meistens angenehmer, auch sind sie leichter zu traktiren indem die Tasten nicht so tief fallen, auch nicht so breit sind wie jene. Sie sind eigentlich eine bis zur Kopie gebrachte Nachahmung der Fortepiano des Künstlers Stein in Augsburg.« Haydn empfiehlt im J. 1790 Frau von Genzinger Wenzl (den älteren) Schanz »als dermal besten Meister in diesem Fach; seine Fortepiano haben eine ganz besondere Leichtigkeit und ein angenehmes Tractement«. Und an anderer Stelle bedauert er, daß seine Freundin kein Fortepiano von Schanz besitzt, »nochmal so viel Effect würden Euer Gnaden daraus schöpfen«.119[157]

Wenzl Schanz muß vor Sept. 1790 außerhalb Wien gestorben sein;120 sein Bruder Johann führte das Geschäft fort und wird noch 1823 genannt;121 als letzter dieses Namens erscheint ein Joseph im Jahre 1842.122

Die Claviere von Schanz waren auch außerhalb Österreich geschätzt. Breitkopf u. Härtel zeigten sie 1803 nebst andern Clavieren der besten Wiener Firmen als vorräthig auf ihrem Lager an. Moritz Hauptmann fand einen Schanz noch 1829 in Rom.123 Auf des alten Schanz Nachfolger war Beethoven nicht gut zu sprechen. Als er (wahrscheinlich 1815) bei der Gräfin Erdödy auf dem Lande wohnte, beklagte er sich, daß ihm Schanz »ein so schlechtes Clavier geschickt hat, daß er's bald wieder zurück nehmen muß«.124


Die Musikliebe des österreichischen Adels und ihr fördernder Einfluß auf die Cultivirung der Tonkunst ist oft und eingehend gewürdigt worden.125 Wohl wurde ihrer auch in der früheren Chronik (Bd. I. S. 113 f.) gedacht; hier aber verlangt sie unsere erhöhte Aufmerksamkeit und wird, an Bekanntes anknüpfend, manche abermalige Bekräftigung und auch Bereicherung finden.

Musikkapellen, größere oder kleinere, hielten zu jener Zeit die fürstl. Häuser Schwarzenberg, Auersperg (Dirigent: Schenk), Liechtenstein, Kinsky, Lobkowitz (Kapell-meister:[158] A. Wranitzky), Batthyányi, Grassalkovics126 (Dirigent: Kramer); die Grafen Ladislaus und Joseph Erdödy,127 Johann Pálffy etc. – Musiker, die diesen Hauskapellen angehörten, wußten ihre Anstellung zu schätzen und versäumten es nie, bei öffentlichem Auftreten derselben Erwähnung zu thun. So lesen wir: Violinist Jos. Zistler, in Diensten des Grafen Erdödy; Violoncellist Max. Willmann beim Fürsten Grassalkovics; Oboist Jos. Triebensee beim Fürsten Liechtenstein; Contrabassist Joh. Sperger beim Fürsten Batthyány; Klarinettisten A. und Joh. Stadler beim Fürsten Gallizin; Oboist Czerwenka beim Fürsten Schwarzenberg; Flötist Gehring beim Grafen Pálffy etc.

Cavaliere welche sich nicht den Luxus eines vollzähligen Orchesters erlauben konnten oder mochten, hielten doch wenigstens eine mit tüchtigen Künstlern besetzte Harmoniemusik, damals besonders beliebt und gewöhnlich mit 8 Instrumenten vertreten (je 2 Oboen, Klarinetten, Fagotte und Waldhörner) oder es bildeten diese einen selbstständigen Theil des Orchesters. Denselben war auch gleich den Kaiserlichen gestattet, anderwärts aufzutreten, z.B. des Grafen Palm Harmonie in den Akademien der Tonkünstler-Societät, jene des Fürsten Schwarzenberg inden Akademien des Colombazzo, Cäsar Scheidl, in denen sie Nummern aus den zur Zeit beliebtesten Opern und Singspielen (Una cosa rara und l'Arbore di Diana von Martin, »Apotheker und Doctor« von Dittersdorf) »auf 8 blasenden Instrumenten« ausführten. Privatim mußten die Musiker auch die Tafelmusik bei ihren Herrn besorgen,128 wie wir es in Mozart's Don Giovanni finden.

Der Adel betrieb die Musik aber auch selbstausübend, Schönfeld's Jahrbuch (1796) nennt uns hier eine Menge Namen, die noch zurückgreifen in die Jahre vor 1790. Als Sängerinnen finden wir Lady Gilford (geb. Gräfin von Thun), die Gräfinnen[159] Hortense Hatzfeld (geb. Gräfin von Zierotin), Sophie Haugwitz (geb. Gräfin von Fries), Therese Pálffy, Sauer, Freiin von Walterskirchen und Freiin von Zois (geb. von Auenbrucker). Am Clavier, öffentlich so sparsam vertreten, finden wir die Fürstin Lichnowsky (geb. Gräfin von Thun), die Gräfinnen Károly (geb. Gräfin von Wallenstein, Schülerin Koželuch's), Grundermann,129 Kollonics die jüngere, Kollowrath, Rumbeck130 (geb. Gräfin von Cobenzl, Mozart's Schülerin), Thun (geb. Uhlefeld, »die charmanteste liebste Dame, die ich in meinem Leben gesehen«, schrieb Mozart über sie), Schönfeld (geb. Gräfin von Fries), Wallenstein (Schülerin von Clementi), Baronesse von Saffran (geb. von Hartenstein, Schülerin Koželuch's), Baronin von Waldstätten (geb. v. Schäfer, Mozart's eifrige Gönnerin), obige Freiin von Zois, die Regierungsräthin von Heß ( geb. de Leporini, Schülerin Clementi's), Reichshofrath Baron von Braun und dessen Sohn, denen noch beizuzählen sind Gräfin Zichy, Franziska von Jacquin (spätere Frau von Lagusius) und Frau Therese Edle von Trattnern131 (Mozart's Schülerinnen). Schönfeld erwähnt ferner noch als tüchtige Violinspieler die Grafen Kuefstein, Anton Apponyi, August v. Hatzfeld (namentlich im Quartett), Ugarte, Freiherr Anton v. Bartenstein; Hofrath v. Kees (Viola, Violoncell), Graf Leonhard Harrach (Flöte), Joh. Nepomuk Esterházy (Oboe).

Bei den vom kais. Hofe besuchten theatralischen Vorstellungen im Theresianischen Collegium finden wir wie früher (I. 113) auch das Orchester nur von jungen Cavalieren besetzt. Französische und italiänische Opern, Schau- und Lustspiele und Ballets bildeten dort das Repertoire.

