74. An Moritz Horn in Chemnitz.

[421] Düsseldorf, den 21. April 1851.


Geehrter Herr,


Im Drange vieler Geschäfte kam ich erst heute dazu, Ihre freundliche Sendung zu beantworten. Gewiß eignet sich die Dichtung34 zur Musik, und es sind mir auch schon eine Menge Melodieen dazu durch den Sinn gegangen. Aber es müßte viel gekürzt werden, vieles dramatischer gehalten sein. Dies aber nur im Betracht zur musikalischen Composition, dem Gedicht als Gedicht bin ich weit entfernt, diese Ausstellung zu machen.

Auf dem beifolgenden Zeddel habe ich mir erlaubt, einige die Aenderungen betreffende Bemerkungen zu machen. Bis zu den Worten:


und bittet freundlich hier

Um Obdach – –


wäre ziemlich alles musikalischer Behandlung fähig. Von da an müßte die Handlung aber lebendiger, dramatischer sich entwickeln.

[421] Würden Sie sich dazu entschließen, eben nur zu Gunsten der musikalischen Composition einiges zu verändern, so hätte ich die größte Lust, die Dichtung zu componiren. Sie lebt mir eben so frisch im Sinn, daß mir, je eher Sie diese Aenderungen unternähmen, dies um so lieber sein würde. Gäben Sie das Gedicht in Druck, so könnten Sie wohl immer Ihre jetzige Fassung beibehalten und man könnte auf die Composition den Beisatz machen: »nach einem Gedicht von etc. etc.«

Dies sei denn Ihrer freundlichen Berücksichtigung empfohlen. Es sollte mich freuen, wenn ich die Composition bald in Angriff nehmen könnte.

Wollen Sie auch die Gefälligkeit haben, Herrn *** für seine Zeilen an mich bestens zu danken, und haben Sie selbst vielen Dank, daß Sie mich mit der zarten Dichtung bekannt gemacht.


Ihr

hochachtungsvoll ergebener

R. Schumann.

Quelle:
Wasielewski, Wilhelm Joseph von: Robert Schumann. Bonn 31880, S. 421-422.
Lizenz:
Kategorien: