Kapitel LXIV.
De lenonia
oder
Von der Hurenwirtschaft oder Kupplerei

[272] Dieweil aber durch Einraten und Hilfe der Hurenwirte und Kupplerinnen die Hurer und Huren ihre böse Tat begehen, so wollen wir die Kunst dieser Hurenwirte und Kupplerinnen ein wenig genauer betrachten. Denn, gleich wie die Hurerei eine Kunst ist, seine eigene Keuschheit zu prostituieren, also ist die Kupplerei die Kunst, eines andern Keuschheit zu attendieren und einzunehmen, und ist diese um so grösser denn die Hurerei selbsten, als sie verruchter ist. Sie ist mächtiger, weil sie mit der Leibgarde vieler Künste begleitet wird, auch schädlicher, weil sie unterschiedene Disziplinen vieler Künste und Wissenschaften in sich begreifet, in welche sie, als wie die Spinnen, hineinkreucht, und was in einer jedweden Disziplin und Wissenschaft für Gift ist, das zeucht diese verfluchte Kunst an sich und machet daraus ihr Spinnenwebe; nicht zwar wie die Spinnen, welche die Vögel fliegen lassen und die Fliegen fangen, auch nicht wie die grossen Jägernetze, welche die grossen Tiere behalten, die gar kleinen aber durchschlupfen lassen, sondern[272] sie machet so starke und feste Bande, dass kein Mägdlein, sie mag gleich einfältig oder verschmitzt, beständig oder wankelmütig sein, sie mag gleich schamhaftig und furchtsam oder hochgemut oder kleinmütig sein, wann sie einmal der Kupplerin Gehör gibet, so bleibet sie gleich in ihrem Garne hangen.

Es ist bei ihnen eine so verschmitzte Arglistigkeit, dass keine weibliche Vorsichtigkeit sie überwinden kann; ihren Stricken kann kein Mägdlein, keine Matrona, keine Witwe, keine heilige Nonne nicht entgehen; ihr schwaches Kriegeswesen hat mehrer Weiber Schamhaftigkeit zuschanden gemachet, als sonsten jemals ein grosses Kriegesheer; ihr Betrug, List, Verschlagenheit und Witz kann nicht ausgesonnen noch ausgesprochen werden. Und obgleich diese Kunst in beiden Geschlechtern viel Lehrmeister und Unterweiser hat, so gibet es ihrer doch wenig, die darinnen ausgelernet haben. Es ist aber kein Wunder. Denn weil so viel Arten der Kupplereien als Disziplinen oder Künste und Wissenschaften sind, so kann doch diese Kunst nicht zur Perfektion gebracht werden, wann man nicht alle Künste, alle Wissenschaften und Disziplinen wohl innen hat.

Derowegen muss ein rechter perfekter Kuppler oder Kupplerin alles wissen, und dürfen diejenigen, so diese Kunst exerzieren, nicht nach einer Disziplin, wie nach dem Arktischen Sterne allein sehen, sondern sie müssen sich um alle bekümmern; dieser Kunst müssen alle andern Disziplinen dienen. Denn dieser sind gleichsam alle Wissenschaften Dienerinnen; sie müssen alle der Kupplerei dienen. Denn erstlich kommet die Grammatica, als eine Disziplin zu reden und schreiben und weiset ihr, wie sie Liebesbriefe schreiben soll, wie sie solche Briefe mit amatorischen Grüssen, mit Liebesgebetchen, mit Lamentieren und lieblichen Schmeicheleien anfüllen soll, wie aus den neuen Skribenten, von dem Aenea Sylvio und von Jacobo Caviceo und andern mehr dergleichen beschrieben geschehen. Aber es ist noch eine andere grammatische Art oder Art zu[273] schreiben, nämlich eine Art, verblümet zu schreiben, wie wir von dem Archimede Syracusano bei dem Aulo Gellio lesen, von welchem Kunststück Trithemius, der Spanheimische Abt, für wenig Jahren zwei gelehrte Bücher geschrieben und das eine Polygraphiam, das andere Steganographiam genennet hat; in dem letzten hat er gewisse Secreta, wie man auf viel Meilen Weges seines Herzens und Gemütes Gedanken offenbaren kann, gewiesen, welchen weder die allwissende Eifersucht der Junonis, noch der Danaë Aufsicht und genaue Hütung widerstehen, noch der hundertäugige Argus, der doch sonst alles siehet, mit seiner Wachsamkeit erforschen kann. Fürwahr eine Kunst, nicht sowohl den Königen nötig, als solchen Kupplern und allen Liebhabern bequem.