Große Akademien und Concerte mit Orchester und zum Theil selbst mit Chor gaben die Fürsten Schwarzenberg, Lobkowitz, Kaunitz, Auersperg, Gallizin (russischer Gesandter), Dietrichstein, die französischen und venetianischen Gesandten, Graf Johann Esterházy und Baron van Swieten. Beim Fürsten Adam Auersperg hörte Zinzendorf am 26. März 1787[160] die vermuthlich erste Aufführung von Haydn's »Sieben Worte Christi am Kreuze« (damals noch in nur instrumentaler Form). Beim Grafen Joh. Esterházy wurde 1788 Ph. Em. Bach's »Auferstehung und Himmelfahrt Jesu«, und am 7. April 1789 Händel's »Messias« aufgeführt.132 Zinzendorf gedenkt aber schon 1771 und 72 einer, bisher wahrscheinlich noch nirgends erwähnten Aufführung von Händel's »Alexanderfest« (Timotheus)133, vermuthlich im Palais des Fürsten Schwarzenberg, wo Zinzendorf auch an anderen Tagen Concerte besuchte. Dies dürfte also, soviel bis jetzt bekannt, das erstemal gewesen sein, daß man in Wien ein Oratorium von Händel aufführte. Nach Zinzendorf wurde 1772 auch Pergolese's Stabat mater beim Abbé Marchisio und bei Mme. de Goes aufgeführt, wobei letztere sang.

Wir müssen hier auch jene Oratorien-Aufführungen einbeziehen, die Baron van Swieten in seiner Wohnung in der Renngasse134 und im großen Saale der kaiserlichen Hofbibliothek, deren Vorstand er war, gegen Ende der 80er Jahre veranstaltete. Die Kosten bestritten die kunstliebenden hohen Mäcene Schwarzenberg, Lobkowitz, Dietrichstein, Batthyányi, Esterházy und Apponyi. Der Zutritt war nur geladenen Gästen gestattet; Dirigent war Jos. Starzer und nach seinem Tode (22. April 1787) Mozart; am Clavier saß der junge Weigel. Von Händel kamen zur Aufführung »Acis und Galathea«, »Messias«, »Alexanderfest« und die »Cäcilien-Ode«, die alle bekanntlich Mozart auf Anregung van Swieten's in der Instrumentirung vermehrt hatte.135

Auch die Oper wurde in den fürstlichen Häusern gepflegt. Am 23. Juli 1782 hörte Zinzendorf auf dem Haustheater des Fürsten Adam Auersperg136 die Oper Armida von Righini;[161] es sangen Gräfin Hatzfeld (Armida), Mlle. Auenbrugger (Renaud), Mr. Urbain (Ubaldo).137 Am 11. Oct. wurde daselbst »eine wälsche Oper« von Damen und Cavalieren zu Ehren des anwesenden Großfürsten nebst Gemalin aufgeführt. Einer ebenfalls wälschen Oper bei Fürst Alois Liechtenstein in 1784, 21. März erwähnt Mozart in seinem Briefe vom 20. März. Wiederum bei Auersperg wurden im Febr. 1786 unter Gluck's eigener Überwachung aufgeführt »Iphigenia auf Tauris« und »Alceste«. Erstere mit der Bernasconi, mit Adamberger und Kelly; letztere mit Gräfin Hatzfeld (Alceste) und Mlle. de Heißenstein (Ismene).138 Mozart führte daselbst im folgenden Monat seinen Idomeneo auf, bei welcher Gelegenheit er eine Scena mit Rondo für Sopran mit Violinsolo und ein Duett für 2 Soprane neu componirte (K. 490 u. 489) und mehrfache Veränderungen vornahm. Damals wirkten mit Frau v. Puffendorf (Ilia), Baron Pulini (Idamante) und wahrscheinlich der kunstsinnige italiänische Kaufmann Bridi (Idomenes); Graf Hatzfeld, Mozart's »liebster bester Freund«, spielte das Violinsolo.139 In demselben Monat (26. März) hörte Zinzendorf, vermuthlich ebenfalls bei Auersperg, die Oper La serva padrona von Paisiello (»au lieu de l'ancienne de Pergolese«).140

Zinzendorf's Tagebüchern verdanken wir noch weitere Bekanntschaften mit dem musicirenden Adel. Wir folgen ihm zunächst in die Familienkreise, wo Mittags oder Abends, vor oder nach der Tafel in ungezwungener Weise der Tonkunst gehuldigt wurde. Bekannte Namen einbegreifend nennt er uns die Häuser Zierotin, Buquoy, Goes, Lippe, Paar, Pálffy, Chevalier Keith, Abbé Marchisio, Louis Rosenberg, Windischgrätz, Schwarzenberg, Auersperg, die russischen, französischen,[162] neapolitanischen und venetianischen Gesandten. Als Ausübende im Gesang sind genannt die Gräfinnen Hortense Zierotin (die spätere d'Hatzfeld), Esterházy, Hoyos, Czernin, Sophie Haugwitz, Schönfeld, Rosenberg, Victorine Fries, Prinzessin Auersperg, Ernestine Schwarzenberg, Leopoldine Windischgrätz, die Starhemberg's und Zichy's, T. Clary (qui chante comme un ange), Me. de Goes, Me. Maylath. Am Clavier: Gräfin Thun (qui joua une sonate de Heyden, als sie Zinzendorf 1775 besuchte), Fürstin Mimi Windischgrätz, Fürst Starhemberg; ferner Graf Hatzfeld, Domherr zu Eichstädt (Violine); Fürstin Christine Liechten stein (Harfe). Als Mitwirkende aus der Künstlerwelt werden genannt: die Sängerinnen Weigl, Altamonte (vorzügliche Altistin), Duchanteau, Storace, Josepha Duscheck141 (Mozart's vielgeschätzte Prager Freundin); die Sänger Manzoletti, Benucci und Mandini; die Harfenspielerinnen Me. de Varenne, Mlle. Scheidel und Müllner (fille d'un cordonnier). Am Clavier, außer Mozart, die Aurnhammer, Scarlatti, Salieri, der junge Weigl und die nicht minder auch hier begabte Sängerin Storace.

