[214] Ein Abbild des Drosselrohrsängers im kleinen ist der Teichrohrsänger, Teich-, Schilf- oder Rohrsänger, Rohr- und Schilfschmätzer, Schilf- und Wasserdornreich, Wasser- und Rohrzeisig, kleiner Rohrsperling usw. (Acrocephalus arundinaceus und streperus, Sylvia arundinacea, strepera, affinis, boeticula, baeticata, horticola und isabellina, Calamoherpe arundinacea, obscurocapilla, rufescens, arbustorum und pinetorum, Calamodyta strepera, boeticula und rufescens, Salicaria arundinacea und rufescens, Cettia boeticula, Motacilla, Curruca und Muscipeta arundinacea). Seine Länge beträgt hundertundvierzig, die Breite zweihundert, die Fittiglänge fünfundsechzig, die Schwanzlänge achtundfunfzig Millimeter. Die Obertheile und Außensäu me der olivenbraunen Schwingen und Schwanzfedern sind olivenrostbraun, [215] Bürzel und Oberschwanzdecken lebhafter, die Untertheile rostgelblichweiß, Kinn und Kehle lichter, deutlich ins Weiße ziehend, Zügelstreifen, Rückengegend, Hals- und Körperseiten nebst unteren Flügel- und Schwanzdecken lebhaft rostgelb. Der Augenring ist dunkelbraun, der Schnabel hornbraun, am Mundrande orangeroth, unterseits horngelb, der Fuß hornbräunlich.
Vom südlichen Schweden und dem Weißen Meere an verbreitet sich der Teichrohrsänger über ganz Europa und Westasien, ist noch in den Atlasländern Brutvogel und durchwandert im Winter ganz Afrika, bis zum Vorgebirge der Guten Hoffnung vordringend. In Deutschland bewohnt er ähnliche Gegenden wie sein größerer Verwandter, ist aber weiter verbreitet als dieser, dehnt sein Wohngebiet mehr und mehr aus, nimmt auch an Menge merklich zu. Aus seiner Winterherberge kommend, erscheint er um die Mitte des April und zieht nun langsam nordwärts, so daß man ihm noch zu Ende des Mai, selbst im Juni, auf dem Zuge begegnen kann. Auch er wohnt stets in der Nähe des Wassers und regelmäßig im Rohre, siedelt sich jedoch häufiger als der Drosselrohrsänger ebenso in benachbarten Gebüschen an, besucht überhaupt diese und selbst Bäume nicht selten. In Wesen und Eigenschaften erinnert er in jeder Beziehung an seinen größeren Verwandten; selbst sein Lied hat mit dessen Gesange die größte Aehnlichkeit, nur daß es sich in höherer Tonlage bewegt als letzteres. Ein schnalzender Laut, welcher wie »Tschädsche« klingt, ist der Lockton; ein schnarchendes »Schnarr« zeigt Unwillen und Besorgnis an. Der Gesang, welcher am lautesten im Juni erklingt und während des ganzen Tages, vom frühesten Morgen bis zum späten Abend, fast ununterbrochen vorgetragen wird, kann durch die Silben »Tiri, tiri, tiri, tir, tir, tir, zeck, zeck, zeck, zeck, zerr, zerr, zerr, tiri, tiri, dscherk, dscherk, dscherk, heid, heid, hid, trett, trett, trett« ausgedrückt werden. Das Nest steht in der Regel ganz ebenso wie das seines größeren Verwandten im Rohre, ähnelt diesem auch in der Form und wird mehr oder minder aus denselben Stoffen errichtet, jedoch etwas leichter gewebt und innen häufiger mit Pflanzenwolle, auch wohl mit etwas grünem Moose oder Raupengespinst, ausgekleidet. Die drei bis fünf Eier, welche man um die Mitte des Juni findet, haben durchschnittlich einen Längsdurchmesser von neunzehn und einen Querdurchmesser von vierzehn Millimeter und sind auf grünlich- oder graulichweißem Grunde mit olivengrauen oder olivenbraunen, auch aschgrauen Flecken mehr oder weniger dicht gezeichnet. Beide Eltern brüten abwechselnd mit Eifer und Hingebung, zeitigen die Eier innerhalb dreizehn bis vierzehn Tagen und füttern gemeinschaftlich auch die Jungen auf. Letztere verlassen erst, wenn sie vollkommen befiedert sind, das Nest, treiben es nunmehr vom ersten Tage an ganz wie die Alten, beginnen Ende Juli oder im August mit diesen umherzustreichen und treten hierauf ihre Winterreise an.