[369] Die Tangaren (Tanagridae), welche wir Farbenfinken nennen könnten, sind Kegelschnäbler von der Größe unseres Sperlings und darüber, mit sehr verschiedenem, immer aber kegelförmigem, auf der Spitze sanft gebogenem Schnabel, dessen schwach hakiger Oberkiefer vor der Spitze eine schwache Einkerbung zeigt, kurzläufigen, schlankzehigen Füßen und mittellangem Flügel und [370] Schwanze. Das Gefieder ist ziemlich derb, bunt und brennend gefärbt, meist blau, grün, roth mit Schwarz und Weiß gemischt, wenn auch diese Färbung in der Regel nur dem Männchen zukommt, während das Weibchen stets ein matteres, unscheinbareres Federkleid trägt.
Mit Ausnahme von vier Arten, welche dem Norden angehören, leben alle Tangaren, etwa dreihundert Arten, in Südamerika, zählen daher zu den bezeichnenden Erscheinungen des südlich neuweltlichen Gebietes. Sie hausen vorzugsweise in Waldungen, einige Arten auf den höchsten Bäumen, andere in niederen Gebüschen. In unmittelbarer Nähe des Menschen siedeln sie sich selten an; wohl aber fallen sie oft verheerend in die Pflanzungen ein und werden dann sehr lästig. Im stillen Walde entzücken sie den Forscher; denn sie fallen schon von weitem durch ihr lebhaftes Gefieder auf und gereichenden hohen Bäumen zur herrlichen Zierde. Doch ist ihre Farbenpracht das einzige, welches sie anziehend macht; denn im übrigen sind sie stille und langweilige Geschöpfe. Die Gabe des Gesanges ist ihnen fast gänzlich versagt; sie sind höchstens im Stande, einige wenige kaum zusammenhängende Töne hervorzubringen. Nur einzelne sollen einen leisen Gesang haben.
Die Nahrung ist verschiedener Art; doch scheinen Beeren oder weiche, saftige Zucker- und mehlhaltige Fleischfrüchte geringerer Größe das Hauptfutter zu bilden. Viele fressen nebenbei auch Kerbthiere, einzelne Sippen schon ausschließlich trockene Sämereien.
Wenige Arten nur werden in der Gefangenschaft gehalten, und keine einzige ist fähig, sich hier die Liebe des Menschen zu erwerben.