Die Herrschaften führten auch Komödie, deutsche, französische und italiänische auf und hatten dazu eigens kleine, zierliche Bühnen errichtet. Zinzendorf nennt in den Jahren 1785–90 Vorstellungen bei den Gräfinnen Thun, Roombeck, Esterházy, Fries, Collalto, Rosenberg, Schönborn; bei den Fürsten Starhemberg, Auersperg und Kaunitz. Als Acteurs sind genannt: die Familie Jean Esterházy (Graf, Gräfin und Tochter; die zwei jüngsten Kinder tanzten ein kleines Ballet »avec les graces de leur âge«); die Familie Fries (Graf Charles, Gräfin, der Sohn, die Töchter Sophie und Victoire); Gräfin[163] Elisabeth Thun und deren 15jährige Tochter Karoline; die beiden Schönborn, Louis und Elisabeth (qui jouerent dans la grande perfection); die Grafen Har tig, Czernin, Joseph Pálffy, Wurmbrandt, Taroucca, d'Echeny; Gräfin Etienne Zichy (qui joua comme la plus parfaite actrice) und ihre Tochter Leopoldine; beide Rosenberg und Haddik, Gräfinnen v. Gemmingen und Hatzfeld, beide Roombeck, die Fürsten und Fürstinnen Lisette Schwarzenberg, Louise und Therese Lichnowsky, Khevenhüller, Louis Starhemberg, Clary und Charles Liechtenstein.

Fußnoten

1 Von ihm erschien in Wien 1774: Pensieri e riflessioni pratiche sopra il canto figurato. (3. Aufl. Mailand 1777.)


2 O. Jahn, Mozart, Bd. I. S. 643.


3 Dittersdorf, Lebensbeschreibung. S. 235. – Als Curiosum mag hier auch die Anekdote Platz finden daß Gaßmann es darauf anlegte, Haydn dem Kaiser als Plagiator zu verdächtigen. Nach Haydn's Erzählung soll er einst bei der Probe einer Oper Gaßmann's von Jemand um eine Adresse ersucht worden sein, die dann Haydn, ein Blatt Papier an die Säule haltend, aufschrieb, was nicht unbeachtet blieb und ihm in den beabsichtigten Verdacht brachte, er habe sich Stellen aus der Oper notirt.


4 Wiener-Zeitung und Wienerbl. – Zinzendorf 1783. 3. Aug.: Le soir a Schoenbrunn à la musique de l'Archiduc, tout le baillage de l'Autriche y étoit.


5 Le matin a l'Augarten ou Zichy donoit un dejeuner avec la musique de l'Empereur. L'Archiduc y etoit, Chotek et Rothenhahn. (Zinzendorf, 1783, 8. août.)


6 Reminiscenses of Michael Kelly, vol. I. p. 246 f.


7 Z.B. 1774, 10. Okt. »Pour l'opera comique j'y allais a Schoenbrunn voir jouer Zemire et Azor«.1775, 24. Oct. »a Schoenbrunn voir jouer la servante maîtresse que Mlle. Duchateau joua à merveille, la musique est de Pergolese«.


8 »La Sacco et Lang (Hr. Lange).jouerent un morceau de Bianca capello; le Adamberger et Weidmann un morceau« aus der galanten Bäuerin. La Cavalieri et la Lang chanterent. Le tout etoit fort mediocre. In Salieri's Oper »la Storace immita parfaitement Marchesi en chantant des airs de Giulio Sabino.« (Zinzendorf's Tagebuch.)


9 Realzeitung 1776, 25. Brachmonat (Juni).


10 »De la (Prater) chez Kasperl avec toute la compagnie«. Zinzendorf 1787. 20. Mai


11 Karl Edler von Marinelli (1801 in den Adelstand erhoben) starb 1803, 28. Jan., 58 Jahre alt.


12 geb. zu Preßburg 1745, gest. 1806, 8. Juni, 61 Jahre alt.


13 Unter der Direction des, auch als Schauspieler rühmlichst bekannten Carl (Bärnbrunn, geb. zu Krakau 1789, gest. 1854. 5. Aug. zu Ischl) siedelte das kleine Theater 1847 in das von ihm erbaute und nach ihm benannte heutige »Carltheater« über.


14 Am 30. Sept. 1791 fand hier die erste Aufführung der Zauberflöte statt. 1801 übersiedelte das Theater in das neu erbaute noch heute bestehende »Theater an der Wien«.


15 1 Band I. S. 83–100.


16 Ausführliches siehe Dr. Ed. Wlassak, Chronik des k.k. Hof-Burgtheaters. Wien 1876.


17 Vergl. Bd. I. S. 146 Anm. 39. Die bisherige Schreibart Affligio ist durch Wlassak nach amtlichen Quellen berichtigt. Auch der Theatralkalender von Wien, 1772 giebt S. 16 und 27 den richtigen Namen.


18 Auf das bisher, selbst in Schmid's »Gluck« S. 123 unrichtig angegebene Datum der ersten Aufführung habe ich schon anderwärts hingewiesen. Es war der 26. (nicht 16.) Dec. 1767. Sonnenfels (Briefe über die wienerische Schaubühne) erwähnt der Aufführung in seinem Ersten Schreiben, dat. 27. Wintermonat und wird in seiner Begeisterung nicht 10 Tage zugewartet haben. Jeden Zweifel aber benimmt das Wiener Diarium Nr. 104, 30. Christmonat, wo es heißt: »Samstags und die folgenden Täge wurde auf dem Theater nächst der Burg das neue Singspiel Alceste genannt aufgeführt etc. Samstag aber fiel auf den 26, den 2. Weihnachtstag, während der 16. auf einen Mittwoch fiel und obendrein in den Advent indem nicht gespielt werden durfte.«


19 Zinzendorf hörte sie als Alceste: »Bernasconi bien mise, bonne actrice, mais peu de voix.« Dies war freilich im Jan. 1783; die Sängerin fing an zu altern. Auch Mozart lobte sie nur bedingt und Kaiser Joseph engagirte sie nur gezwungen.


20 Vorher beim Bischof von Großwardein (Dittersdorf, Lebensbeschreibung, S. 134); später im Schikaneder Theater. Für ihn schrieb Mozart den obligaten Baß zu einer Arie (K. 612).


21 Am 24. Nov. 1770 brachte er auch Haydn's erstes Bühnenwerk »Der neue krumme Teufel« wieder auf die Bühne (vergl. Bd. I. S. 153 f.).


22 Realzeitung 1776, 3. Brief.


23 Wiener Diarium Nr. 16.


24 Zinzendorf macht die eigenthümliche Bemerkung:Opera dont la musique est pillée de differentes autres. Fischer joua bien, Adam Berger (Adamberger)me deplut. Dagegen nennt ihn Mozart unter denen auf die Deutschland stolz sein darf.


25 Von Gluck'schen Opern wurden von Oct. 1781 bis März 1783 gegeben: Iphigenia auf Tauris (11 mal); Alceste (10), Orfeo (6), Pilgrimme von Mekka (6). Nach dieser Zeit verschwinden seine Opern auf Jahre hinaus.


