Rothauge (Scardinius erythrophthalmus)

[291] Fast in allen Ländern Europas, von Lappland bis Süditalien und von Irland bis zum Ural und ebenso im Obgebiete, lebt das Rothauge, auch Rothäugel, Rothkarpfen, Rothfeder, Rothschweif, Rothflosser, Rothaschel, Roddogen, Rotengle, Rötteln, Ruisch, Scharl, Furn, Sarf, Kuhgrister usw. genannt (Scardinius erythrophthalmus, macrophthalmus, hesperidicus, Dergle, Plotiza und Scardafa, Cyprinus erythrophthalmus, erythrops, coeruleus und compressus, Leuciscus erythrophthalmus, coeruleus, apollonitis und rubilio; Abbildung auf Seite 290), ein Fisch von fünfundzwanzig bis dreißig Centimeter Länge und fünf- bis achthundert Gramm Schwere, dessen Färbung ebenfalls mannigfach wechselt. Gewöhnlich ist der Rücken braungrün, die Seite glänzend messinggelb, der Bauch silberweiß gefärbt, während Bauch- und Afterflosse, seltener auch die Rückenflosse, meist aber die Schwanzflosse an den Spitzen lebhaft blutroth aussehen. Es gibt aber auch helle Stücke, bei denen die bezeichnende rothe Färbung der Flossen mehr oder weniger erblaßt oder dunkelt, bei denen alle Farben des Körpers und der[291] Flossen sich in ein dunkles Schwarzblau umgewandelt haben usw. Die Rückenflosse spannen drei und acht bis neun, die Brustflosse drei und zehn bis elf, die Schwanzflosse neunzehn Strahlen.

Langsam fließende Gewässer oder Seen und Teiche bis zu sechzehnhundert Meter unbedingter Höhe werden von dem Rothauge vor anderen Gewässern bevorzugt, weil es nicht allein nach Art der Karauschen und Schleien, sondern auch gern in deren Gesellschaft lebt. Es ist rasch in seinen Bewegungen, vorsichtig und scheu, nährt sich von Wasserpflanzen, Kerbthieren und Würmern und sucht diese zumeist aus dem Schlamme hervor. Während der Laichzeit dunkeln die Farben und bedecken sich Scheitel und Schuppen des Rückens der Männchen mit einer Menge kleiner, sehr dicht stehender Körner. Der Laich wird im April, Mai und Juni absatzweise an grasbewachsenen Stellen abgelegt; die Jungen schlüpfen nach wenigen Tagen aus.

Das grätenhaltige Fleisch, von welchem man das Kilogramm nur in sehr fischarmen Gegenden mit einer Mark bezahlt, wird nur von den ärmsten Leuten gegessen, von allen übrigen aber, ja selbst von vielen fischfressenden Vögeln, verschmäht. Ein besonderer Fang auf das Rothauge findet nirgends statt; trotzdem erbeutet man zufällig so große Massen dieses Fisches, daß man ihn zum Dunge der Felder oder zum Futter der Schweine verwendet. Ersprießlicher läßt auch er sich zur Fütterung edlerer Zuchtfische verwerthen.


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Bis in die neueste Zeit hat man die Plötze mit dem Rothauge verwechselt und fast alle Namen, welche dieses führt, auch auf jene bezogen. In der That haben beide Fische äußerlich große Aehnlichkeit mit einander, und der minder Geübte unterscheidet sie mit Sicherheit nur an den Schlundzähnen, welche in einfacher Reihe stehen, und zwar auf dem linken Schlundknochen zu sechs oder fünf, auf dem rechten zu fünf. Die vorderen Zahnkronen haben eine kegelförmige Gestalt, die hinteren sind seitlich zusammengedrückt und auf der Kaufläche schräg abgeschliffen.

Quelle:
Brehms Thierleben. Allgemeine Kunde des Thierreichs, Achter Band, Dritte Abtheilung: Kriechthiere, Lurche und Fische, Zweiter Band: Fische. Leipzig: Verlag des Bibliographischen Instituts, 1884., S. 291-292.
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