280. [an L. Hagenauer in Salzburg]

[275] Wienn den 11ten May 1768


An Sie allein!


Herr Peyser wird ihnen benachrichtiget haben, daß ich ihm 25 ganze Souvrain d'or für ihren Conto bezahlt habe, davon ich seinen schein empfangen. – – – Sr Hochf: gnaden habe durch ein abgelassenes schreiben zum hohen Nahmenstage meinen schuldigsten Glückwunsch abgeleget. – – – – An Sr Ex: h: Obersthofmeister habe gleichfals in betreff des hochf: Capellhauses geschrieben. – – – – – – h: Meissner wird also verreisen? und wohin? – – – Daß meine Besoldung mit Ende Martij aufhören würde, habe ich ohnehin ihnen selbst schon bekannt gemacht. – – – Daß ich es durch den Vorspruch des h: Bruders Sr Hochf: gnaden die besoldung wieder erbetteln könnte, mag wohl wahr seyn. Er weis die schöne historie, ich erzehlte sie ihm hier: allein, wie kann ich mit billigkeit und Ehre etwas erbetteln, was ich, da ich meine Dienste in Salzb: nicht verrichte, nach dem gewissesten Ausspruch der meisten Hofleuthe in Salzb: nicht verdiene. Es ist im Gegentheil dieses dasjenige, was mir meine Erlaubniß zur Reise nach Italien erleuchtert; eine Reise diewenn man alle Umstande in Erwegung ziehet, nun nicht mehr kann [275] verschoben werden, und dazu ich vom Kayser selbst allen vorschub nach florenz in alle Kays: Staaten und nach Neapel habe. oder sollte ich vielleicht in Salzb: sitzen in lehrer Hofnung nach einem bessern Glücke seufzen, den Wolfgang groß werden und mich und meine Kinder bey der Nase herumführen lassen, bis ich zu Jahren komme, die mich eine Reise zu machen verhindern, und bis der Wolfg: in die Jahre und denjenigen wachsthum kommt, die seinen Verdiensten die Verwunderung entziehen? – Soll mein Kind durch die opera in Wienn den ersten schritt umsonst gethañ haben, und nicht auf dem einmahl so breit gebahnten weg mit starken schritten forteilen?

Hier haben sie die Abschrift des Oberhofmeist: schreib:

Per espreßo comando di S: A: Rma: devo far sapere à V: S:, qualmente il Clementmo Prencipe Pre niente abbia in contrario, che il Sgr: Mozart se ne poßi restar fuori à suo piacimento sin tanto che vuole, ed inoltre gli passerà ancora questo mese di Marzo il suo salario; mà in avenire, quando non Sij attualmente presente in Salisburgo sarà bensi mantenuto come prima nel suo Servizio, ma durante la sua aßenza non gli lascierà più correre il solito Solario. di tanto ho Voluto rendere avisato V: S: x: x: Sehen sie, welche Gnade! – – ich kan nach meinem belieben ausbleiben: wenn ich nur nicht begehere, daß man mich bezahle. ich bin sehr wohl damit zufrieden. wenigst kann ich ohne ferneren Vorwurf ausbleiben. Ich werde aber von hier nach Salzburg vor Ende Julij nicht aufbrechen können. Unsere Peltz sind uns aber dermahl zur last. Ich werde sie bald voraus durch einen fuhrmann hinaufschicken. Hingegen muß ich –; ja ich muß um eine Gefälligkeit bitten. die Hitze wird immer grösser, und ich muß mich schämmen in tüchenen Kleidern bey Herrschaften zu erscheinen. der Wolfg: ist auch eines leichtern kleides benötiget. Ich muß demnach bitten Mein seidenes Lyonerkleid, Mein rothes zeugenes Kleid (so ich zurrückreise nötig habe) und dasCamelottene weisgraue kleid des Wolfg: Die 2 Persene kleider meiner fr: und meiner Tochter, und wenn sie den gewissen frauenzimmer hut, mit dem flohr über das Gesicht finden, der in der grossen runden [276] Hutschachtt seyn wird, mit dem nächsten Postwagen herunterzuschicken. ich will alles hier in eine Reihe hersetzen.


1. Mein seidenes Lyonerkleid Rock, Camisol und 2 paar hofen.

2. Mein rothes zeugenes kleid. Rock und Camisol. Die hofen ist nicht mehr zu gebrauchen. sollte das Kleid zerrissen seyn, so mag es h: Daser geschwind mit der Hofe ausflicken, es gehört nur auf die Reise

3. Des wolfgangs Camelotenes kleid Rock, hofen und Camisol. finden sie noch ein Sommer Camisol, so legen sie es nur dazu.

4. die 2 Persene kleider meiner fr: und tochter. Meine fr: last bitten zu sorgen, daß es nach der Regula de tri zusammgelegt wird. Sie glaubt die Jungf: Rosalio Joly würden wohl die Mühe übersich nehmen.