26 Der Erwähnung verdient auch folgende Ankündigung aus jener Zeit: »Ehrbietungsvoll macht die der Schauspielkunst sich widmende Jugend einem verehrungswürdigen Publiko bekannt, daß sie ihre theatralischen Übungen künftigen Freytag als den 31. Aug. im k.k. Nationaltheater wiederum anfangen und in der Folge ununterbrochen alle Freytage fortsetzen werde. Da sie sich bisher vorzüglich beschäftiget hat, Kenntniß in der Tonkunst zu erlangen, so wird sie mit Adelheid von Veltheim oder der Bascha zu Tunis, einem Original-Singspiele von vier Aufzügen den Anfang machen«. (Wiener Zeitung 1781, Nr. 69, 29. Augustmonat.)


27 Jolie figure, voluptueux, belle gorge, beaux yeux, cou blanc, bouche fraiche, belle peau, la naïveté et la pétulance de l'enfance, chante comme un ange – man sieht, Zinzendorf war nicht wenig eingenommen für die Sängerin, an der Mozart die rechte Susanne gefunden hatte.


28 Eine der größten Schönheiten ihrer Zeit. Sie trat am 27. Juni 1789 das erstemal in Wien als Amor inl'Arbore di Diana auf. Die Wien.-Ztg. rühmt ihr reizvolles Aussehen, seines ausdruckvolles Spiel und ihren kunstreichen schönen Gesang.


29 Tenor d'une voix admirable. Zinzendorf 1784. 26. April.


30 Zinzendorf. 1. Mai (erste Aufführung): la musique de Moshardt. l'opera m'ennuya. 4. Juli: la musique de Mozart singulière, des mains sans tête. 1789. 31. Aug.: Charmant duo entre la Cavalieri et Ferraresi. 1790. 7. Mai: le duo des deux femmes, le rondeau de la Ferrarese (welches Mozart 1789 für sie neu componirt hatte) plait toujours.


31 Zdf. 7. Mai: la musique de Mozart est agréable et très variée. 23. Juni: le soir 'je m'ennuyua beaucoup a l'opera Don Giovanni.


32 Zdf. 26. Jan. (erste Auff.): la musique de Mozart charmante, et le sujet assez amusant.


33 Zdf. 30. Nov. Le spectacle est gai, la musique contient quelques morceaux de Moshart, les paroles beaucoup d'équivoques; le souflet repeté.


34 Zdf. Les acteurs se surpasserent et on les fit indiscretement répéter ... L'empereur fit répéter l'air du Bachelier (in Paisiello's Barbiere 1783).


35 Der Kaiser machte die Sänger auf der Probe selbst mit dem Verbot bekannt, worauf alle zustimmend sich verbeugten, nur Kelly erwiederte offen: »Glauben Ew. Majestät ihnen nicht; sie allen lieben den Dacapo- Ruf, ich wenigstens kann es bestimmt von mir sagen.« (Kelly, Reminiscenses, vol. I. p. 262.)


36 Vergl. A. Schmid, Gluck, S. 376.


37 22. Fevr. a l'opera Calypso abbandonata ou Me. Bologna et Mlle. Valdisturda chantèrent. musique de Heyden. Der Umstand daß beide Sängerinnen aus Esterház kamen und vielleicht sogar Haydn selbst dirigirte, mag Z. verleitet haben, ihm die Musik zuzuschreiben. Die Oper ist jedoch von Luigi Bologna, wie auch Gerber (Neues Lex. I. 462) richtig angibt. Eine Abschrift der Partitur trägt, gleich dem S. 71 erwähnten Oratorium, fälschlich Haydn's Namen.


38 Dramatische und andere Skizzen nebst Briefen über das Theaterwesen zu Wien, herausg. von Schink. Wien, in der Sonnleithner'schen Buchhandlung. 1783.


39 Im Wienerblättchen kündigte die Fuhrmann ihren ganzen Theater-Apparat zum Verkauf an, wie auch Überlassung des Gebäudes (Nr. 42) zum Theater- oder anderweitigem Gebrauch.


40 Nach Notizen in der W. Ztg. und im Wienerblättchen, sowie nach der kleinen Broschüre: »Ein Quodlibet zum Abschied« von J. Friedel. Schauspieler. Abdera 1785. (Mit Verzeichniß der aufgeführten Stücke und deren Einnahmen.)


41 Seine Berufung dorthin geschah auf Veranlassung des kaiserl. Kapellmeisters Sarti, der die große Sängerin Todi, welche gegen ihn bei der Kaiserin intriguirte, mit dem Auftreten des berühmten Sängers in Schatten stellen wollte.


42 Zinzendorf. 4. août: Marchesini premier soprano de l'Italie enchanta tout l'auditoire par sa belle voix, douce, sonore, harmonieuse et touchante .... M. a un visage de femme, des gestes de femme, une voix au-dela de celle d'une femme, des sons flutés etonnant. 6. août; (l'opera) alla mieux que l'autre fois, M. avait moins peur. 11.: M. s' est surpassé aujourd'hui. 20: Marchesi nous etonna, captiva notre admiration pour la dernière fois par ses sons touchans, sa voix sonore, harmonieuse, munie à la fois de cordes basses et hautes, d'une etendue immense.


43 Zinzendorf. 13. juillet (die erste Aufführung war am 11. Juni): La Musique de Dieters. la pièce détestable. Un air Du Esel 9. fois (Akt II. Klaudia: »Mit dir du Esel«). Die Handlung ist nach dem Französischen des G. v. N. L'apothicaire de Murcie frei bearbeit von Stephanie d.j.


44 Zinzendorf schreibt (12. Nov. 1791): De-là (Goldhan) à la Josephs Stadt (Vorstadt Wiens) dans le voisinage du jardin de Wilzek chez le Chevalier de Moretti No. 19l voir le Modèle d'un grand théâtre à construire ici à l'emplacement de la Stallburg. Il est superbe. 45 pieds largeur de la scène, 60 pieds hauteur dans la parterre, 80 pieds longueur sous la scène. La forme est celle d'une cloche. 6 etages, les loges au rez-de-chaussée et celle au 4e. rang fermés, les dernières avec des lucarnes, les loges au premier en balcon fermé pour l'hombre (?), au 2d et 3me en balcons entourés de balustrades à jour; tout ces balcons sortent chacun entre deux colonnes qui régnent tout le long du pourtour imitant le verde antico. Au fond de chaque loge un trumeau qui sert de porte pour aller dans le corridor chauffé, des appartements derrière. Au plafond de chaque loge entre deux colonnes au premier et second un grand lustre qu'on allumera les jours de fête. La loge de la cour grand balcon dans le fond occupe le premier et le second. Deux loges latérales de la cour dans le proscenium. Au milieu du plafond de la salle un lustre immense qu'on hausse et baisse a volonté. Le parterre fort long monte insensiblement vers le bout de la salle. Il regne tout-autour le long des loges un amphithéâtre noble, et dans les enfoncements entre les balcons il ya encore des chaises.