Nun kommt auch an die Reihe die Poësis, welche mit ihren leichtfertigen Reimen und Fabeln, Liebesliedern und Hirtengesängen, mit ihren Komödien und Liebeskunstreguln, und also mit ihren schändlichen und aus der Veneris innerstem Zeughause rausgenommenen garstigen Carminibus dieser Kupplerei die Hand bieten, alle Ehrbarkeit und Schamhaftigkeit auf einmal übern Haufen werfen, und der Jugend ihre gute Sitten und Art in Grund verderben. Derowegen sollen die Poeten unter den Kupplern billig obenan sitzen, derer an der Zahl bei den Alten genug gewesen sind und welcher wir im vorhergehenden Kapitel von der Hurenkunst allbereits gedacht haben. So gibet es ihrer auch noch heutiges Tages, welche solche pestilenzische Carmina schreiben, welche unter vieler Leute Händen herumgehen. Nach diesem müssen wir auch zu ihnen die Rhetores setzen, als Künstler der schmeichlenden Betrügerei und Überredung, und als nützliche Werkzeuge der Kupplerei, denen die Göttin Suadela gar gnädig ist. Hier müssen wir auch Platz machen für die Historienschreiber, und fürnehmlich für die, die Romans oder Liebeshistorien geschrieben[274] haben, als die des Lancelotus, Tristanus, Eurealis, Pelegrinus, Callistus und mehr dergleichen, in welchen der Jugend die Hurerei und Ehebruch genug gewiesen und beschrieben wird; es ist kein Geschütz so mächtig ein Schloss einzunehmen, als das Lesen solcher leichtfertiger Liebesgeschichten, welches weit eher die Schamhaftigkeit einer Matrone oder Witwe, und die Keuschheit eines jungen Mägdleins bezwingen und überwinden wird. Ja, es wird fast keine ehrliche Frau zu finden sein, welche nicht vom Lesen solcher Liebesbücher sollte korrumpieret werden; und ich wollte es für ein recht Wunderwerk halten, wann nicht eine Frau, sie möchte so ehrbar und züchtig sein als sie wollte, durch das Lesen dieser Liebeshistorien sollte von diesem Liebesfeuer angezündet werden. Welches Mägdlein nun im Lesen solcher Historien sich wohl exerzieret und gewisse Sprüche daraus gelernet hat, und weiss daraus mit andern Schandsäuen und mit ihren Liebhabern viel Stunden lang wohl zu schwatzen, die wird für eine rechte perfekte Hofdame gehalten.

So haben wir auch erfahren, dass viel Historici selbst Kuppler gewesen sind, derer Namen in Obscuro geblieben sind. Ja auch viel von sehr berühmten Skribenten haben sich auf diese Art zu schreiben geleget, und ist zu unsern Zeiten und aus den Neuen Aeneas Sylvius, Dante, Petrarcha, Boccatius, Pontanus, Baptista de Campo fregoso und der andere Baptista de Albertis von Florenz, wie auch Petrus Hoedus, Petrus Bembus, Jacobus Caviceus, Jacobus Calandrus Mantuanus und viel andere mehr; unter welchen aber Johannes Boccatius die andern alle übertroffen, der hat das Ehrenkränzchen und Zierdank von den Kupplern und Kupplerinnen bekommen, und zwar meistenteils in denselben Büchern, welche er Centum Novellarum titulieret hat, worinnen nichts anders zu finden ist, als leichtfertige und tiefausgesonnene Stratagemata für solche Kuppler.

Wann nun eine ehrbare und sonst schamhafte Frau auch in dieses Garn soll gebracht werden, so müssen[275] die Spitzfindigkeiten der Dialectica auch was darbei tun, und diesen Kupplern eine Hilfe sein, wie die Fabel der Myrrhae bei dem Ovidio Zeugnis gibet. So sind auch die arithmetischen Spiele aus den mathematischen Disziplinen den Kupplern sehr dienlich, und die Musica ist ihnen lauter Zucker und Honig; denn durch deren süsse Stimmen und verfluchte pestilenzische Gesänge und Melodien, welche nichts als Anreizung zu den Wollüsten sind, wird das Gemüte zu einer Leichtfertigkeit und Verderben erweichet, also dass es seine guten und ehrbaren Sitten ableget und in solche leichtfertige Begierden spornstreichs hinein rennet; und da muss auch dabei sein die Gelegenheit zu tanzen und zu springen, da die Leute mit ihren Liebchen frei reden können, Gelegenheit haben zu herzen, mit ihren unverschämten Händen zu greifen und zu tasten, und endlich gar in dunkle Verstecke oder dahin zu kommen, da das Frauenzimmer, wie man zu sagen pflegt, kein Fundament hat. Hier bei diesen Kupplern muss auch ein geometrischer Baumeister einen Platz haben, der ein heimlich Fenster weiss zu machen, damit der Liebhaber durch ein solch heimlich Schlupfloch des Nachts zu seinem Liebchen auf einer Leiter einsteigen kann; da muss der Schlosser einen verborgenen Haupt- oder vielmehr Hurenschlüssel machen, wie dergleichen einen Dädalus der Pasiphaë verfertiget hat. Nun lasset auch die Maler herkommen; denn oftermals lernen Weibsbilder, ob sie schon nicht lesen können, doch solche schandbaren Sachen aus den Gemälden und merken viel mehr daraus, als andere aus den Büchern, indem sie bisweilen solche garstige Bilder in ihre Kammern setzen und ihre Leichtfertigkeit darnach praktizieren und nachmachen; also wird nicht weniger durch das Auge als durch das Ohr des Menschen Gemüte korrumpieret und verderbet; denn es gehet sowohl zu Gemüte, was man höret, und werden die Menschen sowohl durch garstige Gemälde, als durch gegenwärtige Wirklichkeit zur Wollust angereizet; dergleichen schöne Bilderchen[276] haben wir genug; da ist die Venus Gnidia vom Praxitele, wie sie in dem Tempel stuprieret wird; da ist der Cupido desselben Künstlers, in den sich ein Rhodischer Jüngling verliebte, und die Statue der Fortuna, die von einem Athenienser so heiss geliebt wurde, dass er starb, weil er sie nicht kaufen konnte.

Der Terentius im Eunucho führet einen Jüngling an, der für Liebe brannte, als er das Gemälde gesehen, wie Jupiter durch den güldenen Regen die Danaën korrumpieret hat. Dahero hat Aristoteles nicht unbillig den Malern eine gewisse Strafe gesetzet, die dergleichen Bilder öffentlich zur Anreizung ausstellen. Und der Weise saget nicht vergebens: die Bilder und Statuen sind zu Versuchung der Seele und zur Schlinge des Lebens erfunden. Zu diesen Kupplern kommen auch häufig zugelaufen die Astrologi, die Chiromantes und Geomantes oder Wahrsager, die Somniatores oder Traumausleger, die Ominatores oder Zuvorverkündiger und dergleichen Völkchen mehr; die vertreten alle das Amt eines Kupplers, sie wahrsagen und verheissen den Liebhabern mit einem artlichen Betrug ihres Schätzchens inbrünstige Gegenliebe und Affektion, schmieden oftermals schändliche und verbotene Hochzeiten, die geschlossenen aber bringen sie oft zu einer Trennung und öffentlichen Ehebruch. Bei diesen Kupplern nun suchen nicht allein die Weiber, sondern auch, welches Sünde und Schande ist, gar die Männer, wie sie sollen ihre Heirat recht antreten, und wie sie ein Schätzchen, das sie recht lieb haben könnten, bekommen möchten; und nach ihrem nicht so sehr närrischen als vielmehr ruchlosen Einraten schliessen sie die Heirat oder lassen sie fahren.

Ja es sind ihrer viel, die auf die Torheit und auf den verteufelten Aberglauben kommen sind, dass sie meinen, dass sie durch diese astrologische Künste und Stundenbefolgung eine, die sonst nicht liebet, zur Liebe zwingen könnten, wie hiervon Theocritus, Virgilius, Catullus, Ovidius, Horatius, Lucanus und andere schwätzhafte Poeten mehr gesungen haben. Auch die[277] Astrologi, die ebenso grosse Lügner, haben uns solches in ihren Büchern gelehret, womit sie, wann die Kuppler ihnen nur Folge leisten, grossen Gewinnst machen. Und hier gibet sich auch für den Tag die Magia oder Zauberei, welche dieser Kunst auch nicht wenig zu Hilfe kommt, davon wird dieses geschrieben:


Quae se carminibus promittit solvere mentes

Quas velit, ast aliis duras immittere curas.


Das ist: Sie kann durch Verse und gewisse Reimen die Gemüter der Menschen befreien, und andere nach Belieben in Sorgen stecken. Und dieses findet man bei dem Poeten Lucano:


Carmine Thessalidum dura in praecordia fluxit

Non satis adductus amor.


Das ist: Durch Lieder und Zauberei der Thessalischen Hexen ist eine unrechtmässige Liebe in das Herze gezogen. Und bei dem Horatio hat die Canidia, bei dem Apulejo haben die Pamphilae ihre Liebhaber bezaubert, und in des Callisti Trauerkomödie hat die Kupplerin Coelestina Maeliboeam, das junge Mägdlein, also eingeangelt; hierzu müssen auch kommen die Philtra und Pocula amatoria, oder die Liebestränke, welche sehr gefährlich sind, also dass sie oftermals an Stelle der Liebe eine schwere Krankheit oder wohl gar den Tod sich zuwege bringen. Durch einen solchen Trunk ist Lucullus ums Leben kommen, und Lucretius hat dadurch seinen Verstand verloren. Wir lesen auch, dass ein Weib, welches mit einem Liebestrank einen Menschen ums Leben gebracht hatte, ist von den Areopagiten absolvieret worden, weil sie durch die Liebe zu solcher Tat bewegen worden war.

Aber es ist keine Wissenschaft unter allen, die sich zu dieser Kupplerei besser schicket, als die Medizin; die wirfet zu diesem Venusspiel die Würfel am besten auf, und durch diese kann man ein Liebchen am ersten erhaschen; wie der Poet Lucretius davon singet:


Idque sui causa consuerunt scorta moveri,

Ne complerentur crebro gravidaeque jacerent,

Et simul ipsa viris Venus ut concinnior esset.
[278]

Das ist: Die Huren haben sich ihres Vorteiles halber gewöhnet, auf allerhand Arten und Weisen sich zu bewegen, damit sie nicht mögen schwanger werden, sondern den Dienst der Venus gefällig fortsetzen können. Und durch dieses, der Medicorum heilsames Mittel lassen sich viel Matronen, viel junge Mägdlein aus gutem Hause und viel grosse vornehme Hofdamen wacker und sicher brauchen, und bedienen sich noch darbei der alten Weibergaukeleien und anderer Kupplerinnenmittel mehr, welche in den medizinischen Büchern unter dem Titul de Decoratione oder von Schändung des Ehrentanzes zu finden sind; sie machen dadurch, dass ihre Ware einen guten Abgang habe, welche die Heilige Schrift Hurensalbe nennet, holen auch wohl gewisse Arzneien aus den Apotheken, die zu Erweckung dieser bösen Lust dienlich sind. So kann kein Kupplerhaus bequemer und besser aufgerichtet werden, als durch Praetext der Medicorum und der Medizin. Denn es ist ja kein Haus so verschlossen, kein Kloster so verwahret, kein Carcer so verriegelt, darein nicht ein kupplerischer Medicus sollte eingelassen werden; dadurch auch (wie Plinius Zeuge ist) in der Fürsten Häuser sind Ehebrüche begangen worden, wie der Eudemus an der Livia des Drusi, und der Vectius an der Messalina des Claudii erfahren haben.

Damit man aber auch nicht meinen möchte, als wann die Philosophi bei dieser schönen Kunst der Kuppelei nichts zu tun hätten, so höret, was Aristippus, der Cyrenaicorum Meister, darzu saget, welcher, als er nebenst andern Mitbuhlern bei der Thaide, einer vornehmen Hure gewesen, und er sich berühmet: die Thais hätte die andern, er selbst hätte die Thais; andere gäben der Thaidi Geld und vertäten bei ihr das ihrige, er aber brauchte sich seiner Lust bei ihr umsonst. Also hat diese Hure diesen Philosophum für einen Kuppler gehabt; und hätte dieser noch bald Geld dazu bekommen, denn er musste sein Amt in acht nehmen, und die Jugend also anführen.[279] Aber, es ist diesem Aristippo nicht genug gewesen, dass er sich für einen Kuppler ausgegeben, sondern er hat auch hernach angefangen, die Wollust zu rühmen und sie zu einer Angelegenheit seiner Schule zu machen.

Endlich so sind auch dieser Kupplerei fast alle Artes Mechanicae oder Handwerkskünste unterworfen, unter welchen die Seidenstickerkunst, die Näh-, Web- und Flickkunst, und andere Weiberkünste die vornehmsten sind, durch deren Vorwand die Kupplerin, indem sie den Flachs, den Zwirn, Bänder, die Hauben und andere weibliche Zieraten, die Kränze, die Kleider, die Beutel, die Handschuh und andere dergleichen Sachen mehr rumtragen; und weil sie aus jungen Huren alte Kupplerinnen worden sind, so können sie ja die jungen Mägdlein besser an sich bringen und Gelegenheit mit ihnen zu reden nehmen; zu Gehilfinnen müssen sie auch Wäscherinnen haben, welchen vergönnet ist, frei in die Häuser zu gehen und die Jungfern und Mägde in Abwesenheit der Mütter und Frauen zu besuchen und zu überreden.

