[464] Im Hochlande Mejikos vertritt den Blauheher der vielleicht noch schönere Diademheher (Cyanocitta diademata, Cyanogarrulus, Lophocorax und Cyanurus diadematus), welcher sich besonders durch seine hohe, aufrichtbare Haube auszeichnet. Kopf und Haube sind ultramarinblau, der Vorderkopf silbern kobaltblau, der Vordertheil der Haube lebhaftblau, die Nasenfedern, der Zügel und die Kopfseiten schwarz, die Wangen und Ohrdecken bläulich verwaschen, ein Brauenfleck über den Augen und ein kleinerer runder unter denselben weiß, die Obertheile im allgemeinen grünlichblau, auf dem Unterrücken und den oberen Schwanzdeckfedern lebhafter und mehr kobaltblau, die Kinnfedern graulich weiß, die übrigen Untertheile licht kobaltblau, auf Kehle und Brust purpurblau, die Flügel tiefer blau als der Rücken, die Handschwingen außen licht grünblau gesäumt, alle größeren Deckfedern und ebenso die Armschwingen und die tiefblauen Schwanzfedern dicht schwarz gebändert. Das Auge ist braun, der Schnabel wie der Fuß schwarz. Die Länge beträgt etwa neunundzwanzig, die Fittiglänge wie die Schwanzlänge vierzehn Centimeter.
Ueber die Lebensweise liegen verschiedene Berichte vor; da die amerikanischen Vogelkundigen jedoch Formen, welche wir als Arten auffassen, nur als Abarten bezeichnen, läßt sich nicht immer mit Sicherheit bestimmen, welche der fünf verwandten Haubenheher sie meinen. Im allgemeinen geht aus ihren Schilderungen hervor, daß die Vögel da, wo sie leben, häufig auftreten, wenig scheu, geschwätzig und im höchsten Grade neugierig sind, daher zur Belebung der Waldungen wesentlich beitragen, zumal sie nach Heherart die Stimmen der verschiedensten Vögel nachahmen und einzelne Theile aus den Liedern aller mit ihnen zusammenwohnenden gefiederten Waldbewohner zum besten geben. Während des Sommers verlassen sie den Wald nicht, im Winter dagegen besuchen sie die Nähe der Häuser und spähen mit Diebesgelüsten nach allem für sie genießbaren umher, bewahren bei ihren Raubzügen auch, ganz gegen sonstige Gewohnheit, tiefes Stillschweigen, gerade als ob sie sich der Gefahr ihrer Unternehmungen bewußt wären. Im Walde dagegen schweigen sie selten und theilen eine Entdeckung, welche ihre ununterbrochene Neugier sie machen ließ, der ganzen Welt durch lautes Geschrei mit, folgen auch dem Wanderer, welcher ihre vom Menschen noch wenig heimgesuchten Wildnisse betritt, auf weit hin, als ob sie dessen Thun und Treiben auf das genaueste beobachten wollten. Coues, welcher sie vielfach beobachtete, spricht ihnen alle Bescheidenheit und Zurückhaltung, welche kleine Vögel bekunden, gänzlich ab und nennt sie Strolche, welche für jede Art von [465] Abenteuern, gleichviel, ob solche ihnen Beute oder nur Vergnügen einbringen, gefahrlos oder mit Gefahr verbunden sind, stets bereit erscheinen. Zuweilen ziehen sie einzeln, in der Regel aber in Gesellschaft gleichgearteter Genossen auf diebische Unternehmungen aus, unterstützen sich gegenseitig und nehmen dabei mit, was sie erlangen können. Bei einer solchen Gelegenheit beobachtete der genannte einen Trupp, welcher auf seinem Kriegspfade durch einen dicht verwachsenen Busch zu der Hoffnung angeregt sein mochte, in ihm ein Vogelnest mit Eiern oder sonst etwas passendes für den allezeit fertigen Schnabel oder wenigstens einen Gegenstand der Unterhaltung zu finden.
Zum allergrößten Vergnügen entdeckte die Gesellschaft eine kleine Eule, welche dieses Versteck gewählt hatte, um in ihm geschlossenen Auges der Ruhe und Verdauung zu pflegen. Unsäglicher Lärm erhob sich, und entsetzt entflohen alle kleineren Vögel, während die Bande, vielleicht in Erinnerung an irgend eine vom Geschlechte der Eulen dem ihrigen zugefügte Uebelthat, den hülflosen, verdutzten Nachtvogel anschrie, dieser aber, das Gefieder sträubend, mit dem Schnabel klappend, fauchend und den Kopf rundum drehend, die Heher zu schrecken suchte. Letztere aber wurden kühner und zudringlicher, bis endlich das Opfer ihrer Angriffe sein Heil in der Flucht suchte und einem benachbarten [466] Wacholder zueilte, in der Hoffnung, hier sich zu verbergen. Sofort flogen alle Heher hinterdrein, und wahrscheinlich wäre der Streit nicht zum Vortheile der Eule ausgefallen, hätte der Beobachter nicht zunächst die letztere und sodann vier von den zudringlichen Hehern erlegt.
Der Diademheher frißt alles, was genießbar ist, vom Eie, jungen oder kleinen Vogel an bis zum Kerbthiere herunter, der Hauptsache nach aber doch die verschiedensten Pflanzenstoffe, harte Baumsamen ebensowohl wie Früchte und Beeren. Im Gebirge scheinen die Samen der Nadelbäume einen nicht unbeträchtlichen Theil seiner Mahlzeiten auszumachen, wenigstens sah ihn Coues sehr häufig an den Zapfen arbeiten; ebenso oft begegnet man ihm auch in den Eichenwaldungen oder in Wacholdergebüschen, auf Ahornbäumen oder Beerengesträuchen usw. Wo er sich aber auch zeigen möge: von sämmtlichem kleinen Geflügel gehaßt und gefürchtet ist er überall. Doch auch er hat seine Feinde. Alle die kleinen Tyrannen und Fliegenfänger, ja selbst die Spechte, greifen ihn an und suchen ihn in die Flucht zu schlagen. Der Mensch verfolgt ihn selten und vielleicht niemals mit Eifer und Haß; denn seine Farbenschönheit, die Zierlichkeit seiner Zeichnung, die Lebendigkeit seines Wesens gewinnen ihm mehr Freunde, als er verdient. Unter den Goldgräbern und anderen Bergleuten auf eigene Faust hat er meist nur gute Freunde. Seine Allgegenwart unterhält, seine Erscheinung und sein Auftreten erfreut diese von der übrigen Welt abgeschlossenen Leute, und seine neugierige Zudringlichkeit rechtfertigt die Schonung, welche man ihm zu theil werden läßt, kirrt ihn aber mit der Zeit so, daß er vor der Hütte des Goldgräbers sich einfindet, um wegzunehmen, was ihm an Nahrung gereicht wird. Zudem will seine Jagd geübt sein. Ihm blindlings zu folgen, wäre vergeblich; geduldiges Lauern oder Erregen seiner maßlosen Neugier führt eher zum Ziele.
Ueber das Fortpflanzungsgeschäft finde ich keine Angabe; nur die Eier werden beschrieben. Sie sind etwa vierunddreißig Millimeter lang, dreiundzwanzig Millimeter breit und auf blaß und düster bläulichgrünem Grunde mehr oder minder dicht, gewöhnlich gleichmäßig mit kleinen oliven- und lichter braunen Flecken gezeichnet.
Gefangene, welche ich gesehen habe, unterscheiden sich nicht von ihren nächsten Verwandten.
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