45 Wahrscheinlich dasselbe Ballet, für welches Mozart im J. 1778 in Paris die erst vor einigen Jahren aufgefundene Musik schrieb. Das Ballet wurde von Noverre in Paris im Juni 1778 aufgeführt. (O. Jahn, Mozart, Bd. I. S. 484.)


46 Der größte Theil der in Wien gedruckten Programme dieses Ballets, welche in der Beschreibung fast noch mehr Aufsehen machten als in der Ausführung, waren von einem Wiener Autor, J. Landes, der 1780, 38 Jahre alt, starb. (F. Nicolai IV. S. 574 Anm.)


47 Jos. Oehler, Geschichte des gesammten Theaterwesens Wien. 1803. 3. Abth. S. 101 ff.


48 An Stelle des früher bestandenen uralten Häusercomplex, der Freisingerhof genannt, wurde in den Jahren 1773–76 vom k.k. Hofbuchhändler Thomas Edlen v. Trattnern das bekannte große Zinshaus erbaut.


49 Band I. S. 44–58.


50 Friedr. Nicolai's Reise, IV. S. 544 f.


51 Zinzendorf schreibt 1783, 20. April: »Aujourd'hui commence le nouvel ordre, qu'il n'y a jamais qu'une messe à la fois dans une église, seulement à St. Etienne il y en a 3. Cela fuit que plusieurs pretres ne trouveront plus de messe a dire


52 So z.B. bei Eröffnung der, vom Kaiser der italienischen Congregation zugewiesenen Minoriten-Kirche am Ostersonntag 1786, wobei die Sänger der ital. Oper sangen und der uns bekannte Karl Friberth als Kapellmeister dieser Kirche fungirte. (Vordem war Maria-Schnee die ital. Nationalkirche, d.h. wo in italienischer Sprache gepredigt wurde (W.D. 1781. Nr. 27).


53 Als Gegensatz zu den »zünftigen«, dem im J. 1782 aufgehobenen Spielgrafenamte unterstehenden Musikern, welche vorzugsweise Tanzmusik pflegten. (Hanslick, Geschichte des Concertwesens in Wien, S. 10 und S. 11. Anm. 1.)


54 Wiener Diarium, Nr. 94.


55 Pohl, Denkschrift aus Anlaß des 100 jähr. Bestehens der Tonkünstler-Societät. 1871. S. 24.


56 Die beiden Aufführungen bei Gelegenheit der Säcularfeier des Vereins, April 1871, waren zugleich die letzten. Jährlich wurde dann dem Verein sein ihm zustehendes Recht von der Hofoper abgekauft bis im Jahre 1879 auch diese Begünstigung erlosch. Das Vereinsvermögen betrug im Februar gegenwärtigen Jahres (1880) in runder Zahl 755.000 Gulden östr. W., eine Summe, die zum größeren Theil die Aufführungen von Haydn's Oratorien erwirkten. Bei Reconstituirung des Vereins im J. 1862 nannte sich derselbe von da an in pietätvoller Dankbarkeit »Haydn-Verein«.


57 Mozart schreibt 1783 dem Vater, Marchand »solle sich recht auf das staccato begeben, denn nur in diesem können die Wiener den La Motte nicht vergessen«.


58 Näheres über den Verein siehe bei Hanslick, Geschichte des Concertwesens in Wien 1869. S. 14 ff. – Pohl, Denkschrift bei Gelegenheit der Säcularfeier 1871.


59 Vordem Kloster der Klarisserinnen oder Königskloster, den Protestanten 1783 eingeräumt und am 30. Nov. eröffnet.


60 Wienerblättchen 1785. 7. April. Der Clavierauszug, von Bach selbst arrangirt erschien damals bei Artaria.


61 Costümes, Dekorationen, also in Action, wie einige der Händel'schen Oratorien. Zinzendorf schreibt: »Les habillemens avoit du luxe et les decorations pas mal


62 Himmelpfortgasse Nr. 965, neu Nr. 6. Es ist die erste vorfindliche Ankündigung einer Akademie in diesem Saale, der anfangs mehr für Bälle benutzt wurde (vergl. I. 105. Anm. 42). Eine Notiz der Allg. Mus. Ztg. (1804, S. 470) beschreibt den Saal als nicht hoch genug und zu schmal und höchstens 400 Zuhörer fassend (was auch zutrifft). Das Haus gehörte Jahn von 1796 bis 1812 und ist gegenwärtig (1880) im Besitz der ersten ungar. allg. Assecuranz-Gesellschaft, die den Saal sammt Nebengemächern für ihre Bureaux einrichtet.


63 Ausführliches siehe Hanslick, Gesch. d. Concertw. in Wien, wo auch über die aufgetretenen Künstler die nöthigen biogr. Notizen gegeben sind.


64 Außer den Concerten für die Abonnenten des Casino und den später erwähnten Akademien gab es dort auch regelmäßige Concerte gegen Erlagsgeld. Entrée ohne Unterschied 1 fl. (Wienerblättchen 1785).


65 Es werden in diesem Abschnitte die folgenden Abkürzungen genügen: B.-Th = Burgtheater (damals National-Hoftheater), K.-Th = Kärnthnerthor-Theater (damals Schauspielhaus nächst dem Kärnthnerthor).


66 Siehe Hanslick, Gesch. d. Concertw. in Wien. S. 103. Ausführliches über ihren langjährigen Aufenthalt in England, siehe Pohl, Haydn in London, S. 339 bis 347. – Die Sängerin sagt in ihrer Selbstbiographie, mitgetheilt von Riesemann (Allg. mus. Ztg. 1875), sie wäre im Frühjahr 1781 nach Wien gekommen. Gleich darauf heißt es: »Ich hatte auch nachher die Gnade, mich der Kayserin Mutter zu Füßen zu legen«. Der Todestag der Kaiserin (29. Nov. 1786) und das Datum des Concertes berichtigen den Irrthum.


67 Diese ebenfalls berühmte Sängerin, für die Haydn in London eine Arie schrieb, hatte ein wechselvolles Leben. In einem Pariser Kaffeehause »entdeckt«, endete sie ihr ruhmvolles Leben, kaum 50 Jahre alt, im Arbeitshause zu Bologna. Über ihren Londoner Aufenthalt siehe Pohl, Haydn in London, S. 250 f. Zinzendorf schreibt 1781: Voix très agréable; 1786: la Giorgi B. chanta comme les anges.