Ja es finden sich unter den Kupplern endlich auch Bettler, die unterm Prätext einer Almosengabe die Türen an Häusern und Jungfernstuben in acht nehmen, und Geschenke, Post und Briefe den jungen Mägdlein zubringen können.


Et ferunt ad nuptam dona, quae mittit adulter.


Das ist: Sie tragen die Geschenke hin und wider, welche die jungen Frauen von ihren Buhlern bekommen.

So müssen auch die Kuppler adelige Exercitia verstehen und zu ihrem Handwerke gebrauchen, als da ist das Turnieren, Reiten und andere Kriegesspiele; durch diese Lust hat Romulus das sabinische Frauenzimmer weggefischet, und wie oft hat die Jägerei bei den grossen Herren Hurerei und Ehebruch zuwege gebracht; und dieses hat artlich beschrieben Virgilius an dem Aenea und Didone, wie die Jägerei hierzu Gelegenheit[280] gegeben hat; der Gott Jupiter selber hat die Hirten auf dem Felde zu Kupplern gebrauchet.

Was auch die Schiffer bei dieser Kunst zu tun haben, das werden diejenigen gesehen haben, die zu Venedig gewesen sind.

Hier muss auch der Koch das seine tun, denn gute Leckerbissen stehen wohl bei einem Kuppler, wie uns solches Virgilius in seinen Aeneadibus gar fein explicieret hat:


Postquam prima quies epulis, mensaeque remotae,

Crateres magnos statuunt, et vina coronant.

Hic Regina gravem gemmis auroque poposcit

Implevitque mero pateram... celebrate faventes.

Dixit, et inmensam laticum libavit honorem,

Primaque libato summotenus attigit ore;

Tunc Biciae dedit increpitans; ille impiger hausit

Spumantem pateram, et pleno se proluit auro.

Post allii proceres... Tyrii Troësque sequuntur;

Nec non et vario noctem sermone trahebat

Infelix Dido, longumque bibebat amorem.


Das ist: Nachdem man aufgehöret zu speisen, und die Tafel abgeräumet, wurden grosse Becher und Kredenz aufgesetzet. Da forderte die Königin noch einen andern grossen Becher von Golde mit Edelgesteinen gezieret, welchen sie voll Wein geschenket und auf Gesundheit aller guten Bekannten ausgetrunken. Nach diesem überreichte sie ihn dem Biciae, welcher auch denselben angenommen und mit grosser Behendigkeit ausgeleeret, welches auch die andern trojanischen Helden nachtäten; und also brachte die unglückselige Dido die ganze Nacht mit einem leichtfertigen Gespräch und Liebesübung zu.

Es soll ein Kuppler noch andere Kunststückchen an sich haben, so ich anjetzo nicht berühren will, welche doch alle durchs Geld überwunden werden. Wann nun die Alchimisten, wie sie versprechen, im Goldmachen könnten Satisfaktion geben, so würden fürwahr keine bessere und mächtigere Kuppler sein als diese; denn die beste Hurenherberge ist bei Gold und Silber.
[281]

Scilicet uxorem cum dote fidemque et amicos,

Et genus et formam regina pecunia donat.


Das ist: Wer nur Geld hat, wenn er gleich von keinem hohen Stande oder sonderlicher Schönheit ist, so kann er doch nicht nur eine reiche Frau, sondern auch sonst noch viel andere gute Freunde und Schmausbrüder nach Wunsch und zur Genüge überkommen. Durch Gold wird der eifersüchtige Mann versöhnet, durch Gold wird der Mitbuhler beweget, durch Gold wird eine verschlossene Tür geöffnet, durch Gold wird das Ehebette bestiegen, durch Gold werden die stein- und felsenfeste Bande des Ehestandes aufgelöset; dahero ist es ja kein Wunder, wann ums Geld die Jungfern und jungen Mägdlein, die Matronen, die Witwen, und Nonnen feil sind, ist doch Christus selbst ums Geld verkaufet worden.

So haben wir auch Exempel, dass durch Anleitung der Kupplerei viele aus dem niedern Volke zu grossen und hohen Leuten sind gemachet worden; einer, der seine Frau andern unterlegen liess, wurde Ratsherr; ein anderer, der seiner Tochter Ehre an den Nagel hing, wurde zum Grafen gemachet; ein anderer, der einem Fürsten eine Frau in die Arme besorget, wurde wacker salarieret und geheimer Kammerherr; ein anderer, der sich einer königlichen Hure hat vermälen lassen, ist hoch ans Brett kommen und über grosse Ämter gesetzet worden; und ebenso sind oft fette Kirchenbenefizien von den Kardinälen und vom Papste vergeben worden und hat man fast heutiges Tages keinen bessern und kompendiosern Weg als diesen.

