Aurorafalter (Anthocharis cardamines)

[354] Von der deutschen Benennung der Sippe, welche auf recht viele Arten des In- und Auslandes paßt, darf man nicht den Schluß ziehen, als ob alle Glieder in der Hauptsache weiß aussehen müßten. Fremde Erdstriche ernähren deren, welche nur auf den Hinterflügeln wenig Weiß übrig behalten, und diejenigen, bei denen es durch Gelb oder Orange ersetzt wird, brauchen wir nicht in der Ferne zu suchen. Der überaus zierliche Aurorafalter (Anthocharis cardamines) erglänzt mindestens im männlichen Geschlechte vor der schmal schwarzen Spitze seiner Vorderflügel in feuerigem Orangeroth, während die Unterseite der Hinterflügel bei beiden Geschlechtern die zierlichsten, baumartigen Zeichnungen in Moosgrün aufweist. Die schlanke, lichtgrüne Raupe hat weißgrüne Rückenstreifen und schwarze Pünktchen in den Seiten; sie lebt an verschiedenen Kreuzblümlern der Wiesen, wie Thurmkraut, Bergkresse, Lauchhederich und anderen, und wird zu einer höchst eigenthümlichen Puppe. Dieselbe spitzt sich nach vorn und hinten fast gleichmäßig zu und gleicht einem schmalen, etwas gebogenen Weberschiffchen. Nach der Ueberwinterung gibt sie im April oder Mai den hübschen Weißling frei, welcher nur in einer Brut fliegt und zwar an ganz ähnlichen Stellen wie der Heckenweißling.

Quelle:
Brehms Thierleben. Allgemeine Kunde des Thierreichs, Neunter Band, Vierte Abtheilung: Wirbellose Thiere, Erster Band: Die Insekten, Tausendfüßler und Spinnen. Leipzig: Verlag des Bibliographischen Instituts, 1884., S. 354.
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