68 Zinzendorf hörte sie bei Me. d'Oxenhausen »elle chanta extremement bien«. Todi und Mara trafen sich bald darauf in Paris, wo der Meinungsstreit über Beider Werth das bekannte artige Wortspiel veranlaßte.


69 Das ausführliche Programm theilt Jahn mit (Mozart Bd. I. S. 724). Gluck wohnte dem Concert bei. »Er konnte die Sinfonie und die Arie nicht genug loben und lud uns auf künftigen Sonntag alle zum Speisen ein«. (Mozart an den Vater, 12. März.)


70 Das Wienerblättchen, 1785, sagt wörtlich: Morgen (20. März) wird Me. Storace im k.k. Nat.-Hoftheater ein großes Concert mit Beyfall geben.


71 Zinzendorf schreibt: Le Duo de la Cosa rara fut repété trois fois; son compliment allemand tiré des Equivoci fesoit un joli air. Wie sehr die muntere Sängerin von Zinzendorf gelobt wurde, sahen wir bei der Oper.


72 Clavier-Variationen darüber waren lange unter Mozart's Namen verbreitet, bis endlich der wahre Componist, Anton Eberl, sich zeigte. (Köchel, Chronol. Verz. d. Werke Mozart's S. 530, Nr. 288.)


73 Sie trennte sich bald von ihm und trat 1797 in Reval mit ihrem fünften Manne auf. Gluck hörte sie in Wien in einer Gesellschaft singen und erklärte »ihre Methode bezeuge daß sie aus der Schule des berühmten Stephanie sei, der sie viele Ehre mache. So müsse man singen wenn man die alte wahre Art des guten und natürlichen Gesanges hören lassen wolle«. (Cramer's Magazin d. M. 1783, S. 354. Hanslick, Gesch. d. W. Concertw. S. 109). Als man der Sängerin bei einer andern Gelegenheit Haydn vorstellte, flog sie ihm plötzlich um den Hals und rief überlaut: Ach mein Haydn! sind Sie es ...


74 Max und seine Frau, geb. Tribolet, wurden 1794 von Schikaneder engagirt. (Thayer, Beethoven, Bd. II. S. 58.)


75 Das Wienerblättchen sagt weiter: »die einzige (!) Oper die dieser beliebte Kompositor nach einem italiänischen Text in Musik gesetzt. Wahre Musikliebhaber bedürfen keiner Einladung, um an diesem Tage sich zahlreich einzufinden«.


76 Daß dieser seinerzeit vielgepriesene »Chevalier« sich auch »mit dem Munde Künstlich pfeiffend auf eine besondere geschickte Art« hören ließ, macht seinen Künstlerruhm doch etwas bedenklich.Brief Mozart's, 16. Dec. 1780; dito L. Mozart über Esser (O. Jahn, Mozart, I. 326).


77 Während ihres Aufenthaltes in dem heiteren Wien scheint sie auch Haydn's, ihrem Wesen so recht zusagende Musik schätzen gelernt zu haben, denn wir lesen daß sie in Ludwigslust bei Hofe und bei der Frau von Ranzow dessen Quartette mit der ihr eigenen Naivität und Laune spielte und sich auch in Hamburg »mit einem vortrefflichen Solo von Haydn durch ihr zartes und ausdrucksvolles Spiel viel Lob erwarb«. (Cramer's Mag. Bd. II. S. 353 und 346.)


78 Über seinen Aufenthalt in London siehe Pohl, Haydn in London, S. 34 f. Zinzendorf schreibt 22. März: il joua un concert de violon avec beaucoup de grace et de douceur.


79 Über seinen dortigen Aufenthalt siehe Pohl, Haydn in London, S. 38. Sein nicht uninteressantes Reise-Album, im Besitz der kais. Hofbibliothek, ist besprochen in den Signalen, Leipzig 1868, Nr. 52. Bekanntlich war er der Erste, der Beethoven's Violinconcert im J. 1806, 23. Dez. öffentlich vortrug. (Nottebohm, Them. Verz. der im Druck ersch. Werke Beethoven's, S. 58.)


80 Der Programm-Zettel sagt: Zum Vortheile dreier Geschwister Namens Willmann. Über Magdalena siehe Thayer, Beethoven Bd. I. S. 185,


81 Zinzendorf, 23. Febr.: au concert entendre Le Brun du hautbois parfaitement bien et sa femme chanter assez mal. Dagegen findet sich ein sehr günstiges Urtheil über die Sängerin bei Jahn, Mozart, I. 381.


82 Mozart hatte ihn 1766 in Holland gehört und er machte damals auf den Knaben wie auf alle Welt einen sehr günstigen Eindruck Ganz anders war es jetzt als er ihn in Wien hörte. Das Bild das er dem Vater (Brief, 4. April) von Fischer als Componist und Virtuose entwirft, war nichts weniger als schmeichelhaft. Fischer lebte seit 1768 bis zu seinem Tode (1800) in London. Über sein Leben in England siehe Pohl, Haydn in London, S. 331–35.


83 Weiteres siehe Hanslick, Gesch. d. Concertw. in Wien, S. 131, Anm. 1.


84 Über das Clavierspiel in Wien zu jener Zeit siehe Hanslick, Gesch. d. Concertw. in Wien S. 120 ff.


85 Nicht zu verwechseln mit dem damals ebenfalls in Wien anwesenden Operncomponisten Giuseppe Sarti. Das Programm, wie es das Wienerblättchen mittheilt, unterscheidet auch sehr wohl: Arie, Musik von dem berühmten Kapellmeister Sardi (hier ist der Druckfehler evident). Rondo für Gesang von Herrn Sardi (wie auch beim Clavierconcert). Etwaige Zweifel löst die Thatsache daß dann bei Artaria im Stich 3 Clavierstücke mit obligater Violine von Giuseppe Sardi erschienen: 1. Variazioni dell opera La Grotta di Trofonio. 2. Sonata, op. II. 3. Giulio Sabino ed Epponina. Sonata caratteristica, camposta dal Sig. Giuseppe Sardi. Maestrodi Cembalo. opera Ima.


86 Mozart war damals noch »in wirklichen Diensten des Erzbischofs von Salzburg«. Mozart spielte noch zweimal (1783 und 85) in diesen Akademien.