Was auch die religiosische Andacht bei diesem Handel tut, das bezeuget die Historie der keuschen Paulinae, von dem Aegesippo beschrieben, welche die Priester der Isidis einem adeligen Jünglinge, der angeblich ein Ägyptiergott war, zugeführt haben. Was auch unsere Ohrenbeichte hierbei tun kann, das weiset die in drei Teile eingeteilte Historie aus. Es mangeln mir nicht Exempel, und zwar gar neue, wann[282] ich sie nur dürfte für den Tag bringen; denn die Priester, die Mönche, die Klosterbrüder und -Schwestern, die haben in dieser Kupplerei einen sonderlichen Vorzug; denn weil ihnen unterm Prätext ihrer heiligen Andacht vergönnet ist, alle Löcher zu durchgucken, und mit einem jedweden, wann und wo eines will, unterm Vorwande eines geistlichen Besuches, oder zu trösten oder Beichte zu hören, alleine heimlich und ohne Zeugen zu reden, so sind ihre Kupplerstücke mit einer Gottesfurcht bemäntelt. Manche unter ihnen machen sich ein Gewissen daraus, Geld anzurühren; aber sie fragen nicht nach den Worten Pauli: bonum est mulierem non tangere, es ist gut, keine Frau nicht anzurühren; da es doch bei ihnen gar gemein ist, dass sie in die Hurenhäuser gehen, Nonnen stuprieren, schänden die Witwen und ihrer Wirte ehebrecherische Weiber. Ja bisweilen gar, wie ichs selbsten weiss und gesehen habe, dass sie dieselben gar entführen und nach dem platonischen Gesetze mit andern ihren guten Kameraden gar gemein haben; und anstatt dass sie ihrer Beichtkinder oder Untergebenen als Beichtväter ihre Seelen dem Höchsten zubringen sollen, so opfern sie ihre Leiber dem höllischen Satan, ja sie begehen durch ihre verfluchten bösen Lüste und Begierden noch wohl schändlichere Sünden, welche wir aber hier billig verschweigen wollen; und meinen noch wohl dabei, wann sie nur auf die Hurerei, auf den Ehebruch, auf die bösen Lüste und andere dergleichen Sachen weidlich schmähten, so hätten sie das Ihrige getan. Also sehet, so lügen oftermals die schändlichen Kuppler und Kupplerinnen unter einer Religionshaut verborgen. Dergleichen Priester und solche hurische Ratgeber brauchen gemeiniglich die grossen Hofdamen für ihre Seele und für ihren Leib.

Auch die weltlichen und geistlichen Gesetze gehören zu den Waffen der Kupplerei; sie streiten zugunsten grosser Herren für sündige Heiraten und gegen die rechtmässigen; sie treiben die Priester in die Hurerei,[283] indem sie ihnen anständige Ehen verbieten; diese Gesetzgeber wollen lieber, dass die Priester in Schande mit Konkubinen leben als in Ehren mit angetrauten Frauen, vielleicht weil die Gesetzgeber aus den Konkubinen grössern Profit ziehen. Wir lesen, ein gewisser Bischof habe sich beim Weine gerühmet, er habe in seiner Diözese elftausend Priester, die im Konkubinat leben und deren jeder ihm darum jährlich ein Goldstück zahle.

Vor Zeiten stund zu Rom im Templo Veneris ein Ratschluss auf zwei Tafeln eingegraben, welcher ein Hurengesetze und den Hurern und Kupplern trefflich favorabel war; Petrus Crinitus hat uns das auf solche Art explizieret: auf der ersten Tafel stunden die Rechte und Freiheiten, die Huren zu besuchen, ihnen nachzustellen, ihnen in die Ohren zu blasen, Mienen gegen sie zu machen, sie zu grüssen, mit ihnen zu schwatzen, vom Huren zu reden, und das sollte bei Tage niemand gewehret sein, sei es im Hause, in der Türe, im Garten, auf dem Hofe oder sonstwo; auf der andern Tafel aber stunde, dass einem des Nachts vergönnet wäre, zu seufzen und zu lamentieren, alle Scham auf die Seite zu setzen, zu bitten, die Zeit, den Ort und die Gelegenheit in acht zu nehmen, einander Briefe zu schreiben und durch solche ihnen die Hoffnung, den Willen, das Verlangen und die äusserste Not an Tag zu geben, es mag nun solches geschehen mit List oder Betrug, mit Gewalt oder Täuschung, wann nur einer dadurch ein Pfand oder einen Zutritt zu seinem Liebchen erlangen kann, es mag geschehen auf Art und Weise, wie es nun geschehen könnte. Von dem Lycurgo ist auch ein Gesetze gegeben, wann einer, der schon zu seinen Jahren kommen, ein jung Mägdlein heiraten wollte, demselben sollte freistehen, einen hübschen Jüngling sich auszuersehen, so in der Fechtschule der Venus bestanden wäre, der dem Bräutigam vorginge, nur dass der über dasjenige, was hernach geboren würde, Vater genennet würde. Auch[284] Solon hat ein Gesetz gegeben, dadurch den Weibern zugelassen, wann die Männer gar zu faule Reuter gewesen, dass sie einen andern aus seinen Verwandten haben mögen, mit dem sie sich in den Liebeskampf haben können einlassen; aber was geboren würde, das hat doch müssen ehrlich geboren bleiben. Wieviel giebt es noch heut zu Tag Weiber, und absonderlich bei denen von Adel, welche alljährlich ihren Männern Hurenkinder einschieben und wann sie geboren haben, so gehen sie hernach immer wieder auf ein neues böses Leben los, und sind schlimmer als Julia, des M. Agrippae Weib, welche keinen auf ihr Schiff kommen und aufsitzen lassen, es sei denn, dass das Schiff voll gewesen ist.