5. und Endlich, da sie so viele hütte für die Sonne haben, so wäre es gut wenn einer oder 2 mitlauffen könnten.

6tens in meinem grossen kasten von weichen holtz, wie in der mittern schublade ein oder 2 zusammengewickelte Pächt duchene fleck, von unsern kleidern liegen. Ich bitte von des Wolfg: rothen und kerschfarbenem kleid, und von meinem englisch rothbraunen Kleid einen fleck der übrigen bagage beyzulegen.


Nur bitte es wohl einzumachen, etwa in ein Verschlägt, dern sie einige bey uns ohnehin finden. und mit Waxleinwad darüber. Es wird auch am besten seyn, wenns an h: Peyser gehet, dem ich schon davon Meldung machen werde. h: Johannes wird wohl, wenn er noch nicht angelanget ist, auf seinen Nahmenstag in Salzb: seyn. wir machen ihm alle in optima amicitiae forma unsern Glückwunsch, in sicherer Hofnung ihn bey unserer Ankunft wo nicht zu Neumarktdoch ganz gewiß beym Thurnerwirth zu begegnen. wir erfreuen uns alle über seine glück: zurückkunft. Sie schreiben mir auch von Music catalogis des h: Lotters, und h: Lotter schreibt in seinem Briefe, ich möchte die 2 beygeschlossenen Päckchen nach Tirnau und Jaszbez einem wiener freunde von Costi mitgeben, oder im fall das Porto bezahlen und dahin senden. Es sind nichts [277] als Catalogi. wissen sie es dahin abzusenden, so ist es gut. wo nichtso mögen sie liegen bleiben. sollten sie an mich geschickt und den kleidern beygelegt werden, so müste man, wegen der Visitation, solche vorher aufbrechen und offner beylegen. für mich auch einen Catalogum. Ich weis, daß es der gräfin von Staremberg nicht sehr angenehm war, daß man eine Art eines Einzuges bey ihrer Ankunft in Salzb: veranstaltet hatte. Solche Personen machen weitere, und ganz andere überlegungen. Ich wuste diesen Spaß schon ehe, von der Nachricht, die von der Gräfin selbst hieher kam. Gott tröste die Jungf: Wagnerin. Ihr Zustand wird ihren todt befördert haben. Noch eins! Möchten sie nicht mit dem h: Alterdinger über eine Sache sprechen? – Ich sagte ihm schon einmahl ob er es nicht wagen wollte meine Violinschule in die Italianische sprache zu übersetzen? – wenn er lust hätte, sollte er von mir nach seinen verlangen bezahlet werden. Er soll einmahl mit der Vorrede und den Einleitungen den Anfang machen, und dann mir frey sagen, was er glaubt, daß ich ihm bezahlen sollte. allein, da ich es in 3 Monat Componirt, so hoffe ich, daß es ihm nicht schwer fallen wird in 3 Monat mit der übersetzung fertig zu seyn. sie werden meine Absicht leicht errathen. Nur das wollte ich erinnern, daß es, weil es ein Lehrbuch ist in keiner hohen schreibart, sondern, so wie im teutschen, zu dem allgemeinen begrief übersetzt und deutlich, verständlich vorgetragen würde. Es ist mir lieb, daß unser 2 Singerinen einmahl ein wenig gesehen haben, wie geschwind man eine Salzb: Jahrsbesoldung verdienen kann; ich bin sehr erfreut darüber.

Ich stellte es mir wohl vor, daß h: Hartmayr bald auf andere gedanken verfallen wird, wenn die Redouten nicht erlaubt werden. Ich hätte dieses Hauß immer haben mögen: allein, wenn Gott nicht will, so will ich auch nicht. Und noch, wenn ich für meine Kinder versicherung hätte, könnte ich mich zu etwas entschlüssen. Leben sie, unsere Liebste fr: Hagenauerin und sämt: angehörigen gesund und wohl, wir empf: uns alle und ich bin der alte

Mozart


[278] [auf dem Briefumschlag]


Das schreiben vom P: Vincento Castiglione muß ihnen freylich lacherlich vorgekommen seyn. wissen wer dieß ist? – – Dieß ist der alte 70 Jahrige Mann, den ich in Holland beredet habe wieder zurückzukehren, nachdem er 30 Jahr einen Medicum in Holland und Engelland gemacht hatte. er ist ein guter alter tropf. gott hat ihn erleuchtet, daß er mir gefolget hat. er hat bey der Krankheit des Wolfg: mir viel Dienste gethann. Wer hat dan diesen Brief gebracht? – –

Quelle:
Die Briefe W. A. Mozarts und seiner Familie. 5 Bände, Band 4. München/ Leipzig 1914, S. 275-279.
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