87 Das Programm der am 1. April gegebenen Akademie giebt das Wienerblättchen: 1. Große Symphonie mit Trompeten und Pauken. 2. Arie. ges. von Adamberger 3. Wird Hr. Kapellm. Mozart ein ganz neues Concert auf dem Forte Piano spielen. 4. Eine ganz neue große Symphonie. 5. Arie, ges. von Mlle. Cavalieri. 6. Wird Hr Kapellm. Mozart ein ganz neues großes Quintett spielen. 7. Arie, ges. von Marchesi d.ä. (nicht der berühmte). 8. Wird Hr. Kapellm. Mozart ganz allein auf dem Forte Piano phantasieren. 9. Zum Beschluß eine Symphonie [Wohl nur das Finale der vorgehenden?] Außer den 3 Arien ist alles von der Composition des Hr. Kap Mozart. (Das Quintett war das mit Blasinstrumenten, Es-dur (K 452)].


88 In einer dieser Akademien führte Mozart eine Symphonie auf von dem damals jungen noch unbekannten Gyrowetz und führte ihn selbst dem Publikum vor (Biogr. d. A. Gyrowetz, S. 11).


89 Seine Subscribenten zählten zu der erlesensten Gesellschaft Wiens, höchste Adel, Gesandte, hohe Staatsbeamte und Gelehrte. Eine Liste derselben vom J. 1784 theilt Jahn mit (Mozart, I. 725. Anm. 51; siehe auch Nohl, Mozartbriefe, Ausgabe I. Nr. 331).


90 Ausführliches über Mozarts Auftreten als Clavierspieler, siehe Jahn, Mozart I. 723 ff.; Hanslick, Gesch. d. Concertw. in Wien, S. 122.


91 Mozartiana. Von Mozart herrührende und ihn betreffende, zum großen Theil noch nicht veröffentlichte Schriftstücke. Nach aufgefundenen Handschriften herausg. von G. Nottebohm. Breitkopf und Härtel, 1880 (Die erwähnte Stelle steht S. 13.)


92 Ausführliches über jene Dilettanten-Concerte siehe Hanslick, Geschichte des Wiener Concertwesens S. 69 f, O. Jahn, Mozart, Bd. I., S. 722; Nohl, Mozart's Briefe, Mai 1782; Fr. Nicolai Reise, IV. S. 552 f.


93 Über Martin siehe Mozart's Briefe, 29. Mai 1782.


94 Kaiser Joseph ließ diesen, von seinem Großonkel Joseph I. angelegten Park neu herrichten und baute für sich ein einfaches Häuschen, das Kaiser- oder Josephstöckl genannt. Am 30. April 1775 gab er bekanntlich den Park, nun Augarten genannt, dem Publikum frei. Nach dem Wiener Blättchen (1784, S. 23) wurde das Hauptgebäude beim Eingang mit 13 Tafelzimmern am 1. Mai 1784 dem schon erwähnten Trakteur aus Schönbrunn Jg. Jahn zur Bedienung des Publikums überlassen; das erstemal daß dessen Name öffentlich genannt wird. Noch 1813 veranstaltete er mit Wranitzky vom Orchester der Hofoper 6 abonnirte Morgen-Concerte im Musiksaale obigen Gebäudes. (W. Allg. mus. Ztg. 1813, Nr. 30.)


95 Mozart an seinen Vater, Brief vom 29. Mai 1782.


96 Martin's Name erscheint erst 1791 wieder, wo er als Directeur des concerts d'amateurs große musikalische Akademien im Augarten, Prater und Am Hof (Platz der inneren Stadt) in ziemlich kläglicher Weise in der Wiener Zeitung (Nr. 45, Anhang) ankündigte.


97 Cramer's Magazin für Musik, 1789, S. 51.


98 Die Tonkunst während der letzten fünf Dezennien. Skizze von Jg. Edlen von Mosel.


99 »Au concert de l'agent Ployer ou j'entendis sa fille toucher du clavecin à merveille«. (Zinzendorf, 1785. 23. Mars.)


100 Burney, the present state of music in Germany etc. London 1773. p. 290.


101 Michael Kelly, Reminiscenses etc. vol. I. p. 241.


102 Joh. von Häring, angesehener Banquier, der im J. 1807 die adeligen Liebhaberconcerte ins Leben rief.


103 Es war die Serenade Es-dur (Köchel 375) für 2 Clarinetten, 2 Hörner und 2 Fagotte, denen Mozart später noch zwei Oboen hinzufügte. (Jahn I, S. 640).


104 K. R[isbeck] Briefe Bd. I, S. 276.


105 Wiener Zeitung 1782, Nr. 44 und 63.


106 Wiener Diarium 1779, Nr. 49.


107 Siehe Band I, S. 102 ff.


108 Zinzendorf, 1786, 2. Fevr. Je l'accompagnois au bal du Casino chez Trattner.


109 Über Musikverlag und Musikalienhandel siehe Hanslick, Geschichte des Concertwesens in Wien, S. 96 f.


110 Dort erschien 1787 der Clavierauszug mit Text von Dittersdorf's »Apotheker und Doctor«.


111 Siehe Bd. I. S. 110 f. Trattnern gab Gluck's »Alceste« und »Paride und Elena« in Partitur heraus.


112 Band I, S. 110. Das Geschäftslokal, bis 1789 Kohlmarkt, dem großen Michaelerhause gegenüber, übersiedelte in diesem Jahre auf die andere Seite der Straße Nr. 1181 (neu Nr. 9) wo es noch heute besteht. Im Wiener Diarium erscheint der Name zum erstenmale 1775 (»Karl Artaria, Kupferstichhändler«); 1776 bringen Art. u. Co. die ersten Ankündigungen auswärtig gestochener Musikalien und 1778 eigenen Verlags. Die Firma veröffentlichte kurz darauf die ersten Kataloge, die in der Vorrede ausdrücklich hervorheben: »Wir waren die ersten die in den k.k. Erblanden den Handel der auswärtigen gestochenen Musikalien einführten und eben auch die ersten, welche eine musikalische Stecherey anlegten«. A. u. C. traten in den 80er Jahren in geschäftliche Verbindung mit Mozart, Haydn, C. Ph. Em. Bach, Boccherini, Clementi, Gluck (Oden und Gesänge), Geminiani (Violinschule, vordem auf Prän. bei Torricella), Kerzelli, Pleyel, Rosetti (Orat. »der sterbende Jesus«, Streich-Duos und Quartette) etc. – 1793 associrten sich Carlo, Francesco und Ignazio Artaria mit Giov. Cappi und Tranquillo Mollo. Letzterer trat 1796, Cappi 1801 aus und errichteten eigene Handlungen (Mollo ging später an Haslinger, Cappi an Diabelli über). Nachdem sich die drei erstgenannten Brüder nach ihrem Geburtsort Blevio am Comersee zurückgezogen hatten, führte Domenico (Sohn des Francesco und Schwiegersohn des Carlo) unter der alten Firma das Geschäft fort. 1839 associrte er sich mit seinem Sohne August, dem gegenwärtigen (1880) Chef der weltbekannten Kunsthandlung. (Domenico starb 5. Juni 1842.)