Aus dieser theologischen Schule ist auch heutiges Tages einer aufgestanden, der des Lycurgi und des Solonis Gesetze hat wollen in die Kirche einführen, der unbesiegte Ketzer Martinus Luther; ihr sehet also, dass auch Theologen Kuppler sein können.

Die Lobsprüche der Bibel selbsten (wann es nur vergönnet wäre, so zu sagen), die halten etliche Stratagemata in dieser Kupplerkunst in sich: an der Schwieger der Ruth und an Jonadab, welchen die Schrift einen weisen Mann nennet, auch an dem Ratsherrn, dem Achitophel; ja auch Abraham, weil seine Frau Sara schön und jung war, so sagte er zu ihr, da sie in der Ägyptier Land reiseten: Novi quod pulchra sis mulier, et cum viderint te Ägyptii, dicent uxor illius est, et interficient me, et te reservabunt; dic ergo, obsecro, quod soror mea sis, ut bene sit mihi propter te, et vivat anima mea ob gratiam tui. Et ita tandem sublata est Sara in domum Pharaonis, et Abrahamo bene usi sunt propter illam. Das ist: Ich weiss, das du ein schön Weib bist von Angesicht; wann dich nun[285] die Ägyptier sehen werden, so werden sie sagen, das ist sein Weib, und werden mich erwürgen und dich behalten; lieber so sage doch, du seiest in eine Schwester, auf dass mir's desto bass gehe um deinetwillen, und meine Seele beim Leben bleibe. Da ward Sara in des Pharao Haus bracht, und er tat Abraham Gutes um ihrentwillen. Mit diesem Stratagemate hat er es auch gegen Abimelech, den König im gelobten Lande, gewaget; dieses hat auch Isaak, Abrahä Sohn, getan, und also ist auch diese Kupplerkunst mit Exempeln heiliger Leute illustrieret worden; und ist also auch diese Kunst von Göttern, von Helden, von Gesetzgebern, von Philosophis, auch von weisen Leuten und Theologis und von andern Fürnehmen In Ehren gehalten worden, ja sogar von den Häuptern der Religion. Ein Kuppler ist gewesen der Gott Pan und Merkurius, und der Knabe Cupido; ein Kuppler ist gewesen der Gesetzgeber Lycurgus und der weise Solon, der am ersten Hurenhäuser hat aufgebauet und der Jugend Huren hineingeführet; und zu neuern Zeiten hat der Papst Sixtus ein trefflich Hurenhaus zu Rom aufbauen lassen; auch hat der Kaiser Heliogabalus in seinem Hause einen ganzen Haufen Huren ernähret, und solche seinen guten Freunden und Knechten gehalten. Ja auch noch heutiges Tages sind Königinnen und Fürstinnen Kupplerinnen für ihre eigenen Söhne; so schämen sich auch nicht dieses Amtes die Optimates und Vornehmen in einer Republik. Denn Kuppler sind gewesen die Korinthier, Epheser, die Abydeni, die Cyprianer, die Babylonier und andere mehr; die Obrigkeitsstelle vertreten, die haben in ihren Städten Hurenhäuser aufgebauet und unterhalten, und haben mit diesem Hurenwucher ihrem Aerario ein Grosses zugewandt. Zu Rom muss eine jedwede Hure wöchentlich dem Papst einen Julier bezahlen, welcher Zoll jährlich mehr als 20 000 Dukaten austräget; und das ist der Ältesten in der Kirchen ihr Amt, dass sie nebenst anderen Kirchen-Einkünften auch diesen Kuppelzoll einnehmen und[286] berechnen, wie ich selbsten bisweilen von ihnen Rechnung gehöret und gesehen habe. So einer hat, sprechen sie zu Rom, zwei Beneficia; die Curatur von 20 Dukaten und das Priorat von 40 Dukaten, und hat dazu noch drei Huren in Burdell oder im Hurenhause, welche ihm alle Wochen zwanzig Julier (ist soviel als ein Achtgroschenstück) geben müssen.

