[492] Wiederholt ist behauptet worden, daß der auf Seite 490 bildlich dargestellte Tschagra (Telephonus erythropterus, Lanius erythropterus, senegalus, cucullatus und Tschagra, Tamnophilus und Pomatorhynchus erythropterus, Tschagra erythropterus und orientalis), Vertreter der Sippe der Erdwürger (Telephonus), auch in Spanien vorgekommen wäre; alle Nachforschungen aber, welche ich angestellt, haben mir die Unrichtigkeit jener Angabe bewiesen. Der Tschagra ist gestreckt gebaut, sein Schnabel schlank und schwachhakig, der Fuß hochläufig und schwächlich, der Flügel kurz und sehr abgerundet, da die fünfte und sechste Schwinge die Spitze bilden, der Schwanz lang und stark abgestuft. Das Gefieder ist auf dem Oberrücken bräunlichgrau, auf der Unterseite licht aschgrau; ein breiter Streifen, welcher sich über den ganzen Kopf erstreckt, und ein zweiter schmaler, welcher durch das Auge verläuft, sind schwarz; zwischen beiden zieht sich, der Augenbraue vergleichbar, eine vorn weiße, nach hinten mehr lichtgelbe Binde dahin; die Schwingen sind grau auf der Außenfahne, aber breit rostbraun gesäumt, so daß diese Färbung, wenn der Vogel den Flügel anlegt, zur vorherrschenden wird, die Oberarmschwingen lichtfahl gesäumt, die beiden mittleren Schwanzfedern grau, dunkler gebändert, alle übrigen schwarz, breit weiß zugespitzt, die äußersten auch auf der Außenfahne licht gesäumt. Das Auge ist rothbraun, der Schnabel schwarz, der Fuß bleigrau mit grünlichem Schimmer. Die Länge beträgt einundzwanzig, die Breite sechsundzwanzig, die Fittiglänge acht, die Schwanzlänge neun Centimeter.
Das Verbreitungsgebiet des Tschagra umfaßt ganz Afrika mit alleiniger Ausnahme des äußersten Nordostens. Hier begegnet man dem sehr auffallenden Vogel diesseit des achtzehnten Grades nördlicher Breite nicht, wogegen er in den Atlasländern vorkommt. Im Gebirge von Habesch steigt er, laut Heuglin, bis zu etwa zweitausend Meter unbedingter Höhe empor. Sein Betragen weicht von dem der Verwandten wesentlich ab. Er lebt nur im dichtesten Gebüsche und unmittelbar über der Erde, nicht aber in der Höhe der Baumkronen, obwohl er, hart verfolgt, zu solchen aufsteigt. Sein Raubgebiet ist der flache Boden. Auf ihm läuft er mit einer Gewandtheit umher, wie kein zweiter Würger sie besitzt. Wenn man seiner zum ersten Male ansichtig wird, glaubt man eine Drossel, nicht aber einen Würger zu erkennen. So lange als möglich versteckt er sich zwischen Gras und Gestrüppe, bringt man ihn endlich zum Auffliegen, so streicht er mit rasch schwirrenden Flügelschlägen, auf welche dann ein kurzes Schweben folgt, dicht über dem Boden dahin, einem zweiten Busche zu. Auch er lebt paarweise oder einzeln, nur nach der Brutzeit in kleineren Gesellschaften, wahrscheinlich in Familien. Heuglin bezeichnet den Lockton als hell, voll und wohlklingend, den Silben »Dui, dui, dut, dut« etwa vergleichbar und theilt als besondere Eigenthümlichkeit des Vogels mit, daß derselbe, dessen wenig fettiges Gefieder Wasser begierig aufsaugt, nach heftigen Gewitterregen hoch in die Luft steigt und durch rasche, zitternde Bewegung der Schwingen ein eigenthümliches, dem Schnurren der Spechte ähnliches Geräusch hervorbringt. Eier, welche der genannte im September erhielt, waren dreiundzwanzig Millimeter [493] lang, siebzehn Millimeter dick, feinschalig und auf weißem, rostbräunlich überflogenem Grunde, nach dem stumpfen Ende zu dichter, mit graulichen und lebhaft rothbraunen Strichelchen gezeichnet.