113 Kunst- und Kupferstich, Landkarten- und Musikalienverleger in der Herrengasse, Palais Lichtenstein Nr. 132. 1784 kündigte Torricella im Wienerblättchen eine »Musikalische Monatschrift« an. Vor ihm hatte schon 1770 Kurzböck es mit einer »Musikalischen Wochenschrift« auf Pränumeration versucht.


114 Franz Anton Hoffmeister, der Mozart manchmal in Geldverlegenheiten beistand, gründete Dec. 1800 in Verbindung mit Kühnel in Leipzig das bekannteBureau de Musique (jetzt C.F. Peters), kehrte aber 1805 nach Wien zurück; er starb 10. Febr. 1812


115 Es sind die Quartette opus 18 gemeint. Beethoven an Hoffmeister in Leipzig, 8. Apr. 1802. (Thayer, Beethoven Bd. II. S. 182.)


116 Mozart's Concertflügel befindet sich im Mozarteum zu Salzburg.


117 Ein Franz Walter, k.k. Hof-Orgelbauer starb 1733, 77 Jahre alt; Anton starb 1826, 11. April, 75 Jahre alt (Todtenprotokoll).


118 Vergl. Hanslick, Geschichte des Concertwesens in Wien, S. 129 f.; Schönfeld, Jahrbuch der Tonkunst für Wien und Prag, 1796. S. 88 f.


119 Das Museum der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien besitzt zwei tafelförmige Claviere von Schanz; das ältere und kleinere im Umfang von 4 Octaven (Cc) mit Hämmerchen und Messing-Kapseln besaß einst Haydn; das größere (von F bis 5 gestr. c) hat hübsches Fries-Ornament von eingelegtem Holz.


120 Im Todtenprotokoll erscheint er nicht, dagegen heißt es: 16. Febr. 1789 gestorben ein Söhnchen des schutzverwandten Orgelmachers Wenzl Schanz (also lebte der Vater damals noch); am 17. Sept. 1790 ein Kind der Marie Anna, Orgelmachers Wittwe.


121 Adreßbuch für Tonk. u. Dilett., von Ziegler, 1823, S. 253.


122 Erinnerungskalender für den öst. Kaiserst auf das J. 1842, S. 83.


123 »Ich war durch sie (Fürstin W.) beim Erzbischof von Tarant, dem 84 jährigen Mäcen von Neapel eingeführt und öfters da, ich hatte seinen Flügel (einen alten Schanz) probiren müssen.« (Briefe von Moritz Hauptmann an Franz Hauser, her. von Prof. Dr. Alfred Schöne. Leipzig 1871. Bd. I. S. 62.)


124 Brief ohne Datum, an Magister Brauchle.


125 Siehe Hanslick, Geschichte des Concertwesens in Wien, S. 36 ff.; Jahn, Mozart, Bd. II, S. 40 f.; Thayer, Beethoven, Bd. II, S. 275 f.


126 Gyrowetz verkaufte ihm 6 Symphonien (Biogr. S. 11).


127 Graf Ladislaus Erdödy besaß eine reichhaltige Musikalien-Sammlung (darunter über 100 Symphonien) nebst vielen Instrumenten, unter denen auch eine »ganz neue gut gestimmte Harmonika«. Der ganze Nachlaß wurde nach seinem Tode öffentlich versteigert (W. Ztg. 1788. 6. Aug.).


128 1787. 29. Mars. Diné chez le Pe Schwarzenberg, musique de la Cosa rara divinement rendu par les instruments à vent (Zinzendorf.)


129 Torricella widmete ihr 3 bei ihm verlegte Sonaten von Clementi.


130 Jahn, Mozart, Bd. I. S. 626.


131 Jahn, Mozart, I. 645. Mozart componirte für sie die Phantasie und Sonate C-moll (K. 475, 457) bei Artaria erschienen, Verlagsn. 70.


132 à 7h. au concert chez Jean Esterhasy. Der Messias musique de Haendel. J'y pris un peu d'ennuie quoique la musique fut bien belle.


133 10 mars. au concert ou on donna Timothée et Alexandre. cantate de Hendel. l772. 15 mars. au concert spirituel. L' Oratoire de Thimothée et d'Alexandre fut mal rendu.


134 Das Haus stand neben dem Wirthshaus »Zu den drei Hacken« (jetzige Gasthof »Zum römischen Kaiser«. An Stelle des alten Hauses baute 1847 Baron Rothschild sein Palais).


135 Jahn, Mozart, Bd. II. S. 398.


136 Palais Auersperg, siehe Band I. S. 114, Anm. 55.


137 La musique peu saillante; les acteurs jouerent à merveille; le theatre commença à 71/2.


138 Zinzendorf notirte 12. Febr. Me. d'Hazfeld née Zierotin 'joua ce role (Alceste) dans la grande perfection. Beide Vorstellungen sind auch in Kelly's Reminiscenses(vol. I. p. 254) erwähnt. Von der Gräfin sagt er: The was a charming woman, and full of talent.


139 Jahn, Mozart, Bd. I. 580, II. 710. Einer früheren Aufführung (1781 im Juni und wohl nur am Clavier) bei der Gräfin Thun gedenkt Jahn in Bd. I, S. 633.


140 Benucci et la Storace jouerent comme des anges; Giornovichi joua un concert pour le violon avec beaucoup de grace et de douceur.


141 Das Künstlerpaar Duschek hielt sich damals nur zu Besuch in Wien auf. Erst in 1798 gab die Sängerin daselbst ein Concert, in dem Beethoven eine Sonate mit Begleitung spielte. Mozart schrieb in Prag für Josepha, die auch fertig Clavier spielte und artig componirte, eine Arie (K. 528). Viel Widersprechendes ist über sie als Sängerin gesagt worden (vergl. Jahn, Mozart, II. S. 296 ff). In Wien sang sie im J. 1786 in der Zeit von 23. März bis 6. April wiederholt bei den Fürsten Buquoy und Paar, wo sie Zinzendorf hörte.Elle chanta en perfection schreibt er am 27. März; und am 6. April: La Duscheck chanta avec une grande etendue de voix un air allemand de Naumann d'une musique bien appropriée aux paroles.

Quelle:
Pohl, Carl Ferdinand / Botstiber, Hugo: Joseph Haydn. Band 2, Leipzig, Breitkopf & Härtel, 1882..
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