Nichts weniger sind auch die Bischöfe und die grossen Kirchenofficiales Kuppler, welche von den Priestern, dass sie frei mögen Konkubinen halten, jährlich einen gewissen Zoll erpressen, und zwar so öffentlich, dass bei dem gemeinen Mann ein Sprichwort worden ist darüber, dass sie diesen Hurenzoll eintreiben: er mag die Hure haben oder nicht, so muss er jährlich ein Dukaten geben für die Hure; er mag sie dann haben, wann er will. Aber in einem solchen Reiche, wo der Geiz regieret, da wird nichts für schändlich geachtet, was Nutzen bringet.

Ich will jetzo nicht anführen, was die Bischöfe zulassen, wann sie um ein gewisses Geld verstatten, dass ein Weib, wann ihr Mann abwesend ist, mag ohne Sünde des Ehebruchs mit einem andern zu tun haben; welches alles so kund und offenbar ist, dass man bisher nicht hat wissen können, ob der Bischöfe ihre Unverschämtheit grösser, oder des gemeinen Mannes Geduld närrischer ist, also dass die teutschen Fürsten vonnöten gehabt haben, solche Gravamina unter andern Beschwerungen, so ihre Nation betroffen, aufzuwerfen, aus welchen ihr von denen, die ich hier anjetzo verschweigen will, wohl etliche ausnehmen könnet.

Sehet nun, was diese Kupplerkunst vor Patrone hat, und wie solche von ihnen beschützt und defendieret wird. Gott sei's geklaget, dass bei unserer christlichen Gemeine so viel Raum und Platz dieser Hurenwirtschaft gegeben wird, also dass in den Städten öffentliche Theatra aufgebauet, stattliche Freiheiten und Besoldungen gemacht werden, alles wider Gottes Wort und Gebot, nur aus der Menschen närrischen[287] Vernunft, und wegen des schnöden Gewinnstes; denn da sagen sie: nur dass die Jugend, welche aller Wollüste voll ist, nicht noch ärgere Sachen begehen möchte.

Denn da sprechen sie: nimm aus dem gemeinen Wesen die gemeinen Hurenweg, so wird alles voll sein von Schänderei, Blutschande, Ehebruch; keine ehrliche Matrona wird übrig bleiben, keine Witwe wird ihre Keuschheit bewahren können, keine Jungfer oder Nonne wird auf der Strasse sicher sein; und schliessen daher, dass kein Periode oder Ruhe in einer Republik nicht sein könnte, wann man die Huren abschaffen sollte. Aber weit gefehlet. Hat denn nicht das israelitische Volk vor Zeiten durch soviel Secula bei solcher Kontinenz und Mässigkeit gelebet? Hat nicht Gott ihnen befohlen: es soll keine Hure und kein Hurer bei den Kindern Israel sein? Nun hat diese Unreinigkeit unterm Prätext der Religion die Kirche angefallen und solche, die nicolaitanische Ketzerei fortgepflanzet, welche, um die Eifersucht nicht aufkommen zu lassen, die Weiber, wie nach dem platonischen Gesetze, gemein hingegeben hat. Welcher Fürst, Richter und Magistrat aber solche Hurenhäuser heget oder nur zulässet, ob er gleich nicht selber mit huret, der soll hören, was der Herr in dem Psalter saget: Si videbis furem, currebas cum eo, et cum adulteris portionem tuam ponebas; haec fecisti et tacui; existimasti inique, quod ero tui similis; sed arguam te et statuam contra faciem tuam. Das ist: Wo du einen Dieb siehest, da laufest du mit ihm, und hast Gemeinschaft mit den Ehebrechern; das tust du und ich schweige, da meinest du, ich werde sein gleich wie du, aber ich will deine Missetat am Tag bringen, und dir deine Übertretung unter Augen stellen.[288]

Quelle:
Agrippa von Nettesheim: Die Eitelkeit und Unsicherheit der Wissenschaften und die Verteidigungsschrift. München 1913, Band 1, S. 272-289.
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